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Sonntag, 3. September 2017

Coca-Blätter kauen - der liebste Zeitvertreib der Bolivianer

By On September 03, 2017



In Bolivien werden Coca-Blätter ganz gemütlich im Bus oder vor dem Fernseher gekaut - so wie bei uns die Kartoffelchips. Das Kauen von Coca-Blättern ist dort eine Jahrhunderte alte Tradition. Es ist zum einen Genussmittel, zum anderen dient es medizinischen und kultischen Zwecken.


Was ist Coca eigentlich?

Als Coca werden die Blätter des Coca-Strauches bezeichnet. Dieser ist in den Andenregionen von Bolivien, Kolumbien und Peru beheimatet.


Wie werden die Blätter des Coca-Strauches verwendet?

Bei dem Gedanken an den Coca-Strauch, denken die meisten wahrscheinlich zu allererst an die Herstellung von dem Rauschgift Kokain. Die Blätter der Coca-Pflanze enthalten lediglich 0,5 - 1 Prozent des als Kokain bekannten Alkaloids. Mit Hilfe chemischer Prozesse wird es aus den Blättern des Coca-Strauches gewonnen. Durch Extraktion aus den Blättern entsteht die Coca-Paste, welche zu Kokainhydrochlorid weiterverarbeitet wird. Diese Substanz gelangt meist nach Beimischung von Streckmmitteln in pulverisierter Form als Kokain auf den illegalen Markt. Kokain (oder auch Koks genannt) ist eine Rauschdroge mit starkem Abhängigkeitspotenzial.

Die Blätter des Coca-Strauches werden auch für das Nationalgetränk der Andenregionen Perus und Boliviens verwendet - dem "Mate de Coca". Man kann ihn fertig abgepackt in Teebeuteln in den Supermärkten kaufen oder man geht auf die lokalen Märkte. Dort werden sie meist von recht stämmigen Frauen verkauft, die  in ihren traditionellen Kleidern vor riesigen, randvoll angefüllten Coca-Blätter-Säcken sitzen. Meist bezahlt man je nach Verhandlungsgeschick zwischen umgerechnet 25 Cent bis zu einem Euro für eine kleine Plastiktüte voll mit den Blättern. Für die Zubereitung des Tees nimmt man einige der Blätter und übergießt sie mit heißem Wasser.

Mate de Coca - Tee aus Coca-Blättern
Tee aus Coca-Blättern "Mate de Coca"

Neben dem Mate de Coca werden die Blätter in den Andenregionen auch liebend gerne gekaut. Vor allem in Bolivien und rund um den Titicacasee habe ich das sehr oft beobachten können. Es hat eine jahrhundertelange Tradition.

Früher hat sogar das Coca-Cola echtes Kokain enthalten.

Die Blätter werden außer zum Konsum auch noch für relgiöse Praktiken verwendet. So war ich beispielsweise in der kleinen Minenstadt Potosí in Bolivien und hatte das Glück an einem Lama-Opferungsfest teilnehmen zu können. Die Opfergabe ist für die Pachamama (zu deutsch: Mutter Erde) und sollte für die Bergarbeiter Glück im kommenden Jahr bringen. Dabei werden die Lama vor der Opferung mit Coca-Blättern übersät.

Lama mit Coca-Blättern übersät
Lama mit Coca-Blättern übersät

Außerdem werden dem Gott der Minenarbeiter, welcher Tio genannt wird, Coca-Blätter als Opfergaben gebracht. Und natürlich sind die Arbeiter selbst auch den ganzen Tag über fest am Kauen. Teilweise haben sie riesige Backentaschen voll mit den Blättern. Es helfe ihnen diese schwere Arbeit leichter zu bewältigen, erzählten sie mir.

Tio - der Gott der Minenarbeiter Bolivien übersät mit Coca-Blättern als Opfergabe

Auch in Kirchen sieht man immer wieder Opfergaben von Coca-Blättern. Die vorherrschende Religion in den Anden ist meist Katholizismus, jedoch vermischt mit den uralten Naturreligionen.

Kirche in Bolivien - Coca-Blätter
in einer Kirche in Bolivien

Was bewirken Coca-Blätter?

Der Genuss von Coca-Blättern ist nur sehr bedingt mit dem Konsum von Kokain zu vergleichen, da die vorhandene Wirkstoffmenge extrem gering ist.

Werden die Blätter in Form eines Tees getrunken, ist die antriebssteigernde Wirkung etwa mit der von starkem Schwarztee oder Kaffee zu vergleichbar. Außerdem hilft er gegen die Höhenkrankheit und gegen Magenbeschwerden.

Werden die Blätter gekaut ist die Wirkung etwas stärker als beim Tee, aber dennoch keineswegs mit der von Kokain vergleichbar. Es tritt eine stimulierende, stimmungsaufhellende Wirkung ein verbunden mit subjektiver Leistungssteigerung. Zudem verbessert sich die Sauerstoffaufnahme, weshalb es ein wirkungsvolles Mittel gegen die Höhenkrankheit darstellt. Außerdem wird das Hungergefühl unterdrückt. Zusätzlich enthalten die Blätter Vitamine und Spurenelemente. Oft werden die Blätter zusammen mit Kalk oder alkalischer Asche gekaut, was die Aufnahme verbessern sollte.

Generell wird gesagt, dass eine Abhängigkeit zum Coca-Blätter Kauen nicht bekannt ist, jedenfalls nicht stärker als es beim Trinken von schwarzem oder grünem Tee vorkommen kann.



Wie kaut man Coca-Blätter?

Wie das Ganze nun genau funktioniert, möchte ich euch hier erklären:
  • Zuerst einmal müssen natürlich die Coca-Blätter gekauft werden. Dies geschieht am besten auf einem lokalen Markt, da dort die Blätter um einiges frischer sind, als die fertig abgepackten im Supermarkt. 
  • Wer die Wirkung verstärken möchte, kauft zusätzlich Pflanzenasche oder Kalk. Auch Backpulver sollte dieselbe Wirkung haben.
  • Wenn man nun die Tüte mit den getrockneten Blättern - die aber auch nicht zu trocken sein sollten - vor sich hat, nimmt man sich erstmals ein Blättchen heraus. Dann entfernt man die harte Blattfaser in der Mitte - einfach rausziehen. Diese führt nämlich oft zu Verletzungen an der Mundschleimhaut. 
  • Hat man die Faser entfernt, stopft man sich das Blatt in den Mund und belässt es in der Wangentasche. 
  • Dasselbe wiederholt man mit ungefähr einer Handvoll Blätter. Die Einheimischen benutzen oft sogar eine ganze Tüte voll. Man kann sich bei dem Vorgang aber Zeit lassen.
  • Zwischendurch nimmt man eine Messerspitze voll mit Pflanzenasche oder eben Backpulver und mischt diese zu den Blättern in der Wangentasche. Es darf auch etwas auf den Blättern gekaut werden, aber nicht zu viel - nur ganz zaghaft. 
  • Die Wangentaschen werden mit der Zeit etwas taub. 
  • Normalerweise belässt man die Blätter für etwa eine Stunde im Mund, es kann aber auch länger sein. Die Einheimischen haben sie oft stundenlang drin und somit schon richtig ausgebeulte Hamsterbacken.
  • Will man die Blätter entfernen, spuckt man sie einfach aus. Man hat danach oft noch reichlich grünes Blätterzeugs zwischen den Zähnen. Mundausspülen hilft hier.


Sind Coca-Blätter legal?

In der Andenregion Südamerikas sind die Blätter völlig legal und können auch so gut wie überall erworben werden. Die Verarbeitung der Coca-Blätter zu Tee wird teilweise sogar staatlich gefördert.

In Österreich und Deutschland sind jedoch alle Produkte, die Bestandteile der Coca-Pflanze beinhalten, verboten. Das gilt anscheinend auch für die fertig abgepackten Coca-Blätter-Teebeutel und Coca-Bonbons, die man in Südamerika in jedem Supermarkt erhält. 


Mein Selbstversuch:

Natürlich wollte ich selbst ausprobieren was des mit diesen Coca-Blättern auf sich hat. Der Coca-Tee zeigte bei mir keine große Wirkung. Ich muss aber dazu sagen, dass ich auch bei Schwarztee oder Kaffee nicht viel merke. Leute, die da sensibler sind, spüren bestimmt mehr. So traf ich bereits einige Reisende, die meinten, dass bereits der Tee bei ihnen eine stark antriebssteigernde und muntermachende Wirkung hätte.

Und nun zum Kauen der Blätter. Als ich gerade mit meiner Reisebegleitung Luis eine etwa
8-stündige Busfahrt in Bolivien vor mit hatte, beschloss ich diese Zeit zu nutzen und einmal auszuprobieren, was diese Blätter, wenn man genug davon konsumiert, so bewirken. Ich habe bereits zuvor öfters welche gekaut, z.B. als ich hohe Berge bestieg, da sie ja bekanntlich gegen die Höhenkrankheit helfen solllten. Doch ich merkte eigentlich nie etwas von dieser Wirkung.

Diesmal hatte ich eine relativ große Coca-Blätter Tüte mit dabei und dazu ein weißes Pulver, das mir am Markt mit den Blättern verkauft wurde - es stand leider nicht drauf was es war, aber ich vermute mal, Kalk oder Pflanzenasche, was wohl die Wirkung verstärken sollte.

Auch Luis beschloss es mir gleichzutun. Wir begannen also ganz gemütlich uns die Blätter in den Mund zu stopfen. Nach einer halben Stunde, meinte Luis, er würde nun aufhören, da er den Effekt schon recht stark spürte. Also er fühlte sich wacher und sehr aktiv.  Ich spürte dafür noch so ziemlich gar nichts und naschte noch weitere vier Stunden an den Blättern. Natürlich ganz gemütlich, also ich stopfte mir vielleicht alle 5-10 Minuten wieder so ein Ding in den Mund. Ich hatte mit der Zeit eine richtige Hamserbacke. Mein bolivianischer Sitznachbar schien recht erstaunt, einen Gringo (so werden in Lateinamerika Ausländer genannt) zu sehen, der Coca-Blätter kaut. Meist machen das nämlich bloß die Einheimischen und das auch vorzugsweise die eher ältere Generation.

Mein Mund war nun schon fast komplett taub und irgendwie fühlte ich mich mit der Zeit recht gut gelaunt, wach und vor allem redefreudig - sehr zum Leidwesen von Luis, denn bei dem war der Effekt nach etwa zwei Stunden wieder weg und er wollte schlafen. Doch das hielt mich nicht davon ab, ihn weiterhin vollzulabern. Nach etwa zwei Stunden war es auch bei mir wieder vorbei mit der Wirkung.

Fazit: Es war auf alle Fälle ein tolles Experiment und ich konnte diesmal auch etwas von der Wirkung spüren. Natürlich kann es sein, dass auch ein bisschen Placebo-Effekt dabei war. Der einzige Nachteil war, dass meine Mundschleimhaut danach etwas schmerzte, da die teils scharfkantigen Blätter diese reizen. Vom Geschmack her könnte man die Blätter vielleicht mit Heu vergleichen.


Donnerstag, 13. Juli 2017

Kein Ende der Korruption in Sicht - Für mich geht es weiter nach Peru

By On Juli 13, 2017

Fortsetzung von  => "Schreckliche Korruption der Polizei in Bolivien" <=


Heute Morgen traf ich mich mit Ernst zum Frühstück. Dieser ist immer noch überglücklich wieder frei zu sein. Ganz nebenbei erzählte er mir plötzlich, dass er heute Morgen schon bei der Polizei war und diese meinte, er würde sein Eigentum zurückbekommen wenn er 1.000 USD zahlen würde. Waaas? Ich flog schon wieder aus allen Wolken. Ist denn so etwas möglich? Jetzt war er schon als Unschuldiger gefangen, hat den ganzen Schaden bezahlt, den das Mädchen verursachte und dann sowas. Jetzt reichte es aber. Ernst erzählte mir, dass die Polizei "liebenswürdigerweise" am Ende sogar auf 500 USD herunter gegangen sei.

Wir suchten unverzüglich einen Anwalt auf, den Ernst von früher bereits kennt. Der Anwalt war zu unserem Glück in seinem Büro. Er meinte wir sollten Daisy nochmals zur Polizei schicken, da sie mehr zu sagen hat. Sie sollte am Besten mit dem Polizeikommandan
ten reden. Hilft das nichts, sollten wir unbedingt die Botschaft anrufen.

Daisy fanden wir zum Glück sogleich. Sie willigte ein mit Ernst nochmals zur Polizei zu gehen. Ich beschloss für mich, heute Mittag abzureisen - weiter nach Peru. Ich habe meine Mission erfüllt, Ernst aus dem Gefängnis zu bringen und weiß nicht ob ich für das weitere Vorgehen eine Hilfe wäre. Diese Ruhe habe ich einfach nicht, mit solch verlogenen Menschen irgendetwas zu diskutieren. Auf alle Fälle werde ich Ernst so gut es geht weiterhin unterstützen und auch die Botschaft kontaktieren. Aber hier kann ich mich allein schon wegen meines abgelaufenen Visums nicht länger aufhalten. Ich hoffe nur inständig, dass Ernst dem Verlangen der Polizei ihnen Geld zu zahlen nicht nachgehen wird und dass er all seine Sachen wieder bekommt.

Ich verabschiedete mich herzlich von Ernst und begab mich zum Bus. An der Grenze musste ich 156 Bolivianos Strafe zahlen, für meinen illegalen Aufenthalt. Am späten Nachmittag kam ich in Puno an. Dort werde ich nun vorraussichtlich zwei Nächte verbringen - muss mich nun erstmals erholen von dem ganzen Schrecken der letzten Tage.























ROUTE BOLIVIEN

By On Juli 13, 2017

06.06. - 12.06.2017

PERU - Copacabana - Isla del Sol - Chicharro - La Paz - Oruro - Potosí - Uyuni - Sucre - Cochababa - La Paz - Chicharro - Copacabana - PERU




Mittwoch, 12. Juli 2017

Schreckliche Korruption der Polizei in Bolivien

By On Juli 12, 2017


Fortsetzung von => "Polizeifestnahme am frühen Morgen" <=


Ernst im Gefängnis

Meine Recherchen im Internet, Freunde von Ernst aufzutreiben, die hier leben, waren leider nicht sehr erfolgreich.

Ich machte mich heute gleich nach dem Aufstehen auf zum Gefängnis in Copacabana, um Ernst zu besuchen. Zum Glück durfte ich ihn persönlich sehen. Naja, mehr oder weniger - die kleine Stahltüre hatte bloß einen minkleinen Schlupf durch den ich den Armen sehen konnte. Er war in einer minikleinen Zelle ohne Licht, ohne Essen, ohne Wasser, ohne Klo, ohne irgendwas. Das Einzige was er hatte, war eine Plastikflasche zum hineinurinieren und eine viel zu dünne Matratze am Boden. In der Nacht hat es hier um die -6°C. Ernst hatte also unvorstellbar gefroren. Wieder standen mir Tränen in den Augen, als ich mit ihm sprach. Zum Glück durfte ich ihm Frühstück bringen. Wir baten die Polizei um ein Handy von Ernst, damit er wenigstens seine Freunde oder seinen Anwalt anrufen könnte. Sie lehnten jedoch ab. Unglaublich! Leider kennt Ernst nicht viele Leute hier. Er meinte ich sollte im Ort nach einem Anwalt suchen, es gäbe eine Straße, wo ein paar davon ihr Büro hätten. Sehr gut. Außerdem würde ein amerikanisches Missionarsehepaar (Jeff und seine Frau) hier leben, mit denen er gut befreundet wäre, da er immer wieder bei ihnen im Café frühstücken würde.

Hilfe von einem amerikanischen Ehepärchen und Daisy

Gut, zuerst machte ich mich auf die Suche nach den Anwaltbüros. Leider waren alle geschlossen und auch telefonisch konnte ich niemanden erreichen. Dann weiter zum Café des amerikanischen Ehepaars. Auch diese hatten Ruhetag, aber wie es der Zufall so wollte, waren sie gerade dort, um etwas aufzuräumen. Ich erzählte ihnen die Geschichte. Die beiden waren aufs Äußerste geschockt und erklärten sich natürlich sofort dazu bereit zu helfen.

Wir versuchten nochmals irgendwie einen Anwalt zu erreichen, leider vergebens. Sie meinten, wir müssten unbedingt eine bolivianische Person finden, die Ernst gut kennt, da wir Ausländer von der Polizei sowieso nicht für voll genommen werden. Das war auf alle Fälle ein guter Plan. Vor zwei Jahren hatte Ernst immerhin hier in Copacabana gewohnt, also musste es doch ein paar Leute geben, die ihn kennen und unterstützen könnten. Jeff erinnerte sich, dass Ernst zwei Jahre in Untermiete bei einer sehr angesehenen Frau im Ort lebte. Sie heißt Daisy und besitzt mehrere Hotels hier.

Jeff telefonierte mit Daisy, diese meinte wir sollten sogleich bei ihr vorbeikommen. Daisy schien mir von Anfang an super sympathisch. Auch sie erklärte sich sofort bereit, Ernst zu helfen, da auch sie genau weiß, dass er der gutmütigste Kerl überhaupt ist.

Zu viert machten wir uns auf zur Polizei. Diese staunten nicht schlecht, als sie plötzlich sahen, dass Ernst Freunde hat. Sie schienen auch Daisy zu kennen. Und siehe da, plötzlich sah das Ganze nur noch halb so wild aus. Daisy fragte, was hier eigentlich abginge und dass sie mit hundert prozentiger Sicherheit sagen kann, dass Ernst weder Drogen- noch Frauenhandel betreiben würde. Die Polizei lächelte verschmitzt und meinte, dass das doch noch gar nicht gesagt sei. Diese Lügner! Wut stieg in mir hoch, aber ich verkniff mir jegliche Kommentare. Hauptsache wir schaffen es, Ernst irgendwie frei zu bekommen.

Am Nachmittag trafen wir uns alle zu einer erneuten Vernehmung. Jeff und Daisy waren mit dabei. Zu meinem Erstaunen waren auch Alejandra, ihre Mama und ihre Tante dort. Das machte mir etwas Angst, da die Polizei gestern behauptet hatte, dass Alejandra angab, dass Ernst sie verwegaltigt hatte. Das war natürlich völliger Blödsinn, da das Mädel bei mir im Haus schlief und auch sonst nie mit ihm allein war. Außerdem hat Alejandra eine eindeutige psychiatrische Erkrankung und sagt alle paar Minuten etwas anderes. Einmal behauptete sie, sie würde Medizin studieren, das nächste Mal war es dann doch Architektur. Man konnte ihr sozusagen alles einreden. Und wenn ihre Familie ihr jetzt irgend etwas Schlechtes einreden würde, dann wäre das eine Katastrophe.

Doch ich täuschte mich. Ihre Mama und ihre Tante waren supernett. Sie bedankten sich sowohl bei mir als auch bei Ernst herzlich, dass wir so gut auf das Mädel aufgepasst und sie verköstigt hatten. Als ich die Mama fragte, wie lange Alejandra von zu Hause weg wäre, meinte diese 10 Tage. Vielleicht könnt ihr euch erinnern, dass mir die Polizei gestern weismachen wollte, dass Alejandra bereits seit Jänner vermisst sei und sie sich sicher wären, Ernst hätte sie im Keller gehabt. Alles Lügen! Alles Lügen,  um einen Grund zu haben, Ernst ins Gefängnis zu stecken. Mein Hass auf diese Polizei wuchs immer mehr. Die Nettigkeit von Alejandras Familie konnte ich mir zum einen so erklären, dass sie sich einfach nicht irgendwelche Unannehmlichkeiten einbrocken wollten. Immerhin hatte ihre Tochter ein Haus angezündet und Ernst ist für den ganzen Schaden aufgekommen. Zum anderen glaube ich, dass sie wirklich liebe Leute sind.

Die ganze Vernehmung zog sich wie immer ins Unendliche. Ernst wurde irgendeine Anwältin zur Verfügung gestellt, die ihr Büro hier in der Polizeiwache hatte - das stimmte mich wieder etwas stutzig. Dann mussten Jeff und Daisy für Ernst bürgen (soweit ich alles richtig verstanden hatte) und somit war dieser wieder frei. Wow, ich konnte es gar nicht glauben!

Korruption ohne Ende

Die Vernehmung war beendet. Alle gingen nach Hause und Ernst musste noch die ihm zugeteilte Anwältin zahlen. Nun musste ich aber doch nachfragen, was mit den Wertsachen (3 Laptops, 2 Mopeds, Handy, Geldtasche) von Ernst passieren würde. Die Sachen sollten sie nun eigentlich zurückgeben. Der kleine Polizeibeamte wurde sichtlich nervös und begann irgendetwas von bolivianischem Gesetz zu schwafeln. Na jetzt reichte es aber. Ich erklärte ihm, dass ich bereits seit zwei Jahren um die Welt reise und dass es nirgends auf der ganzen Welt so ein Gesetz gebe, dass einem Unschuldigen von der Polizei die Wertsachen gestohlen werden. Dann rutschte mir auch noch das Wort "Korruption" raus. Das war zuviel. Der vorher so nette Polizeibeamte war nun alles andere als nett. Er verlor völlig die Besinnung und begann irgendetwas herumzuschreien. Leider ist mein Spanisch nicht so perfekt, dass ich das alles verstehen konnte.

Ernst, der neben mir saß, begann zu schwitzen und zischte mir ins Ohr ich sollte mich beruhigen, denn er möchte nicht nochmals ins Gefängnis. Da hatte er natürlich recht. Und da ich auch selbst illegal im Land bin, durfte ich mir jetzt wirklich nicht zuviel erlauben. Es ist nur so, dass mich diese Ungerechtigkeit und diese schreckliche Korruptheit hier sehr böse macht. Und ich sollte morgen doch Bolivien verlassen, aber andererseits ist es mir auch sehr wichtig, dass die Sachen von Ernst nicht einfach verschwinden.

Der Polizist stürmte mit hochrotem Kopf aus dem Büro. Ich konnte hören, wie draußen getuschelt wurde. Es war nun schon spät. Ernst und ich beschlossen zu gehen und morgen einen Anwalt und eventuell die Botschaft zu kontaktieren, falls sie die Sachen nicht freiwillig zurückgeben. Liebenswürdigerweise händigten sie uns wenigstens das Handy und die Geldbörse von Ernst aus. Wie wir später feststellten fehlten 100 Bolivianos in seiner Geldtasche. Wirklich traurig, was hier so abgeht. Mal sehen, was der morgige Tag bringt. Ernst wird die Nacht heute, auch hier in einem Hostel verbringen, denn zurück in sein Dorf kann er keinesfalls.



Eine Fortsetzung des Berichtes findest du   => HIER <=
















Dienstag, 11. Juli 2017

Polizeifestnahme am frühen Morgen

By On Juli 11, 2017

Mit dem idyllischen Landleben am Titicacasee hat es nun ein jähes Ende genommen.

Aber nun von Anfang an:

Was die letzten Tage so geschah...

Die Situation mit Alejandra wurde die letzten Tage immer mysteriöser. Die Dorfbewohner erzählten mir gestern, dass das Mädel die ganze Nacht Runden im Dorf gedreht hatte. Außerdem hörte ich die Nacht zuvor komische Geräusche im Haus und hatte Todesangst, da ich dachte es wäre vielleicht ein Einbrecher. Als ich meine Zimmertür öffnete stand Alejandra halbnackt in vollkommener Dunkelheit davor und schien irgendwie völlig geistesabwesend durch mich durchzuschauen. Mir ist das Herz regelrecht in die Hose gerutscht. Daraufhin schickte ich sie in einem strengen Ton wieder zu Bett und versperrte schweissgebadet vor Angst mein Zimmer. Keine Ahnung was mit der Kleinen los ist, aber mir schien das Ganze nun mehr als unheimlich.

Heute Nacht habe ich wieder fast kein Auge zugemacht, da Alejandra im Haus herum geisterte. Mehrmals habe ich sie zu Bett geschickt, doch das half immer nur wenige Minuten. Ich hatte Angst, dass sie irgend einen Blödsinn machen könnte. Zwischendurch fragte ich mich ernsthaft, ob es denn möglich sei, dass die Kleine tatsächlich besessen ist. Ich verdrängte diesen furchteinflössenden Gedanken schnell wieder. Wahrscheinlich war das ich bloß eine schwere Form von Schlafwandeln.

Um 6 Uhr morgens kam Ernst schon vorbei. Was war ich froh ihn zu sehen. Ich erklärte ihm, dass das Mädel zurück nach Hause muss und zwar so schnell wie möglich. Irgendetwas stimmte nicht mit ihr. Ernst meinte, wir würden später darüber reden und eine Lösung suchen. Er möchte bloß schnell nach Copacabana fahren, um uns ein leckeres Frühstück zu besorgen.

Kurz darauf stand Alejandra vor mir. Sie kann sich laut ihrer Aussage nicht erinnern, dass sie nachts herumgegeistert sei. Sie sah ziemlich verdreckt aus. Das Mädel huschte ab unter die Dusche und warf ihre ganzen Klamotten in die Wäsche. Eigenartig - so reinlich war sie normalerweise nicht.

die so niedlich wirkende Alejandra und ich


Ein Riesenschock am Morgen  - illegal in Bolivien und noch vieles mehr....

Ich verzog mich in mein Zimmer, um meine morgendliche Yoga-Einheit zu machen. Plötzlich hörte ich ganz viele Stimmen. Ich schaute aus dem Fenster und traute meinen Augen kaum. Das ganze Dorf und drei Polizisten waren vor dem Haus versammelt. Es herrschte ein Riesen-Tumult. Alejandra hatte ihnen bereits die Türe geöffnet. So schnell konnte ich gar nicht schauen, standen auch schon die Polizisten, das Dorfoberhaupt und irgendein Beamter von der Migrationsbehörde bei mir im Zimmer.

Ich sollte ihnen sofort meine Dokumente zeigen. Ich versuchte ruhig zu bleiben und fragte, ob sie denn vielleicht so lieb sein könnten und mich aufklären würden was los sei. Es bestehe die Vermutung, dass hier im Haus Drogen konsumiert und sogar produziert werden. Außerdem werfen sie Ernst vor, er würde Frauen bzw. Mädchenhandel betreiben. Bitte was? Na gut, ich reichte ihnen meine Dokumente. "Die ist illegal hier!! ", schrie der Migrationsbeamte. Also jetzt reichte es aber mit falschen Unterstellungen. Ich bat ihn mir unverzüglich zu erklären, warum ich illegal hier sei. Er deutete auf meinen Einreisestempel. Du lieber Himmel, er hatte recht. Das war doch glatt bloß ein 30-Tage-Stempel. Bisher hatte ich in allem lateinamerikanischen Ländern eine Aufenthaltsgenehmigung von 90 Tagen, doch tatsächlich schien Bolivien eine Ausnahme zu sein. Demzufolge war ich bereits 4 Tage illegal im Land. Ich bedauerte, wie Leid mir das Ganze tue und erklärte ihnen meine Sachlage. Das schien sie jedoch nicht die Bohne zu interessieren.

Sie begannen mein Gepäck nach Drogen zu durchsuchen. Natürlich fanden sie nichts. Sie durchsuchten das ganze Haus. Mir war immer noch nicht ganz klar, was das Ganze plötzlich sollte. Vielleicht hatte Alejandra wo eingebrochen in der Nacht. Doch die Kleine lächelte bloß ganz unschuldig und meinte sie hätte die ganze Nacht geschlafen.

Das ganze Dorf stand schaulustig vor dem Haus. Sie schrien Dinge wie, dass sie diesen gefährlichen Gringo (=Ausländer) hier weg haben wollen, usw. Mir stieg richtig die Wut hoch. Sonst taten sie immer so lieb zu Ernst und zogen ihm Geld aus der Nase wo sie nur konnten. Und jetzt auf einmal fallen sie ihm so in den Rücken. Die 17-jährige Jessy, die Ernst regelmäßig aufsucht, um ihn um Geld zu bitten, da sie beispielsweise das Handy ihres Papas verloren hätte und dieser sie nun deswegen schlagen würde, schrie am Lautesteten, dass der Gringo raus muss.

Ich konnte es fast nicht glauben was hier geschah. Und der gutgläubige Ernst hat ihr doch tatsächlich immer wieder Geld zugesteckt. Außerdem kreuzten erst vor ein paar Tagen, die Dorfweiber auf und baten Ernst zuckersüß ihnen doch 100 kg Wolle zu spendieren, da sie ein neues Strickprojekt starten möchten. Er bekäme dafür mal einen gratis Fisch vom Fischer. Ich erklärte Ernst daraufhin, dass das Dorf ihn schrecklich ausnutzen würde, was er offenbar nicht zu bemerken schien. 

Für alle die kein Spanisch sprechen: Die Dorfbewohner wollten, dass Ernst dieses Dokument unterschreibe, welches besagt, dass er hundert Kilo Wolle spendieren sollte - unglaublich einfach! 


Die Polizei wollte nun das zweite Haus von Ernst - also das, in dem er schläft - durchsuchen. Da Ernst nicht da war, beschlossen sie kurzerhand einbrechen. Zum Glück kam dieser genau im richtigen Moment von seiner Einkaufstour zurück. Den ganzen Rucksack hatte er voll leckeren Kuchen und Früchten, für das geplante Frühstück. Als er die Menschenmassen vor seinem Haus sah, blieb ihm das Herz fast stehen. Ich musste mit den Tränen kämpfen, so leid tat mir Ernst in dem Moment.

Die Polizei riss ihn grob herbei und meinte, er solle lieber gleich die Waffen und die Drogen rausrücken. Ernst beteuerte weder das eine noch das andere zu besitzen. Er sperrte ihnen die Haustüre auf. Die Polizei und jede Menge Schaulustige drängten sich ins Haus. Alles wurde gründlichst durchsucht. Gefunden wurde natürlich genau gar nichts. Die Polizei beschloss kurzerhand die drei Laptops und die drei Handys von Ernst zu beschlagnahmen. Als sie seine zwei Mopeds sahen, erklärten sie, dass sie auch diese mitnehmen müssten. Zur Beweisfindung, meinten sie. Genau! Mit ziemlicher Sicherheit wird Ernst all die Dinge nie wieder sehen.

Endlich begann uns der Dorfälteste zu erklären, was in der Nacht geschehen ist. Alejandra wäre wohl in ein Haus eingebrochen und hätte dort mehrfach Feuer gelegt. Als uns das ganze Schlamassel gezeigt wurde, staunte ich nicht schlecht. Hier hätten tatsächlich Menschen ums Leben kommen könnnen. Der Brand hat Einiges im Haus zerstört. Außerdem lagen alle Tontöpfe der Küche in Scherben zerschlagen am Boden. Alejandra hat also scheinbar ein ernsthaftes Problem. Und jetzt steht sie da und grinst. Erinnern kann sie sich an nichts. Es wurden aber ihre Schuhe und ihre Taschenlampe im betroffenen Haus gefunden. Die Sache war also relativ klar. Ich spielte ernsthaft mit dem Gedanken, ob es vielleicht möglich sei, dass das Mädchen von einem Dämon besessen war. Von einer derartigen psychiatrischen Erkrankung hatte ich nämlich noch nie gehört. Nun war mir auch die Dusche und das Waschen der Klamotten des Mädchens heute morgen verständlich.

Auch Ernst musst erstmals schlucken, als er all das sah. Er entschuldigte sich vielmals und meinte, er würde natürlich für den ganzen Schaden aufkommen. Währenddessen zischte mir eine alte Frau ins Ohr, dass Ernst doch sagen sollte, seine zwei Mopeds würden Dorfeigentum sein, denn sonst wird sich die Polizei das alles behalten. Also die Leute hier, verkaufen uns wohl für blöd. Wenn wir behaupten würden, diese seien Eigentum des Dorfes, dann würde Ernst seine Mopeds genauso wenig wiedersehen.

das Dorf belagert den armen Ernst

selten habe ich soviel Bösartigkeit erlebt

Die Polizei meinte, wir sollten Waschsachen einpacken und mitkommen auf die Wachstation. Sie müssen uns (Ernst, Alejandra und mich) festnehmen. Ernst bekam die Krise, da er seine Taube auf keinen Fall alleine hierlassen wollte. Sie ist immerhin sein ein und alles. Ohne nachzudenken, versuchte er plötzlich abzuhauen. Natürlich bemerkte das schnell jemand und das ganze Dorf schrie "Fasst ihn! Legt ihm Handschellen an! Drogenschmuggler! Kinderschänder!" Die Polizei fasste Ernst, schlug ihn und legte ihn Handschellen an. Ich konnte mich nicht mehr halten und begann zu weinen. Mir tat das alles so unendlich Leid für Ernst.

Es ging also zur Polizeiwache. Mit uns kamen drei Personen aus dem Dorf. Darunter die Frau mit dem halb abgebranntem Haus. Ernst wurde sogleich zu einem Bankomaten gebracht. Dort hob er den entsprechenden Geldbetrag für den Schaden ab und zahlte die Frau sogleich. Diese hatte natürlich viel zu viel verlangt.

Polizeiwache in Tiquina am Titicacasee


Ernst wurde nun alles (Geld, Dokumente, Handy) abgenommen. Er durfte nicht einmal einen Freund oder einen Anwalt anrufen. Krass. Dann kamen sie auf die Idee, dass auch mir das Handy abgenommen werden sollte. Nun bekam ich wirklich Angst. Ohne Handy bin ich verloren, wie sollte ich denn so Hilfe herbeiholen. Ich bestand darauf, vorher die österreichische Botschaft anrufen zu wollen. Daraufhin überlegten sie sich das Ganze plötzlich anders. Ich durfte mein Handy behalten.

Leider ist es sehr schwierig mit dieser korrupten Polizei hier auch nur irgendetwas zu besprechen. Ich versuchte ihnen zu erklären, dass ich Ernst über Couchsurfing kenne, aber das wollten sie alles nicht hören. Ich versuchte ruhig und freundlich zu bleiben, denn ich wusste, dass die sonst alles was sie nur wollen mit mir machen können. Das brachte sich zum Glück auch etwas. Die Polizei war mir nun etwas wohlgesinnter. Sie meinten, sie würden meine Akten kontrollieren und wenn alles in Ordnung wäre, würden sie mich vielleicht wieder frei lassen. Ich müsste bloß eine Strafe zahlen, da ich illegal im Land bin. Puuh, Erleichterung kam in mir hoch.

Alles dauerte ewig lange. Zuerst waren wir im Örtchen Tiquina auf der Polizeiwache. Später fuhren wir in den etwas größeren Ort Copacabana. Die Polizei fragte mich allen Ernstes, ob ich das Taxi dorthin zahlen könnte. Ich antwortete natürlich eiskalt mit "Nein, ich habe kein Geld". Die meinen doch wirklich ich bin komplett blöd. Sie schauten mich verwundert an und fragten wie ich denn dann reisen könnte. Ich wies sie erneut auf Couchsurfing hin. Außerdem würde ich manchmal auch Autostoppen. Ich musste mir eine kurze Moralpredigt anhören, wie gefährlich das als Mädchen sei, dann ging es weiter.

In Copacabana waren auch andere Polizeibeamte anwesend. Es wurde viel getuschelt unter ihnen. Ich fragte mich, was sie wohl zu verbergen hatten, bzw. welchen geheimen Plan sie schmiedeten. Es wurde auch allerhand dokumentiert, aber ich hatte keinen Einblick auf das Geschriebene. Ich fragte die Beamten, was denn nun mit Alejandra passieren sollte. Diese meinten, das Mädchen wäre seit Anfang Jänner vermisst und sie wären sich sicher Ernst hätte sie im Keller versteckt. Also jetzt reichts aber! Ich war eine ganze Woche bei Ernst und kann mit 100%iger Sicherheit bestätigen, dass das Mädel erst vor wenigen Tagen angekommen ist. Wieder einmal interessierte sie meine Aussage null. Auf alle Fälle wurde Alejandras Mama veständigt und diese werde das Mädchen abholen kommen.

Irgendwann spät in der Nacht, schien das Ganze vorerst ein Ende genommen zu haben. Die drei Dorfbewohner wurden zurück nach Hause geschickt. Der Polizeikommandat erklärte ihnen, dass sie dem Dorf verkünden sollten, dass Ernst nun eingesperrt werde und so schnell nicht wieder herauskomme. Sie hätten nun genügend Beweise, dass er Frauen- bzw. Kinderhandel und auch Drogenhandel betreibe. Am liebsten hätte ich die Polizei anzubrüllen begonnen, was ihnen eigentlich einfällt, eine solche Lügengeschichte zu erfinden. Ich wusste aber, dass ich mir im Moment nichts erlauben konnte, sonst werde ich mit Ernst eingesperrt und dann ist es schwer an Hilfe zu kommen. Die Polizei sagte also genau das, was das Dorf hören wollte - unglaublich.

Ich darf die Nacht in einem Hostel verbringen und Ernst wurde in seine Gefängniszelle gebracht. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie schrecklich es dort sein muss. Mir ist einfach bloß zum Weinen zumute. Ich verstehe nicht wie Menschen so böse und eiskalt sein können. Die Nacht werde ich damit verbringen, irgendwie Bekannte von Ernst aufzutreiben - vielleicht über seine Facebook-Freunde. Ich brauche dringend Hilfe, denn so ein kleines, blondes Touristenmädchen nimmt die Polizei hier sowieso nicht für voll.


Drückt mir bitte die Daumen!




Eine Fortsetzung dieses Berichtes findest du   => HIER <=









Freitag, 7. Juli 2017

Landleben am wunderschönen Titicacasee

By On Juli 07, 2017


Und immer noch bin ich im kleinen Dörfchen Chicharro am Titicacasee. Voraussichtlich werde ich noch ein paar Tage hier bleiben. Es fängt mir immer mehr zu gefallen an - das ruhige und friedliche Dorfleben, der leicht durchgeknallte Ernst und die noch durchgeknalltere Alejandra, usw. Bloß Luis hat uns heute Morgen verlassen - irgendwie glaube ich ja, es ist ihm ein wenig zu verrückt geworden *lach*. Man muss doch immer ein Auge auf die kleine Alejandra werfen, da sie viele verrückte Ideen hat, wie beispielsweise Handys, die herumliegen, auseinanderbauen und dergleichen. Aber sonst ist sie ganz lieb und hilft mir auch immer mit voller Begeisterung beim Kochen.

Heute Morgen fuhren Ernst, Alejandra und ich zum wöchentlichen Markt in Ojje - es sei dazugesagt: alle zu dritt auf einem Moped. Am Markt deckten wir uns mit Obst und Gemüse für die nächsten Tage ein. Richtig voll beladen, machten wir uns auf den Rückweg. Dabei ging mir manchmal ganz schön die Sause, denn wir waren wirklich etwas überladen und ich bin mir über Ernsts Fahrkünste nicht ganz sicher.

Ansonsten habe ich hier viel Zeit zum Schreiben meines Buches, zum Wandern und einfach nur Relaxen.

das Dörfchen "Chicharro"

Alejandra und Ernst

Alejandra und ich


Alejandra und Luis gestern Abend beim Schach spielen


Mittwoch, 5. Juli 2017

Kartoffeln auf Andino-Art - Chuño

By On Juli 05, 2017


Die Situation hier in dem kleinen Dörfchen Chicharro beim leicht verrückten, vorarlbergerischen Taubenliebhaber Ernst wird immer noch verrückter. Gestern kam ein 21-jähriges Mädel namens Alejandra aus La Paz an. Weder sie noch Ernst wissen wie sie genau hierher kam, noch wie lange sie hier bleiben wird. Das Einzige was wir wissen ist, dass sie auch der Religion Hare Krishna angehört und sie sich vielleicht deshalb kennen könnten. Auf jegliche Fragen gibt die Kleine jedes Mal total verschiedene Antworten. Zuerst erzählte sie uns, dass sie Architektur studieren würde. Heute war es dann plötzlich Medizin. Außerdem starrt sie teilweise eine halbe Stunde ins Nichts und leidet meiner Meinung nach an Kleptomanie. Alles was im Haus so verschwindet finden wir in ihrem Rucksack wieder.

Luis - glaube ich - wird das Ganze schön langsam ernsthaft unheimlich. Er ist der Meinung, dass diese Religion eventuell so etwas wie Hirnwäsche mit ihren Anhängern betreibt. Ich selbst bin immer noch im Zwiespalt ob es sich vielleicht um zu viele Drogen oder eine psychiatrische Krankheit handelt. Aber gut, mal sehen was die nächsten Tage so bringen.

Erkundungswanderung 

Luis und ich machten auf alle Fälle heute einen weiteren Titicaca-Erkundungstag. Lustigerweise kennen auf der Halbinsel so gut wie alle den verrückten Gringo mit der Taube.




Herstellung von Chuño

Wir trafen eine einheimische Frau, die gerade mit ihren nackten Füßchen auf Kartoffeln herumtrampelte. Als wir sie fragten was sie da mache, klärte sie uns gleich ausführlich auf. Auf diese Art würde man Chuño herstellen. Es handelt sich dabei um getrocknete Kartoffeln. Sie werden in einem rustikalen Prozess im Andenhochland hergestellt. Auf einer grasbewachsenen Fläche werden die Kartoffeln ausgelegt, wo sie über Nacht einfrieren. Am nächsten Tag werden sie mit nackten Füßen getreten, um sie auszutrocknen. Dieser Vorgang wird meist drei Nächte und drei Tage wiederholt. Übrig bleibt Chuño, der sogar Jahre später noch gegessen werden kann. Vor dem Kochen muss der Chuño einige Stunden in Wasser eingelegt werden, bis er schön weich ist. Danach kocht man ihn.



Gegessen habe ich Chuño schon mehrere Male - ist etwas gewöhnungbedürftig, aber nicht schlecht. Trotzdem sind mir normale Kartoffeln lieber ;)




Dienstag, 4. Juli 2017

Schwimmen im Titicacasee

By On Juli 04, 2017

Bis Freitag war ich letztendlich in La Paz. Danach machte ich mich wieder in Richtung Peru auf. Da mein Weg sowieso über den Titicacasee führte, beschloss ich Ernst nochmals in seinem kleinen idyllischen Dorf Chicharo zu besuchen. Ihr könnt euch bestimmt an ihn erinnern - den leicht verrückten Vorarlberger, der hier in einem winzigen 30-Mann Dorf mit seiner Taube wohnt.

Titicacasee


Ernst freute sich sehr über meinen Besuch. Am Sonntag stieß dann sogar noch Luis - der Spanier, mit dem ich nun einige Zeit in Bolivien gereist bin - zu uns hinzu. Das war eine willkommene Abwechslung für mich, da ich nun endlich jemanden habe, der mich bei meinen Erkundungstouren begeleiten kann.

Wandern rund um Chicharro 

Gestern wanderten Luis und ich gleich quer über die Halbinsel. Es ist fast nicht in Worte zu fassen, wie malerisch schön die Gegend hier ist. Unzählige klitzekleine Dörfchen, der tiefblaue Titicacasee und eine absolut idyllische Landschaft.



Die Einheimischen am Titicacasee...

Bloß bei den Einheimischen sind wir uns nach wie vor nicht sicher, wie sie uns gesinnt sind. Eigentlich ist die Gegend hier absolut nicht touristisch, also es wandern bestimmt nicht jeden Tag Ausländer durch das Dorf. Einige Einheimische winken uns von Weitem zu und sind auch sehr gesprächig, andere widerum beachten uns überhaupt nicht. Sie drehen sich sogar weg, wenn wir ihnen am Weg entgegenkommen und grüßen auch nicht. Das Interessante ist, dass es nichts zwischen diesen zwei Extremen gibt - also entweder superfreundlich oder wirklich sehr unfreundlich.

Schwimmen im eiskalten Titicacasee

Auf unserer Wanderung entdeckten wir einen wunderschönen, steinigen Strand am Titicacasee. Die Temperaturen hier auf fast 4.000 m Seehöhe sind zwar nicht gerade Badetemperaturen - tagsüber hat es maximal 15°C und nachts gehen die Temperaturen auf -5°C herunter . Dadurch, dass wir auf dieser Höhe der Sonne jedoch sehr nahe sind, kann es bei wolkenlosem Himmel ganz angenehm sein. Luis und ich überlegten nicht lange uns schmissen uns ins kühle Nass. Erfrischend war es auf alle Fälle - das Wasser hat um die 10°C. Doch wenn man ein windstilles Plätzchen findet und die Sonne vom Himmel strahlt, ist es halb so wild. Fazit: Auf alle Fälle empfehlenswert!!

Schwimmen im Titicacasee












Donnerstag, 29. Juni 2017

Wieder in La Paz

By On Juni 29, 2017


Unsere wirklich sehr liebe Gastfamilie in Cochabamba, hatte am nächsten Tag für mich und Luis schon Teil 2 der Sightseeing Tour durch die Stadt parat. Da das wirklich überhaupt nicht meins ist und das doch etwas anstrengend sein kann, wenn jemand einem den ganzen Tagesplan vorgibt, beschloss ich am Montag frühmorgens spontan weiter nach La Paz zu fahren. Luis dagegen fuhr in ein Dorf in der Nähe von Cochabamba, um dort auf einer Farm mitzuarbeiten. Somit trennten sich unsere Wege vorerst wieder.

Die Fahrt nach La Paz mit dem Bus dauerte knappe 9 Stunden - gesagt wurde mir 7 *lach* - und kostete 40 Bolivianos (= 5,20 Euro). Da ich ja einige Sachen bei Soki, meinem vorherigen Couchsurfing Gastgeber, in La Paz gelassen hatte, kam ich auch diesmal wieder bei ihm unter. Außerdem fühle ich mich in seinem Haus pudelwohl. Ich werde nun einige relaxte Tage hier in La Paz verbringen und mich dann auf den Rückweg nach Peru machen.

Ilke, Esefania & ich
Heute gingen Soki (mein Couchsurfing Gastgeber), Estefania (aus Brasilien), Ilke (aus Deutschland) ein wenig wandern - rund um La Paz gibt es dazu zahlreiche Möglichkeiten. 




Blick über La Paz




Samstag, 24. Juni 2017

Wanderung zu den Wasserfällen "Siete Cascadas" in Sucre

By On Juni 24, 2017


Der heutige Tag startete sehr gemütlich mit ein paar hausfräulichen Tätigkeiten wie Wäsche waschen. Danach machten Luis und ich uns ein leckeres Frühstück.

Der weitere Plan des Tages war eine Wanderung zu den "7 Cascadas" (auf deutsch: 7 Wasserfälle). Gonzalo, unser Gastgeber, erklärte uns welchen Bus wir zum Startpunkt der Wanderung nehmen müssen. Leider stimmte seine Beschreibung nicht ganz, doch auf einigen Irrwegen kamen wir schlussendlich ans Ziel. Der Vorteil unseres Verirrnisses war, dass wir ein kleines Restaurant mit köstlichem - und vor allem billigen - Mittagessen fanden.

Wanderung zu den "7 Cascadas"

Die Wanderung zu den Wasserfällen, startet in dem kleinen Dorf Villa Alegría, das sich etwa 20 Fahrminuten außerhalb von Sucre befindet. Vom Zentrum aus fahren regelmäßig Minibusse dorthin. Die Wanderung führt durch eine sehr beeindruckende Gegend. Wir brachten etwas weniger als eine Stunde zu den Wasserfällen. Zu unserer Freude waren trafen wir auf fast niemanden. Gestern waren wir nämlich im Tourismusbüro von Sucre und haben gefragt, wo man den hier in der Gegend schön wandern gehen könnte. Diese erklärten uns, dass wir alleine gar  nirgends hingehen könnten, da es zu gefährlich wäre und wiesen uns bloß auf diverse Tourveranstalter hin. Da Luis und ich uns in dieser Sache zum Glück sehr einig sind, dass geführte Touren ein Grauen für uns sind, haben wir dem Rat der Dame nicht viel Beachtung geschenkt. Es gibt doch nichts Schöneres Natur in Ruhe zu genießen, anstatt mit einer Riesenherde Touristen irgendwo herumgetrieben zu werden. Und die Wasserfälle scheinen doch noch eher ein Geheimtipp zu sein. Und gefährlich war gar nichts. Der Weg war gut zu finden und die Einheimischen, auf die wir trafen supernett. Die Wasserfälle befinden sich in einer Schlucht. Zu den hinteren Wasserfällen muss man etwas klettern.

am Ende dieser Schlucht befinden sich die Wasserfälle






Weizenaufteilung in einem kleinen Bauerndorf und der See "Llimphi"

Luis und ich sahen auf der Landkarte, dass ein kleiner See namens Llimphi nicht unweit sein sollte. Wir beschlossen dorthin zu wandern. Dies stellte sich jedoch als kleine Herausforderung heraus, da kein Weg dorthin führte. Es war somit eine Mischung aus klettern und sich durchs Gestrüpp kämpfen - aber auf alle Fälle Abenteuer! Auf unserem Weg dorthin trafen wir auf ein paar sehr abgeschieden gelegene Bauernhäuser aus Lehm. Die Einheimischen musterten uns, waren jedoch nicht besonders redselig. Ich bin mir nicht sicher, ob sie einfach kein spanisch sprachen oder nicht mit uns reden wollten - oder einfach nur schüchtern waren. Jedenfalls erhielten wir nicht viel Antwort auf die Frage, wie wir denn zum See kommen könnten.

In einiger Entfernung sahen wir eine Gruppe von etwa 30 Bauern und Bäuerinnen stehen. Wir näherten uns vorsichtig. Man weiß ja nicht, was diese Leute davon halten, wenn irgendwelche Touristen hier auf ihren Grundstücken herumirren. Aber siehe da, sie winkten uns gleich heran. Wie sich herausstellte waren sie gerade dabei, das gemeinsam angebaute Weizen aufzuteilen. Wir wurden auch sogleich mit einer Riesentüte Weizenkörner beschenkt.

Bauern bei der Weizenaufteilung

der kleine Kuhhirte bei der Arbeit :D




Als wir später den See erreichten, stellte sich heraus, dass er wirklich nichts Besonderes war - bloß ein kleiner, derzeit fast ausgetrockneter Stausee. Aber dafür war der Weg hierher eindeutig sehenswert.



Freitag, 23. Juni 2017

Autostopp-Abenteuer: Von Uyuni nach Sucre im Lieferwagen

By On Juni 23, 2017

Spontane Planänderung

Wir saßen also auf der Ladefläche des Lieferwagens der einheimische Familie, die wir in der Salzwüste getroffen hatten. Nachdem Ritah uns erzählte, dass sie heute noch in Richtung Sucre fahren werden, schaute Luis mich an und meinte: Sollen wir auch? Nach nicht allzu langem Überlegen, stimmte ich natürlich zu. Wir fragten Ritah, was sie dazu sagen würde und diese strahlte gleich über das ganze Gesicht und meinte, dass Umberto bestimmt nichts dagegen hat. Und siehe da, dieser meinte, das sei überhaupt kein Problem. Wir sollten schnell unsere Rucksäcke packen, sie würden in der Zwischenzeit auf uns warten. Wir stiegen also in Uyuni aus. Ich packte meinen Rucksack und versuchte den Freund meines Couchsurfing Gastgebers zu kontaktieren, um ihm die Schlüssel der Wohnung zurück zu geben. Meinen Gastgeber selbst habe ich nie kennen gelernt - schade. Aber diese einmalige Chance nach Sucre mitgenommen zu werden, konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen.



Eine Nacht am Lieferwagen

Das Abenteuer konnte also beginnen. Luis und ich schmissen unsere Rucksäcke auf die Ladefläche des Liegerwagens und machten es und dort zwischen jeder Menge Kleidersäcke bequem. Mit uns Ritah und Ruth. Die Mädels fragten uns neugierig über unsere Reise aus. Noch  nie hätten sie mit einem Gringo (=Ausländer) gesprochen, meinten sie. Wow. Es wurde nun dunkel und auch bitterkalt. Wir hatten eine klitzekleine Matratze auf der Rückbank, auf der wir uns alle vier zusammen kuschelten und uns mit einer Decke zudeckten. Gegen Mitternacht hielten wir an. Umberto meinte, er müsse einige Stunden schlafen, dann sollte es weitergehen. Wir schliefen also zu viert auf einer Matratze, was den Vorteil hatte, dass es nicht so kalt war, dafür war es aber richtig richtig eng. Deshalb schlief ich auch nicht besonders viel, aber das Abenteuer war es eindeutig wert. Flora, Umberto und die zwei Babys schliefen vorne auf den Fahrersitzen.

Ruth, Ritah, Luis und ich

So viel Gastfreundschaft auf einmal....

Gegen 6 Uhr morgens, setzte sich unser Lieferwagen in Bewegung. Gegen 9 Uhr stoppten wir in einer unfassbar schönen Gegend an einem Fluss. Die Familie packte ihren Gaskocher aus und sie begannen zu kochen. Ganz selbstverständlich teilten sie ihr Frühstück mit uns. Dann wurde auch schon das Mittagessen zubereitet: Reis, Kartoffeln und etwas Salat. Wir waren wirklich sehr gerührt von der Gastfreundschaft dieser Leute. Es ist wirklich meist so, dass Menschen die wenig haben Teilen als so selbstverständlich ansehen. Eigentlich dachten Luis und ich, dass wir wohl heute morgen in Sucre ankommen werden. Doch damit war nichts. Die Familie wollte hier am Fluss auf der schönen Brücke ein weiteres Tanzvideo drehen. Aber gut, wir hatten ja sowieso nichts vor, deshalb war das ganz in Ordnung.

der wunderschöne Fluss


die kleine Mili

beim Zubereiten des Mittagessens


Luis und ich beschlossen also in der Zwischenzeit die Gegend zu erkundschaften. Wir trafen auf zwei ältere Damen, die am Feld arbeiteten. Die zwei waren super lieb und spannten uns auch gleich ein, ihnen beim Zwiebel ernten zu helfen. Das taten wir natürlich gern. Am Ende schenkten sie uns dann sogar jede Menge Zwiebel. Unglaublich, wieviel Gastfreudschaft wir in letzter Zeit erfuhren.

hier helfe ich den netten Damen beim Zwiebel ernten


Wir schauten dann noch ein bisschen beim Tanzvideo drehen zu. Die Hälfte der Zwiebel schenkten wir natürlich der Familie, welche sich sehr darüber freute. Dann ging es weiter nach Surce. Dort verabschiedeten wir uns von dieser wundervollen Familie. Dieses Erlebnis werde ich bestimmt nicht so schnell vergessen.

Das Leben eines Langzeitreisenden

In Sucre trafen wir auf unseren Couchsurfing Gastgeber Gonzalo. Zum Abendessen machten Luis und ich uns auf zum lokalen Markt. Wir fanden super leckeres Abendessen für umgerechnet einen Euro. Es war so köstlich, dass wir um Nachschub baten, welchen uns die nette Dame nicht einmal verrechnete. Am Nachhauseweg mussten wir schmunzeln darüber, wie sich das Leben als Langzeitreisender mit geringem Budget so verändert. Zuhause isst man ein Abendessen für 20 Euro und gibt noch 5 Euro Trinkgeld. Hier essen wir für 1 Euro und bitten um Nachschub, den wir gratis bekommen.



Donnerstag, 22. Juni 2017

Salar de Uyuni - die größte Salzwüste der Welt

By On Juni 22, 2017

Nach einer bitterkalten Nacht - das Eis auf den Straßen schmilzt hier nicht einmal tagsüber - machten Luis und ich uns auf, in Richtung Salar de Uyuni. Salar de Uyuni ist mit über 10.000 km² die größte Salzwüste auf der ganzen Welt. Sie liegt auf 3.653 m und wurde vor über 10.000 Jahren durch das Austrocknen des Paläosees Tauca gebildet. Jährlich werden einige Tonnen Salz abgebaut.

die endlosen Weiten der Salzwüste


Salar de Uyuni auf eigene Faust

Da wir die Salzwüste auf eigene Faust erkunden wollten, mussten wir zuerst in den Ort Colchani, welcher etwa 20 km vom Ort Uyuni entfernt liegt. Wir beschlossen es mit Autostoppen zu versuchen. Leider mit wenig Glück. Nach einer Stunde vergebenen Wartens beschlossen wir zu gehen. 20 km wären zwar etwa 4 Stunden Gehzeit,  aber was solls. Kaum losgegangen, kam ein total überfülltes Auto an - eine ganze Großfamilie war dort hineingequetscht. Und siehe da, sie nahmen uns doch glatt mit.

der Ort Colchani

Von Colchani aus sind es nur noch 5 km bis zur Salzwüste. Wieder hatten wir Riesenglück, denn ein Jeep nahm uns die letzten Kilometer mit. Wir standen nun am Beginn einer unendlich scheinenden, weißen Ebene. Alles Salz. Wow, wir kamen aus dem Staunen nicht heraus. Kein Schatten, kein Leben, keine Hügel, kein gar nichts - nur eine ewige Weite - weißes Salz und darüber der blaue Himmel. Wir begannen also loszumarschieren. Mehrmals wurden wir gewarnt wie gefährlich es sei, sich in dieser Salzwüste zu verlaufen. Wir versuchten uns ein wenig an den weit entfernten Bergen zu orientieren.

alles Salz ;)

ein Salzruine

Mittagessen in der Salzwüste


Wir machten ein paar lustige Experimente. Beispielsweise versuchten wir fünf Minuten lang mit geschlossenen Augen gerade aus zu gehen. Das ist hier nämlich der perfekte Ort dafür, da man sich an nichts stoßen kann. Wir staunten nicht schlecht, denn als die paar Minuten vergangen waren, war ich ganz wo anders als Luis und außerdem schienen wir beide irgendwie im Kreis gegangen zu sein - verrückt! Und natürlich machten wir auch jede Menge Fotoexperimente.

unsere Fotoexperimente in der Salzwüste







Der Rückweg nach Colchani zog sich ewig, denn die Gegend ist doch sehr monoton. Plötzlich sahen wir in nicht allzu weiter Ferne ein paar Einheimische in der Salzwüste tanzen. Wir steuerten natürlich sofort auf sie zu. Diese drehten gerade ein Tanzvideo, wie sie uns erklärten. Zwar nicht sonderlich professionell, dafür schienen sie aber jede  Menge Spaß dabei zu haben. Die Familie forderte uns sogleich auf mitzutanzen. Als wir ihnen erzählten, dass wir später zurück nach Uyuni müssten, meinten diese gleich, wir sollten doch auf ihren Lieferwagen aufspringen. Sie müssen auch in die selbe Richtung. Wow, so viel Glück an einem Tag.




Die Familie besteht übrigens aus zwei Erwachsenen: Umberto und Flora, ihren zwei Babys, der 15-jährigen Schwester von Flora: Ritah und der 18-jährigen Kusine: Ruth. Sie verdienen ihr Geld durch das Verkaufen von Klamotten, mit dem ihr Lieferwagen randvoll gefüllt ist und versuchen es mit Tanzvideos. Derzeit reisen sie durch ganz Bolivien, um eben ihre Klamotten zu verkaufen und ihre Videos zu drehen.

Es ging also los: Luis, Ritah, Ruth und ich auf der Ladefläche und die anderen vier vorne. Ritah meinte, dass sie heute Nacht noch in Richtung Sucre aufbrechen würden. Luis schaute mich an und meinte: Sollen wir mit?

Ich, Luis, Ruth Ritah auf der Ladefläche des Lieferwagens... zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass wir die nächste 24 Stunden auf dem Gefährt verbrinen werden ;)


Da ich schon recht müde bin folgt die Fortsetzung dieser spannenden Geschichte morgen ;)