The Greater Patagonian Trail - Sektion 7: Zwischen Ziegenherden, Rossbremsen und heißen Quellen
By
Michaela Gruber
On
Januar 03, 2026
In
Greater Patagonian Trail
Erstaunlicherweise war ich auf dieser Sektion deutlich schneller unterwegs, als ich es erwartet hätte. Im Schnitt bin ich über 30 Kilometer pro Tag gewandert - unglaublich, wenn ich daran denke, wie kurz meine Etappen zu Beginn noch waren. Der Körper scheint sich an die Belastung zu gewöhnen. Natürlich hängt das Ganze stark von der Wegbeschaffenheit ab: Ob es einen richtigen Pfad gibt oder ob man sich durchs Dickicht kämpfen muss. Auf dieser Etappe waren die Wege meist recht einfach, was ein schnelles Vorankommen einfacher machte.
Sektion 7 war geprägt von vielen Puestos, den einfachen Unterkünften der Viehhirten, und von zahlreichen Arrieros, den Cowboys Patagoniens. Dazu kamen Ziegen- und Rinderherden, unzählige Flussdurchquerungen, große Hitze und endlose Bademöglichkeiten. Besonders beeindruckt haben mich die heißen Quellen, die mitten im Nirgendwo direkt aus dem Felsen sprudelten.
Dazu kamen Pflaumenbäume voller kleiner, reifer Früchte, die einfach köstlich waren.
Freitag, 26. Dezember 2025
Am meinem Abreisetag im Hostel in Talca sprach mich tatsächlich ein Typ an und fragte, ob ich auch den GPT wandere. Damit hatte ich absolut nicht gerechnet, da der Greater Patagonian Trail relativ unbekannt ist. Wir konnten es beide kaum glauben. Leider musste ich schon zum Bus. Er heißt übrigens Anh und begleitete mich noch zum Terminal. Wir tauschten im Schnelldurchlauf wichtige Infos und Erfahrungen aus.
Um 15 Uhr ging der Bus nach El Médano, wo ich gegen 17:30 ankam. Da es schon zu spät war, beschloss ich meinen Einstieg in die Etappe 7 auf morgen zu verschieben und mir einen Campingplatz zu in dem Dörfchen zu suchen. Dieser entpuppte sich als Garten hinter einem Haus, kostete 7.000 CLP und war soweit völlig in Ordnung. Am Abend ging ich noch zum Fluss hinunter, um die Thermalquellen von El Médano zu besuchen. Sie sind nicht sonderlich spektakulär, da sie nur lauwarm sind. Früher gab es dort richtig heiße Naturpool, ein starkes Hochwasser hatte vor einigen Jahren die natürlichen Becken und Wasserwege leider verändert.
Samstag, 27. Dezember 2025
Nachdem ich am Morgen mein Zelt zusammengepackt hatte versuchte ich per Autostopp zur Laguna del Maule zu kommen. Ich wollte mir nämlich die gut 30 km auf einer Asphaltstraße zu Fuß sparen. Es waren kaum Autos unterwegs. Schlussendlich schaffte ich es mit zwei Mitfahrgelegenheiten - zuerst ein junges Paar, später drei Arbeiter - bis kurz vor die Lagune. Zuerst musste ich aber noch die Grenze zu Argentinien passieren, der hier tatsächlich mitten in den Bergen statuiert ist. Obwohl ich auf der chilenischen Seite blieb, kam ich nicht drumherum durch den Grenzposten zu gehen.
Dort angekommen waren sich die Grenzbeamten nicht ganz sicher, ob ich mich registrieren müsse. Drei Leute diskutierten darüber und entschieden schließlich, dass es nicht nötig sei.
Die Laguna del Maule liegt auf etwa 2.200 Metern Höhe in einer vulkanischen Caldera. Unter der Lagune befindet sich eine der größten bekannten Magma-Ansammlungen der Erde.
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| Laguna del Maule |
Am See traf ich auf einen nervigen Fischer, der mir erklären wollte, dass meine geplante Route nicht möglich sei. Vermutlich hatte er einfach keine Ahnung - Wandern zählt in Chile eher nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen der Einheimischen. Ich beschloss einfach lieb zu lächeln und weiterzugehen. Zuerst musste ich eher freestyle einen kleinen Berg aus Vulkansand erklimmen.
Danach ging es wieder bergab durch ein wunderschönes von Bächen durchzogenes Tal mit vielen Kühen und Schafen. Ich kam an einigen Puestos vorbei, traf aber auf keinen Arriero (= Viehhirte).
Sonntag, 28. Dezember 2025
Heute Morgen kamen mir hunderte Rinder entgegen, eingehüllt in eine riesige Staubwolke. Es dauerte mindestens eine halbe Stunde, bis die ganze Herde vorbei war. Dahinter vier Arrieros mit Hut und Lasso sowie ein paar Hirtenhunde. Eine Szene wie aus dem Wilden Westen. Einer der freundlichen Arrieros plauderte kurz mit mir.
Später begegnete ich vermehrt Ziegenherden und kam weiterhin regelmäßig an Puestos vorbei. Zu meiner freudigen Überraschung gab es jede Menge Pflaumenbäume am Wegesrand mit kleinen, unglaublich süßen, reifen Früchten. Ich schlug mir natürlich den Bauch voll, frische Früchte hat man als Weitwanderer schließlich nicht alle Tage.
In Carrisales, einem Dorf (falls es überhaupt eins ist?) mit vielleicht fünf Häusern, gab es einen Mini-Shop. Obwohl Sonntag war, öffnete mir der ältere Herr auf Zuruf seinen Laden im eigenen Haus. Ich kaufte Cola und Schokolade - sonst hätte es noch Pasta und Thunfischdosen gegeben. Ein Mobilfunknetz gibt es in dem Dorf nicht, aber zu meiner Überraschung hatte der Mann WLAN, welches er mit mir teilte.
Am späteren Nachmittag kam ich an heißen Quellen vorbei, die direkt aus dem Fels sprudelten. Ich war begeistert, so etwas sah ich zum ersten Mal. Daneben floss ein eiskalter Fluss. Ich machte eine ausgiebige Pause wechselte zwischen der heißen Quelle und dem eiskalten Fluss immer wieder hin und her - Wellness pur!
Montag, 29. Dezember 2025
Jeder Bergpass eröffnet eine neue Welt. Ich staunte nicht schlecht, als ich das riesige von Flüssen durchzogene Tal unter mir sah.
Es ging nun für einige Stunden an einem größeren Fluss entlang. Irgendwann musste ich ihn queren, was zum Glück problemlos verlief. Je nach Jahreszeit kann das Wasser teilweise bis über die Hüften gehen. Bei mir reichte es gerade mal bis zu den Knien. Bei hohem Wasserspiegel und starker Strömung können solche Flussquerungen sehr gefährlich sein.
Ich traf einen netten alten Arriero und plauderte kurz mit ihm. Später kam ich zu einem Puesto, vor dem hunderte von Ziegen grasten. Ich sah zwei Männer und eine ältere Frau dort im Schatten unter einem Baum sitzen und gesellte mich zu ihnen. Die Frau - sie heißt übrigens Irma - verkaufte mir schließlich etwas von ihrem selbstgemachten Ziegenkäse und frisch gebackenes Brot. Sie versorgte mich zusätzlich mit kalten Getränken und wollte mich auf Rotwein aus dem Tetrapack einladen. Ich habe jedoch dankend abgelehnt, da die Kombination aus Wandern in der Mittagshitze und Rotwein vielleicht nicht die Beste ist.
Am Abend fand ich wieder einen sehr schönen Zeltplatz direkt am Fluss. Es ist eine richtige Wohltat, sich noch kurz waschen zu können, bevor man sich zur Nachtruhe ins Zelt legt, denn die Gegend hier ist so unglaublich staubig - der Staub klebt einem ständig an der verschwitzten Haut und an der Kleidung.
Dienstag, 30. Dezember 2025
Der Tag begann mit einem sehr steilen Anstieg. Die Hitze war wieder heftig, während die Nächte hier überraschend kalt sind. Nach ein paar Stunden erreichte ich die wunderschöne Laguna del Dial. Da es keine Straßen dorthin gibt, lassen sich scheinbar manche reiche Chilenen sogar mit dem Helikopter hierher fliegen.
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| Laguna Dial |
Zu meiner Überraschung traf ich Kathrin und Matthias wieder, die gerade Badepause machten. Die beiden haben eine andere Route gewählt als ich und konnten noch ein längeres Stück per Autostopp zurücklegen, deshalb waren sie nun wieder vor mir. Wir wanderten noch ein Stück gemeinsam weiter und legten eine weitere Schwimmpause ein.
Ich campierte später etwas weiter oben als die beiden, aber wir werden uns sowieso in den nächsten Tagen wiedersehen.
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| Traumhafte Abendstimmung |
Mittwoch, 31. Dezember 2025
Heute gab es Flussüberquerungen ohne Ende. Das Wasser ging meist etwa bis zum Knie, sodass alles gut machbar war.
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| Vor einem Puesto |
Scheinbar habe ich bereits komplett das Gefühl für Raum und Zeit verloren - mir fiel nämlich plötzlich ein, dass heute ja Silvester ist. Der letzte Tag des Jahres 2025 gestaltete sich aber etwas unangenehm. Ich wurde fast den ganzen Tag von stechenden Insekten attackiert: Rossbremsen ohne Ende und zudem riesige fliegende Käfer, die tatsächlich auch zustechen. Zum krönenden Abschluss hatte ich neben einem halben Sonnenstich noch massenweise Ameisen im und ums Zelt herum. Die Hitze war heute richtig brutal. Ein kleiner Tiefpunkt zum Jahresabschluss. Kathrin und Matthias haben ihr Zelt auch am selben Ort aufgestellt. Der weitere Abend verlief unspektakulär: Abendessen, ein bisschen plaudern, lesen und um neun Uhr lagen wir schon alle im Schlafsack.
Donnerstag, 1. Januar 2025
Der heutige Wandertag war kurz. Nach etwa 15 Kilometern erreichten wir Puente Inglés, wo es außer einem Campingplatz und einem Kiosk aber nicht viel gibt. Ein Polizist, der gerade Heu für die Polizeipferde verlieferte, bot uns an, uns auf dem Rückweg nach San Fabián - den nachstgrößeren Ort - mitzunehmen. Was für ein Glück!
In San Fabián trennten sich die Wege von Kathrin, Matthias und mir vorerst wieder. Die beiden mussten zurück in die Hauptstadt, um ihr Zelt reparieren zu lassen. Ich beschloss, mir mindestens zwei entspannte Tage im Ort zu gönnen, bevor ich in die Sektion 8 starte, die wieder ziemlich lang ist und vor allem sehr viele Höhenmeter hat.
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| Die Erholungstage werden immer in vollen Zügen genossen |
Equipment-Update
Mein Zeltboden hat inzwischen ein paar kleine Löcher, von den Ameisen, die sich dort irgendwann einmal durchgefressen haben. Das erste Paar Socken hat an den Außenknöcheln Löcher und ist somit nicht mehr brauchbar. Bei einem Trekkingstock ist die Spitze abgebrochen, ich könnte ihn aber zum Glück provisorisch reparieren. Der Hüftgurt des Rucksacks war auf einer Seite eingerissen, konnte aber genäht werden. Meine Schuhe sind nun nach nicht einmal 600 Kilometern an der Sohle fast komplett durch. Das raue Vulkangestein greift die Schuhe wirklich stark an. Ich konnte glücklicherweise hier in dem kleinen Örtchen Salomon Schuhe zu einem günstigen Preis finden. Ich bin gespannt, was meine Füße zu dem Schuhwechsel sagen.
GPT07 - Technische Daten:
• Distanz: 152 km
• Höhenmeter: 4.386 m
• Dauer: 5 Tage












