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Sonntag, 26. März 2017

Camping auf 5.100 m & erneute gescheiterte Besteigung des Chimborazo 6.310 m


Neue Chimborazo Besteigungspläne mit Santiago

Ich glaube ich habe euch vor einer guten Woche bereits erzählt, dass ich auf der Schutzhütte des Chimborazo zufällig auf Santiago getroffen bin. Er ist ein Guide mit dem ich einige Wochen zuvor schon Kontakt hatte bzgl der Chimborazo Besteigung. Wir wurden uns damals aber über den Preis nicht einig, deshalb entschied ich mich letztendlich für Ñato. 

Als ich Santiago auf der Hütte traf war er aber äußerst freundlich und meinte dann schlussendlich er würde mich gerne auf einen erneuten Besteigungsversuch einladen. Oh wow. Ich war mir gar nicht sicher, ob er das ernst meinen würde. Doch siehe da, es wurde was draus. Ich war ja der Meinung, dass wenn wir es erneut versuchen wollen, dies möglichst bald passieren sollte, denn im Moment bin ich gut akklimatisiert und so halbwegs in Form. Ich fragte ihn also, ob er diesen Donnerstag Zeit hätte, und er stimmte sogleich zu.

Erneut nach Riobamba

Ich fuhr also am Mittwoch erneut nach Riobamba, der Stadt am Chimborazo, und kam wieder bei Fausto unter. Am Abend traf ich mich mit Santiago und mein Equipment zu prüfen. Einige Dinge wie Schutzhelm, Klettergurt und ordentliche Bergschuhe konnte er mir leihen, Pickel und Steigeisen musste ich mir in einem Fachgeschäft ausleihen. Zwei Freunde von Santiago kommen auch mit - Jorge, der auch gerne Guide werden möchte und Chino, für den es die erste Besteigung des Chimborazo ist. Um Geld zu sparen und uns besser zu akklimatisieren werden wir zelten, erklärte mir Santiago. Ich schluckte erstmals. In der Nacht hat es auf dieser Höhe um die - 10 Grad Celsius und mein Schlafsack ist nicht gerade der Beste. Andererseits hörte es sich nach einem unvergesslichen Abenteuer an.

Auf zum Zelten am Chimborazo auf 5.100 m

Am Donnerstag Morgen ging es los. Unser Gepäck war beträchtlich: Zelte, Schlafsäcke, Equipment für die Chimborazo Besteigung, Kochutensilien und die Jungs hatten sogar ihre Sbowboards dabei.

unser Gepäck 


Bis zur ersten Schutzhütte auf 4.800 m fuhren wir. Dann schleppten wir uns mit jeweils 20-30 kg auf dem Rücken auf 5.100 m und suchten einen geeigneten Zeltplatz. Dort stellten wir unsere zwei Zelter auf. Die Jungs gingen danach noch kurz snowboarden. Wir bereiteten unser Abendessen gegen fünf Uhr zu, damit wir nicht zu spät ins Bett kommen. Gekocht wurde natürlich mit Schnee und auch zum Trinken kochten wir Schneewasser ab. Als die Sonne unterging wurde es unglaublich kalt. Da der Chimborazo ja der Punkt auf dieser Erde ist, der am nähesten an der Sonne liegt, ist es untertags eigentlich ziemlich warm - was mir unter anderem einen ordentlichen Sonnenbrand bescherte - trotz Sonnencreme. Wir begaben uns also ins Zelt und versuchten zu schlafen - gegen Mitternacht heißt es wieder aufstehen zur Gipfelbesteigung. Ich glaube ich habe keine Minute schlafen können, da ich so fror - trotz T-Shirt und fünf Schichten Pullover, außerdem drei Hosen und drei Paar Socken.

unser Zeltplatz auf 5.100 m

die kleine Lagune des Chimborazo

gekocht wurde mit Schnee


Erneuter Besteigungsversuch des Chimborazo

Wie froh war ich als es endlich Zeit war aufzustehen. Wir kochten noch schnell etwas Wasser auf, um Tee zu machen und stärkten uns mit einer Kleinigkeit. Dann ging es los. Die Schneeverhältnisse waren diesmal etwas anders als beim letzten Mal - die oberste Schicht bestand ca zwei cm aus Eis, wenn man durchbrach versank man fast hüfttief im Schnee. Wir hatten aber Riesenglück, denn eine Gruppe von 4 Personen hat sich bereits zwei Stunden vor uns auf den Weg gemacht, somit konnten wir ihren Spuren folgen. Santiago ging in einem richtig angenehm langsamen Tempo voran, was mich wieder einmal etwas in der Meinung bestätigte, dass Ñato viel zu schnell mit mir unterwegs war und ich deshalb solche Probleme mit der Höhe bekam und irgendwann einfach nicht mehr konnte. Diesmal fühlte ich mich so unendlich energiegeladen. Die Gruppe vor uns kam uns bereits nach Kurzem entgegen. Sie hätten nach dem El Castillo an der Schlüsselstelle umgedreht, da die Klienten zu viel Angst gehabt hätten. Sie sahen ziemlich fertig aus und bewegten sich nur in Zeitlupe bergab. Wir passierten die kleine Kletterstelle nach dem El Castillo problemlos, sogar Chino, für den der Chimborazo komplett neu war, schlug sich hervorragend. Nun war es vorbei mit dem Weg, den wir folgen konnten. Das Weiterkommen war nun beschwerlicher. Der Wind war diesmal stark und eisig kalt. Sogar mein Trinkwasser war eingefroren. Ich bemerkte, dass Santiago nicht sehr zufrieden war mit dem Schnee. 

Am Ende kam es wie ich befürchtet hatte. Santiago erklärte uns, dass er es nicht verantworten konnte weiter mit uns zu gehen, da die Schneesituation viel zu gefährlich sei. Für mich brach in diesem Moment eine kleine Welt zusammen. Diesmal wäre ich top in Form und auch die Höhe machte mir absolut keine Probleme. Ich versuchte ruhig zu bleiben und keine Diskussion zu starten. Immerhin ist Santiago ausgebildeter Bergführer und noch dazu hatte er mich auf diese Tour eingeladen. Andere Leute zahlen dafür bis zu 600 USD. Auch Jorge und Chino stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Wir kamen also diesmal fast so weit wie ich damals mit Ñato gekommen bin. Um etwa 6 Uhr kamen wir zurück am Zeltplatz an. Es bagann schon zu dämmern. Wir hauten uns nochmals aufs Ohr. Um neun Uhr machten wir uns auf den Rückweg. Wir hofften auf der Schutzhütte einen Rücktransport zum Nationalparkeingang zu finden - leider erfolglos. Also hieß es die restlichen 8 km auch noch hinunter zu gehen - was sich ja an und für sich nicht so schlimm anhört, aber mit dem ganzen schweren Gepäck und so gut wie null Schlaf war es sehr beschwerlich. Zu allem Überfluss begann es dann auch noch wie aus Eimern zu schütten. 

der Abstieg

Alpakas



Als ich am späten Nachmittag zurück in Riobamba bei Fausto ankam, hieß es für mich nur noch schlafen.

So sahen übrigens meine Zehen aus, als ich bei Fausto zu Hause aus meinen Bergschuhen schlüpfte


Everything happens for a reason

Tja, so enttäuscht wie ich auch bin, über diese weitere fehlgeschlagene Besteigung - da ich diesmal einfach so gut drauf und motiviert war - so weiß ich auch, dass es die beste Entscheidung war umzudrehen. Es gibt einen Spruch, der mir sehr gut gefällt, der heißt: "Everything happens for a reason" (= Alles passiert aus einem Grund). Auch wenn uns die Gründe im Moment oft nicht klar scheinen, bin ich mir sicher, dass alles was uns so geschieht, einfach so geschehen hätte müssen. Und manchmal möchte uns das Leben damit einfach Geduld lernen, oder mit Misserfolgen umzugehen. Außerdem haben die Berge und das Wetter eine enorme Gewalt, die wir Menschen nicht beeinflussen können - und das ist auch gut so. 
Und zuguterletzt kann ich nun stolz drauf sein, dass ich zum ersten Mal auf 5.100m mitten im Schnee gecampt habe - das kann immerhin auch nicht jeder von sich behaupten.







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