Enter your keyword

Donnerstag, 28. Januar 2021

Vier Nächte unter freiem Himmel im Anaga-Gebirge

 

Santa Cruz de Tenerife

Die letzten fünf Tage verliefen sehr abenteuerlich. Gemeinsam mit Sdravko wanderte ich entlang der Küste des Anaga-Nationalparks - vom Osten in Richtung Norden und dann in den Westen. Geschlafen haben wir an verschiedenen einsamen Stränden mit Schlafsack und Matte unter dem freien Sternenhimmel. 


1. Tag: Von El Bailadero zum Playa de Ijuana

Wir starteten mit einem Bus von Santa Cruz nach El Bailadero. Die ersten sieben Kilometer wanderten wir die Straße entlang am Gebirgskamm bis Las Bodegas. Ab hier begann der Wanderweg. Da wir nicht unnötig viel Wasser herumschleppen wollten, haben wir uns bereits im Voraus Wasserstellen herausgesucht. Eine davon sollte am Friedhof von Las Bodegas sein. Wir hatten Glück, es gab dort tatsächlich einen Wasserhahn. Leider hat hat Wasser auf den kanarischen Inseln nur selten Trinkwasserqualität. Wir probierten einen Schluck. Es kann ja Einbildung sein, aber irgendwie hatten wir das Gefühl, dass es einen komischen Beigeschmack (nach verwesten Leichen?) hat. Aber uns blieb sowieso nichts anderes übrig. Nur gut, dass ich Wasseraufbereitungstabletten dabei hatte. 

Der weitere Wegverlauf gestaltete sich um Einiges abenteuerlicher als erwartet. Der Ausdruck "Weg" klingt vielleicht sogar zu nobel. Großteils war nämlich gar keiner sichtbar. Zuerst mussten wir einen abschüssigen Gebirgsgrat entlangklettern, was mit unseren großen Rucksäcken gar nicht so einfach war. Die letzten 1,5 Kilometer ging es dann satte 800 Höhenmeter steil bergab. Naja, wenigstens konnten wir uns so sicher sein, dass nicht viele Leute an dem Strand sein werden. 

Genau so war es auch: Wir waren die einzigen am Playa de Ijuana. Da es bereits zu dämmern begann, mussten wir uns schleunen eine geeignete Schlafstelle zu finden. Auch das war schwieriger als erwartet. Der Strand war klein und wir sollten zudem Flut um Ebbe im Auge behalten, um nachts nicht plötzlich davongeschwemmt zu werden. Wir suchten uns eine Stelle möglichst weit weg vom Wasser im schwarzen Sand. Dort bereiteten wir unser Nachtlager vor. Plötzlich donnerten einige gar nicht so kleine Steine von den Klippen neben uns auf den Boden. Beim Blick nach oben, konnten wir ein paar Wildziegen entdecken, die uns wohl zu vertreiben versuchten. Wutentbrannt begann Sdravko die Biester zu verscheuchen. 

Als wir bereits in unseren Schlafsäcken lagen und schon im Halbschlaf waren, mussten wir plötzlich feststellen, dass das Meer gefährlich nahe kam. Unverzüglich packten wir unsere Sachen zusammen. Nun mussten wir im Dunkeln versuchen eine alternative Schlafstelle zu finden. Wir wanderten eine enge Schlucht zurück und ebneten uns dort eine kleine Stelle an. Hier waren wir wenigstens auch sicher vor den Ziegenattacken.
Am Weg zum Playa de Ijuana

Wir fanden leckere Wollmispeln. Es ist wirklich unglaublich: Immer wenn ich mit Sdravko unterwegs bin lerne ich neue essbare Früchte kennen!

2. Tag: Von Playa de Ijuana nach Roque Bermejo

Die Nacht verlief zum Glück ohne weitere Zwischenfälle. Der Sonnenaufgang am Strand war wunderschön. Was waren wir froh unsere Schlafstelle gewechselt zu haben, denn wir sahen nun, dass die Flut so gut wie den gesamten Sandstrand überflutet hatte. Das wäre kein schönes Erwachen gewesen, von einer Riesenwelle erwischt zu werden.

Der Sonnenaufgang am Playa de Ijuana war wunderschön.

Ein paar Minuten später sah der Himmel so aus.

Heute starteten wir in Richtung Roque Bermejo. Zuerst stand uns ein steiler und schwerer Aufstieg bevor - dieselbe Strecke, die wir gestern bergab mussten. Kurz nach Mittag kamen wir an dem kleinen, verträumten Bergdorf Chamorga vorbei. Es leben bloß 50 Personen dort. In einer kleinen Kneipe gönnten wir uns eine Portion Garbanzas (= Kanarischer Kichererbseneintopf mit Fleisch). 

Gut gestärkt ging es nun bergab zum Roque Bermejo, wo wir erstmals ein erfrischendes Bad im Meer nahmen. Hier scheint man tatsächlich am Ende der Welt angekommen zu sein. Es gibt ein paar Häuser, die aber nur zu Fuß oder mit dem Boot erreichbar sind. Wie viele Leute hier genau leben weiß ich nicht, aber mehr als vier recht betagte Personen konnten wir nicht erspähen. Da der Strand voll von Fischinnereien war, beschlossen wir in einer kleinen Schlucht etwas oberhalb zu schlafen. Auch heute statteten uns einige Wildziegen einen Besuch ab. Sie schienen aber etwas friedlicher zu sein, als die von gestern. 

Heute fanden wir jede Menge der "Kanarischen Ashwagandha/ Schlafbeere". Die kleine orangefarbene Frucht schmeckt bitter-süßlich. Die Ashwagandha gehört zu den am häufigsten genutzten Arzneimitteln in der ayurvedischen Medizin. 

Roque Bermejo

3. Tag Von Roque Bermejo nach Playa de Benijo 

Der Morgen startete etwas bewölkt. Wir beschlossen bei den paar Häusern hier um Kaffee zu fragen. Eine nette alte Dame bereitete uns schlussendlich ein leckeres Tässchen davon zu, während ihr Nachbar sich bereits den ersten Viertelliter Rotwein hinunterkippte. Sie gab uns noch ein paar Tipps für unsere weitere Wegstrecke und erklärte uns wo wir Wasser finden konnten.

Zuerst kamen wir am Faro de Anaga (=Leuchtturm) vorbei. Als wir die vermeintliche Wasserstelle erreichten, mussten wir feststellen, dass die Leitung wohl nicht mehr funktionierte. Nun hieß es gut haushalten mit dem letzten Bisschen, das wir hatten. 

Wir durchquerten das Örtchen El Draguillo - hier war ich bereits mit Pedro - und später Benijo. Benijo ist bekannt für seine leckeren Fischrestaurants. Da wir gerade erst zu Mittag gegessen hatten, fragten wir nach einer Portion zum Mitnehmen. Das klappte zum Glück auch. 

Diesmal fanden wir eine geniale Stelle am Stand mit super Aussicht. Der einzige Nachteil war, dass es recht windig war, was im Endeffekt aber auch nicht sonderlich schlimm war. Bei einem wunderschönen Sonnenuntergang verspeiste ich meinen gebratenen Tintenfisch. Das Leben kann so schön sein. 

Roques de Anaga

Die heutige Schlafstelle

Sonnenuntergang am Playa de Benijo

4. Tag: Von Roque Bermejo nach Playa de las Gaviotas

Heute starteten wir in Richtung Taganana, wo wir uns Kaffee und einen kleinen Imbiss gönnten. Da Sdravkos Knie nicht mehr mitmachen wollten, beschlossen wir heute einen gemütlicheren Tag einzulegen. Wir werden zurück nach San Andrés fahren und von dort dann an den Strand Playa de las Gaviotas weiterziehen. Die Busse fahren nur sehr selten, deshalb beschlossen wir es per Autostopp zu versuchen. Leider ohne Erfolg. Vielleicht sahen wir mittlerweile ja doch schon etwas zu verwahrlost aus nach einigen Tagen ohne Dusche und fernab der Zivilisation *lach*. Wir mussten also ein paar Stunden warten bis endlich der Bus ankam. Am Playa des Gaviotas fanden wir dann sogleich eine perfekte Schlafstelle am feinen Sandstrand. 

5. Tag: Von Playa de las Gavitotas zum Playa de las Teresitas

Diese Nacht konnte ich erstmals halbwegs gut schlafen. Der Tag startete wieder etwas bewölkt, aber schon am frühen Vormittag wurden wir mit strahlendem Sonnenschein belohnt. Wir wanderten zum nächsten Strand Playa de las Teresitas. Hier gönnten wir uns ein Frühstück und relaxten im Sonnenschein. Das 20 Grad warme Meerwasser war eine erfrischende Abkühlung zwischendurch. Somit beendeten wir auch vorerst unser Wander-Abenteuer im Anaga-Gebirge. 

Playa de las Teresitas: einer der schönsten Strände Teneriffas

Es war ein ganz besonderes Erlebnis jede Nacht unter dem sternenklaren Himmel zu schlafen - wir fühlten uns fast wie 20-jährige Hippies *lach*. Oder besser gesagt: "Nobel-Hippies", immerhin gönnten wir uns zwischendurch immer wieder ein bisschen Luxus in Form von Kaffee oder leckerem Essen. 

Die nächsten Tag werde ich bei Silvana in Santa Cruz verbringen und ihr bei ihrem Deutsch-Online-Kurs zur Hand gehen. 


Also dann, bis bald!

Eure, Michi :)



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Über Kommentare, Fragen, Wünsche & Anregungen freue ich mich immer sehr :)