Enter your keyword

Freitag, 12. Februar 2016

Welcome to Namibia - Autostoppen bei 40°C in völliger Verlassenheit



Der heutige Tag fällt bestimmt unter meine Top 10 der aufregendsten Reiseerlebnisse.


Mit erhöhter Reisegeschwindigkeit geht es nun voran....

Aber beginnen wir einmal von vorne. Wie ihr bestimmt schon bemerkt habt, habe ich ordentlich Zahn zugelegt in meiner Reisegeschwindigkeit. In Botswana verbrachte ich nicht einmal eine Woche. Aber zugegebenermaßen ist es auch nicht so unbedingt mein Land. Ich trauere einfach immer noch Uganda, Tansania und Malawi hinterher. Ein Grund dafür ist bestimmt auch, dass ich viel mehr Zeit dort verbrachte und somit supertolle Menschen kennengelernt habe. Außerdem wird einfach auch dieses typische Afrika Flair je weiter man in den Süden reist weniger. Ich vermisse die freundlichen Menschen, die Kinder die "Muzunguu" rufen, die maßlos überfüllten Minibusse, den Kleidungsstil der Frauen mit ihren bunten Tüchern, usw.

Eines muss man Botswana aber lassen: Das Wildlife hier ist wirklich klasse. So viele Wildtiere habe ich in den anderen Ländern nicht gesehen. Wenn man in Maun am Fluss entlang spaziert, kann man jede Menge Krokodile und Nilpferde sehen - sehr zum Leidwesen der Einwohner, da diese Tiere gar nicht so ohne sind und hin und wieder einen Hund, eine Ziege oder gar ein Kind verspeisen. Es ist also alle Achtung angesagt.


Reise von Maun zur Grenze zu Namibia 

Jedenfalls begann mein Tag heute um 4 Uhr morgens. Um kurz nach 5 saß ich schon im Bus nach Ghanzi. Dort muss ich fast 2 Stunden auf einen Bus warten, der mich an eine Tankstelle, ca 8 km von der Grenze zu Namibia entfernt, brachte. Der Busfahrer versprach mir anfangs mich direkt an der Grenze abzuladen, stammelte jedoch dann irgendwas von er fühle nicht so gut daher. Naja, nicht aufregen nur wundern. An der Tankstelle versuchte ich vergebens ein Fahrzeug zur Grenze zu suchen. Es kam zum einen bloß jede halbe Stunde ein Gefährt vorbei und zum anderen fuhren diese dann natürlich nicht zur Grenze Namibias. Doch ich hatte eine lustige Unterhaltung, denn fünf aufgedrehte einheimische Frauen saßen dort, die fest am Alkohol trinken waren und mich immer wieder animierten mitzutrinken. Naja, was solls, im Moment bleibt mir ja sowieso nichts anderes übrig. Nachdem eine Flasche recht stark schmeckenden Alkohols geleert wurde, wurde schon die nächste geköpft. Ich staunte nicht schlecht, nippte selbst aber bloß immer ein wenig daran. Das war mir gerade echt zu krass in der Mittagshitze. Außerdem hatte ich bereits großen Hunger. Und siehe da, eine der Damen servierte uns ein Mittagessen. Sie ließen es sich nicht nehmen, alles mit mir teilen zu wollen. Es handelte sich dabei um Kuhgedärme mit Riesendarmzotten. Ich glaube ich habe schon einmal erwähnt wie ich zu dieser Delikatesse stehe. Anstandshalber würgte ich so ein Teil hinunter. Mir drehte es fast den Magen um.

Pötzlich kam ein kleines rotes Auto an. Eine ältere Frau stieg aus. Ich rannte sofort auf sie zu und fragte hoffnungsvoll ob sie denn nicht zufällig zur Grenze fahre. Natürlich war dem nicht so. Doch die Gute meinte, sie würde mich gegen ein wenig Kleingeld dorthin bringen. Na, dem Himmel sei dank.

Grenzüberquerung zu Namibia

Die Grenze schien komplett verlassen zu sein. Ich musste erstmals einen Grenzbeamten suchen. Dieser stempelte mir dann den Ausreisestempel in den Pass. Weiter ging es zum namibischen Grenzposten. Dieser befindet sich etwa 2km entfernt. Ich quälte mich also mit meinem viel zu schweren Rucksack in der brütenden Hitze bei etwa 40°C durch das Niemandsland.

im Niemandsland zwischen Botswana und Namibia bei brütender Hitze


Auch auf der namibischen Seite ging alles völlig problemlos über die Bühne. Doch was nun? Ich fragte ein paar Polizeibeamte, die ein Nickerchen im Schatten hielten, wie ich denn nun am besten von hier nach Windhoek käme. Diese schauten mich entgeistert an. Naja, ich sollte hoffen, dass heute noch ein Truck oder so käme und diesen dann fragen ob er mich mitnehmen könnte. Das sind ja tolle Aussichten. Ich gesellte mich also zu ihnen in den Schatten.

Unvergessliche Autostopp-Abenteuer

Nach etwa einer Stunde warten kam endlich ein Truck an. Ich fasste mir den etwas unheimlich aussehenden Fahrer sogleich. Er komme wohl aus Südafrika und wäre auf dem Weg nach Gobabis. Ganz geheuer schien er mir nicht, doch was blieb mir anderes übrig. Ich fragte sicherheitshalber die Polizei noch, wie ihnen dieser Typ so vorkomme, woraufhin diese erwiederten, dass er ganz okay aussehe. Na gut, Augen zu und durch. Ich habe ja generell vor solchen Dingen eher wenig Angst, aber hier so mitten im Nirgendwo war die ganze Situation doch ein wenig unheimlich.

Ich saß also neben dem Kerl in dem riesigen Truck. Er zündete sich eine Zigarette nach der anderen an. Plötzlich fragte er mich, ob ich Lust hätte einen Film zu gucken. Er hätte einen kleinen tragbaren DVD-Player. Hört sich gut an. Als ich seine DVD durch schaute, musste ich bemerken, dass etwa die Hälfte davon Pornos waren. Erneut wurde kam mir ein komisches Gefühl hoch. Auf einmal fragte er mich, ob es mir denn egal wäre, wenn er sein T-Shirt ausziehen würde. Ach du lieber Himmel. Ich nickte bloß nervös. Was sollte ich denn sagen? Wenn er ein verrückter Krimineller wäre, dann würde er sowieso machen was er will. Nach etwa einer Stunde Fahrt ohne irgendwelche Vorkommnisse, stoppte er plötzlich. Der Truck hätte ein technisches Problem. Mir lief ein kalter Schauer den Rücken hinunter. Das alles erinnerte mich gerade an irgend einen Horrorfilm. Der Typ stieg aus und schraubte an dem Gefährt rum. Etwa 20 Minuten später kam er schweißübertrömt und mit einem Lächeln im Gesicht zurück. Es sei nun wohl alles repariert. Weiter ging es also. Letztendlich führten wir sogar ein paar ganz nette Gespräche.

Der Truck-Fahrer fragte mich unter anderem wie ich denn von Gobabis nach Windhoek kommen wollte. Na Autostoppen, sonst gabs ja hier nicht viel an öffentlichen Verkehrsmitteln. Er meinte, dass sei viel zu gefährlich und er möchte mich nicht einfach irgendwo absetzen. Er würde mit mir versuchen einen weiteren Truck zu stoppen, da er der Meinung sei, Truckfahrer seien gute Menschen. Und wirklich, der Gute wartete ernsthaft mit mir auf der Straße um eine weitere Mitfahrgelegenheit zu finden. Was für eine gute Seele und ich habe ihm zuvor glatt Böses zugemutet. Nun hatte ich doch glatt ein schlechtes Gewissen. Im Endeffekt war es ein grundguter Kerl.

Nach einer knappen Stunde kam ein Truck an. Zwei junge schwarze Männer saßen darin. Sie waren doch glatt auf dem Weg nach Windhoek. Die beiden meinten, es sei eigentlich verboten, zu dritt in so einem Truck zu fahren, doch wenn ich mich hinter ihren Sitzen in dem Bett verstecken würde, dann würden sie mich mitnehmen. Gesagt getan. Auch bei den beiden hatte ich anfangs ein komisches Gefühl. Doch erneut stellte sich heraus, dass es herzensgute Menschen waren.

Michi um die Welt: Autostoppen an der Grenze Botswana - Namibia. Dieses Erlebnis fällt bestimmt unter meine Top 10 der aufregendsten Reiseabenteuer
im LKW

Angekommen in Windhoek

Ich musste zu meinem Couchsurfing Gastgeber ins Zentrum Windhoeks und die beiden hatten eine ganz andere Route. Doch sie wollten mich keineswegs mitten in der Nacht irgendwo am Stadtrand absetzen und brachten mich dann wohlbehütet zu dem Treffpunkt den ich mit meinem Couchsurfing Gastgeber ausgemacht habe.

Mein Gastgeber, ein superlieber Pilot, erwartete mich bereits. In seinem wirklich luxuriösem Zuhause angekommen, verwöhnte er mich sogleich mit einem leckeren Abendessen und einem frischen Fruchtsmoothie. Das Leben kann so schön sein.

Dieser Tag brachte dermaßen unvergesslich schöne Bekanntschaften mit sich, die ich bestimmt nie wieder vergessen werde. Und wieder bestätigt sich meine Meinung, dass man mehr an das Gute im Menschen glauben sollte, als immer gleich vom Schlimmsten aus zu gehen.

In diesem Sinne,
Gute Nacht :)





Kommentare:

  1. Wow! Was für eine abenteuerliche Art zu Reisen! Ich kenne die Grenzübergänge zwischen Botswana und Namibia. Dort eine Mitfahrgelegenheit zu finden, ist schon großes Glück! Aber mit dem Rucksack bei der Hitze zur anderen Grenzstation wandern - Hut ab, Michaela. Ich hätte wahrscheinlich hinter jedem Baum und Strauch einen Elefanten oder Löwen vermutet. Eine tolle Geschichte!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke Monika. Ja, es war ein wahrliches Abenteuer - wenn ich rückblickend so darüber nachdenke, bin ich selbst jedes Mal erstaunt, wie mutig ich war

      Löschen
  2. Hallo Michaela, du bist echt mutig, das muss man dir lassen! Ich glaube, das würde ich mich jetzt nicht trauen, so als weiße Frau alleine per Autostop durch Afrika zu reisen. Zum Glück hast du bis jetzt nur gue Erfahrungen damit gemacht. Ich wünsche dir weiterhin eine gute Reise! Liebe Grüße aus Kärnten,
    Anita

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Michaela, wow, das klingt wirklich nach eine großem Abenteuer, sehr mutig und Hut ab! Ich konnte beim Lesen mitfühlen, sehr inspirierend geschrieben! Afrika ist bisher für mich ein weißer Fleck, ob ich mich trotz meiner Indienerfahrung trauen würde, auf eigene Faust zu reisen, weiß nicht ... Super Bericht! LG aus München, Alexandra

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich denke Afrika hat eindeutig einen schlimmeren Ruf, als es wirklich ist. Ich hab dafür bereits Bammel vor Indien :D

      Löschen
  4. Coole Story! Manchmal muss man sich einfach trauen und den Menschen vertrauen. Dann trifft man meist die interessantesten Leute. Von daher, always good travels! Nina

    AntwortenLöschen
  5. Hut ab vor deinem Mut. Coole Geschichte, die mich sehr gefesselt hat. Bin froh, dass sie so ausgegangen ist. :-) LG Daniela

    AntwortenLöschen
  6. Hallo Michaela,
    Hut ab, du bist echt mutig... wenn meine Frau so etwas vor hätte, dann würde ich ihr kopfschüttelnd davon abraten und sie glaube ich für verrückt erklären... Umso schöner, dass du nur positive Erfahrungen gemacht hast. Selbst waren wir bisher nur in Marokko, Swaziland und Südafrika. In Südafrika hatten wir so einige Erlebnisse, bei denen mir auch ein wenig mulmig war, aber ich war zumindest nicht alleine unterwegs. Ich wünsche dir, dass du auch weiterhin so furchtlos bleibst und nur schöne Reiseerlebnisse vor dir hast.
    LG aus dem hohen Norden,
    Hartmut

    AntwortenLöschen
  7. Hallo Michaela,
    einfach schön deinen tollen Erfahrungen in einem Land zu lesen, dass wirklich recht negativ behaftet ist.
    Hut ab vor Deinem Mut. Doch er wurde ja belohnt und Deine Erinnerungen nimmt Dir niemand mehr.
    Frühlingshafte Grüße
    Katja

    AntwortenLöschen

Über Kommentare, Fragen, Wünsche & Anregungen freue ich mich immer sehr :)

Folge mir per E-Mail