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Montag, 9. Dezember 2024

Karibik-Feeling auf der Isla Margarita

 

Playa el Agua, Isla Margarita, Venezuela

Während ich am Freitag noch am Flughafen in Puerto Ordaz war und gerade erfolgreich den Check-in hinter mich gebracht hatte, stand plötzlich ein junger Mann von mir. Ich verstand ihn nicht auf Anhieb und versuchte ihn abzuwimmeln, da ich mir dachte er möchte mir etwas verkaufen. Der Gute ließ nicht locker und hielt mir eine Packung Waffeln hin. Wie sich herausstellte hat Danyelis ihren Kusö zu mir an den Flughafen geschickt, um mir eine Packung ihrer selbstgemachten Waffeln zu bringen. Wie süß ist das bitte?!


Der Flug startete pünktlich und wir waren keine 40 Minuten in der Luft. Als ich aus dem Flugzeug trat wehte mir ein heißer Wind ins Gesicht. Nach unendlich vielen Fragen des Beamten am Flughafens hieß es dann endlich "Bienvenida a la Isla Margarita". 


Die Ilsa Margarita liegt gehört zu Venezuela und liegt im Karibischen Meer. Sie ist - bzw war vor der Krise - ein beliebtes Urlaubsziel der Venezolaner. Daneben kommen noch haufenweise Russen. Seit ein paar Jahren gibt es nämlich Direktflüge von Russland hierher. Die russischen Touristen halten sich aber vorwiegend in ihren All-inclusive Hotels auf und verlassen diese auch meistens nicht.  Generell ist der Tourismus auf der Insel in den letzten Jahren ziemlich eingebrochen. 


Isla Margarita, Venezuela


Mission Rückflugticket

Meine erste Aufgabe war es gleich hier am Flughafen ein Rückflugticket zu kaufen. Man würde glauben, so etwas wäre doch einfacher online zu machen - nicht so in Venezuela. Teilweise haben die Airlines gar keine Webseiten oder sie wurden einfach seit Ewigkeiten nicht aktualisiert. Es dauerte eine Weile bis die Dame am Schalter beschloss ihr Handy wegzulegen und mir Beachtung zu schenken. Die nächsten Schritte gingen alle in Zeitlupe vonstatten. Sie brauchte jede Menge Daten von mir. Darunter auch meine E-Mail Adresse und Handynummer. Ich schrieb sie ihr extra mit meinem Handy auf, damit es zu keinen Missverständissen kommt. Nach 40 Minuten hielt ich tatsächlich so eine Art Kassenzettel in Händen, wo drauf stand, dass ich in einer Woche nach El Vigía fliegen würde. Bei genauerem Betrachten fiel mir aber auf, dass sie meine E-Mail Adresse völlig falsch aufgeschrieben hatte. Als ich sie darauf hinwies dauerte es noch einmal gute 15 Minuten, bis sie es ausgebessert hatte. Als mir später noch auffiel, dass auch meine Handynummer auf dem Zettel absolut nicht stimmte, beschloss ich das so hinzunehmen. Ich hoffte einfach, dass die Buchung gemacht wurde, da mir bis zum heutigen Tag der Flugpreis von 60 USD nicht von meiner Karte abgebucht wurde. Im besten Fall fliege ich gratis ;) 


Auf geht's zu Milli

Ich wurde von Fernando vom Flughafen abgeholt. Er ist auf Couchsurfing, konnte mich aber nicht bei sich zu Hause aufnehmen. Ein Freund von ihm - Milli - ein älterer italienischer Herr, hätte aber angeboten, dass ich ein paar Tage bei ihm bleiben könne. Das klang doch perfekt. Fernando ist Mechaniker und holte mich in seinen Arbeitsklamotten ab. Er und seine Freundin Lilly ließen es sich nicht nehmen, mich dann sogar noch auf eine Pizza einzuladen. Ich glaube ich habe es schon öfters erwähnt: Die Gastfreundschaft hier ist einfach unglaublich. Danach begleitete ich Fernando zu seiner Arbeitsstelle. Er hatte nämlich noch eine Stunde bis Dienstschluss. Anschließend ging es zum Shoppen bis wir dann am späten Nachmittag bei Milli ankamen. Er ist Fischer und wohnt in einem einfachen Haus in Puerto Moreno. Ich würde sagen er ist ein typischer, termperamentvoller Italiener. Nach einigen gescheiterten Beziehungen leide er nun etwas unter Depressionen und es tue ihm gut nicht immer ganz alleine zu sein. Nach einem abendlichen Bad im karibischen Meer mit Fernando & Co ging es dann mit Milli und zwei seiner italienischen Kollegen auf einen Drink. 


Ein nächtliches Bad im karibischen Meer :)


Fischen

Die erste Nacht lief so lala. Ich habe ein super schönes Zimmer bei Milli, aber leider gibt es keine Klimaanlage und der Ventilator läuft eher schlecht als recht. Bei nächtlichen Temperaturen von etwa 30°C war das eine ziemlich schwitzige Angelegenheit. Und wie es sich für eine Karibik-Insel gehört war bei den Nachbarn die halbe Nacht Fiesta mit unglaublich lauter Musik angesagt. Nicht zu vergessen das penetrante Hahnengeschrei, das eigentlich nonstop lief. Als ich gegen Morgen einschlief wurde ich schon sogleich wieder geweckt: "Chicaa!! Muchacha!! Vamos a pescar! Levántate!". Milli wollte mich mit zum Fischen nehmen. Da konnte ich natürlich nicht nein sagen. Mit dem Moped und zwei Angeln fuhren wir zum Fischerhafen, wo sein Fischerboot stand. Die nächsten vier Stunden verbrachten wir auf hoher See und ergatterten zwei Prachtexemplare von Fischen. Zwischendurch gab es natürlich auch einen Badestopp im badewannenwarmen Wasser.


Das erste Prachtexemplar von Fisch

Milli am Fischen. Die Vögel wollten uns den Köder klauen *lach*

Unser Fang


Am Nachmittag machte ich noch einen ausgiebigen Küstenspaziergang zum Faro de Punta Ballena


Ein Küstenspaziergang zum Faro de Punta Ballena


Am Abend kochten wir dann den gefangenen Fisch


Auf der Isla Margarita ticken die Uhren langsamer

... das habe ich ja eigentlich schon bei meiner Ankunft am Flughafen bemerkt. Aber der absolute Wahnsinn sind Supermarkteinkäufe. Man sollte mindestens eine Stunde einplanen um zwei Bananen zu kaufen. Wenn ein, zwei Leute vor einem an der Kassa stehen, kann die Wartezeit schon mal eine halbe Stunde dauern. Ist man dann endlich dran, muss man zuerst sämtliche Daten angeben: Reisepassnummer, Telefonnummer, Adresse, etc. Man ist natürlich nicht verpflichtet alles wahrheitsgemäß anzugeben, da es sowieso nicht kontrolliert wird. Dann wird die Ware gescannt. Wenn man nun mit Karte zahlen will, muss man nochmals die Reisepassnummer angeben. Hat man also vorher geflunkert, sollte man sich auf jeden Fall die falsche Nummer gemerkt haben. Nun merkt die Dame an der Kassa, dass aus unerklärlichen Gründen kein Kassazettel gedruckt wurde. Sie steht erstmal fünf Minuten ratlos da. Irgendwann holt sie sich Hilfe. Nun stehen fünf Leute ratlos da. Sie beschließt, dass sie die Ware nochmals scannen muss. Das ganze Prozedere wiederholen wir dreimal. Nichts. Das große Problem ist, dass man beim Verlassen des Supermarkts dem Mann beim Ausgang seinen Kassenzettel präsentieren muss, damit dieser nochmals kontrollieren kann, dass man auch ja nichts gestohlen hat. Aber wie soll das nun gehen ohne Kassenzettel? Nach ewig langem Herumdiskutieren erlaubte der Mann, dass ich den Supermarkt ohne Kassenzettel und mit den Bananen - die ich ja schon lange gezahlt hatte - verlassen durfte. Das ist auf alle Fälle nichts für schwache Nerven oder Menschen, die unter Ungeduld leiden. Solche und ähnliche Situationen hat man in sämtlichen Shops täglich. Millis größtes Problem war aber, dass sie kein Brot hatten. Scheinbar sei das Gas ausgegangen, weshalb sie erst in vier Tagen wieder Brot backen könnten (??). 

Mopedtour mit Milli

Am Sonntag beschloss Milli mich mit seinem Moped einmal um die Insel zu fahren und mir die schönsten Strände zu zeigen. Es gibt hier tatsächlich einen karibischen Traumstand nach dem nächsten. So gut wie alle menschenleer. Zwischendurch sieht man leerstehende Hotels oder Unterkünfte, die sich für Touristen parat gemacht haben .... nur kommt niemand. Die Einheimischen hören aber scheinbar nicht auf zu hoffen. Es ist wirklich traurig was die Krise mit dem Land gemacht hat. Niemand hat mehr Geld. Auch Milli liebt es den ganzen Tag darüber zu klagen, dass er überhaupt keine Asche mehr hätte. 

Mopedtour um die Insel mit Milli



Der Ausflug war außerordenlich schön... und heiß. Mit einem halben Sonnenstich - nach all diesen Stunden am Moped in der prallen Sonne - war ich froh etwas in den Schatten zu können. Auch Milli hat wohl zu viel Sonne abbekommen. Er beschloss nämlich sich mit seinen italienischen Freunden zu prügeln, da diese ihn hintergangen hätten. Das war mir nun fast zu viel Action. Ich war heilfroh, als ich einen Anruf von Fernando bekam, der mir erklärte  ich sollte mich parat machen, denn wir fahren auf eine Farm. Fernando konnte mich später im Auto etwas beruhigen: ich solle Milli nicht immer so ernst nehmen. Die Farm gehört einem Freund von Fernando und ist riesig mit allerhand Gemüse, Obst und Getier: Kühe, Ponys, Esel, Pferde, Ziegen, Schweine, Schafe, Hunde, Katzen, Schildkröten, Papageien usw. Für uns waren vor allem die Mangobäume interessant. Wir schlugen uns die Bäuche voll und durften auch noch einen riesigen Kübel Mangos mitnehmen. 

Ich war froh, dass Milli ohne irgendwelche Verletzungen von seiner Schlägerei zu Hause in der Hängematte lag. 

Heute Morgen ging es für mich weiter nach Playa El Agua. Hier habe ich mir eine nette AirBnB Unerkunft für die nächsten drei Tage gebucht. 


Hasta Luego!

Eure Michi :)






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