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Mittwoch, 24. Juni 2026

Die größten Reinfälle auf meinen Reisen

By On Juni 24, 2026


Mittlerweile bin ich insgesamt wohl schon mehrere Jahre mit meinem Rucksack quer durch die Welt gereist - wenn auch mit regelmässigen Unterbrechungen. Während dieser Zeit gab es neben der unzähligen, unvergesslich schönen Erlebnissen auch ein paar richtige Reinfälle. 


Busfahren in Venezuela: Nichts für schwach Nerven
Venezuela, November / Dezember 2024
Gleich zweimal musste ich in Venezuela eine Langstreckenbusfahrt hinter mich bringen. Die erste dauerte 27 Stunden, die zweite immerhin "nur" 22. Beide Busse waren in einem relativ desolaten Zustand und gefühlt alle 30 bis 60 Minuten wurden wir von der Polizei mit Maschinengewehren kontrolliert. Mehrmals räumten die Beamten sogar das gesamte Gepäck aus dem Bus und durchsuchten jeden einzelnen Koffer.
Bei der ersten Fahrt stellte sich kurz vor der Abfahrt heraus, dass der Bus entgegen aller Versprechen doch kein WC hatte. Der Ticketverkäufer informierte deshalb vorsorglich den Busfahrer über mein "Blasenproblem", damit dieser jederzeit anhalten würde, falls ich dringend aufs Klo müsste. In Realität gab es dann natürlich fast keine Möglichkeiten für Pinkelpausen. 
Auf der zweiten Fahrt gab es dann tatsächlich eine Toilette. Leider standen darin etwa zwei Zentimeter Urin am Boden. Als ich das bemerkte, hatte sich meine heruntergelassene Hose bereits damit vollgesogen. Gut, dass man als Krankenschwester in dieser Hinsicht einiges gewohnt ist. Nach insgesamt fast 50 Stunden in venezolanischen Bussen hatte ich vorerst einmal genug davon. 
Den genauen Bericht über die erste Busfahrt, welche bis dato auch die längste Busfahrt meines Lebens darstellte, könnt ihr =>HIER<= nachlesen, und die 2.  =>HIER<=




Verhaftung in den frühen Morgenstunden am Titicacasee
Bolivien, Juli 2017
Ich war gerade zum Couchsurfen bei einem Vorarlberger Aussteiger namens Ernst. Er hatte sich in einem kleinen, abgelegenen Dörfchen am Titicacasee in einem einfachen Lehmhäuschen niedergelassen. Mit mir befand sich ein weiterer Gast in seinem Haus: ein 20-jähriges bolivianisches Mädchen, das mir leicht seltsam erschien. Mit ihrem nächtlichen Schlafwandeln hat sie mir schon öfters ordentlich Angst eingejagt. Eines schönen Morgens stand plötzlich das ganze Dorf samt Polizei vor unserem Haus. Tatverdacht: Illegaler Drogenhandel, das Anzünden eines Hauses und als Draufgabe wurde Ernst noch Mädchenhandel unterstellt. Mit viel Glück konnte ich einer Nacht im Gefängnis entgehen, Ernst aber leider nicht. Trotz meines abgelaufenen Visums blieb ich ein paar Tage zusätzlich im Land und setzte alles daran ihn dort wieder rauszuholen. Das gelang mit dann auch mit Hilfe amerikanischer Missionare. Trotzdem musste Ernst der sehr korrupten Polizei einiges an Schmiergeld bezahlen.
Die ganze Geschichte könnt ihr =>HIER<= nachlesen.

"Verhaftung am Titicacasee"
 Hier am Bild: Ernst mit der Polizei und den aufgebrachten Dorfbewohnern


 

Zweimalig gescheitere Besteigung des Chimborazo 6.310 m
Ecuador, März 2017
Gleich zweimal misslang mir der Gipfelsieg des über 6.000 m hohen Chimborazo. Das erste Mal lag es an den großen Massen von Neuschnee, die das Vorankommen sehr verzögerten. Zusätzlich bekam ich massive Probleme mit der Höhe. Beim zweiten Mal scheiterten wir an zu gefährlichen Schneeverhältnissen. Die genauen Berichte dazu kannst du =>HIER<= (1. Besteigung) und =>HIER<= (2. Besteigung) nachlesen. 

"Gescheiterte Besteigung des Chimborazo"



 

Unsanfter Rausschmiss aus einem Hostel
Nicaragua, Juni 2016
Ich war gerade an einem wunderschönen Traumstrand in Nicaragua zum Arbeiten in einem Hostel. Leider kristallisierte sich die Besitzerin Leslia als regelrechte Hexe heraus. Sie versuchte mir das Leben wo es nur geht schwer zu machen, während ihr Gatte ein richtig netter Kerl war, mit dem ich sehr gut auskam. Irgendwann brachte Leslia das Fass zum Überlaufen, als sie zu mir meinte es würde Geld in der Kassa fehlen. Daraufhin erklärte ich ihr, dass ich morgen abreisen würde. Das passte ihr am Anfang gar nicht so und sie versuchte es kurz nochmals mit der zuckersüßen Art, aber mir reichte es nun eindeutig. Am nächsten Morgen gegen sechs Uhr wurde ich unsanft aus dem Schlaf gerissen. Leslia stand vor mir und erklärte mir ungehalten, dass ich sofort ihr Hostel verlassen sollte. Mir war es ein Rätsel wie sie in mein Zimmer kam, da ich dieses abgeschlossen hatte. Sie schrie mich an, dass  ich mich gefälligst beeilen sollte, denn sie würde mein Zimmer für neue Gäste brauchen. Ich wusste natürlich, dass das nicht stimmte, da es jede Menge freie Zimmer gab. Sie wollte mir nun so richtig eins auswischen und wahrscheinlich hatte sie Angst, dass ich um 8 Uhr noch da bin, wenn dann ihr Gatte kommt. Wenn der von den gestrigen und heutigen Geschehnissen Wind bekommen würde, wäre er sicher nicht begeistert, wie mich seine Frau behandelte. Aber gut. Ich wollte keine weiteren Diskussionen und packte meine Sachen. Da wir recht abgelegen waren, kam nur einmal am Tag - nämlich um 10 Uhr - ein Bus. Ich wollte also auf der Straße vor dem Hostel warten. Da kam die aufgebrachte Hexe herbeigerannt und schrie ich sollte auf der Stelle ihr Grundstück verlassen, sonst würde sie die Polizei rufen. Ich hatte schon Angst, dass die Gute gleich eine Herzattacke bekommen könnte, da sie sich so unwahrscheinlich aufregte. Ich warf ihr noch ein zuckersüßes Lächeln zu, packte meinen Rucksack auf den Rücken und begann loszuwandern. Bis zum nächsten Ort würde ich ca. zwei Sunden brauchen, der Weg ging zudem stetig bergauf. In der brütenden Hitze, war das Ganze gleich nochmal so schlimm. Ich plagte mich also den Weg hoch. Wie durch ein Wunder hielt ein junger Mopedfahrer neben mir und bot mir an mich in den nächsten Ort zu bringen. Letztendlich wollte er nicht einmal Geld annehmen für seinen Gefallen. Der nette Kerl rettete wirklich meinen Tag, und schnell war der Ärger über die bösartige Frau vergessen. 



 

Polizeilicher Verweis aus dem Armenviertel
Namibia, Februar 2016
Als meine Reisebegleitung Patrick und ich gerade am Busbahnhof in Walvis Bay an der namibischen Küste ankamen, lechzte Patrick bereits nach einem kalten Bier. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite entdecken wir dann auch gleich eine kleine Kneipe, aus der lautstarke Musik dröhnte. Sie sah zwar etwas heruntergekommen aus, aber das störte uns nicht. Der Schuppen war ganz schön voll. Wir bestellten Bier und schon bald gesellten sich ein paar Einheimische zu uns. Sie waren total sympathisch aber auch sehr erstaunt, dass hier Weiße in der Bar waren. Wir wären sogar die ersten weißhäutigen Menschen, die sie jemals hier in dem Viertel gesehen hätten. Das wunderte uns, denn in Walvis Bay sollten anscheinend viele Weiße leben. Ein junger Mann erklärte uns, dass diese alle in den reicheren Stadtvierteln wohnen würden und hier eigentlich nie herkämen. Die Männer gaben gleich eine Runde für uns aus und wir verbrachten lustige Stunden mit ihnen. Später sprach uns erneut ein Mann in der Bar an und auch er meinte, dass hier normalerweise nie Weiße herkommen und wir sollten gut aufpassen, denn es sei gefährlich hier. Das schien uns nicht Grund genug, den Ort zu verlassen, bis uns dann wahrhaftig die Polizei rausholte. Wir saßen gerade an einem Tisch vor der Kneipe, als ein Polizeiauto die Straße entlang fuhr. Dann stoppten sie doch tatsächlich neben uns und winkten uns herbei. Sie forderten uns auf einzusteigen, denn sie wollten uns in eine sicherere Gegend bringen. Das sah ich vorerst überhaupt nicht ein und fand es noch dazu ein bisschen diskriminierend. Patrick zischte mir zu, ich solle mich doch beruhigen und er möchte hier keine Probleme bekommen. Na gut, widerwillig holte ich meinen Rucksack. Wir verabschiedeten uns von unseren neuen Freunden. Diese meinten, wir sollen doch bald wiederkommen, was wir ihnen dann auch versprachen. Die Polizei brachte uns dann zu einem Hostel im Stadtzentrum. Unser Versprechen lösten wir natürlich ein, und gleich am nächsten Tag kamen wir wieder zu der Bar - diesmal aber ohne Wertsachen - und verbrachten eine unglaublich lustige Nacht dort. Die Jungs zeigten uns sogar ihre einfachen Behausungen in den Slums.


"Polizeilicher Verweis aus dem Armenviertel"
Hier am Bild: Die Polizei, Patrick und ich



Geld aus dem Rucksack gestohlen
Botswana, Februar 2016
Am besagten Tag, plante ich eine Reittour durch das Okavango Delta. Als ich auf der Pferdefarm ankam, erklärte mir die Besitzerin, dass ich meinen kleinen Rucksack während der Tour doch bei ihrem Kollegen lassen sollte, damit er mich nicht stört. Ich dachte mir nicht viel dabei und händigte ihm das Ding aus. Als die Tour nach wenigen Stunden vorüber war, vergaß ich meinen Rucksackinhalt zu kontrollieren. Erst bei der Ankunft meines Hostels dachte ich daran. Leider fehlte wirklich etwas - zu meinem Glück aber nur ein Teil des Bargeldes (umgerechnet vielleicht 30-40 Euro). Das war mir wieder einmal eine Lehre nicht jedem zu vertrauen und auf meine Sachen besser aufzupassen.



Überfall von einem Pavian bei den Viktoriafällen
Sambia, Februar 2016
Als ich die Viktoriafälle an der Grenze Sambia-Simbabwe besuchte, beschloss ich die wunderschönen Wanderwege entlang der imposanten Schlucht zu erkunden. Ich war alleine unterwegs. Auf meiner Erkundungstour sah ich Unmengen von Pavianherden. Diese schienen hier in der Gegend nicht besonders schüchtern zu sein und kamen teilweise ziemlich nah ran. Das lag wahrscheinlich auch daran, dass sie von den Touristen immer wieder gefüttert wurden. Anfangs fand ich die Vieher auch noch wirklich süß und machte Videos und Fotos aus nächster Nähe von ihnen. Nur von den ausgewachsenen Männchen hielt ich immer leichten Sicherheitsabstand, da die Tiere ganz schön groß waren. Als ich gerade ein paar Babyaffen aus nächster Nähe beim Spielen beobachtete, baute sich plötzlich ein riesiges Pavian-Männchen vor mir auf. Er fletschte die Zähne und riss mir meine gelbe Tüte aus der Hand. So schnell konnte ich gar nicht schauen, war er dann auch schon mit dem Ding in den Baumkronen verschwunden. Na, zum Glück hatte ich bloß mein Wurstbrot und nichts Wertvolles in der Tüte. Im weiteren Verlauf der Wanderung hatte ich dann immer panische Angst, dass mir nochmals so ein Riesen-Vieh über den Weg laufen könnte. 




Rucksack vergessen
Malawi, Jänner 2016
Am wunderschönen Malawisee vergaß ich leider meinen heißgeliebten Tagesrucksack in einem Hostel. Diese Unachtsamkeit brachte eine zusätzliche fast zweitägige Busfahrt mit sich. Aber  der Rucksack war es mir wert. 



Handy futsch 
Malawi, Jänner 2016
Zu meiner großen Freude fand ich in einem kleinen malawischen Dörfchen eine Unterkunft für umgerechnet bloß einem Euro/ Nacht. Doch die Freude hielt nicht lange. Als ich am Abend kurz das Zimmer verließ, hatte in der Zwischenzeit jemand mein Handy aus dem Zimmer gestohlen. Die Dorfgemeinschaft zeigte sich äußerst hilfsbereit und half mir bis tief in die Nacht hinein das Ding zu suchen - leider erfolglos. Als ich am nächsten Tag den Polizeiposten im Nachbarort aufsuchte, um mir eine Bescheinigung für die Versicherung zu holen, musste ich mich mit den Polizisten ärgern, das sie Austria einfach nicht von Australia unterscheiden konnten. Obwohl ich sie mehrmals darauf hinwies, stellte sich heraus, dass es schlussendlich am Dokument falsch notiert war. Zum Glück viel das wohl nicht einmal meiner Versicherung auf. Ansonsten waren sie aber super lieb und teilten sogar ihr Mittagessen mit mir. Die genauen Details zu der Geschichte kannst du =>HIER< nachlesen. 



Betrunkener und bekiffter Guide 
Malawi, Jänner 2016
Dass die Einwohner von Malawi ein sehr redseliges Volk sind, mussten meine Reisebegleitung Sonja und ich gleich bei der Einreise nach Malawi feststellen. Wir wollten gerade in Chitimba am Malawisee einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen, als uns wieder einmal ein Einheimischer - er hieß übrigens Bob - volllaberte. Er wollte uns ein wenig Gras verkaufen - dieses wird dort "Malawi Gold" genannt, da es besonders gut sein sollte - und uns zu guter Letzt noch eine kleine Wasserfall-Tour für morgen andrehen. Da er dafür umgerechnet nur drei Euro haben wollte und die Tour fast den ganzen Tag dauern sollte, sagten wir ihm zu. Als Bob am  nächsten Tag am vereinbarten Treffpunkt etwa eine Stunde zu spät erschien, hatte er glührote Mini-Augen. Gleich bei der Begrüßung erzählte er uns, dass er heute Morgen schon drei kleine Fläschchen irgendeiner lokalen Spirituose getrunken und ein paar Joints geraucht hatte. Dafür sah er eigentlich noch ganz gut aus, obwohl man die Alkoholfahne schon deutlich riechen konnte. Er klärte uns noch darüber auf, dass er mindestens jede Stunde eine kleine Joint-Pause bräuchte. Na, das kann ja was werden. Nach zehn Minuten musste er sich tatsächlich schon den ersten drehen. Er kam dann auch gleich mit einer Flasche dieser lokalen Spirituose an, die wir unbedingt probieren sollten. Das Zeugs schmeckte gar nicht so schlecht, wir hielten uns jedoch mit dem Trinken etwas zurück, immerhin hatten wir noch eine ordentliche Strecke vor uns. Verwunderlicherweise hatte Bob einen ziemlich flotten Schritt drauf, dem wir nur schwer folgen konnten. Vor allem die Hitze machte uns ordentlich zu schaffen. Der Wasserfall war letztendlich super schön. Am Ende der Wanderung verließ uns Bob aber dann ganz plötzlich - er meinte er fühle sich nicht gut und müsste ganz dringend schlafen gehen. Tja, wen wundert´s?

"Betrunkener und bekiffter Guide"
Hier beim Drehen seines Joints



Fähre versäumt aufgrund eines Uhrzeit-Missverständnisses
Tansania, Dezember 2015
Ich war gerade mit meiner Reisebegleitung Alex am Viktoriasee. Wir wollten an diesem besagten Tag mit einer Fähre den See überqueren. Gleich in der Früh machten wir uns auf, um noch ein Ticket am Hafen zu ergattern - immerhin fuhr die Fähre nur zweimal pro Woche ab. Der nette Herr am Ticketschalter erklärte uns, dass wir um 8 Uhr am Hafen sein sollten, denn um 8:30 Uhr wäre Abfahrt. Wir schlossen daraus logischerweise, dass 20 Uhr gemeint sein musste, denn 8 Uhr morgens war schon vorbei. Als Alex und ich gegen 14:30 Uhr gerade gemütlich am See in der Sonne relaxten, sahen wir plötzlich wie die Fähre abfuhr. Das kam uns äußerst seltsam vor. Wir fragten den Besitzer unserer Unterkunft nach dem Grund. Wie wir erfahren mussten, hat es sich tatsächlich um unsere Fähre gehandelt. Viele Einheimische in Tansania würden wohl in der "Swahili-Zeit" reden. In der Swahili-Zeit beginnt der der Tag mit dem Sonnenaufgang um 7 Uhr morgens - da Tansania am Äquator liegt, ist dieser das ganze Jahr zur exakt selben Uhrzeit. Der Sonnenaufgang ist die Stunde 1. Acht Uhr ist demzufolge 14 Uhr. Dieses Missverständnis bescherte uns weitere zwei Tage in dem Küstenörtchen, da wir ja auf die nächste Fähre warten mussten.

"Fähre versäumt"
Hier am Bild: die Fähre, die ohne uns davongefahren ist



Begegnung mit der grünen Mamba
Uganda, November 2015
Es war noch relativ am Anfang meiner Reise, als ich mich in einem Regenwald in Uganda total verlaufen hatte. Als wäre das nicht genug, sah ich plötzlich vor mir auf einem Ast eine 1,5 m lange  giftgrüne Schlange, die mir direkt in die Augen schaute. Ich war wie versteinert vor Schreck. Ungewöhnlich langsam verschwand das Biest dann in der Baumkrone. Wie sich später herausstellte, handelte es sich bei dem Reptil mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine grüne Mamba. Den genauen Bericht dazu könnt ihr =>HIER<= nachlesen.




Donnerstag, 13. Juli 2017

Kein Ende der Korruption in Sicht - Für mich geht es weiter nach Peru

By On Juli 13, 2017

Fortsetzung von  => "Schreckliche Korruption der Polizei in Bolivien" <=


Heute Morgen traf ich mich mit Ernst zum Frühstück. Dieser ist immer noch überglücklich wieder frei zu sein. Ganz nebenbei erzählte er mir plötzlich, dass er heute Morgen schon bei der Polizei war und diese meinte, er würde sein Eigentum zurückbekommen wenn er 1.000 USD zahlen würde. Waaas? Ich flog schon wieder aus allen Wolken. Ist denn so etwas möglich? Jetzt war er schon als Unschuldiger gefangen, hat den ganzen Schaden bezahlt, den das Mädchen verursachte und dann sowas. Jetzt reichte es aber. Ernst erzählte mir, dass die Polizei "liebenswürdigerweise" am Ende sogar auf 500 USD herunter gegangen sei.

Wir suchten unverzüglich einen Anwalt auf, den Ernst von früher bereits kennt. Der Anwalt war zu unserem Glück in seinem Büro. Er meinte wir sollten Daisy nochmals zur Polizei schicken, da sie mehr zu sagen hat. Sie sollte am Besten mit dem Polizeikommandan
ten reden. Hilft das nichts, sollten wir unbedingt die Botschaft anrufen.

Daisy fanden wir zum Glück sogleich. Sie willigte ein mit Ernst nochmals zur Polizei zu gehen. Ich beschloss für mich, heute Mittag abzureisen - weiter nach Peru. Ich habe meine Mission erfüllt, Ernst aus dem Gefängnis zu bringen und weiß nicht ob ich für das weitere Vorgehen eine Hilfe wäre. Diese Ruhe habe ich einfach nicht, mit solch verlogenen Menschen irgendetwas zu diskutieren. Auf alle Fälle werde ich Ernst so gut es geht weiterhin unterstützen und auch die Botschaft kontaktieren. Aber hier kann ich mich allein schon wegen meines abgelaufenen Visums nicht länger aufhalten. Ich hoffe nur inständig, dass Ernst dem Verlangen der Polizei ihnen Geld zu zahlen nicht nachgehen wird und dass er all seine Sachen wieder bekommt.

Ich verabschiedete mich herzlich von Ernst und begab mich zum Bus. An der Grenze musste ich 156 Bolivianos Strafe zahlen, für meinen illegalen Aufenthalt. Am späten Nachmittag kam ich in Puno an. Dort werde ich nun vorraussichtlich zwei Nächte verbringen - muss mich nun erstmals erholen von dem ganzen Schrecken der letzten Tage.























Mittwoch, 12. Juli 2017

Schreckliche Korruption der Polizei in Bolivien

By On Juli 12, 2017


Fortsetzung von => "Polizeifestnahme am frühen Morgen" <=


Ernst im Gefängnis

Meine Recherchen im Internet, Freunde von Ernst aufzutreiben, die hier leben, waren leider nicht sehr erfolgreich.

Ich machte mich heute gleich nach dem Aufstehen auf zum Gefängnis in Copacabana, um Ernst zu besuchen. Zum Glück durfte ich ihn persönlich sehen. Naja, mehr oder weniger - die kleine Stahltüre hatte bloß einen minkleinen Schlupf durch den ich den Armen sehen konnte. Er war in einer minikleinen Zelle ohne Licht, ohne Essen, ohne Wasser, ohne Klo, ohne irgendwas. Das Einzige was er hatte, war eine Plastikflasche zum hineinurinieren und eine viel zu dünne Matratze am Boden. In der Nacht hat es hier um die -6°C. Ernst hatte also unvorstellbar gefroren. Wieder standen mir Tränen in den Augen, als ich mit ihm sprach. Zum Glück durfte ich ihm Frühstück bringen. Wir baten die Polizei um ein Handy von Ernst, damit er wenigstens seine Freunde oder seinen Anwalt anrufen könnte. Sie lehnten jedoch ab. Unglaublich! Leider kennt Ernst nicht viele Leute hier. Er meinte ich sollte im Ort nach einem Anwalt suchen, es gäbe eine Straße, wo ein paar davon ihr Büro hätten. Sehr gut. Außerdem würde ein amerikanisches Missionarsehepaar (Jeff und seine Frau) hier leben, mit denen er gut befreundet wäre, da er immer wieder bei ihnen im Café frühstücken würde.

Hilfe von einem amerikanischen Ehepärchen und Daisy

Gut, zuerst machte ich mich auf die Suche nach den Anwaltbüros. Leider waren alle geschlossen und auch telefonisch konnte ich niemanden erreichen. Dann weiter zum Café des amerikanischen Ehepaars. Auch diese hatten Ruhetag, aber wie es der Zufall so wollte, waren sie gerade dort, um etwas aufzuräumen. Ich erzählte ihnen die Geschichte. Die beiden waren aufs Äußerste geschockt und erklärten sich natürlich sofort dazu bereit zu helfen.

Wir versuchten nochmals irgendwie einen Anwalt zu erreichen, leider vergebens. Sie meinten, wir müssten unbedingt eine bolivianische Person finden, die Ernst gut kennt, da wir Ausländer von der Polizei sowieso nicht für voll genommen werden. Das war auf alle Fälle ein guter Plan. Vor zwei Jahren hatte Ernst immerhin hier in Copacabana gewohnt, also musste es doch ein paar Leute geben, die ihn kennen und unterstützen könnten. Jeff erinnerte sich, dass Ernst zwei Jahre in Untermiete bei einer sehr angesehenen Frau im Ort lebte. Sie heißt Daisy und besitzt mehrere Hotels hier.

Jeff telefonierte mit Daisy, diese meinte wir sollten sogleich bei ihr vorbeikommen. Daisy schien mir von Anfang an super sympathisch. Auch sie erklärte sich sofort bereit, Ernst zu helfen, da auch sie genau weiß, dass er der gutmütigste Kerl überhaupt ist.

Zu viert machten wir uns auf zur Polizei. Diese staunten nicht schlecht, als sie plötzlich sahen, dass Ernst Freunde hat. Sie schienen auch Daisy zu kennen. Und siehe da, plötzlich sah das Ganze nur noch halb so wild aus. Daisy fragte, was hier eigentlich abginge und dass sie mit hundert prozentiger Sicherheit sagen kann, dass Ernst weder Drogen- noch Frauenhandel betreiben würde. Die Polizei lächelte verschmitzt und meinte, dass das doch noch gar nicht gesagt sei. Diese Lügner! Wut stieg in mir hoch, aber ich verkniff mir jegliche Kommentare. Hauptsache wir schaffen es, Ernst irgendwie frei zu bekommen.

Am Nachmittag trafen wir uns alle zu einer erneuten Vernehmung. Jeff und Daisy waren mit dabei. Zu meinem Erstaunen waren auch Alejandra, ihre Mama und ihre Tante dort. Das machte mir etwas Angst, da die Polizei gestern behauptet hatte, dass Alejandra angab, dass Ernst sie verwegaltigt hatte. Das war natürlich völliger Blödsinn, da das Mädel bei mir im Haus schlief und auch sonst nie mit ihm allein war. Außerdem hat Alejandra eine eindeutige psychiatrische Erkrankung und sagt alle paar Minuten etwas anderes. Einmal behauptete sie, sie würde Medizin studieren, das nächste Mal war es dann doch Architektur. Man konnte ihr sozusagen alles einreden. Und wenn ihre Familie ihr jetzt irgend etwas Schlechtes einreden würde, dann wäre das eine Katastrophe.

Doch ich täuschte mich. Ihre Mama und ihre Tante waren supernett. Sie bedankten sich sowohl bei mir als auch bei Ernst herzlich, dass wir so gut auf das Mädel aufgepasst und sie verköstigt hatten. Als ich die Mama fragte, wie lange Alejandra von zu Hause weg wäre, meinte diese 10 Tage. Vielleicht könnt ihr euch erinnern, dass mir die Polizei gestern weismachen wollte, dass Alejandra bereits seit Jänner vermisst sei und sie sich sicher wären, Ernst hätte sie im Keller gehabt. Alles Lügen! Alles Lügen,  um einen Grund zu haben, Ernst ins Gefängnis zu stecken. Mein Hass auf diese Polizei wuchs immer mehr. Die Nettigkeit von Alejandras Familie konnte ich mir zum einen so erklären, dass sie sich einfach nicht irgendwelche Unannehmlichkeiten einbrocken wollten. Immerhin hatte ihre Tochter ein Haus angezündet und Ernst ist für den ganzen Schaden aufgekommen. Zum anderen glaube ich, dass sie wirklich liebe Leute sind.

Die ganze Vernehmung zog sich wie immer ins Unendliche. Ernst wurde irgendeine Anwältin zur Verfügung gestellt, die ihr Büro hier in der Polizeiwache hatte - das stimmte mich wieder etwas stutzig. Dann mussten Jeff und Daisy für Ernst bürgen (soweit ich alles richtig verstanden hatte) und somit war dieser wieder frei. Wow, ich konnte es gar nicht glauben!

Korruption ohne Ende

Die Vernehmung war beendet. Alle gingen nach Hause und Ernst musste noch die ihm zugeteilte Anwältin zahlen. Nun musste ich aber doch nachfragen, was mit den Wertsachen (3 Laptops, 2 Mopeds, Handy, Geldtasche) von Ernst passieren würde. Die Sachen sollten sie nun eigentlich zurückgeben. Der kleine Polizeibeamte wurde sichtlich nervös und begann irgendetwas von bolivianischem Gesetz zu schwafeln. Na jetzt reichte es aber. Ich erklärte ihm, dass ich bereits seit zwei Jahren um die Welt reise und dass es nirgends auf der ganzen Welt so ein Gesetz gebe, dass einem Unschuldigen von der Polizei die Wertsachen gestohlen werden. Dann rutschte mir auch noch das Wort "Korruption" raus. Das war zuviel. Der vorher so nette Polizeibeamte war nun alles andere als nett. Er verlor völlig die Besinnung und begann irgendetwas herumzuschreien. Leider ist mein Spanisch nicht so perfekt, dass ich das alles verstehen konnte.

Ernst, der neben mir saß, begann zu schwitzen und zischte mir ins Ohr ich sollte mich beruhigen, denn er möchte nicht nochmals ins Gefängnis. Da hatte er natürlich recht. Und da ich auch selbst illegal im Land bin, durfte ich mir jetzt wirklich nicht zuviel erlauben. Es ist nur so, dass mich diese Ungerechtigkeit und diese schreckliche Korruptheit hier sehr böse macht. Und ich sollte morgen doch Bolivien verlassen, aber andererseits ist es mir auch sehr wichtig, dass die Sachen von Ernst nicht einfach verschwinden.

Der Polizist stürmte mit hochrotem Kopf aus dem Büro. Ich konnte hören, wie draußen getuschelt wurde. Es war nun schon spät. Ernst und ich beschlossen zu gehen und morgen einen Anwalt und eventuell die Botschaft zu kontaktieren, falls sie die Sachen nicht freiwillig zurückgeben. Liebenswürdigerweise händigten sie uns wenigstens das Handy und die Geldbörse von Ernst aus. Wie wir später feststellten fehlten 100 Bolivianos in seiner Geldtasche. Wirklich traurig, was hier so abgeht. Mal sehen, was der morgige Tag bringt. Ernst wird die Nacht heute, auch hier in einem Hostel verbringen, denn zurück in sein Dorf kann er keinesfalls.



Eine Fortsetzung des Berichtes findest du   => HIER <=
















Dienstag, 11. Juli 2017

Polizeifestnahme am frühen Morgen

By On Juli 11, 2017

Mit dem idyllischen Landleben am Titicacasee hat es nun ein jähes Ende genommen.

Aber nun von Anfang an:

Was die letzten Tage so geschah...

Die Situation mit Alejandra wurde die letzten Tage immer mysteriöser. Die Dorfbewohner erzählten mir gestern, dass das Mädel die ganze Nacht Runden im Dorf gedreht hatte. Außerdem hörte ich die Nacht zuvor komische Geräusche im Haus und hatte Todesangst, da ich dachte es wäre vielleicht ein Einbrecher. Als ich meine Zimmertür öffnete stand Alejandra halbnackt in vollkommener Dunkelheit davor und schien irgendwie völlig geistesabwesend durch mich durchzuschauen. Mir ist das Herz regelrecht in die Hose gerutscht. Daraufhin schickte ich sie in einem strengen Ton wieder zu Bett und versperrte schweissgebadet vor Angst mein Zimmer. Keine Ahnung was mit der Kleinen los ist, aber mir schien das Ganze nun mehr als unheimlich.

Heute Nacht habe ich wieder fast kein Auge zugemacht, da Alejandra im Haus herum geisterte. Mehrmals habe ich sie zu Bett geschickt, doch das half immer nur wenige Minuten. Ich hatte Angst, dass sie irgend einen Blödsinn machen könnte. Zwischendurch fragte ich mich ernsthaft, ob es denn möglich sei, dass die Kleine tatsächlich besessen ist. Ich verdrängte diesen furchteinflössenden Gedanken schnell wieder. Wahrscheinlich war das ich bloß eine schwere Form von Schlafwandeln.

Um 6 Uhr morgens kam Ernst schon vorbei. Was war ich froh ihn zu sehen. Ich erklärte ihm, dass das Mädel zurück nach Hause muss und zwar so schnell wie möglich. Irgendetwas stimmte nicht mit ihr. Ernst meinte, wir würden später darüber reden und eine Lösung suchen. Er möchte bloß schnell nach Copacabana fahren, um uns ein leckeres Frühstück zu besorgen.

Kurz darauf stand Alejandra vor mir. Sie kann sich laut ihrer Aussage nicht erinnern, dass sie nachts herumgegeistert sei. Sie sah ziemlich verdreckt aus. Das Mädel huschte ab unter die Dusche und warf ihre ganzen Klamotten in die Wäsche. Eigenartig - so reinlich war sie normalerweise nicht.

die so niedlich wirkende Alejandra und ich


Ein Riesenschock am Morgen  - illegal in Bolivien und noch vieles mehr....

Ich verzog mich in mein Zimmer, um meine morgendliche Yoga-Einheit zu machen. Plötzlich hörte ich ganz viele Stimmen. Ich schaute aus dem Fenster und traute meinen Augen kaum. Das ganze Dorf und drei Polizisten waren vor dem Haus versammelt. Es herrschte ein Riesen-Tumult. Alejandra hatte ihnen bereits die Türe geöffnet. So schnell konnte ich gar nicht schauen, standen auch schon die Polizisten, das Dorfoberhaupt und irgendein Beamter von der Migrationsbehörde bei mir im Zimmer.

Ich sollte ihnen sofort meine Dokumente zeigen. Ich versuchte ruhig zu bleiben und fragte, ob sie denn vielleicht so lieb sein könnten und mich aufklären würden was los sei. Es bestehe die Vermutung, dass hier im Haus Drogen konsumiert und sogar produziert werden. Außerdem werfen sie Ernst vor, er würde Frauen bzw. Mädchenhandel betreiben. Bitte was? Na gut, ich reichte ihnen meine Dokumente. "Die ist illegal hier!! ", schrie der Migrationsbeamte. Also jetzt reichte es aber mit falschen Unterstellungen. Ich bat ihn mir unverzüglich zu erklären, warum ich illegal hier sei. Er deutete auf meinen Einreisestempel. Du lieber Himmel, er hatte recht. Das war doch glatt bloß ein 30-Tage-Stempel. Bisher hatte ich in allem lateinamerikanischen Ländern eine Aufenthaltsgenehmigung von 90 Tagen, doch tatsächlich schien Bolivien eine Ausnahme zu sein. Demzufolge war ich bereits 4 Tage illegal im Land. Ich bedauerte, wie Leid mir das Ganze tue und erklärte ihnen meine Sachlage. Das schien sie jedoch nicht die Bohne zu interessieren.

Sie begannen mein Gepäck nach Drogen zu durchsuchen. Natürlich fanden sie nichts. Sie durchsuchten das ganze Haus. Mir war immer noch nicht ganz klar, was das Ganze plötzlich sollte. Vielleicht hatte Alejandra wo eingebrochen in der Nacht. Doch die Kleine lächelte bloß ganz unschuldig und meinte sie hätte die ganze Nacht geschlafen.

Das ganze Dorf stand schaulustig vor dem Haus. Sie schrien Dinge wie, dass sie diesen gefährlichen Gringo (=Ausländer) hier weg haben wollen, usw. Mir stieg richtig die Wut hoch. Sonst taten sie immer so lieb zu Ernst und zogen ihm Geld aus der Nase wo sie nur konnten. Und jetzt auf einmal fallen sie ihm so in den Rücken. Die 17-jährige Jessy, die Ernst regelmäßig aufsucht, um ihn um Geld zu bitten, da sie beispielsweise das Handy ihres Papas verloren hätte und dieser sie nun deswegen schlagen würde, schrie am Lautesteten, dass der Gringo raus muss.

Ich konnte es fast nicht glauben was hier geschah. Und der gutgläubige Ernst hat ihr doch tatsächlich immer wieder Geld zugesteckt. Außerdem kreuzten erst vor ein paar Tagen, die Dorfweiber auf und baten Ernst zuckersüß ihnen doch 100 kg Wolle zu spendieren, da sie ein neues Strickprojekt starten möchten. Er bekäme dafür mal einen gratis Fisch vom Fischer. Ich erklärte Ernst daraufhin, dass das Dorf ihn schrecklich ausnutzen würde, was er offenbar nicht zu bemerken schien. 

Für alle die kein Spanisch sprechen: Die Dorfbewohner wollten, dass Ernst dieses Dokument unterschreibe, welches besagt, dass er hundert Kilo Wolle spendieren sollte - unglaublich einfach! 


Die Polizei wollte nun das zweite Haus von Ernst - also das, in dem er schläft - durchsuchen. Da Ernst nicht da war, beschlossen sie kurzerhand einbrechen. Zum Glück kam dieser genau im richtigen Moment von seiner Einkaufstour zurück. Den ganzen Rucksack hatte er voll leckeren Kuchen und Früchten, für das geplante Frühstück. Als er die Menschenmassen vor seinem Haus sah, blieb ihm das Herz fast stehen. Ich musste mit den Tränen kämpfen, so leid tat mir Ernst in dem Moment.

Die Polizei riss ihn grob herbei und meinte, er solle lieber gleich die Waffen und die Drogen rausrücken. Ernst beteuerte weder das eine noch das andere zu besitzen. Er sperrte ihnen die Haustüre auf. Die Polizei und jede Menge Schaulustige drängten sich ins Haus. Alles wurde gründlichst durchsucht. Gefunden wurde natürlich genau gar nichts. Die Polizei beschloss kurzerhand die drei Laptops und die drei Handys von Ernst zu beschlagnahmen. Als sie seine zwei Mopeds sahen, erklärten sie, dass sie auch diese mitnehmen müssten. Zur Beweisfindung, meinten sie. Genau! Mit ziemlicher Sicherheit wird Ernst all die Dinge nie wieder sehen.

Endlich begann uns der Dorfälteste zu erklären, was in der Nacht geschehen ist. Alejandra wäre wohl in ein Haus eingebrochen und hätte dort mehrfach Feuer gelegt. Als uns das ganze Schlamassel gezeigt wurde, staunte ich nicht schlecht. Hier hätten tatsächlich Menschen ums Leben kommen könnnen. Der Brand hat Einiges im Haus zerstört. Außerdem lagen alle Tontöpfe der Küche in Scherben zerschlagen am Boden. Alejandra hat also scheinbar ein ernsthaftes Problem. Und jetzt steht sie da und grinst. Erinnern kann sie sich an nichts. Es wurden aber ihre Schuhe und ihre Taschenlampe im betroffenen Haus gefunden. Die Sache war also relativ klar. Ich spielte ernsthaft mit dem Gedanken, ob es vielleicht möglich sei, dass das Mädchen von einem Dämon besessen war. Von einer derartigen psychiatrischen Erkrankung hatte ich nämlich noch nie gehört. Nun war mir auch die Dusche und das Waschen der Klamotten des Mädchens heute morgen verständlich.

Auch Ernst musst erstmals schlucken, als er all das sah. Er entschuldigte sich vielmals und meinte, er würde natürlich für den ganzen Schaden aufkommen. Währenddessen zischte mir eine alte Frau ins Ohr, dass Ernst doch sagen sollte, seine zwei Mopeds würden Dorfeigentum sein, denn sonst wird sich die Polizei das alles behalten. Also die Leute hier, verkaufen uns wohl für blöd. Wenn wir behaupten würden, diese seien Eigentum des Dorfes, dann würde Ernst seine Mopeds genauso wenig wiedersehen.

das Dorf belagert den armen Ernst

selten habe ich soviel Bösartigkeit erlebt

Die Polizei meinte, wir sollten Waschsachen einpacken und mitkommen auf die Wachstation. Sie müssen uns (Ernst, Alejandra und mich) festnehmen. Ernst bekam die Krise, da er seine Taube auf keinen Fall alleine hierlassen wollte. Sie ist immerhin sein ein und alles. Ohne nachzudenken, versuchte er plötzlich abzuhauen. Natürlich bemerkte das schnell jemand und das ganze Dorf schrie "Fasst ihn! Legt ihm Handschellen an! Drogenschmuggler! Kinderschänder!" Die Polizei fasste Ernst, schlug ihn und legte ihn Handschellen an. Ich konnte mich nicht mehr halten und begann zu weinen. Mir tat das alles so unendlich Leid für Ernst.

Es ging also zur Polizeiwache. Mit uns kamen drei Personen aus dem Dorf. Darunter die Frau mit dem halb abgebranntem Haus. Ernst wurde sogleich zu einem Bankomaten gebracht. Dort hob er den entsprechenden Geldbetrag für den Schaden ab und zahlte die Frau sogleich. Diese hatte natürlich viel zu viel verlangt.

Polizeiwache in Tiquina am Titicacasee


Ernst wurde nun alles (Geld, Dokumente, Handy) abgenommen. Er durfte nicht einmal einen Freund oder einen Anwalt anrufen. Krass. Dann kamen sie auf die Idee, dass auch mir das Handy abgenommen werden sollte. Nun bekam ich wirklich Angst. Ohne Handy bin ich verloren, wie sollte ich denn so Hilfe herbeiholen. Ich bestand darauf, vorher die österreichische Botschaft anrufen zu wollen. Daraufhin überlegten sie sich das Ganze plötzlich anders. Ich durfte mein Handy behalten.

Leider ist es sehr schwierig mit dieser korrupten Polizei hier auch nur irgendetwas zu besprechen. Ich versuchte ihnen zu erklären, dass ich Ernst über Couchsurfing kenne, aber das wollten sie alles nicht hören. Ich versuchte ruhig und freundlich zu bleiben, denn ich wusste, dass die sonst alles was sie nur wollen mit mir machen können. Das brachte sich zum Glück auch etwas. Die Polizei war mir nun etwas wohlgesinnter. Sie meinten, sie würden meine Akten kontrollieren und wenn alles in Ordnung wäre, würden sie mich vielleicht wieder frei lassen. Ich müsste bloß eine Strafe zahlen, da ich illegal im Land bin. Puuh, Erleichterung kam in mir hoch.

Alles dauerte ewig lange. Zuerst waren wir im Örtchen Tiquina auf der Polizeiwache. Später fuhren wir in den etwas größeren Ort Copacabana. Die Polizei fragte mich allen Ernstes, ob ich das Taxi dorthin zahlen könnte. Ich antwortete natürlich eiskalt mit "Nein, ich habe kein Geld". Die meinen doch wirklich ich bin komplett blöd. Sie schauten mich verwundert an und fragten wie ich denn dann reisen könnte. Ich wies sie erneut auf Couchsurfing hin. Außerdem würde ich manchmal auch Autostoppen. Ich musste mir eine kurze Moralpredigt anhören, wie gefährlich das als Mädchen sei, dann ging es weiter.

In Copacabana waren auch andere Polizeibeamte anwesend. Es wurde viel getuschelt unter ihnen. Ich fragte mich, was sie wohl zu verbergen hatten, bzw. welchen geheimen Plan sie schmiedeten. Es wurde auch allerhand dokumentiert, aber ich hatte keinen Einblick auf das Geschriebene. Ich fragte die Beamten, was denn nun mit Alejandra passieren sollte. Diese meinten, das Mädchen wäre seit Anfang Jänner vermisst und sie wären sich sicher Ernst hätte sie im Keller versteckt. Also jetzt reichts aber! Ich war eine ganze Woche bei Ernst und kann mit 100%iger Sicherheit bestätigen, dass das Mädel erst vor wenigen Tagen angekommen ist. Wieder einmal interessierte sie meine Aussage null. Auf alle Fälle wurde Alejandras Mama veständigt und diese werde das Mädchen abholen kommen.

Irgendwann spät in der Nacht, schien das Ganze vorerst ein Ende genommen zu haben. Die drei Dorfbewohner wurden zurück nach Hause geschickt. Der Polizeikommandat erklärte ihnen, dass sie dem Dorf verkünden sollten, dass Ernst nun eingesperrt werde und so schnell nicht wieder herauskomme. Sie hätten nun genügend Beweise, dass er Frauen- bzw. Kinderhandel und auch Drogenhandel betreibe. Am liebsten hätte ich die Polizei anzubrüllen begonnen, was ihnen eigentlich einfällt, eine solche Lügengeschichte zu erfinden. Ich wusste aber, dass ich mir im Moment nichts erlauben konnte, sonst werde ich mit Ernst eingesperrt und dann ist es schwer an Hilfe zu kommen. Die Polizei sagte also genau das, was das Dorf hören wollte - unglaublich.

Ich darf die Nacht in einem Hostel verbringen und Ernst wurde in seine Gefängniszelle gebracht. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie schrecklich es dort sein muss. Mir ist einfach bloß zum Weinen zumute. Ich verstehe nicht wie Menschen so böse und eiskalt sein können. Die Nacht werde ich damit verbringen, irgendwie Bekannte von Ernst aufzutreiben - vielleicht über seine Facebook-Freunde. Ich brauche dringend Hilfe, denn so ein kleines, blondes Touristenmädchen nimmt die Polizei hier sowieso nicht für voll.


Drückt mir bitte die Daumen!




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Mittwoch, 8. Juni 2016

Gnadenloser Rausschmiss & Insel Ometepe

By On Juni 08, 2016


Gnadenloser Rausschmiss

Leslia hat es heute morgen geschafft den Vogel nochmals so richtig abzuschießen. Um 6 Uhr wurde ich unsanft aus dem Schlaf gerissen. Leslia stand vor mir und erklärte mir recht ungehalten, dass ich meine Sachen packen sollte, weil sie das Zimmer brauchen würde. JETZT. Das war natürlich völliger Quatsch, denn ich wusste, dass wir freie Zimmer hatten. Da ich aber keine Lust auf Streit hatte, tat ich was sie sagte. Das Problem war bloß, dass es nur einen Bus täglich gab, um hier wegzukommen, der fuhr erst um 10. Ich ging also in die Küche, um mir mein Frühstück zu richten. Da stand dann plötzlich wieder dieses aufgebrachte Weib vor mir und erklärte mir, ich solle die Küche unverzüglich verlassen. Bitte was? Ich unterhielt mich dann mit einigen Hostelgästen noch ein wenig. Als diese sich dann Richtung Strand aufmachten, sah ich wie sich Leslia schnellen Schrittes auf mich zubewegte. Oh nein. Sie schrie mich regelrecht an, ob ich denn nicht verstanden hätte, dass ich ihr Grundstück SOFORT zu verlassen hätte. Wow, sowas ist mir auch noch nicht untergekommen. Aber schön langsam wurde mir klar woher der Wind wehte: Leslia hatte Angst, dass ich den Gästen von der ganzen Geschichte erzählen würde. Außerdem bin ich mir gar nicht sicher ob ihr Mann von den ganzen Geschehnissen weiß, immerhin habe ich mich gestern noch sehr nett mit ihm unterhalten und heute schien er noch nicht im Hostel zu sein. Womöglich möchte sie die ganze Geschichte vor ihm auch vertuschen. Was geht eigentlich in so grundbösen Menschen vor sich??


Glück im Unglück

Ich machte mich also zu Fuß auf Richtung Las Salinas, dem nächsten Dorf. Dieses liegt ca 6 km entfernt und die unasphaltierte Straße geht großteils aufwärts. Durch den Regen der letzten Tage, waren die Straßen teilweise richtige Seen bzw Flüsse und man versank knöcheltief im Schlamm. Die Sonne knallte nur so vom Himmel. Als ich so in der brütenden Hitze mit meinem riesigen Rucksack durch den Schlamm latschte wusste ich plötzlich nicht mehr ob ich lachen oder weinen sollte. Ich entschloss mich für Ersteres. Ich stellte mir die ganze Situation von außen betrachtet vor: kleines Blondinchen wird regelrecht aus dem Hostel rausgeschmissen und auf die Straße gesetzt. Nun plagt sie sich irgendwo im Nirgendwo mit ihren sieben Sachen in der brütenden Hitze einen verschlammten Weg hoch und fragt sich immer noch was da eigentlich gerade vorgefallen ist. Ja, so spielt das Leben manchmal. Doch wie es das Schicksal so will hörte ich plötzlich ein Motorgeräusch hinter mir brummen. Der junge Mann, der das Moped fuhr, hielt vor mir an und fragte mich ob er mich mitnehmen könnte. Liebend gern! Er brachte mich den ganzen Weg Richtung Las Salinas hoch. Tja, das sind genau die glücklichen Zufälle, die das Reisen so schön machen. 

Weiter auf die Insel Ometepe

Nach einer halben Stunde kam der Bus nach Rivas.  Von dort aus gings nach san Jorge und von da mit der Fähre auf die Insel Ometepe. Dort konnte ich ein günstiges Hostel ausfindig machen. Ach was bin ich froh endlich weit weg von den bösen Erfahrungen der letzten Tage zu sein. Die Insel Ometepe mit ihren zwei Vulkanen ist ein wunderschönes Fleckchen Erde. Hier werde ich nun wohl einige Tage verbringen.



auf der Fähre nach Ometepe

Blick auf die zwei Vulkane auf Ometepe




Dienstag, 16. Februar 2016

Auf zur Walvis Bay - Polizeilicher Verweis aus dem Armenviertel

By On Februar 16, 2016
Am späten Vormittag brachen Patrick und ich auf zur "Walvis Bay" (Walfischbucht). Einen Großteil meines Gepäcks ließ ich bei Le Roux in der Wohnung, da wir wohl in ein paar Tagen wieder zurückkommen werden.
Die Minibusfahrt Richtung Walvis Bay war recht eindrucksvoll, wir durchquerten steppen- und wüstenähnliche Landschaften.

auf dem Weg nach Walvisbay 



Endlich angekommen in Walvis Bay. Patrick lechzte nach einem kalten Bier – typisch Patrick. Aber irgendwie wäre ich im Moment auch nicht abgeneigt. Als wir von unserem klapprigen Bus ausstiegen, deutete Patrick gleich auf die andere Straßenseite. Dort war eine kleine Kneipe, aus der am helllichten Tag lautstark Musik dröhnte. Ja, da gab es bestimmt Bier. Die Straße war staubig und schmutzig, und generell schienen wir hier in einem eher verwahrlostem Stadtteil angekommen zu sein, aber das störte uns nicht, denn in dem Punkt waren wir beide uns einig: Dort wo nie andere Touristen hinkommen ist es immer am spannendsten.

Wir betraten die Kneipe. Schien ganz schön voll zu sein hier. Eine Kellnerin und ein paar Typen, die – gelinde gesagt – schon ganz gut drauf waren. Wir bestellten ein Bier. Als die Kellnerin uns dies in einer 1l Flasche servierte, erfreute sich Patrick umso mehr. Billig war es zudem auch. Es dauerte nicht lange, da sprach uns die ersten Typen an. Sie schienen sehr sympathisch und gesellten sich gleich zu uns. Dabei erzählte sie uns, dass sie hier in der Bar noch nie eine weißhäutige Person gesehen hätten und dass sie sich unwahrscheinlich freuen würden, dass wir hier seien. Komisch, dabei gibt es hier in Walvis Bay meines Wissens nach viele weiße Einwohner. Der junge Mann erklärte uns, dass diese alle in den reicheren Stadtvierteln wohnen würden und hier eigentlich nie herkämen. Die Männer gaben gleich eine Runde für uns aus und wir verbrachten lustige Stunden mit ihnen.
Später sprach uns erneut ein Mann in der Bar an und auch er meinte, dass hier normalerweise nie Weiße herkommen und wir sollten gut aufpassen, denn es sei gefährlich hier. Das schien uns nicht Grund genug, den Ort zu verlassen, bis uns dann wahrhaftig die Polizei rausholte. Wir saßen gerade an einem Tisch vor der Kneipe, also ein Polizeiauto die Straße entlang fuhr. Dann stoppten sie doch glatt neben uns und winkten uns herbei. Kann es sein, dass sie uns meinten? Wir hatten doch gar nichts getan. Patrick ging zuerst auf sie zu. Sie diskutierten eine Weile. Dann rief Patrick auch mich. Auf Nachfrage, was denn hier los sei, erklärte mir der Polizeibeamte, dass dies die gefährlichste Gegend der Stadt sei und sie uns in eine sicherere Gegend bringen würden. Das sah ich vorerst gar nicht ein und fand es noch dazu diskriminierend. Patrick zischte mir zu, ich solle mich doch beruhigen und er möchte hier keine Probleme bekommen. Na gut, widerwillig holte ich meinen Rucksack. Wir verabschiedeten uns von unseren neuen Freunden. Diese meinten, wir sollen doch bald wiederkommen, was wir ihnen dann auch versprachen.

Die Polizei war im Endeffekt auch superlieb und brachte uns direkt zu einem Hostel. Sie erklärten uns, dass wir mit unserem ganzen Gepäck ein gefundenes Fressen für Diebe gewesen wären. Ja, sie haben es wirklich nur gut gemeint und wer weiß, vielleicht war es auch besser so. Trotzdem machte mich diese strikte Trennung nach Hautfarben sehr traurig.


Jede Menge Spaß in der Spaß in der Kneipe mit den Einheimischen 

Patrick mit einem Bierchen (die haben hier übrigens 750ml)

im  Polizeiauto 

mit dem Polizisten 

das Polizeiauto