Wie hat mich das Reisen verändert?
By
Michaela Gruber
On
August 13, 2017
In
Reisen verändert
Als ich damals den Entschluss zu dieser Reise fasste, meinte eines Tages eine Arbeitskollegin zu mir: „Ich bin schon gespannt wie dich diese Reise verändern wird.“ Ich schaute sie verwundert an. Aber ja, sie hatte recht, so eine Reise wird mich bestimmt verändern. Aber wie? So genau wusste ich das damals noch gar nicht. Ich war auch lange während meines Trips der Meinung, dass ich immer noch die selbe bin. Doch nun weiß ich es besser: Natürlich hat mich das Reisen schrittweise verändert und noch dazu durchwegs positiv.
Ich bin selbstbewusster und mutiger geworden.
Das ist eine der Veränderungen, die mir ganz zuerst aufgefallen ist. Mir wurde plötzlich bewusst wie krass das eigentlich ist, dass ich gerade komplett alleine mit meinem Rucksack auf dem Rücken irgendwo mitten in Afrika herumreise. Ich hätte mir niemals zuvor gedacht, dass ich in der Wüste Namibias mitten im Nirgendwo bei 40°C an der Straße stehen würde um Auto zu stoppen, da es keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt. Oder dass ich in Uganda im Busch fernab jeglicher Zivilisation mit einem Stamm zusammenlebe. Oder dass ich als einzige Weiße die Nacht auf einer Fähre verbringe. Die Liste könnte ich noch unendlich weit fortführen. Diese Reise zeigte mir, dass ich zu viel mehr imstande bin, als ich mir jemals zuvor erträumen gewagt hätte. Ich bin auch selbstbewusster geworden in Sachen wie auf andere Menschen zugehen. Das fiel mir vorher oft sehr schwer, aber beim Alleinreisen bleibt einem gar nichts anderes übrig. Ich weiß nun, dass ich alles schaffen kann, wenn ich es nur wirklich will.Ich bin geduldiger geworden.
Wie oft wäre ich am Anfang meiner Reise einem Busfahrer am liebsten an die Gurgel gesprungen, weil er mir bereits seit drei Stunden versicherte, dass wir in zehn Minuten los fahren würden, doch wir befanden uns immer noch an Ort und Stelle. Mittlerweile habe ich eine außerordentliche Ruhe in solchen Situationen entwickelt. Ich möchte zwar nicht behaupten, dass ich gar nicht mehr ungeduldig bin, aber es hat sich auf alle Fälle um ein Vielfaches gebessert. Und glaubt mir, ich war oft ein sehr ungeduldiger Mensch. Das liegt wohl auch an unserem stressigen europäischen Leben. Alles muss schnell gehen und keiner hat auch nur Zeit für irgendetwas. Ein Mann in Tansania sagte einmal einen sehr schönen Spruch: „Die Europäer haben zwar die Uhren, die Afrikaner haben jedoch die Zeit.“ – Wie wahr das doch ist. Und wie schlimm unsere Ungeduld manchmal ist. Aber diese rührt ganz einfach daher, dass wir oft ununterbrochen unter Strom stehen. Wie musste ich doch in den ersten Wochen in Afrika die Einheimischen bewundern, die völlig ruhig blieben und sich angeregt miteinander unterhielten, als sie schon fast eine Stunde an der Kassenschlange im Supermarkt anstanden oder schon zwei Stunden auf einen Bus warteten, der eigentlich schon längst da sein müsste. Mittlerweile kann ich behaupten, dass ich von diesen Menschen sehr viel gelernt habe. Ungeduld bringt schlichtweg niemandem etwas.
Ich lernte mich selbst besser kennen
Beim Alleinreisen verbringt man natürlich auch viel Zeit mit sich alleine. Man hat dadurch auch viel Zeit um über so Einiges nachzudenken. Was sind meine Ziele im Leben? Was macht mich glücklich? Außerdem kommt man in Situationen, die man noch nie zuvor erlebt hat. Ich weiß nun wie ich in bestimmten Situationen – vor allem auch ausweglos scheinenden Lagen – reagiere. Somit habe ich mich selbst besser kennen gelernt. Zusätzlich treffe ich alle Entscheidungen für mich alleine, meist ohne mit jemanden Rücksprache zu halten. Früher habe ich sobald jegliche Entscheidungen anstanden fast immer Freunde oder Bekannte, um ihren Ratschlag gebeten und somit meist nach deren Meinung gehandelt. Durch das Reisen halbe ich gelernt, tagtäglich wichtige Entscheidungen für mich alleine zu treffen, und habe somit auch etwas mehr über mich selbst erfahren – was will eigentlich ich?Ich brauche weniger Materielles um glücklich zu sein.
Ich muss ja eingestehen, dass ich es vor meiner Reise geliebt habe zu shoppen – egal ob Klamotten, Schuhe, Dekorationen für die Wohnung, etc. Und ich konnte auch nie genug davon bekommen. In meinem Kleiderschrank stapelten sich Kleider, die ich noch nie getragen habe. Solche materielle Dinge machen einen vielleicht kurzfristig glücklich aber die Betonung liegt auf „kurzfristig“. Auf Dauer gesehen jedoch nicht. Man strebt immer nach mehr und mehr, ist aber trotzdem nicht befriedigt. Klar habe ich auch beim Reisen manchmal das Verlangen einen Tag einfach mal nur zu shoppen. Das ist jedoch nur bedingt möglich, da ich bloß mit meinem Rucksack unterwegs bin und einfach nicht mehr Platz ist. Immer wenn ich mir ein neues Teil kaufe, muss ich einen Kompromiss eingehen und dafür etwas anderes weg geben.Ich habe sehr viele neue Fähigkeiten gelernt.
Hier eine kleine Liste der Dinge, die ich während meiner Reise gelernt habe:• Ich spreche nun fast fließend Englisch.
• Ich habe Spanisch gelernt und kann mich bereits recht gut in dieser Sprache verständigen und Konversationen führen.
• Ich habe Grundkenntnisse in Swahili, der Landessprache Tansanias, erworben.
• Ich habe gelernt wie man auf Märkten gewinnbringend verhandelt.
• Ich habe gelernt wie man ohne Strom leben kann.
• Ich kann nun meine Wäsche richtig gründlich und schnell händisch waschen.
• Und noch vieles, vieles mehr!







