The Greater Patagonian Trail Sektion 18: Kleinere und größere Katastrophen am Valentinstag im Dickicht
Diese Sektion gehörte für mich eher nicht zu den Lieblingsabschnitten. Das bescheidene Wetter hat einen erheblichen Teil dazu beigetragen, zudem musste ich feststellen, dass Dickicht und Gestrüpp einfach überhaupt nicht meine Welt sind. In höheren Lagen fühle ich mich deutlich wohler als irgendwo im nassen Urwald zu versinken.
Trotzdem gab es auch ein paar Highlights, wie zum Beispiel der traumhafte Zeltplatz am See, die ersten Sonnenstrahlen nach Stunden Dauerregen und am Ende noch ein Riesenglück beim Trampen.
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| Diese Sektion war von viel Dickicht und Botanik geprägt |
Donnerstag, 12. Februar 2026
Nachdem es die letzten Tage nonstop durchgeschüttet hat bei durchschnittlich etwa 5 °C, kam heute endlich wieder die Sonne raus.
Am Morgen spazierte ich zum Hafen von Puerto Fuy, um mir ein Fährenticket für 11 Uhr zu kaufen. Die eineinhalbstündige Fahrt ans andere Ende des Sees kostet als Fusspassagier lediglich 1150 CLP, also ungefähr 1,13 €. Für Einheimische sogar nur die Hälfte.
Um 13:30 Uhr kam ich dann in Puerto Pirihueico an und gönnte mir am Hafen noch eine Cazuela.
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| Cazuela - der typisch chilenische Eintopf mit Fleisch, Kartoffeln und Gemüse |
Der heutige Wandertag war super kurz, denn ich wollte noch am Seeufer campen. Nach lediglich zwei Stunden Wandern fand ich den perfekten Spot. Ich verbrachte einen gemütlichen Nachmittag am See mit Baden und Relaxen.
Freitag, 13. Februar 2026
Die Morgenstimmung und der Sonnenaufgang am See waren ein Traum.
Die heutige Route ging gemächlich bergauf, insgesamt etwa tausend Höhenmeter, danach auf der anderen Seite wieder hinunter. Der „Weg“ wird augenscheinlich schon lange nicht mehr genutzt. Eingestürzte Brücken und unzählige umgefallene Bäume verlangsamten das Vorankommen. Hohes nasses Gras machte aus meinen Schuhen schon bald eine Badewanne.
Da für die Nacht eine geringe Regenwahrscheinlichkeit angesagt war, bot sich eine verlassene Holzhütte als Schlafplatz an. Meiner Erfahrung nach ist das Wetter hier nämlich immer bedeutend schlechter als es vorausgesagt wird.
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| Diese verlassene Hütte kommt wie gerufen |
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| Ich beschloss mein Zelt in der Hütte aufzustellen, um vor Insekten und anderem Kleingetier geschützt zu sein |
Samstag, 14. Februar 2026
Die Entscheidung, in der Holzhütte zu schlafen, stellte sich als sehr gut heraus. Noch bevor ich richtig wach war, trommelte der Regen aufs Blechdach. Ich startete langsam in den Tag, in der Hoffnung, dass der Regen irgendwann aufhören würde. Mein Handy zeigte interessanterweise eine andere Uhrzeit als mein GPS-Gerät an, was mich letztendlich aber nicht weiter störte, denn Zeit spielt für mich im Moment sowieso keine große Rolle.
Irgendwann hörte der Regen auf. Ich startete also. Keine halbe Stunde später begann es wieder zu nieseln. Daraus wurde etwas später richtiger Regen und danach begann es wie aus Eimern zu schütten. Erschwerend kam hinzu, dass sich mittlerweile nicht einmal mehr ein Weg erahnen ließ. Ich befand mich mitten im Dickicht. Ohne GPS-Gerät hätte ich nicht mehr gewusst, wo oben oder unten ist. Dieses Gestrüpp bestand nicht nur einfach aus riesigen, dichten Pflanzen, sondern auch aus Dornen und Brombeerstauden.
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| Genauso sah mein "Weg" über Stunden hinweg aus |
Innerhalb kürzester Zeit war ich trotz Regenjacke und Regenhose bis auf die Unterwäsche klatschnass. Bei einer Außentemperatur von unter 10 Grad Celsius fühlte sich das Ganze eher bescheiden an. Und genau so ging es die nächsten Stunden weiter. Neben der körperlichen Herausforderung wird man in solchen Momenten auch mental hart auf die Probe gestellt. Ich fragte mich ernsthaft, warum ich das alles eigentlich mache. Tatsächlich habe ich mir in diesen Stunden des Leidens sogar geschworen, dass ich nach dieser Sektion den Greater Patagonian Trail vorzeitig beenden werde.
Dann stand auch noch eine Flussüberquerung an. Ich versuchte auf einem umgefallenen Baumstamm zu balancieren. Das ging natürlich ordentlich in die Hose, da dieser unglaublich rutschig war. Ich landete halb im Wasser. Da ich sowieso nicht mehr nasser als vorher werden konnte, war mir das nun auch schon egal. Die eigentliche Katastrophe war, dass ich in dem ganzen Chaos noch mein GPS-Gerät verloren hatte. Zum Glück fand ich es nach nicht allzu langer Suche wieder, was meine Laune ungefähr von „Total-Katastrophe“ auf „gerade noch tolerierbar“ anhob.
Nach Stunden wurde der Weg plötzlich wieder zu einer Art Weg - es gab Kuhspuren. Das hatte zwar den Nachteil, dass es ein einziger Sumpf und Matsch wurde, aber alles besser als dichtes Dornengestrüpp. Der Regen wurde etwas weniger und der Weg zunehmend besser. Ich war unglaublich erleichtert. Dann tauchten Bienenstöcke auf einer Wiese auf - ein perfekter Platz für die Nacht.
Rund um die Bienenstöcke war ein Zaun. Als dann auch noch kurz die Sonne herauskam, hatte ich die glorreiche Idee, meine nassen Sachen auf eben diesem Zaun zum Trocknen aufzuhängen. Das Drama nahm seinen Lauf. Eine Biene schaffte es tatsächlich mich direkt unter dem linken Auge zu stechen. Innerhalb kurzer Zeit schwoll die komplette Gesichtshälfte überdimensional an. Ich sah original aus wie Quasimodo. Happy Valentinstag!
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| Schlussendlich fand ich eine andere Methode, um die Sachen zu trocknen ;) |
Sonntag, 15. Februar 2026
Was für eine Freude, der Tag startete mit wolkenlosem Himmel. Leider erreichte die Sonne meinen Zeltplatz ewig nicht, weshalb ich mit noch immer nassen Sachen loslief. Meine Gesichtsschwellung ist über Nacht mehr geworden, sodass der Quasimodo-Look jetzt noch dramatischer wirkte.
Heute ging es dafür zügig voran - knapp 17 Kilometer auf guten und augenscheinlich auch benutzten Bergwegen. Als ich kurz nach Mittag an einer Landstraße ankam, wanderte ich noch etwa 20 Minuten, suchte mir eine geeignete Stelle und versuchte es per Anhalter. Ich hatte sofort Glück und eine nette chilenische Familie nahm mich mit bis an meinen Zielort - etwa eine Stunde Fahrt. Was für ein Glück!
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| ... und sogleich waren alle Sorgen vergessen |
Obwohl ich mir gestern noch vorgenommen hatte, den Trail vorzeitig zu beenden, sah die Welt nach einem leckeren Burger und einem riesigen Stück Kuchen schon wieder ganz anders aus. Ich bin tatsächlich wieder top motiviert.
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| Der Ausblick von meinem hübschen kleinen Zimmer in Futrono |
Ich werde meine Wanderung erst am Mittwoch fortsetzen, da heute am Dienstag wieder Regen angesagt ist.
GPT18 - Technische Daten:
• Distanz: 72 km
• Höhenmeter: 2.515 m
• Dauer: 3 Tage
Insgesamt am Greater Patagonian Trail:
• Distanz: 1.182 km
• Höhenmeter: 46.330 m


























































