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Mittwoch, 12. Februar 2020

Ein Paket versenden in Indien


Vielleicht habt ihr genauso wie ich schon genug Horrorstorys darüber gehört, wie kompliziert und vor allem nervenaufreibend es sei, ein Paket von Indien aus zu versenden. Ich war also auf das Schlimmste vorbereitet. 

Nachdem ich gestern schon zwei gescheiterte Versuche in etwas kleineren Postfilialen hatte, besuchte ich heute die Hauptpostfiliale dieser Region, welche sich in Margao gleich neben dem Busbahnhof befindet. Als ich diese gegen Mittag betrat, fand ich dort eine riesige Menschenmasse vor, die alle am Schalter anstanden. Das waren ja gute Aussichten.

Ich erkundigte mich bei einer Einheimischen wie das nun laufen würde. Sie erklärte mir, dass ich eine Nummer bräuchte. Dann müsste ich warten bis diese aufgerufen wird. Ich besorgte mir also meine Nummer. Doch kaum hatte ich dies gemacht, winkte mich einer der Postbeamten zu sich. Er erklärte mir, dass ich zu ihm in eine Seitenkammer kommen sollte. Gesagt getan. Ich fragte ihn noch, ob er meine Sachen auch einpacken könnte. Denn das korrekte Verpacken ist für viele Reisende die Hauptproblematik. Es gibt in Indien ganz strenge Vorschriften dafür. Ich hatte ein Riesenglück, denn er meinte, dass dies kein Problem sei. Das lief ja wirklich alles besser als gedacht. Der nette Beamte meinte, ich solle hier kurz warten. Er müsste nur schnell einen Verpackungskarton für meine Sachen kaufen. Nach etwa zehn Minuten kreuzte er mit einem recht verlottertem, alten Bierkarton wieder auf. Mehrmals fragte er mich, ob ich ihm den Karton auch bezahlen würde. Ich fragte ihn, was er dafür wollte, woraufhin er antwortete, dass ich das selbst entscheiden sollte. Okay, nun war mir auch klar, warum ich so schnell an die Reihe kam. Der Gute erhoffte sich ein paar Extrarupies von der ahnungslosen Touristin. Aber in dem Fall war es mir das auch Wert.

Nun begann er die zu versendenden Artikel genau zu untersuchen. Dabei stellte er mir jede Menge Fragen: Warum möchtest du das Zeug verschicken? An wen möchtest du es verschicken? Keine Ahnung ob das obligatorische Fragen waren, oder ob er einfach nur sehr neugierig war. Als nächstes legte er die Sachen in den Karton. Etwas kritisch fragte ich ihn, ob dieser das standhalten würde. Er erklärte mir, dass ich mir keine Sorgen zu machen bräuchte, denn er würde das Paket noch in einen weißen Leinenstoff einnähen. Das klingt doch super. Wieder verschwand er für eine halbe Ewigkeit. Zurück kam er mit einigen weißen Leinenstoff-Fetzen. Äußerst sorgfältig begann er das Paket einzunähen. Das Ganze dauerte fast eine Stunde. Dann wies er mich darauf hin, dass er eine Reisepasskopie von mir bräuchte. Ich hatte nur das Original dabei, doch zum Glück konnte er eine Kopie hier in der Filiale anfertigen. Nun musste ich drei verschiedene Formulare ausfüllen. Dort sollte ich angeben, was genau in dem Paket ist, wo ich hier in Indien wohne und so weiter. In einem Flüsterton meinte der Beamte ich solle ihm nun das Geld für den Karton geben. Bereitwillig gab ich ihm 100 Rupies (= ca 1,30 Euro), da ich sehr froh war wie unkompliziert alles lief. Er schien damit zufrieden zu sein und steckte das Geld schnell in seine Hostentasche. 

Jetzt wurde das Paket gewogen: knappe drei Kilogramm. Er fragte mich noch, ob ich einen Expressversand wollte. Ich verneinte dies. Ein zweiter Beamter begann nun meine Daten sorgfältig in den Computer einzutippen. Dabei machte er jede Menge Fehler beim Schreiben meines Namens und der Adresse. Zum Glück stand ich direkt hinter ihm und konnte ihn darauf hinweisen. Letztendlich bezahlte ich 1.800 Rupies (=ca 23 Euro) für das Versenden des Pakets. Das ist eigentlich okay. Nach gut 1,5 Stunden konnte ich die Postfiliale wieder verlassen. Ich war überglücklich, dass - für indische Verhältnisse - alles so reibungslos lief. Ich hätte wirklich mit Schlimmeren gerechnet. Nun kann ich nur noch hoffen, dass das Paket auch ankommt ;)

In diesen weißen Leinenstoff musste das Paket eingenäht werden

Der Post beamte beim Einnähen  meines Pakets. 

Den Weg zurück nach Colva legte ich zu Fuß zurück - etwa 8 Kilometer. Dabei traf ich auf eine Herde Wasserbüffel, die gerade beim Baden waren *lach*. 

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