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Mittwoch, 9. März 2016

Abenteuer in den Bergen Lesothos

Die letzten Tage sind eindeutig Teil mein er Top 10 Erlebnisse in Afrika. Als ich Montag frühmorgens in der Hütte von Patrick aufwachte und die Haustüre öffnete ging soeben die Sonne auf. Die Berge und Hügel ringsherum erstrahlten im Morgenlicht und es war so wunderbar ruhig. In Ha Moshebi gibt es nur wenige Häuschen und alle sind ein gutes Stück voneinander entfernt. Ein kleiner Junge ritt auf einem Pferd an mir vorbei. Er war in warme Decken eingehüllt. In Lesotho kann es nachts kalt werden. Das Einhüllen in Decken gehört zum typischen Erscheinungsbild der Bewohner der Bergdörfer hier. Meist haben sie noch eine Wollmütze auf, einen Stock in der Hand und tragen Gummistiefel.

Patrick erwachte ebenfalls, er schlief in der Nebenhütte (sein Zuhause besteht aus 3 Hütten). Er meinte ich soll es mir gemütlich machen, er würde sich inzwischen auf die Suche nach einem Esel machen, der unsere Lasten auf der Wanderung tragen sollte. Als er zurückkam erklärte er mir, dass wir doch keinen Esel bräuchten, da wir nicht so viel zu Tragen hätten. Ursprünglich wollten wir ja mehrere Tage in den Bergen verbringen, aber da der Wetterbericht ab Dienstag viel Regen voraussagte, beschlossen wir nur eine Nacht auszubleiben.

Wir durchquerten jede Menge kleiner Bergdörfer, die bloß aus ein paar Häusern bestanden. Jede Familie hat meist ein Steinhaus, in dem geschlafen wird. Daneben steht eine runde Lehm- oder Steinhütte mit Strohdach, welche als Küche dient. Zirka 100m vom Haus entfernt ist eine kleine Holzhütte in der sich das Plumsklo befindet. Wir machten bei einigen seiner Freunde Halt, um kurz "Hallo" zu sagen. Es war natürlich die Attraktion schlechthin eine Weiße bei sich Zuhause zu haben, da es für die meisten das erste Mal war. Ich wurde herzlichst begrüßt und mit leckerem Essen verwöhnt. Auch hier ist das Hauptnahrungsmittel ein Brei aus Maismehl und Wasser, welcher in Lesotho "Papa" genannt wird. Ich bekam Papa mit grünem Spinatzeugs serviert. Schön langsam gewöhne ich mich an diesen Brei, egal ob man ihn Posho, Ugali, Nshima oder Papa nennt. Gegen Mittag kamen wir am letzten Dorf vorbei. Dann ging es weiter über hügelige Landschaften in eine Schlucht, wo ein Fluss fließt. Eine absolut eindrucksvolle Gegend. Zeitweise kamen uns Hirter oder Männer auf ihren Pferden entgegen. Um ca 15 Uhr fanden wir einen Felsvorsprung, der uns als Schlafplatz perfekt erschien. Wir konnten dort sogar etwas Stroh finden, das wir als Matratze benutzten. Außerdem hatten Hirten aus Steinen eine kleine Mauer gebaut, die uns Schutz vor dem teilweise recht starken Wind bieten sollte. Wir entdeckten an den Felswänden sogar uralte Felsmalereien. Patrick relaxte erstmals ein wenig und machte ein Lagerfeuer während ich dem Fluss nicht widerstehen konnte und ein erfrischendes  Bad nahm. Nach einer leckeren Nudelsuppe über dem Feuer gekocht machte ich mich auf Erkundungstour durch die imposanten Schluchten. Es wurde schön langsam dämmrig und ein Gefühl tiefster Zufriedenheit durchströmte mich. Dieses Fleckchen Erde hatte zu diesem Zeitpunkt etwas richtig Magisches. Es war einer dieser Momente, in denen man weiß warum man reist. Es gibt so viele wunderschöne unentdeckte Fleckchen auf dieser Erde. 

Patrick hatte sich schon große Sorgen um mich gemacht, da es schon dunkel war als ich zurückkam. 

Die Nacht verlief ruhig, ohne Regen und ohne Sturm. Mein Schlafsack hat auch gute Dienste  erwiesen, ich habe nicht gefroren. Dafür raubte mir eine plötzliche Schlangenparanoia den Schlaf, da wir die letzten Tage zu viel über Giftschlangen in Afrika diskutiert hatten. Im Endeffekt waren es aber die Esel, die mir einen richtigen Schreck versetzten. Die Tiere standen direkt vor mir und schnaubten laut. Ich mahte sofort meine Taschenlampe und und konnte nur ihre leuchtenden Augen in der Dunkelheit sehen. Patrick wachte auch auf und musste herzhaft lachen. Er schlief bloß in eine Wolldecke eingewickelt. Leider war es am Morgen bereits wolkig und es begann schon bald ein wenig zu nieseln. Wir beschlossen deshalb heute keine große Tour mehr zu machen. Am Rückweg begann es dann ordentlich zu schütten. Wir mussten teilweise bei anderen Familien unterstehen, um nicht komplett durchnässt zu werden. Am späten Nachmittag wieder bei Patrick zu Hause angekommen, wärmten wir uns mit heißem Tee. Das einzige Komplizierte an diesem Leben in einfachen Bergdörfern in Lesotho ist die Stromversorgung. Es haben ja wie gesagt nur wenige Häuser Solar, aber auch diese funktionieren nur wenn die Sonne scheint. Da es den ganzen Tag bewölkt war, hatte ich nirgends Glück mein Handy zu laden. Wir suchten sogar noch die sozusage Dorfkneipe auf, dort hätten sie wohl einen Generator. Doch zu früh gefreut, auch dieser war defekt. Ich möchte nicht behaupten, dass mein Handy lebensnotwendig ist. Ganz im Gegenteil, es ist sogar superentspannend, wenn das  Teil ein paar Tage aus ist. Der einzige große Nachteil ist, dass ich keine Fotos machen kann. Das ist für mich eines der wichtigsten Dinge, da es die einzigen Erinnerungen vom Reisen sind, die wirklich bleiben. 

Den Abend ließen wir gemütlich ausklingen und kochten... was wohl? Papa (Maismehlbrei) natürlich! Und dazu gabs Hühnchen.

Heute Morgen begann mein Tag zeitig um 4 Uhr, da es hieß, dass wohl um 5 Uhr ein Minibus Richtung Qachas Nek fahren würde. Leider gibt es bloß einmal am Tag einen Transport dorthin. Ich stand eine geschlagene Stunde im Regen und es war richtig eiskalt, bis dann das Gefährt um 6 Uhr endlich eintrudelte. Gegen 9 Uhr kam ich in Qachas Nek an und wollte gleich weiter nach Maseru. Bis spätestens Freitag möchte ich nämlich Johannesburg erreichen. Ich habe mich vorher noch mit Tyler getroffen, da ich ein paar Sachen bei ihm lagerte. Als ich zurück am Taxipark war, war es ersmals richtig schwierig jemanden zu finden, der englisch sprechen konnte und verstand was ich wollte. Letztendlich erklärte mir eine hilfsbereite ältere Dame, dass es heute keinen Minibus nach Maseru mehr geben würde. Was nun? Autostoppen? Nein, dazu hatte ich keine Lust mehr, ich war ziemlich fix und foxi nach den Anstrengungen der letzten Tage. Ich suchte mir eine günstige Unterkunft und wollte gerade das Zimmer beziehen, als eine ältere Dame nach mir rief. Sie würde jetzt nach Maseru fahren und hatte gehört, dass ich auch dahin will. Sie würde mich mitnehmen. Kann man so viel Glück haben? Und noch dazu mit einem Auto, das heißt, wir werden nur ein paar Stündchen brauchen um dort anzukommen. Die Dame war superlieb und meinte dann sogar noch, dass ihre Tochter "Dee", die in Maseru lebt, am Freitag Morgen mit ihrem Freund nach Johannesburg fahren würde und sie mich bestimmt mitnehmen könnte. Der liebe Gott scheint es wirklich gut mit mir zu meinen, so viele glückliche Zufälle auf einmal erlebt man wirklich nicht alle Tage. Die Dame gab mich dann in Maseru an Dee weiter, die sich mit mir sogar noch auf Herbergensuche machen wollte. Dee arbeitet für die UN und hatte noch ein kurzes Meeting, auf das ich sie begleiten sollte. Oh nein - ich war verschwitzt, das letzte Mal gewachen habe ich mich als ich im Fluss schwimmen war, ich hatte noch die Bergschuhe an und meine Klamotten waren schmutzig. Ich versuchte ihr das auszureden, doch sie meinte das sei alles überhaupt kein Problem. Als ich mit ihr den Raum, in dem das Meeting stattfand betrat, wurde mir ganz anders. Ungefähr dreißig richtig vornehm gekleidete Menschen saßen an einer Tafel. Plötzlich richteten sich alle Blicke auf mich. Ich fühlte mich, als wäre ich im falschen Film und hoffte nur, dass mich der Erdboden irgendwie verschlucken würde. Dee bat mich dann zu allem Überfluss noch, mich kurz vorzustellen. Das Meeting dauerte zum Glück nur 30 Minuten und es wurden irgendwelche politische Themen diskutiert. Ich war ziemlich froh als der Zauber vorbei war. Dee lud mich dann sogar noch ein, bei ihr und ihrem Freund schlafen zu können, doch das lehnte ich dann ab, da ich mich sehr nach etwas Ruhe für den morgigen Tag sehne. Wir fanden eine schöne Herberge für mich und Dee konnte sogar den Preis runterhandeln, da sie den Besitzer kennt.
Das Leben kann so schön sein :) Gute Nacht!

Ein Mädchen aus einem der Nachbardörfer ringsum

diese Dame braut lokales Bier

Augustinus mit seiner Mama


ein weiterer Nachbar Patricks




Patrick beim Durchqueren des Flusses


Ruinen

alte Felsmalereien 

unsere Schlafstätten: ich hinter der ersten Steinmauer, Patrick hinter der zweiten ;)


unsere Feuerstelle 




diese Esel waren die Einzigen, die unsere Nachtruhe störten

eindrucksvolle Felsformationen



die Straßen Lesothos



Junge in traditioneller Kleidung 







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