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| Am Vulkan Sollipulli |
19.- 23. Januar 2026
In dem kleinen Örtchen Lonquimay gönnte ich mir erst mal drei wohlverdiente Pausentage.
Während dieser Zeit meldete sich Felix bei mir. Ein junger Franzose, der gerade sein Zahnarztstudium abgeschlossen hatte und ebenfalls auf dem Greater Patagonian Trail unterwegs ist. Er schrieb mir über eine GPT-Gruppe, dass er gerade am Weg nach Lonquimay sei.
Wir trafen uns schließlich und verbrachten knapp zwei Tage zusammen. Dabei tauschten wir unsere verrücktesten Trekking-Erlebnisse aus und philosophierten über das Unterwegssein. Außerdem gab er mir ein paar Tipps, wie ich mein Rucksackgewicht reduzieren könnte, denn das ist leider immer noch etwas zu hoch.
Felix wandert nach Norden, also genau in die entgegengesetzte Richtung wie ich. Und so trennten sich unsere Wege dann auch wieder.
Freitag, 23. Januar 2026
Nach dieser ausgiebigen Erholung ging es heute mit dem Bus von Lonquimay nach Icalma. Die Fahrt dauerte etwas mehr als zwei Stunden und kostete 3.300 chilenische Pesos.
In Icalma plante ich, zwei Tage zu bleiben. Meine Mission hier war es am nächsten Tag zu Fuß über die chilenische Grenze nach Argentinien zu wandern und noch am selben Tag wieder zurück, um meine 90 Tage Aufenthalt in Chile zu erneuern.
Ich hatte mir in Icalma ein sehr einfaches, mini-kleines Studio-Apartment gebucht. Das Duschsystem war eher rustikal. Entweder kam tröpfchenweise kochend heißes Wasser aus dem Duschkopf oder eiskaltes Wasser, ebenfalls ohne nennenswerten Wasserdruck. Also beschloss ich, auf das bewährte Schöpfprinzip umzusteigen.
Ich sammelte das kochend heiße Wasser in einem großen Suppentopf, mischte es mit kaltem Wasser und schüttete es mir mit einer kleinen Kaffeetasse über den Körper. Immerhin besser als Bergbäche, die voller Kuhfäkalien sind.
Samstag, 24. Januar 2026
Heute Morgen startete ich um 9 Uhr meine Wanderung in Richtung argentinische Grenze.
Alles lief erstaunlich problemlos. Ich checkte aus Chile aus, reiste in Argentinien ein, machte dort etwa eine halbe Stunde Pause und wanderte dann das Ganze wieder retour. Die Grenzbeamten schauten mich natürlich etwas komisch an, als ich so schnell wieder zurückkam. Aber da ich mein schlechtestes Spanisch ausgepackt hatte, dachten sie sich wohl, dass Nachfragen keinen großen Sinn machen würden.
Bei der Wiedereinreise nach Chile wurde es dann etwas strenger. Sie wollten ein Rückflugticket sehen, eine Unterkunftsadresse und kontrollierten mein Gepäck ziemlich genau. Am Ende war aber alles okay und ich bekam meine neuen 90 Tage. Der ganze Spaß heute bedeutete übrigens eine 18 Kilometer lange Wanderung.
Sonntag, 25. Januar 2026
Am späten Vormittag startete ich von meiner Unterkunft in Icalma offiziell in die Sektion 14.
Anfangs ging es noch eine ganze Weile die Straße entlang, die irgendwann zu einem Schotterweg wurde, später zu einem kleinen Pfad und am Ende zu einem komplett verwachsenen Trail. Eine Machete wäre hier definitiv von Vorteil gewesen.
Trotz der erschwerten Bedingungen kam ich bereits am frühen Nachmittag an einem kleinen Bergsee an (vermutlich heißt dieser "Laguna Olga", bin mir aber nicht ganz sicher) an dem ich unbedingt zelten wollte. Ein absolut idyllisches Fleckchen Erde. Ich hatte den See ganz für mich allein und schmiss mich natürlich sofort in die Fluten. Überraschenderweise war das Wasser erstaunlich warm.
Montag, 26. Januar 2026
Der Morgen war richtig magisch. Der warme See dampfte in der eiskalten Morgenluft.
Der Wandertag begann mit vielen Umwegen, hauptsächlich wegen Kuhherden mit Kälbern und Bullen, die teilweise ziemlich angriffslustig wirkten.
Der unbefestigte Weg endete plötzlich abrupt vor einem Graben. Unten lagen eine eingestürzte Brücke und ein Pickup im Bach. Es sah so aus, als wäre das Unglück noch nicht allzu lange her. Das Hinunter- sowie Hinaufkommen aus dem Graben war eine ziemliche Kraxelei. Ich musste mich außerdem durch dichtes Gebüsch kämpfen.
Der Plan für heute war eigentlich ein kurzer Wandertag mit Übernachtung auf einem Campingplatz, um am nächsten Tag den Vulkan Sollipulli zu besteigen. Der sogenannte Campingplatz stellte sich allerdings als Garten eines Privathauses heraus. Ich öffnete das Tor, klopfte an die Haustür, aber niemand öffnete. Also beschloss ich, meine Mittagspause hier zu verbringen. Ich holte mir Wasser aus dem Bad, lud meine elektronischen Geräte an der Steckdose und wartete. Als nach etwa einer Stunde immer noch niemand auftauchte, zog ich weiter.
Da ich mir noch unsicher war, ob ich mich für die Besteigung des Sollipulli bei den Parkrangern registrieren sollte, wählte ich erst einmal einen Umweg, um ihnen nicht zu begegnen. Das Problem war nämlich, dass die Ranger nur eine bestimmte Route auf den Vulkan erlauben und man auch über dieselbe wieder absteigen muss. In diesem Fall könnte ich meinen großen Rucksack bei ihnen lagern. Würde ich aber über eine andere Route absteigen, könnte ich mir ein gutes Stück Weg sparen.
Am Ende schlug ich mein Zelt irgendwo im Gebüsch auf, nicht allzu weit von den Rangern entfernt. Ich fand ein schönes, flaches Plätzchen.
Dienstag, 27. Januar 2026
Heute Morgen beschloss ich kurzerhand, den Parkrangern aus dem Weg zu gehen, da ich meine eigene Route gehen wollte. Also wieder ein kleiner Umweg durchs Gebüsch.
Um kurz nach 8 Uhr startete ich den Aufstieg auf den Sollipulli über die Nordflanke. Etwa tausend Höhenmeter ging es nach oben, aber es fühlte sich überraschend leicht an - trotz des schweren Rucksacks. Ich denke mein Körper hat sich mittlerweile gut daran gewöhnt. Der Weg war gut und die Ausblicke während des gesamten Aufstiegs einfach atemberaubend.
Nach ungefähr zweieinhalb Stunden stand ich am Gipfel. Die Kulisse war unglaublich eindrücklich, mit Blick auf den Gletscher, der direkt im Krater des Sollipulli liegt. Der Vulkankrater hat einen Durchmesser von vier Kilometern. In seinem Inneren liegt ein gigantischer Gletscher, der bis zu 650 m tief ist.
Der Abstieg erfolgte über die Ostflanke - weglos im Freestyle-Modus. Danach ging es wieder eine ganze Weile entlang einer Schotterstraße. Leider kam kein einziges Auto vorbei, sodass Trampen keine Option war.
Ich verbrachte die Nacht schließlich neben einem Fluss.
Mittwoch, 28. Januar 2026
Nach etwa vier Kilometern auf einer unbefestigten Straße ging meine Route heute nahtlos in die Sektion 15 über.
GPT14 - Technische Daten:
• Distanz: 70 km
• Höhenmeter: 2.711 m
• Dauer: 3 Tage
Insgesamt am Greater Patagonian Trail:
• Distanz: 939 km
• Höhenmeter: 37.489 m
• Dauer: 45 Tage











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