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Samstag, 10. Oktober 2015

Jeder Tag ein neues Abenteuer - Kanufahrt am Viktoriasee


Wie schön ist es doch morgens vom Krähen des Hahns und dem Muhen der Kuh im Garten geweckt zu werden. Daneben hörte ich bereits lustiges Kinderlachen. So stellt man sich den perfekten Start in den Tag vor. Ich bin ja gerade zum Couchsurfen bei Meddy in Bugembe, einem kleinen Örtchen in Uganda am Viktoriasee. Meddy lebt hier mit seiner Familie, das sind seine Mutter, seine Schwester und drei Waisenjungs, die sie bei sich aufgenommen hatten. Die drei Jungs sind zwischen acht und fünfzehn Jahre alt und sind mir sofort ans Herz gewachsen. Ihre Mama sei wohl sehr früh an Aids gestorben und ihren Papa haben sie nie kennengelernt. Meddys Mama hat sich ihnen angenommen. Ich fand es jedoch sehr erschreckend wie sie die Jungs behandelte. Von frühmorgens bis manchmal Mitternacht mussten sie arbeiten. Alles was so anfiel wurde ihnen aufgetragen: Boden schruppen, Wäsche waschen – händisch versteht sich, kochen, die Tiere füttern und ausmisten, usw. Sie taten mir wirklich leid. Als ich jedoch mit den Jungs darüber redete, meinten diese bloß, dass sie Meddys Mama sehr dankbar wären, da ihnen diese eine Schulbildung ermöglichte. Als ich den Jungs eines Tages einen Ball zum Ballspielen kaufte, freuten sie sich unendlich. Sie mussten ihn jedoch sofort verstecken, denn Meddys Mama würde wohl nicht erlauben, dass sie einen Ball hätten.
Meddy selbst leitet eine Schule für Waisenkinder.

Muzunguu, Muzunguu!!

Als ich heute Tag aufwachte und gleich ein sehr leckeres Frühstück von einem der Waisenjungs serviert bekam, machte ich mich dann auf zu einer kleinen Laufrunde. Das war bei diesen Temperaturen ganz schön schweißtreibend. Ich wollte eigentlich in einer Stunde wieder zurück sein, doch es kam wieder einmal alles ganz anders. Zuerst rannte ich den sozusagenen Hausberg hoch und versuchte von dort aus einen Weg in Richtung Viktoriasee ausfindig zu machen. Überall wo ich hinkam, verfolgten mich die Kinder in Scharen und riefen im Chor „Muzunguu, Muzunguu!“. Manche umarmten mich und sprangen mich an. Wie ich diese lebensfrohen süßen Kinder hier doch liebe.


die lieben Kinderlein

getragen wird das meiste am Kopf und das Baby wird auf den Rücken gebunden

Einladung zu einer Kanufahrt am Viktoriasee

Irgendwann erreichte ich dann den See. Es war schwer eine Stelle zu finden, von der aus man Zugang zum See hat, da das Ufer sehr schilfbewachsen ist. Letztendlich fand ich eine wunderschöne Stelle, an der auch ein paar Fischerboote standen. 

endlich hab ich einen Zugang zum See gefunden, noch dazu ist dieser richtig idyllisch

Ein etwa 8-jähriges Mädchen stand gerade auf einem Holzboot und rief mir zu: „Madam, come with me! Madam!“ Ich ging auf die Kleine zu und sie deutete mir mit der Hand, dass ich zu ihr auf das Boot kommen sollte. Das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen. Es gestellte sich noch ein etwa 17-jähriger Junge zu uns und begann zu rudern.

Do ganz geheuer war mir dieses Holzding am Anfang zwar nicht, aber ich handelte wieder einmal nach dem Grundsatz: „No risk, no fun!“. Es ging durch das Schilf raus auf den wunderschönen See. Der Junge ruderte und ruderte. Ich dachte anfangs, dass es nur ein kurzer Ausflug wird, doch letztendlich dauerte er fast drei Stunden. Das Mädchen himmelte mich unentwegt an, und meinte sie hätte noch nie mit einem Muzungu gesprochen. Auch der Junge schien richtig stolz zu sein, dass er mit mir durch die Gegend rudern durfte.

Wir kamen an eine wunderschöne Bucht. Hierher kommen sie anscheinend immer wieder zum Schwimmen. Es dauerte auch nicht lange und die beiden sprangen mit all den Klamotten, die sie trugen ins Wasser. Wie gern wäre ich doch mit ihnen in das kühle Nass gesprungen, doch da mir mich Tropenarzt vor der Reise ausdrücklich davor gewarnt hatte im Viktoriasee schwimmen zu gehen, ließ ich es sein. Die Bilharziosegefahr sei wohl sehr hoch hier.

Auf der Rückfahrt trafen wir ein paar Fischer. Sie staunten nicht schlecht, einen Muzungu hier mit den beiden Kids zu treffen und schenkten uns sogleich ein paar Fische. Als wir wieder zurück am Ufer waren, bat mich das Mädchen noch mit zu ihr nach Hause zu kommen. Sie wollte mir zeigen, wo sie wohnt und außerdem könnten wir den Fisch dort braten. Ich konnte ihr den Wunsch fast nicht abschlagen, außerdem hörte sich gebratener Fisch vorzüglich an, immerhin hatte ich nun schon richtig Hunger.

Ärmliche Lebensbedingungen aber unvorstellbare Gastfreundschaft und Herzlichkeit

Wir liefen an vielen kleinen, sehr ärmlich wirkenden Lehmhütten vorbei. Die Gegend erinnert mich an Slums, also die Armenviertel einer Stadt. Die Mama des Mädchens staunte nicht schlecht, als sie mich sah. Auch die übrige Nachbarschaft schien recht neugierig zu sein und innerhalb kürzester Zeit versammelte sich ein ganze Menge Leute vor mir – großteils Kinder. Alle wollten sie mich berühren oder einfach nur anstarren. Die Kinder trugen alle sehr schmutzige und zerrissene Klamotten. Doch sie wirkten gut gelaunt und strahlten mich mit ihrem süßesten Lächeln an. Wie ist es bloß möglich, dass so arme Menschen so viel Lebensfreude ausstrahlen?
Alle Häuser hier waren ohne Strom und fließend Wasser. In den klitzekleinen Lehmhütten wohnen oft zehn Personen auf engstem Raume zusammen. Das Haus des Mädchens bestand aus nur einem etwa 10m² kleinen Raum. Da schlafen sie, ihre Mutter und ihre drei Geschwister. Gekocht wird vor der Hütte. Dort versank man übrigens knöcheltief im Schlamm, es hat nachts nämlich sehr viel geregnet.
Bevor wir beginnen konnten, den Fisch zu braten, mussten wir noch Öl kaufen. Die Mutter des Mädchens bedankte sich daraufhin immer wieder herzlich, dass ich ihr das Öl gekauft hatte – wobei der Liter bloß umgerechnet 25 Cent kostete. Sie begann den Fisch auf einer Art Grill zuzubereiten. Dazu machte sie Posho – den typischen Maismehlbrei. Der Fisch schmeckte wirklich exzellent.

Bevor ich mich verabschiedete kaufte ich für das Mädchen und den Jungen, die mich in ihrem Boot mitnahmen, noch eine Großpackung Kekse. Sie waren überglücklich darüber. Das Mädchen kniete sich sogar vor mir nieder und küsste meine Hand. Mir standen Tränen in den Augen. Ich erlebte wieder einmal so viel Gastfreundschaft, Herzlichkeit und Lebensfreude und zugleich so viel Armut. Die Kleine bat mich noch inständig, doch wiederzukommen. Das werde ich auf alle Fälle tun!

Was dieser Bootsausflug noch mit sich gebracht hat ist ein Sonnenbrand vom Allerfeinsten. Ich glaub ich hab ja fast einen Sonnenstich, bin rot wie einen Tomate, die Haut brennt und fühle mich einfach nur total fertig. Weiters hoffe ich mir keine Bilharziose im See eingefangen zu haben, da ich doch ziemlich nass wurde.

Meddy wird mich bald abholen zu einer Party, ich hoff ich schaff das heute noch ;)


Los geht die Bootsfahrt

das Mädchen und ich

das Schilf sieht hier ander aus als bei uns ;)



die Mutter des Mädchens vor ihrer Lehmhütte beim Fische putzen

Kinder beim Spielen





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