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Samstag, 28. Februar 2026

The Greater Patagonian Trail - Sektion 21 und mein Abschied nach 3 Monaten Wildnis


Drei Monate bin ich nun bereits auf dem Greater Patagonian Trail (GPT) unterwegs. Drei Monate voller wilder Landschaften, einsamer Täler, improvisierter Wege und vieler unerwarteter Begegnungen. 


Eigentlich hatte ich geplant, bis zum 5. März weiterzuwandern, um noch die Sektionen 21 und 22 zu schaffen. Doch manchmal muss man Pläne etwas ändern bzw. anpassen.

Es kamen mehrere Dinge zusammen: Zum einen war ab Freitag eine Schlechtwetterperiode mit starkem Regen angekündigt. Zum anderen hätte ich den See Todos los Santos überqueren müssen - was sich als ziemlich kompliziert herausgestellt hat. Es gibt dort nämlich keine regelmäßige Fähre. Und selbst wenn sie fährt, kommt sie nicht bis ans Ufer, da das Wasser zu seicht ist. Man muss also zuerst mit einem kleinen Boot etwa einen Kilometer auf den See hinausgefahren werden, um überhaupt auf die Fähre zu kommen. Zudem muss der Kapitän im Vorhinein informiert werden. Alles nicht so einfach. Ich nahm Kontakt mit Rudy auf, einem Siedler, der am Ufer des Sees lebt, und fragte ihn, ob er mich mit seinem Motorboot zur Fähre bringen könnte - natürlich gegen Bezahlung. Die Kommunikation mit ihm war aber etwas schwierig und schleppend. Am Ende war mir das Ganze zu unsicher. Wenn die Abmachung mit Rudy nicht geklappt hätte, hätte ich zwei Tage im Starkregen zurück nach Las Gaviotas wandern müssen.


Also traf ich schweren Herzens die Entscheidung, einen Teil der Sektion 21 noch als letzte Tageswanderung zu machen und den GPT danach für diese Saison zu beenden.


Sonnenuntergang am Rupanco-See am Strand von Las Gaviotas, wo auch mein Campingplatz liegt


26. Februar 2026  - Meine letzte Wanderung am GPT

Früh am Morgen machte ich mich vom Campingplatz am Rupanco-See mit meinem Tagesrucksack auf den Weg zur Laguna Los Quetros. Unglaublich, wie leicht sich alles anfühlte. Nach Monaten mit schwerem Trekkingrucksack war es ziemlich ungewohnt, mit so leichtem Gepäck unterwegs zu sein. Mehr als einmal musste ich kurz fühlen, ob der Rucksack überhaupt noch auf meinen Schultern sitzt.



Der relativ gut ausgebaute Weg führte durch dichten Regenwald, vorbei an Bächen und moosbedeckten Bäumen. Es war eine schöne und entspannte Wanderung. Bei der Laguna machte ich meine Mittagspause.


Laguna Los Quetros 


GPT21 - Technische Daten:

• Distanz: 20 km

• Höhenmeter: 827 m


Insgesamt am Greater Patagonian Trail: 

• Distanz: 1.336 km

• Höhenmeter: 53.143 m


Ich bin also in den letzten 3 Monaten insgesamt 1.336 km und 53.143 Höhenmeter gewandert. Klingt erstmal viel, ist es auf den gesamten Zeitraum gerechnet aber nicht wirklich. Es ist sogar deutlich weniger als ich anfangs erwartet hatte. Ich habe unterschätzt, wie langsam man teilweise vorankommt, vor allem in weglosen Abschnitten oder wenn man sich kilometerlang durch dichtes Gebüsch schlagen muss. Zudem habe ich mehr Ruhetage eingelegt als ursprünglich geplant - gegen Ende oft auch zwangsweise wegen des schlechten Wetters. Aber da es sowieso nie das Ziel war, möglichst viele Kilometer zu machen, sondern den Trail und die Natur zu genießen, bin ich schlussendlich völlig zufrieden mit dem Resultat.


27. Februar 2026 - Zurück Richtung Zivilisation

Am nächsten Morgen ging es dann endgültig zurück in die Zivilisation. Eine kleine Fähre sollte um 7 Uhr am Strand vor meinem Campingplatz in Las Gaviotas anlegen.

 

Noch im Stockdunkeln stand ich auf, baute mein Zelt ab und packte meine Sachen. Die Tage sind hier inzwischen deutlich kürzer geworden, es wird erst gegen 7:30 Uhr hell.


Ich ging zum Strand und stand dort nun ganz alleine im Dunkeln. Keine Menschen, keine Lichter und weit und breit keine Fähre zu sehen. Für einen Moment dachte ich schon, dass vielleicht gar keine kommen würde. Doch dann tauchte sie plötzlich doch auf. Am Anfang war ich der einzige Passagier an Bord. Die Überfahrt dauerte etwa eine Stunde und kostete 200 chilenische Pesos, also ungefähr 20 Cent. Ich hatte allerdings nur 500 Pesos dabei. Die Bootsleute hatten kein Wechselgeld und wollten mir die Fahrt deshalb sogar schenken. Natürlich habe ich ihnen trotzdem die 500 Pesos gegeben. Chile überrascht mich immer wieder: manche Dinge sind hier unglaublich teuer und andere wiederum extrem günstig.



Nach der Überfahrt ging es für mich weiter nach Puerto Montt, wo ich mir für ein paar Tage ein kleines Mini-Apartment im Hospedaje Valencia gemietet habe. Die Unterkunft ist sehr zu empfehlen. Sie befindet sich zwar etwas außerhalb der Stadt, die Besitzerin ist aber super lieb und das kleine Apartment inklusive Frühstück kostet 27.000 CLP pro Nacht, was für Chile relativ günstig ist. 


Die Katze in meiner Unterkunft sieht mich an als käme ich von einem anderen Planeten (und genauso fühle ich mich auch)

Mein Plan ist es nun ein bisschen "Urlaub" zu machen in Chile und am Weg zurück nach Santiago noch ein paar schöne Orte besuchen.


Es fühlt sich tatsächlich sehr komisch an, wieder in der Zivilisation angekommen zu sein. Ich vermisse jetzt schon die Wildnis und die Einsamkeit in den Bergen.




Mein Resümee nach drei Monaten auf dem Greater Patagonian Trail

Der Greater Patagonian Trail war tatsächlich mein allererster Weitwanderweg überhaupt. Ich musste mich also im Vorhinein erst einmal ausgiebig mit dem Thema Equipment usw. beschäftigen. Erst letztes Jahr habe ich mir mein erstes leichtes Zelt, einen Gaskocher usw. gekauft. Und dann musste ich natürlich lernen, wie man das Zeug überhaupt benutzt. Ich habe vor dem GPT ein paar kleine Mehrtageswanderungen in der Schweiz gemacht und bin dann noch für eine Woche in die Türkei gereist, um mein Equipment am Lykischen Weg zu testen.


Und schon kurze Zeit später war ich in Chile und wanderte auf einem der einsamsten und unwegsamsten Fernwanderwege der Welt. Wenn ich heute darüber nachdenke, wirkt das selbst auf mich ein bisschen verrückt.


Während der Planung war ich mir nicht sicher, wie lange ich überhaupt unterwegs sein würde. Ich dachte mir: Wenn ich nach einer Woche merke, dass das alles nichts ist für mich oder es mir zu wild wird, dann höre ich einfach wieder auf. Doch im Endeffekt ist genau das Gegenteil passiert. Am Anfang hatte ich noch Mühe mit der Abgeschiedenheit, den oft nicht vorhandenen Wegen, dem ständigen Dreck, dem Schweiß und der Einsamkeit. Aber je länger ich unterwegs war, desto mehr begann ich genau das zu lieben.


Besonders in Erinnerung bleiben mir die vielen Begegnungen mit den Einheimischen. Ich habe oft tagelang keine Menschenseele gesehen und dann plötzlich tauchte mitten im Nirgendwo ein Arriero - das sind sozusagen die Cowboys der Anden - auf. Diese waren verständlicherweise immer sehr erstaunt hier eine Frau alleine anzutreffen. Und dann gab es noch die Begegnungen mit den Menschen in den kleinen abgelegenen Dörfern, die immer unglaublich hilfsbereit und herzlich waren. Auch andere GPT-Wanderer habe ich getroffen, allerdings nur wenige. Meistens haben wir uns vorher über die Community vernetzt und bewusst irgendwo getroffen. Direkt am Weg selbst bin ich tatsächlich nur einem einzigen anderen GPT-Wanderer zufällig begegnet.


Am Ende war der Greater Patagonian Trail eine riesige Herausforderung für mich. Eine Erfahrung, die mir gezeigt hat, dass man viel mehr schaffen kann, als man denkt. Und ich liebe ja solche Herausforderungen und werde da auch immer sehr ehrgeizig.


Ich hatte in diesen drei Monaten auch viele Höhen und Tiefen. Doch ich denke am Ende war beides notwendig, um das Ganze zu so einem unvergesslichen Abenteuer zu machen. 


Der Trail hat mir nicht nur unglaubliche Landschaften gezeigt. Er hat mir auch gezeigt, mit wie viel Leidenschaft ich draussen unterwegs bin. Und ich bin mir ziemlich sicher:

Das war nicht mein letzter Weitwanderweg. Und vielleicht komme ich auch schon sehr bald hierher zurück, um den GPT weiterzuwandern.






=> Hier findest du alle meine Fotos der 21. Sektion des GPT <=



=> Hier findest du alle meine Fotos von Puerto Montt <=







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