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Dienstag, 15. Dezember 2015

Der Hadzabe Stamm in Tansania - eine andere Welt!



Habt ihr gewusst, dass es heutzutage noch Menschen gibt, die in Höhlen leben? Ihre Nahrung vom Jagen und Sammeln gewinnen? Keine Handys, kein Strom, keine Schule, kein Geld, kein Gesetz und kein Kalender? - Oh ja es gibt sie noch:

Der Hadzabe Stamm

Die Hadzabe werden heute auf unter 1.000 Menschen geschätzt. Sie sind eine der letzten Volksgruppen, die noch traditionell Jäger und Sammler sind. Sie bauen nichts an und betreiben keine Viehzucht. Dieser Stamm lebt sehr isoliert in Tansania rund um den Eyazi-See und hat seine eigene Sprache, die aus Klick-Lauten besteht. Sie führen ein Nomadenleben. In der Nähe des Eyazi-Sees wurden übrigens einige der ältesten fossilen Überreste der ersten Menschen gefunden. Die Hadzabe gehen also wahrscheinlich direkt auf die Hauptwurzel des menschlichen Stammbaums 100.000 Jahre in die Vergangenheit zurück.

=> Wikipediabericht zum Hadzabe-Stamm

Abenteuerliche Anreise zu den Hadzabe

In aller Herrgottsfrühe wurden Alex und ich vom Wecker aus dem Schlaf gerissen. Auf diesen Tage habe ich lange gewartet. Ich war schon so unglaublich gespannt auf diesen außergewöhnlichen Hadzabe-Stamm. Als wir vor die Haustüre traten war es noch finster und es regnete ein wenig. Wir verahmen ein unheimliches Heulen aus weiter Ferne. Nun war auch JJ, der uns zu diesem Stamm führen wird, aufgestanden. Er erklärte uns, dass das Heulen von den Hyänen kommen würde.

Wir putzen schnell unsere Zähne und dann ging es schon los - zu dritt am Moped. Die Straßenverhältnisse waren eine Katastrophe - also es war eigentlich keine Straße, sondern eher ein Wegm den man meistens nicht einmal als solchen identifizieren konnte. Mehrmals versanken wir tief im Schlamm und passierten reißende Flüsse. JJ schien ein guter, jedoch sehr risikofreudiger Fahrer zu sein. Ich hatte stellenweise ernsthaft Angst, diese Fahrt nicht zu überleben, obwohl ich eigentlich kein Angsthase bin. Mehrere Male waren wir kurz vorm Stürzen und zweimal hat es uns wirklich umgehauen. Zum Glück überstanden wir die Fahrt trotzdem ohne gröbere Verletzungen. Wir waren bloß auf und auf voll mit Schlamm und klatschnass vom Regen und den Flussdurchquerungen. Die Hadzabe leben wirklich am Ende der Welt.

10.000 Jahre zurück in die Vergangenheit

Wir waren überwältigt. Es schien als wären wir 10.000 Jahre in die Vergangeneit versetzt. Wir stellten das Moped an einen Baum, der mit zig Pavianschädeln behangen war. Dieser Ort fühlte sich so mystisch an. Wir folgten JJ durch den Wald in Richtung einiger Felsen. Da waren sie dan die Höhlen. Überall Pavianknochen und -felle. Eine Gruppe von ca 10 jungen Hadzabe Männern saß rund um ein Lagerfeuer. Die ganze Situation war so unwirklich - fast wie ein Traum. Ich fühlte mich so fehl am Platz mit meiner modernen Bekleidung.

Das Leben der Hadzabe

Die Hadzabe begrüßten uns freundlich mit Handschlag. Sie trugen Tücher und Tierfelle. Ihr Haut war schmutzig und teilweise mit Blutspuren versehen. JJ erklärte uns, dass sich diese Menschen so gut twie nie waschen. Wir saßen mit ihnen am Lagerfeuer. Das tat recht gut, da wir vom Regen komplett nass waren. Ich war dermaßen fasziniert von diesen Menschen, dass ich meine Blicke nur schwer von ihnen lassen konnte. Ihre Bewegungen, ihre Sprache und generell ihr Lebensraum war so neu und überwältigend für mich. Das Sprechen bestand großteils aus einem Schnalzen mit der Zunge. Gespannt hörte ich ihnen zu wie sie sich angeregt unterhielten und immer wieder lautstark lachten. JJ setzte sich zu uns und begann zu erzählen. In diesem Stamm leben etwa 30 Personen. Der älteste Mann wir auf etwa 35 geschätzt, Zeitrechnung führen die Hadzabe nicht. Die Lebenserwartung ist aufgrund der fehlenden medizinischen Versorgung so niedrig. Die Frauen sammeln täglich Beeren und Früchte des Affenbrotbaums, außerdem graben sie Wurzelknollen aus. Die Männer suchen Honig und jagen. Sie erlegen so ziemich alles was ihnen unterkommt - von Vögeln über Paviane bis hin zu Zebras und Büffeln. Die Regierung hätte wohl mehrmals versucht Häuser für sie zu bauen, doch nach kurzer Zeit zogen die Hadzabe wieder in ihre Höhlen, da sie diese bevorzugten. Sie haben keine Schulbildung. Auch die Viehzucht lehnen sie ab. Die Hadzabe möchten nichts an ihrem Leben ändern. Leider ist dieser Stamm mittlerweile vom Aussterben bedroht.

Auf Jagd mit den Hazabe

Die Hadzabe begannen nun ihre Pfeile und Bögen für die Jagd vorzubereiten. Währenddessen rauchten sie eine Pfeife mit Marihuana. Sogar die Kinder rauchten mit. Sie waren geschätzte 8-10 Jahre alt, aber so genau weiß das keiner. Diese Menschen strahlten unheimlich viel Wärme und Freundlichkeit aus, sie saßen eng nebeneinnader am Lagerfeuer und unterhielten sich angeregt. Jeder hatte ein Grinsen am Gesicht - warum wohl? ;)

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Pfeil und Bogen werden für die Jagd gerüstet


So, jetzt gings los. Vier junge Männer, der jüngste so um die 8 Jahre, wir und ca 10 Hunde. Ich kam mir plötzlich vor, als wäre ich tatsächlich in der Steinzeit. Wir begannen also loszumarschieren durch den dichten Wald - oder eher zu rennen. Es war sehr faszinierend wie aufmerksam die Männer waren, sie nahmen jedes Geräusch wahr, bemerkten jeden umgeknickten Ast und sahen jede Bewegung. Außerdem können die Hadzabe Tierlaute richtig gut nachahmen. Wenn sie etwas witterten, konnten sie auf einmal unwahrscheinlich schnell laufen. Ja, sie bewegten so anders als wir, sie waren viel schneller und viel wendiger. Ich glaube ich habe noch nie Menschen so schnell rennen gesehen. Innerhalb kürzester Zeit hatten sie zwei Vögel geschossen. Der Pfeil wurde herausgezogen, das Blut in die Hose gewischt und das Federvieh in ihr Felloberteil gesteckt. Die Federn des Tieres wurden stellenweise schon gezupft und das rohe Fleisch probiert. Dann gings stundenlang im Laufschritt weiter durch den Dschungel. Das Ganze hatte wenig mit dem "Jagen", wie wir es kennen, zu tun. Hier grenzte das eher an Hochleistungssport. Ich hatte große Mühe den Jungs durchs dichte Gestrüpp zu folgen. Mehrmals machten sie eine Rauchpause. Plötzlich sah einer der Jungs in weiter Ferne am anderen Berg die Paviane. Oje, sie haben leider das Gebiet verlassen. Für Alex und mich ging sich das leider nicht mehr aus, dorthin zu laufen, da wir heute nach Arusha zurück mussten. Ich wäre ja wirklich schon gespannt auf Affenfleisch gewesen. Wir hatten auch sonst nicht viel Glück. Ein Gnu und ein Warzenschwein liefen uns noch über den Weg, aber sie waren leider zu schnell. Schade. Am liebsten würde ich einfach hier bleiben und ein paar Tage mit diesen außergewöhnlichen Menschen verbringen, aber ich vermute, dass das Schlafen in einer Höhle ohne Decke oder Schlafsack mit so vielen Menschen für mich fast nicht möglich ist.

Ich habe übrigens vor 2 Tagen ziemlich übel aussehende Blasen im Gesicht auf Wangenhöhe bekommen. Keine Ahnung wovon. Die Creme aus der Apotheke hier hilft leider null. Den aufmerksamen Hadzabe Jungs fiel dies sogleich auf. Einer von ihnen führte mich zu einem speziellen Baum und konnte mit seinem Messer Saft daraus gewinnen, mit dem er mir liebevoll meine Wunden und Bläschen versorgte. Mit seinen ungewaschenen, blutverschmierten Fingern versteht sich. Aber ich fand diese Geste so rührend,  dass ich es gerne über mich ergehen lies. Die Hadzabe - diesmal inklusive der Frauen - tanzten noch für uns, dann mussten wir Abschied nehmen.

Ich bin immer noch komplett überwältigt von diesem außergewöhnlichen Erlebnis. Ich habe in Afrika nun schon einige Stämme besucht, aber so etwas krasses habe ich noch nie erlebt. Selbst die Massais hatten schon Handys. Aber die Hadzabe leben noch wie komplette Höhlenmenschen. In einigen Jahren werden auch sie in dieser Form nicht mehr existieren. Ich liebe es ja traditionelle Stämme zu besuchen, leider stellt sich das oft bloß als Touristen-Show heraus. Deshalb bin ich immer auf der Suche nach versteckten Stämmen, die noch fernab des Massentourismus leben. Der Besuch der Hadzabe war eindeutig ein sehr authentisches Erlebnis.

Für Alex und mich war nun eine lange holprige Rückfahrt nach Arusha angesagt.


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das Kind spielte in der finsteren Höhle, dort wird übrigens auch geschlafen - der ganze Stamm gemeinsam

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beim Zusammensitzen am Lagerfeuer - irgendwie passe ich so gar nicht in dieses Bild

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eine Taube wurde erlegt

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Pavianschädel schmücken die Behausungen der Hadzabe

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=> Mehr Fotos und Videos zum Hadzabe Stamm <=






Kommentare:

  1. Krass. Da weiß ich gar nicht, was ich dazu sagen soll. Ein super Erlebnis sicherlich... Hat denn der Baumsaft geholfen?

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    1. Ja es war ein absolut unvergessliches Abenteuer! hmm... naja der baumsaft hat vielleicht ein bisschen geholfen, aber so ganz sicher bin ich mir dabei nicht :D

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  2. Oh man, das ist ja vollkommen abgefahren.

    Wie aus einer Doku, kaum vorstellbar das selbst zu erleben.
    Freut mich für dich, dass du diese Erfahrung machen konntest. Und es freut mich auch, dass der Stamm es bisher schafft so ursprünglich zu bleiben und eben nicht in Häuser zu ziehen und mit Handys rumzulaufen.

    Unsere moderne Welt hat viele Vorteile, wie die von dir erwähnte medizinische Versorgung, aber schlussendlich sind unsere Grundbedürfnisse immer die gleichen geblieben und deshalb denke ich auch, dass die Hadzabe so wie sie leben, ganz genau so glücklich sein können, wie wir.

    In Grönland war es auch spannend zu sehen, wie die Globalisierung alles verändert. Die Inuit sind ja auch noch Jäger und haben dafür in der eigenen Familie in der Vergangenheit auch viel Anerkennung bekommen. Wer einen Eisbären oder einen Wal erlegte, er konnte damit die Ernährung vieler Menschen sicher stellen. Doch seit den Anti-Robben-Jagd-Kampagnen und dem Walfangauflagen, dem einhergehendem Image und der Verschmelzung mit Dänemark, funktioniert dieses Wertesystem nicht mehr so richtig. Doch beim Wandel, so schien es mir zumindest, verlieren meistens die eigentlichen ortsansässigen Völker. Denn die neu entstandenen Geschäfte leiten dann am Beispiel Grönland doch oft Dänen. Zumindest schien das so und erzählte es uns auch ein Däne. Schade irgendwie. Deshalb umso schöner, dass sich wenigstens dieses eine Volk so halten konnte.

    Auf jeden Fall ein spannender Artikel, den ich sehr gern gelesen habe.

    Liebe Grüße
    Nicole von PASSENGER X

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    1. Tausend Dank Nicole!
      Oh ja, da hast du vollkommen recht und das ist wirklich schade und auch traurig, dass es solch ursprünglichen Völkern nicht mehr möglich ist ihr Leben wie gehabt zu leben. Auch die Hadzabe sind vom Aussterben bedroht. Aber soweit ich informiert bin, haben sie als die einzigen die Erlaubnis alles zu jagen in dem Gebiet, in dem sie leben.

      Ganz liebe Grüße aus Ecuador!

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  3. Wow! Das erinnert mich an mein Ethnologie Studium, als ich von solchen Abenteuern träumte. Das hätte mir sicher auch gefallen. Wie bist Du denn an diesen Ausflug gekommen? War das ein organisiertes Angebot oder ist das durch Bekanntschaften vor Ort zustande kommen? Ein toller Bericht!

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    1. Vielen Dank Monika! Dieses Abenteuer ist durch sehr glückliche Bekanntschaften zustande gekommen :)

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  4. WOW! Absolut beeindruckend, wa für ein einmaliges Erlebnis! Freue mich sehr für dich dass du so etwas erlebt hast! Freut mich auch total zu sehen dass dieser Stamm auch so ein enges Verhältnis zu Hunden hat :) D.h diese helfen ihnen bei der Jagd?

    Liebe Gruß
    Fräulein Reiselust

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    1. Danke Franzi! Ja die Hunde helfen bei der Fährtensuche ;)

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  5. Wow, na das ist mal ein Reisebericht der wirklich einmalig ist. Sehr faszinierend und was für ein Erlebnis. Da bin ich ja mal gespannt was du noch so alles erleben wirst!

    Viele Grüße
    Victoria

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