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Sonntag, 8. Februar 2026

The Greater Patagonian Trail - Sektion 16: Schneebedeckte Vulkane und stürmische Nächte

By On Februar 08, 2026


Sektion 16 war geprägt von schneebedeckten Vulkangipfeln, schwarzen Lavafeldern und einer stürmischen Nacht voller Action.

Meine Freunde - die Kühe & im Hintergrund der schneebedeckte Gipfel des Vulkans Villarrica 

Donnerstag, 05. Februar 2026

Heute Morgen ließ ich mich mit einem Uber-Taxi von meiner Unterkunft zum Parkplatz des Skilifts am Vulkan Villarrica (8.400 CLP) fahren. Dort liegt auch der Eingang des Nationalparks Villarrica. Der arme Fahrer kannte die Straße vorher nicht und wirkte ziemlich überfordert. Immer wieder schaute er panisch aufs GPS. Sein Auto war definitiv nicht für steile Schotter-Bergstraßen geeignet, aber am Ende haben wir es doch ans Ziel geschafft. Wir plauderten noch ein wenig, und er erzählte mir, dass er dieses Jahr in die Schweiz nach Luzern ziehen möchte. Für die Strapazen gab ich ihm noch etwas Trinkgeld.


Mein Eintrittsticket für den Nationalpark hatte ich bereits gestern online gekauft (11.000 CLP). Da wir aber bei den CONAF-Parkrangern nicht gestoppt haben, hat letztendlich nie jemand danach gefragt.


Im Mittelpunkt des Nationalparks steht der aktive Vulkan Villarrica, dessen schneebedeckte Kuppe deutlich aus der Landschaft hervorsticht. Rundherum liegen dunkle, bizarr geformte Lavafelder. Der Vulkan bricht regelmäßig aus, zuletzt 2015, und gilt als einer der aktivsten Chiles. Manchmal sieht man sogar glühende Lava - dieses Glück hatte ich allerdings nicht.


Der Wanderweg war heute ziemlich einfach und gut ausgebaut. Ich traf nur auf drei andere Wanderer. Die Ausblicke auf den Vulkan und seine Lavafelder waren super beeindruckend.




Am Ende des Tages fand ich einen wunderschönen Zeltplatz direkt neben einem Bach.


Freitag, 06. Februar 2026

Der Morgen begann traumhaft: Bereits um 7:15 Uhr stand die Sonne am Himmel und taute mein leicht gefrorenes Zelt auf.




Heute standen wieder einfache Trails an, dafür mit ziemlich vielen Höhenmetern und weiterhin tollen Ausblicken auf die umliegenden schneebedeckten Vulkane.



Gegen Mittag kam ich an einer Kontrollstelle der CONAF vorbei, wo ich mich registrieren musste. Ich schrieb meinen Namen, meine Reisepassnummer und mein Wanderziel in ein Notizbuch. Nach meinem Eintrittsticket fragte wieder niemand - schade, jetzt wo ich endlich einmal eines hätte.


Ich fand einen schönen Zeltplatz in der Nähe eines Wasserfalls und genoss einen traumhaften Sonnenuntergang. Zum Glück wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass mir eine schlaflose Nacht bevorstand.



Samstag, 07. Februar 2026

Mitten in der Nacht wurde ich von starken Windböen geweckt, die lautstark an meinem Zelt rüttelten und es mir fast komplett abbauten. Sogar die Heringe wurden herausgeschleudert. Ich machte mich also im Dunkeln an die Arbeit das Zelt wieder aufzubauen und die Heringe mit großen Steinhaufen zu beschweren. Die Windböen hielten bis zum Morgen an, ich musste das Zelt mehrmals wiederaufbauen - an Schlaf war demzufolge nicht mehr zu denken. Genau solche Nächte sind es aber wahrscheinlich, die das Ganze zu einem unvergesslichen Abenteuer machen.


Am Morgen ging es auf einen Bergpass mit unglaublicher Aussicht auf die Laguna Azul, die blaue Lagune. Kurz vor Mittag kam ich dort an und machte eine Badepause. Überraschenderweise war niemand sonst da, obwohl Samstag war. Scheinbar kommen manchmal Wochenendausflügler mit Pferden hierher. 




Der weitere Weg bestand aus einem langen Abstieg mit ein paar kleinen Anstiegen. Ich beobachtete viele interessante Vögel, darunter Greifvögel und Papageien. In den tieferen Lagen wurde es wieder richtig heiß.


Es dauerte eine ziemliche Weile, bis ich einen geeigneten Zeltplatz fand. Ich knackte wieder einmal die 30-km-Marke. Den Weg versüßt haben mir die ersten reifen Brombeeren. Schließlich konnte ich mein Zelt gut versteckt neben einer Schotterstraße aufstellen. Daneben war auch ein kleiner Bach. Zum Glück kamen in der Nacht keine Autos vorbei.


Sonntag, 08. Februar 2026

Am Morgen war mein Zelt vom Kondenswasser platschnass. Da es bewölkt war, machte es keinen Sinn zu warten, bis es trocknet, also startete ich meinen Wandertag. Nach wenigen Minuten kam ein Jeep vorbei, ich streckte den Daumen raus und hatte Glück. Ein einheimischer Jäger nahm mich mit bis ins nächste Dorf, was mir etwa zwei Stunden langweiliges Wandern auf Schotterstraßen ersparte. Der einzige Nachteil an der Sache war, dass er es tatsächlich schaffte meine längst verdrängte Puma-Paranoia zu reaktivieren. Er erzählte mir, dass es in dieser Gegend Unmengen von diesen Raubkatzen gibt und dass es durchaus vorkommen kann, dass sie Menschen angreifen. Als allein wandernde Frau sei es natürlich besonders gefährlich. 


Im Dorf Liquine konnte ich Brot und zur Feier des Tages ein Stück Kuchen kaufen (trotz Sonntag) - ich habe nämlich nun die 1.000 Kilometer (mit über 40.000 Höhenmetern) geknackt. 


Sieht vielleicht ein bisschen zerfleddert aus, schmeckte aber vorzüglich 


Nach einer kurzen Frühstückspause startete ich in die nächste Sektion. 



GPT16 - Technische Daten:

• Distanz: 85 km

• Höhenmeter: 3.574 m

• Dauer: 3 Tage


Insgesamt am Greater Patagonian Trail: 

• Distanz: 1.089 km

• Höhenmeter: 42.618 m





=> Hier findest du alle meine Fotos der 16. Sektion des GPT <=










Mittwoch, 4. Februar 2026

The Greater Patagonian Trail - Sektion 15: Zwischen heißen Quellen und Regentagen

By On Februar 04, 2026


Die wieder sehr kurze Sektion 15 zeichnete sich durch viele Schotterstraßen und noch viel mehr Hitze aus. Dafür waren aber auch richtig schöne Belohnungen zwischendurch dabei. Die heißen Quellen am Río Blanco, entspannte Tage rund um den Caburgua-See und die kleine Auszeit in Pucón waren eine richtige Wohltat. 


Der Caburgua See 

Mittwoch, 28. Januar 2026 

Heute war ein langer Tag auf eher unspektakulärem Untergrund. Insgesamt bin ich fast 30 Kilometer auf unbefestigten Straßen gewandert. Ehrlich gesagt hatte ich gehofft, zumindest einen Teil davon per Anhalter zurücklegen zu können. Aber man mag es kaum glauben: Kein einziges Auto fuhr in die gewollte Richtung. Einmal kam ein Moped vorbei, einmal ein LKW, der nicht stoppte, und zwei Fahrzeuge fuhren in die entgegengesetzte Richtung. Das war’s. 


Trotzdem erreichte ich schon gegen 15 Uhr mein Ziel, die heißen Quellen am Río Blanco. Hier gibt es zwei Campingplätze, und ich entschied mich für die „Termas San Sebastián“. Zum Glück war kaum etwas los - nur zwei weitere Familien waren da. Der Campingplatz kostet 15.000 chilenische Pesos pro Nacht ( = ca 15€) und bietet dafür warme Duschen, WCs, einen Minishop und mehrere kleine Pools mit heißem Thermalwasser. Mein Zelt konnte ich direkt am Fluss aufstellen, was richtig schön war.


Am Nachmittag genoss ich die verschiedenen Becken der heißen Quellen und plauderte mit ein paar Chilenen.


Zur Feier des Tages gab es noch ein kaltes Bier in der warmen Quelle


Donnerstag, 29. Januar 2026 

Der Tag startete ganz entspannt mit einem Bad im Hot Pot.


Ein heißes Bad am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen

Die heutige Route begann gleich mit einem Schild, auf dem stand, dass der Weg gesperrt sei. Wie ihr euch denken könnt, ließ ich mich davon nicht wirklich aufhalten. Der Weg war grundsätzlich ganz okay, wird aber augenscheinlich schon seit längerem nicht mehr instand gehalten. Teilweise war er etwas verwachsen, und ein paar umgefallene Bäume lagen quer über dem Weg.



Es ging durch den Nationalpark Huerquehue, was landschaftlich sehr schön war. Ich konnte den Nationalpark aber nicht über den offiziellen Eingang verlassen, da ich ja quasi inoffiziell über einen gesperrten Weg hineingekommen bin und einen Konflikt mit der CONAF (= Parkranger) vermeiden wollte. Also beschloss ich in Richtung Caburgua See zu wandern, wo ich am späten Nachmittag ankam. Eigentlich hatte ich schon fest damit gerechnet, irgendwo am Ufer zu zelten, doch wie so oft auf Reisen lief es nicht ganz nach Plan. Direkt am See begann eine Schotterstraße, und das komplette Ufer ist mit Privatgrundstücken verbaut. Ferienhäuser, teilweise richtige Villen, reihen sich aneinander - alle umzäunt. Wildcampen war also keine Option.


Zwischendurch gab es einen öffentlichen Strand, aber dort waren so viele Menschen, dass auch dieser nicht infrage kam. Mit dem Trampen lief es ebenfalls nicht besonders gut. Erst als ich fast am Ende des Sees angekommen war, nahmen mich zwei Arbeiter die letzten drei Kilometer mit. Sie setzten mich an einem Campingplatz ab. Es war inzwischen spät, ich war müde, es war unglaublich heiß und ich hatte Durst und Hunger. Leider hatte ich wieder kein Glück. Die beiden Campingplätze dort verlangten umgerechnet 60 und 90 Euro pro Nacht, da sie nur ganze Stellplätze vermieten, die eigentlich für Großfamilien gedacht sind. Mir blieb also nichts anderes übrig als mich wieder zur Straße hochzuschleppen. Dort hatte ich nun endlich ein bisschen Glück. Es kam gerade ein kleiner Bus an und nahm mich noch ein paar Kilometer mit, bis kurz vor den Ort Caburgua. Dort fand ich endlich einen kleinen, familiär geführten Campingplatz, nur wenige Gehminuten vom See entfernt. Der Stellplatz kostete 10.000 chilenische Pesos.


Die Familie war super nett. Ich durfte meine Kleidung waschen, es gab warme Duschen, Strom am Stellplatz und Warmwasser zu bestimmten Uhrzeiten. Außer mir war nur noch ein anderes Pärchen dort. Ich kaufte mir im kleinen Kiosk nebenan eine Pizza und genoss den Sonnenuntergang am Strand. Ein schöner Abschluss eines anstrengenden Tages.



Freitag, 30. Januar 2026 

Diesen Morgen ging ich gemütlich an und verließ den Campingplatz erst gegen Mittag. Ich spazierte in den Ort Caburgua, was etwa eine halbe Stunde dauerte, und wartete dort auf den Bus Richtung Pucón, wo ich die nächsten Tage verbringen werde. Der Bus fährt alle 30 Minuten, die Fahrt dauerte 45 Minuten und kostete 1.600 CLP.


In Pucón kam ich für die ersten zwei Nächte in einem Airbnb unter.


Von fast überall aus in Pucón sieht man den imposanten Vulkan Villarrica


Am nächsten Tag traf ich mich mit Natalia von Couchsurfing. Sie ist Chilenin und verbringt den Sommer meist gemeinsam mit ihrer Mama in ihrem Ferienhaus in Caburgua. Natalia hat ein Auto und zeigte mir die Gegend. Wir besuchten die Thermalquellen Los Pozones (Eintritt 15.000 CLP pro Person) und danach einen traditionellen Markt der indigenen Mapuche: die Feria Kui-Kui Quelhue. Dort werden regionale Produkte verkauft, außerdem gibt es einfache Essensstände. Wir aßen ein traditionelles Gericht und ich probierte meinen allerersten Mate. Mate ist ein südamerikanisches Kräutergetränk aus den getrockneten Blättern der Yerba-Mate-Pflanze. Obwohl es vor allem als Nationalgetränk Argentiniens bekannt ist, wird es auch im südlichen Chile getrunken. Er enthält natürliches Koffein und wird traditionell mit einer Bombilla, einem Metallstrohhalm mit kleinem Sieb, getrunken.


Mate


Danach spazierten wir durch Pucón und gönnten uns zum Sonnenuntergang einen Drink am Strand von Pucón.




Da für die nächsten Tage starker Regen angesagt war, schlug Natalia vor, den letzten sonnigen Tag gemeinsam zu nutzen und mit ihrem Kajak auf den Caburgua-See hinauszupaddeln. Natürlich war ich da dabei.



Alpakas am Strand


Anschließend lud sie mich noch zu sich ins Ferienhaus zum Grillen ein. Ich lernte ihre 80-jährige Mama kennen, und wir verbrachten einen richtig schönen Nachmittag. Wegen des anhaltenden Regens blieb ich schließlich noch ein paar Tage länger als geplant in Pucón. Ich zog vom Airbnb in ein kleines Studio-Apartment im Hostal Lincoyan 690, das ungefähr genauso viel kostete (35.000 CLP pro Nacht). Pucón ist nicht günstig, da es sehr touristisch ist. Generell ist Chile eher teuer, vor allem was Unterkünfte betrifft. Mit dem kleinen Studio bin ich aber super happy: Es hat einen Balkon, ist schön groß, ich kann kochen und es ist perfekt für Regentage.


Wenn alles gut läuft, werde ich am Donnerstag mein Trekking fortsetzen, denn dann soll das Wetter wieder besser werden. Je weiter man nach Süden kommt, desto regnerischer und windiger wird es. Daran muss ich mich wohl langsam gewöhnen.



GPT14 - Technische Daten:

• Distanz: 55 km

• Höhenmeter: 1.555 m

• Dauer: 2 Tage


Insgesamt am Greater Patagonian Trail: 

• Distanz: 994 km 

• Höhenmeter: 39.044 m

• Dauer: 46 Tage







=> Hier findest du alle meine Fotos der 15. Sektion des GPT <=