Route Neukaledonien
Reisezeitraum & Route:
04.11.2023 - 02.12.2023
VANUATU - Nouméa - Boulouparis - Nouméa - Ile des Pins - Nouméa - NEUSEELAND
VANUATU - Nouméa - Boulouparis - Nouméa - Ile des Pins - Nouméa - NEUSEELAND
Es trieb mich also wieder nach Nouméa, die Hauptstadt Neukaledoniens, um von dort aus zu planen wo es als nächstes hingeht. Mittlerweile bin ich schon über drei Monate unterwegs und mein Reisetempo wird zunehmends langsamer. Das eigentlich immer so bei mir wenn ich auf einer längeren Reise bin. Neben dem ständigen Ein- und Auspacken des Rucksacks wird auch das Planen und Recherchieren mit der Zeit etwas mühsam.
Ich fand einen mega lieben Couchsurfing Gastgeber in Nouméa: Nicolas. Er hat eine sehr spannende Vergangenheit. Einen großen Teil seiner Kindheit lebte er mit seinen Eltern und Geschwistern auf einem Segelboot. Dementsprechend "speziell" ist auch sein Lebensstil. Er hat sich ein hübsches Häuschen mit Garten und Jacuzzi gekauft, arbeitet als Sofware-Ingeneur und führt ein äußerst entspanntes Leben - was bestimmt auch durch seinen ziemlich beträchtlichen Graskonsum bedingt ist ;) Aber das Zeug scheint mir hier im Lande sowieso recht beliebt zu sein. Vielleicht erklärt das die gemütliche Lebensweise der Neukaledonier?
Auf alle Fälle habe ich ein super gemütliches Zimmer bei ihm im Haus und er hat mir sogar seine Haustürschlüssel anvertraut. Ich fühlte ich also von Anfang an wie zu Hause und machte natürlich auch von dem kleinen Pool reichlich Gebrauch. Man muss aber dazu sagen, dass ich ihm als Gegenleistung das Haus einmal ordentlich durchgeputzt habe - was auch dringend nötig war. Am Wochenende machten wir gemeinsam einen Roadtrip ganz in den Süden der Insel zu seinem Lieblingsplatz an einem wunderschönen Fluss. Es war keine Menschenseele weit und breit. Wir spazierten die Wanderwege entlang, picknickten am Flussufer und schmissen uns zwischendurch natürlich in das kühle Nass.
Nachdem ich vier Nächte bei Nicolas verbracht hatte, war es an der Zeit weiterzuziehen. Nachdem es mir bereits von mehreren Einheimischen nahegelegt wurde, sollte es nun endlich auf die Ile des Pins - zu Deutsch: Kieferninsel - gehen. Es handelt sich scheinbar um ein wahres Paradies. Unterkunftsmäßig gibt es dort vereinzelt ein paar völlig überteuerte Hotels und jede Menge Campingplätze, die im Schnitt 8 - 10 € pro Person und Nacht verlangen. Ich entschied mich also zu campen. Man muss aber im Vorhinein reservieren, vor allem wenn man ein Zelt mieten möchte. Das war gar nicht so einfach, da auch dort kein Mensch Englisch spricht. Reservierungen funktionieren prinzipiell nur telefonisch, da E-Mails nicht beantwortet werden. Da mein Französisch noch nicht ausreicht für ein Telefonat, war ich echt froh, dass Nicolas das dann für mich erledigt hat. Er fuhr mich dann am Samstag Morgen sogar zum Hafen. Von dort aus ging es 2,5 Stunden lang mit der Fähre weiter. Die Überfahrt verlief zum Glück sehr ruhig. Ich bin ja etwas vorgeschädigt von dieser schrecklichen 18-stündigen Bootsfahrt in Papua Neuguinea.
... so würde ich die Insel in wenigen Worten beschreiben. Sie verdankt ihren Namen übrigens James Cook, der sie im Jahr 1774 auf seinem Weg nach Neuseeland entdeckte.
Als wir im Hafen auf der Ile des Pins ankamen und ich die ersten Schritte auf diese wirklich paradiesische Insel setzte konnte ich mein Glück kaum fassen. Es handelt sich wohl um eine der schönsten Inseln - wenn nicht sogar "die schönste Insel" - auf der ich jemals war. Das Wasser ist türkisblau und glasklar, die Sonne strahlte vom wolkenlosen Himmel, die Kiefernwälder sind wunderschön und ein Traumstrand folgt dem nächsten.
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| Angekommen auf der Ile des Pins in Neukaledonien |
Ich musste erst einmal eine halbe Stunde zu Fuß zurücklegen bis ich am Campingplatz "Chez Loulou" ankam. Er wird von einer super lieben Kanakenfamilie geführt. Die Verständigung war wieder abenteuerlich, da weder die Besitzer noch einer der Gäste Englisch zu sprechen schienen. Und da es keine Internetverbindung gab war auch der Google-Translator keine Hilfe. Aber schlussendlich ging es dann mit Händen und Füßen. Ich bekam ein ziemlich geräumiges Zelt zugewiesen. Direkt vor meinem Zelteingang war das Meer - ein Traum! Die ganze Nacht konnte ich dem beruhigenden Rauschen der Wellen lauschen.
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| Die Aussicht aus meinem neuen Zuhause :) |
Der Campingplatz ist ziemlich klein und neben mir waren nur ein paar wenige einheimische Touristen da. Es gibt eine kleine Küche mit Wasserkocher und Toaster, somit konnte ich mir wenigstens jeden Abend meine Instant-Nudeln und am Morgen meinen Instant-Kaffee zubereiten. Zwischendurch gab's Nüsse, Dosenthunfisch und Toastbrot. Ja ich weiß, gesund ist etwas anderes, aber aufgrund der begrenzten Möglichkeiten war nicht viel anderes möglich. Das Essen, das am Campingplatz angeboten wurde, war für mein Reisebudget leider einen Tick zu teuer (etwa 30 € für ein Abendessen). Ich machte mich in den nächsten Tagen auf die Suche nach einem Supermarkt, war aber nur mäßig erfolgreich. Am Sonntag hat sowieso alles ausnahmslos geschlossen und an den Wochentagen machen die wenigen Shops wohl auch eher nach Lust und Laune auf. Der nächste Nachteil ist neben dem begrenzten Angebot das absolut überirdische Preisnivau z.B. eine Packung Toastbrot 8€, Thunfischdose 6€. Viel mehr gibt es dann eh schon nicht mehr. Obst und Gemüse - Fehlanzeige. Das gesündeste was ich fand war ein Roter-Rüben-Salat aus der Dose ;) Ich nahm also am Montag all den Weg zum lokalen Farmermarkt in Vao auf mich, nur um dann festzustellen, dass selbst dort bloß Brot und Kuchen verkauft wurde. Aber gut, neben der Schwierigkeit mit dem Essen war alles andere wirklich absolut traumhaft schön!
Die Insel ist nicht sonderlich groß, aber auch nicht so klein, dass man sie zu Fuß an einem Tag überqueren könnte. Ich mietete an zwei Tagen ein Fahrrad (für 2.500 CHF/Tag = ca 21 €) und fuhr so ziemlich alle Wege und Straßen ab, die die Insel zu bieten hat. Ich denke Bilder sagen mehr also Worte, wenn es darum geht was meine Highlights waren.
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| Oro Natural Pool in der Nähe der Oro Bay |
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| Oro Bay |
Nach dem ganzen Fahrrad fahren tat mir mein Hinterteil mehrere Tage lang ordentlich weh und ich spürte Muskeln, von denen ich gar nicht gewusst hatte, dass sie überhaupt existieren. Ich legte zwar im Schnitt "nur" 50km pro Tag zurück, aber mein Körper ist irgendwie nicht für Fahrräder geschaffen. Zudem war es in der Mittagshitze wirklich unangenehm heiß. Generell wird es hier in Neukaledonien fast täglich spürbar wärmer. Der Sommer steht quasi vor der Türe. Trotz allem denke ich, dass ein Fahrrrad für diese Insel das beste Fortbewegungsmittel ist. Ansonsten müsste man sich tatsächlich ein Auto mieten um herumzukommen, da öffentliche Verkehrsmittel nur sehr begrenzt bis gar nicht vorhanden sind. Selbst per Anhalter kommt man nicht wirklich gut voran, da die Straßen großteils komplett leer sind.
Neben den zwei Tagen am Fahrrad verbrachte ich die anderen zwei Tage wandernd. Dabei bestieg ich den höchsten Punkt der Insel: Pic N´ga, der eine atemberaubende Aussicht über die ganze Insel bietet. Die Wanderung dauert gerade mal eine Stunde pro Strecke.
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| Am Pic N´ga |
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| Aussicht vom Pic N´ga |
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| Das hier sind die typischen Schnecken auf Ile des Pins. Sie sind scheinbar nur hier zu finden und ein Delikatesse. |
Ich entdeckte zudem die Ruinen eines ehemaligen Gefängnisses "Vestiges du Bagne", welche jedoch bereits in der Vegetation zu verschwinden drohen. Im Jahr 1871 wurden bis zu 3.000 Häftlinge in dieses Gefängnis verbannt. Es war scheinbar bis ins Jahr 1909 in Betrieb. Ich fand es unglaublich spannend mich durch das Dickicht zu kämpfen und immer wieder Überreste dieser Ruinen zu finden, welche recht weit verstreut liegen.
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| Vestiges du Bagne - die Überreste eines Gefängnisses |
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| Vestiges du Bagne: Die Ruinen verschwinden langsam aber sicher in der Vegetation |
Neben den Ruinen entdeckte ich noch ein Grotte mitten im Urwald. Diese ist öffentlich zugänglich, aber außer mir war wieder einmal keine Menschenseele dort. Man müsste wohl auch 300 CHF Eintritt zahlen, aber ich hätte niemanden gesehen, der das einkassiert (wirklich!).
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| Grotte Ko Gnwëë Meureu |
Neben meinen Aktivitäten verbrachte ich natürlich auch ausreichend Zeit auf den Traumstränden der Insel. Mein Favorit ist der Kanumera Strand.
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| Der Kanumera Strand |
Nach vier Tagen auf der Ile des Pins ging es wieder zurück zu Nicolas nach Nouméa. Er willigte ein mich noch einmal ein paar Tage zu adoptieren. Ich hatte außerdem einiges an Gepäck bei ihm deponiert. Den Rückweg legte ich übrigens mit dem Flugzeug zurück, da die Fähre nur dreimal pro Woche fährt. Die liebenswürdigen Besitzer meines Campingplatzes fuhren mich dorthin, da sie sowieso auch gerade in diese Richtung mussten.
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| Ein typisch französisches Frühstück bei Nicolas im Garten |
Ich hatte noch drei ganz relaxte Tage in Nouméa, in denen ich meinen weiteren Reiseverlauf ein wenig plante. Mein nächster - und vermutlich auch letzter Stopp auf dieser Reise - ist nämlich Neuseeland. Dort werde ich wahrscheinlich die kommenden drei Monate verbringen, immerhin hat das Land mehr als genug zu bieten - vor allem für Outdoor- und Trekking-Liebhaber. Der einzige Nachteil ist, dass auch dieses Land nicht unbedingt günstig zu bereisen sein wird. Deshalb ist meine Devise: "Langsam reisen" - das spart nämlich sehr viel an Kosten. Ich werde wieder auf einigen Farms gegen Kost und Logis arbeiten und die Campingplätze nutzen.
Da mein Flug nach Neuseeland bereits morgen ist, werde ich mich dann von dort aus wieder melden :)
Praktische Infos:
Der nächste Nachbar liegt viele Kilometer entfernt und um in das nächste Dorf zu kommen muss man mindestens eine Stunde lang mit dem Geländewagen einer unasphaltierten, extremst holprigen Straße folgen. Dabei sind zudem noch drei Flüsse zu durchqueren. Die Farm, auf der ich nun schon seit einer Woche arbeite, befindet sich also ziemlich ab vom Schuss. Umgeben von kleinen Bergen - wir Österreicher würden vielleicht "Hügel" dazu sagen (der höchste davon ist gut 1.000 m hoch) - und einer Unzahl von glasklaren Flüssen. In den Wäldern lassen sich Rehe, Pfaue, Papageien und mit etwas Glück auch Wildschweine finden. Und das beste: Scheinbar gibt es keine Schlangen oder sonstigen gefährlichen Tiere. Ein wahrliches Paradies also!
Gegen ein paar Stunden Arbeit am Tag darf ich bei Eric auf der Farm kostenlos schlafen und essen. Eric lebt die meiste Zeit hier, während seine Frau nur am Wochenende kommt, da sie unter der Woche in Nouméa arbeitet. Die beiden haben also ein zweites Haus in der Hauptstadt. Im Moment ist neben Eric und mir noch ein weiterer junger Franzose als Freiwilligenhelfer auf der Farm: der 30-jährige Vivien. Und wie ihr euch wahrscheinlich schon denken könnt, spricht keiner der beiden Englisch. Vivien meinte zwar, er würde ein paar Worte können. Wie sich herausstellte beschränken sich diese jedoch lediglich auf "yes" und "no". Zum Glück gibt es den Google-Translator! Das Gute an der Sache ist, dass ich nach einer Woche nun wirklich schon das Gefühl habe mich ein wenig auf Französisch verständigen zu können.
Auf Eric's Farm ist das meiste selbstgemacht. Er hat ein riesiges Grundstück, auf welchem er Gemüse (Kürbis, Gurken, Tomaten, Kräuter) und Obst (Papaya, Ananas, Mangos, Himbeeren, Litschis, Granatapfel, Orangen, Zitronen, Pomelos, Marillen,...) anbaut. Leider ist das meiste im Moment nicht reif. Lediglich die Himbeeren, die Papaya und die Tomaten können wir zur Zeit ernten. Außerdem hat Eric Hühner - und somit täglich frische Eier - und normalerweise auch noch Schweine, welche aber vor kurzem geschlachtet wurden. In seiner Freizeit geht er jagen und fischen. Er stellt seine eigene Wurst her und braut sogar sein Bier selbst - das Himbeer-Bier ist ein Traum! Nicht zu vergessen sind die Bienen, wodurch er super leckeren Honig hat. Strom bekommt er aus Solarzellen und das Wasser von den Flüssen. Er ist also zu einem großen Teil Selbstversorger.
Der Tag auf der Farm startet früh. Da es um kurz vor fünf Uhr bereits langsam hell wird, erwache ich meistens auch um diese Zeit. Um kurz nach sechs frühstücken wir drei gemeinsam, dann geht es für mich zu den Tieren: Hühner füttern, Eier holen, usw. Vivien hilft Eric bei diversen Baustellen. Unter anderem bauen sie gerade ein weiteres Gebäude, das als Schlachterei dienen soll. Ich helfe ihnen dabei manchmal bei Kleinigkeiten. Ansonsten habe ich die neuen Bienenhäuser bemalt und beim Verliefern der Erde mit einem kleinen Muli geholfen. Da bin ich übrigens super stolz drauf, da ich seit etwa acht Jahren kein Fahrzeug mehr gefahren bin. Es war also eine richtiges Erfolgserlebnis nach so einer langen Zeit noch ein Gefährt bedienen zu können. Eric empfand meine Fahrkenntnisse sogar ausreichend, um mir zuzutrauen alleine bis ins Dorf - welches übrigens Boulouparis heißt - zu fahren, damit ich Vivien abholen konnte. Dieser ist nämlich übers Wochenende campen gegangen. Es war schon recht abenteuerlich auf der holprigen Straße mit all den Schlaglöchern und Fussdurchquerungen auf mich alleine gestellt zu sein. Dabei durchquerte ich auch einige Privatgrundstücke, welche alle mit einem Tor und Zahlenschloss verriegelt sind. Ich musste mir also sämtliche Codes vor der Fahrt notieren.
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| Mein neues Gefährt: der Muli ;) |
Wir arbeiten normalerweise von sieben bis elf Uhr. Dann wird das Mittagessen gekocht bzw kocht Eric das Mittagessen und wir helfen ihm wenn Bedarf ist ;) Er ist übrigens ein fantastischer Koch! Bis 15 Uhr haben Vivien und ich dann sozusagen frei. In dieser Zeit gehe ich eigentlich immer zum Fluss. An ein paar Stellen ist er so tief, dass man gut schwimmen kann. Danach gibt's eine kurze Yoga-Einheit. Um 16 Uhr werden die Pflanzen gwässert und das war´s dann auch schon. Die Arbeit macht mir irrsinnig viel Spaß und ist auch nicht sonderlich anstrengend. Eric kümmert sich gut um uns und versichert sich stets, dass wir genügend Kaffeepausen machen.
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| An diesem wunderschönen Fluss verbringe ich täglich meine langen Mittagspausen mit Schwimmen und Yoga |
Tagsüber hört man Unmengen an verschiedensten Vogelgesängen. Einige davon klingen äußerst skurril, wie beispielsweise der Pfau. Anfangs dachte ich es gäbe hier Katzen, da sich seine Laute eher wie ein hysterisches Miauen anhören.
Von Freitag Nachmittag bis Sonntag Abend hatte ich sozusagen "sturmfrei Bude" auf der Farm. Eric musste in die Hauptstadt für ein paar Feierlichkeiten und Vivien nutzte seine freien Tage, um campen zu gehen. Ich war also mit Jaika - Eric's Hund - und den Hühnern alleine. Da hatte ich auch nichts dagegen. Mein Plan war es sowohl am Samstag wie auch am Sonntag wandern zu gehen. Womit ich aber nicht gerechnet hatte war, dass ich dazu noch ein weiteres Privatgrundstück durchqueren musste und dies scheinbar nicht sonderlich erwünscht ist. Eric musste die Nachbarn anrufen und um Erlaubnis bitten. Die Besitzerin bestand darauf mich am Tor zu ihrem Grundstück abzuholen. Das war mir ziemlich unangenehm, ich schließlich niemanden Umstände machen wollte. Die Grundstücke sind alle irrsinnig groß, so kann man locker mal zwei Stunden damit verbringen ein solches zu durchqueren.
Am Samstag um Punkt sieben Uhr morgens stand ich also am Tor zum Nachbargrundstück. Eine ältere Dame kam mir entgegen und drückte mir kurzerhand links und rechts ein Küsschen auf die Wange. Ihr Name ist Valerie und sie spricht tatsächlich ein bisschen Englisch. Es folgte ein etwa 30-minütiger Fußmarsch mit vier Flussdurchquerungen bis wir an ihrem super idyllischen Holzhäuschen ankamen. Ganz stolz zeigte mir Valerie ihr schönes Zuhause. Sie erklärte mir genau welche Wege ich nehmen musste, um zu meinem Ziel dem Mont Do auf 1.024 m Seehöhe zu kommen. Nachdem ich ihr versprochen hatte, nach der Wanderung noch kurz vorbei zu schauen, damit sie sich versichern könnten, dass mir nichts passiert sei, konnte ich die Wanderung starten.
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| Das Zuhause von Valerie. Sie kauft viele Dinge auf Flohmärkten auf und bastelt daraus die tollsten Dinge. |
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| Es gibt hier kostenlose Schutzhütten in den Bergen, die jedem zugänglich sind. Sie sind tatsächlich in einem tadellosen Zustand inklusive Regenwasserspeicher, Plumsklo und Matratzen. |
Etwa fünf Stunden später kam ich wieder bei Valerie und ihrem Ehemann an. Die beiden servierten mir sogleich Kaffee und Kuchen und schienen sich sehr über meinen Besuch zu freuen. Während wir auf der Terrasse saßen spazierte plötzlich ein wilder Pfau in den Garten. Valerie erzählte mir schmunzelnd, dass dieser bereits seit drei Wochen täglich vorbeikomme, da er sich wohl in ihr Huhn verliebt hatte. Während sie das sagte, fing das Schauspiel schon an: Der Pfau begann seine Schwanzfedern zu spreizen und um das Huhn herum zu tanzen. Dieses würdigte ihn jedoch keines Blickes. Nach etwa 20 Minuten gab er schlussendlich auf. Was für ein spektakulärer Auftritt!
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| Der Pfau versucht mit dem Huhn zu flirten ;) |
Da Valerie und ihr Mann nicht jagen, kommen auch regelmäßig Rehe ganz nahe an ihr Haus. Die beiden luden mich ein, am Abend mit ihnen auf "Rehsafari" zu gehen. Da sagte ich natürlich nicht nein. Sie holten mich um kurz nach 17 Uhr mit ihrem Geländewagen von meiner Farm ab. Die nächsten zwei Stunden fuhren wir querfeldein und sahen wirklich massenweise Rehe aus nächster Nähe. Interessanterweise haben die Tiere vor Fahrzeugen weniger Angst als vor Menschen, wenn sie zu Fuß kommen.
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| Auf Rehsafari ;) |
Am Sonntag starte ich eine weitere Wanderung. Diesmal sollte der Mont Mé Nejuu auf 566m Höhe das Ziel sein. Diese Tour war fast noch schöner, als die am Tag zuvor. Es ging die meiste Zeit einem wunderschönen Fluss entlang, der etliche Möglichkeiten für eine Abkühlung bot. Unglaublich beeindruckend fand ich zudem die Unzahl an bunten Vögeln, die ich in den Wäldern beobachten konnte.
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| Auch hier gibt es wieder einfache, kostenlose Unterkünfte für Wanderer. Hier muss man jedoch eine Matte und den Schlafsack selbst dabei haben. |
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| Ein toter Pfau am Wegrand |
Mittlerweile sind meine Tage auf der Farm schon wieder gezählt. Morgen geht es für mich bereits wieder nach Nouméa. Eric wird wird am Vormittag zurück auf die Farm kommen und mich nach Boulouparis fahren. Von da aus fahre ich dann mit dem Bus weiter. Im Moment sind Vivien und ich also alleine auf der Farm. Eric hat uns zwar ein paar kleine Arbeiten aufgetragen, es bleibt aber noch ausreichend Zeit zum Entspannen und Genießen der Ruhe.
Es war auf alle Fälle eine super gelungene Woche mit vielen spannenden Erlebnissen hier an diesem abgelegenen Ort. Zudem habe ich viel Neues gelernt z.B. wie man Honig gewinnt, wie man einen Muli fährt, usw ;)
Was für uns nach einem üblen Schimpfwort für Ausländer klingt, ist hier in Neukaledonien lediglich die Bezeichnung für die Ureinwohner dieser Inselgruppe. Viele wissen wahrscheinlich nicht einmal genau wo sich dieses Land überhaupt befindet. Tatsächlich liegt es so ziemlich auf der anderen Seite der Welt und gehört seit mehr als 160 Jahren zu Frankreich. Heute leben dort sowohl Franzosen wie auch Kanaken mehr oder weniger friedlich zusammen. Die Kanaken, welche etwa 45% der Bevölkerung ausmachen, kämpfen jedoch schon seit längerem für ihre Unabhängigkeit. Da Neukaledonien schätzungsweise über 10% der weltweiten Nickelreserven verfügt, hat die Pazifikinsel aber eine große Bedeutung für Frankreich.
Ein weiterer spannender Fakt ist, dass Neukaledonien als die weltweit gefährlichste Region bezüglich des Risikos von Haiangriffen gilt. Die meisten Attacken auf den Menschen verursachen der Tigerhai und der Bullenhai. Die Tendenz der Angriffe ist steigend. Mittlerweile sind viele Strände aufgrund dessen gesperrt.
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| Sonnenuntergang am Hafen Port Moselle in Nouméa |
Am Samstag Abend startete mein Flug von Vanuatu nach Nouméa - der Hauptstadt Neukaledoniens - mit einer guten Stunde Verspätung. Ich schien plötzlich in einer völlig anderen Welt zu sein. Lange war ich nicht mehr von so vielen weißhäutigen Menschen umgeben. Was mich aber am meisten erstaunt hatte war, dass plötzlich alle nur noch französisch zu sprechen schienen. Und wie viele von euch vielleicht wissen reden Franzosen recht ungern Englisch. Ich bemerkte schnell, dass sich meine drei Jahre Französischunterricht nicht sonderlich gelohnt hatten.
Zum Glück klärte mich mein Couchsurfing Gastgeber Jerome vor meiner Ankunft darüber auf, dass die einzige Möglichkeit nachts vom Flughafen in die Hauptstadt zu kommen ein Shuttle sei, das man im Vorhinein buchen musste. Der Flughafen befindet sich nämlich etwa eine Stunde Fahrt außerhalb der Hauptstadt. Sonst hätte man nur ein sündteuers Taxi zur Auswahl. Die Abholung mit dem Shuttle funktionierte problemlos. Obwohl Jerome auf Couchsurfing ist, sprach er zu meinem Erstaunen sehr limitiertes Englisch. Aber mit Händen und Füßen konnten wir uns irgendwie unterhalten. Er ist ein ziemlich ruhiger und angenehmer Mann, der vor einigen Jahren von Frankreich nach Neukaledonien ausgewandert ist.
Es war etwas irritierend für mich als ich ihn am nächsten Morgen splitternackt in seinem Liegestuhl im Garten antraf. Tja, hätte ich seine französischen Couchsurfing Referenzen im Vorhinein schon übersetzt, wäre der Schock wohl nicht ganz so gravierend gewesen. Dort wurde nämlich bereits mehrmals erwähnt, dass Jerome ein bekennender FKK-Liebhaber ist. Wie ich mittlerweile herausgefunden habe ist die Nudistenszene - auch "Naturismus" genannt - in Frankreich sowieso recht stark vertreten.
Da Sonntag war genehmigte sich Jerome zum Frühstück bereits eine kleine eine Dose Bier und zündete sich alle paar Minuten eine neue Zigarette an. Zu Mittag wurde der Grill angeheizt und es gab ein super leckeres Steak und gebratene Zucchini.
Am Nachmittag beschloss Jerome sich dann doch anzuziehen und mir während eines Road-Trips seine Stadt Nouméa zu zeigen. Obwohl es die Hauptstadt ist wirkt es eher wie eine Kleinstadt. Es gibt irrsinnig viele Parks und Hügel. Und natürlich Strände. Nach dieser kleinen Stadt-Tour ging es in ein Nakamal, also eine Kava-Bar. Ich war ziemlich erstaunt so etwas hier zu finden. Scheinbar ist Kava hier erst seit wenigen Jahren legal. In der Bar trafen wir auf Freunde von Jerome: eine Gruppe etwa 60-jähriger Vietnamesen, die ebenfalls so gut wie kein Englisch sprachen bzw sprechen wollten. Ich musste tatsächlich innerlich schmunzeln über diese skurrile Situation: Ich am Tisch mit diesen älteren Männern, die ausschließlich Französisch redeten. Zwischenzeitlich entschuldigen sich die Herren, da sie kiffen gehen wollten. Der Kava in Neukaledonien ist im Gegensatz zum Kava auf Vanuatu um einiges milder, dafür wird er aber auch in größeren Mengen getrunken.
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| In einem Nakamal in Nouméa |
... das ist mein neuer Job hier in der Hauptstadt Neukaledoniens. Aufgrund der hohen Preise und leichter Reisemüdigkeit habe ich beschlossen in Nouméa ein wenig zu arbeiten. Im Gegenzug erhalte ich Unterkunft und Verpflegung. Ich wohne bei Xavier, einem Mann in seinen Fünfzigern. Er hat ein Haus mit Garten. Mit ihm wohnen im Moment noch Sébastien und Malorie - ein französisches junges Pärchen, das für ein Jahr hier im Land Geld verdienen möchte, da wohl die Bezahlung hier besser sei als in Europa.
Meine Arbeit ist ziemlich simpel: etwas Haushalt, putzen, Gartenarbeit, Hecken schneiden,.... Meist ist das Ganze in zwei bis drei Stunden am Vormittag erledigt. Xavier meinte aber bereits, dass es ihm sowieso mehr um den Austausch mit seinen Helfern gehe, da Reisende oft spannende Lebensmodelle haben. Er selbst sei an einem Punkt angekommen, an dem er sich fragt wofür es eigentlich gut sein sollte das ganze Leben zu arbeiten wie ein Verrückter, um dann sowieso das meiste Geld wieder an den Staat abzuliefern. Er möchte gerne etwas Grundlegendes in seinem Leben ändern, weiß aber noch nicht genau wie und was.
Meine Freizeit nutze ich, um Französisch zu lernen, die Umgebung zu erkunden und endlich wieder etwas Sport zu machen. So ein bisschen Routine tut unheimlich gut. Ich habe mich nach allzu langer Zeit endlich wieder einmal in meine Laufschuhe geschwungen, um die Gegend joggend erkundschaften - es gibt wirklich tolle Laufstrecken hier. Und zwischendurch kann man sich wunderbar im Meer abkühlen.
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| Während meiner Laufrunden entdeckte ich viele wunderschöne Ecken in Nouméa |
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| Es gibt endlos viele Möglichkeiten sich abzukühlen :) |
Gestern, am Samstag, lud Xavier uns zu einem Segelausflug auf sein Boot ein. Für mich war es tatsächlich das allererste Mal auf einem Segelboot. Wir hatten starken Wind und kamen somit rasch voran. Unser Ziel waren zwei kleine vorgelagerte Inseln von Nouméa: Maitre und Goéland. Für mich war es ein ziemliches Abenteuer, da durch den Wind und den Wellengang unser Segelboot teilweise ordentlich schaukelte. Ich wusste ja nicht bis zu welcher Schräglage alles okay war und wann es dann vielleicht doch zu viel war. Das Wissen, dass sich hier Unmengen hungriger Tiger- und Bullenhaie tummeln, sorgte für zusätzliches Andrenalin. Xavier meinte bloß lachend, dass es nicht sehr oft vorkomme, dass ein Segelboot umkippt...
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| Mein erstes Segelabenteuer |
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| Xavier´s Hund Nassai war natürlich auch dabei |
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| Hier machten wir eine kleine Pause zum Schwimmen |
Ab Dienstag werde ich für eine Woche auf einer ziemlich abgelegenen Selbstversorger-Bio-Farm mitarbeiten. Da freue ich mich schon riesig drauf. Da die Unterkünfte in Neukaledonien unleistbar sind für mich bin ich auch dran ein Zelt zu kaufen. Bis jetzt hatte ich aber noch nicht viel Glück etwas passendes zu finden. Selbst bei Decathlon sind die Preise fast doppelt so teuer wie in der Schweiz. Der Knaller sind zudem die Preise im Supermarkt. So zahlt man beispielsweise für eine 100g - Tafel Schokolade im Schnitt 8 - 10 €.