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Mittwoch, 29. Mai 2019

Mein erster Ultramarathon

By On Mai 29, 2019



Ich kann es noch gar nicht richtig fassen, dass ich nun meinen allerersten Ultramarathon erfolgreich hinter mir habe. Den Traum einmal im Leben einen Marathon zu laufen, erfüllte ich mir bereits letztes Jahr beim Jungfraumarathon in der Schweiz. Dass mich das Lauffieber aber dermaßen packt, dachte ich damals noch nicht. Doch dieser Lauf erweckte ungeahnte Glücks- und vor allem auch Erfolgsgefühle in mir, dass ich mich kurz darauf - gemeinsam mit meinem Papa und einem Kumpel - zu meinem ersten Ultramarathon anmeldete, nämlich dem Schwarzach Ultra Trail in Österreich, der über 47 km, 2.600 Höhenmeter und vier Berggipfel führt. Falls du dich jetzt fragst was nun eigentlich der Unterschied zu einem normalen Marathon ist: Ein Ultramarathon übersteigt die normale Marathondistanz, das heißt er ist länger als 42,195 km.

Die Liebe zum Trailrunning gefunden ♥️

Faszination Ultramarathon
Okay, deine nächste Frage ist nun bestimmt: Warum tut man sich so etwas an? Darüber könnte ich nun wirklich Ewigkeiten schreiben, aber ich beschränke mich nun auf die wichtigsten Punkte. Zum einen finde ich es faszinierend zu was der menschliche Körper imstande ist. Nun bin ich letztes Jahr meinen ersten Marathon gelaufen und dieses Jahr schon einen Ultramarathon. Und das tatsächlich ohne außerirdisch viel Training. Die körperliche Fitness ist hierbei nur das eine, das andere ist die mentale Stärke, die zählt. Diese finde ich noch viel spannender.

Der nächste Punkt ist, dass es mich einfach unheimlich entspannt stundenlang durch die Natur zu rennen, abzuschalten und meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Ein Straßenmarathon wäre demzufolge nichts für mich. Ich liebe Trails. Am liebsten laufe ich allein und einfach drauf los. Dabei erkunde ich gerne neue Wege. Wenn es passt, laufe ich auch noch gern zu zweit. Außer natürlich bei einem Wettkampf, da stören mich die vielen Menschen nicht, da sie die Stimmung erst so richtig grandios machen.

Natürlich packt mich in der Vorbereitung auf so einen Wettkampf auch immer ein bisschen der Ehrgeiz. Das ist dann tatsächlich mit so etwas wie einem leichtem Druck verbunden, den ich mir setze. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass es ein Druck ist, der gut tut und sogar Spaß macht. Während der intensiveren Trainingszeit dachte ich mir zwar, dass ich wahnsinnig froh sein werde, wenn ich den Wettkampf hinter mir habe, aber nun vermisse ich das Ganze schon tatsächlich schon etwas. Es ist doch immer wieder schön auf etwas hinzufiebern und kleine Ziele im Leben zu haben und diese dann zu erreichen.

Ein weiterer Vorteil ist ganz klar der gesundheitliche Aspekt, denn man hält sich fit und vital durch das Laufen. Nun möchte ich aber nicht weiter ausholen und zum Schwarzach Trail 2019 kommen:

Die Vorbereitung
Seit dem Jungfraumarathon versuchte ich mehr oder weniger am Ball zu bleiben mit dem Laufen. Im Winter reduzierte ich den Umfang jedoch deutlich. So etwa drei Monate vor dem Schwarzach Trail begann ich wieder intensiver Trails zu laufen, sofern es die Schneelage zuließ. Ich erstellte mir auch einen groben Trainingsplan, einfach weil es mir Spaß machte, aber ich hielt ihn nur sehr bedingt ein. Für mich steht beim Joggen der Spaßfaktor im Vordergrund und ich mag das Ganze auch nicht allzu technisch. Also Pulsuhr und dergleichen gibt es bei mir keine. Das Einzige, was ich machte, war es jedes Mal die Strecke mittels Strava (das ist eine Handy-App) aufzuzeichnen, damit ich einen groben Anhaltspunkt habe, wie weit ich gelaufen bin. Die letzten Wochen und vor allem dann Tage vor dem Ultramarathon war ich dann schon ordentlich nervös. Mein einziges Ziel war es im vorgegebenen Zeitrahmen - 10 Stunden - ins Ziel zu kommen. Ansonsten versuchte ich mir nicht allzu viel Druck mit der Zeit zu machen. Zudem konnte ich das sowieso sehr schwer einschätzen, wie lange man für so viele Kilometer und Höhenmeter wohl braucht.

Der Tag X
Der langersehnte Tag des Wettkampfes kam schneller als erwartet. Am Vorabend ging es früh in die Federn. Erstaunlicherweise konnte ich trotz der Aufregung halbwegs gut schlafen. Zum Frühstück gab es Kartoffeln mit Salz - mein absoluter Wettkampfs-Frühstücks-Favorit. Da es ein eher kleines Event ist, hielten sich die Menschenmassen im Startbereich in Grenzen. Wir kamen leicht verspätet zum Briefing an, hatten aber letztendlich noch ausreichend Zeit.

Der Start
Ausgestattet mit einer Laufweste inklusive der notwendigen Pflichtausrüstung (ein Liter Wasser, Regenjacke, Regenhose, Erst Hilfe Sachen, etc.) stellten sich mein Papa, mein Kumpel Werner und ich in letzter Minute im Startbereich auf. Nun war es auch schon soweit: 5 - 4 - 3 - 2 - 1 - Los! Diesen Moment finde ich tatsächlich immer am Aufregendsten. Wenn sich die Masse schön langsam in Bewegung setzt. Mein Herz raste vor Aufregung. Was werden die nächsten Stunden wohl bringen?

Mein Papi und ich in den Startlöchern

Der Lauf
Die Sonne strahlte vom Himmel. Die ersten tausend Höhenmeter gingen steil bergauf. Die Hitze macht mir vor allem beim bergauf laufen immer recht zu schaffen. Ich schwitzte schon ordentlich. Werner und ich liefen die ersten Kilometer gemeinsam. Irgendwann verlor ich ihn aus den Augen. Mir ging es überraschend gut und ich schaffte es einen großen Teil trotz der Steigung und der Hitze zu joggen, obwohl die meisten um mich herum schon auf schnelles Gehen umgestiegen waren.

Die erste Verpflegungsstation kam schon bei Kilometer acht. Ich streckte zu allererst meinen völlig überhitzen Kopf in das Wasser des kalten Brunnens. Bereits recht durstig leerte ich einige Becher der Isogetränke und füllte meine Wasserflaschen wieder auf. Zu meiner großen Freude, stieß ich nun auch wieder auf Werner.

Gemeinsam machten wir uns auf den Weg. Wiederum verlor ich ihn schon nach Kurzem aus den Augen. Ich wäre aber auch nicht mehr fähig gewesen für Unterhaltungen. Bis zur nächsten Verpflegungsstelle bei Kilometer 16 ging es mir sehr gut. Ich fühlte mich äußerst energiegeladen.

... auch der Papa ist am Kämpfen 

Das letzte Stück bis zum zweiten Gipfel, dem Schneeberg, empfand ich als recht anstrengend. Ich bekam wahnsinnigen Hunger und bereute es, dass ich mir nicht mehr Energieriegel eingesteckt habe. Der Himmel war nun zum Glück leicht bedeckt. Schön langsam kam auch der Schnee. Insgesamt waren über sieben Kilometer der Strecke davon bedeckt. Ich hatte mir auch extra deswegen, auf Anraten mehrerer Leute, Stöcke mitgenommen, obwohl ich solche im Training noch nie benutzt hatte. Ich bemerkte, dass sich einige Mitstreiter ziemlich schwer taten beim Laufen in den steilen Schneehängen. Immer wieder rutschten sie ab. Mir fiel es auch nicht sonderlich leicht, aber es erging mir trotzdem besser als vielen anderen, somit konnte ich einige überholen. Die Stöcke auszupacken empfand ich als nicht wirklich notwendig.

Als der Schneeberg geschafft war, dachte ich, dass der schlimmste Teil vorbei sein sollte. Doch die Strecke zog sich noch ordentlich. Was mich am meisten störte war, dass ich sonderlich oft pinkeln musste. Es war gar nicht so einfach immer ein geeignetes Plätzchen dafür zu finden. Zudem verlor ich durch diese Aktionen natürlich auch recht viel Zeit, was mir aber zu dem Zeitpunkt noch recht egal war, da ich nicht im Traum daran gedacht habe, dass ich unter die ersten fünf in der Damen Wertung kommen werde.

Einen richtigen Einbruch hatte ich während des ganzen Laufs eigentlich nie, obwohl schon zwei, drei Momente dabei waren, in denen ich sehr gekämpft habe. Vor allem durch das Bergablaufen schmerzten meine Knie und Oberschenkel etwas. Die letzten Kilometer von der Verpflegungsstelle beim Böndlsee bis ins Ziel zogen sich noch ordentlich. Irgendwann begann es heftig zu regnen. Das empfand ich als richtige Wohltat.

Das Ziel naht
Auch die letzten paar Kilometer vor dem Ziel kamen mir noch ewig lange vor. Es ging immer wieder etwas bergauf, das zehrte an den Kräften. Doch ich kämpfte weiter. Überglücklich lief ich nach 7 Stunden und 8 Minuten durch das Ziel. Als ich meine Streckenaufzeichnung am Handy ausschaltete, hatte ich bereits eine Nachricht von einer Freundin bekommen: "Gratuliere zum 5. Platz!" Wie bitte? Ich konnte es gar nicht fassen, ich bin tatsächlich fünfte in der Damenwertung geworden. Also ich muss schon zugeben, dass ich ein kleines bisschen stolz auf mich war. Das war definitiv nicht mein letzter Ultramarathon.

beim Zieleinlauf

Wohlverdient!


Zwei stolze Finisher des Schwarzach Trails 2019 - mein Papi und ich


Siegerehrung


Facts
✅ Name: Schwarzach Trail
✅ Ort: Schwarzach im Pongau / Österreich
✅ Länge: 47 km
✅ 2.600 Höhenmeter
✅ Zeit: 7 Stunden und 8 Minuten





findest du noch mehr Fotos zum Schwarzach Trail 2019







Montag, 11. Februar 2019

Trockenmauerweg GR 221 auf Mallorca mit dem Zelt

By On Februar 11, 2019

Mallorca ist vielen nur für Party- und Badespaß bekannt. Doch die Insel hat um Einiges mehr zu bieten. Beispielsweise einen etwa 150 km langen Weitwanderweg, der auch als "Trockenmauerweg" bezeichnet wird. Der Name kommt daher, weil die Strecke entlang an alten Trockensteinmauern verläuft. Er führt an der Westküste von Port D`Andratx durch die Tramuntana nach Pollenca. Dieser Fernwanderweg wird auch als GR 221 bezeichnet. Normalerweise rechnet man mit sieben bis neun Tagesetappen für die Tour. Man kann aber auch nur einen Teil der Strecke machen - so wie wir es aus Zeitgründen auch getan haben.




Die Trockenmauerroute ist ein noch relativ neu geschaffener Wanderweg, der aber immer bekannter wird. Die Etappen werden laufend besser ausgeschildert und die Wege verbessert. Derzeit lässt die Beschilderung oft noch ein wenig zu wünschen übrig, es ist also wichtig eine gute Wanderkarte oder eine gute Online-Landkarte dabei zu haben (ich persönlich schwöre ja auf die App: Maps.me).

Auf der Route gibt es Unterkünfte, sogenannte Refugios bzw Albergues. Diese muss man meist einige Tage im Voraus online oder per Telefonanruf reservieren. Zelten ist auf Mallorca offiziell nur auf Campingplätzen erlaubt, von diesen gibt es aber nicht besonders viele. Es lassen sich aber ausreichend Plätze zum Wildcampen am Wegrand finden. Wer dabei erwischt wird, muss eventuell mit einer Verwarnung oder Strafe rechnen. Bei Gesprächen mit Einheimischen stellte sich jedoch heraus, dass dies nicht besonders streng sei. Man sollte einfach ein wenig abseits der Wege campen und seinen Müll wieder mitnehmen, dann passiert höchstwahrscheinlich nichts.

Wie gesagt, konnten wir aus Zeitgründen nicht die ganze Route machen. Für mich und meinen Kumpel Werner ging es in vier Tagesetappen von Port D`Andratx bis nach Port de Sóller. Wir folgten nicht immer ganz genau den Wegen der Route GR 221, deshalb kann es sein, dass es teilweise zu Abweichungen der Kilometeranzahl von der offiziellen Route kommt.

Start in Port D´Andratx


Kurzzusammenfassung unserer Tour: Port D`Andratx - Port de Sóller:


Tag 1: Port D´Andratx - Ses Alquerioles

  • über Sant Elm, La Trapa und die Finca Ses Fontanelles
  • 22,5 Kilometer, 1.074 Höhenmeter
  • ca 5 Stunden 20 Minuten Bewegungszeit
  • einen ganz passablen Zeltplatz fanden wird in den Bergen kurz vor Ses Alquerioles
  • Erkenntnis des Tages: Benzinkocher verursachen unwahrscheinlich viel Ruß. Nächstes Mal nehmen vielleicht doch wieder einen Gaskocher.

Sant Elm


Tag 2: Ses Alquerioles - Esporles

  • über Estellencs und Banyalbufar
  • 26 Kilometer, 955 Höhenmeter
  • ca 5 Stunden 50 Minuten Bewegungszeit
  • An dem Tag kamen wir etwas in Wassernot. Auf meinen Maps war eine Quelle in den Bergen eingezeichnet, leider stellte sich heraus, dass es sich bloß um eine Höhle handelte, in der ein totes Schaf lag.
  • Wir fanden einen top Schlafplatz kurz vor Esporles an einem Bach. Dort konnten wir endlich ein kurzes, ziemlich erfrischendes Bad nehmen. Die Temperaturen im Februar sinken nachts nämlich oft auf unter 5 Grad Celsius ab.
  • Erkenntnis des Tages: Geschirrspülen mit AXE-Duschgel ist keine gute Idee. Den Geschmack bekommt man erst nach der dritten Tasse Tee wieder aus dem Becher.



Tag 3: Esporles - Deía

  • über Valldemossa
  • 27 Kilometer, 1.095 Höhenmeter (5 Kilometer davon wurden wir von einem netten Mallorquiner mit dem Auto mitgenommen)
  • ca 5 Stunden 30 Minuten Bewegungszeit
  • Wir fanden einen Zeltplatz an einer Klippe direkt über dem Meer mit traumhafter Aussicht auf dem Privatgrundstück einer Finca. Einziger Nachteil: Die etwa 20 recht aufdringlichen Esel, die dort ihr Unwesen trieben.
  • Erkenntnis des Tages: Mallorquinische Finca-Besitzer (und generell Mallorquiner) sind ein äußerst freundliches Volk.



Tag 4: Deía - Port de Sóller

  • 19 Kilometer, 500 Höhenmeter
  • ca 4 Stunden Bewegungszeit
  • entlang eines wunderschönen aber recht unwegsamen Küstenweg (abseits der Route GR 221)
  • Am Abend ging es zurück nach Palma, da der Flug von Werner am Tag darauf recht früh startete. In einer Seitengasse der Stadt liefen uns dann tatsächlich Kara und Mikel entgegen. Die zwei hatte ich vor drei Jahren in Guatemala kennengelernt. Unglaublich!
  • Erkenntnis des Tages: Die Welt ist so unwahrscheinlich klein!



✔️ Insgesamt legten wir fast 100 Kilometer und etwa 3.600 Höhenmeter in vier Tagen zurück - und das mit ungefähr 18 kg am Rücken. 💪🏼







Ausrüstung:

Hier noch eine kurze Liste mit den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen für die Tour mit Zelt:


(*) Es handelt sich hierbei um Werbelinks. 





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