The Greater Patagonian Trail - Sektion 9, 10, 11 & 12: Zwischen Vulkanen und angriffslustigem Getier mit zu wenig Proviant
Sektion 9
Montag, 12. Januar 2026
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| Laguna Laja |
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| Laguna Laja |
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| Laguna de Laja |
Nach zwei entspannten Erholungstagen in San Fabián - mit viel Kuchen, Salat, frischen Früchten und Poolzeit - ging es am Sonntagmorgen per Autostopp los zum Start der Sektion 8. Ich hatte riesiges Glück: Zuerst nahm mich eine nette Farmerfamilie mit, später vier junge Leute, die einen Wochenendausflug zu einem Wasserfall machten. Dank ihnen konnte ich mir einige Kilometer auf einer unbefestigten Straße sparen. Irgendwann kam ihr Auto aber nicht mehr weiter, da der Weg immer rustikaler wurde. Und wieder hatten wir Glück - ein Pickup nahm uns noch ein paar Kilometer mit. Alle waren völlig begeistert davon, dass ich hier alleine die chilenischen Anden durchquere.
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| Ja, der Weg war wirklich holprig |
Gleich zu Beginn meiner heutigen Wanderung stand eine große Herausforderung an: die Querung des Flusses Río Ñuble. Ich versuchte es zuerst ohne Rucksack. Das Wasser ging mir bis über die Hüften, die Strömung war stark und ich schaffte es nicht auf die andere Seite. Also ging ich noch einige Kilometer flussaufwärts und fand tatsächlich eine Stelle, an der ich den Fluss problemlos überqueren konnte. Meine neuen Schuhe haben die Flussquerung gut überstanden, sehen mittlerweile aber alles andere als neu aus.
Mein heutiges Highlight waren zwei Spechte mit knallrotem Kopf, die über mir an einem Baum herum hämmerten.
Der Zeltplatz war so mittelmäßig. Extrem staubig, dafür aber Wasser in der Nähe, sodass ich noch baden konnte, was dringend nötig war bei dem ganzen Dreck.
Lustigerweise sagten mir heute Morgen mehrere Leute, ich solle mich unbedingt bei allen Polizeiposten registrieren - das mache man hier aus Sicherheitsgründen so. Ich hätte das ehrlich gesagt auch gemacht, aber durch die vielen tollen Mitfahrgelegenheiten hatte ich es komplett vergessen.
Der Vormittag war extrem heiß und geprägt von sehr steilen Anstiegen, dafür aber immer mit fantastischem Blick auf den Vulkan Chillán. Meine Mittagspause machte ich an einer heißen Quelle, genauer gesagt in einem Tal mit heißen Flüssen. Rundherum waren noch einige kleine Schneefelder vorhanden - ein toller Kontrast. Hier oben war es nicht mehr so heiß, dazu kam Wind, also perfekt für ein ausgiebiges heißes Bad. Es war herrlich!
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| Den heißen Fluss am Genießen |
Der restliche Weg war wieder unglaublich staubig. Ich glaube, ich habe inzwischen eine richtige Staublunge, denn bei jedem Schritt wird der Staub aufgewirbelt und manchmal fährt auch der Wind hinein. Später ging es wieder in tiefere Lagen, es wurde stark neblig und teilweise nieselte es sogar. Es stand erneut eine Flussüberquerung an. Sie war zwar einfach, aber das Wasser ging mir bis zur Hüfte.
Eine Kuh mit zwei Kälbern war gar nicht begeistert, dass ich an ihr vorbeiging, und wollte mich tatsächlich attackieren. Mein Kampfschrei hat sie dann aber doch aufgehalten. Ich traf einen netten Arriero und campte neben einem Fluss. Der Zeltplatz war nicht besonders genial: nicht ganz flach und extrem staubig.
Mein heutiges Ziel waren die heißen Quellen Termas Los Peucos. Dort soll es eigentlich einen Campingplatz geben und mit etwas Glück auch ein Kiosk, wo man Snacks kaufen kann. Da die Termas Los Peucos aber sehr abgelegen sind und die meisten Leute mit Pferden kommen, ist dort oft wenig bis nichts los.
Ich hatte nur einen halben Wandertag geplant und kam schon mittags an meinem Ziel an. Der Plan war es, den Rest des Tages zu entspannen und erst am nächsten Tag weiterzuziehen. Als ich mich den Quellen näherte, hörte ich bereits Pferdegewieher und viele Stimmen. Vor Ort waren zwei Cowboy-Gruppen, die hier übernachtet hatten. Sie ziehen mit ihren Pferden für mehrere Tage durch die Berge. Die Männer erklärten mir, dass das Camp schon seit längerer Zeit verlassen ist, weil es Probleme mit der Administration gibt. Also leider auch kein Kiosk. Der Vorteil: Ich musste nichts bezahlen.
Ich wartete, bis die Cowboys weg waren, bevor ich mich in die heißen Pools wagte. Die Männer schienen nämlich nur darauf zu warten, mich dabei beobachten zu können - diese Freude gönnte ich ihnen aber nicht. Einer der Cowboys gab mir noch eine kleine Blitz-Reitstunde und hievte mich auf sein Pferd. Es war ein ziemlich ungestümer Gaul.
Sie wollten noch unbedingt ein paar Fotos mit mir machen bevor sie aufbrachen. Als sie dann weg waren hatte ich diesen wunderschönen Ort ganz für mich allein.
Es gab sogar Toiletten mit funktionierender Spülung - purer Luxus. Ich genoss einen gemütlichen Nachmittag, badete in den heißen Quellen, wusch meine Wäsche und entspannte.
Am Abend verpasste mir eine Schlange, die direkt vor meinen Füßen ins Gebüsch flitzte, einen kleinen Adrenalinkick. Kurz darauf spazierte noch ein ziemlich großer Fuchs am Camp vorbei, vermutlich auf der Suche nach den Essensresten der Cowboys.
Der Morgen war eisig kalt und mein Zelt komplett voller Kondenswasser. Dafür wurde der Tag umso heißer, scheinbar über 38 Grad. Es gab wieder einmal viele Flussquerungen - alle recht einfach, und einen sehr steilen Anstieg. Später ging es durch einen Wald, in dem massenweise umgefallene Bäume lagen. Der Weg wurde dadurch zu einer mühsamen Kletterei.
Das Schlimmste an diesem Tag waren aber die Rossbremsen. Ab Mittag hatte ich konstant einen ganzen Schwarm um mich herum. Trotz langer Kleidung wurde ich mehrmals gestochen. Egal wie viele man von den Biestern erschlägt - eine Sekunde später sind wieder genauso viele da. Erst mit dem Sonnenuntergang verschwinden diese Untiere.
Die Zeltplatzsuche war schwierig. Es war zwar halbwegs flach, aber überall lag Kuh- und Schafmist, was geruchstechnisch ziemlich unangenehm war. Am Ende stellte ich mein Zelt unter einem Baum auf, der gefühlt jeden Moment hätte umfallen können. Auch der Bach neben meinem Camp war voller Exkremente. Ich konnte nur voll und ganz auf meinen Wasserfilter vertrauen.
Schon kurz nach dem Start meiner heutigen Wanderung hatte ich einen großartigen Blick auf die riesige Laguna de Laja. Meinen Schwimmspot hatte ich aber bei der kleineren Laguna El Roble geplant. Dort kam ich bereits um 11:30 Uhr an und machte eine kleine Mittagspause.
Danach stand mir ein irrsinnig steiler Anstieg auf einen Bergpass bevor. Beim Aufstieg traf ich zwei nette Arrieros, die wie immer sehr erstaunt waren, eine Frau allein in den Bergen zu sehen. Wir plauderten ein wenig.
Kurz bevor ich den Pass erreichte und ich eine längere Gratwanderung vor mir hatte, sah ich dunkle Gewitterwolken hinter mir aufziehen. Die Wettervorhersage hatte eigentlich kein Gewitter angekündigt. Wer mich kennt, weiß, dass ich von Gewittern in den Bergen ziemlich traumatisiert bin. Wieder retour und absteigen fand ich keine gute Idee, da das Gewitter ja aus der Richtung kam. Ich versuchte also so schnell wie möglich voranzukommen. Mitten auf dem Grat wurde es ernst. Die dunklen Wolken waren fast über mir. Es blitzte und donnerte bereits. Ich wurde ein bisschen panisch, denn es gab absolut keine Möglichkeit, einen Unterstand zu finden. Ich begann zu rennen, obwohl noch mehrere Kilometer Grat vor mir lagen. Ich schickte mehrere Stoßgebete in den Himmel. Schließlich kamen etwas höhere Büsche, in die ich mich hineinkauerte, um wenigstens etwas Schutz zu haben.
Es donnerte unheimlich laut genau über mir und ich sah einen Blitz weiter vorne am Bergkamm. So hockte ich dort ganze zwei Stunden im Gebüsch. Innerlich war ich schon darauf eingestellt, die Nacht hier zu verbringen Irgendwann beruhigte sich das Gewitter zum Glück etwas und ich beschloss weiterzugehen.
Kurz darauf traf ich einen Arriero namens Juan Carlos, der mit zwei Pferden und einem Hund den Berg heraufkam. Er beruhigte mich bezüglich des Gewitters und meinte es sei vorbei. Dann fragte er, ob er ein Foto von mir machen dürfe, was ich bejahte. Daraufhin machte er unzählige Fotos von mir und filmte mich sogar. Ich machte im Gegenzug natürlich auch ein Foto von ihm. Als nächstes fragte er mich nach meinem Namen und schickte kurz darauf jemandem eine Sprachnachricht, in der er erzählte, wie ich heiße. Das war schon alles etwas skurril, aber ich hatte das Gefühl, dass er eigentlich ein guter Kerl war. Er ritt noch eine ziemliche Weile neben mir her. Irgendwann verabschiedete er sich und zog weiter. Ich glaube, er ist einfach noch nie zuvor einer Frau begegnet, die allein in den Bergen unterwegs ist.
Ich fand schließlich einen schönen Zeltplatz auf einer Bergwiese.
Es folgte ein langer Abstieg. Unten im Tal traf ich tatsächlich Juan Carlos vor seinem Puesto wieder. Er winkte mich zu sich heran und wir plauderten noch ein bisschen. Der Cowboy erzählte mir unter anderem, dass er quasi der Ministerpräsident der Arrieros hier in der Gegend sei.
Danach kam ich in ein Gebiet, das man eigentlich nicht durchqueren darf: ein großes, wegen Wasserkraftanlagen gesperrtes Areal. Da ich von oben aus den Bergen kam, konnte ich problemlos hinein. Es folgten rund 17 Kilometer Schotterstraße, später dann Asphalt. Die Mitarbeiter der Wasserkraftanlage dürfen offenbar keine Wanderer mitnehmen, denn niemand hielt an - was in Chile eigentlich sehr untypisch ist.
Beim Verlassen dieses Industriegebiets war der Mann am Eingangstor ziemlich erstaunt, mich dort zu sehen. Er erklärte mir, dass der Zugang normalerweise nicht erlaubt sei. Aber nun war es ja sowieso zu spät. Er war aber schlussendlich sehr nett.
Als ich schließlich an einer Hauptstraße ankam, ging es per Anhalter ins nächste Dorf: Antuco. Ich hatte Glück: Schon das zweite Auto hielt an. Es war eine supernette venezolanische Familie. Wir tauschten auch gleich unsere Nummern aus, da sie mich gerne Mal zu sich nach Hause in Santiago einladen möchten. In Chile passiert es mir übrigens oft, dass Autos erst vorbeifahren und dann, wenn sie schon weit weg sind, plötzlich im Ruckwärtsgang zurückkommen, um mich mitzunehmen. Ich glaube, sie brauchen einfach etwas länger, um sich zu entscheiden. Die Familie ließ es sich nicht nehmen, mich direkt bis zu meiner Unterkunft zu fahren.
Nun stehen wieder zwei Erholungstage an, die ich jedes Mal sehr genieße - vor allem wegen des Essens. Ich hatte außerdem riesiges Glück mit meiner Unterkunft "Cabañas Puelche". Eigentlich wollte ich mir ein Einzelzimmer mit Gemeinschaftsbad buchen. Als ich ankam, war das aber nicht mehr frei. Stattdessen bekam ich zum selben Preis von 20.000 CLP (18 € ) eine komplette Cabaña (Hütte) nur für mich allein - mit Küche und eigenem Bad - eigentlich für fünf Personen gedacht. Es gibt sogar einen Pool. Luxus pur!
Die Zeit in den Bergen liebe ich wirklich sehr. Ich schlafe im Zelt meistens unglaublich gut, und liebe es mit der Morgendämmerung und den Geräuschen der Natur zu erwachen. Tagsüber genieße ich die Natur, die kalten Bäche und die täglichen Abenteuer. Nicht zu vergessen all die herzlichen Begegnungen. Mindestens genauso sehr schätze ich aber auch die Erholungstage in den Dörfern: einkaufen zu können, richtig gut zu essen, zu duschen und all diese kleinen Luxusmomente. Genau diese Abwechslung macht diese Reise so besonders.
GPT08 - Technische Daten:
• Distanz: 126 km
• Höhenmeter: 5.052 m
• Dauer: 5,5 Tage
Insgesamt am Greater Patagonian Trail:
• Distanz: 656 km
• Höhenmeter: 28.360 m
• Dauer: 33 Tage
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| Laguna del Maule |
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| Laguna Dial |
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| Traumhafte Abendstimmung |
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| Vor einem Puesto |
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| Die Erholungstage werden immer in vollen Zügen genossen |
Die Sektion 6 des Greater Patagonian Trails gilt für viele als einer der spektakulärsten Abschnitte der gesamten Route - und ich kann mittlerweile absolut nachvollziehen, warum. Ich bin diesen Teil wieder gemeinsam mit dem deutschen Paar Kathrin und Matthias gewandert.
Ganz unkompliziert war das Ganze allerdings nicht. Es war ein ziemlicher bürokratischer Aufwand nötig. Wir brauchten zwei verschiedene Genehmigungen: eine für das Naturreservat Altos de Lircay und eine weitere, weil wir das Privatgrundstück von Don Victor durchquerten. Ich hatte riesiges Glück, denn Matthias kümmerte sich bereits im Vorhinein um all das.
Ein Teil der Sektion verläuft entlang des bekannten Condor Circuits. Da das Thema Permits in letzter Zeit immer komplizierter geworden ist, sahen wir eigentlich nur beim Eingang des Reservats ein paar Tageswanderer. In den darauffolgenden Tagen waren wir mitten in dieser beeindruckenden, fast unwirklichen Landschaft komplett allein unterwegs.
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| Im Hintergrund der Vulkan Descabezado Grande |
Am Freitagmorgen fuhren wir um 7:10 Uhr mit dem Bus von Talca nach Vilches Alto. Die Fahrt dauerte fast zwei Stunden und kostete 3.000 CLP (= 2,80 €). Gleich zu Beginn unserer Wanderung, beim Eingang des Naturreservats "Reserva Nacional Altos de Lircay", wurden wir von der CONAF kontrolliert. Die CONAF ist die staatliche Naturschutz- und Forstbehörde Chiles. Matthias hatte die notwendige Genehmigung für das Reservat für uns drei bereits online beantragt, Kostenpunkt 8.900 CLP. Die Mitarbeiter wollten genau wissen, welche Route wir gehen würden, welches Equipment wir dabei haben und wiesen uns an, sie anzurufen, sobald wir eine Woche später unser Ziel erreichen würden. Andernfalls würde wohl eine Suchaktion gestartet werden. Zusätzlich kontrollierten sie das Permit von Tamara für das Grundstück von Don Victor, das wir durchqueren mussten - Kostenpunkt: 25.000 CLP pro Person. Tamara hatte die CONAF offenbar schon informiert, dass wir kommen würden. Unser Gepäck wurde nicht weiter kontrolliert, vermutlich weil sie gleich sahen, dass wir sehr gut ausgerüstet waren - unsere riesigen Satellitentelefone waren bestimmt nicht zu übersehen. Die CONAF war sehr freundlich und transportierte sogar unsere Rucksäcke noch ein Stück über die unasphaltierte Straße. So konnten wir die ersten Kilometer ohne Gepäck laufen. Später folgte noch eine weitere Kontrolle, bei der wir unsere Reisepässe zeigen mussten und erneut nach unserer Route gefragt wurden.
Die Landschaft änderte sich ständig: am Anfang Wald, dann Wiesen mit grasenden Pferden und Kühen und später Ausblicke auf leicht schneebedeckte Berge und Vulkane mit weißem Sand. Der Boden wurde irgendwann extrem staubig. Gamaschen und Sonnenbrille (aufgrund des hellen Sands, der fast wie Schnee blendete) waren hier eindeutig von Vorteil. Nach 27 Kilometern und über 1.400 Höhenmetern fanden wir einen schönen Zeltplatz unter großen Bäumen an einem Fluss.
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| Die zwei Navigations-Profis (bzw ist eigentlich nur Matthias der wahre Profi |
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| Glücklich, den Pass erreicht zu haben |
Eigentlich wollten wir heute sehr früh starten, denn ab Mittag sollte Regen kommen. Tagwache war um 6 Uhr geplant. Leider hatte Kathrin eine sehr schlechte Nacht mit starken Magenproblemen und musste sich mehrmals übergeben. Deshalb ging es etwas später los.
Die Landschaft war wieder extrem eindrucksvoll. Der weiße Vulkansand war so hell wie Schnee und aus der Ferne kaum von Schneefeldern zu unterscheiden.
Die heutige Strecke war mit knapp 10 Kilometern zwar kurz, hatte aber rund 800 Höhenmeter. Als wir gegen Mittag am Bergsee Laguna de las Ánimas ankamen, zog es langsam zu. Trotzdem schafften wir es noch, bei den letzten Sonnenstrahlen eine Runde zu schwimmen. Später kreiste direkt über uns ein Kondor - ein unglaublich beeindruckender Moment. Der Andenkondor ist tatsächlich einer der größten flugfähigen Vögel der Welt. Er hat eine Flügelspannweite von über drei Metern und gilt in der Andenkultur als heiliger Vogel.
Gegen 14 Uhr wurde es sehr windig, bewölkt und ungemütlich. Ich verbrachte den Rest des Tages im Zelt mit Lesen, Kochen und Dösen. Die Windböen rüttelten immer wieder am Zelt, und der feine vulkanische Staub fand sogar durch das Mesh seinen Weg ins Innere.
Mittlerweile habe ich auch mein absolutes Trekking-Lieblingsessen gefunden: Couscous mit Tomatensuppe, veganem Sojaprotein (ähnlich wie Hackfleisch) und am Schluss noch etwas Parmesan darüber. Davon ernähre ich mich aktuell so ziemlich jeden zweiten Abend.
Dieser Tag war ziemlich gemütlich. Wir wanderten nur bis kurz hinter die Termas de Azufre, da wir nicht wussten, ob wir danach noch einen geeigneten Zeltplatz finden würden. Die vulkanischen Landschaften brachten uns weiterhin zum Staunen. Wir sahen Dampf zwischen den Felsen aufsteigen und es roch stark nach faulen Eiern (in dem Fall: Schwefel).
Ein Baden in den heißen Quellen der Termas de Azufre war leider nicht möglich, da zu wenig Wasser und alles voller Algen war.
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| Schwefelhaltige Dämpfe kommen zwischen den Felsen hervor. |
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| Mein Outfit lässt vermuten, dass es hier sehr kalt ist. Es dient jedoch vorwiegend dem Sonnenschutz, denn tagsüber sind die Temperaturen ziemlich warm und die Sonne unglaublich intensiv. |
Etwa zwei Kilometer weiter fanden wir einen sehr schönen Zeltplatz. Da wir schon gegen 14 Uhr an ja ankamen, hatten wir noch genug Zeit zum Baden, Wäschewaschen und Entspannen.
Auch dieser Tag bot wieder absolut atemberaubende Landschaften. Der weiße Vulkansand war bergab super – man konnte so richtig hinunter sliden. Bergauf war er dagegen ein bisschen mühsam. Zwischendurch querten wir einige kleine Schneefelder.
Nun kamen wir auf das Grundstück von Don Victor, wofür wir die Genehmigung von seiner Tochter Tamara beantragen mussten. Sie gab uns sogar noch Hinweise dazu, wie man sich Don Victor gegenüber verhalten sollte. Er gilt nämlich als sehr streng und schickt Wanderer ohne Genehmigung normalerweise sofort zurück. Wir waren bereits super gespannt, ihn zu treffen. Doch leider war seine Hütte versperrt, er schien nicht da zu sein. Wir haben uns bereits ausgemalt, dass er dort oben in einem richtigen Palast leben würde, doch tatsächlich ist es eine simple Hütte mit Blechdach. Die Landschaft drumherum war dafür eine der schönsten, die ich jemals gesehen habe.
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| Don Victors Land |
Immer wieder hatten wir einen fantastischen Blick auf den Vulkan Descabezado Grande, der stolze 3.953 Meter hoch ist. Sein letzter großer Ausbruch war 1932 und veränderte die Landschaft weiträumig und ist bis heute an Ascheschichten sichtbar.
Am Abend fanden wir erneut einen schönen Zeltplatz direkt an einem Fluss.
Wir dachten, es würde ein kurzer Tag werden, da wir es vermutlich nicht ganz bis zu unserem Endpunkt Los Álamos schaffen würden. Doch wir täuschten uns gewaltig. Wir schafften an diesem Tag über 30 Kilometer mit vielen Höhenmetern bergauf und bergab. Unser großes Glück war der Vulkansand beim Abstieg - dort konnten wir regelrecht hinunter rutschen. Man muss anmerken, dass wir zudem alle drei Trailrunner sind.
Die letzten Kilometer führten über eine Schotterstraße, was nach den Tagen in der Wildnis etwas ungewohnt war. Gegen 19 Uhr kamen wir schließlich ziemlich erschöpft in Los Álamos an.
Dort gibt es nur sehr begrenzte Einkaufsmöglichkeiten, deshalb war klar, dass wir nach Talca mussten. Dorthin fährt allerdings nur einmal täglich ein Bus. Am 24. Dezember in der Früh fährt noch einer am 25. allerdings nicht mehr. Wir hatten also Riesenglück einen Tag früher angekommen zu sein als geplant. Nun mussten wir noch eine Unterkunft suchen. In einem Shop fanden wir schließlich eine Übernachtungsmöglichkeit - nachdem wir noch über den Preis verhandeln mussten. Der Besitzer verlangte nämlich anfangs eine ordentliche Summe für diese simple Unterkunft. Am Ende einigten wir uns auf etwa die Hälfte des Betrages. Wir waren super hungrig. Im Ort gibt es jedoch kein Restaurant und alles hat schon geschlossen wegen Weihnachten.
Der Besitzer schenkte uns liebenswürdigerweise noch Brot, Käse, Tomaten und Kekse. Das fühlte sich nach den letzten Tagen wie ein kleines Festmahl an und wir machten uns völlig ausgehungert darüber her.
Um 7:30 Uhr fuhren wir mit dem Bus nach Talca und kamen gegen 10 Uhr an. Nun trennten sich die Wege von mir und Kathrin und Matthias wieder. Ich checkte im Hostel 1760 ein - für etwas über 20 Euro bekam ich ein schönes, kleines Zimmer mit eigenem Bad, Pool, Garten und Gemeinschaftsküche.
Ich musste dann gleich noch einkaufen gehen, denn am 25. Dezember ist in Chile absoluter Ausnahmezustand. An diesem Tag hat praktisch alles geschlossen, sogar manche Hostels und Hotels haben zu und Busse fahren nicht. Es war ziemlich viel los in der Stadt, alle schon in Feierlaune. Ich konnte alle meine Besorgungen machen und fand auch noch etwas um meinen kaputten Trekkingstock, bei dem die Spitze abgebrochen ist, zu reparieren.
Talca wirkte heute wie eine tote Stadt. Nichts war los auf den Straßen, alle Läden waren geschlossen. Ich versuchte es an einer Tankstelle, aber sogar dort hatte der Minishop zu. Schlussendlich fand ich tatsächlich noch einen kleinen Fast Food Laden, der Hotdogs verkaufte.
So sehr ich diese kurzen Erholungstage in den Orten auch genieße - mit gutem Essen, einem weichen Bett und etwas Komfort - so sehr freue ich mich mittlerweile schon wieder darauf, zurück auf den Trail zu gehen.
Morgen sollte es für mich nun weitergehen, diesmal wieder alleine. Die nächste Sektion wird mit rund 150 Kilometern sehr lang, und ich rechne mit etwa einer Woche.
GPT06 - Technische Details:
• Distanz: 107 km
• Höhenmeter: 5.131 m
• Dauer: 5 Tage
Eure Michi