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Mittwoch, 26. Januar 2022

Sindo - Ein kleiner Fischerort am Viktoriasee

By On Januar 26, 2022

Sindo, Kenia

Ich verließ Mfangano Island mit dem Water Bus (Wasserbus), welcher eindeutig komfortabler ist, als diese maßlos überladenen Holzboote, in denen man sich tatsächlich um sein Leben fürchten muss. Die sechs Tage auf der Insel habe ich wirklich sehr genossen. Schade nur, dass das Ganze ein etwas komisches Ende hatte. 

Warum ich Couchsurfing so liebe...

Nichtsdestotrotz bin ich weiterhin gerne über Couchsurfing unterwegs. Die positiven Erlebnisse überwiegen nämlich ganz klar. Zudem kann man ansonsten schwer solch authentische Erfahrungen machen. Je einfacher die Lebensumstände, desto interessanter ist es für mich. Ich liebe es den Alltag solcher Menschen live miterleben zu können. Vor allem, weil ich ja aus einer komplett anderen Welt komme, wo wir alles in absolutem Überfluss haben und dies großteils gar nicht zu schätzen wissen. Wie klein werden die Probleme von zu Hause plötzlich, wenn ich sehe mit welchen Herausforderungen die Menschen hier zu kämpfen haben. 

Angekommen bei einer Großfamilie in Sindo

Als ich mit dem Wasserbus in Mbita angekommen war musste ich mir ein Boda-Boda (Mopedtaxi) nach Sindo nehmen. Die Fahrt dauerte eine knappe Stunde und kostete 200 Ksh (=1,58€). Sindo liegt direkt am Viktoriasee und die Menschen leben - wie fast überall an der Küste - großteils vom Fischfang. Wie viele Einwohner der Ort hat, konnte ich leider nicht herausfinden, aber es wirkt eher ländlich hier. Ich vermute, dass sich nicht oft Touris hierher verirren 

Mein Gastgeber Victon holte mit einem strahlenden Lächeln vom Zentrum ab. Zu Fuß gingen wir zu ihm nach Hause. Er lebt mit seinen Eltern, ein paar Geschwistern (ingesamt hat er acht davon) und einigen derer Kinder gemeinsam in einem Haus. Das Grundstück scheint recht groß zu sein und im Garten war ordentlich was los: eine Horde kleiner Kinder spielte im Garten, umringt waren sie von Eseln, Kühen, Ziegen, Schafen, Hunden und Katzen. Victons Mama war gerade beim Wäsche waschen. Ich wurde von allen super herzlich empfangen und fühlte mich sofort sehr wohl in dieser herzlichen Großfamilie. Ich bekam ein gemütliches Bett in der Küche. Das Haus ist nur durch Teppiche in verschiedene Räume abgetrennt. Privatsphäre gibt es in solchen Unterkünften demzufolge nicht wirklich, aber das hat auch etwas Schönes und Familiäres. Mit den Eltern von Victon konnte ich mich nur mit Händen und Füßen verständigen. Sie sprechen nämlich kein Englisch, sondern ihre Stammessprache Luo und ein bisschen Swahili

Die kleine Natschi hatte anfangs ziemlich Angst vor mir, immerhin hat sie noch nicht so oft in ihrem Leben einen Muzungu gesehen. Mit der Zeit taute sich aber etwas auf. 

Matumbo

Victon fragte mich, ob ich ihm helfen würde das Abendessen vorzubereiten. Na klar! Als ich sah, um was es sich handelte bereute ich meine vorschnelle Zusage fast schon wieder. Er kam mit einer Schüssel voll mit den Gedärmen und Mägen einer Kuh an. Das Zeug sollten wir nun in kleine Stückchen schneiden. Im Darm waren noch Stuhlreste vorhanden, demenstprechend roch es auch. Es sollte also am Abend "Matumbo", ein heißgeliebtes Gericht der Kenianer geben. Ich hielt mein Versprechen natürlich ein und half Victon beim Zerkleinern von den Gedärmen und Mägen. 

Unser heutiges Abendessen: Die Mägen und Gedärme einer Kuh

Am Abend spazierte ich gemeinsam mit Victon und seinem Kumpel Young durch den Ort. Wir besuchten den lokalen Markt und genossen den Sonnenuntergang am Seeufer. 

Mein Gastgeber Victon und ich


Sonnenuntergang am Viktoriasee

Als mir dann am Abend das "Matumbo" serviert wurde, beschloss ich der Sache noch eine zweite Chance zu geben. Victon meinte nämlich, dass das "Matumbo", das ich damals in Kapkoi gegessen hatte, eventuell schlecht ausgewaschen oder nicht sonderlich gut zubereitet gewesen wäre. Vielleicht war da etwas Wahres dran. Im Endeffekt muss ich aber sagen, dass es mir nach wie vor schwer fiel das Zeug hinunterzubekommen - und vor allem dann nicht wieder hochkommen zu lassen. Der Geschmack ist einfach zu intensiv und erinnert mich auch im gekochten Zustand noch an Exkremente. Zudem ist die Konsistenz  sehr gewöhnungsbedürftig. 

Wasser holen am Viktoriasee

Das Haus von Victon und seiner Familie ist etwa drei Kilometer vom Viktoriasee entfernt. Fließend Wasser gibt es nicht. Sie müssen deshalb alle ein bis zwei Tage zum See gehen, um Wasser zu holen. Für so eine Großfamilie wird ziemlich viel davon gebraucht: Zum Kochen, zum Trinken, zum Wäsche waschen, zum Duschen, zum Tränken der Tiere, usw. Victon machte am Morgen ein Eselgespann mit einem Holzkarren fertig. Darauf wurden fünfzehn Kanister mit je 20 Liter Fassungsvermögen transportiert. Diese sollten am See aufgefüllt werden. Das macht dann 300 Liter. 

Victon beim Vorbereiten des Eselgespanns zum Wasser holen am See. 

Ich begleitete ihn dabei. Die Esel schienen den Weg schon zu kennen. Die Sonne brannte bereits jetzt am Morgen richtig stark vom Himmel. Am Ufer des Viktoriasees angekommen, waren bereits viele Menschen dort versammelt. Die meisten waren gerade am Auffüllen ihrer Wasserkanister, andere waren am Geschirr oder Wäsche waschen und wieder andere kamen mit ihren Fischerbooten zurück. Wie man sich vorstellen kann, ist das Wasser hier nicht das Sauberste bei dem ganzen Trubel. Aber das scheint niemanden zu stören, immerhin haben sie sowieso keine andere Möglichkeit. Von der Bilharziose einmal ganz zu schweigen. Aber das ist sowieso ein leidiges Thema. Als ich Victon darauf angesprochen habe, meinte er bloß, dass es diese Krankheit hier nicht gibt. Da sagen meine Recherchen zwar etwas ganz anderes, aber um mir darüber jetzt noch Gedanken zu machen ist es eh schon zu spät, immerhin war ich bereits zur Genüge mit dem Wasser in Kontakt. 

Was zusätzlich noch ein Problem darstellt, sind die Nilpferde, die sich auch gerne hier in Ufernähe aufhalten. Durch das trübe Wasser, werden sie oft nicht gesehen. Wie Victon mir erzählte, habe er schon sehr viele Freunde durch Nilpferdattacken verloren. 

Der Rückweg gestaltete sich vor allem für die Esel schwierig, immerhin hatten sie ein irrsinniges Gewicht zu ziehen. Victon und ich mussten immer wieder nachhelfen mit Schieben. Als wir zu Hause angekommen waren wurden die Tiere für den Rest des Tages freigelassen. Sogar das Gartentor bleibt tagsüber offen. All die Tiere können somit je nach Belieben ein- und ausgehen. Scheinbar wandern sie tagsüber gerne zum See hinunter oder streunen im Ort herum. Abends kommen sie von ganz alleine wieder zurück. So etwas wäre bei uns Zuhause undenkbar *lach*. 

Morgens ist am See viel los. Während die Frauen Geschirr und Wäsche waschen füllen die Männer die Wasserkanister auf. 



Nun war es Zeit für ein kleines Frühstück: Chai (Milchtee) und Bohnen. Danach wurde ein kleines Ziegenbaby, das seine Mama verloren hatte, mit der Flasche gefüttert. Unglaublich süß!


Der Rest des Tages verlief recht entspannt. Um die Mittagszeit wurde es sowieso so heiß, dass man nicht viel mehr machen kann, als wie im Schatten unterm Baum sitzen. Selbst im Haus ist es schweißtreibend heiß. Ich half Victon bei ein paar Hausarbeiten und dann gab es noch ein kurzes Mittagsschläfchen.

Motorrad-Tour

Am späteren Nachmittag wollten Victon und sein Kumpel Young mit mir wandern gehen. Ich war natürlich sogleich voller Vorfreude, immerhin kommt die Bewegung bei mir in letzter Zeit sowieso etwas zu kurz. Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte war, dass die beiden unter "wandern" etwas ganz anderes als ich verstanden. Bei ihnen hieß das nämlich zwei Stunden lang mit dem Motorrad auf einen Hügel und wieder runter zu fahren - ganz ohne einen Fuß vor den anderen zu setzen. Die Sache war trotzdem ganz spannend. Victon war der Fahrer, ich saß in der Mitte und Young hinten. So ganz überzeugt waren Young und ich von Victons Fahrstil nicht. Er fuhr so langsam, dass es auch schon wieder fast gefährlich war. Vor allem wenn es steil bergauf ging, kamen wir dann oft einfach zum Stehen, weil er nicht genug Gas gegeben hatte. Die Wege sind natürlich alle unasphaltiert und in keinem sonderlich gutem Zustand. Als es dann wieder steil hinunter ging, gab es plötzlich einen lauten Krach. "Die Bremse ist kaputt", war die Erklärung. Aber das sei nicht schlimm, es gäbe noch eine zweite. Das war mir dann aber doch zu abenteuerlich und ich beschloss die steilen Stellen zu Fuß zu gehen. Young machte es mir nach. Insgesamt war die Tour wunderschön und führte durch viele kleine Dörfer und wunderschöne Landschaften. 

Als es dann langsam dunkel wurde, bekam Victon plötzlich Stress. Sein Vater möge es nämlich gar nicht, wenn er nach Einbruch der Dunkelheit heim käme. Kleine Anmerkung: Victon ist 25 Jahre alt. Aber gut, wir wollen ja keinen Stress. Young wollte uns aber unbedingt noch auf Samosas und eine Cola einladen. Besonders genießen konnten wir das nicht, weil Victon scheinbar ziemlichen Respekt vor seinen Vater hat und infolgedessen recht gestresst war. 

Victon und Young

Ich und Victon

Zuhause erwarteten mich die Kids bereits. Sie lieben es mit mir zu spielen und meine weiße Haut anzufassen. Danach bereiteten Victons Schwester, Victon und ich Chapati zu. Das war ganz schön viel Arbeit, immerhin machten wir gut 60 Stück für die ganze Großfamilie.


Heute, am Donnerstag, sollte es für mich wieder weitergehen, nämlich nach Kisumu. Dort habe ich mir ein kleines Mini-Häuschen über AirBnB gemietet. Nach dem ganzen Großfamilienleben sehne ich mich nun nach etwas Privatsphäre. Victon und seine Familie versuchten mich zu überreden länger zu bleiben, was ich mega lieb fand. Ich versprach ihnen, eventuell wieder zu kommen, wenn es die Zeit zulässt. 

Victon möchte mich übrigens unbedingt mit dem Motorrad eines Freundes nach Homa-Bay bringen, von dort aus würde ich dann ein Matatu nach Kisumu finden. Da die Fahrt mit dem Motorrad über eine Stunde dauern sollte war ich natürlich nur mäßig begeistert von der Idee - vor allem nach der gestrigen Tour *lach*. Victon ließ sich von seinem lieb gmeintem Vorhaben jedoch nicht abbringen, weshalb ich dann auch nachgab. 


Also dann, bis bald!

Eure Michi :)






Dienstag, 25. Januar 2022

Mfangano Island: Das falsche Waisenhaus

By On Januar 25, 2022

 

Mfangano Island, Kenia

Kisumu - die drittgrößte Stadt Kenias

Ziemlich spontan beschloss ich am letzten Montag in Richtung Viktoriasee aufzubrechen. Zuerst verbrachte ich drei ganz entspannte Tage in der Stadt Kisumu. Es handelt sich dabei um die drittgrößte Stadt Kenias, sie wirkt aber bei weitem nicht so hektisch wie Nairobi. Ich habe mir ein kleines Mini-Häuschen über AirBnB gemietet. Leider waren die Tage recht verregnet, aber ich schaffte es trotzdem in den paar trockenen Stunden am Morgen den Dunga-Beach und den Hippo Point zu besuchen.


Dunga Beach: Hier wohnen vor allem Fischer. Am Strand gibt es jede Menge kleine Restaurants, die frischen Fisch verkaufen

Fischer bei der Arbeit


Nächster Stopp: Mfangano Island

Mein nächstes Ziel sollte Mfangano Island sein. Es ist eine Insel im Viktoriasee mit einer Größe von etwa 65 km². Ziemlich problemlos konnte ich sogleich einen Couchsurfing-Gastgeber - Patrick - dort finden. Die Insel hat keine besonders ausgebaute Infrastruktur für Tourismus und ist eher ein Geheimtipp. Patrick lebt dort in einem einfachen Fischerdorf mit seiner Frau uns seinen sechs Kindern. Zudem kümmert er sich wohl um mehr als zehn Waisenkinder. Das hörte sich für mich natürlich alles sehr aufregend an. Etwas suspekt fand ich bloß, dass Patrick mich in den Tagen vor meiner Ankunft mehrmals täglich per Videotelefonie angerufen hatte, ich aber nicht wirklich wusste, warum genau *lach*. Immer wieder erklärte er mir, ich sei ein Geschenk des Himmels und er hätte die ganze Zeit dafür gebetet, dass ich komme. Ich hatte keine Ahnung, wieso er so etwas sagte bzw welche Erwartungen er an mich hatte. 


Der Weg von Kisumu nach Mfangano

Am Donnerstag Morgen machte ich mich dann auf den Weg von Kisumu nach Mfangano Island. Zuerst musste ich mit einem Matatu (=Minibus) nach Luanda Kotieno (400 Ksh, 2 Stunden). Von dort aus ging es dann weiter mit einem sogenannten Water Bus (=Wasserbus) nach Mbita. Die Wasserbusse fahren 4x täglich zu fixen Zeiten ab. Die Fahrt dauert eine halbe Stunde und kostet 150 Ksh. In Mbita sollte ich auf Patrick warten, da er mich von dort abholen wollte. Er hat mich wieder irrsinnig oft angerufen, aber irgendwie scheinen wir Verständigungsschwierigkeiten zu haben, denn ich konnte nur schwer herausfinden wo er mich denn nun genau treffen wollte und vor allem wann. 

Letztendlich schafften wir es aber uns zu finden. Patrick meinte, dass wir mit einem Kumpel von ihm nach Mfangano kommen könnten. Dieser hätte ein Motorboot und würde uns kostenlos mitnehmen. Wir warteten also. Ich denke es waren bestimmt drei Stunden, bis es dann endlich hieß, dass wir los können. Die Hitze und die intensive Sonneneinstrahlung hier am Äquator setzten mir etwas zu. 

Wie sich herausstellte handelte es sich um ein ziemlich großes Holzboot mit Motorantrieb. Es wurde maßlos überladen mit Menschen und zuguterletzt kam auch noch ein Sarg mit an Board. Keine Ahnung, ob dort jemand drin war. Die Sonne brannte fürchterlich auf meiner Haut. Es gab keinen Schatten. Das Losfahren verzögerte sich aus diversen Gründen Ewigkeiten. Warum genau, kann ich nicht sagen. Es schien so, also würden sich die Leute zwischendurch ziemlich streiten. Dann kam noch eine Frauengruppe, die im Chor lautstark weinte. Sehr skurril. Außerdem hatte ich doch ein wenig Bedenken, mit so einem überladenen Holzboot nun fast zwei Stunden bis nach Mfangano zu fahren. Wenigstens gab es ein paar wenige Rettungswesten. 


Auf dem Weg nach Mfangano

Angekommen auf Mfangano Island


Angekommen auf Mfangano Island

Was war ich froh, als wir endlich die Insel erreichten. Ich hatte einen ordentlichen Sonnenbrand ausgefasst. Patrick wohnt in einer sehr einfachen Lehmhütte. Er stellte mir seine äußerst liebenswürdige Frau Beatrice vor. Rund ums Haus tollten jede Menge Kids herum, die mich sofort neugierig beäugten. Anfangs waren sie noch recht schüchtern, aber sobald sie etwas auftauten, wichen sie keine Sekunde mehr von mir. Meine Unterkunft war etwa 50m von Patricks Haus entfernt. Ich durfte dort mit ein paar von den Kids schlafen. Es wurde mir sogar ein Bett mit Matratze zur Verfügung gestellt, während die kleinen Kinder am harten Boden auf einer Strohmatte ohne Kissen schliefen, was mir irrsinnig leid tat. Doch sie schienen das gewohnt zu sein. 


Auf dieser Matte schlafen drei der Kinder. Sie sind zwischen vier und sechs Jahre alt. 


Das simple Leben auf Mfangano

Die Menschen auf Mfangano Island leben fast ausschließlich vom Fischfang. Nachts sieht man ein großes Lichtermeer am See, welches von den vielen Fischerbooten kommt. Die Häuser haben kein fließend Wasser. Um sich zu waschen oder um Wäsche oder Geschirr zu waschen wird einfach an den See gegangen. Zudem wird das Seewasser auch zum Trinken und Kochen benutzt. Einige Häuser haben Strom, welcher jedoch nicht besonders verlässlich ist. Es kommt regelmäßig zu Ausfällen. 

Die Kids am Arbeiten

Hier wird Holzkohle hergestellt

Beim Baden im See

Die Dorffrauen gaben mir Nachhilfe im händisch Wäsche waschen


Bilharziose und HIV

Bilharziose und HIV und die daraus resultierenden Folgen - z.B. wie jede Menge Waisenkinder, da die Elterns sehr früh sterben - gehören wohl zu den größten Problemen auf der Insel. Mfangano Island hat eine der höchsten HIV-Raten weltweit. Über 30% der Einwohner sind davon betroffen. Aus Gesprächen mit Einheimischen habe ich erfahren, dass einer der Gründe dafür wohl ist, dass Polygamie nach wie vor keine Seltenheit ist. Viele Männer haben mehrere Frauen, bzw führen eheähnliche Beziehungen mit mehr als einer Frau. Verhütungsmittel werden zudem nicht wirklich benutzt, wahrscheinlich zum einen aufgrund der Kosten, aber wie ich herausgefunden habe auch aufgrund mangelnder Aufklärung. Im Gespräch mit Beatrice habe ich erfahren, dass die Frauen unter der Polygamie oft sehr leiden, sie jedoch keine andere Möglichkeit haben, als dies hinzunehmen, da sie von den Männern abhängig sind.

Dann gibt es noch die Bilharziose - auch Schistosomiasis genannt. Das ist eine Tropenerkrankung, die durch einen Wurm - den Pärchenegel - ausgelöst wird. Nach Malaria ist die Bilharziose eine der verbreitetsten parasitären Infektionskrankheiten weltweit. Sie betrifft mehr als 230 Millionen Menschen. Kommt der Mensch mit verunreinigtem Wasser in Berührung dringen die Larven der Würmer in die Haut ein und wandern dann über die Blut- und Lymphgefäße in die Leberpfortader, wo sie sich zu reifen Prächenegeln entwickeln. Anschließend befallen sie vor allem Harnblase, Darm, Leber, Lunge und Gehirn. Der Mensch scheidet die Eier mit dem Stuhl oder Urin aus. Erste Symptome treten oft erst nach Monaten oder gar Jahren auf. Häufig haben die Würmer dann schon Organe irreversibel geschädigt. Der Viktoriasee gehört zu den Hochrisikogebieten für diese Krankheit. Dementsprechend war ich natürlich etwas beunruhigt, dass hier auf der Insel der See die einzige Möglichkeit ist sich zu waschen. Die Einheimischen meinen jedoch, dass es diese Krankheit hier nicht gibt. Vermutlich liegt auch das an der fehlenden Aufklärung, oder auch einfach daran, dass sie keine Alternativen zum See haben, und das Ganze deshalb einfach verdrängen. Auf alle Fälle habe ich bereits am zweiten Tag einen recht eigenartigen Ausschlag am Arm bekommen. Patrick meinte er käme von Moskitos. Diese Meinung konnte ich allerdings nicht teilen, da Moskitostiche bei mir ganz anders aussehen. Ich muss wahrscheinlich davon ausgehen, dass der Ausschlag die Eintrittspforte für die Wurmlarven ist, da ein solcher bekanntlich eines der ersten Symptome darstellt. Danach brauchen die Larven etwa 8-10 Wochen, um in die Leber zu kommen. Erst dann kann man die Krankheit nachweisen und auch behandeln. Es gibt zum Glück ein sehr wirkungsvolles Medikament dagegen, welches "Praziquantel" heißt. Ich war natürlich erst einmal irrsinnig beunruhigt, aufgrund dieser Sache. Mittlerweile konnte ich mich aber mit dem entstprechenden Medikament eindecken und werde es dann prophylaktisch nach den 8-10 Wochen einnehmen und das Ganze im Auge behalten. 

Als ich in den folgenden Tagen die Kinder und Erwachsenen genauer beobachtete, konnte ich bei vielen solche Hautausschläge aber auch weitere Symptome wie aufgeschwemmte Bäuche beobachten. Aber dass das Bilharziose sein könnte, wollen die meisten nicht hören. Wenn Menschen hier frühzeitig mit 40 oder 50 Jahren sterben, heißt es einfach, dass sie krank gewesen seien. Es wird aber nicht näher darauf eingegangen. Es gab schon viele Hilfsorganisationen, die an den Schulen das Wurmmittel Praziquantel verteilt haben. Leider ist es aber ein Teufelskreislauf, denn sobald die Menschen wieder im See baden, stecken sie sich erneut an. 

Meine Abenteuer auf Mfangano:

Gewitter

Gleich in der ersten Nacht zog ein richtig starkes Gewitter auf. Es herrschte Weltuntergangsstimmung. Der Regen, der aufs Wellblechdach prasselte, war unglaublich laut. Irgendwann tropfte dann auch Wasser durchs Dach auf mein Bett. Außerdem blitzte es ohne Ende. Ich hoffte nur inständig, dass diese Wellblechdach-Häuser irgendeine Blitzableitung haben. Für die Einheimischen war das aber nur ein ganz normales Gewitter, wie sie mir am nächsten Morgen berichteten. 

Schlange unterm Bett

In der zweiten Nacht erlebte ich das nächste Abenteuer. Vor dem Schlafengehen leuchtete ich mit meiner Taschenlampe sicherheitshalber noch kurz unters Bett. Ich konnte es kaum glauben, als ich eine schwarze Schlange erspähte. Sofort rief ich die Kinder, die bei mir im Haus waren. Einer der Jungs kam mit einem Holzast und fixierte die Schlange gleich gekonnt. Mit einer Metallschaufel trennte er ihr im nächsten Moment den Kopf ab. Dann wurde das zerstückelte Tier nach draußen gebracht. Es handelte sich um eine etwa 30cm lange, schwarze Schlange. Die genaue Art konnte mir keiner sagen. Auf alle Fälle gibt es hier auch sehr giftige Exemplare wie die Schwarze Mamba. Aber darüber wollte ich nun nicht länger nachdenken. Am Tag zuvor hatte Patrick mir noch versichert, dass es Schlangen nur weit oben im Wald gäbe *lach*. 

Begräbnis

Am Freitag nahm Beatrice mich mit auf ein Begräbnis. Ich staunte nicht schlecht als es dort plötzlich zu einer Rauferei kam. Auf einmal war der Pfarrer auf seiner Kanzel Nebensache und alle starrten nur noch auf die Raufbolde. Irgendwann beruhigte sich die Lage wieder. Die Zeremonie zog sich bereits seit über drei Stunden in die Länge, weshalb ich dann beschloss vorzeitig zu verschwinden. Beatrice wollte mich aber keinesfalls alleine gehen lassen und begleitete mich. Ich hoffe sie hat es mir nicht allzu übel genommen, aber ich hatte einfach kein Sitzfleisch mehr. Zudem verstand ich sowieso kein Wort. 

Sonntagskirche

Ähnlich erging es mir in der Kirche am Sonntag. Die erste Stunde war es noch ganz spannend. Es wurde ausgelassen getanzt und gesungen. Dann wurde ich ans Mikrofon gebeten. Ich sollte mich vor der Kirchengemeinde vorstellen. Solche Momente mag ich eigentlich nicht besonders gerne, aber ich hatte tatsächlich schon damit gerechnet, da die Kenianer solche Vorstellungsrunden lieben. Ich hielt es kurz und bündig, daraufhin folgte ein freudiges Klatschen. Von der Predigt verstand ich natürlich nicht viel. Sie zog sich ewig in die Länge. Das Problem war zudem, dass die Lautsprecher irrsinnig laut eingestellt waren. Irgendwann hatte ich richtige Kopfschmerzen von dem Lärm. Nach guten drei Stunden habe ich mich so unauffällig wie möglich aus dem Staub gemacht. 

Mfangano Museum

Am Samstag wollte Patrick mir das Museum der Insel zeigen. Der Eintritt waren bloß 200 Ksh. Letztendlich muss ich aber sagen, dass es nicht einmal das wert war. Es wirkte als ob sich die letzten 50 Jahre niemand mehr darum gekümmert hatte. Eigentlich war es nur eine einzige staubige Rumpelkammer, in der ein paar alte Gegenstände herumlagen. Mein sozusagener Guide erklärte mir ein paar der Dinge. Als er mir einen uralten Salzstein zeigte, befeuchtete er seinen Finger mit Speichel, strich dann über den Stein und wollte mir daraufhin tatsächlich seinen Finger in den Mund stecken, um mir zu beweisen, dass es sich tatsächlich um Salz handelte. Ich lehnte dankend - und leicht schmunzelnd - ab, und hoffte dass er mir das nicht als allzu unfreundlich anrechnet. Ich bin ja wirklich kein Freund von übertriebener Hygiene, aber so so eine gewisse Grenze gibt es dann doch. 

Ansonsten war ich viel mit den Kindern im See schwimmen, habe Beatrice beim Kochen geholfen oder Sachen am Markt für sie eingekauft. Ihr Essen schmeckte immer vorzüglich. Meistens gibt es Ugali (=Maismehlbrei), Chapati (=Fladenbrot), Mungobohnen und/oder Fisch. Zudem half ich Patrick eine Spenden-Webseite für die Waisenkinder zu machen. 


Nilpferdalarm

Als ich eines schönen Nachmittags wieder zum See wollte und zwei der 6-jährigen Mädels fragte, ob sie mitkommen möchten, zögerten sie anfangs etwas. Doch alleine wollten sie mich auch nicht gehen lassen. Ich warf mich in die Fluten, die wenigstens für ein bisschen Abkühlung sorgten, wenn auch das Wasser recht warm ist. Nach wenigen Minuten wollten die Kleinen wieder raus. Komisch, sonst sind sie doch so gerne hier. Irgendwann kam der große Bruder angelaufen und begann mit ihnen in ihrer Stammessprache Luo ganz nervös zu schimpfen. Mir erklärte keiner was los war. Erst später erfuhr ich, dass gerade an diesem Tag einige Nilpferde an unserem Strand gesichtet worden sind und es deshalb nicht ratsam war zu schwimmen, da die Tiere ja bekanntlich recht gefährlich sind. 

Tatsächlich lernte ich in den kommenden Tagen noch zwei weitere Muzungus (= Weiße) auf der Insel kennen. Victor aus Frankreich und Lorenzo aus Italien. Sie sind Freiwilligenarbeiter auf einer Farm ganz in der Nähe von mir. Wir trafen uns öfter zum Spazieren und tauschten unsere Erlebnisse aus. 

Wanderung auf den Mount Kwitutu

Die höchste Erhebung der Insel ist der Mount Kwitutu mit seinen 1.694m. Victor, Lorenzo und ich planten diesen Berg am Montag zu besteigen. Mein Gastgeber Patrick wollte unbedingt mit. Ich war eigentlich nur mäßig von der Idee begeistert, da ich wusste wie ungern er zu Fuß unterwegs ist und hatte Bedenken, dass er dann schon vorzeitig umdrehen möchte. Er ließ es sich aber nicht nehmen. Wir trafen uns also am Morgen. Komischerweise verhielt sich Patrick irrsinnig unfreundlich zu meinen zwei Freunden. Wir wollten eigentlich eine ausgedehnte Rundwanderung machen, aber Patrick meinte er sei der Chef und wir sollten ihm einfach folgen. Da wir keinen Streit wollten, gaben wir wir nach. Patrick redete fast nichts und die Stimmung war sehr angespannt. Mir war das tatsächlich ein bisschen peinlich vor Lorenzo und Victor. Die Wanderung an sich war sehr schön, aber nicht sonderlich lang. Es waren insgesamt vielleicht 500 Höhenmeter und 7 Kilometer. Ganz oben am Berg wohnen sogar noch Leute. Diese verlangten Geld dafür, dass wir ihr Land betreten. Wir konnten aber von 1.000 Ksh auf 200 Ksh herunter handeln. Wieder zu Hause angekommen, schoss Patrick dann den Vogel ab: Ich bekam mit wie er zu den zwei Jungs hin ist und sie ihm Geld in die Hand drückten. Wie ich später herausgefunden habe, hat er sie dazu gedrängt ihn zu bezahlen, da er ja die Wanderung mit uns gemacht hat. Das war wirklich eine bodenlose Frechheit, denn eigentlich wollten wir alleine los. So wie an diesem Tag hatte ich Patrick vorher noch nie erlebt.

Ich, Victor, Patrick und Lorenzo


Der Waisenhaus Betrug

Die Sache mit der Wanderung, als Patrick meine Freunde so abgezockt hatte, ließ mir keine Ruhe. Ich hatte plötzlich das Gefühl, dass ich dem Menschen nicht mehr sonderlich traue. Auf einmal stellte ich auch die Sache mit den Waisenkindern in Frage. Komischerweise essen diese nämlich nie mit uns und abends verschwinden sie immer. Ich kenne solche Betrügereien bereits vom Hörensagen: Da behauptet jemand ein Waisenhaus zu haben und sammelt fest Spenden ein. Wenn dann die Hilfsorganisationen vor Ort kommen, werden einfach die Nachbarskinder gerufen und als Waisenkinder vorgestellt. 

Ich wollte der Sache nun auf die Spur kommen. Die Kinder selbst konnten mir nicht wirklich weiterhelfen, da sie fast kein Englisch sprechen. Ich beauftragte Lorenzo und Victor bei ihrem Gastgeber nachzufragen, ob dieser Patrick kenne. Wie wir herausfanden kennt der ihn sogar ganz gut. Er bestätigte meine Vermutung: Patrick hat überhaupt keine Waisenkinder. Er sei für seine Betrügereien schon bekannt. Zudem wäre er auch dem Alkohol nicht abgeneigt und versaufe immer wieder viel Geld, während seine Frau hart arbeitet, um irgendwie an Geld zu kommen, damit sie ihre sechs Kinder satt bekommt. 

Vorzeitige Abreise 

Ich war sehr enttäuscht über diesen Vertrauensbruch, deshalb beschloss ich morgen, am Dienstag, vorzeitig abzureisen. Immerhin war ich eh schon fünf Tage hier. Den Grund wollte ich Patrick erst sagen, wenn ich schon weg war, da ich eine Eskalation befürchtete. Als ich ihm von meinen Plänen erzählte war er wenig begeistert und erwähnte immer wieder ich sollte doch für die Waisenkinder spenden und unbedingt auch all meinen Freunden und Verwandten sagen, dass sie spenden sollen. Das war also sein Plan hinter diesen Lügen. Ich machte vorerst gute Miene zum bösen Spiel. Am Abend kaufte ich noch viele Lebensmittel und ein paar Leckereien für die Familie, immerhin haben sie mich die letzten Tage mit leckerem Essen versorgt. Beatrice zeigte sich sehr dankbar. 

Am Morgen meiner Abreise hielt ich es aber nicht mehr aus und musste Patrick sagen, wie enttäuscht ich von der Abzocke meiner Freunde war. Seine Antworten waren aber wie vermutet nur faule Ausreden: Er hätte mit ihnen im Vorhinein ausgemacht, dass sie ihn zahlen müssten, usw. Das stimmte natürlich nicht. Als ich das mit den Waisenkindern ansprach wurde er ganz nervös. Hektisch begann er irgendwelche Freunde von ihm anzurufen und drückte mir das Telefon in die Hand mit der Erklärung, ich sollte diese doch fragen ob er lügen würde oder nicht. Das war mir zu blöd, immerhin wusste ich nicht was er ihnen vorher auf ihrer Sprache gesagt hatte und konnte mir auch vorstellen, dass sie zusammenhalfen. Patrick sah es nun kommen, dass ich ihn nicht mehr dabei unterstützen werde, Spenden für seine Waisenhaus-Geschichte zu sammeln. Ich verabschiedete mich herzlich von seiner Frau - von der ich doch das Gefühl habe, dass sie eine gute Seele ist - und von den Kids. Die Verabschiedung von Patrick lief verlief eher kalt.

Mit gemischten Gefühlen verließ ich die Insel. Auf der einen Seite hatte ich ganz wundervolle Erfahrungen hier und wurde auch die meiste Zeit super lieb behandelt. Ich weiß aber auch, dass Patrick Menschen betrügt und ihm einige Leute regelmäßig Geld "spenden", das er dann eigentlich nur versäuft, bzw ihn dazu animiert weiterhin nicht arbeiten zu müssen. 

Letztendlich möchte ich die Erfahrungen aber nicht missen und es war wieder einmal eine Schule fürs Leben!

Mein nächstes Ziel ist der kleine Ort Sindo am Festland, welcher auch direkt am Ufer vom Viktoriasee liegt. Dort werde ich wieder bei einer einheimischen Familie couchsurfen.


Bis bald,

Eure Michi :)






=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos von Mfangango Island <=







Sonntag, 16. Januar 2022

Mount Elgon Nationalpark

By On Januar 16, 2022

 

Planänderung

Am Freitag Morgen beratschlagten Jonas und ich beim Frühstück wie es nun weitergehen sollte. Der ursprüngliche Plan war es ja, den Mount Elgon für die nächsten drei bis vier Tage zu besteigen. Wir müssten dabei im Zelt schlafen, da es ihm Park nur kurz nach dem Eingang Unterkünfte gab. Da nun aber die Wettervorhersage schwere Regenfälle in den nächsten Tagen ankündigte und ich seit dem Vortag gesundheitlich etwas angeschlagen war, beschlossen wir eine Alternative zu finden. 


Wir stießen auf die Kapkuro Bandas, das sind kleine Holzhütten direkt im Nationalpark. Dort könnten wir je nachdem wie gut es uns dort gefällt eine oder zwei Nächte verbringen und kleine Tageswanderungen planen. Dann wäre auch der Regen nicht so das Problem. Gesagt getan. Mit einem Taxi (1.850 Ksh) fuhren wir zum Chorlim Gate des Mount Elgon Nationalparks


Die Kapkuro Bandas 

Der Eintritt beträgt für Einheimische 300 Ksh und für Ausländer 26 USD und ist jeweils für 24 Stunden gültig. Für die Hütte zahlt man 40 USD pro Nacht. Die ziemlich mürrischen Damen am Eingang wollten uns noch eine Guide andrehen für 3.000 Ksh/Tag, was wir aber dankend ablehnten, da wir sowieso nur kleinere Wanderungen vorhatten. Zudem kauften wir uns eine Wanderkarte. Daraufhin wurden sie noch viel unfreundlicher und meinten, das sei lebensgefährlich, da es jede Menge Elefanten und anderer gefährlicher Wildtiere im Park gäbe. Wir mussten im Endeffekt einen Zettel unterschreiben, dass wir den Park auf eigene Gefahr hin betreten. 


Vom Eingang bis zu den Kapkuro Bandas ist es etwa ein Kilometer. Wir kamen dabei schon etwas ins Schwitzen, da wir ziemlich viel zu schleppen hatten. Es war noch unklar ob wir morgen wieder abreisen oder noch eine Nacht länger bleiben, deshalb hatten wir ziemlich viel zu Essen dabei - im Endeffekt war es sogar viel zu viel. Bei den Hütten angekommen begrüßte uns David, der Wächter. Am Grundstück waren gerade Zebras und Antilopen seelenruhig am Grasen. Wir waren begeistert. Als David uns unsere Hütte von innen zeigte, war uns sofort klar: Hier bleiben wir auf alle Fälle zwei Nächte! Mit so viel Luxus hatten wir gar nicht gerechnet. Es gab einen Herd zum Kochen und sogar eine warme Dusche. So lässt es sich auf alle Fälle aushalten. Außer uns waren sonst keine Gäste da. Ein richtiges Paradies zum Entspannen. David konnte uns auch noch beruhigen, dass die Elefanten normalerweise keine Menschen attackieren und er gab uns ein paar Tipps, wie wir uns im Fall verhalten sollten.


Besonders scheu scheinen die Zebras hier nicht zu sein

Wasserbock

Schaulustige Antilopen ;)


Der Mount Elgon Nationalpark

Der Mount Elgon ist ein erloschener Vulkan an der Grenze von Uganda im Westen und Kenia im Osten. Der höchste Gipfel auf der kenianischen Seite ist der Koitobos, welcher auf 4.222m Seehöhe mit seinen 4.187m der zweithöchste Berg in Kenia. Er steht an der Grenze zu Uganda. Wie viele andere Berge in Ostafrika handelt es sich um einen alten Vulkan. Der Krater hat einen Durchmesser von rund acht Kilometern. 

Die Wunderpillen aus der Apotheke schienen tatsächlich geholfen zu haben, ich fühlte mich nämlich mittlerweile wieder recht fit. Der Hals schmerzte zwar noch, aber der Rest war wieder ganz gut. Jonas und ich beschlossen eine kleine Wanderung zu Wasserfällen zu machen. Dabei sahen wir verschiedene Antilopenarten, drei verschiedene Affenarten und jede Menge wunderschöner Vögel. Leider keine Elefanten. 



Als wir am nächsten Morgen gerade beim Frühstücken waren, staunten wir nicht schlecht, als plötzlich die Eingangstüre unserer Hütte mit einem lauten Knall aufgestoßen wurde. Es war ein riesiger Pavian, der gierig auf unser Essen hereinstarrte. Reflexartig sprang ich auf und knallte die Tür mit voller Wucht wieder zu. Jonas und ich mussten erstmal ordentlich lachen. Was für eine skurrile Situation! Zudem ging alles ziemlich schnell. Keine Ahnung wie ich es schaffte innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde die Situation einzuschätzen, aufzuspringen und die Türe zuzustoßen. Aber das war auch gut so, denn wenn man diese Biester erst einmal im Haus hat, dann gibt es ein riesiges Chaos. Und die Tiere können ziemlich aggressiv werden, vor allem wenn es um Essen geht. Als später in unseren Garten hinausschauten, waren zig Paviane dort am herumtollen. 



Der ganze Garten ist voller Paviane

Höhlen-Rundwanderung

Nach dem Frühstück starteten wir die heutig geplante Wanderung. Es sollte zu der Kitum-Höhle und der Makingeny-Höhle gehen. Sie werden auch auch als Elefantenhöhlen bezeichnet. Nachts kommen die Tiere dorthin um Salz von den Höhlenwänden zu lecken.  Ihre Stoßzähne kratzen dabei Furchen in die Wände. Es kommen aber auch andere Tiere wie z.B. Hyänen, Antilopen, usw wegen dem Salz dorthin. Die Kitum-Höhle ist vor allem deswegen bekannt, da sich 1980 zwei europäische Touristen dort mit dem Marburg-Virus (= ein tödlicher Virus, ähnlich wie Ebola) angesteckt haben sollen. Sie sind daraufhin gestorben. Aus diesem Anlass hat man dann mehrere Fledermäuse in der Höhle auf das Marburg-Virus untersucht, konnte es aber nicht nachweisen. 

Spuren der Elefanten-Stoßzähne an den Felsenwänden

Leider ging es Jonas heute nicht so gut. Entweder habe ich ihn angesteckt, oder er hat etwas Schlechtes gegessen. Seine Beschwerden bezogen sich nämlich eher auf den Magen und Darm. Er wollte es aber trotzdem versuchen. Wir gingen die Wanderung langsam an. Das Wetter spielte zu unserem Glück auch noch ganz gut mit. 

Die erste Höhle, die wir erreichten, war die Kitum-Höhle. Da wir unsere Stirnlampen dabei hatten, starteten wir gleich eine Erkundungstour. Hunderte wenn nicht sogar tausende Fledermäuse hingen an den Wänden. Als wir ihnen näher kamen begannen sie in Schwärmen loszufliegen. Wir waren von einem dichten Fledermausschwarm umgeben. Ich konnte den Wind auf meiner Haut spüren, wenn sie nah an mir vorbei flogen. Interessanterweise berührte mich aber nicht eine einzige von ihnen. 

Etwa eine halbe Stunde später kamen wir zur Makingeny-Höhle. Ein kleiner Wasserfall kommt am Höhleneingang herunter. Als ich die Höhle betrat, hörte ich ein seltsames, schrilles Kreischen. Wie sich herausstellte kam es von Fledermäusen. Es scheint sich aber um eine größere Art zu handeln. Selbst tief in der Höhle, wo kein Tageslicht mehr hinkommt, fanden wir Elefantenexkremente. Unglaublich, dass die Tiere so tief hinein kommen. Zudem ist der Weg recht anspruchsvoll, man muss teilweise über große Felsblöcke klettern. Wie wir später erfuhren, tasten die Elefanten den Weg mit ihrem Rüssel ab. Selbst Klettern ist kein großes Problem für sie. Je tiefer man in die Höhle kam, desto intensiver roch es nach den Fledermausexkrementen, die zentimeterdick den Boden bedecken. 

Vor dem Eingang der Makingeny-Höhle



Wir fanden sogar einen Elefantenschädel in der Höhle




Insgesamt sind wir an dem Tag über 20 km gewandert. Eigentlich wollten wir noch zur Elefantenplattform, aber da Jonas sich nach wie vor nicht gut fühlte, sparten wir uns das. 

Am Abend lud uns David, der Wächter, zu sich nach Hause auf einen Tee ein. Er erzählte uns viele spannende Geschichten über sein Leben hier im Nationalpark. Er hat ein sehr umfangreiches Wissen über die Tiere. Auch Kobras kommen öfters in die Nähe der Hütten. Er meinte aber, dass diese völlig ungefährlich wären und niemals grundlos einen Menschen attackieren würden. Wenn es zu einem Biss kommt, dann nur wenn weder der Mensch die Schlange, noch die Schlange den Mensch vorher gesehen hat, was recht unwahrscheinlich ist. Und auch dann würde sie nur zubeißen wenn man direkt drauf steigt.


Zurück in Kitale

Am nächsten Morgen ging es wieder zurück nach Kitale. Ich verabschiedete mich von Jonas, da er in Richtung Nakuru weiterreisen wird. Ich werde noch eine Nacht in Kitale bleiben, da ich meinen weiteren Reiseverlauf noch nicht wirklich geplant habe. 

Als ich am Nachmittag im Zentrum spazieren ging, stand plötzlich ein Straßenjunge bzw eher Jugendlicher mit zerrissenen Klamotten und ohne Schuhe vor mir. Seine Wangentasche war ausgebeult, er schien etwas zu kauen. Der junge Mann stellte sich als Patrick vor und fragte mich, ob ich ihn noch kennen würde. Ja, nun konnte ich mich errinnern. Patrick hatte mich vor über einer einer Woche, an meinem ersten Tag in Kitale, bevor ich nach Lodwar fuhr, ewig lange verfolgt. Das hat mich damals sehr gestresst. Als er nun aber so strahlend vor mir stand, konnte ich ihm nicht mehr böse sein. Ich fragte ihn, was er denn in der Wangentasche habe. "Kathblätter", war seine Antwort. Oh ja, diese Blätter kannte ich bereits aus Tansania. Sie haben eine leicht berauschende Wirkung und sind eine Art Alltagsdroge in vielen ostafrikanischen Ländern. Ich fragte ihn, warum er das mache. Er meinte, damit er den Hunger nicht so stark spüre und später in der Nacht schlafen könne. Als ich ihn fragte, wo er denn schlafe, zeigte er auf den Straßenrand. Plötzlich tat er mir unglaublich leid. Ich spazierte mit Patrick an meiner Seite zum Supermarkt. Da durfte er nicht hinein. In der Hoffnung, dass er auf mich warten würde, kaufte ich ihm zu Essen und zu Trinken. Als ich den Laden wieder verließ, war keine Spur mehr von ihm zu sehen. Die Situation stimmte mich noch lange danach ziemlich traurig. In Momenten wie diesen, geht mir die Armut vieler Leute hier wirklich sehr nahe. 


Nun werde ich noch ein bisschen tüfteln, wie meine weiteren Reisepläne aussehen werden. 


Also dann, bis bald!

Eure Michi :)
 


=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos vom Mount Elgon Nationalpark <=







Donnerstag, 13. Januar 2022

Der "Saiwa Swamp Nationalpark" bei Kitale

By On Januar 13, 2022

 

Kitale, Kenia

Die Fahrt von Lodwar nach Kitale

Frühmorgens nach Anbruch der Morgendämmerung verließ ich am Dienstag das Haus von Volodymyr und Victoria. Zum ersten Mal erlebte ich hier im Gebiet der Turkana leicht kühle Luft. Nebelschwaden hingen über den Straßen. Zum Glück fand ich sogleich einen Boda-Boda Fahrer - bzw er fand wohl eher mich - der mich zu den Turkrift Shuttles brachte. Auf den Straßen war schon einiges los: Kinder, die auf dem Weg in die Schule waren und Ziegenhirten, die ihre Tiere durch die Straßen trieben. Auffällig war, dass fast alle auf einem Holzast herumkauten. Es handelt sich dabei um den Ast des sogenannten "Zahnbürstenbaums". Damit werden die Zähne gereinigt. Zahnbürsten wie wir sie kennen, sind hier sehr selten. 

Beim Turkrift Office sagte man mir, dass das Matatu nach Kitale um acht Uhr abfahren wird. Dann hatte ich also noch reichlich Zeit. Ich ging ins Salama Restaurant - das ist scheinbar das beliebteste Restaurant der Stadt - und bestellte mir einen Chai (Milchtee) und Chapati (Fladenbrot). Als ich um kurz vor acht wieder beim Turkrift Office war, fuhren wir natürlich noch lange nicht los. Um 9:30 Uhr war es dann aber soweit. Es war erst einmal überhaupt kein Vorankommen. Alle paar huntert Meter waren Polizeikontrollen. Zudem hielten wir in jedem noch so kleinen Strohhüttendorf zum Be- und Entladen von Dingen. Man muss wissen, dass die Matatus hier auch als Paketservice fungieren. 

Zurück in Kitale

In Kitale kam ich diesmal im Elgon View Hotel unter (2.000 Ksh inkl. Frühstück), welches ich insgesamt schöner fand als das Jehovah Jireh Hotel. Bloß das Frühstück war kein wirklicher Gaumenschmaus. Ich beschloss mir zur Feier des Tages eine Pediküre im Ortszentrum zu gönnen. Durchgeführt wurde sie von einem jungen Mann, der das augenscheinlich mit vollem Herzblut machte. Das Ganze dauerte über zweieinhalb Stunden (!!!) und beinhaltete ein tolles Peeling, eine hervorragende Massage und alles was sonst  noch dazu gehört. Der Preis dafür waren unglaubliche 500 Ksh, was bloß 3,80 Euro sind. Wahnsinn! 

Am nächsten Tag kam dann Jonas, eine Reisebekanntschaft aus Deutschland, an. Unser Plan ist es gemeinsam den Gipfel des Mount Elgon zu besteigen. Die Tour wird wahrscheinlich drei bis vier Tage dauern. Für den heutigen Tag stand aber erstmal der Saiwa Swamp Nationalpark am Plan. 

Saiwa Swamp Nationalpark

Die Anfahrt von Kitale aus dauerte etwa eine halbe Stunde. Zuerst mit dem Matatu (150 Ksh) und dann die letzten Kilometer mit dem Boda-Boda (100 Ksh). 

Im Matatu von Kitale zum Saiwa Swamp Nationalpark

Wir bekamen erfreuerlicherweise wieder die Eintrittsgebühr für Einheimische berechnet, was bloß 300 Ksh ausmacht. Als Ausländer zahlt man normalerweise 26 USD.  

Der Park schien nicht sonderlich viel besucht zu sein. Uns kamen insgesamt nur zwei Personen unter.  Er ist zudem der kleinste Nationalpark des Landes mit nur etwa drei Quadratkilometern und wurde zum Schutz der Sumpfantilope errichtet. Von der Antilope sahen wir aber nichts. Dafür erspähte ich bereits in der ersten halben Stunde eine giftgrüne Schlange im Gebüsch. Der Verdacht liegt nahe, dass es wieder einmal die Grüne Mamba war, da diese hier wohl recht häufig vorkommt. Ansonsten sahen wir Affen und viele verschiedene Vogelarten. Der Rundweg führte insgesamt etwa 10 Kilometer an einem Fluss, der an einem Sumpfgebiet liegt, entlang. 

Das ist leider das einzige Foto, das ich vom Saiwa Swamp Nationalpark habe

Aus dem Park wieder draußen, hatte Jonas erstmal ordentlich Hunger. Mein Magen fühlte sich bereits seit dem Morgen nicht so gut an, zudem hatte ich Halsweh und fühlte mir irgendwie angeschlagen. Ob das vom Ventilator kommt, den ich in Lodwar die ganze Nacht auf höchster Stufe auf mich gerichtet hatte?

Jedenfalls fanden wir gleich nach dem Nationalpark ein kleines, einheimisches Restaurant. Jonas bestellte sich ein Mittagessen. Es gab Ugali, Bohnen und Chapati zur Auswahl. Er entschied sich für Bohnen und Chapati. Zudem bestellten wir zwei Tassen Chai (Milchtee) und einen Krug Wasser. Als wir die Rechnung bekamen, konnte ich es wieder einmal fast nicht glauben wie günstig es war. Für alles zusammen zahlten wir lächerliche 60 Ksh (=0,46 €). 


Die nette Dame im Restaurant besorgte uns sogar noch einen Boda-Boda Fahrer, der uns für 550 Ksh nach Hause bringen sollte. Der freundliche junge Mann heißt Lenox. Er bot uns an, noch kurz an seinem Haus vorbeizufahren. Er würde uns gerne seinen Garten zeigen und uns sein neugeborenes Baby und seine Frau vorstellen. Da sagten wir natürlich nicht nein. Lenox schien sich sehr darüber zu freuen, dass wir mitkommen. Er stellte uns bis über beide Ohren strahlend seine Familie vor. Sie wohnen in einer Lehmhütte. Rund um das Haus haben sie einen recht großen Garten mit Baumtomaten, Mais, Süßkartoffeln, Tee, usw. 

Ich, Lenox, seine Frau und das Baby. Irgendwie sieht man mir schon an, dass ich an diesem Tag nicht sonderlich fit war *lach*

Zurück im Hotel war ich dann total platt. Ich hatte Gliederschmerzen und fühlte mich irgendwie krank. Das war jetzt kein gutes Timing, wenn wir morgen auf den Mount Elgon wollten. Ich ging deshalb noch kurz bei der Apotheke vorbei und holte mir ein paar Medikamente, die mir der Apotheker als wahre Wundermittel anpries. Hier in Kenia bekommt man in Apotheken übrigens alles rezeptfrei. 

Was uns neben meinem schlechten Gesundheitszustand zusätzlich noch Sorgen machte für das geplante Trekking war die schlechte Wettervorhersage. Es sollte ab übermorgen im ganzen Land schwere Regenfälle geben, welche 4-5 Tage anhalten sollten. Für die Besteigung müssten wir im Zelt schlafen und das ist bei Regen nicht lustig. Wir beschlossen morgen in der Früh zu entscheiden, was wir machen werden.


Eure Michi :)




=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos von Kitale <=





Montag, 10. Januar 2022

Eliye Springs - eine Oase am Turkanasee

By On Januar 10, 2022


Am Freitag Morgen ging es also gemeinsam mit meinem Couchsurfing Gastgeber Jonathan auf in Richtung Eliye Springs. Ich habe schon viel über diesen scheinbar paradiesischen Ort gehört. 


Eliye Springs: Direkt am Turkanasee

Fahrt von Kakuma nach Eliye Springs

Um neun Uhr morgens standen wir am Busbahnhof von Kakuma und fanden auch sogleich einen Toyota Probox, der in Richtung Lodwar fahren sollte (700Ksh). Natürlich dauerte es recht lange, bis das Gefährt voll war und wir losfahren konnten. Es gab wieder eine Polizeikontrolle beim Verlassen der Stadt, aber zum Glück keine weiteren Fragen, was ich im Flüchtlingslager zu suchen hatte. Eineinhalb Stunden später, um kurz nach elf, kamen wir in Lodwar an. Eigentlich heißt es ja, dass es keinen öffentlichen Transport nach Eliye Springs gibt. Aber nach langem Herumfragen konnte Jonathan gestern Abend noch ein Fahrzeug ausfindig machen, das wohl heute um 14 Uhr von Lodwar aus starten sollte. Bis dahin hatten wir noch reichlich Zeit. Wir aßen zu Mittag und Jonathan hatte noch ein paar Erledigungen zu machen. Um punkt 14 Uhr waren wir parat. Nur natürlich das Fahrzeug nicht. Wir warteten also in der schweißtreibenden Hitze. Jonathan telefonierte dem Fahrer etwa alle 30 Minuten hinterher, wo er denn nun sei. Immer hieß es, er komme gleich und wäre schon am Weg. Als es dann 16:30 Uhr war, hatten wir die Schnauze voll. Eine Bekannte von Jonathan riet uns mit einem Boda-Boda (= Mopedtaxi) nach Eliye fahren. Jonathan zeigte sich anfangs nicht sehr begeistert, immerhin führt der Weg quer durch die Wüste, ohne Straßen. Er machte sich ziemliche Sorgen wegen der Sicherheit. Ich dagegen witterte natürlich Abenteuer. Letztendlich blieb uns sowieso nichts anderes übrig, denn auf diesen unzuverlässigen Fahrer wollten wir keinesfalls mehr warten. Wenige Minuten später stand unser Boda-Boda Fahrer John vor uns. Die Fahrt würde wohl 1,5 Stunden dauern und 1.500 Ksh pro Person kosten, wenn wir jeweils ein eigenes Boda-Boda nehmen würden, bzw 2.000 Ksh wenn wir uns eins teilen. Somit beschlossen wir uns eins zu teilen. Es wurde also ganz schön eng. Unsere zwei Rucksäcke wurden hinten am Moped befestigt. 


Mit diesem Motorbike, unseren 2 Rucksäcken und 3 Personen sollte es eineinhalb Stunden quer durch die Wüste nach Eliye Springs gehen


John, der Fahrer, saß ganz vorne, ich in der Mitte und Jonathan hinten. Die super abenteuerliche Fahrt ging also los. Ich wurde ziemlich eingquetscht, aber so konnte ich wenigstens nicht so leicht herunterfallen. Teilweise sind wir im tiefen Sand steckengeblieben und mussten immer wieder ein Stück zu Fuß zurücklegen. Zum Glück sind wir nie gestürzt. Wann immer es möglich war gab John ordentlich Gas und brauste mich halsbrecherischer Geschwindigkeit über die Sandhügel. Doch irgendwie vertraute ich ihm. Er meinte, er kenne die Strecke in- und auswendig. Eg ging vorbei an unzähligen kleinen Turkana-Strohhütten-Dörfern, Kamelen und Ziegenherden. 

Ziemlich genau 90 Minuten später kamen wir in Eliye Springs an. Erleichtert, die Fahrt heil überstanden zu haben, stiegen wir vom Motorbike. 


Angekommen in einem kleinen Paradies

Wir nahmen uns jeweils eine kleine Manyatta (=Strohhütte) im "Napak Resort" nur wenige Meter vom Turkanasee entfernt. Der Preis für eine solche Hütte beträgt 1.000 Ksh (=7,70 Euro) pro Nacht.


Meine Manyatta für die nächsten zwei Nächte :)


Einige hundert Meter neben unserer Unterkunft befindet sich der bekannte Eliye Springs Resort, der da schon um einiges saftigere Preise an den Tag legt. In dem Resort liegt auch die Süßwasserquelle, nach der diese Gegend hier benannt ist. 


Natürlich stürzten wir uns gleich in die tatsächlich sehr warmen Fluten des Sees. Der Strand ist schon seit längerem überflutet, das heißt einige der Palmen stehen ziemlich weit unter Wasser. Aber das war für uns nicht wirklich ein Nachteil. Ein bisschen Sorgen machte mir bloß das trübe Wasser. Ich mag es gar nicht, wenn man nicht sieht wo man hinsteigt. Zudem gibt es im Turkanasee Krokodile. Die Einheimischen meinten aber, dass diese hier am Strand nicht anzutreffen wären. Es hätte in den letzten Jahren nur einziges Mal eine tödliche Krokodil-Attacke gegeben. Na das klingt ja sehr beruhigend! Wir hatten noch einen wunderschönen Sonnenuntergang. 


Der Strand direkt vor unserer Unterkunft


Die Nacht war wieder recht schweißtreibend. Ich hätte mir eigentlich gedacht, dass so eine Manyatta etwas kühler wäre als die Wellblechhütten im Flüchtlingslager. Da hatte ich mich aber getäuscht. Das Moskitonetz erfüllte seinen Zweck auch nicht wirklich, da es aus mehr Löchern als Netz bestand. Die Einheimischen versicherten mir aber, dass im Moment keine Malaria Saison sei. 


Das Dorf Eliye

Der nächste Tag stand völlig im Zeichen des Entspannens. Es ging für mich zwischen Schatten und Wasser hin und her. In der Sonne war es unterträglich heiß. Mittags beschlossen wir ins Dort Eliye zu wandern. Es liegt etwa 20 Gehminuten von unserem Resort entfernt. Dort gibt es ein kleines Restaurant. Und jede Menge traditionell gekleideter Turkana, die sich im Schatten von der Mittagshitze ausruhen. Die Entscheidung, was wir essen sollten, wurde uns von der netten Besitzerin des Restaurants kurzerhand abgenommen, denn es gab sowieso nur ein einziges Gericht: Tilapia (Buntbarsch) mit Ugali (Maismehlbrei). 


Das Baby der Restaurantbesitzerin in Eliye hatte ein herzzerreißend süßes Lachen


Zurück in Lodwar

Am Sonntag ging es dann wieder zurück nach Lodwar. Diesmal mit einem Auto, welches gerade zufällig von Eliye Springs losfuhr und uns mitnahm. Fahrtzeit war ungefähr die selbe wie mit dem Boda-Boda. Ob es gemütlicher war mit dem Auto, kann ich nicht so genau sagen. Es war auf alle Fälle um einiges heißer. Aufgrund des Sandstaubes mussten wir nämlich die Fenster meist geschlossen halten. Zudem wurden wir auch ziemlich reingequetscht. 


In Lodwar verabschiedete ich mich von Jonathan, der zurück nach Kakuma musste. Ich kam wieder bei den urkainischen Missionaren Volodymyr und Victoria unter. Es war eine Wohltat dort einen Ventilator im Schlafzimmer zu haben. Nun musste ich erstmals ganz viel Schlaf nachholen. 


Den Montag verbrachte ich mit den Missionaren. Wir fuhren gemeinsam auf den Markt und sie erzählten mir spannende Geschichten von ihrer Arbeit. Die beiden leben ja bereits seit sie 19 Jahre alt sind hier in dieser abgeschiedenen Gegend Kenias. In der Stadt Lodwar würden sie erst seit kurzem wohnen. Vorher waren sie in einem super abgeschiedenen Dorf. Dort gab es weder ein Telefonnetzwerk noch Strom. Ihr Zuhause war eine einfache Strohhütte. Ich konnte nur staunen, wie sie so lange Zeit unter diesen einfachen Bedingungen leben konnten. Volodymyr erzählte mir dann noch, dass sie vor Kurzem eine rote Speikobra hier im Haus hatten. Und ein paar Wochen zuvor eine Schwarze Mamba im Garten. Ich werde nun auf alle Fälle nachts nicht mehr barfuß und ohne Licht die Klohütte aufsuchen!


Da ich mich nun wirklich wieder nach einer etwas kühleren Gegend sehe, werde ich morgen früh zurück nach Kitale reisen. Dort werde ich dann einen anderen Reisenden - Jonas - treffen. Wir planen gemeinsam den Mount Elgon zu besteigen. 


Eure Michi :)



=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos von Eliye Springs <=