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Montag, 1. Juni 2026

Kulinarische Abenteuer auf meiner Reise

By On Juni 01, 2026


Vielleicht habt ihr schon mitbekommen, dass ich verdammt gerne esse - vor allem Unbekanntes ;) Ich liebe es verrückte Mahlzeiten auszuprobieren und bin dabei relativ wagemutig - würde ich jetzt einfach so behaupten.

Warnung: Nichts für sanfte Gemüter!

Hier eine kleine Zusammenfassung meiner kulinarischen Abenteuer auf Reisen: 


Seeigel in Neuseeland

In Neuseeland im Pelorus Sound habe ich zum ersten Mal im Leben Seeigel gegessen - roh! Dazu bin ich mit dem Kajak die Küste entlang gerudert und habe die stacheligen Meeresbewohner gesammelt. Meine Gastgeberin hat mir dann gezeigt wie man sie aufarbeitet: Mit einem Messer in der Mitte durchschneiden und alles herausnehmen, bis auf die orangefarbenen Gonaden ( = Sexualorgane). Diese pult man zu allerletzt heraus und kann sie auch gleich essen. Dazu trinkt man hier traditionellerweise ein kaltes Bier. Viel Essbares ist an den Tieren auf alle Fälle nicht dran. Geschmacklich ganz lecker - wie süße Meeresfrüchte. Die Konsistenz würde ich als cremig bezeichnen.

Die orangefarbenen Gonaden sind der essbare Teil des Seeigels

Possum in Neuseeland

Während einer 2-tägigen Wanderung im Kaweka Forest habe ich gemeinsam mit meinem Couchsurfing Gastgeber John ein selbsterlegtes Possum gegessen. Man muss dazu sagen, dass diese Tiere in Neuseeland eine richtige Plage sind. Sie wurden ursprünglich aus Australien eingeschleppt und haben sich dann hier hemmungslos vermehrt. Die Neuseeländer betrachten die Possums somit als Schädlinge, aber komischerweise wollen sie sie trotzdem nicht essen. Stattdessen werden sie aber zu Hundefutter verarbeitet. Vielleicht liegt es auch daran, dass einige der Tiere mit Tuberkulose infiziert sind, was aber nach dem Erhitzen des Fleisches kein Problem mehr darstellen sollte. Es war nicht allzu schwer John zu überreden ein Possum zu erlegen. Leider tappte das Tier  nicht wie erhofft in unsere Falle, also beschloss mein Gastgeber es eigenhändig mit einem Holzknüppel zu erschlagen, was ihm auch gelang. Wir arbeiteten es mitten in der Nacht noch auf und ließen es bis zum Morgen aushängen. Am Abend machten wir uns dann daran unser selbst erlegtes Mahl im Gaskocher zuzubereiten. Der Geruch war irgendwie nicht sonderlich vielversprechend. Als wir es dann schließlich probierten, wurde uns klar: es schmeckte genauso grauenhaft, wie es gerochen hat. John musste sich beinahe übergeben. Es blieb also nur bei einer kleinen Kostprobe. Im Nachhinein kamen wir zu dem Entschluss, dass wir wohl bei der Aufarbeitung des Tieres einen Fehler gemacht hatten. Wahrscheinlich haben wir in die Duftdrüse des Possums geschnitten, was den unangenehmen Geschmack verursachte. Beim nächsten Mal wissen wir es auf alle Fälle besser ;)


Entenembryo auf den Philippinen

Die Delikatesse heißt Balut. Es handelt sich dabei um ein angebrütetes, gekochtes Enten- oder Hühnerei. Im Schnitt sind die Eier etwa 19 Tage alt, wenn sie gegessen werden. Im Inneren steckt also ein Vogelembryo. An einem Straßenstand wurden wir fündig. Anthony - eine Couchsurfing Bekanntschaft - führte mir genau vor, wie man das Ding essen sollte. Schon beim Zuschauen wurde mir leicht schlecht, obwohl ich in Sachen Essen wirklich sehr abgehärtet bin. Anthony verglich den Embryo mit einem Baby-Dinosaurier. Ja, das könnte vielleicht hinkommen. Nun war ich an der Reihe. Zuerst startet man mit dem gelben Teil, also dem Dotter, welcher auch ungefähr so schmeckt, nur bereits etwas härter ist. Dann kommt der Embryo. Gespannt und leicht schmunzelnd beobachteten die zwei Männer meinen Gesichtsausdruck. Das Ding sah tatsächlich schon aus wie ein kleines Küken. Man erkannte bereits deutlich den Kopf und den Schnabel. Es ließ sich aber erstaunlich leicht kauen, da selbst die Knochen noch weich sind. Im Nachhinein kann ich gar nicht viel zum Geschmack sagen, da man recht viel Essig darüber kippt, was dann der vorherrschende Geschmack ist (vielleicht auch besser so). Nach diesem kleinen Abenteuer beschloss ich, dass das eindeutig ein einmaliges Erlebnis gewesen ist. 

"Balut", eine philippinische Delikatesse

Elch und Rentier in Schweden

Elch und Rentier würden vielleicht viele nicht unbedingt als "kulinarisches Abenteuer" bezeichnen, dennoch war es für mich etwas ganz Besonderes und stand auf meiner To-Do-Liste für Schweden ganz oben. Beide Tiere habe ich in Form eines Burgers verdrückt. Den Elch gab es in einem traditionellen, schwedischen Gasthaus - erinnerte mich irgendwie an eine österreichische Apres-Ski Hütte - mit Preiselbeermarmelade, Pilzsauce und Kartoffelspalten. Ein Traum! Den Rentier-Burger haben wir selbst gemacht. Wir bekamen nämlich 16 kg Rentierfleisch von einem benachbarten Sami, welches dann einen ganzen Nachmittag über verarbeitet wurde. Im Prinzip war der Burger nicht so schlecht, doch ein kleines Missgeschick trübte das Vergnügen etwas: Wir haben nämlich unabsichtlich ein faules Ei in die Hackfleischmasse geschlagen und es leider zu spät bemerkt. Wir versuchten das Unding zwar wieder vollständig herauszuholen, was uns aber wahrscheinlich nicht zu 100% gelang. Der Rentier-Burger wurde natürlich brav aufgegessen - wäre ja schade um das wertvolle Fleisch - aber der Gedanke an das faule Ei schwang die ganze Zeit etwas mit. Zum Glück hat niemand eine Magenverstimmung davongetragen ;)

Matumbo in Kenia

Dabei handelt es sich um die Gedärme und Mägen von einem Tier - meist Rind, Schaf oder Ziege. Ich konnte mich mit diesem Gericht nicht wirklich anfreunden, was wahrscheinlich auch daran lag, dass ich gleich am Anfang beinahe traumatisiert davon wurde. Als ich in Kapkoi war, schlachtete mein Couchsurfing Gastgeber nämlich ein altes Schaf. Die Gedärme und der Magen wurden dann über Nacht in einen Topf mit Wasser gegeben, der dann genau in meinem Zimmer deponiert wurde. Das Ganz roch so penetrant nach einem Mix aus Schaf und Sch*****, dass mir beim Gedanken daran immer noch übel wird. Genauso schmeckt das Zeug dann auch im gekochten Zustand. Die nächsten Tage wurde dann wirklich jede Mahlzeit damit verfeinert - bzw für mich versaut *lach*. Die Kenianer lieben Matumbo tatsächlich - und das wirklich so gut wie alle die ich getroffen habe. Ich habe mir anstandshalber das eine oder andere Mal ein paar Bissen hinuntergewürgt, aber Gaumenfreude war es keine. 

Matumbo (hier vom Rind) im ungekochten Zustand. Ich habe beim Auswaschen und Zerkleinern geholfen

Mursik in Kenia

Mursik ist eine traditionell fermentierte Milch der Kalenjin in Kenia. Milch wird in einer Kalebasse (= Gefäß, das aus einem Flaschenkürbis angefertigt) ist mit der Holzkohle von bestimmten Bäumen gemischt und dort für einige Tag stehen gelassen und somit fermentiert. Schmecken tut das Ganze gar nicht schlecht, so ähnlich wie Buttermilch würde ich es beschreiben. Manchmal wird dem fertigen Mursik noch ein bisschen frisches Blut hinzugemischt. Diese Variante habe ich jedoch nicht ausprobiert. 

Mursik

Grashüpfer in Uganda 

Extrem lecker! Sie werden in einer Pfanne im eigenen Saft herausgebraten und etwas gesalzen. Außen knusprig, innen weich - ein Traum. Man erhält sie in der Grashüpfer-Saison überall am Straßenrand in kleinen Plastiksäckchen, bereits fertig zubereitet. 

Frisches Ziegenblut in Tansania

Eher gewöhnungsbedürftig, obwohl ich es mir eindeutig schlimmer vorgestellt habe. Der Massai-Stamm, bei dem ich wohnte, schlachtete am Morgen eine Ziege, indem sie dem lebenden Tier einfach den Kopf abtrennten. Das Blut, das aus dem Hals sprudelte wurde in einem Gefäß aufgefangen und immer schön umgerührt, damit es nicht zu stocken beginnt. Sie verfeinerten das Getränk mit etwas Milch und Salz. Man sollte es dann recht rasch trinken, denn mit der Zeit wird das Zeug gelleeartig, was ziemlich ekelhaft ist. Geschmacklich erstmals warm und salzig. Der Nachgeschmack ist metallisch.

Ziegenblut in Tansania

Raupen in Sambia

Nicht mein Fall. Diese Dinger werden überall auf den Märkten in getrocknetem Zustand verkauft. Zu Hause legt man sie dann in Wasser ein, bis sie weich werden. Danach werden sie mit jeder Menge Fett frittiert. Ich probierte sie jedoch nur ein einziges Mal, vielleicht hatte ich bloß nicht den besten Koch.

Getrocknete Raupen am Markt in Sambia

Leguan in Honduras

Sehr lecker. Geschmacklich würde ich es als eine Kreuzung aus Huhn und Fisch beschreiben. Wird teilweise auf den Märkten verkauft, obwohl es anscheinend illegal sei und gilt als Delikatesse. Ich erzählte meinem Couchsurfing Gastgeber von meiner Vorliebe für verrücktes Essen, er überraschte mich daraufhin eines Tages mit einem Leguan zum Frühstück.

Lebende Muscheln in El Salvador

Sehr lecker. Sie werden auf den lokalen Märkten in Meeresnähe verkauft und sind bei den Einheimischen sehr beliebt. Die lebenden Tierchen werden aus der Schale genommen und mit Limettensaft, Zwiebeln, Chili, Paprika und Salz verfeinert. Die Muscheln müssen sich noch bewegen, wenn man sie mit dem Limettensaft beträufelt, sonst sind sie schon alt. Es gibt in El Salvador mehr als genug Fischvergiftungen nach dem Vezehr dieser Dinger.

Schildkröte in Kolumbien

War absolut nicht mein Fall. Könnte aber auch daran liegen, dass das Tier schon sehr alt war. Das Fleisch war nämlich sehr zäh. Serviert wurden das in Würfel geschnittene Schildkrötenfleisch und die Leber mit Arepas. Wenige Stunden nach dem Genuss dieser Mahlzeit spielte mein Darm verrückt - ich verbrachte die ganze Nacht am WC. Schlussfolgerung: nicht empfehlenswert.

Meerschweinchen in Ecuador & Peru

Sehr lecker aber wenig dran. Das Tier bestand vorwiegend aus Haut - die aber ganz lecker knusprig war - und Knochen. In Ecuador bekam ich es mit leckerer Erdnusssauce serviert und in Peru mit pikanter Sauce - am besten geschmeckt hat es in Peru.  Auf alle Fälle empfehlenswert!

Meerschweinchen

Schafskopfsuppe in Peru

Also dieses Gericht gehört eindeutig nicht zu meinen Lieblingsgerichten. Und das Schlimmste dran: Ich bekam die Suppe zum Frühstück serviert - mit einem halben Schafskopf drin. Die Haare waren vermutlich das Einzige, das entfernt wurde. Außerdem bestand das Ding bestand bloß aus aufgeweichter, ledriger Haut, einer Zunge, Mundschleimhaut mit ekelhaften Zotten dran und irgendwelchen Sehnen. Ich biss bloß ein Stück ab, doch das war bereits fast zu viel für meinen normalerweise doch recht widerstandsfähigen Magen. Dieses Gericht bekam ich übrigens in Puno am Titicacasee serviert.

Schafskopfsuppe zum Frühstück

Lama in Bolivien

In Bolivien zählt Lama zu einem ganz normalen und auch beliebten Gericht. Ich habe es zum ersten Mal in der Stadt Oruro ausprobiert. Ich war etwas verwundert, über das Aussehen des Fleisches, es wird nämlich zuerst getrocknet und dann werden die Fleischfasern klitzeklein abgezupft. Diese werden dann in einer ordentlichen Portion Fett herausgebraten. Serviert wird das Ganze mit Mais, Käse, Karatoffeln, Ei und scharfer Sauce. Vom Geschmack her ähnelt das Lama vielleicht etwas dem Schafsfleisch. Ich fand das Gericht ganz lecker, bloß war es mir eine Spur zu deftig - das Fleisch trieft bloß so vom Fett. Das zweite Mal aß ich Lamafleisch vom Grill bei einer Lama-Opferungsfeier in Bolivien. Es war ganz lecker aber ziemlich zäh.



Sonntag, 19. April 2026

Route Chile

By On April 19, 2026

 

Reisezeitraum & Route: 


25.11.2025 - 16.03.2026

ÖSTERREICH - Santiago de Chile - Coya - Agua Buena - San Fernando - Talca - Los Álamos - Talca - El Medano - Laguna del Maule - San Fanián de Alico - Antuco - Lonquimay - Icalma - ARGENTINIEN - Icalma - Puccón - Puerto Fuy - Futrono - Anticura - Lago Rupanco - Puerto Montt - Valdivia - Concepción - Santiago de Chile - ÖSTERREICH 






Dienstag, 17. März 2026

Von Puerto Montt nach Santiago - meine letzten Tage in Chile

By On März 17, 2026


Von Puerto Montt aus arbeitete ich mich langsam wieder in Richtung Norden hinauf, nach Santiago - dem Ort, von dem ich diese Reise zu Fuß gestartet hatte. Während der Busfahrten hatte ich Blick auf die Berge und musste an die Herausforderungen der vergangenen drei Monate denken, die ich dort erlebt hatte. Die ganze Strecke, die ich nun über mehrere Tage verteilt mit dem Bus zurücklege, habe ich zuvor wandernd über hohe Berge bewältigt. Beim Hinausschauen aus dem Busfenster kamen wieder so einige Erinnerungen hoch.

Santiago de Chile bei Nacht - die Aussicht von meinem Airbnb-Appartement

Meine sozusagenen Urlaubstage verbrachte ich mit ein paar kurzen Wanderungen, erkundete schöne Orte und machte zwischendurch einige Trailruns.


Nach drei Monaten fast ausschließlich in der Natur brauchte ich ein paar Tage, um mich wieder an Städte, Straßen und die vielen Menschen zu gewöhnen. Manchmal stand ich irgendwo mitten im Trubel und dachte mir, dass ich jetzt eigentlich viel lieber wieder in den Bergen wäre - mit meinem Zelt und der Stille der Wildnis um mich herum.


Die letzten zwei Wochen waren also ein langsamer Einstieg zurück in die Zivilisation. Eine Zeit, um die Eindrücke der vergangenen Monate wirken zu lassen und dieses Abenteuer langsam ausklingen zu lassen.


Der Fischerhafen Angelmó in Puerto Montt - hier tummeln sich immer jede Menge Seelöwen und hoffen darauf, etwas von den Fischabfällen abzubekommen

Frisch vom Boot zum Verkauf. Da ich Meeresfrüchte liebe, habe ich am Fischmarkt lecker geschmaust.

Ich könnte diese knuffigen Tiere stundenlang beobachten 


Angekommen in Valdivia - hier sieht man noch heute deutliche Spuren deutscher Einwanderung aus dem 19. Jahrhundert. Viele Restaurants, Cafés und Bäckereien verwenden deutsche Wörter wie „Brot“ oder „Kuchen“. "Kuchen" wird übrigens in ganz Chile angeboten ;)

In Valdivia wage ich mich an meinen ersten Trailrun nach langer Zeit des ausschliesslichen Wanderns

Es gibt tatsächlich ein paar richtig schöne Trails

Valdivia 


In Valdivia fühlte ich mich fast wie auf den Galapagos Inseln - überall auf der Seepromenade liegen diese riesigen Seelöwen herum


Da schmaust jemand am Fischmarkt

Eine alte Burgruine in Niebla 

Am Strand von Niebla


In meinem Airbnb in Concepción habe ich vom Bett aus eine mega Aussicht auf den Sonnenuntergang 

Auch in Concepción finde ich wieder schöne Strecken fürs Trailrunning 


Und zwischendurch lasse ich es mir natürlich auch gut gehen - hier mit einem Pie de Limon, ein chilenischer Kkassiker

Zurück in Santiago angekommen 

Cerro Santa Lucía in Santiago 

Auch wenn diese Reise hier endet, werden die Erinnerungen an all die Abenteuer ewig bleiben.



=> Hier findest du alle meine Fotos von Puerto Montt <=


Samstag, 28. Februar 2026

The Greater Patagonian Trail - Sektion 21 und mein Abschied nach 3 Monaten Wildnis

By On Februar 28, 2026


Drei Monate bin ich nun bereits auf dem Greater Patagonian Trail (GPT) unterwegs. Drei Monate voller wilder Landschaften, einsamer Täler, improvisierter Wege und vieler unerwarteter Begegnungen. 


Eigentlich hatte ich geplant, bis zum 5. März weiterzuwandern, um noch die Sektionen 21 und 22 zu schaffen. Doch manchmal muss man Pläne etwas ändern bzw. anpassen.

Es kamen mehrere Dinge zusammen: Zum einen war ab Freitag eine Schlechtwetterperiode mit starkem Regen angekündigt. Zum anderen hätte ich den See Todos los Santos überqueren müssen - was sich als ziemlich kompliziert herausgestellt hat. Es gibt dort nämlich keine regelmäßige Fähre. Und selbst wenn sie fährt, kommt sie nicht bis ans Ufer, da das Wasser zu seicht ist. Man muss also zuerst mit einem kleinen Boot etwa einen Kilometer auf den See hinausgefahren werden, um überhaupt auf die Fähre zu kommen. Zudem muss der Kapitän im Vorhinein informiert werden. Alles nicht so einfach. Ich nahm Kontakt mit Rudy auf, einem Siedler, der am Ufer des Sees lebt, und fragte ihn, ob er mich mit seinem Motorboot zur Fähre bringen könnte - natürlich gegen Bezahlung. Die Kommunikation mit ihm war aber etwas schwierig und schleppend. Am Ende war mir das Ganze zu unsicher. Wenn die Abmachung mit Rudy nicht geklappt hätte, hätte ich zwei Tage im Starkregen zurück nach Las Gaviotas wandern müssen.


Also traf ich schweren Herzens die Entscheidung, einen Teil der Sektion 21 noch als letzte Tageswanderung zu machen und den GPT danach für diese Saison zu beenden.


Sonnenuntergang am Rupanco-See am Strand von Las Gaviotas, wo auch mein Campingplatz liegt


26. Februar 2026  - Meine letzte Wanderung am GPT

Früh am Morgen machte ich mich vom Campingplatz am Rupanco-See mit meinem Tagesrucksack auf den Weg zur Laguna Los Quetros. Unglaublich, wie leicht sich alles anfühlte. Nach Monaten mit schwerem Trekkingrucksack war es ziemlich ungewohnt, mit so leichtem Gepäck unterwegs zu sein. Mehr als einmal musste ich kurz fühlen, ob der Rucksack überhaupt noch auf meinen Schultern sitzt.



Der relativ gut ausgebaute Weg führte durch dichten Regenwald, vorbei an Bächen und moosbedeckten Bäumen. Es war eine schöne und entspannte Wanderung. Bei der Laguna machte ich meine Mittagspause.


Laguna Los Quetros 


GPT21 - Technische Daten:

• Distanz: 20 km

• Höhenmeter: 827 m


Insgesamt am Greater Patagonian Trail: 

• Distanz: 1.336 km

• Höhenmeter: 53.143 m


Ich bin also in den letzten 3 Monaten insgesamt 1.336 km und 53.143 Höhenmeter gewandert. Klingt erstmal viel, ist es auf den gesamten Zeitraum gerechnet aber nicht wirklich. Es ist sogar deutlich weniger als ich anfangs erwartet hatte. Ich habe unterschätzt, wie langsam man teilweise vorankommt, vor allem in weglosen Abschnitten oder wenn man sich kilometerlang durch dichtes Gebüsch schlagen muss. Zudem habe ich mehr Ruhetage eingelegt als ursprünglich geplant - gegen Ende oft auch zwangsweise wegen des schlechten Wetters. Aber da es sowieso nie das Ziel war, möglichst viele Kilometer zu machen, sondern den Trail und die Natur zu genießen, bin ich schlussendlich völlig zufrieden mit dem Resultat.


27. Februar 2026 - Zurück Richtung Zivilisation

Am nächsten Morgen ging es dann endgültig zurück in die Zivilisation. Eine kleine Fähre sollte um 7 Uhr am Strand vor meinem Campingplatz in Las Gaviotas anlegen.

 

Noch im Stockdunkeln stand ich auf, baute mein Zelt ab und packte meine Sachen. Die Tage sind hier inzwischen deutlich kürzer geworden, es wird erst gegen 7:30 Uhr hell.


Ich ging zum Strand und stand dort nun ganz alleine im Dunkeln. Keine Menschen, keine Lichter und weit und breit keine Fähre zu sehen. Für einen Moment dachte ich schon, dass vielleicht gar keine kommen würde. Doch dann tauchte sie plötzlich doch auf. Am Anfang war ich der einzige Passagier an Bord. Die Überfahrt dauerte etwa eine Stunde und kostete 200 chilenische Pesos, also ungefähr 20 Cent. Ich hatte allerdings nur 500 Pesos dabei. Die Bootsleute hatten kein Wechselgeld und wollten mir die Fahrt deshalb sogar schenken. Natürlich habe ich ihnen trotzdem die 500 Pesos gegeben. Chile überrascht mich immer wieder: manche Dinge sind hier unglaublich teuer und andere wiederum extrem günstig.



Nach der Überfahrt ging es für mich weiter nach Puerto Montt, wo ich mir für ein paar Tage ein kleines Mini-Apartment im Hospedaje Valencia gemietet habe. Die Unterkunft ist sehr zu empfehlen. Sie befindet sich zwar etwas außerhalb der Stadt, die Besitzerin ist aber super lieb und das kleine Apartment inklusive Frühstück kostet 27.000 CLP pro Nacht, was für Chile relativ günstig ist. 


Die Katze in meiner Unterkunft sieht mich an als käme ich von einem anderen Planeten (und genauso fühle ich mich auch)

Mein Plan ist es nun ein bisschen "Urlaub" zu machen in Chile und am Weg zurück nach Santiago noch ein paar schöne Orte besuchen.


Es fühlt sich tatsächlich sehr komisch an, wieder in der Zivilisation angekommen zu sein. Ich vermisse jetzt schon die Wildnis und die Einsamkeit in den Bergen.




Mein Resümee nach drei Monaten auf dem Greater Patagonian Trail

Der Greater Patagonian Trail war tatsächlich mein allererster Weitwanderweg überhaupt. Ich musste mich also im Vorhinein erst einmal ausgiebig mit dem Thema Equipment usw. beschäftigen. Erst letztes Jahr habe ich mir mein erstes leichtes Zelt, einen Gaskocher usw. gekauft. Und dann musste ich natürlich lernen, wie man das Zeug überhaupt benutzt. Ich habe vor dem GPT ein paar kleine Mehrtageswanderungen in der Schweiz gemacht und bin dann noch für eine Woche in die Türkei gereist, um mein Equipment am Lykischen Weg zu testen.


Und schon kurze Zeit später war ich in Chile und wanderte auf einem der einsamsten und unwegsamsten Fernwanderwege der Welt. Wenn ich heute darüber nachdenke, wirkt das selbst auf mich ein bisschen verrückt.


Während der Planung war ich mir nicht sicher, wie lange ich überhaupt unterwegs sein würde. Ich dachte mir: Wenn ich nach einer Woche merke, dass das alles nichts ist für mich oder es mir zu wild wird, dann höre ich einfach wieder auf. Doch im Endeffekt ist genau das Gegenteil passiert. Am Anfang hatte ich noch Mühe mit der Abgeschiedenheit, den oft nicht vorhandenen Wegen, dem ständigen Dreck, dem Schweiß und der Einsamkeit. Aber je länger ich unterwegs war, desto mehr begann ich genau das zu lieben.


Besonders in Erinnerung bleiben mir die vielen Begegnungen mit den Einheimischen. Ich habe oft tagelang keine Menschenseele gesehen und dann plötzlich tauchte mitten im Nirgendwo ein Arriero - das sind sozusagen die Cowboys der Anden - auf. Diese waren verständlicherweise immer sehr erstaunt hier eine Frau alleine anzutreffen. Und dann gab es noch die Begegnungen mit den Menschen in den kleinen abgelegenen Dörfern, die immer unglaublich hilfsbereit und herzlich waren. Auch andere GPT-Wanderer habe ich getroffen, allerdings nur wenige. Meistens haben wir uns vorher über die Community vernetzt und bewusst irgendwo getroffen. Direkt am Weg selbst bin ich tatsächlich nur einem einzigen anderen GPT-Wanderer zufällig begegnet.


Am Ende war der Greater Patagonian Trail eine riesige Herausforderung für mich. Eine Erfahrung, die mir gezeigt hat, dass man viel mehr schaffen kann, als man denkt. Und ich liebe ja solche Herausforderungen und werde da auch immer sehr ehrgeizig.


Ich hatte in diesen drei Monaten auch viele Höhen und Tiefen. Doch ich denke am Ende war beides notwendig, um das Ganze zu so einem unvergesslichen Abenteuer zu machen. 


Der Trail hat mir nicht nur unglaubliche Landschaften gezeigt. Er hat mir auch gezeigt, mit wie viel Leidenschaft ich draussen unterwegs bin. Und ich bin mir ziemlich sicher:

Das war nicht mein letzter Weitwanderweg. Und vielleicht komme ich auch schon sehr bald hierher zurück, um den GPT weiterzuwandern.






=> Hier findest du alle meine Fotos der 21. Sektion des GPT <=



=> Hier findest du alle meine Fotos von Puerto Montt <=







Donnerstag, 26. Februar 2026

The Greater Patagonian Trail - Sektion 20: Der Kampf mit dem Gebüsch

By On Februar 26, 2026


In dieser Sektion ging es wieder einmal an meine „Lieblingsbeschäftigung“: das Kämpfen durch dichtes Gebüsch. Mittlerweile fühle ich mich darin allerdings schon fast wie ein kleiner Profi und ließ mich davon im Vorhinein nicht abschrecken. Stellenweise wurde es dann aber doch ziemlich wild, aber zum Glück war der richtig schlimme Teil relativ kurz.


Dafür war die Besteigung des Vulkans Antillanca umso schöner und belohnte mich mit traumhaften Aussichten. Und bis auf eine Einlegesohle, die am Gipfel kurzerhand von einer Windböe davongetragen wurde, war diese Sektion am Ende ein voller Erfolg.



Montag, 23. Februar 2026 

Ich startete am Montagmorgen vom Campingplatz in Anticura. Zuerst musste ich den Nationalparkeingang des Puyehue-Nationalparks passieren. Die CONAF-Parkranger baten mich, meine Kontaktdaten und meine Route in ein Formular einzutragen. Bezahlen musste ich nichts.

Lustige Randbemerkung: Etwa zehn Tage später erhielt ich eine WhatsApp-Nachricht von einem der Parkranger, der mich fragte, ob ich gut an meinem Ziel angekommen sei und ob ich ihm noch ein paar Fotos von der Wanderung schicken könnte.


Ich startete also in den dichten Regenwald. Die ersten Kilometer war der Weg noch gut instand gehalten, doch mit der Zeit wurde er immer verwachsener und schließlich auch von umgefallenen Bäumen blockiert. Genau in diesem Abschnitt begann es dann zu regnen. Gebüsch und Regen in Kombination sind eindeutig nicht meine Leidenschaft. Es dauerte nicht lange, und ich war klatschnass.



Als ich den Regenwald hinter mir ließ und die Baumgrenze überschritten hatte, hörte zu meiner Erleichterung auch der Regen auf. Das Wetter wechselte zwischen Sonne und Wolken.


Irgendwann kam ich zu zwei kleinen Bergseen namens Pampa Frutilla (auf Deutsch: Erdbeer-Pampa). Sie machten ihrem Namen alle Ehre, denn rundherum wuchsen massenweise reife Erdbeeren. Ich kam schon gegen 16 Uhr am See an und beschloss die Nacht hier zu verbringen. Trotz der ziemlich kühlen Temperaturen wagte ich mich noch kurz ins Wasser - eine Wohltat!  Den Rest des Nachmittags verbrachte ich damit, mir den Bauch mit Erdbeeren vollzuschlagen.






Dienstag, 24. Februar 2026

Mein Zelt war heute Morgen eine richtige Tropfsteinhöhle. Da es nachts recht kalt war, ist das Ganze sogar noch gefroren. Also wartete ich erst einmal, bis die Sonne herauskam und mein Zelt trocknete.



Ich entschied mich für die Route mit der Besteigung des Vulkans Antillanca. Der Aufstieg war weglos und führte über steilen Vulkansand bergauf. Das bedeutete praktisch: ein Schritt nach vorne und zwei wieder zurück. Mit dem schweren Rucksack war das ziemlich anstrengend, aber die traumhafte Aussicht am Gipfel war jede Mühe wert.




Während ich meine Mittagspause am Gipfel machte und meine Schuhe zum Trocknen ausgezogen hatte, kam eine Windböe und wehte mir tatsächlich eine meiner Einlegesohlen davon. Und damit war sie auch futsch. Am Ende war ich froh, dass nichts Wichtigeres weggeflogen ist.


Der Abstieg war dann eine echte Freude: hinuntersliden im Sand. Das ging dann deutlich schneller voran.


Als ich in tieferen Lagen wieder in den Wald kam, ging die Sache mit dem Gebüsch wieder los. Irgendwann hat es hier scheinbar mal einen Trail gegeben, der inzwischen völlig von dornigen Pflanzen überwuchert ist.


Mitten im Gebüsch standen tatsächlich eine Kuh mit zwei Kälbern - keine Ahnung wie die dort hingekommen sind

Es wurde heute ziemlich spät, denn ich musste unbedingt noch an eine Wasserquelle kommen. Seit dem Erdbeersee gab es nämlich kein Wasser mehr.


Als ich irgendwann am Abend endlich an einem Fluss ankam, musste ich allerdings wieder ein Stück zurückgehen. Mitten in diesem dichten Dschungel war es nämlich unmöglich, einen halbwegs brauchbaren Zeltplatz zu finden.


Mittwoch, 25. Februar 2026

Heute wartete der härteste Teil der Etappe auf mich: stundenlanges, intensives Kämpfen durch dichtes Gebüsch. Aber ich war immerhin mental schon darauf vorbereitet. Ich beschloss diesmal Regenjacke, Regenhose und Gamaschen anzuziehen - eine kluge Entscheidung, wie sich herausstellte. So war ich wenigstens vor den Dornen geschützt. Gestern sah meine Haut nämlich trotz langer Kleidung ziemlich wild aus, denn diese Dornen verursachen eine Art allergischen Hautausschlag. Außerdem habe ich mir jede Menge blutige Kratzer eingefangen.


Zwar verwandelte sich mein Outfit schon bald in eine mobile Sauna und ich schwitzte wie verrückt, aber das war eindeutig das kleinere Übel.


Anfangs ließ sich unter dem Gestrüpp noch so etwas wie ein verwachsener Pfad erahnen. Doch irgendwann wurde es ein richtiges Massaker: massenweise umgefallene Bäume lagen durch einen Windwurf übereinander. Das Ganze erinnerte mich ein bisschen an Mikado. Weder oben drüber noch unten durch schien wirklich realistisch. Fast eine Stunde kämpfte ich mich voran, nur um am Ende festzustellen, dass ich mich im Kreis gedreht hatte. Das GPS kam unter den hohen Bäumen auch nur schlecht durch. Es war wirklich zum Verzweifeln.





Der richtig schlimme Abschnitt war vermutlich nur knapp einen Kilometer lang, aber ich brauchte fast zwei Stunden dafür. Danach bin ich auch noch mehrere Male von der Route abgekommen, konnte aber immer wieder zurückfinden.


Massenweise reife Brombeeren - was für eine Belohnung nach dem Buschkampf!

Umso erleichterter war ich, als ich schließlich in Las Gaviotas am Rupanco-See ankam. Am Ufer gibt es zwei kleine Campingplätze und ein Mini-Kiosk, dazu ein paar wenige Häuser von Siedlern, die hier wohnen. Die Campingplätze bieten jeweils nur fünf bis zehn Stellflächen, entsprechend ruhig ist es hier. Der günstigere war leider schon voll. Der andere verlangte satte 17.500 CLP, dafür waren allerdings nur zwei Familien da. Ich beschloss zu bleiben. 


Lago Rupanco



GPT19 - Technische Daten:
• Distanz: 55 km
• Höhenmeter: 2.322 m
• Dauer: 2,5 Tage

Insgesamt am Greater Patagonian Trail: 
• Distanz: 1.316 km
• Höhenmeter: 52.316 m





=> Hier findest du alle meine Fotos der 20. Sektion des GPT <=