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Freitag, 3. Februar 2023

Meine höchsten Berge

By On Februar 03, 2023


Wie du wahrscheinlich schon mitbekommen hast, sind Berge meine große Leidenschaft. Hier habe ich eine kleine Liste mit meinen höchsten Errungenschaften zusammengestellt. 




Lobuche East 6.119 m


 

  • Nepal (Asien)
  • November 2019
  • Im Rahmen meines 20-tägigen Everest Base Camp & 3 Passes Trekking bestiegen.
  • Für die Besteigung des Lobuche East ist eine spezielle Kletternehmigung und ein Guide erforderlich. 
  • Equipment: Helm, Klettergurt, Steigeisen, Eispickel. Teilweise sind Fixseile vorhanden.
  • Fazit: Wunderschöne Tour, die technisch nicht allzu anspruchsvoll ist. Es war nur eine Stelle etwas schwieriger, an der eine Eiswand hochgeklettert werden musste. Das letzte Stück zum Gipfel ist recht steil, es sind aber Fixseile da. 


Chimborazo 6.310 m



(Besteigung gescheitert, leider nur bis knapp 6.000m geschafft)
  • Ecuador (Südamerika)
  • März 2017
  • 2-Tagestour
  • Kosten: Guide 80 USD/Tag x 2 Tage = 160, Unterkunft in der Schutzhütte 15 USD/ Person x 2 Personen = 30, Verpflegung ~ 15 USD, Transport 16 USD, Equipment stellte mir mein Guide gratis zur Verfügung. Endsumme ~ 221 USD
  • Fazit: Habe bereits zwei Besteigungsversuche hinter mir und jedes Mal mussten wir auf ca 6.000 m umkehren. Das erste Mal war wohl zuviel Neuschnee und ich bekam etwas Probleme mit der Höhe, da wir den Aufstieg einfach viel zu schnell angegangen sind und das zweite Mal war ich superfit doch die Schneesituation war leider zu gefährlich. Eine Besteigung des Chimborazo ist prinzipiell nur für erfahrene und gut akklimatisierte Bergsteiger empfehlenswert und setzt den sicheren Umgang mit Pickel und Steigeisen voraus. Laut meinem Guide scheitern etwa 80% der Besteiger. 



Nevado Pisco 5.752 m


  • Peru (Südamerika)
  • Mai 2017
  • 3-Tagestour
  • Kosten: Touren in Huaraz werden für 250 - 350 USD angeboten. Da ich die Besteigung mit einem Freund durchführte zahlte ich bloß das Equipment: fast 100 USD und Transport: etwa 20 USD.
  • Fazit: Wir führten die Besteigung des Pisco im Rahmen einer 3-Tagestour durch, da wir auch zur Laguna 69 wanderten. Ansonsten ist die Besteigung auch gut in 2 Tagen zu schaffen. Gute Kondition, ausreichende Akklimatisierung, ein erfahrener Bergführer und entsprechendes Equipment sind Voraussetzung. Technisch nicht sehr ansnpruchsvoll.



Kala Pattar 5.643m



  • Nepal (Asien)
  • November 2019
  • Im Rahmen meines 20-tägigen Everest Base Camp & 3 Passes Trekking bestiegen.
  • Technisch einfach. 
  • Traumhafte Aussicht auf den Mount Everest. 
  • Ausgangspunkt ist das Bergdorf Gorak Shep

=> Reisebericht: Everest Base Camp & 3 Passes Trekking & Besteigung des Lobuche East <=






Chhukung Ri 5.546 m

  • Nepal (Asien)
  • November 2019
  • Im Rahmen meines 20-tägigen Everest Base Camp & 3 Passes Trekking bestiegen.
  • Technisch einfach.
  • Ausgangspunkt ist das Bergdorf Chhukung. Der Aufstieg Dauert etwa 3-4 Stunden. 








Sunder Peak 5.361 m

  • Nepal (Asien)
  • November 2019
  • Im Rahmen meines 20-tägigen Everest Base Camp & 3 Passes Trekking bestiegen.
  • Kein Guide notwendig. Startort ist das Bergdorf Thame. Von dort aus führt ein offizieller Wanderweg bis zu einem sogenannten Vorgipfel. Von dort aus muss man sich selber einen Weg suchen. Es ist eine ziemliche Kraxlerei. Uns wurde gesagt, dass die Besteigung recht gefährlich sei und man ein Seil benötigen würde. Ganz so dramatisch war es aber nicht. 








Gokyo Ri 5.360 m 


  • Nepal (Aisen)
  • November 2019
  • Im Rahmen meines 20-tägigen Everest Base Camp & 3 Passes Trekking bestiegen.
  • Von dem Bergdorf Gokyo aus zu besteigen. Technisch einfach. 



 





Point Lenana 4.985m (Mount Kenya)

 

  • Kenia (Afrika)
  • Dezember 2021
  • 4-Tagestour
  • 286 Euro
  • Traumhafte Trekking-Tour durch atemberaubend schöne Landschaften. Leider hatte ich recht viel Regen und weiter oben Schneesturm. Technisch nicht wirklich anspruchsvoll, jedoch machte sich die Höhe schon ein wenig bemerkbar durch Kopfschmerzen an den letzten beiden Tagen. Scheinbar nur mit Guide erlaubt. 



Guagua Pichincha 4.794 m 

  • Ecuador (Südamerika)
  • März 2017
  • 1-Tagestour 
  • Kosten: Gondelbahn 8,50 USD
  • Fazit: traumhafte Tour, die zuerst von der Bergstation der Gondel auf den Rucu Pichincha führt und danach auf den Guagua Pichincha. Bergsteigerfahrung ist notwendig, da teilweise kleine Kraxelstellen dabei sind. Eine ortskundige Person sollte unbedingt dabei sein, da die Wege teilweise schwer zu finden sind und bei schlechtem Wetter besteht durchaus die Gefahr sich zu verlaufen.



Rucu Pichincha 4.696 m

Rucu Pichincha Besteigung
  • Ecuador (Südamerika)
  • Jänner, Februar & März 2017
  • Halbtagestour
  • Kosten: Gondelbahn 8,50 USD
  • Fazit: Wunderschöne Tour mit einzigartiger Pflanzenwelt. Es reicht ein halber Tag. Am Wochenende leider sehr viele Touristen. Technisch ist das letzte Stückchen zum Gipfel etwas anspruchsvoller - Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind Voraussetzung.





Mount Meru 4.566 m

Mount Meru Besteigung

  • Tansania (Afrika)
  • Dezember 2015
  • 3-Tagestour
  • Kosten: 350 USD (inkl. Transport, Nationalparkgebühr, Guide, Verpflegung, 2x Übernachtung in Hütten)
  • Fazit: Traumhafte Tour, für die leider ein Guide vorgeschrieben ist. Vor allem der 3. Tag ist etwas anspruchsvoll, da der Aufstieg zum Gipfel bereits um kurz nach Mitternacht los geht.  Am selben Tag erfolgt auch der gesamte Abstieg, was ganz schön in die Knie geht.

=> Reisebericht Mount Meru Tag 1 <=
=> Reisebericht Mount Meru Tag 2 <=
=> Reisebericht Mount Meru Tag 3 <=




    La Malinche 4.420 m

    • Mexiko (Nordamerika)La Malinche Besteigung
    • September 2016
    • 1-Tagestour
    • Kosten: nichts
    • Fazit: Sehr schöner Berg, vor allem unter Woche nur wenige bis fast gar keine Touristen. Ist technisch sehr einfach, der Weg geht jedoch teilweise sehr steil und geradlinig noch oben. 









    Mönch 4.107 m

    • Schweiz (Europa)
    • August 2019
    • 1-Tagestour
    • Kosten: evtl für Guide und Ausrüstung
    • Fazit: Vom Jungfraujoch ist man in etwa drei Stunden am Gipfel. Steigeisen und Eispickel notwendig. Bergführer empfehlenswert. Gipfelgrat sehr abschüssig. Aussicht vom Gipfel einfach traumhaft!

    => Fotos Mönch <=





    Vulkan Acatenango 3.976 m


    Acatenango Besteigung
    • Guatemala (Zentralamerika)
    • August 2016
    • 2-Tagestour
    • Kosten: 20 USD (inkl. Guide, Transport, Verpflegung, Campingequipment)
    • Fazit: Tolle Tour, aber etwas anstrengend, da man Zelt, Schlafsack, Verpflegung usw. selbst tragen muss (mein Rucksack hatte fast 15kg). Technisch sehr einfach, dafür aber gute Kondition notwendig. Der Gipfel des Vulkans ist traumhaft schön - und arschkalt!












      Mittwoch, 2. März 2022

      Backpacking im wilden Norden Kenias

      By On März 02, 2022

       

      Nur wenige Touristen besuchen den Norden Kenias, und noch weniger das Gebiet östlich des Turkana-Sees. Und wenn sie es machen, dann meist nur mit Guide und bewaffnetem Eskort, da die Region bekannt ist für Raubüberfälle und Banditen. Gemeinsam mit meiner indischen Reisebekanntschaft Kailash habe ich es gewagt diese Gegend auf eigene Faust zu erkunden. Die Abenteuer, die wir dort erlebten, werde ich bestimmt nie wieder vergessen!


      Reise nach Marsabit mit Zwischenfällen

      Am Donnerstag, dem 24.3., reiste ich nach Marsabit um mich dort mit Kailash zu treffen. Ich kannte ihn zu dem Zeitpunkt noch nicht persönlich. Er hatte mich über die Couchsurfing-Webseite kontaktiert und stellte sich als sehr abenteuerlichen Backpacker vor, der es - ebenso wie  ich - liebt, abgelegene Gegenden zu erkunden. Er hält seine Reisen übrigens auf seinem Youtube-Kanal "The Indo Trekker" fest. Das klang für mich natürlich sofort sehr spannend und ich ging das Risiko ein, mit einem quasi Unbekannten eine Abenteuer ins ebenso Unbekannte zu planen. 


      Kailash und ich auf dem Weg von Marsabit nach North Horr


      Eigentlich wollte ich in Nanyuki in den selben Bus zusteigen, in dem sich Kailash auf seinem Weg von Nairobi nach Marsabit befinden sollte. Sein Bus hatte dann aber Probleme bei einer Polizeikontrolle und demzufolge mehrere Stunden Verspätung. Ich beschloss also ein Matatu (=Minibus) nehmen. Dazu musste ich in Isiolo umsteigen und mit einem weiteren Matatu von dort aus nach Marsabit. Anfangs lief alles mehr oder weniger reibungslos. Als wir jedoch bereits auf dem Weg von Isiolo nach Marsabit waren,  kehrte der Fahrer plötzlich um und fuhr wieder zurück nach Isiolo. Ich hatte keine Ahnung warum und fand es auch nicht sonderlich lustig, da ich keinesfalls nachts in Marsabit ankommen wollte, immerhin hat die Gegend dort sowieso nicht den Ruf die Sicherste zu sein. Ein Fahrgast klärte mich auf: Es gab wohl eine Polizeikontrolle auf der Strecke und diese können wir nicht passieren, außer wir würden jede Menge Schmiergeld zahlen. Nun müssten wir warten bis diese fort ist. Es wurde dann sogar ein Motorbike-Fahrer losgeschickt, um zu schauen, ob die Polizei denn nun verschwunden war. Nach etwa einer Stunde Wartezeit konnten wir dann endlich los. 


      Die Samburu

      Die weitere Fahrt verlief recht spannend. Es ging durch viele kleine Ortschaften, in denen das Samuburu-Volk lebt. Ich war fasziniert von ihren traditionellen Kleidern: Die Männer tragen Tücher um die Hüften gebunden, der Oberkörper ist meist frei. Die Frauen tragen schwere Halsketten (bis zu 10kg!) und ihr Kopf ist mit Perlenketten und Stirnschmuck verziert. Der Perlenschmuck, den die Mädchen tragen, ist ein Geschenk von jungen Samburu-Kriegern, um diese für sich zu reservieren. Sie dürfen dann dafür immer wann sie wollen mit den Mädchen Sex haben. Die Samburu leben demzufolge polygam. Weibliche Genitalverstümmelung gehört nach wie vor obligatorisch zur Heiratszeremonie. Leider kann ich mit keinen Bildern von den Samburu dienen, da das Fotografieren immer ein sehr heikles Thema ist. 


      Angekommen in Marsabit

      Es war leider schon dunkel, als ich Marsabit erreichte. Ich kam im Nomads Trail Hotel (1.400 Ksh/Nacht inkl. Frühstück) unter.


      Marsabit ist die Hauptstadt des Bezirks Marsabit. Aufgrund des heißen Klimas sind nur 10% der Fläche hier landwirtschaftlich nutzbar. 45% der Einwohner leben unterhalb der Armutsgrenze, 90% haben keinen direkten Zugang zu sauberem Wasser und mehr als 80% sind des Lesens und Schreibens nicht mächtig. Die Menschen hier leben hauptsächlich von der Viehzucht (v.a. Kamele und Ziegen). Auch die Ernährung ist deshalb sehr einseitig. Es wird vor allem Ugali (=Maismehlbrei), Chapati (=Fladenbrot), Bohnen und Ziegenfleisch gegessen. Früchte und Gemüse sind fast gar nicht zu finden. Durch die große Dürre in den letzten Wochen oder sogar Monaten ist sehr viel vom Vieh gestorben. Immer wieder sah ich tote Tiere am Wegesrand liegen.


      Für das Abendessen fand ich ein kleines somalisches Restaurant und wurde dort vom Inhaber sehr freundlich empfangen. Er hatte Chapati und Bohnen als einziges Gericht auf der Speisekarte ;) Dazu gabe es Chai (=Milchtee). Das Ganze für 90 Ksh (=0,71€).


      Genau so sah das Essen für die nächsten Tage aus ;)

      Fahrt durch ein gefährliches Niemandsland: die Chalbi-Wüste

      Da Kailash erst spät in der Nacht ankam, habe ich ihn dann erst am nächsten Morgen getroffen. Überall auf den Straßen in Marsabit sieht man schwer bewaffnetes Militär. 


      Frühstück in Marsabit 


      Unsere heutige Mission war es ein Transportmittel nach North Horr zu finden. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es hier nicht. Man muss also im Ort herumfragen, ob irgendjemand jemanden kennt, der vielleicht dorthin fährt. Schon bald wurden wir fündig. Ein Landcruiser sollte noch am selben Tag gegen Mittag in Richtung North Horr aufbrechen. Wir konnten nur staunen wie voll bepackt mit Menschen und Waren das Gefährt am Ende war. Es wurden Säcke, welche mit Namen und Ortschaften beschriftet waren, an die Seiten des Landcruisers gebunden - sozusagen als Kurierdienst. 


      Unglaublich was die Leute hier alles in/auf ein Gefährt packen 

      Suchbild: Wo bin ich? ;)


      Mit uns im Auto war ein bewaffneter Eskort. Die Einheimischen klärten uns auf, dass man hier ohne einen solchen nirgendwo hinfahren könne, da es sehr viele Banditen in der Wüste gäbe, die regelmäßig Waren- und Personentransporte ausrauben würden. Die Fahrt nach North Horr dauerte etwa fünf Stunden. Es ging durch die endlos scheinende Chalbi-Wüste. Sie stellt die heißeste und trockenste Region Kenias dar. Die unglaubliche Hitze war trotz des Fahrtwindes sehr herausfordernd. Zudem wehte uns jede Menge Sandstaub ins Gesicht. In den einzelnen kleinen Strohhütten-Dörfern, die wir durchquerten, hielten wir jeweils kurz an um Waren zu ent- und beladen. 


      Angekommen in North Horr

      Gegen 18 Uhr kamen wir in North Horr an. Die einheimische Bevölkerung gehört zur Volksgruppe der Gabbra. Sie leben auch heute noch großteils als Nomaden bzw. Halbnomaden. Nach einer etwas längeren Suche konnten wir eine ganz passable Unterkunft finden. Zwei Strohhütten für 500 Ksh pro Person (= 3,95€).


      Meine Unterkunft in North Horr


      Die Einheimischen in North Horr zeigten sich alle super hilfsbereit und freundlich. Als die Dunkelheit hereinbrach, war ich fasziniert vom Sternenhimmel. Die Milchstraße wirkt von hier aus so unglaublich nah und kristallklar. 


      Drei Stunden mit dem Motorbike quer durch die Wüste

      Am Samstag Morgen machten Kailash und ich uns erstmal auf, um Frühstück zu finden. Schon bald fanden wir ein kleines Restaurant. Auf der Speisekarte gab es hier ebenso nur Chapati mit Bohnen. Davon werden wir uns auch in den nächsten Tagen hauptsächlich ernähren. 


      Unser Plan war es heute weiter nach Loiyangalani zu reisen. Wir fragten überall in North Horr herum, doch es schien hoffnungslos. Hier hat niemand ein Auto und selbst Trucks kommen nur selten in diesen Ort. Ein hilfsbereiter junger Mann meinte, sein Freund Ali könnte uns vielleicht mit dem Motorbike nach Loiyangalani fahren. Wir trafen uns also mit Ali. Er konnte nicht wirklich Englisch, aber sein Freund übersetzte für uns. Ali wollte 5.000 Ksh für die dreistündige Fahrt quer durch die Wüste. Wir waren uns sehr unschlüssig. Würden wir tatsächlich zu dritt auf dem Motorbike Platz haben? Außerdem haben wir zwei riesige Rucksäcke dabei. Zudem hat Kailash noch einen kleineren Rucksack und ich noch eine Tasche. Es gibt keine befestigten Straßen. Am Weg ist nur ein kleines Dorf. Was wenn wir eine Panne haben mitten im Niemandsland? Nach langem Hin und Her konnten wir uns mit Ali auf 4.000 Ksh einigen. Er versicherte, dass er uns samt Gepäck alle auf sein Motorbike bringen wird. Und der Gute hatte recht. Ich war erstaunt wie geschickt diese Männer all unser Gepäck sicher auf seinem Bike befestigten. Es kam zudem noch ein Sack mit Werkzeug mit - für den Fall, dass wir eine Panne haben. 


      Ali und ich am Mortorbike. Hinter mir musste dann noch Kailash Platz haben


      Es ging also los. Tatsächlich war es gar nicht so unbequem wie erwartet. Ali erwies sich als der weltbeste Motorbike-Fahrer! Unglaublich wie gekonnt er uns mit seinem Gefährt durch die Wüste brachte. Die Gegend war monoton und trocken. Als wir an einer Wasserstelle vorbei kamen, waren dort gerade zig Kamele am Trinken. 


      Auf halber Strecke liegt das Dorf Gas. Hier machten wir einen kurzen Stopp. Ali musste erstmal ordentlich Miraa (auch Khat genannt) futtern. Es handelt sich dabei um die Blätter des Khatstrauches. Sie enthalten einen Wirkstoff, der mit dem Amphetamin verwandt ist, aber wesentlich schwächer wirkt. Müdigkeit verschwindet dadurch. Zudem wird der Körper zu mehr Leistungsfähigkeit stimuliert, Hunger wird unterdrückt und Euphorie tritt ein. In vielen Ländern ist der Konsum dieser Blätter verboten, hier in Kenia ist es aber legal. 


      Angekommen in dem Dorf Gas

      Die Gabbra zeigten uns sogar eine ihrer Hütten von innen. 


      Angekommen in Loiyangalani

      Was waren wir froh, als wir dann etwa drei Stunden später sicher in Loiyangalani ankamen. Wir bedankten uns herzlich bei unserem tollen Fahrer. Die Ortschaft hat etwa 5.000 Einwohner und liegt am südöstlichen Ufer des Turkanasees. Hier leben hauptsächlich die Turkana, welche auf den ersten Blick ähnlich gekleidet sind wie die Samburu. Die Einheimischen zeigten sich etwas zurückhaltender als in North Horr, dafür wurden wir aber gleich bei unserer Ankunft von mehreren Leuten um Geld gefragt. 

      Auch hier konnten wir wieder eine günstige Unterkunft finden. Es waren abermals zwei Strohhütten für 500 Ksh pro Person. Strom gibt es am ganzen Grundstück keinen. Da bin ich immer wieder sehr froh um meine Solar-Powerbank. 

      Wir spazierten vor Einbruch der Dunkelheit noch zum See und planschten ein wenig im Wasser herum. Ein paar einheimische Frauen warnten uns, dass wir sobald es zu dämmern beginnt, das Wasser sofort verlassen sollten. Nachts kommen nämlich Krokodile ans Ufer. 

      Abendstimmung am Turkanasee

      Zum Abendessen gab es auch heute wieder Chapati und Bohnen. 

      Unerträglich heiße Nächte

      Die Nacht war lang und nicht von sonderlich viel Erholung geprägt. Die Hitze ist fast unerträglich. Tagsüber lassen sich die Temperaturen irgendwie aushalten. Aber nachts ist es wirklich schlimm, man ist die ganze Zeit wie verrückt am Schwitzen. Die Strohhütten sind zwar recht luftig gebaut, trotzdem spürt man nicht die geringste Brise. Die Luft steht wahrlich. Aufgrund des Schwitzens hat man auch ständig Durst. In den letzten 24 Stunden habe ich bestimmt acht Liter Wasser getrunken und fühle mich immer noch extrem ausgetrocknet. Kailash ging es nicht besser.

      Elmolo - die kleinste Volksgruppe in Kenia

      Wir beschlossen am Sonntag zum Stamm der Elmolo zu wandern. Etwa 13 Kilometer von Loiyangalani entfernt liegt ein solches Dorf. Die Elmolo wurden bereits als aussterbendes Volk angesehen. 1934 wurden nur mehr 84 von ihnen gezählt. Mittlerweile findet aber häufig eine Vermischung mit den Samburu statt, weshalb ihre Zahl auf etwa 700 gestiegen ist. Der Name Elmolo kommt ebenfalls von den Samburu, und bedeutet "die Menschen, die Fisch essen". Wie der Name schon sagt, leben die Elmolo hauptsächlich vom Fischfang. 

      Bereits um 8 Uhr morgens war es wahnsinnig heiß. Als wir bereits mehr als die halbe Strecke gelaufen sind, hielt plötzlich ein Motorbike neben uns. Zwei junge Männer boten uns an, uns mitzunehmen. Zu viert auf dem Drahtesel mit noch ein paar Kartons, die die Jungs zu verliefern hatten, ging es also weiter. Wie wir erfuhren, gibt es wohl drei Elmolo Dörfer. Sie brachten uns zum ersten. Dort angekommen, wurden wir von den zwei Dorfältesten empfangen. Sie erlaubten uns ihr Dorf zu erkundschaften wenn wir jeweils 1.000 Ksh zahlen würden. Das empfanden wir als zu viel. Letztendlich gingen sie auf 500 Ksh herunter, was wir dann aber trotzdem ablehnten. Vermutlich werden wir auch im nächsten Dorf um Geld gefragt, und dieses schien uns etwas interessanter zu sein, da es sich auf einer Insel befindet. 

      Wir legten also nochmals einen Fußmarsch von etwa 5 km zurück. Dieses Elmolo Dorf hat den Namen Komote. Vor zwei Jahren war es noch über den Landweg erreichbar. Da der Wasserspiegel des Turkanasees enorm gestiegen ist, kann man nun nur noch mit dem Boot dorthin. Wir konnten uns mit den Einheimischen darauf einigen, dass wir pro Person 100 Ksh für die Bootsfahrt zahlen werden und dann 500 Ksh für eine Führung durch ihr Dorf. Wir waren einverstanden. Die meisten Dorfbewohner befanden sich gerade in der Kirche, es war immerhin Sonntag. Geschätzt leben etwa 70 Personen in dem Dorf. Die Häuser bestehen großteils aus Stroh, manche auch aus Lehm. Wenige Hütten haben sogar ein kleines Solarpanel am Dach. Die Dorfbewohner begrüßten uns recht freundlich. Nach der Führung nahmen wir erstmals ein mehr oder weniger erfrischendes Bad im Turkanasee - immerhin hat der See auch um die 30 Grad. Nach dem Baden aßen wir im Dorf noch zu Mittag. Sie servierten uns frischen Fisch mit Ugali. 

      Am Weg zum Elmolo Dorf

      Blick auf das kleine Elmolo Dorf


      Zur Abwechslung gab es heute Fisch und Ugali

      Zurück nach Loiyangalani gönnten wir uns ein Motorbike (500 Ksh). Zum Abendessen ging es in ein kleines, muslimisches Restaurant. Ratet mal, was es gab? Richtig! Chapati und Bohnen ;) Der bereits etwas betagte Besitzer versuchte uns mit dem Wechselgeld übers Ohr zu hauen, weshalb wir noch eine kurze Diskussion mit ihm hatten. Da werden wir auf alle Fälle nicht wieder essen (dachten wir zumindest zu diesem Zeitpunkt *lach*). 

      Wir fragten noch im Ort herum, ob es für morgen irgendeinen Transport nach South Horr gäbe. Wir hatten leider kein Glück. Deshalb beschlossen wir wohl oder übel nach Marsabit zurück zu fahren. Gerne würden wir all diese kleinen, abgelegenen Dörfer hier noch länger erkundschaften, aber wir merkten, dass diese Hitze zu viel für unsere Körper war. Auch die nächste Nacht konnten wir beide so gut wie gar nicht schlafen und waren eigentlich nur am Schwitzen und trinken. Man muss dazu  sagen, dass Wasser hier sehr, sehr teuer ist. Wir brauchten mehr Geld für Wasser als für Unterkünfte. 

      Sechs Stunden lang ausgesetzt in der Wüste

      Als ich am Montagmorgen vor meine Strohhütte trat, stand direkt vor dem Eingang ein Landcruiser. Der Mann darin grinste mich an und fragte, ob wir heute nach Marsabit wollen. Ich war etwas perplex, wie der Typ das wissen konnte, und bejahte sein Frage. Er meinte, er würde dort heute zufällig hinfahren. Wir sollten schnell packen und dann ginge es schon los. Wow, da hatten wir ja ein unglaubliches Glück. Als wir aber dann erfuhren, dass der Gute 2.000 Ksh pro Person wollte, beschlossen wir uns lieber ein anderes Transportmittel zu suchen. Normalerweise sollte der Preis bei 1.200 Ksh liegen. Der Mann wollte anfangs nicht mit sich handeln lassen, gab dann aber plötzlich doch nach. Es wurde ein kurzer Stopp bei der Polizeitstation gemacht, um einen bewaffneten Eskort mitzunehmen. Wir dachten eigentlich, dass es dann losgehen sollte. Der Fahrer meinte aber, dass wir zuerst noch etwas Frühstücken gehen. Wie es der Zufall so will, fuhren wir genau zu dem Restaurant, wo wir gestern die Auseinandersetzung mit dem alten Opa hatten. Da wir aber hungrig waren, blieb uns nichts anderes übrig, als wieder dort zu essen: Chapati mit Bohnen ;) Der alte Mann begrüßte uns ziemlich unfreundlich. Als wir erfuhren, dass er mit uns nach Marsabit fahren sollte, hielt sich unsere Begeisterung sehr in Grenzen. 

      Eine halbe Stunde später ging es dann wirklich los. Es kamen noch ein paar weitere Fahrgäste hinzu. Nach einer guten Stunde Fahrt, hielten wir an einem kleinen Militär-Checkpoint mitten im Nirgendwo. Wir sollten kurz aussteigen, der Fahrer würde in ein paar Minuten wiederkommen. Wir scherzten anfangs noch, dass ein paar Minuten laut afrikanischer Zeit bestimmt ein oder zwei Stunden wären. Doch es kam noch viel schlimmer. Es verging Stunde um Stunde. Wir hatten kein Wasser mehr und die Hitze war unerträglich. Was war hier eigentlich los? Wieso war genau der Opa mit uns, mit dem wir gestern gestritten haben? Könnte es sich bei der ganzen Sache hier um einen ausgeklügelten Plan handeln? Was waren wir auch für Idioten, den Fahrer mit all unserem Gepäck abhauen zu lassen. Nicht einmal Geld hatten wir dabei. Wir fragten die zwei bewaffneten Männer am Militär-Checkpoint, ob sie unseren Fahrer kennen. Sie sprachen nur schlecht bis überhaupt kein Englisch und konnten uns nicht weiterhelfen. Einer der anderen Fahrgäste hatte die Telefonnummer des Fahrers. Wir riefen ihn also an. Er meinte, er würde gleich wiederkommen. Es vergingen drei Stunden... vier Stunden... fünf Stunden. Irgendwann kam ein Jeep an. Der Opa und noch weitere Fahrgäste stiegen dort ein und waren fort. Jetzt wurde uns richtig mulmig zumute. Was wurde hier gespielt? Nun waren wir alleine mit den nicht Englisch sprechenden Militär-Typen. Und noch zwei andere Leute waren da, die mit uns vorhin im Landcruiser waren. Wir konnten kein anderes Gefährt nehmen, immerhin war unser Gepäck nicht da und wir hatten kein Geld. Kailash rief unseren Fahrer erneut an und schrie ihn regelrecht übers Telefon an, dass wir nun die Polizei informieren werden, wenn er nicht auf der Stelle zurück komme. Der Fahrer legte daraufhin einfach auf. Wir waren völlig ausgeliefert. Und am Verdursten. Ich konnte den Militär-Männern irgendwie klarmachen, dass wir sehr durstig waren. Daraufhin kochten sie liebenswürdigerweise Tee für uns. Kailash meinte, er würde den Tee nicht trinken, da er den Leuten nicht traue. Das war mir jetzt eigentlich egal, hauptsache trinken. Wenn sie uns wirklich kidnapen wollen, dann wäre es mir sowieso lieber nichts davon mitzubekommen. 

      Über sechs Stunden ausgesetzt in der Wüste

      Die Männer am Militärposten teilten einen Tee mit uns

      Ich schickte per WhatsApp meinen Standort an Freunde zu Hause und informierte einen Couchsurfing Gastgeber von mir in Nairobi - sein Name ist Ash - über unsere Situation. Ash hat gute Beziehungen zu diversen Obrigkeiten in Kenia. Kailash wählte währenddessen den internationalen Notruf und berichtete denen über unsere Situation. Ash informierte die Polizei in Marsabit, welche sich dann auch sofort mit mir in Verbindung setzte.  Schön langsam kamen die Dinge ins Rollen. Die Polizei konnten unseren Fahrer ausfindig machen. Nach über sechs Stunden kam dieser dann plötzlich angefahren. Unsere Freude war grenzenlos!! Und sogar unsere Rucksäcke waren noch im Auto. Der Typ grinste uns an und entschuldigte sich für die Verspätung. Wir kontrollierten unser Gepäck, ob irgendetwas fehlte. Es war aber alles da. Unglaublich!

      Es war nun schon spät, und wir würden Marsabit erst nach Einbruch der Dunkelheit erreichen. Die Wüste war sehr gefährlich nachts. Wir konnten nur hoffen und beten, dass nichts passiert. In irgdendeinem Kaff stiegen noch ein paar Samburu-Krieger zu uns auf die Ladefläche des Landcruisers und fuhren ein Stück mit. 

      Kailash und ich rätselten noch lange darüber, was da heute passiert war. War der Fahrer eigentlich gar kein schlechter Mensch und hatte einfach nur ein Zeitmanagment Problem? Aber warum setzte er uns an so einem gottverlassenen Ort ohne Wasser aus? Oder hatte er doch irgendwelche Pläne mit uns, und dann als ihn die Polizei kontaktierte bekam er es mit der Angst zu tun? Wie auch immer, wir werden es wohl nie erfahren. Hauptsache wir haben diesen Tag heil überstanden und alle unsere Sachen wieder. 

      Wir kamen sicher in Marsabit an und fanden eine simple Unterkunft für 400 Ksh/Nacht (= 3,17 €). Zum Abendessen besuchten wir wieder das somalische Restaurant, mit dem netten Besitzer. Es gab Bohnen mit Capati :D


      Goodbye Marsabit

      Am nächsten Morgen suchten wir einen Transport nach Nanyuki. Diesmal ein ganz normales Matatu. Alles ohne Zwischenfälle. Zurück in der Zivilisation. Kailash und ich gingen am Abend noch etwas trinken. Das war unser letzter gemeinsamer Abend. Am nächsten Morgen trennten sich unsere Wege wieder. Eine super spannende Woche mit unvergesslichen Abenteuern ist wieder zu Ende. Wie gern wären wir beide noch länger in dieser abgeschiedenen Region Kenias geblieben, aber wie gesagt, unsere Körper sind für eine solche Hitze nicht gemacht. Vielleicht werde ich irgendwann wiederkommen, wenn nicht gerade die heißesten Monate des Jahres dort sind. 

      Für mich ging es heute zurück nach Nairobi, wo ich ich zwei Nächte bleiben werde. Die Zeit rast und meine Reise geht langsam dem Ende zu. Ich möchte diesen abenteuerlichen Trip gerne ganz gemütlich an der Küste Kenias ausklingen lassen. Am Freitag geht es deshalb nach Lamu Island - eine Insel an der nördlichen Küste Kenias, ganz nahe an Somalia. 



      Also dann, bis bald!

      Eure Michi :)







      => Hier findest du noch mehr Fotos und Videos von Marsabit <=


      => Hier findest du noch mehr Fotos und Videos von North Horr <=


      => Hier findest du noch mehr Fotos und Videos von Loiyangalani<=


      => Hier findest du noch mehr Fotos und Videos vom Elmolo Dorf <=







      Donnerstag, 27. Januar 2022

      Sindo - Ein kleiner Fischerort am Viktoriasee

      By On Januar 27, 2022

      Sindo, Kenia

      Ich verließ Mfangano Island mit dem Water Bus (Wasserbus), welcher eindeutig komfortabler ist, als diese maßlos überladenen Holzboote, in denen man sich tatsächlich um sein Leben fürchten muss. Die sechs Tage auf der Insel habe ich wirklich sehr genossen. Schade nur, dass das Ganze ein etwas komisches Ende hatte. 

      Warum ich Couchsurfing so liebe...

      Nichtsdestotrotz bin ich weiterhin gerne über Couchsurfing unterwegs. Die positiven Erlebnisse überwiegen nämlich ganz klar. Zudem kann man ansonsten schwer solch authentische Erfahrungen machen. Je einfacher die Lebensumstände, desto interessanter ist es für mich. Ich liebe es den Alltag solcher Menschen live miterleben zu können. Vor allem, weil ich ja aus einer komplett anderen Welt komme, wo wir alles in absolutem Überfluss haben und dies großteils gar nicht zu schätzen wissen. Wie klein werden die Probleme von zu Hause plötzlich, wenn ich sehe mit welchen Herausforderungen die Menschen hier zu kämpfen haben. 

      Angekommen bei einer Großfamilie in Sindo

      Als ich mit dem Wasserbus in Mbita angekommen war musste ich mir ein Boda-Boda (Mopedtaxi) nach Sindo nehmen. Die Fahrt dauerte eine knappe Stunde und kostete 200 Ksh (=1,58€). Sindo liegt direkt am Viktoriasee und die Menschen leben - wie fast überall an der Küste - großteils vom Fischfang. Wie viele Einwohner der Ort hat, konnte ich leider nicht herausfinden, aber es wirkt eher ländlich hier. Ich vermute, dass sich nicht oft Touris hierher verirren 

      Mein Gastgeber Victon holte mit einem strahlenden Lächeln vom Zentrum ab. Zu Fuß gingen wir zu ihm nach Hause. Er lebt mit seinen Eltern, ein paar Geschwistern (ingesamt hat er acht davon) und einigen derer Kinder gemeinsam in einem Haus. Das Grundstück scheint recht groß zu sein und im Garten war ordentlich was los: eine Horde kleiner Kinder spielte im Garten, umringt waren sie von Eseln, Kühen, Ziegen, Schafen, Hunden und Katzen. Victons Mama war gerade beim Wäsche waschen. Ich wurde von allen super herzlich empfangen und fühlte mich sofort sehr wohl in dieser herzlichen Großfamilie. Ich bekam ein gemütliches Bett in der Küche. Das Haus ist nur durch Teppiche in verschiedene Räume abgetrennt. Privatsphäre gibt es in solchen Unterkünften demzufolge nicht wirklich, aber das hat auch etwas Schönes und Familiäres. Mit den Eltern von Victon konnte ich mich nur mit Händen und Füßen verständigen. Sie sprechen nämlich kein Englisch, sondern ihre Stammessprache Luo und ein bisschen Swahili

      Die kleine Natschi hatte anfangs ziemlich Angst vor mir, immerhin hat sie noch nicht so oft in ihrem Leben einen Muzungu gesehen. Mit der Zeit taute sich aber etwas auf. 

      Matumbo

      Victon fragte mich, ob ich ihm helfen würde das Abendessen vorzubereiten. Na klar! Als ich sah, um was es sich handelte bereute ich meine vorschnelle Zusage fast schon wieder. Er kam mit einer Schüssel voll mit den Gedärmen und Mägen einer Kuh an. Das Zeug sollten wir nun in kleine Stückchen schneiden. Im Darm waren noch Stuhlreste vorhanden, demenstprechend roch es auch. Es sollte also am Abend "Matumbo", ein heißgeliebtes Gericht der Kenianer geben. Ich hielt mein Versprechen natürlich ein und half Victon beim Zerkleinern von den Gedärmen und Mägen. 

      Unser heutiges Abendessen: Die Mägen und Gedärme einer Kuh

      Am Abend spazierte ich gemeinsam mit Victon und seinem Kumpel Young durch den Ort. Wir besuchten den lokalen Markt und genossen den Sonnenuntergang am Seeufer. 

      Mein Gastgeber Victon und ich


      Sonnenuntergang am Viktoriasee

      Als mir dann am Abend das "Matumbo" serviert wurde, beschloss ich der Sache noch eine zweite Chance zu geben. Victon meinte nämlich, dass das "Matumbo", das ich damals in Kapkoi gegessen hatte, eventuell schlecht ausgewaschen oder nicht sonderlich gut zubereitet gewesen wäre. Vielleicht war da etwas Wahres dran. Im Endeffekt muss ich aber sagen, dass es mir nach wie vor schwer fiel das Zeug hinunterzubekommen - und vor allem dann nicht wieder hochkommen zu lassen. Der Geschmack ist einfach zu intensiv und erinnert mich auch im gekochten Zustand noch an Exkremente. Zudem ist die Konsistenz  sehr gewöhnungsbedürftig. 

      Wasser holen am Viktoriasee

      Das Haus von Victon und seiner Familie ist etwa drei Kilometer vom Viktoriasee entfernt. Fließend Wasser gibt es nicht. Sie müssen deshalb alle ein bis zwei Tage zum See gehen, um Wasser zu holen. Für so eine Großfamilie wird ziemlich viel davon gebraucht: Zum Kochen, zum Trinken, zum Wäsche waschen, zum Duschen, zum Tränken der Tiere, usw. Victon machte am Morgen ein Eselgespann mit einem Holzkarren fertig. Darauf wurden fünfzehn Kanister mit je 20 Liter Fassungsvermögen transportiert. Diese sollten am See aufgefüllt werden. Das macht dann 300 Liter. 

      Victon beim Vorbereiten des Eselgespanns zum Wasser holen am See. 

      Ich begleitete ihn dabei. Die Esel schienen den Weg schon zu kennen. Die Sonne brannte bereits jetzt am Morgen richtig stark vom Himmel. Am Ufer des Viktoriasees angekommen, waren bereits viele Menschen dort versammelt. Die meisten waren gerade am Auffüllen ihrer Wasserkanister, andere waren am Geschirr oder Wäsche waschen und wieder andere kamen mit ihren Fischerbooten zurück. Wie man sich vorstellen kann, ist das Wasser hier nicht das Sauberste bei dem ganzen Trubel. Aber das scheint niemanden zu stören, immerhin haben sie sowieso keine andere Möglichkeit. Von der Bilharziose einmal ganz zu schweigen. Aber das ist sowieso ein leidiges Thema. Als ich Victon darauf angesprochen habe, meinte er bloß, dass es diese Krankheit hier nicht gibt. Da sagen meine Recherchen zwar etwas ganz anderes, aber um mir darüber jetzt noch Gedanken zu machen ist es eh schon zu spät, immerhin war ich bereits zur Genüge mit dem Wasser in Kontakt. 

      Was zusätzlich noch ein Problem darstellt, sind die Nilpferde, die sich auch gerne hier in Ufernähe aufhalten. Durch das trübe Wasser, werden sie oft nicht gesehen. Wie Victon mir erzählte, habe er schon sehr viele Freunde durch Nilpferdattacken verloren. 

      Der Rückweg gestaltete sich vor allem für die Esel schwierig, immerhin hatten sie ein irrsinniges Gewicht zu ziehen. Victon und ich mussten immer wieder nachhelfen mit Schieben. Als wir zu Hause angekommen waren wurden die Tiere für den Rest des Tages freigelassen. Sogar das Gartentor bleibt tagsüber offen. All die Tiere können somit je nach Belieben ein- und ausgehen. Scheinbar wandern sie tagsüber gerne zum See hinunter oder streunen im Ort herum. Abends kommen sie von ganz alleine wieder zurück. So etwas wäre bei uns Zuhause undenkbar *lach*. 

      Morgens ist am See viel los. Während die Frauen Geschirr und Wäsche waschen füllen die Männer die Wasserkanister auf. 



      Nun war es Zeit für ein kleines Frühstück: Chai (Milchtee) und Bohnen. Danach wurde ein kleines Ziegenbaby, das seine Mama verloren hatte, mit der Flasche gefüttert. Unglaublich süß!


      Der Rest des Tages verlief recht entspannt. Um die Mittagszeit wurde es sowieso so heiß, dass man nicht viel mehr machen kann, als wie im Schatten unterm Baum sitzen. Selbst im Haus ist es schweißtreibend heiß. Ich half Victon bei ein paar Hausarbeiten und dann gab es noch ein kurzes Mittagsschläfchen.

      Motorrad-Tour

      Am späteren Nachmittag wollten Victon und sein Kumpel Young mit mir wandern gehen. Ich war natürlich sogleich voller Vorfreude, immerhin kommt die Bewegung bei mir in letzter Zeit sowieso etwas zu kurz. Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte war, dass die beiden unter "wandern" etwas ganz anderes als ich verstanden. Bei ihnen hieß das nämlich zwei Stunden lang mit dem Motorrad auf einen Hügel und wieder runter zu fahren - ganz ohne einen Fuß vor den anderen zu setzen. Die Sache war trotzdem ganz spannend. Victon war der Fahrer, ich saß in der Mitte und Young hinten. So ganz überzeugt waren Young und ich von Victons Fahrstil nicht. Er fuhr so langsam, dass es auch schon wieder fast gefährlich war. Vor allem wenn es steil bergauf ging, kamen wir dann oft einfach zum Stehen, weil er nicht genug Gas gegeben hatte. Die Wege sind natürlich alle unasphaltiert und in keinem sonderlich gutem Zustand. Als es dann wieder steil hinunter ging, gab es plötzlich einen lauten Krach. "Die Bremse ist kaputt", war die Erklärung. Aber das sei nicht schlimm, es gäbe noch eine zweite. Das war mir dann aber doch zu abenteuerlich und ich beschloss die steilen Stellen zu Fuß zu gehen. Young machte es mir nach. Insgesamt war die Tour wunderschön und führte durch viele kleine Dörfer und wunderschöne Landschaften. 

      Als es dann langsam dunkel wurde, bekam Victon plötzlich Stress. Sein Vater möge es nämlich gar nicht, wenn er nach Einbruch der Dunkelheit heim käme. Kleine Anmerkung: Victon ist 25 Jahre alt. Aber gut, wir wollen ja keinen Stress. Young wollte uns aber unbedingt noch auf Samosas und eine Cola einladen. Besonders genießen konnten wir das nicht, weil Victon scheinbar ziemlichen Respekt vor seinen Vater hat und infolgedessen recht gestresst war. 

      Victon und Young

      Ich und Victon

      Zuhause erwarteten mich die Kids bereits. Sie lieben es mit mir zu spielen und meine weiße Haut anzufassen. Danach bereiteten Victons Schwester, Victon und ich Chapati zu. Das war ganz schön viel Arbeit, immerhin machten wir gut 60 Stück für die ganze Großfamilie.


      Heute, am Donnerstag, sollte es für mich wieder weitergehen, nämlich nach Kisumu. Dort habe ich mir ein kleines Mini-Häuschen über AirBnB gemietet. Nach dem ganzen Großfamilienleben sehne ich mich nun nach etwas Privatsphäre. Victon und seine Familie versuchten mich zu überreden länger zu bleiben, was ich mega lieb fand. Ich versprach ihnen, eventuell wieder zu kommen, wenn es die Zeit zulässt. 

      Victon möchte mich übrigens unbedingt mit dem Motorrad eines Freundes nach Homa-Bay bringen, von dort aus würde ich dann ein Matatu nach Kisumu finden. Da die Fahrt mit dem Motorrad über eine Stunde dauern sollte war ich natürlich nur mäßig begeistert von der Idee - vor allem nach der gestrigen Tour *lach*. Victon ließ sich von seinem lieb gmeintem Vorhaben jedoch nicht abbringen, weshalb ich dann auch nachgab. 


      Also dann, bis bald!

      Eure Michi :)