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Sonntag, 29. Dezember 2019

Besuch aus der Schweiz

By On Dezember 29, 2019


Gestern Vormittag machte ich mich gemeinsam mit Santosh auf den Weg zum Flughafen, um meine Freundin Andralynne abzuholen. Zu Fuß brauchten wir von Thamel aus etwa 1,5 Stunden dorthin.

Andralynne zeigte sich trotz der langen Anreise noch sehr motiviert und wollte auch sogleich noch den lokalen Bus ausprobieren. Also gleich mitten rein in das nepalesische Abenteuer. In unserer Unterkunft angekommen srärkten wir uns erstmals mit Dal Bhat (logisch). 


Dal Bhat :) 

Am Nachmittag wanderten wir noch zum Affentempel und beobachteten das bunte Treiben dort. 




Das war auf alle Fälle schon mal ein sehr abenteuerlicher erster Tag mit vielen neuen Eidrücken für meine Freundin. 

Heute Morgen hieß es dann früh aufstehen, da es mit dem Bus nach Pokhara weiter ging. 







Samstag, 28. Dezember 2019

Pashupatinath Tempel in Kathmandu

By On Dezember 28, 2019

Nach dem Vipassana genieße ich nun wieder meine Freiheit. Ich gönnte mir die letzten Tage leckeres Essen hier in Kathmandu, besuchte Yogastunden, genehmigte mir eine Spa-Behandlung und relaxte.

Pashupatinath Tempel

Heute Vormittag machte ich mich gemeinsam mit Santosh, einem Einheimischen, zu Fuß auf den Weg zum Pashupatinath Tempel. Von Thamel aus brauchen wir etwa eine Stunde dorthin.


Pashupatinath ist eine der wichtigsten Tempelstätten des Hinduismus. Hier wird der Gott Shiva als Herr der Tiere (= pashu pati) verehrt. Das Gelände ist nur zum Teil für Touristen zugänglich. Den Tempel dürfen nur Hindus betreten. Der Fluss Bagmati teilt die Anlage in zwei große Bereiche. Auf der rechten Uferseite liegen der Tempel und die Verbrennungsstätten der Leichen. Diese werden auf einer Bahre dahin gebracht. Dort wird dann ein Scheiterhaufen errichtet. Bevor der Leichnam auf den Scheiterhaufen gelegt wird, taucht man ihn zuerst noch in den Fluss bzw. be spritzt ihn mit dem Flusswasser. Nachdem er dann auf den Scheiterhaufen gelegt wurde, wird er mit Holz und Stroh bedeckt. Bevor der Holzstoss angezündet wird, umschreiten die Verwandten den Leichnam fünfmal im Uhrzeigersinn als Zeichen für die fünf Elemente Wasser, Erde, Licht, Luft und Äther. Dem ältesten Sohn fällt anschließend die Aufgabe zu, den Scheiterhaufen anzuzünden. Nach ca. 3 - 4 Stunden ist die Leiche verbrannt und die Asche des Toten wird anschließend in den Fluss gegeben.

Als wir im Tempel eintrafen, fanden gerade mehrere Verbrennungszeremonien statt. Da der Eintritt satte 1.000 NPR für Touristen kostet (Einheimische zahlen nichts), sah ich mir das Schauspiel aus etwa zehn Meter Entfernung an. Aber das reichte auch vollkommen aus, um alles zu sehen, was ich sehen wollte. Es sollte anscheinend auch ein paar "geheime" Eingänge geben, wodurch man sich den Eintritt ersparen könnte. Doch damit hatte ich wenig Glück, denn die Securities waren überall präsent.



Das Ganze ist nichts für Leute mit einem schlechten Magen. Die Gerüche, die von den verbrannten Leichen in die Luft steigen, sind nämlich ganz schön heftig.

Auch rituelle Waschungen werden im Fluss durchgeführt. Wenn man  allerdings das verschmutzte und vermüllte Wasser sieht, ist es für unsereins kaum vorstellbar, freiwillig in den Fluss zu gehen.


Erkundungstour Kathmandu und Umgebung

Nachdem wir uns den Pashupatinath Tempel angesehen hatten, beschlossen wir mit dem Bus etwas außerhalb von Kathmandu zu fahren. Santosh meinte, dass wir dort sogar ein bisschen wandern könnten. Das hörte sich doch gut an. Wir fuhren bis zum Affentempel Swayambhunath. Von dort aus starteten wir unsere Tour. Ich war wirklich überrascht wie friedlich die Gegend hier ist. Der ganze Großstadttrubel schien nun richtig fern.

Santosh und ich



Swayambhu, Buddha Park

Blick auf Kathmandu

Santosh

Besuch aus der Schweiz

Morgen bekomme ich Besuch aus der Schweiz. Meine sehr gute Freundin und Arbeitskollegin Andralynne kommt mich für zwei Wochen hier in Nepal besuchen. Ich freue mich nun wirklich schon sehr endlich wieder ein vertrautes Gesicht zu sehen. 

Die vorläufigen Pläne für unsere gemeinsame Zeit sehen in etwa so aus:
  • Neujahr werden wir in Pokhara feiern, da dort ein großes Festival sein wird. 
  • Danach planen wir ein kleines Trekking zum Mardi-Himal Basecamp auf 4.500 m. Bin schon gespannt wie das wird, immerhin ist der Jänner der kälteste Monat in Nepal. 
  • Wenn noch genügend Zeit bleibt würden wir gerne den Chitwan Nationalpark besuchen. 

Freitag, 27. Dezember 2019

10-tägiges Vipassana in Kathmandu

By On Dezember 27, 2019


Zehn Tage Schweigemditation. Zehn Tage ohne Sprechen, ohne Schreiben, ohne Lesen und ohne Kommunikation jeglicher Form. Kein Handy oder sonstige elektronischen Geräte. Zehneinhalb Stunden meditieren am Tag. Kein Kontakt zur Aussenwelt. Zweieinhalb eher spärliche Mahlzeiten am Tag. 



Zu Beginn meines Vipassanas wünschte mir so manch einer viel Spaß und eine erholsame Zeit. Nun muss ich euch aber enttäuschen. Es war auf alle Fälle kein Spaß und auch nicht sonderlich erholsam. Ich würde sogar behaupten, dass diese zehn Tage zu den härtesten und längsten meines ganzen Lebens zählen - es war sowohl mental als auch physisch eine enorme Herausforderung. Immerhin mussten wir über zehn Stunden am Tag meditieren, jeden Tag um vier Uhr morgens aufstehen, wir schliefen auf dünnen Matten in eisig kalten Räumen und hatten einen sehr strengen Tagesplan. Ich muss gestehen, dass auch mir am Anfang nicht ganz klar war wie hart es werden würde.



Falls ihr euch fragt, was Vipassana genau ist, dann lest vielleicht kurz in meinem => vorherigen Blogpost <=  nach. 

Hier nochmals der Tagesablauf:

4:00 Uhr: Aufstehen
4:30 - 6:30 Uhr: Meditation
6:30 - 8:00 Uhr: Frühstück, Pause
8:00 - 11:00 Uhr: Meditation
11:00 - 13:00 Uhr: Mittagessen, Pause
13:00 - 17:00 Uhr: Meditation
17:00 - 18:00 Uhr: Abendessen
18:00 - 19:00 Uhr: Meditation
19:00 - 20:30 Uhr: Diskurs, Video Vortrag von Goenka über die Theorie hinter Vipassana
20:30 - 21:00 Uhr: Meditation
21:30 Uhr: Licht aus



Tag 0

  • Wir sollten zwischen 11 und 12 Uhr im Büro des Vipassana Centers im Zentrum von Kathmandu eintreffen, um uns zu registrieren. Ziemlich gestresst kam ich ziemlich genau um zwölf an, da ich zeitlich ein bisschen fehlkalkuliert hatte. Zum Glück war aber noch genügend Zeit, um alle Formalitäten hinter mich zu bringen.
  • Es folgte ein Gespräch mit einem Lehrer, der mich nochmals ausdrücklich darauf hinwies, dass die nächsten zehn Tage sehr, sehr hart werden würden und keinesfalls ein gemütlicher Urlaub zum Relaxen. Ich bestätigte ihm, dass mir dies durchaus klar sei. Er erwähnte nochmals ausdrücklich, dass es nicht gestattet sei, den Kurs vorzeitig zu verlassen. 
  • Später gab es noch einen 1,5 stündigen Vortrag über die Regeln während des Vipassanas.
  • Um etwa halb drei wurden meine Mitstreiter und ich (etwa 200 Personen; ca 1/4 Ausländer) mit einem Bus in das Vipassana Center gefahren, das etwa 60 Autominuten außerhalb der Stadt liegt.
  • Dort angekommen konnten wir unsere Zimmer beziehen. Ich teilte dieses mit sechs weiteren Frauen. Das Bett ist sehr simpel gehalten: eine dünne Matte sollte die Matratze darstellen, dazu eine Decke und ein Kopfkissen. Unter dem Bett kann man den Rucksack usw zu verstauen. Ansonsten ist da nicht viel Platz für Privatsphäre. 
  • Es herrscht strikte Trennung nach Geschlechtern. Die Männer haben eigene Schlafräume, eigene Essensräume, eigene Toiletten und einen eigenen Garten zum Spazieren in den Pausen. Bloß zu den Meditationszeiten sind wir in der selben Halle, jedoch auch aufgeteilt in eine Seite für Männer und eine für die Frauen.
  • Später mussten wir unsere Handys, Elektronikartikel, Bücher, Wertgegenstände, Schreibmaterialien, Medikamente (außer unbedingt notwendige) usw abgeben.
  • Ich nutzte die freie Zeit vor der ersten Meditation, um das Areal ein bisschen zu erkunden. Dafür brauchte ich aber nicht allzu lange, da der Garten recht klein ist. Zu meiner Freude tummeln sich jede Menge Affen hier. Die Biester sind aber gar nicht so ohne, wie ich feststellen musste. Es sind wahrhafte Randalen. Sie räumen die Mülleimer leer und verstreuten das Zeugs überall, sie schauen einen an und fletschen dabei die Zähne und  dann kacken sie gar noch von den Bäumen - wobei es scheint, dass sie tatsächlich darauf abzielen uns zu treffen *lach*. 
  • Heute um 20 Uhr startete die "noble Stille" - das heißt: Kein Sprechen mehr bis zum 10. Tag (außer für sehr Dringendes darf man zu bestimmten Zeiten mit einem Lehrer sprechen) und auch keine nonverbale Kommunikation wie beispielsweise Blickkontakt. Außerdem keine körperlichen Kontakte oder Berührungen. Es war schon eigenartig, plötzlich nicht mehr zu sprechen, vor allem habe ich noch nicht einmal mit den anderen Frauen in meinem Zimmer gesprochen. Ich musste sehr aufpassen, den anderen Leuten nicht in die Augen zu schauen, deshalb versuchte ich mich mehr auf deren Schuhe zu konzentrieren.

Tag 1

  • Ich konnte die ganze Nacht kein Auge zu tun. Es war mega kalt (so um den Gefrierpunkt) und das Bett war so hart, dass es mir unmöglich war auf der Seite zu schlafen, so wie ich es normalerweise gewohnt bin. Zudem hat die Inderin, die neben mir liegt, die halbe Nacht in ihren zwei riesigen Koffern herumgewühlt. Ich frage mich, was sie denn mit so vielen Sachen hier will. 
  • Heute war der erste Tag, der komplett laut Schema verlief. Das Aufstehen um vier Uhr war in meinem Fall  nicht schlimm, da ich sowieso die ganze Nacht wach war. Draußen war es noch stockdunkel, als wir um 4:30 Uhr die ersten zwei Mediationsstunden starteten.
  • Insgesamt waren es 10,5 Stunden Meditation - und genauso wird es bis zum 10. Tag weitergehen. Wir sollten uns nur auf unseren Atem konzentrieren. Mir kommen ernsthafte Zweifel, ob ich das alles schaffen kann. Eigentlich ist es doch völlig irre! Das stundenlange Sitzen im Schneidersitz schmerzt zudem ordentlich. Vor allem mein linkes Schulterblatt tut wahnsinnig weh. Aber vielleicht wird das noch besser. Zudem dürfen wir in den ersten Tagen noch die Position wechseln, wenn nötig. Später sollten wir dann aber wenn möglich ohne jegliche Bewegungen sitzen bleiben. 
  • Am Schlimmsten fand ich den Nachmittag, als wir vier Stunden am Stück meditierten. 
  • Am Abend fiel mir auf, dass uns bereits eine junge Frau verlassen hatte. Eigentlich verpflichtet man sich zu Beginn, dass man die ganzen zehn Tage durchhält, aber natürlich können sie einem nicht gegen den eigenen Willen hier behalten. 
  • Mir kommt das Ganze ein bisschen vor wie in einem Gefängnis *lach*. Aber natürlich sind wir alle freiwillig hier. 

Tag 2

  • Diese Nacht habe ich glücklicherweise gut schlafen können obwohl es wirklich ar***kalt war. 
  • Ich musste feststellen, dass meine Sitznachbarin im Essessaal nun auch nicht mehr da ist. 
  • In den vier aufeinanderfolgenden Meditationsstunden am Nachmittag bekam ich meine erste große Krise. Sinnfragen überkamen mich. Warum bin  ich eigentlich hier? Will ich das wirklich? Ich versuchte mich auf meinen Atem zu konzentrieren, doch länger als zehn Sekunden schaffte ich es nicht. Meine Gedanken spielten verrückt. Viele Dinge aus der Vergangenheit kamen hoch. Ich bin gespannt, ob mein unruhiger Geist hier noch gezähmt werden kann. Vorausgesetzt natürlich ich halte die zehn Tage durch - davon bin ich nämlich im Moment so gar nicht überzeugt. 

Tag 3

  • Ich hatte erfreulicherweise wieder eine gute Nacht, die jedoch von äußerst wilden Träumen geprägt war. Zudem machte die Inderin neben mir irgendwann mitten in der Nacht Festtagsbeleuchtung als sie auf die Toilette musste. Aber ich bin wirklich dankbar, dass keine von den Frauen bei mir im Raum schnarcht. 
  • Am Vormittag hatte ich das Gefühl, dass es nun langsam besser wird. Ich fühlte mich ruhiger und hatte meine Gedanken mehr unter Kontrolle. 
  • Am Nachmittag kam wieder die große Krise. Ich überlegte mir ernsthaft vorzeitig abzubrechen. Meine Rückenschmerzen waren fast unerträglich.

Tag 4

  • Ich habe das Gefühl, dass es täglich noch kälter wird. 
  • Die Kreuzschmerzen werden gefühlt auch immer mehr. Ich würde gerade alles für eine Massage geben. 
  • Heute ist der Tag an dem das richtige Vipassana startet. Die ersten drei Tage waren nur eine sozusagene Vorbereitung, in der wir uns bloß auf den Atem und die Umgebung rund um die Nase konzentrierten. Nun starteten wir aber mit einer neuen Technik, bei der wir die einzelnen Körperteile von Kopf bis Fuß durchgehen sollten. Gefühle sollten wir dabei wahrnehmen, aber nicht darauf reagieren. Außerdem sollten wir uns nun auch nicht mehr bewegen während der Meditation. 

Tag 5

  • Ich habe das Gefühl, dass es in meinem Kopf nun endlich ruhiger geworden ist. Das Gedankenchaos wird weniger. 
  • Heute ist tatsächlich schon Halbzeit. 
  • Der Nachmittag war wieder sehr hart. 

Tag 6

  • Ich schaffte es zum ersten Mal eine komplette Stunde im Schneidersitz zu sitzen ohne mich auch nur im Geringsten zu bewegen. Bin sehr stolz. 
  • Während der Nachmittagsmeditation überkamen mich starke Hungergefühle. Meine Gedanken kreisten nur noch um Pizza, Schoki, Pommes, usw. Ich überlegte mir, was ich mir nach dem Vipassana in Kathmandu alles zum Essen kaufen werde. Ich verbrachte wahrlich Stunden damit, mir nur Essen vorzustellen.
  • Heute mussten wir das erste Mal in einer Einzelkammer meditieren. Das kann man sich vorstellen, wie eine mini kleine Abstellkammer, in der nichts als ein Sitzkissen ist. Ich bekam leichte Platzangst, aber wenigstens konnte ich mich nun ein wenig bewegen während der Meditation ohne böse Blicke unserer Lehrer zu ernten.

Tag 7

  • Am heutigen Nachmittag bekam ich die absolute Krise. Sekunden kamen mir vor wie Minuten und Minuten wie Stunden. Mein ganzer Rücken und die Knie schmerzten enorm. Zudem kam wieder starker Hunger. Nach drei Tassen Milchtee mit viel Zucker zum Abendessen ging es mir wieder etwas besser und ich konnte mich dazu motivieren weiterzumachen.

Tag 8

  • Zwei Mädchen bekamen einen mittelprächtigen Lachkrampf während der Morgenmeditation, als ein wahrliches Furzkonzert ausbrach. Kein Wunder bei den ganzen Bohnen und Linsen, die wir täglich zu essen bekommen. 
  • Die übliche Nachmittagskrise packte mich erneut. Ich blieb aber hart - immerhin sind es nur noch zwei Tage. 

Tag 9

  • Ein Mann im Meditationsaal hustet seit zwei Tagen ununterbrochen. Ich kann mich nur schwer davon ablenken. Dazu kommen noch diverse Geräusche anderer Teilnehmer wie Rülpsen, Furzen, Niesen usw. In einigen Ländern, scheint das wohl so üblich zu sein, dass man sämtliche Körpergeräusche völlig hemmungslos und demonstrativ raus lässt. 
  • Während der Morgenmeditation begann eine junge Frau plötzlich völlig hysterisch zu heulen. Eine Lehrerin begleitete sie daraufhin aus der Meditationshalle. Wird konnten sie noch lange hören, wie sie draußen weiter weinte. 
  • Der Vormittag heute war sehr positiv. Doch der Nachmittag war wie immer unendlich lang und hart. 

Tag 10

  • Wuhuu, der zehnte Tag!! Ich kann es kaum fassen! 
  • Um zehn Uhr vormittags hieß es dann auf einmal, dass die noble Stille vorbei ist. Wir durften also wieder sprechen. Was für ein unglaubliches Gefühl. Und vor allem auch sehr ungewöhnlich plötzlich wieder sprechende Menschen und Gelächter zu hören. Wir waren alle so überwältigt von unseren Emotionen, dass vielen von uns die Tränen in die Augen stiegen. Am liebsten hätte ich vor Freude losgeheult. Überall sah man nun lachende und strahlende Gesichter. Wir tauschten uns gegeseitig über den Kurs und unser Leben aus. Ich bin sehr imponiert von all diesen wundervollen Frauen mit teilweise sehr interessanten Lebensgeschichten. 
  • Meine Bettnachbarin, die Inderin, entpuppte sich als wahres Herzstück. Und ich dachte tatsächlich die ganze Zeit, sie sei eine sehr seriöse und griesgrämige Person. So sehr kann man sich täuschen. Da sieht man wieder, wie uns unser Kopf immer wieder Streiche spielt, indem er sich ein ganz bestimmtes Bild von etwas schafft, das oft gar nicht mit der Realität übereinstimmt. 
  • Am Nachmittag hatten wir noch eine Bücherausstellung und reguläre Meditationseinheiten. 

Tag 11

  • Der Tag begann wieder um vier Uhr morgens. Es folgte eine einstündige Meditation, gefolgt von einem Theorievortrag. 
  • Es wurden noch fleissig Telefonnummern ausgetauscht während des Frühstücks. 
  • Danach wurden wir mit Bussen zurück nach Kathmandu gebracht. 
  • Ich kann es immer noch nicht fassen, dass ich diese zehn (bzw fast zwölf) Tage durgehalten habe. 



Generelles:

  • Das Essen war zwar eher spärlich, dafür aber super lecker und gesund: Frühstück: Reis oder Polenta mit Bohnen- oder Linsensuppe, Tee; Mittagessen: Reis mit verschiedenen Gemüsebeilagen (extrem lecker gewürzt) und Bohen- oder Linsensuppe, Abendessen: 1,5 - 2 Stück Obst, eine kleine Schale gepuffter Reis, Tee. Die älteren Schüler (diejenigen, die schon zum zweiten Mal oder öfter hier sind) bekamen am Abend nur eine Heiße Zitrone. Ich glaube, das hätte ich nicht überstanden *lach*. Damit ich auch nur ein annäherndes Sättigungsgefühl bekam, trank ich ziemliche Massen an Milchtee, welcher zum Frühstück und Abendessen serviert wurde. Ich kam somit auf gut einen Liter Milch am Tag. Demzufolge habe ich wohl auch nicht besonders viel abgenommen in diesen zehn Tagen. 
  • Auch der Schlaf kam etwas kurz in den zehn Tagen. Dadurch, dass wir täglich um vier Uhr morgens aufstanden und nicht vor halb zehn am Abend ins Bett kamen, waren es bloß 6-6,5 Stunden Schlaf pro Nacht. Gewohnt bin ich aber eher acht. 
  • Dass wir kein Handy hatten und nicht sprechen durften empfand ich als keine große Herausforderung. Im Gegenteil, es war eigentlich ganz entspannend. Die ersten Tage hatte ich zwar das Gefühl, dass die Stimmung irgendwie gedrückt und depressiv sei, da alle wie Zombies herumliefen und nur auf den Boden starrten. Mit der Zeit empfand ich das Ganze aber als sehr friedlich und angenehm - keine Diskussionen, keine Streitereien, keine Zickereien, usw. 
  • Die größte Herausforderung war sicher das ständige Sitzen und die daraus resultierenden Schmerzen, sowie seine Gedanken im Zaum zu halten. 
  • Die wenige Freizeit, die wir hatten, nutzten die meisten von uns, um Wäsche zu waschen (händisch versteht sich), im kleinen Garten unendliche Runden zu drehen, Duschen zu gehen (mit dem eisig kalten Wasser), Kleidungsstücke zu flicken, Nagelpflege zu betreiben oder ein Nickerchen zu halten. 


Interessantes aus den Theorieeinheiten:

  • Unsere Gedanken sind sehr kraftvoll. Oft handeln wir ohne zu denken. Oder wir denken, ohne dabei in der Gegenwart zu sein. Wir schlagen uns mit Vergangenem herum oder machen uns Sorgen über Zukünftiges und vergessen dabei ganz, den aktuellen Moment zu leben. Vipassana soll helfen unseren Geist zu reinigen und mehr im Hier und Jetzt zu leben. 
  • Gefühle kommen und gehen -> universelles Gesetz der ständigen Veränderung. Alles im Leben verändert sich ununterbrochen. Beispiel: Wir sehen einen Fluss. Für uns wirkt es als wäre er immer derselbe. Doch in Wahrheit verändert er sich ständig. Wasser kommt und geht wieder. Es kommt immer Neues nach und Altes geht. 
  • Beim Vipassana wird das Unterbewusstsein darauf trainiert, Gefühle zwar wahrzunehmen, aber nicht darauf zu reagieren, sondern diese völlig objektiv zu sehen. Gefühle kommen und gehen, sie sind in ständiger Veränderung.
  • Wir sollten mehr im Hier und Jetzt leben! Die Vergangenheit ist vorbei, für immer. Niemand kann sie mehr zurückholen und nichts kann rückgängig gemacht werden. Und die Zukunft ist noch nicht da. Durch das Konzentrieren auf den Atem und aktuelle Körperwahrnehmungen sollen wir beim Meditieren lernen mehr den jetzigen Moment wahrzunehmen. 

Fazit:

  • Das Ganze mag für viele nun vielleicht nach einer einzigen Qual klingen. Es war tatsächlich um Einiges härter, als ich mir anfangs dachte. Doch ich muss sagen, dass es eine sehr wertvolle Erfahrung war, die ich keinesfalls missen möchte. Ich konnte sehr viel über und für mich und das Leben lernen. 
  • Ob ich nochmals ein Vipassana machen würde? Das ist sicher nicht ausgeschlossen. Aber ich muss das Ganze nun erstmals etwas wirken lassen auf mich und sehen, wie viel von den wertvollen Erkenntnissen ich nun wirklich in mein Alltagsleben einbauen kann.













Freitag, 13. Dezember 2019

Bevorstehendes Vipassana in Kathmandu

By On Dezember 13, 2019


Nun ist es dann soweit. Morgen starte ich mein 10-tägiges Vipassana. Heute Morgen ging es deshalb von Pokhara zurück nach Kathmandu. Morgen um 11 Uhr am Vormittag muss ich dann im Vipassana Büro sein, um mich zu registrieren. Dort müssen dann auch das Smartphone und sämtliche andere Elektronikartikel abgegeben werden. Es ist nämlich kein Aussenkontakt, kein Internet, kein Schreibmaterial und nichts zum Lesen erlaubt. Bis zum 25.12. bin ich dann demzufolge offline.


WAS IST VIPASSANA?

Vipassana ist eine alte Meditationstechnik, mit der Buddha wohl die Erleuchtung erlangte. Es ist eine buddhistische Praxis, die aber keine Religionszugehörigkeit hat und deshalb auch von Nicht-Buddhisten ausgeübt und gelehrt wird. Vipassana bedeutet, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind und nicht, wie wir sie gern hätten.

Es geht es darum, Empfindungen im Körper zu beobachten ohne sie zu bewerten oder darauf zu reagieren. Dadurch sollen wir dann lernen, den Höhen und und vor allem den Tiefen in unserem Leben gelassener zu begegnen und dadurch ausgeglichener und glücklicher zu leben.

Außerdem geht es beim Vipassana - wie bei jeder Meditationstechnik - darum den Geist zu beruhigen. Unsere Gedanken schweifen nämlich meist in der Vergangenheit oder in der Zukunft herum. Selten leben wir wirklich im Hier und Jetzt.

"Vergangenheit und Zukunft sind nichts weiter als geistige Projektionen. Sie existieren nicht, denn es ist immer Jetzt."

Da in den zehn Tagen unsere ständige Reizüberflutung gestoppt wird, wird so auch der Geist beruhigt.

Vipassana wurde in Indien vor über 2500 Jahren von Buddha wiederentdeckt und von ihm als ein universelles Heilmittel gegen Krankheiten angewendet.

Das Ganze ist kostenlos und beruht auf Spendenbasis, das heißt man kann am Ende selbst entscheiden wieviel man geben möchte. 

DER TAGESABLAUF

04:00: Gong - Aufstehen
04:30-06:30: Meditation in der Halle oder im eigenen Zimmer
06:30-08:00: Frühstückspause
08:00-09:00: GRUPPENMEDITATION IN DER HALLE
09:00-11:00: Meditation in der Halle oder im eigenen Zimmer entsprechend den Anweisungen des Lehrers
11:00-12:00: Mittagessen
12:00-13:00: Ruhepause und Gelegenheit zum Gespräch mit dem Lehrer
13:00-14:30: Meditation in der Halle oder im eigenen Zimmer
14:30-15:30: GRUPPENMEDITATION IN DER HALLE
15:30-17:00: Meditation in der Halle oder im eigenen Zimmer entsprechend den Anweisungen des Lehrers
17:00-18:00: Teepause
18:00-19:00: GRUPPENMEDITATION IN DER HALLE
19:00-20:15: Vortrag des Lehrers in der Halle
20:15-21:00: GRUPPENMEDITATION IN DER HALLE
21:00-21:30: Zeit für Fragen in der Halle
21:30: Nachtruhe - Licht aus

Insgesamt meditiert man ungefähr zehn Stunden am Tag – diese werden durch drei Essenspausen unterbrochen.

Jeden Abend gibt es einen Vortrag vom Gründer des Vipassana: Goenka.

DIE REGELN

  • Kein lebendes Wesen töten
  • Nicht stehlen
  • Sich jeglicher sexueller Aktivitäten enthalten
  • Nicht lügen
  • Keine Rauschmittel jeglicher Art (einschließlich Tabak und Alkohol)

Und:
  • Edle Stille praktizieren - Keine Kommunikation in irgendeiner Form
  • Kein Smartphone, Tablet, Laptop - muss alles abgegeben werden
  • Nichts aufschreiben während der zehn Tage
  • Kein Sport, nur spazieren

Die meisten dieser Regeln stören mich nicht sonderlich. Mir macht bloß die Vorstellung Sorgen täglich zehn Stunden sitzend, ohne sich zu bewegen zu meditieren. Vor allem kann ich mir vorstellen, dass man enorme Rückenschmerzen bekommt.

Mehr Infos über Vipassana findest du =>HIER<=

Da ihr also frühestens am 25. Dezember (vorausgesetzt ich halte durch) wieder von mir hören werdet, wünsche ich schon mal Schöne Weihnachten.

Bis bald!

Donnerstag, 12. Dezember 2019

Entspannte Tage in Pokhara

By On Dezember 12, 2019



Ende des Yoga Retreats

Am Montag beendete ich am frühen Nachmittag mein Yoga Retreat bei Atmashree. Ich fühlte mich rundum wohl und entspannt, wie nach einem Wellness Urlaub. All das gesunde Essen, das Yoga und die Meditationen waren eine Wohltat für Körper und Geist. Zudem habe ich viel neues gelernt und große Fortschritte in meiner Yogapraxis gemacht.

Wieder in Pokhara :) 

Phewa-See

Eine äußerst seltsame Begegnung...

Ich beschloss diesmal in Pokhara in einem Hostel zu wohnen und nicht couchzusurfen. Ich traf mich aber mit einem Inder namens Sanu, den ich über Couchsurfing kennengelernt habe. Das war jedoch eine recht schräge Angelegenheit. Ich wollte nämlich zu Fuß vom Yoga Retreat zurück nach Pokhara gehen - es ist immerhin nur eine halbe Stunde. Sanu ließ es sich aber nicht nehmen mich mit seinem Roller abzuholen. Er setzte mich wohlbehütet bei meinem Hostel ab. Lustigerweise hat er seinen Shop gleich neben meiner Unterkunft. Ich besuchte ihn später also in seinem kleinen Laden, in dem er Schals und Tücher aus Yak-Wolle und Kaschmir verkauft. Er kommt übrigens auch aus Kaschmir, ist aber seinen Erzählungen nach schon mit 14 Jahren gemeinsam mit einem Freund nach Nepal gekommen, um hier Arbeit zu finden. Sanu begrüßte mich recht überschwänglich mit einer langen Umarmung. Danach bot er mir Kaffee an, was ich natürlich dankend annahm. Als er jedoch begann den Kaffee geheimnisvoll unter seinem Tisch anzurühren bekam ich plötzlich ein ungutes Gefühl. Was wenn er mir da irgendwas reinmischt? Hier in seinem Shop bräuchte er bloß die Türe schließen und könnte machen mit mir was er will. Er rührte sicher 15 Minuten in der Tasse herum. Keine Ahnung wozu das gut sein sollte, immerhin war es bloß Instant Kaffee, den er mit Zucker und ein wenig Wasser mischte. Dann goß er das Ganze mit heißem Wasser auf und reichte es mir feierlich. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, da ich mir noch unsicher war, ob ich das wirklich trinken sollte. Ich beschloss nur einen kleinen Schluck zu nehmen und dann erstmal abzuwarten, ob mir vielleicht komisch werden würde. Im ersten Moment hatte ich wirklich das Gefühl, dass mir leicht schwindlig wird, aber ich denke, das war wohl mehr eine Paranoia. Äußerst vorsichtig trank ich im Endeffekt dann die ganze Tasse... und es passierte nichts! Gott sei Dank! Da Sanu äußerst schöne Yak-Schals verkauft, beschloss ich ihm einen abzukaufen und mich dann von den Socken zu machen. Der erste Schal, den er mir zeigte, traf bereits voll meinen Geschmack. Und den Preis von 500 Rupies fand ich auch okay. Danach verabschiedete ich mich von ihm. Sanu wollte mich unbedingt nochmal umarmen. Er drückte mich dermaßen fest und lange, dass ich begann ihn leicht von mir wegzustoßen. Doch das ignorierte er gekonnt und sagte dann noch zu allem Überfluss, dass er eine starke Freundschaft zwischen mir und ihm spüre. Was war ich froh aus dem Laden wieder raus zu sein! Das war eine sehr eigenartige Begegnung. Normalerweise kann ich mich auf mein Bauchgefühl immer sehr gut verlassen, doch in der Situation bin ich mir sogar im Nachhinein noch nicht ganz sicher, ober der Typ einfach nur nett war, oder doch etwas unheimlich. 

Wiedersehen mit Andrea

Ich besuchte am späteren Nachmittag noch eine Yoga-Stunde. Und ob man es glaubt oder nicht: Am Abend traf ich mich mit Andrea. Ihr könnt euch bestimmt an ihn erinnern: Er ist derjenige mit dem ich drei Wochen in der Everest Region am Trekken war. Nun ist er gestern auch in Pokhara angekommen. Es war sehr schön ihn wiederzusehen. Wir hatten uns allerhand zu erzählen und genossen einen sehr schönen Abend. 

Wanderung auf den Sarangkot

Am Dienstag war ich dann zur Abwechslung wieder einmal wandern. Es ging auf den Aussichtsberg Sarangkot. Auf dem Weg traf ich einen Franzosen (dessen Namen ich auch nach mehrmaligem nachfragen nicht aussprechen konnte), mit dem ich dann die Wanderung gemeinsam fortführte. Es waren etwa zwei Stunden auf den Gipfel und eine Stunde Abstieg. Normalerweise hat man eine traumhafte Aussicht von dort auf die hohen Berggipfel der Annapurna Region, aber leider war es an diesem Tag recht bewölkt. Nichtsdestotrotz war es eine sehr schöne Tour mit einer ganz tollen Wanderbekanntschaft.

Ausblick von Sarangkot 

Entspannungstag

Gestern, am Mittwoch hatte ich einen absoluten Entspannungstag. Ich besuchte nach dem Frühstück eine Yogastunde. Danach gönnte ich mir tatsächlich die allererste Maniküre und Pediküre in meinem ganzen Leben. Das Ganze war zwar recht günstig und die Dame massierte auch richtig gut, aber das mit dem Nägel schneiden und Feilen war nicht so ihr Ding - das hätte ich selber besser hinbekommen. Zudem war es dermaßen kalt in dem Raum, dass ich einfach nur heilfroh war, als das Prozedere nach gut 1,5 Stunden vorbei war.

Relaxen im Hostel 


Schöne Wiederbegegnungen

Am Abend erhielt ich eine Nachricht von Luca - das ist der Schweizer, mit dem ich vor dem Yoga-Retreat einen Seerunde gejoggt bin - dass er nach seinem Trekking wieder hier in Pokhara sei. Wir trafen uns zum Abendessen. Später stieß auch Andrea noch hinzu. Wir hatten einen ziemlich lustigen Abend. In Pokhara gibt es eine ziemlich abgespeckte Version von einem Disneyland mit einem ziemlich verrückten Riesenrad. Das Ding würde europäische Sicherheitskriterien wahrscheinlich niemals bestehen. Zudem dreht es sich wahnsinnig schnell - als ich das zum ersten Mal sah, konnte ich meinen Augen kaum trauen. Wir beschlossen also, dieses Abenteuer zu wagen. Eine Fahrkarte kostet gerade mal 100 Rupies (=ca 80 Cent). Dann ging der Spaß los. Ich kann nur sagen, dass das eindeutig nichts für Menschen mit einem schlechten Magen ist.

Später gingen wir noch in die Bar meines letzten Couchsurfing Gastgebers Deepak. Dort gönnten wir uns ein Bier und eine Wasserpfeife und tauschten dabei unsere verrücktesten Reisegeschichten aus. An diesem Abend hieß es nun wohl endgültig Abschied nehmen von Andrea, da wir nun wohl voraussichtlich nicht mehr am selben Ort sein werden.

Leichte Nervosität vor dem Vipassana

Für mich geht es morgen wieder nach Kathmandu und am Samstag ist dann der große Tag: Ich starte mein 10-tägiges Vipassana (Schweigemeditation) - ich bin schon etwas nervös. 
Anfangs habe ich mich sehr darauf gefreut, doch je näher es rückt, desto mehr Zweifel kommen in mir auf, ob ich das wirklich schaffen würde 10 Tage jeweils 10 Stunden am Tag zu meditieren. Nicht zu sprechen und kein Handy zu benutzen stört mich eigentlich weniger. Aber nun bin ich bereits angemeldet, also werde ich auf alle Fälle mein Bestes geben durchzuhalten. Habe vor kurzem eine Reisende getroffen, die gerade ein Vipassana hinter sich hat. So ganz ermutigend waren ihre Erzählungen ehrlich gesagt nicht. Obwohl sie meinte, dass sie im Nachhinein gesehen großen Profit aus der Sache gewonnen hat, obwohl das wohl die längsten und härtesten zehn Tage in ihrem Leben waren. Da sind ja gute Aussichten. 


Namaste








Sonntag, 8. Dezember 2019

"Atmashree" - 4-tägiges Yoga Retreat

By On Dezember 08, 2019

Die letzten vier Tage absolvierte ich ein Yoga-Retreat am Phewa-See. Ich bin wirklich restlos begeistert und habe deshalb noch einen Tag zusätzlich zu den geplanten drei Tagen drangehängt. Atmashree Yoga liegt etwa 30 Gehminuten außerhalb von Pokhara an einem äußerst idyllischen Fleckchen mit direktem Blick auf den See.

Ausblick von meinem Balkon auf den Phewa-See

Anfangs waren vier Holländer und ein Deutscher mit mir dort, am Ende waren es aber nur noch ich und eine Holländerin. Das Ganze war eine absolute Wohltat für Körper, Geist und Seele. Der Tagesablauf sah mehr oder weniger so aus:

6:00 Uhr: Morgenmeditation oder meditative Wanderung mit wunderschönen Sonnenaufgängen über dem See. Reinigungstechniken.
7:00 Uhr: Hatha Yoga
9:00 Uhr: Frühstück
10:00 Uhr: Freizeit
12:00 Uhr: Entspannungsyoga, Meditation
13:00 Uhr: Mittagessen
14:00 Uhr: Freizeit
16:30 Uhr: Tee
17:00 Uhr: Hatha Yoga, Pranayama, Mudra & Bandha
19:00 Uhr: Abendessen
20:00 Uhr: Chanting, Meditation, Konzentrationsübugen
21:00 Uhr: Schlafen

Ingesamt waren es täglich so etwa drei Stunden Yoga, was schon ordentlich an die Substanz ging und mir einen spürbaren Muskelkater bescherte. Aber ich muss sagen, dass ich in diesen wenigen Tagen wahnsinnige Fortschritte gemacht habe und sehr viel Neues dazulernte. 

Die Reinungstechniken waren zudem noch sehr spanndend. Morgens machten wir eine Nasenspülung mit etwa einem halben Liter warmen Salzwasser. Dabei beugt man den Oberkörper nach vorne und schüttet die Flüssigkeit mit einer speziellen Kanne in das eine Nasenloch, während sie dann aus dem anderen Loch wieder austritt. Die Nase ist danach wunderbar frei.

Nasenspülung


Am dritten Tag machten wir eine Magen- und Darmreinigung. Das ist bestimmt nicht jedermanns Sache, aber ich wollte es auf alle Fälle ausprobieren. Dabei trinkt man auf nüchternen Magen zwei Gläser warmes Salzwasser (jeweils 250ml). Danach macht man spezielle Yoga-Übungen um die Darm anzuregen. Danach trinkt man nochmals zwei Gläser und macht wieder die Übungen. Das Ganze wird so oft wiederholt bis man auf die Toilette muss. Bei mir brauchte es insgesamt acht Gläser. Dann ging es aber ordentlich los. Etwa eine halbe Stunde verbrachte ich am Stillen Örtchen, bis sich das alles wieder halbwegs beruhigte. Dann mussten wir so viele Gläser wie nur möglich von der Salzwasserbrühe trinken. Irgendwann erbricht man das Zeug dann schwallartig. Diese Technik reinigt den Magen. Mein Körper wehrte sich jedoch recht dagegen und ich musste nochmals ganze sieben Gläser voll trinken (während für andere zwei schon genug waren). 
Nach diesem Prozedere bekamen wir gekochten Reis und Obst zum Frühstück. Im Nachhinein muss ich sagen, dass sich mein Körper richtig gut anfühlte - obwohl es sich schon sehr gewöhnungsbedürftig anfühlt gemeinsam mit anderen in der Wiese zu stehen und zu erbrechen. Aber auf jeden Fall eine spannende Erfahrung.

Ansonsten fühlte sich das Retreat wie ein wahrer Wellness Urlaub an. Wir bekamen  zudem Massagen und äußert gesundes vegetarisches Essen mit viel Gemüse und Früchten. Am Nachmittag hatten wir etwa 2,5 Stunden Freizeit, welche ich für kleine Wanderungen um den See nutzte.




Rund um den Phewa-See gibt es sehr viele verschiedene Yoga-Retreat-Zentren. Ich kann das Atmashree Yoga aus vollem Herzen weiterempfehlen, falls jemand daran interessiert ist. Die Lehrer hier sind wirklich äußerst kompetent und die Lage ist perfekt. 

Nun werde ich noch ein paar Tage in Pokhara entspannen und dann geht es am 13.12. zurück nach Kathmandu, da ich dort am 14.12. mein 10-tägiges Vipassana (=Schweigemeditation) starten werde. 





Mittwoch, 4. Dezember 2019

Höhlen-Erkundungsstour

By On Dezember 04, 2019

Gestern traf ich mich zum Frühstück mit Lee, einem jungen Kandadier, den ich hier in Pokhara kennengelernt habe. Dabei muss ich anmerken, dass es in der German Bakery unglaublich leckeres Essen und auch Kaffee gibt -> sehr zu empfehlen. Lee führt ein recht spannendes Leben, er wohnt nämlich seit sechs Jahren in einem Camper in Kanada und nimmt immer nur Kurzzeitjobs an, um danach wieder auf Reisen zu gehen. Ich finde die Geschichten von anderen Menschen immer sehr spannend, vor allem wenn sie so ein "extravagantes" Leben führen.

Sehr leckeres Frühstück in der German Bakery 

Nach dem äußerst leckeren und herzhaften Frühstück beschlossen wir eine kleine Wanderung zu starten. In der Nähe von Pokhara sollte es recht bekannte Höhlen geben. Höhlen finde ich grundsätzlich sehr spannend, aber halt nicht wenn sich dort Unmengen von Touristen tummeln. Wir beschlossen deshalb eine unentdeckte Höhle zu finden, immerhin sollte es hier in der Gegend jede Menge davon geben. Zuerst wanderten wir knappe zwei Stunden quer durch Pokhara, was aber eine ganz tolle Erfahrung war, da wir in sehr schöne Stadtviertel kamen, in die sich wohl nicht so oft Touristen verirren. Dementsprechend aufgeregt winkten und brüllen uns Kinder aus allen Richtungen zu. 

Wir versuchten eine Höhle namens Birendra zu finden, die auf der Landkarte eingezeichnet war. Der Weg dorthin - der eigentlich keiner war - stellte sich als äußerst abenteuerlich heraus.



Wir gingen einen Fluss entlang. Das Vorhaben wurde aber immer unwegsamer und der Dschungel immer dichter. Wir kamen nur sehr langsam voran und Lee legte zur Draufgabe noch eine ordentliche Bruchlandung in den Fluss hin.





Wir konnten es kaum glauben, als wir dann tatsächlich die Höhle gefunden haben. Es führte sogar ein kleiner Weg dorthin. Am Eingang war ein recht verrostetes Schild angebracht. Schien so, als hätte man vor langer Zeit einmal versucht die Höhle der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Hat aber dann wahrscheinlich doch nicht so geklappt. Wir holten unsere Stirnlampen aus dem Rucksack und starteten die Erkundungstour. Die ersten fünf Meter waren sogar recht ausgebaut. Danach war es aber eine ordentliche Kletterei und teilweise ziemlich eng. Je tiefer wir in die Höhle kamen, desto feuchter und wärmer wurde die Luft. Es fühlte sich an wie ein Dampfbad. Was ich nicht so toll fand, waren die riesigen Spinnen, die sich dort überall tummelten. Ansonsten war die Höhle aber wunderschön, vor allem die Gesteinsformationen waren sehr beeindruckend. Im Endeffekt kamen wir ziemlich weit rein, beschlossen dann aber umzudrehen. Es war einfach viel zu warm und wurde dermaßen eng, dass ich ein wenig Platzangst bekam. Trotzdem ein sehr gelungenes Abenteuer.



In nächsten Dorf suchten wir etwas zu essen. Das war gar nicht so einfach, da dort niemand Englisch sprach. Wir konnten aber dann doch noch eine nette ältere Dame finden, die uns ein Dal Bhat zubereitete. Sie schien eine Riesenfreude gehabt zu haben, weil wir bei ihr aßen. Die Dame bedankte sich mehrmals freudestrahlend für unseren Besuch.

die Küche der Dame, die uns ein sehr leckeres Dal Bhat zubereitete

Später ging es zu Fuß zurück nach Pokhara. Ja, wir legten ordentlich Kilometer zurück.

Yoga-Retreat

Heute starte ich in dem Dörfchen Khapaudi - ganz in der Nähe von Pokhara, auch am Phewa-See gelegen - ein 4-tägiges Yoga Retreat. Bin schon sehr gespannt darauf.










Dienstag, 3. Dezember 2019

Australian Camp, Dhampus & der Phewa-See

By On Dezember 03, 2019


Australian Camp & Dhampus

Die gestrige Wanderung mit Pramod zum Australischen Camp und dem Dorf Dhampus war wunderschön und sehr relaxed. Zuerst fuhren wir mit dem Motorbike bis zu dem Dorf Phedi. Dort stellten wir dieses ab und fuhren die recht abenteuerliche Bergstraße mit dem Bus weiter bis nach Kande. Von hier aus starteten wir unsere Wanderung. Bis zum Australischen Camp brauchten wir etwa eine Stunde. Man muss aber dazu sagen, dass Pramod bestimmt nicht der sportlichste ist. Er schwitzte und keuchte den ganzen Weg lang unaufhörlich. Dementsprechend machten wir auch viele Pausen.



Im Camp angekommen aßen wir zu Mittag: Dal Bhat natürlich. Ich wage mich zu behaupten, dass dies mein allerbestes Dal Bhat war. Pramod erzählte mir, dass er dieses Gericht täglich zu Mittag und abends essen würde. Eine Mahlzeit ohne Dal Bhat wäre für einen Nepalesen keine richtige Mahlzeit. Das erinnert mich an Afrika und das Posho/Ugali.

Dal Bhat

Vom Australischen Camp ging es über das Dorf Dhampus zurück zum Motorbike in das Dorf Phedi. Das waren vielleicht nochmal 2 Stunden - aber halt wirklich im Schneckentempo. Die Wanderung war insgesamt wunderschön. Die üppige Natur erinnert ein wenig an einen Dschungel.

Dieses süße Baby-Hündchen entdeckten wir am Rückweg 

Zum Abendessen traf ich mich tatsächlich mit einem Schweizer. Er heißt Luca und bereist schon seit 1,5 Jahren die Welt. Wir tauschten noch jede Menge Reisegeschichten aus und verabredeten uns auch gleich zum Joggen für den nächsten Tag.

Laufrunde um den Phewa-See 

Heute morgen startete ich topmotiviert meine Laufrunde. Es sollte einmal komplett um den Phewa-See gehen, das sind etwa 30km. Luca kündigte an, dass er später nachkommen würde. Ich rannte also alleine los. Die Gegend war wunderschön.




Um die Mittagszeit wurde es aber extrem heiß. Ich genehmigte mir ein kaltes Cola und wartete währenddessen auf Luca. Bereits nach einer halben Stunde kam er an. Die restliche Strecke legten wir dann gemeinsam zurück. Es ging durch Reisfelder und kleine Dörfer. Zudem kamen wir an einem Tempel und mehreren tollen Aussichtspunkten vorbei.




Da wir zwischendurch hungrig wurden, legten wir noch eine Essenspause ein. Danach ging es nur noch schleppend weiter - mit vollem Bauch joggt es sich einfach nicht gut. Aber wir hatten ja keinen Zeitstress. Von daher beanspruchte unsere Runde letztendlich fast den ganzen Tag. Zu Abend aßen wir dann in der Bar meines Couchsurfing Gastgebers. Insgesamt ein sehr gelungener Tag!








Sonntag, 1. Dezember 2019

Pokhara - Eine Ruheoase am Phewa-See

By On Dezember 01, 2019


Nach dem hektischen, lauten und schmutzigen ist Pokhara nun eine willkommene Abwechslung. Die Stadt liegt direkt am wunderschönen Phewa-See. Es gibt hier jede Menge kleine, gemütliche Bars direkt am See und unzählige Yogazentren. Der perfekte Ort also, um für ein paar Tage abzuschalten. 

Ich kam gestern nach einer etwa 8-stündigen Busfahrt am Busbahnhof in Pokhara an. Dort wurde ich gleich von einigen Taxifahrern belagert. Da ich mich nach dem langen Sitzen unbedingt bewegen wollte, beschloss ich aber die etwa 40 Minuten ins Zentrum zu laufen. Dort suchte ich dann das kleine Café "Hakuna Matata" meines Couchsurfing Gastgebers. Ich war begeistert, denn es liegt direkt am See. 

Phewa-See 

Das Café "Hakuna Matata" meines Couchsurfing Gastgebers 

Mein Gastgeber Deepak scheint auf den ersten Blick ganz liebenswürdig, aber etwas wortkarg. Er zeigte mir mein Zimmer, das nicht unweit von seinem Café entfernt liegt. Ein sehr simpler Raum mit einem Holzbett und dünner Matratze. Deepak entschuldigte sich noch, dass es kein Warmwasser gäbe und ich zudem nach dem Schöpfprinzip duschen müsste. Nach sechs Monaten Backpacking in Afrika ist das natürlich kein Problem für mich. 

Da Deepak mit seinem Café recht beschäftigt ist, traf ich mich am Abend mit Pramod - ein Einheimischer, auch von Couchsurfing. Wir genossen den Abend am See mit einem kühlen Bier und vielen spannenden und lustigen Gesprächsthemen.  Ich finde es immer wieder spannend in Kontakt mit den Einheimischen zu treten. Viele Reisende halten sich vorwiegend in den Hostels mit anderen Reisenden auf und haben somit nur eher wenig Kontakt zu den Menschen von hier. Das ist meiner Meinung nach sehr schade, da es so spannend ist in andere Kulturen tiefer einzutauchen. Wenn ich nun die Menschen hier in Nepal mit den Afrikanern oder Südamerikanern vergleiche, muss ich sagen, dass es große Unterschiede gibt. Ich habe das Gefühl, dass die Nepalesen viel ruhiger und zurückhaltender sind. 

Derzeit genieße ich gerade ein sehr leckeres Frühstück : Obstsalat und richtig leckeren Capuccino. Heute werde ich mit Pramod zum Australischen Camp (2.055m) und dem Dorf Dhampus wandern. Ich bin schon sehr gespannt. 






Samstag, 30. November 2019

Kathmandu again

By On November 30, 2019


Nach dem Trekking habe ich nun drei recht entspannte Tage in Kathmandu verbracht. Ich gönnte mir den Luxus meine ganzen Klamotten in die Wäscherei zu bringen. Von Hand hätte ich den ganzen Schmutz wahrscheinlich sowieso nicht mehr raus bekommen. 
Zudem genoss ich eine lange heiße Dusche und konnte mir nach einer gefühlten Ewigkeit endlich wieder meine Haare waschen. 

Nicht ganz so entspannt finde ich die Stadt Kathmandu an sich. Es ist laut, schmutzig und überall sind Massen von Menschen. Vor allem das Überqueren der Straßen ist eine ordentliche Herausforderung, da es natürlich keine Zebrastreifen gibt und der Verkehr endlos ist. Ich versuche mich immer Einheimischen anzuschließen, die auch gerade Überqueren wollen - das ist wohl die einfachste und sicherste Lösung.

Gestern wurde ich tatsächlich eine ganze Stunde lang von lang von einem Mann in der Stadt verfolgt. Angefangen hat es mit ganz normalem Smalltalk: "How are you? Where are you from?" Wie mir später erklärt wurde, war mein großer Fehler, dass ich auf diese Fragen geantwortet hatte. Denn sobald man das macht, hat man schon verloren. Im Endeffekt wollte der Typ natürlich Geld. Da ich mich von seiner Forderung aber recht unbeeindruckt zeigte, wurde der Kerl ganz schön wütend und begann lautstark zu schimpfen. Zum Glück hat er sich dann vom Acker gemacht. Und ich habe wieder etwas gelernt: Rede mit keinem Fremden. Etwas ähnliches passierte mir am selben Tag nochmals mit einem kleinen Jungen, dee mich auch ewig verfolgte, da er Geld für seinen sterbenskranken Vater wollte. 


Dal Bhat

Heute Mittag wurde ich von James (ein Einheimischer, den ich über Couchsurfing kenne) und seinen Freunden zu einem super leckeren, selbstgekochtem Dal Bhat eingeladen. Es handelt sich hierbei um eines der beliebtesten Alltagsgerichte der nepalesischen Küche. Es besteht aus Linsensuppe (dal), Reis (bhat) und Gemüse der Saison. Ich persönlich liebe dieses Gericht, zudem hat man den Vorteil, dass man in den Restaurants meist noch kostenlos Nachschub angeboten bekommt. Wenn man also sehr hungrig ist, dann ist es die perfekte Mahlzeit. 

"Kanchee", der Hund von James 

Dal Bhat 


Am späteren Nachmittag traf ich mich die Tage mit meinem Trekkinkollegen Andrea, um gemeinsam Abend zu essen und auf unser erfolgreiches Tekkingabenteuer anzustoßen. Heute Abend hieß es aber Abschied nehmen, da sich unsere Wege wieder trennen werden. Nun haben wir über drei Wochen jeweils 24 Stunden am Tag miteinander verbracht. Zudem verbinden uns unvergessliche Abenteuer. Das wird nun für mich sehr ungewohnt wieder alleine weiter zu ziehen. Auf alle muss ich morgen wieder früh aus den Federn, da mir eine 8-stündige Busfahrt bevorsteht. Es geht nämlich weiter nach Pokhara. Diesmal werde ich das erste Mal auf dieser Reise bei einem Couchsurfing Gastgeber unterkommen. Bin schon gespannt. 







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