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Sonntag, 11. Januar 2026

The Greater Patagonian Trail - Sektion 8: Vulkanland und Cowboys

By On Januar 11, 2026


Die Sektion 8 des Greater Patagonian Trails führt durch ein stark vulkanisch geprägtes Gebiet mit heißen Quellen, staubigen Wegen und unzähligen Flussquerungen. Dazu kamen lästige Rossbremsen, große Hitze - und ganz viele schöne Begegnungen mit Cowboys, hier in der Gegend Arrieros genannt. Gemeint sind traditionelle Viehtreiber. Sie reiten meist auf Pferden durch die Berge und leben oft tage- oder wochenlang draußen. Die meisten von ihnen sind unglaublich herzlich, neugierig und nicht selten ziemlich erstaunt, einer alleine wandernden Frau in den Anden zu begegnen.

Laguna de Laja

Sonntag, 4. Januar 2026

Nach zwei entspannten Erholungstagen in San Fabián - mit viel Kuchen, Salat, frischen Früchten und Poolzeit - ging es am Sonntagmorgen per Autostopp los zum Start der Sektion 8. Ich hatte riesiges Glück: Zuerst nahm mich eine nette Farmerfamilie mit, später vier junge Leute, die einen Wochenendausflug zu einem Wasserfall machten. Dank ihnen konnte ich mir einige Kilometer auf einer unbefestigten Straße sparen. Irgendwann kam ihr Auto aber nicht mehr weiter, da der Weg immer rustikaler wurde. Und wieder hatten wir Glück - ein Pickup nahm uns noch ein paar Kilometer mit. Alle waren völlig begeistert davon, dass ich hier alleine die chilenischen Anden durchquere.


Ja, der Weg war wirklich holprig 

Gleich zu Beginn meiner heutigen Wanderung stand eine große Herausforderung an: die Querung des Flusses Río Ñuble. Ich versuchte es zuerst ohne Rucksack. Das Wasser ging mir bis über die Hüften, die Strömung war stark und ich schaffte es nicht auf die andere Seite. Also ging ich noch einige Kilometer flussaufwärts und fand tatsächlich eine Stelle, an der ich den Fluss problemlos überqueren konnte. Meine neuen Schuhe haben die Flussquerung gut überstanden, sehen mittlerweile aber alles andere als neu aus.


Mein heutiges Highlight waren zwei Spechte mit knallrotem Kopf, die über mir an einem Baum herum hämmerten.



Der Zeltplatz war so mittelmäßig. Extrem staubig, dafür aber Wasser in der Nähe, sodass ich noch baden konnte, was dringend nötig war bei dem ganzen Dreck. 


Lustigerweise sagten mir heute Morgen mehrere Leute, ich solle mich unbedingt bei allen Polizeiposten registrieren - das mache man hier aus Sicherheitsgründen so. Ich hätte das ehrlich gesagt auch gemacht, aber durch die vielen tollen Mitfahrgelegenheiten hatte ich es komplett vergessen.


Montag, 5. Januar 2026

Der Vormittag war extrem heiß und geprägt von sehr steilen Anstiegen, dafür aber immer mit fantastischem Blick auf den Vulkan Chillán. Meine Mittagspause machte ich an einer heißen Quelle, genauer gesagt in einem Tal mit heißen Flüssen. Rundherum waren noch einige kleine Schneefelder vorhanden - ein toller Kontrast. Hier oben war es nicht mehr so heiß, dazu kam Wind, also perfekt für ein ausgiebiges heißes Bad. Es war herrlich!


Den heißen Fluss am Genießen 

Der restliche Weg war wieder unglaublich staubig. Ich glaube, ich habe inzwischen eine richtige Staublunge, denn bei jedem Schritt wird  der Staub aufgewirbelt und manchmal fährt auch der Wind hinein. Später ging es wieder in tiefere Lagen, es wurde stark neblig und teilweise nieselte es sogar. Es stand erneut eine Flussüberquerung an. Sie war zwar einfach, aber das Wasser ging mir bis zur Hüfte.



Eine Kuh mit zwei Kälbern war gar nicht begeistert, dass ich an ihr vorbeiging, und wollte mich tatsächlich attackieren. Mein Kampfschrei hat sie dann aber doch aufgehalten. Ich traf einen netten Arriero und campte neben einem Fluss. Der Zeltplatz war nicht besonders genial: nicht ganz flach und extrem staubig.


Dienstag, 6. Januar 2026

Mein heutiges Ziel waren die heißen Quellen Termas Los Peucos. Dort soll es eigentlich einen Campingplatz geben und mit etwas Glück auch ein Kiosk, wo man Snacks kaufen kann. Da die Termas Los Peucos aber sehr abgelegen sind und die meisten Leute mit Pferden kommen, ist dort oft wenig bis nichts los.


Ich hatte nur einen halben Wandertag geplant und kam schon mittags an meinem Ziel an. Der Plan war es, den Rest des Tages zu entspannen und erst am nächsten Tag weiterzuziehen. Als ich mich den Quellen näherte, hörte ich bereits Pferdegewieher und viele Stimmen. Vor Ort waren zwei Cowboy-Gruppen, die hier übernachtet hatten.  Sie ziehen mit ihren Pferden für mehrere Tage durch die Berge. Die Männer erklärten mir, dass das Camp schon seit längerer Zeit verlassen ist, weil es Probleme mit der Administration gibt. Also leider auch kein Kiosk. Der Vorteil: Ich musste nichts bezahlen.


Ich wartete, bis die Cowboys weg waren, bevor ich mich in die heißen Pools wagte. Die Männer schienen nämlich nur darauf zu warten, mich dabei beobachten zu können - diese Freude gönnte ich ihnen aber nicht. Einer der Cowboys gab mir noch eine kleine Blitz-Reitstunde und hievte mich auf sein Pferd. Es war ein ziemlich ungestümer Gaul. 



Sie wollten noch unbedingt ein paar Fotos mit mir machen bevor sie aufbrachen. Als sie dann weg waren hatte ich diesen wunderschönen Ort ganz für mich allein.



Es gab sogar Toiletten mit funktionierender Spülung - purer Luxus. Ich genoss einen gemütlichen Nachmittag, badete in den heißen Quellen, wusch meine Wäsche und entspannte.


Am Abend verpasste mir eine Schlange, die direkt vor meinen Füßen ins Gebüsch flitzte, einen kleinen Adrenalinkick. Kurz darauf spazierte noch ein ziemlich großer Fuchs am Camp vorbei, vermutlich auf der Suche nach den Essensresten der Cowboys.


Mittwoch, 7. Januar 2026

Der Morgen war eisig kalt und mein Zelt komplett voller Kondenswasser. Dafür wurde der Tag umso heißer, scheinbar über 38 Grad. Es gab wieder einmal viele Flussquerungen - alle recht einfach, und einen sehr steilen Anstieg. Später ging es durch einen Wald, in dem massenweise umgefallene Bäume lagen. Der Weg wurde dadurch zu einer mühsamen Kletterei.



Das Schlimmste an diesem Tag waren aber die Rossbremsen. Ab Mittag hatte ich konstant einen ganzen Schwarm um mich herum. Trotz langer Kleidung wurde ich mehrmals gestochen. Egal wie viele man von den Biestern erschlägt - eine Sekunde später sind wieder genauso viele da. Erst mit dem Sonnenuntergang verschwinden diese Untiere.


Die Zeltplatzsuche war schwierig. Es war zwar halbwegs flach, aber überall lag Kuh- und Schafmist, was geruchstechnisch ziemlich unangenehm war. Am Ende stellte ich mein Zelt unter einem Baum auf, der gefühlt jeden Moment hätte umfallen können. Auch der Bach neben meinem Camp war voller Exkremente. Ich konnte nur voll und ganz auf meinen Wasserfilter vertrauen.


Donnerstag, 8. Januar 2026

Schon kurz nach dem Start meiner heutigen Wanderung hatte ich einen großartigen Blick auf die riesige Laguna de Laja. Meinen Schwimmspot hatte ich aber bei der kleineren Laguna El Roble geplant. Dort kam ich bereits um 11:30 Uhr an und machte eine kleine Mittagspause.



Danach stand mir ein irrsinnig steiler Anstieg auf einen Bergpass bevor. Beim Aufstieg traf ich zwei nette Arrieros, die wie immer sehr erstaunt waren, eine Frau allein in den Bergen zu sehen. Wir plauderten ein wenig.


Kurz bevor ich den Pass erreichte und ich eine längere Gratwanderung vor mir hatte, sah ich dunkle Gewitterwolken hinter mir aufziehen. Die Wettervorhersage hatte eigentlich kein Gewitter angekündigt. Wer mich kennt, weiß, dass ich von Gewittern in den Bergen ziemlich traumatisiert bin. Wieder retour und absteigen fand ich keine gute Idee, da das Gewitter ja aus der Richtung kam. Ich versuchte also so schnell wie möglich voranzukommen. Mitten auf dem Grat wurde es ernst. Die dunklen Wolken waren fast über mir. Es blitzte und donnerte bereits. Ich wurde ein bisschen panisch, denn es gab absolut keine Möglichkeit, einen Unterstand zu  finden. Ich begann zu rennen, obwohl noch mehrere Kilometer Grat vor mir lagen. Ich schickte mehrere Stoßgebete in den Himmel. Schließlich kamen etwas höhere Büsche, in die ich mich hineinkauerte, um wenigstens etwas Schutz zu haben.


Es donnerte unheimlich laut genau über mir und ich sah einen Blitz weiter vorne am Bergkamm. So hockte ich dort ganze zwei Stunden im Gebüsch. Innerlich war ich schon darauf eingestellt, die Nacht hier zu verbringen Irgendwann beruhigte sich das Gewitter zum Glück etwas und ich beschloss weiterzugehen.


Kurz darauf traf ich einen Arriero namens Juan Carlos, der mit zwei Pferden und einem Hund den Berg heraufkam. Er beruhigte mich bezüglich des Gewitters und meinte es sei vorbei. Dann fragte er, ob er ein Foto von mir machen dürfe, was ich bejahte. Daraufhin machte er unzählige Fotos von mir und filmte mich sogar. Ich machte im Gegenzug natürlich auch ein Foto von ihm. Als nächstes fragte er mich nach meinem Namen und schickte kurz darauf jemandem eine Sprachnachricht, in der er erzählte, wie ich heiße. Das war schon alles etwas skurril, aber ich hatte das Gefühl, dass er eigentlich ein guter Kerl war. Er ritt noch eine ziemliche Weile neben mir her. Irgendwann verabschiedete er sich und zog weiter. Ich glaube, er ist einfach noch nie zuvor einer Frau begegnet, die allein in den Bergen unterwegs ist.



Ich fand schließlich einen schönen Zeltplatz auf einer Bergwiese.



Freitag, 9. Januar 2026

Es folgte ein langer Abstieg. Unten im Tal traf ich tatsächlich Juan Carlos vor seinem Puesto wieder. Er winkte mich zu sich heran und wir plauderten noch ein bisschen. Der Cowboy erzählte mir unter anderem, dass er quasi der Ministerpräsident der Arrieros hier in der Gegend sei. 


Danach kam ich in ein Gebiet, das man eigentlich nicht durchqueren darf: ein großes, wegen Wasserkraftanlagen gesperrtes Areal. Da ich von oben aus den Bergen kam, konnte ich problemlos hinein. Es folgten rund 17 Kilometer Schotterstraße, später dann Asphalt. Die Mitarbeiter der Wasserkraftanlage dürfen offenbar keine Wanderer mitnehmen, denn niemand hielt an -  was in Chile eigentlich sehr untypisch ist.



Beim Verlassen dieses Industriegebiets war der Mann am Eingangstor ziemlich erstaunt, mich dort zu sehen. Er erklärte mir, dass der Zugang normalerweise nicht erlaubt sei. Aber nun war es ja sowieso zu spät. Er war aber schlussendlich sehr nett. 


Als ich schließlich an einer Hauptstraße ankam, ging es per Anhalter ins nächste Dorf: Antuco. Ich hatte Glück: Schon das zweite Auto hielt an. Es war eine supernette venezolanische Familie. Wir tauschten auch gleich unsere Nummern aus, da sie mich gerne Mal zu sich nach Hause in Santiago einladen möchten. In Chile passiert es mir übrigens oft, dass Autos erst vorbeifahren und dann, wenn sie schon weit weg sind, plötzlich im Ruckwärtsgang zurückkommen, um mich mitzunehmen. Ich glaube, sie brauchen einfach etwas länger, um sich zu entscheiden. Die Familie ließ es sich nicht nehmen, mich direkt bis zu meiner Unterkunft zu fahren.


Nun stehen wieder zwei Erholungstage an, die ich jedes Mal sehr genieße - vor allem wegen des Essens. Ich hatte außerdem riesiges Glück mit meiner Unterkunft "Cabañas Puelche". Eigentlich wollte ich mir ein Einzelzimmer mit Gemeinschaftsbad buchen. Als ich ankam, war das aber nicht mehr frei. Stattdessen bekam ich zum selben Preis von 20.000 CLP (18 € ) eine komplette Cabaña (Hütte) nur für mich allein - mit Küche und eigenem Bad - eigentlich für fünf Personen gedacht. Es gibt sogar einen Pool. Luxus pur!



Die Zeit in den Bergen liebe ich wirklich sehr. Ich schlafe im Zelt meistens unglaublich gut, und liebe es mit der Morgendämmerung und den Geräuschen der Natur zu erwachen. Tagsüber genieße ich die Natur, die kalten Bäche und die täglichen Abenteuer. Nicht zu vergessen all die herzlichen Begegnungen. Mindestens genauso sehr schätze ich aber auch die Erholungstage in den Dörfern: einkaufen zu können, richtig gut zu essen, zu duschen und all diese kleinen Luxusmomente. Genau diese Abwechslung macht diese Reise so besonders.


GPT08 - Technische Daten:

• Distanz: 126 km

• Höhenmeter: 5.052 m

• Dauer: 5,5 Tage


Insgesamt am Greater Patagonian Trail: 

• Distanz: 656 km

• Höhenmeter: 28.360 m

• Dauer: 33 Tage




=> Hier findest du alle meine Fotos der 8. Sektion des GPT <=






Samstag, 3. Januar 2026

The Greater Patagonian Trail - Sektion 7: Zwischen Ziegenherden, Rossbremsen und heißen Quellen

By On Januar 03, 2026

Erstaunlicherweise war ich auf dieser Sektion deutlich schneller unterwegs, als ich es erwartet hätte. Im Schnitt bin ich über 30 Kilometer pro Tag gewandert - unglaublich, wenn ich daran denke, wie kurz meine Etappen zu Beginn noch waren. Der Körper scheint sich an die Belastung zu gewöhnen. Natürlich hängt das Ganze stark von der Wegbeschaffenheit ab: Ob es einen richtigen Pfad gibt oder ob man sich durchs Dickicht kämpfen muss. Auf dieser Etappe waren die Wege meist recht einfach, was ein schnelles Vorankommen einfacher machte.

Sektion 7 war geprägt von vielen Puestos, den einfachen Unterkünften der Viehhirten, und von zahlreichen Arrieros, den Cowboys Patagoniens. Dazu kamen Ziegen- und Rinderherden, unzählige Flussdurchquerungen, große Hitze und endlose Bademöglichkeiten. Besonders beeindruckt haben mich die heißen Quellen, die mitten im Nirgendwo direkt aus dem Felsen sprudelten. 

Dazu kamen Pflaumenbäume voller kleiner, reifer Früchte, die einfach köstlich waren.


Freitag, 26. Dezember 2025

Am meinem Abreisetag im Hostel in Talca sprach mich tatsächlich ein Typ an und fragte, ob ich auch den GPT wandere. Damit hatte ich absolut nicht gerechnet, da der Greater Patagonian Trail relativ unbekannt ist. Wir konnten es beide kaum glauben. Leider musste ich schon zum Bus. Er heißt übrigens Anh und begleitete mich noch zum Terminal. Wir tauschten im Schnelldurchlauf wichtige Infos und Erfahrungen aus.

Um 15 Uhr ging der Bus nach El Médano, wo ich gegen 17:30 ankam. Da es schon zu spät war, beschloss ich meinen Einstieg in die Etappe 7 auf morgen zu verschieben und mir einen Campingplatz zu in dem Dörfchen zu suchen. Dieser entpuppte sich als Garten hinter einem Haus, kostete 7.000 CLP und war soweit völlig in Ordnung. Am Abend ging ich noch zum Fluss hinunter, um die Thermalquellen von El Médano zu besuchen. Sie sind nicht sonderlich spektakulär, da sie nur lauwarm sind. Früher gab es dort richtig heiße Naturpool, ein starkes Hochwasser hatte vor einigen Jahren die natürlichen Becken und Wasserwege leider verändert.

Samstag, 27. Dezember 2025

Nachdem ich am Morgen mein Zelt zusammengepackt hatte versuchte ich per Autostopp zur Laguna del Maule zu kommen. Ich wollte mir nämlich die gut 30 km auf einer Asphaltstraße zu Fuß sparen. Es waren kaum Autos unterwegs. Schlussendlich schaffte ich es mit zwei Mitfahrgelegenheiten - zuerst ein junges Paar, später drei Arbeiter - bis kurz vor die Lagune. Zuerst musste ich aber noch die Grenze zu Argentinien passieren, der hier tatsächlich mitten in den Bergen statuiert ist. Obwohl ich auf der chilenischen Seite blieb, kam ich nicht drumherum durch den Grenzposten zu gehen. 
Dort angekommen waren sich die Grenzbeamten nicht ganz sicher, ob ich mich registrieren müsse. Drei Leute diskutierten darüber und entschieden schließlich, dass es nicht nötig sei.

Die Laguna del Maule liegt auf etwa 2.200 Metern Höhe in einer vulkanischen Caldera. Unter der Lagune befindet sich eine der größten bekannten Magma-Ansammlungen der Erde. 

Laguna del Maule

Am See traf ich auf einen nervigen Fischer, der mir erklären wollte, dass meine geplante Route nicht möglich sei. Vermutlich hatte er einfach keine Ahnung - Wandern zählt in Chile eher nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen der Einheimischen. Ich beschloss einfach lieb zu lächeln und weiterzugehen. Zuerst musste ich eher freestyle einen kleinen Berg aus Vulkansand erklimmen. 


Danach ging es wieder bergab durch ein wunderschönes von Bächen durchzogenes Tal mit vielen Kühen und Schafen. Ich kam an einigen Puestos vorbei, traf aber auf keinen Arriero (= Viehhirte). 

Sonntag, 28. Dezember 2025

Heute Morgen kamen mir hunderte Rinder entgegen, eingehüllt in eine riesige Staubwolke. Es dauerte mindestens eine halbe Stunde, bis die ganze Herde vorbei war. Dahinter vier Arrieros mit Hut und Lasso sowie ein paar Hirtenhunde. Eine Szene wie aus dem Wilden Westen. Einer der freundlichen Arrieros plauderte kurz mit mir.


Später begegnete ich vermehrt Ziegenherden und kam weiterhin regelmäßig an Puestos vorbei. Zu meiner freudigen Überraschung gab es jede Menge Pflaumenbäume am Wegesrand mit kleinen, unglaublich süßen, reifen Früchten. Ich schlug mir natürlich den Bauch voll, frische Früchte hat man als Weitwanderer schließlich nicht alle Tage.  

In Carrisales, einem Dorf (falls es überhaupt eins ist?) mit vielleicht fünf Häusern, gab es einen Mini-Shop. Obwohl Sonntag war, öffnete mir der ältere Herr auf Zuruf seinen Laden im eigenen Haus. Ich kaufte Cola und Schokolade - sonst hätte es noch Pasta und Thunfischdosen gegeben. Ein Mobilfunknetz gibt es in dem Dorf nicht, aber zu meiner Überraschung hatte der Mann WLAN, welches er mit mir teilte. 

Am späteren Nachmittag kam ich an heißen Quellen vorbei, die direkt aus dem Fels sprudelten. Ich war begeistert, so etwas sah ich zum ersten Mal. Daneben floss ein eiskalter Fluss. Ich machte eine ausgiebige Pause wechselte zwischen der heißen Quelle und dem eiskalten Fluss immer wieder hin und her - Wellness pur! 



Montag, 29. Dezember 2025

Jeder Bergpass eröffnet eine neue Welt. Ich staunte nicht schlecht, als ich das riesige von Flüssen durchzogene Tal unter mir sah. 

Es ging nun für einige Stunden an einem größeren Fluss entlang. Irgendwann musste ich ihn queren, was zum Glück problemlos verlief. Je nach Jahreszeit kann das Wasser teilweise bis über die Hüften gehen. Bei mir reichte es gerade mal bis zu den Knien. Bei hohem Wasserspiegel und starker Strömung können solche Flussquerungen sehr gefährlich sein. 

Ich traf einen netten alten Arriero und plauderte kurz mit ihm. Später kam ich zu einem Puesto, vor dem hunderte von Ziegen grasten. Ich sah zwei Männer und eine ältere Frau dort im Schatten unter einem Baum sitzen und gesellte mich zu ihnen. Die Frau - sie heißt übrigens Irma - verkaufte mir schließlich etwas von ihrem selbstgemachten Ziegenkäse und frisch gebackenes Brot. Sie versorgte mich zusätzlich mit kalten Getränken und wollte mich auf Rotwein aus dem Tetrapack einladen. Ich habe jedoch dankend abgelehnt, da die Kombination aus Wandern in der Mittagshitze und Rotwein vielleicht nicht die Beste ist.



Am Abend fand ich wieder einen sehr schönen Zeltplatz direkt am Fluss. Es ist eine richtige Wohltat, sich noch kurz waschen zu können, bevor man sich zur Nachtruhe ins Zelt legt, denn die Gegend hier ist so unglaublich staubig - der Staub klebt einem ständig an der verschwitzten Haut und an der Kleidung. 

Dienstag, 30. Dezember 2025

Der Tag begann mit einem sehr steilen Anstieg. Die Hitze war wieder heftig, während die Nächte hier überraschend kalt sind. Nach ein paar Stunden erreichte ich die wunderschöne Laguna del Dial. Da es keine Straßen dorthin gibt, lassen sich scheinbar manche reiche Chilenen sogar mit dem Helikopter hierher fliegen.

Laguna Dial 

Zu meiner Überraschung traf ich Kathrin und Matthias wieder, die gerade Badepause machten. Die beiden haben eine andere Route gewählt als ich und konnten noch ein längeres Stück per Autostopp zurücklegen, deshalb waren sie nun wieder vor mir. Wir wanderten noch ein Stück gemeinsam weiter und legten eine weitere Schwimmpause ein. 

Ich campierte später etwas weiter oben als die beiden, aber wir werden uns sowieso in den nächsten Tagen wiedersehen.

Traumhafte Abendstimmung 

Mittwoch, 31. Dezember 2025

Heute gab es Flussüberquerungen ohne Ende. Das Wasser ging meist etwa bis zum Knie, sodass alles gut machbar war. 

Vor einem Puesto

Scheinbar habe ich bereits komplett das Gefühl für Raum und Zeit verloren - mir fiel nämlich plötzlich ein, dass heute ja Silvester ist. Der letzte Tag des Jahres 2025 gestaltete sich aber etwas unangenehm. Ich wurde fast den ganzen Tag von stechenden Insekten attackiert: Rossbremsen ohne Ende und zudem riesige fliegende Käfer, die tatsächlich auch zustechen. Zum krönenden Abschluss hatte ich neben einem halben Sonnenstich noch massenweise Ameisen im und ums Zelt herum. Die Hitze war heute richtig brutal. Ein kleiner Tiefpunkt zum Jahresabschluss. Kathrin und Matthias haben ihr Zelt auch am selben Ort aufgestellt. Der weitere Abend verlief unspektakulär: Abendessen, ein bisschen plaudern, lesen und um neun Uhr lagen wir schon alle im Schlafsack.

Donnerstag, 1. Januar 2025

Der heutige Wandertag war kurz. Nach etwa 15 Kilometern erreichten wir Puente Inglés, wo es außer einem Campingplatz und einem Kiosk aber nicht viel gibt. Ein Polizist, der gerade Heu für die Polizeipferde verlieferte, bot uns an, uns auf dem Rückweg nach San Fabián - den nachstgrößeren Ort - mitzunehmen. Was für ein Glück! 

In San Fabián trennten sich die Wege von Kathrin, Matthias und mir vorerst wieder. Die beiden mussten zurück in die Hauptstadt, um ihr Zelt reparieren zu lassen. Ich beschloss, mir mindestens zwei entspannte Tage im Ort zu gönnen, bevor ich in die Sektion 8 starte, die wieder ziemlich lang ist und vor allem sehr viele Höhenmeter hat.

Die Erholungstage werden immer in vollen Zügen genossen

Equipment-Update

Mein Zeltboden hat inzwischen ein paar kleine Löcher, von den Ameisen, die sich dort irgendwann einmal durchgefressen haben. Das erste Paar Socken hat an den Außenknöcheln Löcher und ist somit nicht mehr brauchbar. Bei einem Trekkingstock ist die Spitze abgebrochen, ich könnte ihn aber zum Glück provisorisch reparieren. Der Hüftgurt des Rucksacks war auf einer Seite eingerissen, konnte aber genäht werden. Meine Schuhe sind nun nach nicht einmal 600 Kilometern an der Sohle fast komplett durch. Das raue Vulkangestein greift die Schuhe wirklich stark an. Ich konnte glücklicherweise hier in dem kleinen Örtchen Salomon Schuhe zu einem günstigen Preis finden. Ich bin gespannt, was meine Füße zu dem Schuhwechsel sagen.


GPT07 - Technische Daten:
• Distanz: 152 km
• Höhenmeter: 4.386 m
• Dauer: 5 Tage





=> Hier findest du alle meine Fotos der 7. Sektion des GPT <=