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Samstag, 28. Mai 2016

Die alltäglichen Probleme eines Backpackers

By On Mai 28, 2016


1. Man muss sich ununterbrochen dafür rechtfertigen, warum man durch die Weltgeschichte reist, anstatt sich mindestens 40 Stunden pro Woche abzurackern.

2. Man muss sich Schlafsäle mit völlig unbekannten Personen teilen, die teilweise lautstark schnarchen oder noch 3 Meter gegen den Wind schlecht riechen.

3. Man muss sich täglich mit Mückenschutz einsprühen, da man ansonsten Malaria, Dengue-Fieber oder Ähnliches riskiert.

4. Man kann nie richtige Pläne machen, da täglich unvorhergesehene Dinge geschehen.

5. Man muss tagtäglich die selben Klamotten tragen.

6. Man muss jeden Cent dreimal umdrehen, da einem jeder ausgegebene Cent dem Arbeitsleben wieder näher bringt.

7. Man muss auf den Märkten um jeden verdammten Cent teilweise stundenlang handeln.

8. Man muss mit seinem superschweren Rucksack teilweise ewig lange herumwandern, bis man eine günstige Unterkunft gefunden hat.

9. Man verliert völlig den Überblick über jegliche Fernseh- und  Radioneuigkeiten wie z.B. Nachrichten, Fernsehserien, usw.

10. Man isst fast täglich Reis, da es das günstigste und teilweise einzig erhältliche Nahrungsmittel ist.

11. Man muss immer Klopapier dabei haben, da es in den meisten Ländern unüblich ist, solches zu benutzen.

12. Man muss jeden Tag Neues lernen und sich anpassen (andere Kultur, neue Währung, neue Sprache, andere Sitten...)

13. Man wird in vielen Ländern als wandelnde Geldbörse gesehen.

14. Man wird auf den Straßen, Bushaltestellen, usw ununterbrochen angestarrt.

15. Man wird bemitleidet wenn man am Straßenrand steht und versucht Auto zu stoppen.

16. Man kann sich nie sicher sein, ob das Leitungswasser trinkbar ist - auch wenn es einem die Einheimischen versichern.

17. Man findet sich teilweise unter unmöglichen hygienischen Umständen wieder, von den man sich zu Hause nicht einmal zu träumen gewagt hätte.

18. Man duscht teiweise nach dem Schöpfprinzip.

19. Man nimmt eine 24-Stunden Busfahrt auf sich, denn der Bus, der bloß 10 Stunden brauchen würde kostet um ganze 3 Dollar mehr.

20. Man muss ständig die selben Fragen beantworten (Wie heißt du? Woher kommst du? Wo willst du hin? Was, du bist wirklich ganz alleine als Mädel unterwegs?).

21. Man trägt sein ganzes Leben in Form eines Rucksacks herum und man ist im Prinzip obdachlos.

22. Man weiß nicht mehr, was eine warme Dusche ist.

23. Man muss immer wieder neue Sprachen lernen, denn englisch allein ist meist nicht ausreichend.

24. Man weiß oft nicht, wie man seine unglaublichen Erlebnisse nur annähernd so aufregend seinen Freunden zu Hause rüberbringen kann.

25. Man hat jedes Mal beim Geld abheben Angst, dass der Bankomat die Karte nicht mehr ausspuckt.

26. Man trifft andauernd richtig tolle, verrückte und interessante Leute und muss von allen wieder Abchied  nehmen.

27. Man kann sich  nicht mehr vorstellen, dass einem früher oder später wohl wieder der Alltag einholen wird.


Und trotzdem - oder vielleicht sogar genau deswegen - liebe ich das Reisen :)





















Dienstag, 22. März 2016

Fragen über Fragen nach 6 Monaten Backpacking in Afrika

By On März 22, 2016


Den ersten Kontinenten meiner Reise habe ich nun hinter mir. Ganze sechs Monate ging es für mich und meinen Rucksack quer durch Afrika. Gestartet habe ich in Uganda und machte mich dann über den Landweg auf bis nach Südafrika. Ich traue mich zu behaupten, dass es die beste Zeit meines Lebens war. Natürlich wurde ich sogleich mit unzähligen Fragen bombadiert. Hier habe ich für jeden den es interessiert die wichtigsten nochmals aufgelistet:


1. Wie ging es dir mit dem alleine reisen? Bereust du es?

Natürlich hat man beim Alleinereisen manchmal das Gefühl von Einsamkeit. Vor allem am Anfang meiner großen Reise hatte ich teilweise mit Heimweh und Einsamkeitsgefühlen zu kämpfen. Nach ungefähr einem Monat war das jedoch kein Thema mehr. Wahrscheinlich musste ich erst ein wenig lernen alleine zu sein und mit mir selbst klar zu kommen. Zu Hause hat man schließlich meist Freunde und Familie um sich herum. Das ist am Anfang schon eine krasse Umstellung wenn man plötzlich weiß, dass man nicht einfach Mama oder Papa anrufen kann wenn man Hilfe braucht. Man muss plötzlich alles alleine regeln. Das Gute daran ist, dass sich mit der Zeit mein Selbstvertrauen enorm gesteigert hat. Ich musste so viele schwierige Situationen ganz alleine meistern ohne dass irgendjemand an meiner Seite stand. Ich merkte plötzlich wozu ich eigentlich fähig bin.
Ich kann also sagen, dass ich es definitiv nicht bereue alleine losgezogen zu sein. Ganz im Gegenteil, diese Erfahrung war extrem wichtig für mich und ich freue mich schon richtig Anfang April alleine nach Zentralamerika zu starten. Außerdem habe ich supertolle Reisebekanntschaften gemacht, mit denen ich auch Teilabschnitte meiner Reise bewältigt habe. Viele meiner Bekanntschaften hätte ich höchstwahrscheinlich gar nicht gemacht, wenn ich nicht alleine unterwegs gewesen wäre.
Es gibt natürlich auch ein paar klitzekleine Nachteile: Wenn es einem schlecht geht, ist oft keiner da um einen zu trösten oder Zuspruch zu leisten und man hat niemanden mit dem man diese tollen Erfahrungen teilen kann.
Im Endeffekt bin ich aber unheimlich stolz auf mich, die letzten 6 Monate so gut bewältigt zu haben und mich nicht von Aussagen wie "Afrika alleine als Frau ist doch viel zu gefährlich" abschrecken lassen zu haben. Ich kann jeden Einzelnen nur ermutigen, es einmal zu versuchen, alleine zu verreisen.


2. War Afrika gefährlich? Hast du dich in irgendwelchen Situationen unwohl gefühlt?

Das Afrika, das die meisten von uns kennen kommt aus irgendwelchen Medienberichten, die geprägt sind von Hungersnöten, Kriegen und schweren Krankheiten. Leider vermitteln uns diese ein falsches Bild von diesem wundervolle Kontinenten.
Für mich persönlich gab es keine einzige Situation, in der ich mich ernsthaft bedroht oder unsicher gefühlt hätte. Mir wurde zwar einmal das Handy gestohlen und einmal ein kleiner Betrag an Geld. Dabei muss ich anmerken, dass ich oft wirklich nicht gut genug aufgefpasst habe. Und immerhin gibt es wirklich Schlimmeres als das. Ich wurde niemals bedroht oder mit Waffengewalt ausgeraubt.
Klar fällt man als Weiße teilweise sehr auf und zieht auch Aufmerksamkeit auf sich. Die Menschen haben sich aber großteils sehr freundlich und höflich mir gegenüber verhalten. Wichtig ist bloß, nicht zu viel ungewollte Aufmerksamkeit durch einen zu freizügigen Kleidungsstil oder Wertsachen, die man offen zur Schau stellt, zu erregen. In muslimischen Ländern hatte ich immer meine Knie und Schultern bedeckt. Man sollte auch keinen allzu auffälligen Schmuck tragen.
Im Großen und Ganzen habe ich mich vor allem in Ostafrika sehr sicher gefühlt. Wenn ich mich verlaufen hatte oder sonstige Hilfe brauchte, standen mit die Einheimischen wirklich mit Rat und Tat zur Seite und waren durchwegs außergewöhnlich freundlich.
Auch beim Ausgehen habe ich anfangs mit mehr Zudringlichkeiten der afrkanischen Männer gerechnet. Dabei waren diese zu meinem Erstaunen eher zurückhaltend. Klar wird man sehr oft angesprochen, doch großteils reicht ein klares "nein" um sie abzuweisen. Heiratsanträge gab es natürlich unzählige, aber ich denke solche Situationen kann man auch mit ein wenig Humor meistern.
Das erste Mal Gedanken über meine Sicherheit habe ich mir in Südafrika gemacht. Man hat mich mehrmals gewarnt nicht alleine auf den Straßen in bestimmten Stadtteilen von Kapstadt oder Johannesburg herumzulaufen, nicht in irgendein Taxi zu steigen, nicht in die Townships zu gehen, bei den Bankomaten vorsichtig zu sein, keine Handtaschen mitzunehmen usw. Ich hatte glücklicherweise überhaupt keine negative Erfahrungen dort, obwohl ich mich nicht immer zu hundert Prozent an die wohlgemeinten Ratschläge gehalten habe.
Ich würde sagen, mit den üblichen Vorsichtsmaßnahmen und ein wenig Hausverstand kommt ihr in Afrika gut durch. Ich habe auch von anderen Reisenden wenig richtig schlimme Stories gehört.

3. Wieviel Geld hast du ungefähr ausgegeben?

Ich mache jedes Monat eine kleine Abrechnung. Man kann sagen, dass ich so 300-700 Euro im Monat brauchte. Ich habe natürlich viel couchgesurft und in Uganda teilweise gearbeitet und dafür gratis Unterkunft und Verpflegung bekommen. Außerdem habe ich mich immer mit dem billigsten Transportmittel fortbewegt, auch wenn dieses um Einiges ungemütlicher war und länger brauchte als ein vergleichbar teureres. Ich habe teilweise in fast schon schäbigen Unterkünften mit Ratten und Mäusen geschlafen, die jedoch nur ca 1 Dollar pro Nacht kosteten. Das ist wahrscheinlich nicht für jedermann was. Zwischendurch gab ich aber trotzdem viel Geld aus, weil ich einfach wieder einmal etwas Luxus wollte. Vor allem in den Städten gab ich Einiges für Essen und Shoppen aus. Zudem machte ich auch ein paar Aktivitäten, die nicht gerade billig waren wie zB das Raften am Nil. Was hier in diesem Betrag nicht inkludiert ist, sind Sonderausgaben wie der Heimflug, der Flug nach Costa Rica und die Anschaffung eines neuen Handys.

4. Freust du dich, dass du nun für einen kurzen Besuch zu Hause bist? Würdest du am liebsten gleich hier bleiben? Oder plagt die das Fernweh schon wieder?

Ich freue mich unheimlich alle meine Freunde und Verwandten wieder zu treffen. Vor allem bedeutet es mir sehr viel am 50. Geburtstag meiner Mami dabei sein zu können. Dass ich am liebsten gleich hier bleiben möchte, könnte ich nicht behaupten. Mich plagt das Fernweh jetzt schon wieder, obwohl ich erst ein paar Tage zu Hause bin. Das Reisen macht leider süchtig. Einerseits trauere ich noch Afrika nach, andererseits freue ich mich schon sehr auf Zentralamerika.

5. Denkst du es wird schwer für dich sein in Österreich wieder Fuß zu fassen wenn du von deiner Weltreise zurück kommst?

Ich glaube es wird definitiv nicht einfach werden. Bereits viele Reisende, mit denen ich gesprochen habe, berichteten von einer Art Heimkommensdepression. Beim Reisen ist man total ungebunden und frei, man weiß nie was der nächste Tag bringt. Es gibt keine Routine und keinen Alltag. Jeder Tag steckt voller neuer Abenteuer, Bekanntschaften und Erlebnisse. Zu Hause ist alles geregelt. Man kennt oft den kompletten Tagesablauf, da er immer derselbe ist. Außerdem hat man beim Reisen so viele tolle Sachen erlebt, so viel Leid gesehen usw, dass man sich zu Hause vielleicht sogar unverstanden fühlt. Ich glaube, das Heimkommen wird auf alle Fälle schwer, aber wir werden sehen ;)

6. Was waren deine Top Erlebnisse?

Es gibt einfach zu viele einzigarte und unvergessliche Erlebnisse, die ich hatte. Hier ein paar Beispiele:
- Das Unterrichten in einer Baby-Class in Uganda - die kleinen waren 3-5 Jahre alt, oh Mann, das war anfangs ein ordentliches Chaos
- Das Trinken von frischem Ziegenblut mit dem Massai-Stamm in Tansania => Reisebericht Ziegenblut, => Video: Massai schlachten Ziege
- Jagen mit dem Hadzabe-Stamm in Tansania. Das war eine komplett andere Welt, diese Menschen wohnen noch in Höhlen und leben nur vom Jagen und Sammeln. => Reisebericht Hadzabe-Stamm, => Video: Hadzabe-Stamm
- Die Bergtour und die traditionellen Bergdörfer in Lesotho. Die Menschen hier leben teilweise sehr abgeschieden, jedoch in den eindrucksvollsten Gegenden. Bei meiner Wanderung durch Lesotho habe ich übrigens in einer Höhle geschlafen und die ganze Nacht Angst davor gehabt, dass irgendeine Giftschlange in meinen Schlafsack krabbelt. => Reisebericht: Wandern in Lesotho
- Die unglaubliche Gastfreundschaft, die ich in ganz Afrika erleben durfte, vor allem auch durchs Couchsurfen.

Für Afrika Interessierte

Ich habe vor Kurzem mein allererstes Buch veröffentlicht, in welchem es über meine sechs Monate Backpacking in Afrika geht. Es liefert allen notwendigen Informationen, die man für so eine Reise benötigt und beinhaltet jede Menge spannender Stories, die ich dort erlebte.
HIER könnt ihr euch das Buch im E-Book Format oder als Taschenbuch kaufen :)