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Samstag, 18. Januar 2020

Neu-Delhi: Metro, Lodi Gärten & neue Bekanntschaften


Zu meinem Erstaunen, wurde der gestrige Tag noch ganz aufregend. Somit konnte ich  meinen Großstadt-Koller ein wenig überwinden. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass in Delhi etwa 20 Millionen Menschen leben. Das ist zweinhalb Mal Österreich oder auch die Schweiz. Und das alles in einer Stadt. Unglaublich! 

Jedenfalls machte ich mich gestern nach meinem Morgenkaffee auf in Richtung Lodi Gärten. Kaushik - der Mitbewohner von meinem Gastgeber Nik - meinte nämlich, dass es dort ganz schön und friedlich wäre. Ich nahm also die Metro (U-Bahn) dorthin. Das Metrosystem in Neu-Delhi ist wirklich gut ausgebaut. Man kommt rasch und günstig so gut wie überall hin. Ich habe mir eine Metrokarte gekauft. Diese kann man immer wieder aufladen und sie ist zudem sehr praktisch in der Handhabung. Was mich sehr verwundert hat ist, dass man bevor man das Metrosystem betritt einer Sicherheitskontrolle unterzogen wird. Wichtig: Männer und Frauen müssen sich in getrennten Reihen anstellen - das habe ich anfangs nicht ganz geschnallt und war plötzlich recht beunruhigt, als ich in einer Riesenmasse an Männern als einzige Frau stand. Im weiteren Verlauf muss man die Tasche auf ein Fließband legen - wie beim Flughafen - damit sie durchleuchtet wird. Man wird dann von einer Sicherheitsbeamtin von oben bis unten ausgegrabscht und dann darf man weiter. Selbiges Szenario spielt sich auch ab, wenn man beispielsweise in einen MC Donalds oder ins Starbucks-Cafe will. Ähnliches habe ich auch in Südafrika und in einigen Ländern in Lateinamerika erlebt. 

Die Lodi Gärten haben mich sehr beeindruckt: Eine sehr vielfältige Pflanzenwelt, antike Bauten aus dem 15. und 16. Jahrhundert und jede Menge Vögel. Zudem nur relativ wenige Menschen, die in Grüppchen zusammensaßen und picknickten oder einfach nur die Ruhe auf einer Parkbank genossen. 

Lodi Gärten in Neu-Delhi 



Ich traf mich dort mit Abhishek (natürlich von Couchsurfing, wie ihr euch wahrscheinlich schon vorstellen könnt). Der junge Mann erzählte mir voller Begeisterung viele spannende Fakten über Indien und Neu-Delhi. Dann drehten wir mit seinem Motorrad eine Runde. Wir hielten an einer der Garküchen am Straßenrand, um uns dort ein Mittagessen zu kaufen. Dieses wird dann einfach im Stehen am Straßenrand gegessen. Ich liebe solche Erfahrungen. Ja, ich liebe dieses einfache Leben. Obwohl Kaushik mich heute morgen noch extra gewarnt hat, dass ich nichts von der Straße essen sollte, da dieses oft recht unhygienisch zubereitet werden würde. Aber gut, er fällt auch in eine ganz andere Gesellschaftsklasse als Anwalt. Er ist stets fein gekleidet mit Anzug und hält sich wohl eher in vornehmen Restaurants mit Spitzenküche auf. Aber wie schon erwähnt, ich fühle mich viel wohler mit einfachen Menschen. Das Essen schmeckte vorzüglich und ich habe nicht die geringsten negativen Nachwirkungen davongetragen. 

Essen am Straßenrand :)

Nachdem wir uns die Bäuche vollgeschlagen haben, ging die Erkundungstour auf seinem Bike weiter. 

Ugrasen ki Baoli

Abhishek & ich

Einheimische, die mich um ein Foto fragten

Er zeigte mir dann noch die indische Eisenbahn und lud mich anschließend auf eine Tasse Tee zu ihm nach Hause ein. Seine Oma öffnete die Tür. Sie sprach kein Englisch, sah mich aber freudestrahlend an und begann mit mir auf Hindi zu sprechen. Ich genoss eine Tasse Masala Tee, welcher wunderbar würzig war. 





Als ich am Abend nach Hause kam, saß Kaushik mit einem Freund auf der Couch. Sie tranken Whiskey. Sein Freund schien ein äußerst feiner Herr zu sein mit frisch polierten Schuhen und einem sehr exquisiten Anzug. Bereits seine zweite Frage an mich war, was ich von Beruf war. Als ich "Krankenschwester" antwortete, verzog sich sein Gesicht und er musterte mich von oben bis unten. Aus seinem Mund ertönte ein recht freudloses "Nobel". Ja, der Beruf einer Krankenschwester ist in Indien nicht besonders angesehen, wie ich bereits vorher erfahren habe. Hier erwartet man von den Menschen der oberen Gesellschaftschicht, dass sie mindestens Ärzte oder Anwälte werden. Aber eine solch abwertende Reaktion hätte ich nicht erwartet. Ich wünschte gerade, dass mich der Erdboden verschlucken würde. Einmal tief durchatmen und gute Mine zu dem bösen Spiel machen. Ich setzte mich zu den beiden an den Tisch. Zum Glück schenkte mir der Schnösel nicht weiter Beachtung und verabschiedete sich bereits nach zehn Minuten. Mein Gastgeber Nik kam nicht nach Hause an diesem Abend. Kaushik fragte mich, ob ich Lust hätte mit ihm auszugehen. Ich gab vor schon unendlich müde zu sein, da ich wirklich keine Lust hatte mehr von diesen hochgestochenen Typen zu treffen. 

Heute Morgen überlegte ich mir dann ernsthaft, ob ich noch einmal meinen Gastgeber hier in Delhi wechseln sollte. Wie durch ein Wunder bekam ich plötzlich eine Nachricht von Prachi. Das ist eine junge Inderin, die letztes Jahr durch die Schweiz reiste. Sie schickte mir damals eine Nachricht, ob sie bei mir couchsurfen könnte. Aufgrund diverser Zwischenfälle klappte es dann aber nicht. Als ich nun vor einigen Tagen nach Neu-Delhi reiste, kontaktierte ich sie. Leider war sie gerade selber auf Reisen. Und genau heute schrieb sie mir, dass sie am Abend zurückkommen würde und ich doch bei ihr unterkommen sollte. Was für ein glücklicher Zufall. Ich hoffe nun wirklich, dass es auch klappt. Ich würde mich nämlich wahnsinnig freuen, endlich einmal bei einer weiblichen Person unterkommen zu können. Das ist nämlich hier in Indien gar nicht so einfach. 99,9% der Couchsurfing Gastgeber sind nämlich Männer, da es in dieser Kultur äußerst selten ist, dass Frauen alleine wohnen. Meistens bleiben sie bis zur Heirat im Elternhaus. Und diese sind natürlich meist nicht so erfreut, wenn andauernd fremde Leute ins Haus kommen. 

Namaste


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