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Donnerstag, 22. Juni 2017

Autostopp-Abenteuer: Von Uyuni nach Sucre im Lieferwagen


Spontane Planänderung

Wir saßen also auf der Ladefläche des Lieferwagens der einheimische Familie, die wir in der Salzwüste getroffen hatten. Nachdem Ritah uns erzählte, dass sie heute noch in Richtung Sucre fahren werden, schaute Luis mich an und meinte: Sollen wir auch? Nach nicht allzu langem Überlegen, stimmte ich natürlich zu. Wir fragten Ritah, was sie dazu sagen würde und diese strahlte gleich über das ganze Gesicht und meinte, dass Umberto bestimmt nichts dagegen hat. Und siehe da, dieser meinte, das sei überhaupt kein Problem. Wir sollten schnell unsere Rucksäcke packen, sie würden in der Zwischenzeit auf uns warten. Wir stiegen also in Uyuni aus. Ich packte meinen Rucksack und versuchte den Freund meines Couchsurfing Gastgebers zu kontaktieren, um ihm die Schlüssel der Wohnung zurück zu geben. Meinen Gastgeber selbst habe ich nie kennen gelernt - schade. Aber diese einmalige Chance nach Sucre mitgenommen zu werden, konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen.



Eine Nacht am Lieferwagen

Das Abenteuer konnte also beginnen. Luis und ich schmissen unsere Rucksäcke auf die Ladefläche des Liegerwagens und machten es und dort zwischen jeder Menge Kleidersäcke bequem. Mit uns Ritah und Ruth. Die Mädels fragten uns neugierig über unsere Reise aus. Noch  nie hätten sie mit einem Gringo (=Ausländer) gesprochen, meinten sie. Wow. Es wurde nun dunkel und auch bitterkalt. Wir hatten eine klitzekleine Matratze auf der Rückbank, auf der wir uns alle vier zusammen kuschelten und uns mit einer Decke zudeckten. Gegen Mitternacht hielten wir an. Umberto meinte, er müsse einige Stunden schlafen, dann sollte es weitergehen. Wir schliefen also zu viert auf einer Matratze, was den Vorteil hatte, dass es nicht so kalt war, dafür war es aber richtig richtig eng. Deshalb schlief ich auch nicht besonders viel, aber das Abenteuer war es eindeutig wert. Flora, Umberto und die zwei Babys schliefen vorne auf den Fahrersitzen.

Ruth, Ritah, Luis und ich

So viel Gastfreundschaft auf einmal....

Gegen 6 Uhr morgens, setzte sich unser Lieferwagen in Bewegung. Gegen 9 Uhr stoppten wir in einer unfassbar schönen Gegend an einem Fluss. Die Familie packte ihren Gaskocher aus und sie begannen zu kochen. Ganz selbstverständlich teilten sie ihr Frühstück mit uns. Dann wurde auch schon das Mittagessen zubereitet: Reis, Kartoffeln und etwas Salat. Wir waren wirklich sehr gerührt von der Gastfreundschaft dieser Leute. Es ist wirklich meist so, dass Menschen die wenig haben Teilen als so selbstverständlich ansehen. Eigentlich dachten Luis und ich, dass wir wohl heute morgen in Sucre ankommen werden. Doch damit war nichts. Die Familie wollte hier am Fluss auf der schönen Brücke ein weiteres Tanzvideo drehen. Aber gut, wir hatten ja sowieso nichts vor, deshalb war das ganz in Ordnung.

der wunderschöne Fluss


die kleine Mili

beim Zubereiten des Mittagessens


Luis und ich beschlossen also in der Zwischenzeit die Gegend zu erkundschaften. Wir trafen auf zwei ältere Damen, die am Feld arbeiteten. Die zwei waren super lieb und spannten uns auch gleich ein, ihnen beim Zwiebel ernten zu helfen. Das taten wir natürlich gern. Am Ende schenkten sie uns dann sogar jede Menge Zwiebel. Unglaublich, wieviel Gastfreudschaft wir in letzter Zeit erfuhren.

hier helfe ich den netten Damen beim Zwiebel ernten


Wir schauten dann noch ein bisschen beim Tanzvideo drehen zu. Die Hälfte der Zwiebel schenkten wir natürlich der Familie, welche sich sehr darüber freute. Dann ging es weiter nach Surce. Dort verabschiedeten wir uns von dieser wundervollen Familie. Dieses Erlebnis werde ich bestimmt nicht so schnell vergessen.

Das Leben eines Langzeitreisenden

In Sucre trafen wir auf unseren Couchsurfing Gastgeber Gonzalo. Zum Abendessen machten Luis und ich uns auf zum lokalen Markt. Wir fanden super leckeres Abendessen für umgerechnet einen Euro. Es war so köstlich, dass wir um Nachschub baten, welchen uns die nette Dame nicht einmal verrechnete. Am Nachhauseweg mussten wir schmunzeln darüber, wie sich das Leben als Langzeitreisender mit geringem Budget so verändert. Zuhause isst man ein Abendessen für 20 Euro und gibt noch 5 Euro Trinkgeld. Hier essen wir für 1 Euro und bitten um Nachschub, den wir gratis bekommen.



Kommentare:

  1. Ich beneide dich um dein Abenteuer, übrigens solltest du überlegen Schriftstellerin zu werden. Mir gefällt die Leichtigkeit mit der du diese Zeilen verfasst hast. Einfach schön zu lesen

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  2. Das klingt nach einem echt spannenden Trip! Ich finde es toll, dass ihr soviel Gastfreundschaft erfahren durftet, das ist ja in unserer heutigen Zeit nicht immer selbstverständlich! Ich bin gespannt auf weitere Berichte von dir.

    Liebe Grüße

    Christine

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    1. Ja, die Gastfreundschaft hier rührt mich immer wieder aufs Neue!

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  3. Wow das klingt wirklich so spannend. Wirklich beneidenswert. Solche Erfahrungen wird man für immer in seinem Leben behalten! ♥

    Liebste Grüße,
    Carmen

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    1. Da hast du völlig recht, diese Erlebnisse bleiben einem ein Leben lang in Erinnerung :)

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  4. Spontan ist immer am besten. Die Erfahrung kann dir keiner mehr nehmen und die herzliche Gastfreundschaft ist wirklich berührend. Wirklich ein tolles Erlebnis!

    LG,
    Anne

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  5. Solche Begegnungen machen das Reisen doch erst zu dem, wozu es gedacht ist, sie erweitern den Horizont und schaffen lebenslange Erinnerungen. Toll. :) LG Julia

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  6. Du hast Recht: gerade die Menschen, die selbst nichts haben, teilen das Wenige oft viel selbstverständlicher als jene, die nicht genug bekommen. Deine Geschichte übermittelt diese Gastfreundschaft perfekt. Ich bin schon gespannt, wie es weiter geht.

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