Route Kenia
Ich kann es kaum glauben, dass ich gerade am Flughafen in Nairobi sitze und ganze viereinhalb Monate in Kenia schon wieder um sind. Als ich Anfang November hier angekommen bin, wusste ich weder wie lange ich bleiben möchte, noch was ich überhaupt in diesem Land machen würde. Ich bin ja ziemlich spontan in Kenia gelandet. Mein ursprünglicher Plan war eigentlich Äthiopien. Zwei Tage vor dem Abflug kam eine Reisewarnung für das Land aufgrund von Bürgerkrieg. Das Auswärtige Amt hat mich sogar persönlich angerufen und mir nahe gelegt meine Reise zu stornieren. Daraufhin habe ich doch glatt für den übernächsten Tag einfach einen Flug nach Kenia gebucht, ohne auch nur den geringsten Schimmer von dem Land zu haben. Und siehe da, es hat mir so gut gefallen, dass ich meine komplette Reise-Auszeit hier verbracht habe.
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| Ash verwöhnte mich noch mit einem leckeren letzten Frühstück in Kenia |
Ja, richtig gelesen, Watamu wird tatsächlich auch "Little Italy" (deutsch: kleines Italien) genannt. Es handelt sich dabei um einen Ort an der Küste Kenias mit schneeweißen Sandstränden. Das Gebiet umfasst sogar einen eigenen Meeresnationalpark. Und wie man sich vorstellen kann, tummeln sich jede Menge Italiener hier. Warum das so ist, weiß ich nicht so genau. Einige von ihnen leben schon seit Jahren hier, andere sind Urlauber. Italienische Restaurants und Eisbuden gibt es an jeder Ecke.
Ich bin also am Mittwoch am Flughafen in Malindi angekommen. Vom dort aus sind es nur etwa hundert Meter zur Hauptstraße. Ich ignorierte all die aufdringlichen Taxifahrer, die mich gleich bei der Ankunft belagerten und schaute mich dann auf der Hauptstraße nach einer günstigeren Fahrtgelegenheit um. Dort standen Tuk-Tuks (= dreirädiges Taxi) und Boda-Bodas (=Mopedtaxi). Es war wieder einmal viel Verhandlungsgeschick gefragt. Schlussendlich brachte mich ein Boda-Boda für 500 Ksh nach Watamu.
Ich kam in der Mbuyu Lodge unter, welche ich mir bereits im Vorhinein über Booking.com gebucht hatte. Es gibt einen schönen kleinen Pool und ich wohne in einer hübschen Bungalowhälfte mit Strohdach. Inklusive Frühstück kostet mich die Nacht 32€. Eigentlich passt diese Preisklasse nicht wirklich zu meinem Reisestil. Aber wie gesagt, die letzten Tage meiner Reise gönne ich mir nun auch mal was. Agnes, die Besitzerin der Unterkunft war stets hilfsbereit uns super lieb. Auch das Frühstück ließ keine Wünsche offen. Es gab sogar richtigen italienischen Capuccino. Ich genoss den ganzen Luxus in vollen Zügen - wahrscheinlich sogar um einiges mehr als die meisten anderen Gäste.
| Diese Siedleragame sonnte sich jeden Morgen vor meinem Bungalow |
| Entspannen am Pool der Mbuyu Lodge in Watamu |
Es gibt nicht viel super spannendes von Watamu zu erzählen, denn diese Tage machte ich ganz langweilig "normal" Urlaub, so wie die meisten das kennen ;) Am Pool liegen und ein Buch lesen, Strandspaziergänge, im Meer herumplanschen und gut essen gehen. Tatsächlich kam ich mir jedoch zeitweise ein bisschen fehl am Platz vor zwischen all den Pauschaltouristen - hier fast noch mehr als auf Lamu. Ich fühle mich in abgelegenen Dörfern oder in einsamen Wäldern viel wohler. Der ganze Rummel in den Touri-Gebieten hat nämlich etwas stressiges. Überall wimmelt es nur so von Beachboys - so werden die Jungs genannt, die am Strand herumlaufen und einem ständig etwas verkaufen wollen (Touren, Souvenirs, etc). Sie sind ziemlich schwer abzuwimmeln und nervten mich zeitweise sehr. Auch die Preise sind hier so hoch, wie ich sie in Kenia noch nicht gesehen habe. Aber gut, im Gegensatz zur Schweiz ist es immer noch günstig ;) So habe ich zum Beispiel leckeren Hummer für 1.000 Ksh (= 7,90€) gegessen, dafür würde man Zuhause deutlich mehr zahlen. Pizza und Spaghetti bekomme ich in meiner Heimat aber auf alle Fälle für weniger Geld als in Watamu.
| Frischer Hummer |
Die einheimischen Kinder rufen hier nicht "Muzunguu, how are you?" oder "Jambo!" sondern man wird tatsächlich auf italienisch mit "Ciao" gegrüßt. Ich fühlte mich wie im falschen Film.
Die Sandstrände rund um Watamu sind dafür wunderschön: Palmen, Felsen im Wasser und weißer, feinkörniger Sand. Wenn man ein wenig läuft, dann findet man auch ganz einsame Ecken. Bereits am ersten Abend zeigte mir ein Einheimischer ein paar Baby-Riffhaie, die im Wasser vor unseren Füßen ihre Kreise zogen. Er erklärte mir, dass die Kleinen völlig ungefährlich wären. Zudem gäbe es auch Schildkröten und Delfine ganz in der Nähe. Wenn ich sie sehen wollte könnte ich nur eine Tour bei ihm buchen. Das war ja schon fast klar, dass er mir nicht ganz uneigennützig die Haie gezeigt hat *lach*.
| Der Strand von Watamu |
Ich ließ mich aber zu keiner touristischen Schnorchel-Bootstour von den vielen Tourenanbietern überreden. Es sollte sowieso nicht sonderlich spannend sein, wie ich von anderen Hotelgästen erfahren habe. Delfine und Schildkröten sahen nur die wenigsten, da gerade keine Saison dafür ist. Dafür unternahm ich ausgedehnte Wanderungen am Strand. Ich entdeckte dabei tolle Klippen und einige Ruinen.
Ein anderes Mal wanderte ich den Strand entlang bis zum Mida Creek. An dem Tag legte ich fast 20 km zurück, aber es hat sich voll und ganz ausgezahlt. Wunderschöne einsame Strände erwarteten mich dort. Naja okay, fast einsam. Ein Beachboy gab einfach nicht auf und kam all den Weg mit mir. Der kleine, etwas dickliche Kenianer etwa in meinem Alter - er heißt Bobby - tat mir fast ein wenig leid. Er schien ordentlich Mühe zu haben mit mir Schritt zu halten. Als ich dann über die schroffen Klippen kletterte, um an den nächsten Strand zu kommen, war ihm das nicht sonderlich geheuer. Trotzdem beschloss er mir weiter zu folgen. Bobby wirkte eher schüchtern und war nicht super aufdringlich, sonst hätte ich ihn bestimmt sofort auf die harte Tour abgewimmelt. Ich wusste, dass er versuchen würde mir irgendwie Geld abzuknöpfen, deshalb machte ich ihm von Anfang an deutlich, dass das nichts wird. Ich war barfuß unterwegs. Plötzlich ließ ich einen Schrei los. Bobby eilte sogleich herbei, um mir zu helfen. Da war ich doch glatt fast auf einen Schlange getreten. Im letzten Moment zischte das etwa eineinhalb Meter lange Tier davon. Nun reichte es Bobby, er meinte das wäre eine sehr giftige Schlange und von denen gäbe es viele hier in den Steinen, wir sollten doch umdrehen. Ich stellte noch einmal klar, dass er mich hier verfolgte und es ihm jederzeit frei stünde wieder zurück zu gehen. Aber nein, der Gute beschloss mir weiterhin nachzulaufen.
| Auf dieses süße Tierchen wäre ich fast draufgetreten |
Es folgten weitere wunderschöne einsame Strände. Ich warf mich in die badewanne-warmen Fluten. Bobby machte es mir nach.
| Wunderschöne einsame Strände |
Zurück folgten wir einer Straße im Mangrovenwald. Ich wollte dort in das berühmte Krabbenrestaurant "Crab Shack Dabaso". Vorher musste ich aber Bobby klarmachen, dass er mir dorthin nicht folgen kann, immerhin sind die Preise da ziemlich gesalzen und der Beachboy hat bestimmt kein Geld um selbst zu zahlen. Am Ende bestellt er sich etwas Feines und lässt mich dann zahlen. So läuft das nämlich oft. Zum Glück konnte ich ihn davon überzeugen, dass ich dort nun wirklich alleine hingehen möchte. Natürlich musste ich ihm versprechen, dass wir uns in den nächsten Tagen wiedersehen. Er tat mir wirklich ein bisschen leid, aber in dem Fall wäre ich ohne die kleine Notlüge wohl nicht davongekommen. In dem urigen Restaurant, das auf Holzstegen mitten in den Mangroven liegt, gönnte ich mir zum ersten Mal im Leben eine Riesenkrabbe und dazu ein Glas Palmwein - sehr, sehr lecker sag ich euch.
Wieder zurück in der Unterkunft angekommen, musste ich feststellen, dass ich mindestens genau so rot geworden bin, wie die Krabbe, die ich soeben verspeist habe. Ich hatte einen ordentlichen Sonnenbrand ausgefasst. Das ist auch kein Wunder, immerhin war ich in Kenia sonst nie mit dem Bikini unterwegs, sondern immer mindestens schulter- und kniebeckt.
| Am nächsten Tag entdeckte ich ein weiteres Restaurant inmitten der Mangroven. Diesmal handelte es sich um ein Garnelenrestaurant. |
| Auch das Garnelenrestaurant war auf Holzstegen gebaut. |
| Das Garnenlenrestaurant |
| Der Sonnenuntergang von hier aus war einfach genial :) |
So neigten sich langsam aber sicher meine Tage an der Küste dem Ende zu. Heute sollte es wieder zurück nach Nairobi gehen. Dort möchte ich noch diverse Bekanntschaften wiedertreffen und ein paar Einkäufe erledigen bevor ich meinen Heimflug am 19.3. antrete.
Bis bald!
Eure Michi :)
Lamu Island ist eine Sandinsel mit Mangrovenbuchten vor der Küste Kenias im Indischen Ozean kurz vor Somalia. Die Insel ist bekannt für seine kilometerlangen, schneeweißen Sandstrände, die beinahe menschenleer sind. Der Hauptort der Insel ist Lamu Town. Er wurde 2001 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. In Lamu Town wird der Ursprung der Swahili-Kultur vermutet. Es ist der älteste besiedelte und besterhaltenste Ort an der ostafrikanischen Küste. Bereits im 14. Jahrhundert war die Insel besiedelt. Lamu Island ist stark islamisch geprägt.
Am Freitag, dem 14.3., ging mein Flug von Nairobi nach Lamu. Ganz nach afrikanischer Zeit hatte er natürlich über eine Stunde Verspätung. Das machte mir nichts aus, aber andere Passagiere hatten einen Anschlussflug und waren deshalb ziemlich in Aufruhr. Wie ich später erfuhr kommt es bei den nationalen Flügen sowieso sehr oft zu Verspätungen, oder gar zu Flugausfällen. Gleich nach dem Start begann die Maschine irrsinnig zu ruckeln. Als wir schon recht hoch waren, ging es plötzlich im Sturzflug wieder einige hundert Meter hinunter. In dem Moment glaubte ich ernsthaft, dass nun mein letztes Stündchen geschlagen hatte. Doch siehe da, von nun an lief alles ohne Komplikationen.
Der kleine Flughafen auf Lamu befindet sich um genau zu sein auf der Insel Manda. Diese gehört aber auch zur Lamu-Inselgruppe. Ich folgte den anderen Passagieren zu einem Bootssteg. Dort standen Männer die Plakate mit verschiedenen Namen darauf hochhielten. All die Leute wurden letztendlich von einem privaten Motorboot abgeholt. Ich fragte einen der Polizisten, ob es ein öffentliches Boot nach Lamu gäbe. "Um diese Zeit leider nicht", meinte er. Mir blieb also nichts anderes übrig als mir ein privates Boot zu nehmen. Ein solches würde 500 Ksh nach Lamu Town kosten und 1.000 Ksh nach Shela - das ist der kleine Ort auf Lamu Island, an dem ich die nächsten Tage verbringen werde. Ich konnte den Preis auf 800 Ksh herunter handeln. Die Bootsfahrt durch die Mangrovenwälder war wunderschön.
Gleich bei meiner Ankunft in Shela wurde ich von Männern mit langen weißen Kleidern empfangen. Die Einheimischen in dieser Gegend sind fast alle Muslime. Sie boten mir an den Rucksack zu tragen und mich zu meiner Unterkunft zu bringen. Ich lehnte dankend ab. Einige waren recht hartnäckig, gaben dann aber doch irgendwann auf. Ich ging erstmal los und tat so, als ob ich mich hier auskennen würde. Das war natürlich nicht der Fall. Völlig orientierungslos irrte ich also durch die engen Gassen und fragte mich bei den Einheimischen durch. Zum Glück stand ich dann irgendwann vor meiner Unterkunft: Shela White House. Ich war sofort verliebt in dieses wunderschöne Haus mit der grandiosen Dachterrasse. Der Preis pro Nacht sind umgerechnet 14,50 € inklusive Frühstück (welches superlecker war!!). Das ist auf alle Fälle eine der günstigeren Unterkünfte hier auf der Insel. Es gibt fünf Zimmer. Das Bad teilte ich mir mit einer weiteren Person.
| Aussicht von der Dachterrasse meiner Unterkunft Shela White House |
| Die gemütliche Dachterrasse |
Ich traf hier übrigens Victor wieder. Vielleicht erinnert ihr euch noch an ihn, ich habe diesen jungen Mann aus Frankreich zum ersten Mal auf Mfangano Island getroffen und dann haben wir noch zusammen eine Safari in der Masai Mara gemacht.
Shela ist ein charmantes, verschlafenes Dorf. Ich war beeindruckt von der Architektur der Häuser. Auf Lamu Island gibt es übrigens keine Autos. Zum Transport werden entweder Boote oder Esel benutzt. Oder man geht zu Fuß. Anfangs habe ich mich in den engen, labyrinthartigen Gässchen ständig verlaufen. Aber das störte mich nicht weiter. Jede Gasse schien ein neues kleines Geheimnis zu offenbaren, somit war es unglaublich spannend ein wenig herumszustreunern. Man muss bloß sehr aufpassen, denn immer wieder kommen Esel um die Ecke, die teilweise schwer mit Waren beladen sind. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass so ein Zusammenstoß ziemlich schmerzhaft sein kann.
| Die hübschen Gassen von Shela |
Besonders schön in Shela finde ich den etwa 12 Kilometer langen langen, schneeweißen Sandstrand. Er ist von Sanddünen umgeben und komplett naturbelassen. Und das Beste: Er ist fast menschenleer. Am Anfang des Strandes - etwa bis zum Fort - sind meist ein paar Touris am Sonnen und Einheimische planschen im Wasser herum. Geht man jedoch weiter ist so gut wie niemand mehr zu sehen. Ich unternahm in diesen Tagen viele lange Strandspaziergänge und genoss das Rauschen der Wellen und die Ruhe. Zwischendurch warf ich mich in die Fluten - das Wasser ist hier absolut glasklar.
| Dünen umgeben den Strand von Shela |
| Der Strand bei Ebbe |
Was für mich etwas ungewohnt war ist, dass Shela recht touristisch ist. Es sind zwar im Moment nur wenige Urlauber da, trotzdem merkt man, dass alles auf den Tourismus ausgerichtet ist. Nach all der Zeit in den abgelegenen Gebieten Kenias, wo Luxus ein Fremdwort war, fühle ich mich hier zwischen all den Schickimicki-Pauschaltouristen etwas fehl am Platz. Überall wird man angequatscht bezüglich Touren, Souvenirs, usw. Dementsprechend hoch sind auch die Preise in den Restaurants. Wie ihr bestimmt wisst, bin ich sehr ungern in touristischen Gebieten. Da aber nun meine Reise bald endet, habe beschlossen etwas "Urlaub" zu machen. Immerhin ist mein Reisestil oft mit Strapazen verbunden und nicht wirklich das, was viele unter "entspannten Ferien" verstehen. Ich gönnte mir deshalb auf Lamu auch hin und wieder etwas Feines zu Essen, wie zum Beispiel Meeresfrüchte (ich liebe sie soo sehr!) oder auch mal einen Cocktail. Von solchen Dingen konnte ich in den letzten Monaten nur träumen.
| Frische Meeresfrüchte und Fisch |
Interessant ist noch, dass man hier auf der Insel so gut wie gar nichts von Corona merkt. Kein Mensch trägt Masken und auch sonst würde man nicht auf die Idee kommen, dass dieser Virus existiert... - wenn da nicht in den Shops und in den Restaurants überall die Hinweisschilder wären, dass eine Maskentragepflicht herrscht. Diese scheinen aber eher zur Zierde da zu hängen. Sie werden gekonnt ignoriert. Nicht einmal am Flughafen hat das Personal Masken getragen. Laut den Einheimischen hat es auf Lamu nie Corona-Fälle gegeben - ob das wirklich stimmt habe ich nicht nachgeprüft. Das Leben fühlt sich hier so frei und normal an wie vor dieser Pandemie.
Gleich am zweiten Tag beschlossen Victor und ich nach Lamu Old Town zu spazieren. Bei Ebbe kann man direkt am Strand entlang gehen. Der Fußweg dauert etwa eine halbe Stunde. Alternativ könnte man auch ein Motorboot nehmen. Als wir in dieser mittelalterlichen Steinstadt ankamen, hat sie uns sofort in ihren Bann gezogen. Kinder laufen barfuß und lachend durch die Straßen, die Frauen scheinen fast zu schweben mit ihren langen, schwarzen Verschleierungen und die Männer sitzen mit ihren weißen, bodenlangen Gewändern und der traditionellen Kopfbedeckung auf den Steinbänken vor ihren Häusern. Und überall (wirklich überall!!) laufen Esel herum. Die Gassen sind noch verwinkelter als in Shela. Wir fühlen uns einige hundert Jahre in die Vergangenheit versetzt. Die Zeit scheint hier wahrlich stehen geblieben zu sein.
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| Kinder spielen in den engen Gassen Fußball mit einer leeren Plastikflasche |
| Vorsicht schwer beladene Esel! |
| Lamu Old Town |
Wir besuchten das Museum im Fort, welches viel über die Geschichte der Insel erzählt (Entritt 500 Ksh). Zudem landeten wir irgendwann am lokalen Markt und beobachteten das geschäftige Treiben. Zu Mittag gönnten wir uns frischen Fisch mit leckerem Kokosreis.
| Der Markt in Lamu Old Town |
| Oktopusse werden in der Sonne getrocknet |
Am Sonntag wollten Victor und ich Manda Island besuchen. Die Bootsfahrt dorthin dauert nur etwa fünf Minuten und kostet 400-500 Ksh pro Boot. Scheinbar gibt es auf der Insel uralte Ruinen (die Takwa-Ruinen), welche wir gerne sehen würden. Zum Glück wussten wir am Anfang noch nicht, was da auf uns zukommen wird. Wir dachten nämlich vom Strand zu der Ruinenstadt würde es etwa ein 20-minütiger Fußmarsch sein. Im Endeffekt waren wir gut zwei Stunden pro Wegstrecke unterwegs. Die Sonne brannte erbarmungslos vom Himmel. Schatten gab es keinen. Am Weg dorthin trafen wir keine Menschenseele. Eigentlich dachten wir, dass man bei den Ruinen einen Eintritt zahlen müsste und dass es dort Shops gibt, wo wir uns Wasser kaufen könnten. Und vielleicht sogar ein Motorbike, das uns zurück zu Strand bringen würde. Fehlanzeige! Als wir bei den Ruinen ankamen, war der Ort total verlassen. Es schien zwar so, als ob dort irgendwann wirklich mal mehr Infrastruktur für Touris war, aber das ist bestimmt schon ein Weilchen her. Umso spannender fand ich das Ganze. Victor war sich noch nicht ganz schlüssig was er davon halten sollte.
| Takwa Ruinen auf Manda Island |
Takwa war im 15./16. Jahrhundert eine wichtige Swahili-Handelsstadt. Die Siedlung wurde vermutlich im 17. Jahrhundert aufgegeben, wahrscheinlich aufgrund der zunehmenden Versalzung des Trinkwassers.
In der Nähe der Ruinen fanden wir dann noch einen einsamen Strand, wo wir uns eine willkommene Abkühlung gönnten.
| Der Strand nur wenige Minuten von den Takwa Ruinen entfernt |
Der Rückweg war noch viel heißer und wir mussten uns die letzten Wasserreserven gut einteilen. Letztendlich waren es die Anstrengungen auf alle Fälle wert für dieses kleine Abenteuer.
| Einen alte Moschee auf Manda Island |
| Der Strand auf Manda Island |
Als Victor am Montag die Insel verließ, zog doch tatsächlich wieder ein Franzose in sein Zimmer ein: Anthony, ein Touristenführer aus Paris. Wir verstanden uns sogleich prächtig und tauschten verrückte Reisegeschichten aus, von denen wir beide genug auf Lager hatten.
| Der Weg nach Matondoni |
| Das Dörfchen Matondoni |
| Der Strand von Matondoni bei Ebbe |
| Die Boots-Bushaltestelle in Mokowe |
| Auf geht´s nach Watamu |
Nur wenige Touristen besuchen den Norden Kenias, und noch weniger das Gebiet östlich des Turkana-Sees. Und wenn sie es machen, dann meist nur mit Guide und bewaffnetem Eskort, da die Region bekannt ist für Raubüberfälle und Banditen. Gemeinsam mit meiner indischen Reisebekanntschaft Kailash habe ich es gewagt diese Gegend auf eigene Faust zu erkunden. Die Abenteuer, die wir dort erlebten, werde ich bestimmt nie wieder vergessen!
Am Donnerstag, dem 24.3., reiste ich nach Marsabit um mich dort mit Kailash zu treffen. Ich kannte ihn zu dem Zeitpunkt noch nicht persönlich. Er hatte mich über die Couchsurfing-Webseite kontaktiert und stellte sich als sehr abenteuerlichen Backpacker vor, der es - ebenso wie ich - liebt, abgelegene Gegenden zu erkunden. Er hält seine Reisen übrigens auf seinem Youtube-Kanal "The Indo Trekker" fest. Das klang für mich natürlich sofort sehr spannend und ich ging das Risiko ein, mit einem quasi Unbekannten eine Abenteuer ins ebenso Unbekannte zu planen.
| Kailash und ich auf dem Weg von Marsabit nach North Horr |
Eigentlich wollte ich in Nanyuki in den selben Bus zusteigen, in dem sich Kailash auf seinem Weg von Nairobi nach Marsabit befinden sollte. Sein Bus hatte dann aber Probleme bei einer Polizeikontrolle und demzufolge mehrere Stunden Verspätung. Ich beschloss also ein Matatu (=Minibus) nehmen. Dazu musste ich in Isiolo umsteigen und mit einem weiteren Matatu von dort aus nach Marsabit. Anfangs lief alles mehr oder weniger reibungslos. Als wir jedoch bereits auf dem Weg von Isiolo nach Marsabit waren, kehrte der Fahrer plötzlich um und fuhr wieder zurück nach Isiolo. Ich hatte keine Ahnung warum und fand es auch nicht sonderlich lustig, da ich keinesfalls nachts in Marsabit ankommen wollte, immerhin hat die Gegend dort sowieso nicht den Ruf die Sicherste zu sein. Ein Fahrgast klärte mich auf: Es gab wohl eine Polizeikontrolle auf der Strecke und diese können wir nicht passieren, außer wir würden jede Menge Schmiergeld zahlen. Nun müssten wir warten bis diese fort ist. Es wurde dann sogar ein Motorbike-Fahrer losgeschickt, um zu schauen, ob die Polizei denn nun verschwunden war. Nach etwa einer Stunde Wartezeit konnten wir dann endlich los.
Die weitere Fahrt verlief recht spannend. Es ging durch viele kleine Ortschaften, in denen das Samuburu-Volk lebt. Ich war fasziniert von ihren traditionellen Kleidern: Die Männer tragen Tücher um die Hüften gebunden, der Oberkörper ist meist frei. Die Frauen tragen schwere Halsketten (bis zu 10kg!) und ihr Kopf ist mit Perlenketten und Stirnschmuck verziert. Der Perlenschmuck, den die Mädchen tragen, ist ein Geschenk von jungen Samburu-Kriegern, um diese für sich zu reservieren. Sie dürfen dann dafür immer wann sie wollen mit den Mädchen Sex haben. Die Samburu leben demzufolge polygam. Weibliche Genitalverstümmelung gehört nach wie vor obligatorisch zur Heiratszeremonie. Leider kann ich mit keinen Bildern von den Samburu dienen, da das Fotografieren immer ein sehr heikles Thema ist.
Es war leider schon dunkel, als ich Marsabit erreichte. Ich kam im Nomads Trail Hotel (1.400 Ksh/Nacht inkl. Frühstück) unter.
Marsabit ist die Hauptstadt des Bezirks Marsabit. Aufgrund des heißen Klimas sind nur 10% der Fläche hier landwirtschaftlich nutzbar. 45% der Einwohner leben unterhalb der Armutsgrenze, 90% haben keinen direkten Zugang zu sauberem Wasser und mehr als 80% sind des Lesens und Schreibens nicht mächtig. Die Menschen hier leben hauptsächlich von der Viehzucht (v.a. Kamele und Ziegen). Auch die Ernährung ist deshalb sehr einseitig. Es wird vor allem Ugali (=Maismehlbrei), Chapati (=Fladenbrot), Bohnen und Ziegenfleisch gegessen. Früchte und Gemüse sind fast gar nicht zu finden. Durch die große Dürre in den letzten Wochen oder sogar Monaten ist sehr viel vom Vieh gestorben. Immer wieder sah ich tote Tiere am Wegesrand liegen.
Für das Abendessen fand ich ein kleines somalisches Restaurant und wurde dort vom Inhaber sehr freundlich empfangen. Er hatte Chapati und Bohnen als einziges Gericht auf der Speisekarte ;) Dazu gabe es Chai (=Milchtee). Das Ganze für 90 Ksh (=0,71€).
| Genau so sah das Essen für die nächsten Tage aus ;) |
Da Kailash erst spät in der Nacht ankam, habe ich ihn dann erst am nächsten Morgen getroffen. Überall auf den Straßen in Marsabit sieht man schwer bewaffnetes Militär.
| Frühstück in Marsabit |
Unsere heutige Mission war es ein Transportmittel nach North Horr zu finden. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es hier nicht. Man muss also im Ort herumfragen, ob irgendjemand jemanden kennt, der vielleicht dorthin fährt. Schon bald wurden wir fündig. Ein Landcruiser sollte noch am selben Tag gegen Mittag in Richtung North Horr aufbrechen. Wir konnten nur staunen wie voll bepackt mit Menschen und Waren das Gefährt am Ende war. Es wurden Säcke, welche mit Namen und Ortschaften beschriftet waren, an die Seiten des Landcruisers gebunden - sozusagen als Kurierdienst.
| Unglaublich was die Leute hier alles in/auf ein Gefährt packen |
| Suchbild: Wo bin ich? ;) |
Mit uns im Auto war ein bewaffneter Eskort. Die Einheimischen klärten uns auf, dass man hier ohne einen solchen nirgendwo hinfahren könne, da es sehr viele Banditen in der Wüste gäbe, die regelmäßig Waren- und Personentransporte ausrauben würden. Die Fahrt nach North Horr dauerte etwa fünf Stunden. Es ging durch die endlos scheinende Chalbi-Wüste. Sie stellt die heißeste und trockenste Region Kenias dar. Die unglaubliche Hitze war trotz des Fahrtwindes sehr herausfordernd. Zudem wehte uns jede Menge Sandstaub ins Gesicht. In den einzelnen kleinen Strohhütten-Dörfern, die wir durchquerten, hielten wir jeweils kurz an um Waren zu ent- und beladen.
Gegen 18 Uhr kamen wir in North Horr an. Die einheimische Bevölkerung gehört zur Volksgruppe der Gabbra. Sie leben auch heute noch großteils als Nomaden bzw. Halbnomaden. Nach einer etwas längeren Suche konnten wir eine ganz passable Unterkunft finden. Zwei Strohhütten für 500 Ksh pro Person (= 3,95€).
| Meine Unterkunft in North Horr |
Die Einheimischen in North Horr zeigten sich alle super hilfsbereit und freundlich. Als die Dunkelheit hereinbrach, war ich fasziniert vom Sternenhimmel. Die Milchstraße wirkt von hier aus so unglaublich nah und kristallklar.
Am Samstag Morgen machten Kailash und ich uns erstmal auf, um Frühstück zu finden. Schon bald fanden wir ein kleines Restaurant. Auf der Speisekarte gab es hier ebenso nur Chapati mit Bohnen. Davon werden wir uns auch in den nächsten Tagen hauptsächlich ernähren.
Unser Plan war es heute weiter nach Loiyangalani zu reisen. Wir fragten überall in North Horr herum, doch es schien hoffnungslos. Hier hat niemand ein Auto und selbst Trucks kommen nur selten in diesen Ort. Ein hilfsbereiter junger Mann meinte, sein Freund Ali könnte uns vielleicht mit dem Motorbike nach Loiyangalani fahren. Wir trafen uns also mit Ali. Er konnte nicht wirklich Englisch, aber sein Freund übersetzte für uns. Ali wollte 5.000 Ksh für die dreistündige Fahrt quer durch die Wüste. Wir waren uns sehr unschlüssig. Würden wir tatsächlich zu dritt auf dem Motorbike Platz haben? Außerdem haben wir zwei riesige Rucksäcke dabei. Zudem hat Kailash noch einen kleineren Rucksack und ich noch eine Tasche. Es gibt keine befestigten Straßen. Am Weg ist nur ein kleines Dorf. Was wenn wir eine Panne haben mitten im Niemandsland? Nach langem Hin und Her konnten wir uns mit Ali auf 4.000 Ksh einigen. Er versicherte, dass er uns samt Gepäck alle auf sein Motorbike bringen wird. Und der Gute hatte recht. Ich war erstaunt wie geschickt diese Männer all unser Gepäck sicher auf seinem Bike befestigten. Es kam zudem noch ein Sack mit Werkzeug mit - für den Fall, dass wir eine Panne haben.
| Ali und ich am Mortorbike. Hinter mir musste dann noch Kailash Platz haben |
Es ging also los. Tatsächlich war es gar nicht so unbequem wie erwartet. Ali erwies sich als der weltbeste Motorbike-Fahrer! Unglaublich wie gekonnt er uns mit seinem Gefährt durch die Wüste brachte. Die Gegend war monoton und trocken. Als wir an einer Wasserstelle vorbei kamen, waren dort gerade zig Kamele am Trinken.
Auf halber Strecke liegt das Dorf Gas. Hier machten wir einen kurzen Stopp. Ali musste erstmal ordentlich Miraa (auch Khat genannt) futtern. Es handelt sich dabei um die Blätter des Khatstrauches. Sie enthalten einen Wirkstoff, der mit dem Amphetamin verwandt ist, aber wesentlich schwächer wirkt. Müdigkeit verschwindet dadurch. Zudem wird der Körper zu mehr Leistungsfähigkeit stimuliert, Hunger wird unterdrückt und Euphorie tritt ein. In vielen Ländern ist der Konsum dieser Blätter verboten, hier in Kenia ist es aber legal.
| Angekommen in dem Dorf Gas |
| Die Gabbra zeigten uns sogar eine ihrer Hütten von innen. |
| Abendstimmung am Turkanasee |
| Am Weg zum Elmolo Dorf |
| Blick auf das kleine Elmolo Dorf |
| Zur Abwechslung gab es heute Fisch und Ugali |
| Über sechs Stunden ausgesetzt in der Wüste |
| Die Männer am Militärposten teilten einen Tee mit uns |