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Sonntag, 16. Januar 2022

Mount Elgon Nationalpark

By On Januar 16, 2022

 

Planänderung

Am Freitag Morgen beratschlagten Jonas und ich beim Frühstück wie es nun weitergehen sollte. Der ursprüngliche Plan war es ja, den Mount Elgon für die nächsten drei bis vier Tage zu besteigen. Wir müssten dabei im Zelt schlafen, da es ihm Park nur kurz nach dem Eingang Unterkünfte gab. Da nun aber die Wettervorhersage schwere Regenfälle in den nächsten Tagen ankündigte und ich seit dem Vortag gesundheitlich etwas angeschlagen war, beschlossen wir eine Alternative zu finden. 


Wir stießen auf die Kapkuro Bandas, das sind kleine Holzhütten direkt im Nationalpark. Dort könnten wir je nachdem wie gut es uns dort gefällt eine oder zwei Nächte verbringen und kleine Tageswanderungen planen. Dann wäre auch der Regen nicht so das Problem. Gesagt getan. Mit einem Taxi (1.850 Ksh) fuhren wir zum Chorlim Gate des Mount Elgon Nationalparks


Die Kapkuro Bandas 

Der Eintritt beträgt für Einheimische 300 Ksh und für Ausländer 26 USD und ist jeweils für 24 Stunden gültig. Für die Hütte zahlt man 40 USD pro Nacht. Die ziemlich mürrischen Damen am Eingang wollten uns noch eine Guide andrehen für 3.000 Ksh/Tag, was wir aber dankend ablehnten, da wir sowieso nur kleinere Wanderungen vorhatten. Zudem kauften wir uns eine Wanderkarte. Daraufhin wurden sie noch viel unfreundlicher und meinten, das sei lebensgefährlich, da es jede Menge Elefanten und anderer gefährlicher Wildtiere im Park gäbe. Wir mussten im Endeffekt einen Zettel unterschreiben, dass wir den Park auf eigene Gefahr hin betreten. 


Vom Eingang bis zu den Kapkuro Bandas ist es etwa ein Kilometer. Wir kamen dabei schon etwas ins Schwitzen, da wir ziemlich viel zu schleppen hatten. Es war noch unklar ob wir morgen wieder abreisen oder noch eine Nacht länger bleiben, deshalb hatten wir ziemlich viel zu Essen dabei - im Endeffekt war es sogar viel zu viel. Bei den Hütten angekommen begrüßte uns David, der Wächter. Am Grundstück waren gerade Zebras und Antilopen seelenruhig am Grasen. Wir waren begeistert. Als David uns unsere Hütte von innen zeigte, war uns sofort klar: Hier bleiben wir auf alle Fälle zwei Nächte! Mit so viel Luxus hatten wir gar nicht gerechnet. Es gab einen Herd zum Kochen und sogar eine warme Dusche. So lässt es sich auf alle Fälle aushalten. Außer uns waren sonst keine Gäste da. Ein richtiges Paradies zum Entspannen. David konnte uns auch noch beruhigen, dass die Elefanten normalerweise keine Menschen attackieren und er gab uns ein paar Tipps, wie wir uns im Fall verhalten sollten.


Besonders scheu scheinen die Zebras hier nicht zu sein

Wasserbock

Schaulustige Antilopen ;)


Der Mount Elgon Nationalpark

Der Mount Elgon ist ein erloschener Vulkan an der Grenze von Uganda im Westen und Kenia im Osten. Der höchste Gipfel auf der kenianischen Seite ist der Koitobos, welcher auf 4.222m Seehöhe mit seinen 4.187m der zweithöchste Berg in Kenia. Er steht an der Grenze zu Uganda. Wie viele andere Berge in Ostafrika handelt es sich um einen alten Vulkan. Der Krater hat einen Durchmesser von rund acht Kilometern. 

Die Wunderpillen aus der Apotheke schienen tatsächlich geholfen zu haben, ich fühlte mich nämlich mittlerweile wieder recht fit. Der Hals schmerzte zwar noch, aber der Rest war wieder ganz gut. Jonas und ich beschlossen eine kleine Wanderung zu Wasserfällen zu machen. Dabei sahen wir verschiedene Antilopenarten, drei verschiedene Affenarten und jede Menge wunderschöner Vögel. Leider keine Elefanten. 



Als wir am nächsten Morgen gerade beim Frühstücken waren, staunten wir nicht schlecht, als plötzlich die Eingangstüre unserer Hütte mit einem lauten Knall aufgestoßen wurde. Es war ein riesiger Pavian, der gierig auf unser Essen hereinstarrte. Reflexartig sprang ich auf und knallte die Tür mit voller Wucht wieder zu. Jonas und ich mussten erstmal ordentlich lachen. Was für eine skurrile Situation! Zudem ging alles ziemlich schnell. Keine Ahnung wie ich es schaffte innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde die Situation einzuschätzen, aufzuspringen und die Türe zuzustoßen. Aber das war auch gut so, denn wenn man diese Biester erst einmal im Haus hat, dann gibt es ein riesiges Chaos. Und die Tiere können ziemlich aggressiv werden, vor allem wenn es um Essen geht. Als später in unseren Garten hinausschauten, waren zig Paviane dort am herumtollen. 



Der ganze Garten ist voller Paviane

Höhlen-Rundwanderung

Nach dem Frühstück starteten wir die heutig geplante Wanderung. Es sollte zu der Kitum-Höhle und der Makingeny-Höhle gehen. Sie werden auch auch als Elefantenhöhlen bezeichnet. Nachts kommen die Tiere dorthin um Salz von den Höhlenwänden zu lecken.  Ihre Stoßzähne kratzen dabei Furchen in die Wände. Es kommen aber auch andere Tiere wie z.B. Hyänen, Antilopen, usw wegen dem Salz dorthin. Die Kitum-Höhle ist vor allem deswegen bekannt, da sich 1980 zwei europäische Touristen dort mit dem Marburg-Virus (= ein tödlicher Virus, ähnlich wie Ebola) angesteckt haben sollen. Sie sind daraufhin gestorben. Aus diesem Anlass hat man dann mehrere Fledermäuse in der Höhle auf das Marburg-Virus untersucht, konnte es aber nicht nachweisen. 

Spuren der Elefanten-Stoßzähne an den Felsenwänden

Leider ging es Jonas heute nicht so gut. Entweder habe ich ihn angesteckt, oder er hat etwas Schlechtes gegessen. Seine Beschwerden bezogen sich nämlich eher auf den Magen und Darm. Er wollte es aber trotzdem versuchen. Wir gingen die Wanderung langsam an. Das Wetter spielte zu unserem Glück auch noch ganz gut mit. 

Die erste Höhle, die wir erreichten, war die Kitum-Höhle. Da wir unsere Stirnlampen dabei hatten, starteten wir gleich eine Erkundungstour. Hunderte wenn nicht sogar tausende Fledermäuse hingen an den Wänden. Als wir ihnen näher kamen begannen sie in Schwärmen loszufliegen. Wir waren von einem dichten Fledermausschwarm umgeben. Ich konnte den Wind auf meiner Haut spüren, wenn sie nah an mir vorbei flogen. Interessanterweise berührte mich aber nicht eine einzige von ihnen. 

Etwa eine halbe Stunde später kamen wir zur Makingeny-Höhle. Ein kleiner Wasserfall kommt am Höhleneingang herunter. Als ich die Höhle betrat, hörte ich ein seltsames, schrilles Kreischen. Wie sich herausstellte kam es von Fledermäusen. Es scheint sich aber um eine größere Art zu handeln. Selbst tief in der Höhle, wo kein Tageslicht mehr hinkommt, fanden wir Elefantenexkremente. Unglaublich, dass die Tiere so tief hinein kommen. Zudem ist der Weg recht anspruchsvoll, man muss teilweise über große Felsblöcke klettern. Wie wir später erfuhren, tasten die Elefanten den Weg mit ihrem Rüssel ab. Selbst Klettern ist kein großes Problem für sie. Je tiefer man in die Höhle kam, desto intensiver roch es nach den Fledermausexkrementen, die zentimeterdick den Boden bedecken. 

Vor dem Eingang der Makingeny-Höhle



Wir fanden sogar einen Elefantenschädel in der Höhle




Insgesamt sind wir an dem Tag über 20 km gewandert. Eigentlich wollten wir noch zur Elefantenplattform, aber da Jonas sich nach wie vor nicht gut fühlte, sparten wir uns das. 

Am Abend lud uns David, der Wächter, zu sich nach Hause auf einen Tee ein. Er erzählte uns viele spannende Geschichten über sein Leben hier im Nationalpark. Er hat ein sehr umfangreiches Wissen über die Tiere. Auch Kobras kommen öfters in die Nähe der Hütten. Er meinte aber, dass diese völlig ungefährlich wären und niemals grundlos einen Menschen attackieren würden. Wenn es zu einem Biss kommt, dann nur wenn weder der Mensch die Schlange, noch die Schlange den Mensch vorher gesehen hat, was recht unwahrscheinlich ist. Und auch dann würde sie nur zubeißen wenn man direkt drauf steigt.


Zurück in Kitale

Am nächsten Morgen ging es wieder zurück nach Kitale. Ich verabschiedete mich von Jonas, da er in Richtung Nakuru weiterreisen wird. Ich werde noch eine Nacht in Kitale bleiben, da ich meinen weiteren Reiseverlauf noch nicht wirklich geplant habe. 

Als ich am Nachmittag im Zentrum spazieren ging, stand plötzlich ein Straßenjunge bzw eher Jugendlicher mit zerrissenen Klamotten und ohne Schuhe vor mir. Seine Wangentasche war ausgebeult, er schien etwas zu kauen. Der junge Mann stellte sich als Patrick vor und fragte mich, ob ich ihn noch kennen würde. Ja, nun konnte ich mich errinnern. Patrick hatte mich vor über einer einer Woche, an meinem ersten Tag in Kitale, bevor ich nach Lodwar fuhr, ewig lange verfolgt. Das hat mich damals sehr gestresst. Als er nun aber so strahlend vor mir stand, konnte ich ihm nicht mehr böse sein. Ich fragte ihn, was er denn in der Wangentasche habe. "Kathblätter", war seine Antwort. Oh ja, diese Blätter kannte ich bereits aus Tansania. Sie haben eine leicht berauschende Wirkung und sind eine Art Alltagsdroge in vielen ostafrikanischen Ländern. Ich fragte ihn, warum er das mache. Er meinte, damit er den Hunger nicht so stark spüre und später in der Nacht schlafen könne. Als ich ihn fragte, wo er denn schlafe, zeigte er auf den Straßenrand. Plötzlich tat er mir unglaublich leid. Ich spazierte mit Patrick an meiner Seite zum Supermarkt. Da durfte er nicht hinein. In der Hoffnung, dass er auf mich warten würde, kaufte ich ihm zu Essen und zu Trinken. Als ich den Laden wieder verließ, war keine Spur mehr von ihm zu sehen. Die Situation stimmte mich noch lange danach ziemlich traurig. In Momenten wie diesen, geht mir die Armut vieler Leute hier wirklich sehr nahe. 


Nun werde ich noch ein bisschen tüfteln, wie meine weiteren Reisepläne aussehen werden. 


Also dann, bis bald!

Eure Michi :)
 


=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos vom Mount Elgon Nationalpark <=







Donnerstag, 13. Januar 2022

Der "Saiwa Swamp Nationalpark" bei Kitale

By On Januar 13, 2022

 

Kitale, Kenia

Die Fahrt von Lodwar nach Kitale

Frühmorgens nach Anbruch der Morgendämmerung verließ ich am Dienstag das Haus von Volodymyr und Victoria. Zum ersten Mal erlebte ich hier im Gebiet der Turkana leicht kühle Luft. Nebelschwaden hingen über den Straßen. Zum Glück fand ich sogleich einen Boda-Boda Fahrer - bzw er fand wohl eher mich - der mich zu den Turkrift Shuttles brachte. Auf den Straßen war schon einiges los: Kinder, die auf dem Weg in die Schule waren und Ziegenhirten, die ihre Tiere durch die Straßen trieben. Auffällig war, dass fast alle auf einem Holzast herumkauten. Es handelt sich dabei um den Ast des sogenannten "Zahnbürstenbaums". Damit werden die Zähne gereinigt. Zahnbürsten wie wir sie kennen, sind hier sehr selten. 

Beim Turkrift Office sagte man mir, dass das Matatu nach Kitale um acht Uhr abfahren wird. Dann hatte ich also noch reichlich Zeit. Ich ging ins Salama Restaurant - das ist scheinbar das beliebteste Restaurant der Stadt - und bestellte mir einen Chai (Milchtee) und Chapati (Fladenbrot). Als ich um kurz vor acht wieder beim Turkrift Office war, fuhren wir natürlich noch lange nicht los. Um 9:30 Uhr war es dann aber soweit. Es war erst einmal überhaupt kein Vorankommen. Alle paar huntert Meter waren Polizeikontrollen. Zudem hielten wir in jedem noch so kleinen Strohhüttendorf zum Be- und Entladen von Dingen. Man muss wissen, dass die Matatus hier auch als Paketservice fungieren. 

Zurück in Kitale

In Kitale kam ich diesmal im Elgon View Hotel unter (2.000 Ksh inkl. Frühstück), welches ich insgesamt schöner fand als das Jehovah Jireh Hotel. Bloß das Frühstück war kein wirklicher Gaumenschmaus. Ich beschloss mir zur Feier des Tages eine Pediküre im Ortszentrum zu gönnen. Durchgeführt wurde sie von einem jungen Mann, der das augenscheinlich mit vollem Herzblut machte. Das Ganze dauerte über zweieinhalb Stunden (!!!) und beinhaltete ein tolles Peeling, eine hervorragende Massage und alles was sonst  noch dazu gehört. Der Preis dafür waren unglaubliche 500 Ksh, was bloß 3,80 Euro sind. Wahnsinn! 

Am nächsten Tag kam dann Jonas, eine Reisebekanntschaft aus Deutschland, an. Unser Plan ist es gemeinsam den Gipfel des Mount Elgon zu besteigen. Die Tour wird wahrscheinlich drei bis vier Tage dauern. Für den heutigen Tag stand aber erstmal der Saiwa Swamp Nationalpark am Plan. 

Saiwa Swamp Nationalpark

Die Anfahrt von Kitale aus dauerte etwa eine halbe Stunde. Zuerst mit dem Matatu (150 Ksh) und dann die letzten Kilometer mit dem Boda-Boda (100 Ksh). 

Im Matatu von Kitale zum Saiwa Swamp Nationalpark

Wir bekamen erfreuerlicherweise wieder die Eintrittsgebühr für Einheimische berechnet, was bloß 300 Ksh ausmacht. Als Ausländer zahlt man normalerweise 26 USD.  

Der Park schien nicht sonderlich viel besucht zu sein. Uns kamen insgesamt nur zwei Personen unter.  Er ist zudem der kleinste Nationalpark des Landes mit nur etwa drei Quadratkilometern und wurde zum Schutz der Sumpfantilope errichtet. Von der Antilope sahen wir aber nichts. Dafür erspähte ich bereits in der ersten halben Stunde eine giftgrüne Schlange im Gebüsch. Der Verdacht liegt nahe, dass es wieder einmal die Grüne Mamba war, da diese hier wohl recht häufig vorkommt. Ansonsten sahen wir Affen und viele verschiedene Vogelarten. Der Rundweg führte insgesamt etwa 10 Kilometer an einem Fluss, der an einem Sumpfgebiet liegt, entlang. 

Das ist leider das einzige Foto, das ich vom Saiwa Swamp Nationalpark habe

Aus dem Park wieder draußen, hatte Jonas erstmal ordentlich Hunger. Mein Magen fühlte sich bereits seit dem Morgen nicht so gut an, zudem hatte ich Halsweh und fühlte mir irgendwie angeschlagen. Ob das vom Ventilator kommt, den ich in Lodwar die ganze Nacht auf höchster Stufe auf mich gerichtet hatte?

Jedenfalls fanden wir gleich nach dem Nationalpark ein kleines, einheimisches Restaurant. Jonas bestellte sich ein Mittagessen. Es gab Ugali, Bohnen und Chapati zur Auswahl. Er entschied sich für Bohnen und Chapati. Zudem bestellten wir zwei Tassen Chai (Milchtee) und einen Krug Wasser. Als wir die Rechnung bekamen, konnte ich es wieder einmal fast nicht glauben wie günstig es war. Für alles zusammen zahlten wir lächerliche 60 Ksh (=0,46 €). 


Die nette Dame im Restaurant besorgte uns sogar noch einen Boda-Boda Fahrer, der uns für 550 Ksh nach Hause bringen sollte. Der freundliche junge Mann heißt Lenox. Er bot uns an, noch kurz an seinem Haus vorbeizufahren. Er würde uns gerne seinen Garten zeigen und uns sein neugeborenes Baby und seine Frau vorstellen. Da sagten wir natürlich nicht nein. Lenox schien sich sehr darüber zu freuen, dass wir mitkommen. Er stellte uns bis über beide Ohren strahlend seine Familie vor. Sie wohnen in einer Lehmhütte. Rund um das Haus haben sie einen recht großen Garten mit Baumtomaten, Mais, Süßkartoffeln, Tee, usw. 

Ich, Lenox, seine Frau und das Baby. Irgendwie sieht man mir schon an, dass ich an diesem Tag nicht sonderlich fit war *lach*

Zurück im Hotel war ich dann total platt. Ich hatte Gliederschmerzen und fühlte mich irgendwie krank. Das war jetzt kein gutes Timing, wenn wir morgen auf den Mount Elgon wollten. Ich ging deshalb noch kurz bei der Apotheke vorbei und holte mir ein paar Medikamente, die mir der Apotheker als wahre Wundermittel anpries. Hier in Kenia bekommt man in Apotheken übrigens alles rezeptfrei. 

Was uns neben meinem schlechten Gesundheitszustand zusätzlich noch Sorgen machte für das geplante Trekking war die schlechte Wettervorhersage. Es sollte ab übermorgen im ganzen Land schwere Regenfälle geben, welche 4-5 Tage anhalten sollten. Für die Besteigung müssten wir im Zelt schlafen und das ist bei Regen nicht lustig. Wir beschlossen morgen in der Früh zu entscheiden, was wir machen werden.


Eure Michi :)




=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos von Kitale <=





Montag, 10. Januar 2022

Eliye Springs - eine Oase am Turkanasee

By On Januar 10, 2022


Am Freitag Morgen ging es also gemeinsam mit meinem Couchsurfing Gastgeber Jonathan auf in Richtung Eliye Springs. Ich habe schon viel über diesen scheinbar paradiesischen Ort gehört. 


Eliye Springs: Direkt am Turkanasee

Fahrt von Kakuma nach Eliye Springs

Um neun Uhr morgens standen wir am Busbahnhof von Kakuma und fanden auch sogleich einen Toyota Probox, der in Richtung Lodwar fahren sollte (700Ksh). Natürlich dauerte es recht lange, bis das Gefährt voll war und wir losfahren konnten. Es gab wieder eine Polizeikontrolle beim Verlassen der Stadt, aber zum Glück keine weiteren Fragen, was ich im Flüchtlingslager zu suchen hatte. Eineinhalb Stunden später, um kurz nach elf, kamen wir in Lodwar an. Eigentlich heißt es ja, dass es keinen öffentlichen Transport nach Eliye Springs gibt. Aber nach langem Herumfragen konnte Jonathan gestern Abend noch ein Fahrzeug ausfindig machen, das wohl heute um 14 Uhr von Lodwar aus starten sollte. Bis dahin hatten wir noch reichlich Zeit. Wir aßen zu Mittag und Jonathan hatte noch ein paar Erledigungen zu machen. Um punkt 14 Uhr waren wir parat. Nur natürlich das Fahrzeug nicht. Wir warteten also in der schweißtreibenden Hitze. Jonathan telefonierte dem Fahrer etwa alle 30 Minuten hinterher, wo er denn nun sei. Immer hieß es, er komme gleich und wäre schon am Weg. Als es dann 16:30 Uhr war, hatten wir die Schnauze voll. Eine Bekannte von Jonathan riet uns mit einem Boda-Boda (= Mopedtaxi) nach Eliye fahren. Jonathan zeigte sich anfangs nicht sehr begeistert, immerhin führt der Weg quer durch die Wüste, ohne Straßen. Er machte sich ziemliche Sorgen wegen der Sicherheit. Ich dagegen witterte natürlich Abenteuer. Letztendlich blieb uns sowieso nichts anderes übrig, denn auf diesen unzuverlässigen Fahrer wollten wir keinesfalls mehr warten. Wenige Minuten später stand unser Boda-Boda Fahrer John vor uns. Die Fahrt würde wohl 1,5 Stunden dauern und 1.500 Ksh pro Person kosten, wenn wir jeweils ein eigenes Boda-Boda nehmen würden, bzw 2.000 Ksh wenn wir uns eins teilen. Somit beschlossen wir uns eins zu teilen. Es wurde also ganz schön eng. Unsere zwei Rucksäcke wurden hinten am Moped befestigt. 


Mit diesem Motorbike, unseren 2 Rucksäcken und 3 Personen sollte es eineinhalb Stunden quer durch die Wüste nach Eliye Springs gehen


John, der Fahrer, saß ganz vorne, ich in der Mitte und Jonathan hinten. Die super abenteuerliche Fahrt ging also los. Ich wurde ziemlich eingquetscht, aber so konnte ich wenigstens nicht so leicht herunterfallen. Teilweise sind wir im tiefen Sand steckengeblieben und mussten immer wieder ein Stück zu Fuß zurücklegen. Zum Glück sind wir nie gestürzt. Wann immer es möglich war gab John ordentlich Gas und brauste mich halsbrecherischer Geschwindigkeit über die Sandhügel. Doch irgendwie vertraute ich ihm. Er meinte, er kenne die Strecke in- und auswendig. Eg ging vorbei an unzähligen kleinen Turkana-Strohhütten-Dörfern, Kamelen und Ziegenherden. 

Ziemlich genau 90 Minuten später kamen wir in Eliye Springs an. Erleichtert, die Fahrt heil überstanden zu haben, stiegen wir vom Motorbike. 


Angekommen in einem kleinen Paradies

Wir nahmen uns jeweils eine kleine Manyatta (=Strohhütte) im "Napak Resort" nur wenige Meter vom Turkanasee entfernt. Der Preis für eine solche Hütte beträgt 1.000 Ksh (=7,70 Euro) pro Nacht.


Meine Manyatta für die nächsten zwei Nächte :)


Einige hundert Meter neben unserer Unterkunft befindet sich der bekannte Eliye Springs Resort, der da schon um einiges saftigere Preise an den Tag legt. In dem Resort liegt auch die Süßwasserquelle, nach der diese Gegend hier benannt ist. 


Natürlich stürzten wir uns gleich in die tatsächlich sehr warmen Fluten des Sees. Der Strand ist schon seit längerem überflutet, das heißt einige der Palmen stehen ziemlich weit unter Wasser. Aber das war für uns nicht wirklich ein Nachteil. Ein bisschen Sorgen machte mir bloß das trübe Wasser. Ich mag es gar nicht, wenn man nicht sieht wo man hinsteigt. Zudem gibt es im Turkanasee Krokodile. Die Einheimischen meinten aber, dass diese hier am Strand nicht anzutreffen wären. Es hätte in den letzten Jahren nur einziges Mal eine tödliche Krokodil-Attacke gegeben. Na das klingt ja sehr beruhigend! Wir hatten noch einen wunderschönen Sonnenuntergang. 


Der Strand direkt vor unserer Unterkunft


Die Nacht war wieder recht schweißtreibend. Ich hätte mir eigentlich gedacht, dass so eine Manyatta etwas kühler wäre als die Wellblechhütten im Flüchtlingslager. Da hatte ich mich aber getäuscht. Das Moskitonetz erfüllte seinen Zweck auch nicht wirklich, da es aus mehr Löchern als Netz bestand. Die Einheimischen versicherten mir aber, dass im Moment keine Malaria Saison sei. 


Das Dorf Eliye

Der nächste Tag stand völlig im Zeichen des Entspannens. Es ging für mich zwischen Schatten und Wasser hin und her. In der Sonne war es unterträglich heiß. Mittags beschlossen wir ins Dort Eliye zu wandern. Es liegt etwa 20 Gehminuten von unserem Resort entfernt. Dort gibt es ein kleines Restaurant. Und jede Menge traditionell gekleideter Turkana, die sich im Schatten von der Mittagshitze ausruhen. Die Entscheidung, was wir essen sollten, wurde uns von der netten Besitzerin des Restaurants kurzerhand abgenommen, denn es gab sowieso nur ein einziges Gericht: Tilapia (Buntbarsch) mit Ugali (Maismehlbrei). 


Das Baby der Restaurantbesitzerin in Eliye hatte ein herzzerreißend süßes Lachen


Zurück in Lodwar

Am Sonntag ging es dann wieder zurück nach Lodwar. Diesmal mit einem Auto, welches gerade zufällig von Eliye Springs losfuhr und uns mitnahm. Fahrtzeit war ungefähr die selbe wie mit dem Boda-Boda. Ob es gemütlicher war mit dem Auto, kann ich nicht so genau sagen. Es war auf alle Fälle um einiges heißer. Aufgrund des Sandstaubes mussten wir nämlich die Fenster meist geschlossen halten. Zudem wurden wir auch ziemlich reingequetscht. 


In Lodwar verabschiedete ich mich von Jonathan, der zurück nach Kakuma musste. Ich kam wieder bei den urkainischen Missionaren Volodymyr und Victoria unter. Es war eine Wohltat dort einen Ventilator im Schlafzimmer zu haben. Nun musste ich erstmals ganz viel Schlaf nachholen. 


Den Montag verbrachte ich mit den Missionaren. Wir fuhren gemeinsam auf den Markt und sie erzählten mir spannende Geschichten von ihrer Arbeit. Die beiden leben ja bereits seit sie 19 Jahre alt sind hier in dieser abgeschiedenen Gegend Kenias. In der Stadt Lodwar würden sie erst seit kurzem wohnen. Vorher waren sie in einem super abgeschiedenen Dorf. Dort gab es weder ein Telefonnetzwerk noch Strom. Ihr Zuhause war eine einfache Strohhütte. Ich konnte nur staunen, wie sie so lange Zeit unter diesen einfachen Bedingungen leben konnten. Volodymyr erzählte mir dann noch, dass sie vor Kurzem eine rote Speikobra hier im Haus hatten. Und ein paar Wochen zuvor eine Schwarze Mamba im Garten. Ich werde nun auf alle Fälle nachts nicht mehr barfuß und ohne Licht die Klohütte aufsuchen!


Da ich mich nun wirklich wieder nach einer etwas kühleren Gegend sehe, werde ich morgen früh zurück nach Kitale reisen. Dort werde ich dann einen anderen Reisenden - Jonas - treffen. Wir planen gemeinsam den Mount Elgon zu besteigen. 


Eure Michi :)



=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos von Eliye Springs <=




Donnerstag, 6. Januar 2022

Couchsurfing in Kakuma - einem der größten Flüchtlingslager weltweit

By On Januar 06, 2022


Kakuma, Kenia

 

Es mag sich zwar recht ungewöhnlich anhören, aber ich habe tatsächlich einen Couchsurfing-Gastgeber im Flüchtlingslager in Kakuma finden können. Er heißt Jonathan und ist Flüchtling aus dem Kongo. Ich konnte also mittendrin im Lager sein und mit den Leuten dort den Alltag live miterleben. Die Möglichkeit auf so ein Abenteuer hat man bestimmt nicht alle Tage. Nun aber von Anfang an:


Das Flüchtlingslager in Kakuma

Im Norden Kenias, inmitten einer dürren Wüste, nahe an der Grenze zum Südsudan und zu Uganda, liegt Kakuma, eines der größten Flüchtlingslager der Welt. Etwa 200.000 Flüchtlinge leben in dem Camp. Sie kommen hauptsächlich aus dem Südsudan, Äthiopien, Somalia und dem Kongo. Wasser und Strom sind Mangelware und deshalb nur wenige Stunden am Tag rationiert verfügbar und das bei weitem nicht für alle. Mit kreativen Geschäftsmodellen versuchen sich die Leute dort irgendwie über Wasser zu halten und haben sich somit eine eigene Infrastruktur geschaffen. Die Flüchtlings-Siedlungen sind in vier Camps eingeteilt: Kakuma 1 bis 4. Im Jahr 1992 hat Kakuma erstmals die Tore für Flüchtlinge geöffnet, seitdem stieg die Anzahl stetig an. Es wurde bereits mehrmals erfolglos versucht das Lager aufzulösen. Wo sollten diese ganzen Menschen denn auch hin? Sie leben teilweise schon in der zweiten Generation hier in dieser trockenen Einöde ohne befestigte Straßen und ohne sichere Strom- und Wasserversorgung. Ursprünglich war es als Übergangslager für etwa 30.000 - 40.000 Kinder und Jugendliche aus dem Südsudan gedacht, die sogenannten "Lost Boys". Mittlerweile haben die meisten hier, trotz der fruchtbaren Lebensumstände, die Hoffnung jedoch aufgegeben, diesen Ort einmal verlassen zu können. Die Wellblech- und Lehmhütten sind schlecht belüftet und überbelegt. Einen ganz spannenden Zeitungsartikel zu dem Flüchtlingslager habe ich => HIER <= noch gefunden. 


Abendstimmung auf einem kleinen Berg bei Kukuma


Die Fahrt von Lodwar nach Kakuma

Kurz bevor ich am Mittwoch Morgen nach Kakuma aufbrach, meldete sich Jonathan noch bei mir mit einer wichtigen Nachricht: Ausländer seien im Flüchtlingslager eigentlich verboten. Zugelassen wären nur Hilfsorganisationen mit speziellen Genehmigungen. Bevor wir ins Lager fahren wäre eine eingehende Polizeikontrolle, bei der ich mich ausweisen müsste und einige Fragen beantworten sollte. Ich dürfte dabei keinesfalls sagen, dass ich das Lager betreten werde, sondern sollte einfach erzählen, ich würde Freunde besuchen. Na das klang ja nun wieder nach einem ziemlichen Abenteuer. Ich konnte also nur inständig hoffen, dass ich durch die Polizeikontrolle komme. 


Von Lodwar aus fahren sogenannte Toyota Probox nach Kakuma ab. Die Fahrt kostet 700 Ksh und dauert etwa 90 Minuten. Gedacht wäre das Gefährt für fünf Personen. Ratet mal wie viele wir im Endeffekt waren! Dreizehn Personen und noch zwei lebendige Ziegen am Dach *lach*. Vier Personen auf den zwei Vordersitzen, fünf auf der Hinterbank und noch vier Massai im Kofferraum. Mit Sicherheitsabständen wegen Corona läuft da nicht viel. Aber das ist sowieso kein großes Thema hier. Wir saßen fast aufeinander und das in der fast unerträglichen Hitze. 


Ich war recht nervös als wir die Straßensperre der Polizei erreichten. Der schwer bewaffnete Polizist war wohl ein guter Freund des Fahrers. Die beiden plauderten ein Weilchen. Dazwischen konnte ich mehrmals das Wort "Muzungu" vernehmen, aber ansonsten schenkten sie mir keine Beachtung. Wow, da hatte ich nun wohl wirklich ein Riesenglück. 


Angekommen im Flüchtlingslager

Auf dem kleinen Busbahnhof in Kakuma angekommen, versicherte sich die nette ältere Dame, die mit mir im Fahrzeug saß, mehrmals, ob ich denn eh abgeholt werde und ob sie mich nun alleine lassen könne. Auch ein weiterer Fahrgast fragte mich mehrmals, ob ich noch Hilfe bräuchte. Sehr liebe und fürsorgliche Menschen hier. Jonathan meinte aber, er sei schon am Weg hierher. Ein bewaffneter Sicherheitsbeamter winkte mich zu sich in den Schatten unter einen Baum. Wenige Minuten später kam Jonathan mit einem Moped an. Freudestrahlend empfing er mich .


Wir fuhren in Richtung Camp Nr. 1. Jonathan zeigte mir sein Zuhause. Ein minikleiner Raum in einer Welchblechhütte. Darin hatte nichts anderes als ein Bett und ein Stuhl Platz. Ich sollte bei seiner Nachbarin Abi unterkommen. Sie wohnt gleich neben ihm, ebenso in einer Wellblechhütte. Abi ist Kenianerin und arbeitet als Lehrerin im Flüchlingslager. Ihr Zuhause ist minimal größer. Abi umsorgte mich wie eine fürsorgliche Mutter. Sie bereitete mir ein schönes Bett vor und versicherte sich immer wieder, dass es mir gut geht. Strom und Wasser gibt es im Moment keinen. Die wenigen Stunden in denen es Wasser gibt, wird es sogleich in Kanister abgefüllt, damit man später etwas als Reserve hat. Die Toilette ist eine kleine Hütte etwas außerhalb vom Haus - also im Prinzip ist es nur ein Loch im Boden. Dieses Toilettenhäuschen teilt sich die komplette Nachbarschaft. Als Jonathan erzählte, dass gestern eine etwa ein Meter lange schwarze Schlange aus dem Kloloch kam, fand ich das nicht so prickelnd. 


Johnathan und Abi wohnen etwa fünf Meter neben den Zäunen vom Camp eins. Früher wohnte er direkt im Camp, dort wären die Unterkünfte gratis. Hier außerhalb des Zaunes müsste er umgerechnet etwa 30 Euro im Monat für sein kleines Zuhause zahlen. Das kann er sich aber leisten, da er es mittlerweile geschafft hat ein paar kleinere Einnahmequellen zu generieren. Die Tore zum Flüchtlingslager sind tagsüber geöffnet und wir besuchten öfters Freunde von Jonathan, die dort leben. Was mich wirklich verwundert ist, wie herzlich mich alle aufnehmen. Die Nachbarschaft von Jonathan ist wie eine große Familie. Jeder hilft jedem zu jederzeit. Geheimnisse kann man sowieso keine haben, da man von Wellblechhütte zu Wellblechhütte so gut wie jedes Wort hindurch hört. Verschiedene Kulturen leben hier richtig friedlich miteinander. Natürlich gibt es auch immer wieder Streitigkeiten, aber im Großen und Ganzen ist es ein sehr schönes Zusammenleben. Man muss auch sagen, dass man hier ohne dieses soziale Netzwerk wahrscheinlich nicht lange überleben würde. Einzelkämpfer wie wir es in Europa oft sind, hätten in so einem Lager keine großen Chancen. 


Wir besuchten im Camp ein kongolesisches Restaurant. Das Essen war super lecker und noch dazu irrsinnig günstig. Für umgerechnet einen Euro bekommt man eine Mahlzeit, die nicht einmal zwei Leute gemeinsam schaffen aufzuessen. Danach ging es in ein äthiopisches Restaurant und ich bekam meinen ersten äthiopischen Kaffee - sehr, sehr lecker. Umgerechnet 15 Cent kostet eine Tasse äthiopischer Macchiato. Im Restaurant saßen nur Männer, doch sie störte es wenig, dass ich da war. Eher im Gegenteil, ich wurde herzlich begrüßt und willkommen geheißen. 


Kongolesisches Essen "Sombe" mit Ugali

Äthiopischer Macchiato


Auf den Straßen werde ich zwar neugierig gemustert, jedoch ist keiner der in irgendeiner Weise aufdringlich wäre. Da habe ich in anderen Regionen Kenias bereits viel Schlimmeres erlebt. Ich muss wirklich sagen, dass ich mich sehr sicher fühle hier. 


Das Turkana Dorf

Am späteren Nachmittag meines ersten Tages, wanderten Jonathan, seine Nachbarin Fatma und ich zu einem kleinen Turkana Dorf, gleich außerhalb von Kakuma. Dort leben Menschen ganz traditionell in ihren Manyattas (=Strohhütten) ohne Strom oder sonstigem Luxus. In den Hütten befindet sich ledglich ein Kuhfell, auf dem sie schlafen. Gekocht wird draußen über offenem Feuer. Anfangs meinten die Turkana wir seien von einer Hilfsorganisation und würden Spenden bringen. "Muzungus" werden hier sowieso oft mit Spenden in Zusammenhang gebracht. Zum Glück haben wir ein paar Süßigkeiten als Geschenk mitgenommen und wurden somit freundlich empfangen. Fatma fungierte als Übersetzerin, da sie die einzige ist, die die Sprache der Turkana versteht und spricht. 






Am Abend fiel ich todmüde ins Bett. Die Hitze macht mir weiterhin sehr zu schaffen. Den ganzen Tag hat man einen Schweißfilm auf der Haut. Durch das ständige Schwitzen trocknet der Körper richtig aus. Man kann nur schwer so viel trinken, wie man rausschwitzt. Zudem ist das Leitungswasser hier ziemlich verschmutzt und sollte nur abgekocht getrunken werden. Das abgepackte Wasser in den kleinen Shops ist leider recht teuer. Ich muss zugeben, dass ich hin und wieder auch etwas von dem Leitungswasser getrunken haben - zu groß war der Durst. 


Wenn die Nacht hereinbricht wird es plötzlich stockdunkel. Es gibt keine einzige Straßenbeleuchtung und zudem oft keinen Strom. Richtig unheimlich. Meine erste Nacht verlief nicht sonderlich gut. Es kühlt in den Wellblechhütten gefühlt gar nicht ab. Ich konnte fast nichts schlafen. Was noch hinzu kommt sind Unmengen an Moskitos. 


Am nächsten Morgen war Fatma bereits dabei Chapati fürs Frühstück vorzubereiten. Später füllte sie Leitungswasser in kleine Plastiktüten ab. Ihre Schwiegermutter hat nämlich einen Gefrierschrank. Dort friert sie die Tüten ein und und verkauft sie dann am nächsten Tag für 30 Ksh pro Stück. Ich denke, Fatmas Schwiegermutter ist die Einzige hier in der Nachbarschaft, die überhaupt einen Gefrierschrank besitzt. Durch die ständigen Stromausfälle, kann man auch schlecht Lebensmittel einfrieren. 


Abendwanderung

Am Abend des zweiten Tages wanderten Jonathan, Yusuf, Fatma und ich zu einen kleinen Berg, um dort den Sonnenuntergang zu genießen.


Ich, Fatma, Yusuf und Jonathan


Party im Flüchtlingslager 

Nach unserer Wanderung war heute Bier-Abend angesagt. Es kamen noch ein paar von Jonathans kongolesischen Freunden vorbei. Es klingt irrsinnig lustig wenn sich in einer Mischung aus Englisch, Kongolesisch und Swahili miteinander unterhalten. Als die Frauen einige Drinks intus hatten begannen sie ausgiebig ihre Hüften zu schwingen . Da konnte ich auf keinen Fall mithalten *lach*. Wie ich herausgefunden habe, geht es hier sowieso oft recht wild zu. Die Frauen haben häufig Kinder von verschiedenen Männern. Verhütungsmittel gibt es nicht wirklich. Zudem habe ich gehört, dass Frauen oft mit Männern schlafen, um von ihnen zu finanziert zu werden, da sie als Frau weniger Chancen haben, Geld zu verdienen. Wie oft das so wirklich der Fall ist, habe ich leider nicht herausgefunden. Auf alle Fälle verbrachten wir einen super lustigen Abend und es wurde viel gelacht. 

Fatma beim Öffnen des Biers mit den Zähnen ;)


Was ich auch noch sehr interessant fand ist, dass sich die Frauen hier oft noch eine riesige Menge Öl über das Ugali (=Maismehlbrei) schütten. Und man muss sagen, dass sie für unsere Verhältnisse schon meistens nicht unter die Kategorie "schlank" fallen. Doch hier ist es tatsächlich umso schöner, je mehr Rundungen eine Frau hat. Die Ernährung ist zwar irrsinnig einseitig und die Menschen sind deshalb großteils auch mangelernährt, aber an Kalorien mangelt es dafür oft nicht. 


Nächster Plan: Eliye Springs

Auch die zweite Nacht verlief nicht viel besser für mich. Die Kombination aus Hitze und Moskitos bereitete mir erneut eine schlaflose Nacht. Da ich mich körperlich bereits recht ausgelaugt fühle, sollte es nun weitergehen direkt an den Turkana-See. Jonathan möchte mich begleiten. Ich finde es wirklich schade, das Flüchtlingslager so früh schon wieder verlassen zu müssen, aber meine Gesundheit geht in dem Fall vor. Diese drei Tage werde ich jedenfalls nie vergessen. Sie zählen eindeutig zu meinen größten Abenteuern, die ich auf Reisen erleben durfte. Nicht viele bekommen so einen tiefen Einblick in das Alltagsleben im Flüchtlingslager und können da mittendrin live dabei sein. 


Turkana Frauen in Kakuma





=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos von Kakuma <=






Dienstag, 4. Januar 2022

Angekommen im Land der Turkana

By On Januar 04, 2022


Lodwar, Kenia


Die Fahrt von Kitale nach Lodwar

Bereits um kurz nach 7 Uhr morgens stand ich heute am Busbahnhof in Kitale. Hier herrschte bereits reges Treiben. Ziemlich aufdringlich wird man sofort von einer Gruppe Männer umringt, die einen alle dazu überreden wollen, in ihr Matatu zu steigen - ganz egal wo man hin will *lach*. Hier heißt es Ruhe bewahren und sich nicht verunsichern lassen. Zum Glück fand ich sogleich die Turkrift-Matatus. Dieses Shuttleunternehmen hat man mir nämlich empfohlen, um nach Lodwar zu kommen. Unglücklicherweise war gerade eines am Abfahren, welches aber schon voll war. Das nächste sollte in einer Stunde starten. Na gut, dann musste ich eben warten. Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, blieb es nicht bei der Stunde. Im Endeffekt wartete ich über zwei Stunden. Das Matatu an sich war dafür ganz komfortabel. Jeder der 11 Fahrgäste hatte seinen zugewiesenen Sitzplatz, somit wurde es auch nicht überladen. Der Preis für die etwa 7 bis 8-stündige Fahrt beträgt 1.500 Ksh (= 11,70€). Zum Glück hatte ich einen Platz am Fenster, denn es wurde unwahrscheinlich heiß auf der Fahrt. Aus irgendeinem Grund bevorzugen die Einheimischen es, die Fenster geschlossen zu halten. Wahrscheinlich wegen des grausamen Sandstaubes, der jedes Mal bei Gegenverkehr zum Fenster reinkommt. Aber das ist mir ehrlich gesagt lieber als die unglaublich stickige, heiße Luft im Fahrzeug. 


Um etwa viertel nach neun starteten wir endlich. Nicht viele Touristen verirren sich so weit in den Norden von Kenia. Man warnt auch davor, dass die Fahrt gefährlich sein sollte, da es zwischen den Stämmen im Norden immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen aufgrund von Viehdiebstählen komme. Zudem ist die Gefahr von Raubüberfällen und Autopannen groß. Ich habe bereits gehört, dass die Fahrer der Matatus aufgrund dessen oft bewaffnet sind. Bei unserem Fahrer habe ich aber nichts dergleichen gesehen.


Ich liebe es wie schön voll die Matatus hier beladen werden *lach*


Zuerst ging es durch eine saftig grüne Hügellandschaft. Mit der Zeit wurde die Gegend immer karger und trockener. Irgendwann war es dann eine richtige Wüste. Wir kamen vorbei an Dörfern, die aus Stroh- und Lehmhütten bestehen. Auch die Menschen hier unterscheiden sich stark von den Kenianern, die ich bisher gesehen hatte. Im Land der Turkana kleiden sich die Menschen noch sehr traditionell in bunte Tücher. Die Männer haben einen Holzstock dabei zum Hüten ihrer Viehherden und die Frauen tragen einen großen Perlenkragen um den Hals. Die Farben der Perlen verraten, welchem Clan sie angehören. Kinder bettelten am Straßenrand um Wasser. Sämtliche Flüsse scheinen ausgetrocknet zu sein. Wenn irgendwo eine Wasserstelle/Brunnen war, standen immer viele Kinder mit gelben Kanistern drum herum, um Wasser zu pumpen und die weiten Wegstrecken nach Hause zu tragen. Zudem werden die Viehherden hier getränkt. Immer wieder standen Kamele auf der Straße. Ein völlig anderes Leben hier! Ich finde es sowieso erstaunlich wie Menschen in einer so lebendsunfreundlichen Gegend überhaupt überleben können. Etwas zeitraubend waren die ständigen Straßensperren der Polizei. Immer wieder wurde das Fahrzeug und seine Ladung von Polizisten, die mit riesigen Gewehren ausgerüstet waren, begutachtet. Zudem musste ich mehrmals meinen Reisepass herzeigen. Während der ganzen Fahrt gab es nur einmal eine 20-minütige Pause. Das war eine ziemlich Herausforderung für meine schwache Blase. 



Lodwar

Nach knappen acht Stunden waren wir in Lodwar, der Hauptstadt der Turkana Provinz, angekommen. Das Land der Turkana ist eines der abgelegensten Gebiete in Kenia. Hier leben die gleichnamigen Turkana, ein Volk das hauptsächlich westlich des Turkana-Sees beheimatet ist. Sie leben großteils noch sehr traditionell von der Viehzucht: Kamele, Rinder, Schafe und Ziegen, welche ihnen Milch, Blut und Fleisch als Nahrung liefern. Trockenzeiten mit Normal-Temperaturen um die 40 Grad und kaum Regen, und dann Regenzeiten, in denen regelrechte Sturzfluten alles wegschwemmen, prägen das Klima. Ein sehr harter Alltag also. 


Turkana Frau

So sieht die typische Kleidung der Turkana Männer aus: Ein Holzstock und ein weiterer Gegenstand aus Holz der zum Sitzen und als Kopfstütze dient


Couchsurfen bei ukrainischen Missionaren

Schweißgebadet von der Hitze stieg ich in Lodwar aus dem Matatu aus. Der Wüstenwind fühlte sich an, als würde mir jemand mit dem Föhn auf höchster Stufe ins Gesicht blasen. Auf den Straßen sieht man sehr wenige Autos, dafür aber umso mehr Mopeds. Unterkommen sollte ich bei einer ukrainischen Missionarsfamilie, die ich über Couchsurfing gefunden habe. Die Familie besteht aus Volodymir, Viktoria und ihren drei Kindern (1, 5 und 7 Jahre alt). Zudem wohnen elf einheimische Waisenkinder bzw. -teenager mit ihnen im Haus. Volodymir und Viktoria sind erst 27 Jahr alt und leben in Kenia seit sie 19 Jahre alt sind. Wirklich beeindruckend! Im Moment ist Volodymir aber nicht zu Hause. Viktoria empfing mich freundlich mit leckerem Essen. Sie spricht mit den Waisenkids fließend Swahili, ebenso ihre Kinder. Englisch klappt dafür nur stockend. Ein reges Treiben hier im Haus. 


Am Abend spazierte ich mit einem der Waisenmädchen noch hinunter zum Turkwel Fluss, welcher ein wenig Wasser führt. Es ist zwar ziemlich schmutzig, trotzdem konnten wir es nicht lassen unsere Füße ein wenig hineinbaummeln zu lassen. Schwimmen würde ich darin keinesfalls.


Abends am Turkwel Fluss

Sonnenuntergang am Turkwel


Ich werde nur diese eine Nacht in Lodwar verbringen. Viktoria hat mir erlaubt, einige meiner Dinge, die ich in den nächsten Tagen nicht brauchen werde, bei ihnen zu lagern. Für mich sollte es morgen nämlich weiter gehen in eines der größten Flüchtlingslager der Welt: nach Kakuma, an der Grenze zum Südsudan. Ich bin schon sehr, sehr gespannt wie das dort wird. Im Moment bin ich ziemlich fertig - mein Körper ist diese Hitze nicht gewohnt. Tagsüber sind es um die 40 Grad und selbst nachts sind es noch knapp 30 Grad. Ich bin unheimlich froh über den Ventilator im Zimmer. Mein Kopf brummt. Soviel Wasser wie ich heute geschwitzt habe, kann ich gar nicht trinken.


Also dann, Gute Nacht!


Eure Michi :)




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Montag, 3. Januar 2022

Zwischenstopp in Kitale

By On Januar 03, 2022

Kitale, Kenia

Eine kleine Geduldsprobe...

... war es am Sonntag allemal, als ich knappe zwei Stunden auf die Abfahrt meines EasyCoach Busses am Busbahnhof in Nairobi warten musste. Bis jetzt habe ich in Kenia zum Zurücklegen längerer Wegstrecken eigentlich immer Matatus (=Minibus) genommen, da sie am günstigsten sind und man sie zudem immer und überall findet. Da diese aber erst losfahren, wenn sie rappelvoll sind und zudem für ihren unsicheren Fahrstil bekannt sind, beschloss ich diesmal das teurere und komfortablere Transportmittel zu nehmen: den Bus. Es hieß ich sollte um 7:15 Uhr am Bushbahnhof sein, dann würde das Gepäck verladen und um 7:45 Uhr geht´s los. Denkste! Überpünktlich um sieben stand ich parat. Bis 8:30 Uhr war nicht die geringste Spur von meinem Bus zu sehen. Irgendwann um kurz nach neun starteten wir dann endlich. Wenigstens war der Bus tatsächlich um Einiges gemütlicher als die Matatus. Etwa siebeneinhalb Stunden dauerte die Fahrt nach Kitale. Wir machten nur zwei kurze Klopausen, ansonsten ging es zügig voran. 

Kitale

... ist eine freundliche Marktstadt mit etwa 200.000 Einwohnern. Es herrscht geschäftiges Treiben hier, vor allem rund um den Busbahnhof und dem Markt. Kitale ist die Hauptstadt des Trans-Nzoia Distrikts im nordwestlichen Kenia auf einer Höhe von ungefähr 1.900m. Ich habe mir bereits im Vorhinein das Jehovah Jireh Hotel herausgesucht - aber nicht wegen dem Namen ;)

Es war etwas schwierig dorthin zu finden, da der Standort auf den Google-Maps leider falsch angegeben ist. Aber mit der Hilfe von den äußerst freundlichen Einheimischen bin ich schließlich doch noch angekommen. Auch die Dame an der Rezeption zeigte sich äußerst liebenswürdig und hilfsbereit. Das Zimmer inklusive Frühstück kostet hier 2.000 Ksh. 

Ndura Park - Kitale Nature Conservancy

Ich habe beschlossen zwei Nächte in Kitale zu verbringen, da meine nächste Busfahrt weiter nach Lodwar wieder etwa 8,5 Stunden dauern wird und scheinbar ziemlich holprig werden kann. Da brauche ich dringend einen Tag dazwischen, an dem ich meinen müden Körper etwas bewegen kann. 
Der Plan für heute war es ein Naturschutzgebiet etwa 8 Kilometer außerhalb der Stadt zu besuchen. Ich bezahlte für das Boda-Boda (=Mopedtaxi) dorthin 200 Ksh. Der Eintritt beträgt für die Bewohner Kitales lediglich 150 Ksh, für Kenianer 500 Ksh und für Ausländer 1.000 Ksh. Da wird für die Touris schon ordentlich was draufgelegt. Erfreulicherweise habe ich aber bloß 500 bezahlt - ich glaube meine Swahili-Kenntnisse machen sich schön langsam bezahlt ;) Naja, um ehrlich zu sein beschränken sie sich immer noch lediglich auf ein paar jämmerliche Brocken, aber die Einheimischen freuen sich trotzdem immer darüber.

Das Naturschutzgebiet fand ich sehr schön. Es führen super idyllische Wanderwege durch einen kleinen Dschungel, der von einem Fluss durchzogen wird. Zudem haben sie ein paar Tiere wie z.B. Löwen, Strauße, Krokodile, Paviane, usw in einem Gehege. Es lässt sich dort locker zwei Stunden aushalten. 








Zurück in Kitale war gerade richtig Hochbetrieb an der Marktstraße, die ich entlang musste. Aus allen Richtungen bekam ich Zurufe: "Muzunguu, how are you? Muzunguu!!" Das Ganze muss man gekonnt ignorieren, sonst fängt es einen irgendwann ordentlich zu stressen an. Hinzu kamen noch Straßenkinder, die mich um Geld bettelnd ewig lang verfolgten. Ich war unendlich froh, endlich in eine ruhigere Straße abbiegen zu können. Kitale ist sicher kein Ort, wo oft Touristen hinkommen, deshalb bekommt man hier natürlich noch mehr Aufmerksamkeit. Was mir aber trotzdem auffällt ist, dass die Menschen in untouristischeren Gegenden um einiges freundlicher und hilfsbereiter sind. Sogar die "coolen Typen", die mich mit ihren aufdringlichen Zurufen nervten, entpuppten sich als absolut handzahm und hilfsbereit, als ich sie nach dem Weg fragte. Also nur nicht verunsichern lassen! 

Ich konnte es noch managen herauszufinden wie ich morgen Früh weiter nach Lodwar komme. Man hat mir die Turkrift Matatus empfohlen. Die acht- bis neunstündige Fahrt sollte 1.500 Ksh kosten. Bin nun schon sehr gespannt auf den abgeschiedenen Norden. Das Einzige was mich tatsächlich etwas stresst, sind die Temperaturen dort: Tagsüber knapp 40 Grad und nachts so um die 25 Grad.

Diese Temperaturen werden eine ordentliche Herausforderung für mich!

Der weitere Plan ist es ein bis zwei Nächte in Lodwar bei einer ukrainischen Missionarsfamilie zu bleiben. Dann sollte es weiter gehen nach Kakuma - eines der größten Flüchtlingslager auf der ganzen Welt, nahe an der Grenze zum Südsudan. Es ist kaum zu glauben, aber dort habe ich tatsächlich einen Couchsurfing-Gastgeber finden können. Es wird auf alle Fälle sehr spannend!!


Eure Michi :)




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