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Sonntag, 21. Mai 2017

Besteigung des Nevado Pisco 5.752m und Wanderung zur Lagune 69



Die Besteigung des fast 6.000 m hohen Andengipfel Nevado Pisco gehört auf alle Fälle zu einem meiner unvergesslichsten und schönsten Abenteuer auf dieser Reise. Er stellt einen der schönsten Aussichtspunkte auf die umliegenden 5 - und 6 - Tausender dar. Gemeinsam mit Raju, der mein Couchsurfing Gastgeber war, machte ich eine 3-tägige Trekking Tour in der Cordillera Blanca, einem atemberaubend schönen Gebirszug in Peru. Gute Kondition, ausreichende Akklimatisierung und entsprechende Ausrüstung sind unerlässlich für eine solche Bergtour.



Kleine Übersicht unserer 3-tägigen Trekking-Tour

Tag 1:

  • Huaraz (3.100m) - Nationalpark Huascarán (3.900m) - Refugio Peru (4.675m) -Campo Morena (4.960m)
  • Gesamtgehzeit: 5,5 Stunden
Tag 2:
  • Campo Morena (4.690m) - Gipfel Nevado Pisco (5.752m) - Campo Morena (4.690m) - Refugio Peru (4.675m)
  • Gesamtgehzeit: 8,5 Stunden 
Tag 3:

  • Refugio Peru (4.675m) - Lagune 69 (4.680m) - Nationalparkeingang Huascarán (3.900m)
  • Gesamtgehzeit: 5,5 Stunden


Besteigung des Nevado Pisco 5.752 m

Tag 1 - Aufstieg zum Campo Morena

Der Tag startete früh - um 4:30 Uhr morgens klingelte bereits mein Wecker. Um 5 Uhr war Abfahrt mit dem Bus. Zuerst fuhren wir nach Yungay, von dort aus geht es eine unasphaltierte Bergstraße weiter bis zum Nationalpark Huascarán (Nationalparkeintritt: 10 Soles für 1 Tag, 65 Soles für bis zu 20 Tage). Insgesamt dauerte die Fahrt über 4 Stunden - eine kleine Frühstückspause inkludiert. Der Bus passierte noch den Nationaparkeingang und brachte und bis auf eine Höhe von 3.900 m.

Das Wetter war schön - Sonnenschein mit einigen wenigen Wölkchen. Los ging es also. Es ging steil bergauf, die Landschaft war aber wunderschön. Mein Gepäck machte mir ordentlich zu schaffen, immerhin hatte ich geschätzte 15-20 kg auf dem Rücken (Zelt, Schlafsack, Unterlegmatte, Steigeisen, Klettergurt, Helm, Pickel, Essen für 3 Tage, Wasser, usw.). Die Höhe machte das Ganze nicht besser. Nach guten 3,5 Stunden erreichten wir die Schutzhütte Refugio Peru, die auf 4.675 m liegt. Wir machten eine kleine Mittagspause und kochten mit dem Gaskocher leckere Nudeln.



Auf gehts :)

Voll motiviert mit fast 20 kg am Rücken

Aufstieg zum Refugio Peru - im Hintergrund sieht man bereits gletscherbedeckte Berggipfel 


Lamas am Refugio Peru


Danach kämpften wir uns weitere 2 Stunden bis zum Campo Morena, wo wir die Nacht verbrachten. Das Campo Morena ist ein beliebtes Fleckchen zum Zelten vor der Gipfelbesteigung, da es etwas windgeschützt ist und ein kleiner Fluss durchfließt. Wir stellten also das Zelt auf, aßen zu Abend und legten uns dann früh zur Ruhe, denn um 2:30 Uhr morgens hieß es Tagwache. Es war eisig kalt in der Nacht, doch mein Daunenschlafsack leistete gute Dienste.

wunderschöne Lagunen beim Aufstieg zum Campo Morena



unser Zeltplatz

Raju beim Kochen des Abendessens

Tag 2: Gipfelbesteigung des Nevado Pisco 

Der Wecker klingelte also um 2:30 Uhr. Es war eisig kalt. Der Himmel war sternenklar - was für ein Glück! Nun hatte ich wirklich schon genug Wandertouren mit richtig schlechtem Wetter hinter mir. Wir kochten Tee, bereiteten uns Equipment vor und los gings. Bis alles bereit war, war es dann doch schon fast 4 Uhr. 

Im Schein unserer Stirnlampen ging es zuerst etwa eine halbe Stunde über steiniges Geröll und Felsen entlang. Dann kamen wir am Gletscher an. Wir legten die Steigeisen und den Klettergurt an und packten den Pickel aus. Nun hieß es am Seil gehen. Es war schon eine Spur im Gletscher zu sehen, da sich bereits ein Guide mit seinem Klienten vor uns zum Gipfelsturm aufgemacht hatten. Wir mussten etliche Gletscherspalten umgehen. Schön langsam begann es zu dämmern. Der Himmel war immer noch klar und die umliegenden Berge begannen im Morgenrot zu leuchten. Wir hatten unter anderem einen unfassbar schönen Blick auf den Artesonraju - den Berg von Paramount Pictures. 

der Artesonraju von Paramount Pictures



Die ersten 2-3 Stunden ging es mir super gut, danach begann ich allmählich die Höhe zu spüren. Leichte Übelkeit und Kopfschmerzen machten sich bemerkbar. Außerdem schien meine Energie zu schwinden. Ich nahm zur Vorsicht schnell eine Schmerztablette und eine Tablette Acetazolamid (= Medikament gegen Höhenkrankheit) und weiter ging es - jedoch sehr langsam. Jeder Schritt war anstrengend. Nach drei Stunden fragte ich Raju ob wir denn die Hälfte schon hätten. Er meinte fast. Okay, durchbeißen. Es ging steil bergauf.



Plötzlich kamen uns unsere Vorgänger entgegen. Sie hatten den Gipfel schon erreicht. Ich fragte wie lange es noch dauern würde. Die Antwort war, dass wir schon fast da wären. Und sie hatten recht, eine halbe Stunde später standen wir am Gipfel. Die Sonne strahlte vom Himmel und wir hatten eine absolut atemberaubende Aussicht auf all die umliegenden 5- und 6-Tausender. Nach einer Weile zogen Wolken auf und es wurde fransig. Wir machten uns bereit zum Abstieg.

Überglücklich am Gipfel des 5.752 m hohen Nevado Pisco angekommen



Gegen 11 Uhr erreichten wir das Campo Morena, wo wir uns erstmals eine Stunde im Zelt ausruhten. Dann kochten wir uns ein Mittagessen, bauten das Zelt ab und machten uns auf den Rückweg zur Schutzhütte Refugio Peru. Hier werden wir diese Nacht campen. Ich schlief wieder früh ein, da ich körperlich doch recht geschafft war von unserer Gipfelbesteigung.


Gletscherspalten







Laguna 69 - ein atemberaubend schöner Gebirgssee

Tag 3: Laguna 69

Tagwache 5:30 Uhr. Wir frühstückten gemütlich. Heute sollte es weiter gehen zur berühmten Lagune 69, ein Gebirgssee auf 4.680m. Ich muss gestehen, dass mir der Rücken mittlerweile etwas weh tat von dem schweren Rucksack, außerdem fühlten sich die Beine richtig schwer an. Aber die schöne Gegend machte alles wieder gut. 

Zuerst ging es etwa eine halbe steil bergab. Danach ging es richtig steil bergauf - bis auf ganze 5.000 m. Die Strapazen des gestrigen Tages machten sich deutlich bemerkbar, es war richtig anstrengend heute. Das Wetter war so lala - wolkig und ein wenig Schneeregen. Als wir am Pass auf 5.000 m ankamen, ging es zum Glück nur noch bergab.

Jede Menge kleiner Gebirgsseen auf dem Weg zur Laguna 69






Endlich konnte ich sie dann sehen, die türkisblaue Lagune 69. Die Farbe der Lagune ist so intensiv und wirkt tatsächlich etwas unwirklich. Dahinter fällt die fast senkrechte, vereiste Südwand des Chacraraju mit einem zerfurchtem Gletscher zu der Lagune hinab. Wir beschlossen den Gletschersee nicht über den normalen Weg zu erreichen, sondern von der anderen Seite - was wir später noch etwas bereuten. Es ging nämlich steil bergab, alles loses Geröll. Ich hatte ernsthaft Angst, dass wir eine Steinlawine loslösen, was aber Gott sei Dank nicht passierte. Ich machte noch ein paar Fotos von der Lagune, dann begann es schon wie aus Eimern zu schütten. So ein Pech aber auch. Wir bauten uns einen Schutz mit dem Zelt und starteten den Gaskocher für das Mittagessen.

endlich angekommen an der Lagune 69

Mittagessen wird gekocht

... und danach natürlich abgewaschen


Gegen 13 Uhr machten wir uns auf zum Abstieg. Vereinzelt drangen ein paar Sonnenstrahlen durch, dann begann es wieder zu schütten. Der Rückweg an sich war wunderschön - kleine Gebirgsseen, Wasserfälle und eine faszinierende Pflanzenwelt.









Außerdem entdeckte ich ein hasenartiges Tier, obwohl der Schwanz nicht ganz dazu passte, seht selbst:

Hat jemand eine Ahnung was für ein Tier das ist? 


Als wir endlich den Busparkplatz erreichen war ich heilfroh. Gesagt wurde uns der Bus startet um 15 Uhr, doch daraus wurde dann 16 Uhr. Nach einer halben Stunde Fahrtzeit, hielten wir plötzlich an. Durch den vielen Regen sei die Straße weggerutscht. Oh nein. Es würde etwa eine Stunde dauern, bis das Ganze wieder gerichtet sei. Natürlich wurden daraus dann 3 Stunden. Als wir gegen 21 Uhr zurück in Huaraz ankamen konnte ich meine Augen kaum noch offen halten. Nun mussten wir leider auch noch das Equipment zurückgeben. Ich freute mich nur noch auf eine heiße Dusche. Doch daraus wurde nichts, das Wasser kam bloß eisig kalt aus der Leitung. So viel Unglück auf einmal. Aber egal, hauptsache ein warmes Bett und schlafen.



Kommentare:

  1. Wow! Nicht nur wahnsinns Bilder auch ein irres Erlebnis! Ich bewundere dich für deine Kondition. Ich finde meinen 15kg Rucksack auf ebener Straße schon schwer, bei der Vorstellung das in der Höhe zu tragen...nein danke!
    Ich beneide dich um dieses unvergessliche Erlebnis und danke dir, dass du uns mit den tollen Eindrücken daran teilhaben lässt.
    Lieben Gruß, Susanne

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    1. Glaub mir, ich finde meinen 18 kg Rucksack auf der Straße auch schon irrsinnig schwer und hätte mir nie gedacht, dass ich dieses Gewicht auf 5.000m Höhe mehrere Tage herumschleppen werde. Da sieht man wozu der Mensch fähig ist.
      Liebe Grüße aus den Anden Perus :)

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  2. hi micha .... ich sag mal, das es sich um eine "Hasenmaus" handelt

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    1. Haha, die Maus in dem Tier ist mir bloß nicht ganz klar. Vielleicht eiher Eichkätzchen-Hase *lach*

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    2. also, ich würd drauf wettern, dass es eine Hasenmaus ist ;-)

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  3. Nicht nur, dass ich nie die Kondition für so eine Tour hatte, aber bei dem Anblick der Gletscherspalte hätte ich auf jeden Fall aufgegeben. So reise ich in Gedanken mit.

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    1. Oh ja, Gletscherspalten gab es zur Genüge. Zum Glück hatten wir schon Vorgänger und konnten deren Spur folgen!

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  4. Wow, Peru! Was für eine atemberaubende Landschaft!

    Liebst,
    Andrea

    www.andysparkles.de

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  5. Liebe Michaela,

    wow, die Bilder sind wirklich der Hammer, da wird man für den Aufstieg wirklich belohnt! Und das Tier ist voll süß, leider weiß ich auch nicht was es ist.

    Liebe Grüße
    Anja

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  6. Ich zieh wirklich tief beeindruckt meinen Hut vor dir! Ich hätte das nicht geschafft, körperlich gar nicht erst durchgehalten mit all dem Gepäck.
    Darf ich fragen: Das Gletscherwasser in der Lagune ist das trinkbar? Hast Du es probiert? Das hätte mich glaub ich auch gereizt. :)
    Und nochmal: beeindruckende Fotos!!
    LG

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    1. Ich weiß nicht ob es zu empfehlen ist Gletscherwasser so zu trinken - immerhin liegt der Gletscher jahrzehntelang. Aber abgekocht ist es auf alle Fälle kein Problem, wir machten leckeren Tee daraus :)

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  7. Hut ab Michaela, ich hätte nach so einer Tour wohl eine Woche Sauerstoffzelt benötigt... und jetzt weiss ich auch, daß Pisco nicht nur ein chilenischer bzw. peruanischer Traubenschnaps ist... man lernt nie aus... LG, Eddy

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    1. Haha der Pisco Traubenschnaps war natürlich auch mit dabei ;)

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  8. Liebe Michaela,

    wow, was für ein Auf- und Abstieg und was für atemberaubende Bilder. Ich kann die Anstrengung und die Erleichterung über einigermaßen gutes Wetter förmlich spüren. Fantastisch. Das klingt einerseits unglaublich anstrengend, andererseits so unfassbar gut, dass ich das irgendwann auch einmal machen möchte.
    Allerdings ist gerantiert eine Menge Training erforderlich um das Ganze körperlich und dann noch mit dem gepäck auf dem Rücken zu stemmen. Ich bin schwer beeindruckt. Von dir, der Natur und der Wanderung. :)

    Viele liebe Grüße
    Kathi

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    1. Oh wow, danke Kathi für deinen super lieben Kommentar! Und falls du die Möglichkeit hast: Ja, dann musst du so etwas auch unbedingt einmal machen. Es war ein unvergessliches Erlebnis :)
      Lg aus den Anden Perus

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  9. Liebe Michaela,

    OMG! Was für Fotos! Das wäre ja nichts für mich gewesen, glaube ich 😂 Allein schon mit dem ganzen Schnee... Ich brauche Wärme! Aber genial, dass du sowas machst und uns dadurch mitnimmst! Danke :D

    Liebe Grüße,
    Barbara

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    1. Danke für deinen lieben Kommentar Barbara. Und ja, das verstehe ich gut, dass so etwas nicht jedermanns Sache ist. Vor allem die Nächte im Zelt waren wirklich bitterkalt.

      Ganz liebe Grüße :)

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  10. Hallo Michaela,
    wow, ich bewundere Dich ja immer wieder für Deinen Mut und Dein Durchhaltevermögen. Mit dem Gewicht auf dem Rücken wäre ich vermutlich nicht besonders weit gekommen - ganz zu schweigen davon, dass ich eine ziemliche Frostbeule bin. Die Bilder sind wirklich atemberaubend! Ich bin schon sehr auf Deine nächste Herausforderung gespannt ;-)
    LG
    Katharina

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  11. Hallo Michaela,
    traumhafte Fotos! Ich bin schwer beeindruckt, eine Besteigung solch eines hohen Bergs ist nichts für jeden. Da muss man sich wirklich akklimatisieren und auch wissen, wie man Eispickel usw. einsetzt. Alle Achtung, Du bist echt fit!
    Danke für die Fotos, so muss ich nicht selbst hin; das wäre derzeit mehr als ich konditionell schaffen würde. Die Landschaft ist aber wirklich atemberaubend!

    Liebe Grüße,
    Barbara

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    1. Danke für deinen lieben Kommentar. Und du hast völlig recht, Akklimatisation ist eime der wichtigsten Vorraussetzungen für die Bezwingung eines solchen Bergs

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  12. Danke für diesen ausführlichen Artikel und vor allem die beeindruckenden Bilder. Es ist ja ein Wahnsinn wie sehr sich die Vegetation auf deinem Aufstieg ändert.
    Liebe Grüße
    Jessica

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  13. Hi Michi, das Tier könnte ein Chinchilla sein. Habe ich auch mehrere in den Anden gesehen.
    Toller Blog mit tollen Fotos - Danke fürs mitlesen!
    LG Uli

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  14. Hi Michi,
    das Tier könnte ein Chinchilla sein, habe ich auch in den Anden gesehen.
    Übrigens toller Blog mit tollen Fotos - Danke fürs teilhaben!
    LG Uli

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    1. Ja, meine Recherche ergab auch, dass es irgendein verwandtes Tier vom Chinchilla sein muss.
      Vielen herzlichen Dank :)

      Liebe Grüße,
      Michaela

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