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Freitag, 2. Juni 2017

Besuch Marisellas Großeltern am Land


Der heutige Tag war wieder so richig nach meinem Geschmack. Ich lernte das absolut authentische Landleben hier am Titicacasee kennen und war dort wo sonst niemals ein Tourist hinkommt. Dabei wollte mir meine Gastgeberin Marisella anfangs doch ernsthaft schmackhaft machen, ich sollte eine geführte Tour zu den Inseln und den dort angeblich traditionellen Dörfern am Titicacasee machen. Wie ihr mich kennt, bin ich ja wirklich kein Fan von Touren. Da wird man mit einer Horde von Touristen in ein "traditionelles Dorf" geführt, wobei diese dann bloß irgend ein Theater für die Touris aufführen, das aber zumeist gar nicht ihrem richtigen Leben entspricht. Da kommt mir wirklich das Grauen. Viel lieber sehe ich das wirkliche Leben und unberührte Natur. Das macht für mich das abenteuerliche Reisen aus.

Jedenfalls meinte Marisella plötzlich, dass wir aber auch ihre Großeltern am Land besuchen könnten. Diese würden zwar etwas abgeschieden von der Zivilisation leben, aber es wäre wirklich schön dort. Da zögerte ich natürlich keine Sekunde ja zu sagen.

Der lokale Markt Laykakota in Puno

Zuerst gingen wir noch auf den lokalen Markt um etwas einzukaufen, damit wir bei ihren Großeltern kochen können. Am Markt wurde sehr viel Fisch, frisches Obst und Gemüse, Kokablätter in Massen und alle nur vorstellbaren Sorten an Kartoffeln verkauft.

Einheimische Frau verkauft Quinoa Brot

frischer Fisch aus dem Titicacasee - er hat übrigens noch gezappelt




Der Weg in die Pampa

Dann ging es mit einem Kombi etwa eine halbe Stunde außerhalb von Puno. Dort wurden wir an einem kleinen Weg abgesetzt. Zu gehen wären es von hier aus etwa zwei Stunden zum Haus der Großeltern. Marisella fragte die Einheimischen vor Ort ob es einen öffentlichen Transport geben würde, der uns ein Stück näher bringen könnte. Sie verneinten. Nach einiger Überredung willigte ein älterer Herr ein uns ein Stück mit seiner schon etwas klapprigen Karre zu fahren - gegen Bezahlung natürlich. Die letzte halbe Stunde mussten wir gehen, da es keinen richtigen Weg mehr gab. Es ging durch Getreidefelder querfeldein. Häuser, wobei es sich eher um Lehmhütten handelt, gibt es hier nur wenige und diese sind weit verstreut.


ich liebe dieses Landleben


Angekommen bei Marisellas Großeltern 

Marisella hatte ihre Großeltern schon ein Jahr nicht mehr gesehen. Diese waren gerade beim Kartoffeln aussortieren. Übergroß war ihre Freude über unseren Besuch. Eine Gringa (= Ausländerin) hatten sie natürlich noch nie im Haus. Die beiden wirken schon sehr betagt, laut Marisella sind sie um die 90, aber so genau weiß das keiner. Die zwei sprechen auch nur wenig spanisch, da die indigene Bevölkerung in dieser Gegend "Aymara" spricht.

Mir ist es ein Rätsel wie die Großeltern so ganz alleine und abgeschieden klar kommen. Ihr Essen kommt fast ausschließlich aus Eigenanbau: Kartoffeln, Erbsen, Karotten und noch viel anderes Gemüse. Außerdem haben sie ein paar Rinder und Schafe. Die Oma macht aus der Milch köstlichen Käse. Strom haben sie in ihrem Lehmhaus seit ein paar Jahren, das Wasser muss jedoch von weit hergebracht werden. Wir begannen gemeinsam zu kochen. Als Vorspeise gab es Fischsuppe mit Kartoffeln. Und die Hauptspeise bestand abwechslungsreicherweise aus Kartoffeln mit leckerer pikanter Soße.

Wir verbrachten den ganzen Nachmittag in diesem kleinen Paradies und halfen mit beim Kartoffelsäcke schleppen und beim eintreiben der Rinder. Am kleinen See neben dem Haus beobachteten wir Flamingos und weitere auffällig schöne Vögel.

Marisella und ihre Großeltern

Marisellas Oma in ihrer Küche

selbstgemachter Käse von Marisellas Oma

so sieht der fertige selbstgemachte Käse aus

in diesen Lehmhäusern leben die Großeltern: eine Hütte dienst als Küche, eine als Vorratslager, eine für die Tiere und eine zum Schlafen

Marisella und ich hatten jede Menge Spaß

in der Gegend hier findet man jede Menge Ruinen, hier lebten wohl vor langer Zeit Verwandte von Marisella; dahinter sieht man einen kleinen See, an dem sich Flamingos tummeln



unser Mittagessen







Am Rückweg hatten wir leider nicht so viel Glück mit einer Mitfahrgelegenheit. Als wir bereits eine Stunde unterwegs waren, kam zu unserer Freude ein Kombi den Weg entlang. Doch zu früh gefreut, das Ding war bis zum Anstoß voll, zwei junge Männer saßen sogar am Dach *lach*. Es wurde bereits dunkel und bitterkalt. Die Temperaturen auf dieser Höhe sinken ja bis auf -5 Grad nachts. Als wir schon fast am Ziel waren kam ein Mototaxi angefahren, das uns dann die letzten paar Meter mitnahm.

Zum krönenden Abschluss dieses "Kartoffeltages" machte ich einen typisch österreichischen Kartoffelsalat. Marisella war für die Nachspeise zuständig und backte einen absolut köstlichen Maracujakuchen. Wir luden dazu noch zwei Arbeitskollegen von Marisella ein und verbrachten einen wirklich schönen Abend zusammen.

selbstgemachter Kartoffelsalat mit Frankfurter ;)



Kommentare:

  1. Hallo

    Oh wow, wie spannend ist das denn? Besser kann man ein Land kaum erkunden.. Und wohl wahr, diese organisierten Touri Ausflüge sind auch nicht mein Fall..

    Toller Bericht und ein Tag zum beneiden!

    Ich war vor einigen Jahren mal für ein halbes Jahr in Neuseeland - bis heute zehre ich von meinen Erinnerungen / Erlebnissen. War eine tolle Zeit!

    Viel Spaß noch und liebe Grüße
    Nadine

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  2. Hallo,

    wo kann man ein Land wirklich super erkunden und dabei noch Spaß haben. So lernt man das wirklich mal anders kennen. Wobei ich hätte Angst, das ich gar nicht mehr zum Hotel zurück finden.

    Aber echt toll, freue mich auf mehr von euren Erlebnissen.

    Liebe Grüße
    Julia

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    1. Deshalb schlafe ich auch so gut wie nie in Hotels, sondern reise fast ausschließlich über couchsurfing ;)

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    2. Deshalb schlafe ich auch so gut wie nie in Hotels, sondern reise fast ausschließlich über couchsurfing ;)

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