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Mittwoch, 11. März 2020

Holi Festival in Rishikesh


Das Holi ist eines der ältesten Feste in Indien. Es findet im ganzen Land statt, wird jedoch am ausgelassensten im Norden Indiens gefeiert. Ich hatte dieses Jahr das Glück live dabei sein zu können. Das Holi wird auch als Fest der Liebe oder als Frühlingsfest bezeichnet.

Holi in Rishikesh

Am Abend vor dem Farbenfest wird eine Art Scheiterhaufen aufgebaut und dann angezündet. Es wird die Niederlage des Bösen gefeiert. Dieses Spektakel findet immer zum Vollmond des Phalguna Monats des Hindukalenders statt. Dies bedeutet, dass das Holi Festival im Februar oder März stattfinden kann.

Das Anzünden des Scheiterhaufens konnte ich leider nicht mehr erwarten. Gemeinsam mit Dominik und der Amerikanerin Neomi standen wir bereits um 17 Uhr parat - so wie es uns die Einheimischen geraten haben. Der Scheiterhaufen war zwar schon aufgebaut, aber noch keine Menschenseele vor Ort. Wir setzten uns in ein kleines Café mit Ausblick auf die Feuerstelle. Bis 20 Uhr passierte erstmal gar nichts. Dann versammelten sich mehr und mehr Menschen - darunter vor allem junge Inder - und begannen ausgelassen zu tanzen. Was für ein Schauspiel! Nachdem aber zwei Stunden später, das der Haufen immer noch nicht brannte, beschlossen wir unsere Energie für das eigentliche Fest morgen aufzusparen und inzwischen nach Hause zu gehen.

Als ich am nächsten Morgen gegen acht Uhr das Hotel verließ, um mir ein leckeres Frückstück in der German Bakery zu gönnen, staunte ich nicht schlecht. Es war bereits - oder eventuell "noch" - einiges los auf den Straßen. Die Leute schienen in hemmungsloser Feierlaune zu sein und die Straßenkühe leuchteten bereits in bunten Farben.

Selbst die Kühe bleiben beim Holi nicht vor den Farben verschont

Da das Holi in Indien recht wild gefeiert wird, wird Frauen sogar geraten an diesem Tag nicht alleine auf die Straßen zu gehen. Zudem sollte man Kleidung tragen, die man danach notfalls weggeben kann, da die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass man sie nicht mehr sauber bekommt. All das wusste ich. Jedoch dachte ich, das Spektakel würde erst später starten und war deshalb noch nicht wirklich gewappnet für das alles.

Zu meiner großen Enttäuschung war die German Bakery geschlossen. Ja, es war so gut wie alles geschlossen und verriegelt. Und ich war so unendlich hungig. Nachdem ich eine Stunde vergebens durch die Straßen gelaufen und dabei sämtlichen Farb- und Wasserattacken auszuweichen versuchte, machte ich mich frustriert und mit knurrendem Magen auf den Weg zurück ins Hotel. Gerade da erhielt ich eine Nachricht von Neomi, dass sie ein offenes Café gefunden hätte. Gott sei Dank. Ich zog mir schnell Klamotten an, um die es nicht schade ist, wenn sie zerstört werden. Zudem  packte ich mein Handy und meine Wertsachen in eine wasserdichte Tasche. Nun war ich bereit für das, was mich da draußen erwarten würde. Kaum war ich wenige Minuten außer Haus, hatte ich bereits die ersten Farbflecken im Gesicht und in den Haaren. Freudestrahlend zogen Unmengen von Menschen durch die Straßen und begrüßten sich mit den Worten "Happy Holi!". Dabei schmieren sie sich gegenseitig Farbpulver ins Gesicht und/oder bespritzen sich mit Wasser. Es werden dabei jegliche Barrieren oder gesellschaftliche Normen - wie das strenge Kastensystem - beiseite gelegt. Es feiern also alle Klassen gemeinsam und alle Menschen sind an diesem Tag gleichgestellt.

"Happy Holi"

Nachdem wir gefrühstückt hatten, stießen noch Dominik und Julian aus Sri Lanka zu uns. Wir machten uns auf zum großen Platz, an dem das Hauptfest stattfinden sollte. Bereits zum zehn Uhr morgens war dort ein rauschendes Fest im Gange. Zur Mittagszeit erreichte es seinen Höhepunkt. Ich glaube Bilder sagen mehr als Worte:




Ich, Neomi und Dominik



Da es immer wieder Warnungen gibt, dass das Holi gefährlich sein könnte und Frauen keinesfalls alleine außer Haus gehen sollten, war ich auf das Schlimmste gefasst. Meine Befürchtungen waren aber umsonst. Es wurde zwar ausgelassen gefeiert und natürlich gab es dabei auch viel Körperkontakt beim gegenseiten Beschmieren mit Farbe. Ich fand aber, dass sich die indischen Männer wirklich höflich verhalten haben. Man sollte bloß nicht zu viele Wertsachen dabei haben und diese immer im Blick behalten. In größeren Städten wird es jedoch bestimmt wilder zugehen.  Ein weiterer Vorteil hier in Rishikesh ist, dass es keinen Alkohol gibt. Von daher sind die Leute auch nicht hemmungslos betrunken. Natürlich kann man Alkohol irgendwo am "Schwarzmarkt" auch hier bekommen, aber zumindest ist er auf den Straßen verboten.

Julian und ich


Bhang Lassie 

Ganz ohne berauschende Mittel geht es aber auch in Rishikesh nicht. Zum Holi Festival wird fast überall das "Bhang Lassie" - bzw auch "Magic Lassie" genannt - verkauft. Es handelt sich dabei um ein Getränk, das aus Milch oder Joghurt gemischt mit Honig und einer Hanfzubereitung besteht. Man sollte allerdings vorsichtig mit dem Zeugs sein, denn die Wirkung setzt erst nach 1-1,5 Stunden ein - und das manchmal recht heftig. Also auf keinen Fall alleine machen.

Bhang Lassie

Am frühen Nachmittag löste sich das Fest schon wieder auf. Wir fanden daraufhin ein gemütliches kleines Lokal, in dem wir den Tag ausklingen ließen. Auch hier wurde das Magic Lassie ausgeschenkt. Demenstrechend gechillt oder teilweise eher stoned waren viele der Gäste. Daneben wurde getrommelt und gemeinsam gesungen.

Wohl zu viel von dem Magic Lassie erwischt *lach*


Fazit: Das Holi war auf alle Fälle ein großartiges und unvergessliches Erlebnis, das ich keineswegs missen möchte.



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