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Sonntag, 8. Dezember 2019

"Atmashree" - 4-tägiges Yoga Retreat

By On Dezember 08, 2019

Die letzten vier Tage absolvierte ich ein Yoga-Retreat am Phewa-See. Ich bin wirklich restlos begeistert und habe deshalb noch einen Tag zusätzlich zu den geplanten drei Tagen drangehängt. Atmashree Yoga liegt etwa 30 Gehminuten außerhalb von Pokhara an einem äußerst idyllischen Fleckchen mit direktem Blick auf den See.

Ausblick von meinem Balkon auf den Phewa-See

Anfangs waren vier Holländer und ein Deutscher mit mir dort, am Ende waren es aber nur noch ich und eine Holländerin. Das Ganze war eine absolute Wohltat für Körper, Geist und Seele. Der Tagesablauf sah mehr oder weniger so aus:

6:00 Uhr: Morgenmeditation oder meditative Wanderung mit wunderschönen Sonnenaufgängen über dem See. Reinigungstechniken.
7:00 Uhr: Hatha Yoga
9:00 Uhr: Frühstück
10:00 Uhr: Freizeit
12:00 Uhr: Entspannungsyoga, Meditation
13:00 Uhr: Mittagessen
14:00 Uhr: Freizeit
16:30 Uhr: Tee
17:00 Uhr: Hatha Yoga, Pranayama, Mudra & Bandha
19:00 Uhr: Abendessen
20:00 Uhr: Chanting, Meditation, Konzentrationsübugen
21:00 Uhr: Schlafen

Ingesamt waren es täglich so etwa drei Stunden Yoga, was schon ordentlich an die Substanz ging und mir einen spürbaren Muskelkater bescherte. Aber ich muss sagen, dass ich in diesen wenigen Tagen wahnsinnige Fortschritte gemacht habe und sehr viel Neues dazulernte. 

Die Reinungstechniken waren zudem noch sehr spanndend. Morgens machten wir eine Nasenspülung mit etwa einem halben Liter warmen Salzwasser. Dabei beugt man den Oberkörper nach vorne und schüttet die Flüssigkeit mit einer speziellen Kanne in das eine Nasenloch, während sie dann aus dem anderen Loch wieder austritt. Die Nase ist danach wunderbar frei.

Nasenspülung


Am dritten Tag machten wir eine Magen- und Darmreinigung. Das ist bestimmt nicht jedermanns Sache, aber ich wollte es auf alle Fälle ausprobieren. Dabei trinkt man auf nüchternen Magen zwei Gläser warmes Salzwasser (jeweils 250ml). Danach macht man spezielle Yoga-Übungen um die Darm anzuregen. Danach trinkt man nochmals zwei Gläser und macht wieder die Übungen. Das Ganze wird so oft wiederholt bis man auf die Toilette muss. Bei mir brauchte es insgesamt acht Gläser. Dann ging es aber ordentlich los. Etwa eine halbe Stunde verbrachte ich am Stillen Örtchen, bis sich das alles wieder halbwegs beruhigte. Dann mussten wir so viele Gläser wie nur möglich von der Salzwasserbrühe trinken. Irgendwann erbricht man das Zeug dann schwallartig. Diese Technik reinigt den Magen. Mein Körper wehrte sich jedoch recht dagegen und ich musste nochmals ganze sieben Gläser voll trinken (während für andere zwei schon genug waren). 
Nach diesem Prozedere bekamen wir gekochten Reis und Obst zum Frühstück. Im Nachhinein muss ich sagen, dass sich mein Körper richtig gut anfühlte - obwohl es sich schon sehr gewöhnungsbedürftig anfühlt gemeinsam mit anderen in der Wiese zu stehen und zu erbrechen. Aber auf jeden Fall eine spannende Erfahrung.

Ansonsten fühlte sich das Retreat wie ein wahrer Wellness Urlaub an. Wir bekamen  zudem Massagen und äußert gesundes vegetarisches Essen mit viel Gemüse und Früchten. Am Nachmittag hatten wir etwa 2,5 Stunden Freizeit, welche ich für kleine Wanderungen um den See nutzte.




Rund um den Phewa-See gibt es sehr viele verschiedene Yoga-Retreat-Zentren. Ich kann das Atmashree Yoga aus vollem Herzen weiterempfehlen, falls jemand daran interessiert ist. Die Lehrer hier sind wirklich äußerst kompetent und die Lage ist perfekt. 

Nun werde ich noch ein paar Tage in Pokhara entspannen und dann geht es am 13.12. zurück nach Kathmandu, da ich dort am 14.12. mein 10-tägiges Vipassana (=Schweigemeditation) starten werde. 





Samstag, 15. September 2018

Jungfrau Marathon 2018

By On September 15, 2018


Wahrscheinlich hat sich jeder schon mal darüber Gedanken gemacht, welche zehn oder vielleicht sogar 100 Dinge man im Leben einmal getan haben sollte. Bei mir stand auf dieser Liste auf alle Fälle ganz oben "einmal einen Marathon laufen". Das Laufen gehört ja schon seit Längerem neben dem Bergsteigen zu meinen Lieblingshobbies. Bereits in der Grundschule war ich bei den Laufwettkämpfen immer vorne dabei und hatte auch großen Spaß daran. Vor einigen Jahren war ich dann beim Salzburg Halbmarathon dabei und war sehr überrascht, dass ich ohne viel Training eine gar nicht so schlechte Zeit  lief. Und nun bin ich tatsächlich meinen allerersten richtigen Marathon gelaufen - und das gleich mit 1.800 Höhenmetern: den Jungfrau Marathon in der Schweiz. Ich glaube das Lauffieber hat mich nun richtig gepackt...




Wie es dazu kam...
Ich muss zugeben, dass ich nicht ganz freiwillig zu diesem Vergnügen kam. Mein ehrenwerter Papi hat mir schlicht und einfach zu meinem 30. Geburtstag einen Startplatz für den Jungfrau Marathon geschenkt *lach*. Aber er kennt mich ja gut genug und wusste, dass für mich so etwas eine absolut willkommene Herausforderung sein wird. Zudem war die Anmeldung zum Marathon bereits im Februar diesen Jahres - ich hatte also noch ausreichend Zeit zum Trainieren.


Mein Papi und ich kurz vor dem Start

Das Training
Ehrgeizig wie ich bin, begann ich auch gleich ordentlich zu trainieren. Das gestaltete sich anfangs nicht ganz komplikationslos. Immerhin ist es gar nicht so gut, gleich von null auf hundert voll durchzustarten. Das wurde mir dann durch ein wochenlang schmerzendes Knie-Seitenband und eine beleidigte Achillessehne ganz deutlich aufgezeigt. Aber ich ließ mich davon nicht lange abhalten. Nach einer fast ein-monatigen Laufpause, in der ich ein ganz tolles Marathon Buch zur Motivation gelesen hatte, startete ich dann langsam wieder mit dem Training und begann nun auch mehr Krafttraining und Stretching einzubauen.

Im Endeffekt war die Trainingszeit geprägt von sehr vielen Auf und Ab´s, aber ich denke das muss auch genau so sein. Im letzten Monat vor dem Marathon bekam ich dann so richtig Stress und begann meinen Laufumfang ordentlich zu steigern und auch auf meine Ernährung mehr zu achten. Nicht, dass ihr jetzt denkt, ich wollte da auf irgendeine neue Bestzeit hintrainieren. Mein einziges Ziel war es im vorgegeben Zeitrahmen das Ziel zu erreichen. Und das ist bei dieser Strecke und dem doch recht knappen Zeitrahmen schon eine ordentliche Herausforderung, vor allem wenn es sich um den ersten Marathon handelt.

Ich muss noch erwähnen, dass natürlich auch mein Papa beim Marathon angemeldet war. Zudem konnte ich noch meine Freundin Anki und meinen Kumpel Werner überreden mitzumachen. Und die drei waren auch ein riesengroßer Ansporn für mich. Werner hat eine eigene kleine Firma und Anki hat bereits eine Familie, von daher wusste ich, dass es für sie noch um einiges härter sein wird, Zeit zum Trainieren zu finden. Wir motivierten uns aber stets gegenseitig indem wir unsere Laufeinheiten auf Strava oder Runtastic teilten. Immer wenn ich sah, dass einer von ihnen einen langen Lauf hinlegte, motivierte mich das umso mehr, sie gleich wieder zu übertrumpfen *lach*. Und natürlich ermunterten wir uns gegenseitig in unseren Down-Phasen weiter zu machen.


Der Tag X
Nun war es soweit. Der sozusagene Tag X stand vor der Tür. Meine Familie und Freunde aus Österreich reisten am Vortag an. Wir waren alle ordentlich nervös. Die Nacht davor war ich von schrecklichen Kopfschmerzen geplagt. Keine Ahnung woher die plötzlich kamen, so etwas habe ich nämlich normalerweise nie - wahrscheinlich war es tatsächlich bloß die Aufregung. Besonders gut geschlafen habe ich auch nicht. Man muss auch dazu sagen, dass in der Nacht sieben Leute in meiner Ein-Zimmer-Wohnung schliefen.

Nach einem kurzen Frühstück (für mich gab es Kartoffeln mit Salz) begaben wir uns nach Interlaken. Dort war der Start. Unglaublich was da in dem kleinen Örtchen plötzlich los war. Über 4.000 Starter und noch viel mehr Zuschauer. Plötzlich wurde ich richtig nervös. Im Minutentakt musste ich auf die Toilette. Vor den Dixi Klos standen bereits ewig lange Menschenschlangen an. Mit ganz viel Glück konnten wir uns in ein schönes kleines Hotel schwindeln und verbrachten dann die Zeit bis zum Start dort. Immerhin hatten wir es da schön warm und konnten unserem ständigen Harndrang gut nachgehen ;)


Der Lauf
Dann ging es in letzter Minute zur Startaufstellung. Leute, ich sag´s euch, das Feeling war unglaublich. Immerhin drehte sich mein ganzes Jahr 2018 um genau diesen Tag und diesen Marathon, der nun in wenigen Sekunden starten sollte. Genau das wurde mir immer mehr bewusst. Mein Herz raste. Wir umarmten uns alle nochmals ganz fest und wünschten uns viel Glück.

Mein Papa, ich, Anki und Werner in der Startaufstellung


Nun ging es los. Plötzlich begann sich die Masse zu bewegen, und das auch noch ziemlich schnell. Ich bemerkte das anfangs gar nicht. Erst als Anki mir das aktuelle Tempo sagte, wurde mir klar, dass wir einen ordentlichen Speed hinlegten. Ich versuchte nicht zu schnell zu laufen. Aus irgendeinem Grund sind bei mir die ersten 5-10 km sowieso immer eher zäh. Wenn ich dann mal warm bin geht´s  meistens um Einiges besser.

Irgendwann waren Anki und Werner vorne, mein Papi und ich weiter hinten. Das störte mich aber nicht. Nachdem wir das Örtchen Bönigen passierten, musste ich schon wieder pinkeln. Ich machte keine große Sache draus und ging einfach schnell hinter einen Busch.

Ich war immer noch mega aufgeregt. Aber ich merkte, dass ich kontinuierlich Leute überholte. Irgendwann bei Lauterbrunnen, traf ich dann wieder auf Werner. Ich freute mich unglaublich, nach über 20 Kilometern ein bekanntes Gesicht zu sehen. Ich sprühte nun förmlich vor Energie. Nach einem kurzen Plausch überholte ich ihn. Kurz vor der steilsten Steigung des Laufes, also unter Wengen, traf ich dann auch noch auf Anki. Sie wirkte etwas gequält und klagte über Übelkeit. Wir liefen ein Stück gemeinsam. Ich war immer noch überraschend energiegeladen und überholte auch sie irgendwann.



Dann meldete sich plötzlich mein Knie-Aussenband. Kurzzeitig brach eine Welt für mich zusammen. Ja, ich glaube ich hätte fast zu heulen begonnen. Ich hatte so unendlich viel Energie und war so adrenalingeladen. Aber ich wusste, dass mir dieses blöde Seitenband alles zunichte machen konnte. Bei der nächsten Massage-Station ließ ich mich etwas massieren und bettelte die Physiotherapeutin an, mir ein Schmerzmittel zu geben. Sie weigerte sich. Wenn es weh tue sollte ich doch aufhören, das sei ein Zeichen des Körpers. Na gut, sie hatte nicht ganz unrecht, aber heute an diesem speziellen Tag würde ich niemals einfach so aufhören. Es ging weiter. Ich überholte immer noch fortwährend Leute. Das war teilweise gar nicht so einfach, da der Weg zu schmal war. Mein Außenband tat kontinuierlich weh, aber es wurde zum Glück nicht mehr.



Mein Papa hat mich schon vorgewarnt, dass ab etwa Kilometer 35 der "Mann mit dem Hammer" kommen wird, was heißen sollte, dass es dann richtig zäh wird und man sich  mit Aufgebens-Gedanken herumschlagen muss. Ich wartete auf diesen Mann vergeblich. Die Kilometer zogen nur so vorbei an mir. Ich fühlte mich fast wie Super-Woman. Überall waren Menschen, die anfeuerten. Es war einfach alles perfekt. Als dann der Single Trail begann, war ein Überholen schlichtweg unmöglich. Das nervte mich zwar kurz, aber die atemberaubende Gegend, die Eiger-Nordwand vor der Nase und das absolut perfekte Wetter machten alles wieder gut. Kurz vor Kilometer 41 kam der Mann mit dem Dudelsack. Von einigen Youtube Videos her wusste ich, dass es nach ihm nur noch bergab bis zur Kleinen Scheidegg ging. Außerdem wusste ich in dem Augenblick, dass ich es schaffen werde. Dass ich in einigen Minuten durch das Ziel laufen werde. Das war für mich in dem Moment alles so emotional berührend, dass ich mit den Tränen kämpfte. 

Nun ging es nur noch bergab. Ich war immer noch so energiegeladen, wie niemals zuvor in meinem Leben. Wenige Momente später lief ich nach 5 Stunden und 13 Minuten überglücklich durch das Ziel. Dort erwartete mich bereits meine Mama, mein Bruder und ein Kumpel. Es war bestimmt einer der schönsten und aufregendsten Augenblicke meines ganzen Lebens.

Überglücklich beim Zieleinlauf


Ich bin immer noch total geflasht von diesem Erlebnis! Und ich kann mich ziemlicher Sicherheit sagen, dass das bestimmt nicht mein letzter Marathon war.


Die stolzen Finisher des Jungfrau Marathon 2018: Werner, Anki & ich




Facts

✅ Start: Interlaken
✅ Ziel: Kleine Scheidegg
✅ Länge: 42,195 km
✅ 1.800 Höhenmeter
✅ Zeit: 5 Stunden und 13 Minuten




=> Mehr Fotos zum Jungfrau Marathon 2018 <=



Dienstag, 29. Mai 2018

Mein erster Ultramarathon

By On Mai 29, 2018



Ich kann es noch gar nicht richtig fassen, dass ich nun meinen allerersten Ultramarathon erfolgreich hinter mir habe. Den Traum einmal im Leben einen Marathon zu laufen, erfüllte ich mir bereits letztes Jahr beim Jungfraumarathon in der Schweiz. Dass mich das Lauffieber aber dermaßen packt, dachte ich damals noch nicht. Doch dieser Lauf erweckte ungeahnte Glücks- und vor allem auch Erfolgsgefühle in mir, dass ich mich kurz darauf - gemeinsam mit meinem Papa und einem Kumpel - zu meinem ersten Ultramarathon anmeldete, nämlich dem Schwarzach Ultra Trail in Österreich, der über 47 km, 2.600 Höhenmeter und vier Berggipfel führt. Falls du dich jetzt fragst was nun eigentlich der Unterschied zu einem normalen Marathon ist: Ein Ultramarathon übersteigt die normale Marathondistanz, das heißt er ist länger als 42,195 km.

Die Liebe zum Trailrunning gefunden ♥️

Faszination Ultramarathon
Okay, deine nächste Frage ist nun bestimmt: Warum tut man sich so etwas an? Darüber könnte ich nun wirklich Ewigkeiten schreiben, aber ich beschränke mich nun auf die wichtigsten Punkte. Zum einen finde ich es faszinierend zu was der menschliche Körper imstande ist. Nun bin ich letztes Jahr meinen ersten Marathon gelaufen und dieses Jahr schon einen Ultramarathon. Und das tatsächlich ohne außerirdisch viel Training. Die körperliche Fitness ist hierbei nur das eine, das andere ist die mentale Stärke, die zählt. Diese finde ich noch viel spannender.

Der nächste Punkt ist, dass es mich einfach unheimlich entspannt stundenlang durch die Natur zu rennen, abzuschalten und meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Ein Straßenmarathon wäre demzufolge nichts für mich. Ich liebe Trails. Am liebsten laufe ich allein und einfach drauf los. Dabei erkunde ich gerne neue Wege. Wenn es passt, laufe ich auch noch gern zu zweit. Außer natürlich bei einem Wettkampf, da stören mich die vielen Menschen nicht, da sie die Stimmung erst so richtig grandios machen.

Natürlich packt mich in der Vorbereitung auf so einen Wettkampf auch immer ein bisschen der Ehrgeiz. Das ist dann tatsächlich mit so etwas wie einem leichtem Druck verbunden, den ich mir setze. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass es ein Druck ist, der gut tut und sogar Spaß macht. Während der intensiveren Trainingszeit dachte ich mir zwar, dass ich wahnsinnig froh sein werde, wenn ich den Wettkampf hinter mir habe, aber nun vermisse ich das Ganze schon tatsächlich schon etwas. Es ist doch immer wieder schön auf etwas hinzufiebern und kleine Ziele im Leben zu haben und diese dann zu erreichen.

Ein weiterer Vorteil ist ganz klar der gesundheitliche Aspekt, denn man hält sich fit und vital durch das Laufen. Nun möchte ich aber nicht weiter ausholen und zum Schwarzach Trail 2019 kommen:

Die Vorbereitung
Seit dem Jungfraumarathon versuchte ich mehr oder weniger am Ball zu bleiben mit dem Laufen. Im Winter reduzierte ich den Umfang jedoch deutlich. So etwa drei Monate vor dem Schwarzach Trail begann ich wieder intensiver Trails zu laufen, sofern es die Schneelage zuließ. Ich erstellte mir auch einen groben Trainingsplan, einfach weil es mir Spaß machte, aber ich hielt ihn nur sehr bedingt ein. Für mich steht beim Joggen der Spaßfaktor im Vordergrund und ich mag das Ganze auch nicht allzu technisch. Also Pulsuhr und dergleichen gibt es bei mir keine. Das Einzige, was ich machte, war es jedes Mal die Strecke mittels Strava (das ist eine Handy-App) aufzuzeichnen, damit ich einen groben Anhaltspunkt habe, wie weit ich gelaufen bin. Die letzten Wochen und vor allem dann Tage vor dem Ultramarathon war ich dann schon ordentlich nervös. Mein einziges Ziel war es im vorgegebenen Zeitrahmen - 10 Stunden - ins Ziel zu kommen. Ansonsten versuchte ich mir nicht allzu viel Druck mit der Zeit zu machen. Zudem konnte ich das sowieso sehr schwer einschätzen, wie lange man für so viele Kilometer und Höhenmeter wohl braucht.

Der Tag X
Der langersehnte Tag des Wettkampfes kam schneller als erwartet. Am Vorabend ging es früh in die Federn. Erstaunlicherweise konnte ich trotz der Aufregung halbwegs gut schlafen. Zum Frühstück gab es Kartoffeln mit Salz - mein absoluter Wettkampfs-Frühstücks-Favorit. Da es ein eher kleines Event ist, hielten sich die Menschenmassen im Startbereich in Grenzen. Wir kamen leicht verspätet zum Briefing an, hatten aber letztendlich noch ausreichend Zeit.

Der Start
Ausgestattet mit einer Laufweste inklusive der notwendigen Pflichtausrüstung (ein Liter Wasser, Regenjacke, Regenhose, Erst Hilfe Sachen, etc.) stellten sich mein Papa, mein Kumpel Werner und ich in letzter Minute im Startbereich auf. Nun war es auch schon soweit: 5 - 4 - 3 - 2 - 1 - Los! Diesen Moment finde ich tatsächlich immer am Aufregendsten. Wenn sich die Masse schön langsam in Bewegung setzt. Mein Herz raste vor Aufregung. Was werden die nächsten Stunden wohl bringen?

Mein Papi und ich in den Startlöchern

Der Lauf
Die Sonne strahlte vom Himmel. Die ersten tausend Höhenmeter gingen steil bergauf. Die Hitze macht mir vor allem beim bergauf laufen immer recht zu schaffen. Ich schwitzte schon ordentlich. Werner und ich liefen die ersten Kilometer gemeinsam. Irgendwann verlor ich ihn aus den Augen. Mir ging es überraschend gut und ich schaffte es einen großen Teil trotz der Steigung und der Hitze zu joggen, obwohl die meisten um mich herum schon auf schnelles Gehen umgestiegen waren.

Die erste Verpflegungsstation kam schon bei Kilometer acht. Ich streckte zu allererst meinen völlig überhitzen Kopf in das Wasser des kalten Brunnens. Bereits recht durstig leerte ich einige Becher der Isogetränke und füllte meine Wasserflaschen wieder auf. Zu meiner großen Freude, stieß ich nun auch wieder auf Werner.

Gemeinsam machten wir uns auf den Weg. Wiederum verlor ich ihn schon nach Kurzem aus den Augen. Ich wäre aber auch nicht mehr fähig gewesen für Unterhaltungen. Bis zur nächsten Verpflegungsstelle bei Kilometer 16 ging es mir sehr gut. Ich fühlte mich äußerst energiegeladen.

... auch der Papa ist am Kämpfen 

Das letzte Stück bis zum zweiten Gipfel, dem Schneeberg, empfand ich als recht anstrengend. Ich bekam wahnsinnigen Hunger und bereute es, dass ich mir nicht mehr Energieriegel eingesteckt habe. Der Himmel war nun zum Glück leicht bedeckt. Schön langsam kam auch der Schnee. Insgesamt waren über sieben Kilometer der Strecke davon bedeckt. Ich hatte mir auch extra deswegen, auf Anraten mehrerer Leute, Stöcke mitgenommen, obwohl ich solche im Training noch nie benutzt hatte. Ich bemerkte, dass sich einige Mitstreiter ziemlich schwer taten beim Laufen in den steilen Schneehängen. Immer wieder rutschten sie ab. Mir fiel es auch nicht sonderlich leicht, aber es erging mir trotzdem besser als vielen anderen, somit konnte ich einige überholen. Die Stöcke auszupacken empfand ich als nicht wirklich notwendig.

Als der Schneeberg geschafft war, dachte ich, dass der schlimmste Teil vorbei sein sollte. Doch die Strecke zog sich noch ordentlich. Was mich am meisten störte war, dass ich sonderlich oft pinkeln musste. Es war gar nicht so einfach immer ein geeignetes Plätzchen dafür zu finden. Zudem verlor ich durch diese Aktionen natürlich auch recht viel Zeit, was mir aber zu dem Zeitpunkt noch recht egal war, da ich nicht im Traum daran gedacht habe, dass ich unter die ersten fünf in der Damen Wertung kommen werde.

Einen richtigen Einbruch hatte ich während des ganzen Laufs eigentlich nie, obwohl schon zwei, drei Momente dabei waren, in denen ich sehr gekämpft habe. Vor allem durch das Bergablaufen schmerzten meine Knie und Oberschenkel etwas. Die letzten Kilometer von der Verpflegungsstelle beim Böndlsee bis ins Ziel zogen sich noch ordentlich. Irgendwann begann es heftig zu regnen. Das empfand ich als richtige Wohltat.

Das Ziel naht
Auch die letzten paar Kilometer vor dem Ziel kamen mir noch ewig lange vor. Es ging immer wieder etwas bergauf, das zehrte an den Kräften. Doch ich kämpfte weiter. Überglücklich lief ich nach 7 Stunden und 8 Minuten durch das Ziel. Als ich meine Streckenaufzeichnung am Handy ausschaltete, hatte ich bereits eine Nachricht von einer Freundin bekommen: "Gratuliere zum 5. Platz!" Wie bitte? Ich konnte es gar nicht fassen, ich bin tatsächlich fünfte in der Damenwertung geworden. Also ich muss schon zugeben, dass ich ein kleines bisschen stolz auf mich war. Das war definitiv nicht mein letzter Ultramarathon.

beim Zieleinlauf

Wohlverdient!


Zwei stolze Finisher des Schwarzach Trails 2019 - mein Papi und ich


Siegerehrung


Facts
✅ Name: Schwarzach Trail
✅ Ort: Schwarzach im Pongau / Österreich
✅ Länge: 47 km
✅ 2.600 Höhenmeter
✅ Zeit: 7 Stunden und 8 Minuten





findest du noch mehr Fotos zum Schwarzach Trail 2019