In dieser Sektion ging es wieder einmal an meine „Lieblingsbeschäftigung“: das Kämpfen durch dichtes Gebüsch. Mittlerweile fühle ich mich darin allerdings schon fast wie ein kleiner Profi und ließ mich davon im Vorhinein nicht abschrecken. Stellenweise wurde es dann aber doch ziemlich wild, aber zum Glück war der richtig schlimme Teil relativ kurz.
Dafür war die Besteigung des Vulkans Antillanca umso schöner und belohnte mich mit traumhaften Aussichten. Und bis auf eine Einlegesohle, die am Gipfel kurzerhand von einer Windböe davongetragen wurde, war diese Sektion am Ende ein voller Erfolg.
Montag, 23. Februar 2026
Ich startete am Montagmorgen vom Campingplatz in Anticura. Zuerst musste ich den Nationalparkeingang des Puyehue-Nationalparks passieren. Die CONAF-Parkranger baten mich, meine Kontaktdaten und meine Route in ein Formular einzutragen. Bezahlen musste ich nichts.
Lustige Randbemerkung: Etwa zehn Tage später erhielt ich eine WhatsApp-Nachricht von einem der Parkranger, der mich fragte, ob ich gut an meinem Ziel angekommen sei und ob ich ihm noch ein paar Fotos von der Wanderung schicken könnte.
Ich startete also in den dichten Regenwald. Die ersten Kilometer war der Weg noch gut instand gehalten, doch mit der Zeit wurde er immer verwachsener und schließlich auch von umgefallenen Bäumen blockiert. Genau in diesem Abschnitt begann es dann zu regnen. Gebüsch und Regen in Kombination sind eindeutig nicht meine Leidenschaft. Es dauerte nicht lange, und ich war klatschnass.
Als ich den Regenwald hinter mir ließ und die Baumgrenze überschritten hatte, hörte zu meiner Erleichterung auch der Regen auf. Das Wetter wechselte zwischen Sonne und Wolken.
Irgendwann kam ich zu zwei kleinen Bergseen namens Pampa Frutilla (auf Deutsch: Erdbeer-Pampa). Sie machten ihrem Namen alle Ehre, denn rundherum wuchsen massenweise reife Erdbeeren. Ich kam schon gegen 16 Uhr am See an und beschloss die Nacht hier zu verbringen. Trotz der ziemlich kühlen Temperaturen wagte ich mich noch kurz ins Wasser - eine Wohltat! Den Rest des Nachmittags verbrachte ich damit, mir den Bauch mit Erdbeeren vollzuschlagen.
Dienstag, 24. Februar 2026
Mein Zelt war heute Morgen eine richtige Tropfsteinhöhle. Da es nachts recht kalt war, ist das Ganze sogar noch gefroren. Also wartete ich erst einmal, bis die Sonne herauskam und mein Zelt trocknete.
Ich entschied mich für die Route mit der Besteigung des Vulkans Antillanca. Der Aufstieg war weglos und führte über steilen Vulkansand bergauf. Das bedeutete praktisch: ein Schritt nach vorne und zwei wieder zurück. Mit dem schweren Rucksack war das ziemlich anstrengend, aber die traumhafte Aussicht am Gipfel war jede Mühe wert.
Während ich meine Mittagspause am Gipfel machte und meine Schuhe zum Trocknen ausgezogen hatte, kam eine Windböe und wehte mir tatsächlich eine meiner Einlegesohlen davon. Und damit war sie auch futsch. Am Ende war ich froh, dass nichts Wichtigeres weggeflogen ist.
Der Abstieg war dann eine echte Freude: hinuntersliden im Sand. Das ging dann deutlich schneller voran.
Als ich in tieferen Lagen wieder in den Wald kam, ging die Sache mit dem Gebüsch wieder los. Irgendwann hat es hier scheinbar mal einen Trail gegeben, der inzwischen völlig von dornigen Pflanzen überwuchert ist.
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| Mitten im Gebüsch standen tatsächlich eine Kuh mit zwei Kälbern - keine Ahnung wie die dort hingekommen sind |
Es wurde heute ziemlich spät, denn ich musste unbedingt noch an eine Wasserquelle kommen. Seit dem Erdbeersee gab es nämlich kein Wasser mehr.
Als ich irgendwann am Abend endlich an einem Fluss ankam, musste ich allerdings wieder ein Stück zurückgehen. Mitten in diesem dichten Dschungel war es nämlich unmöglich, einen halbwegs brauchbaren Zeltplatz zu finden.
Mittwoch, 25. Februar 2026
Heute wartete der härteste Teil der Etappe auf mich: stundenlanges, intensives Kämpfen durch dichtes Gebüsch. Aber ich war immerhin mental schon darauf vorbereitet. Ich beschloss diesmal Regenjacke, Regenhose und Gamaschen anzuziehen - eine kluge Entscheidung, wie sich herausstellte. So war ich wenigstens vor den Dornen geschützt. Gestern sah meine Haut nämlich trotz langer Kleidung ziemlich wild aus, denn diese Dornen verursachen eine Art allergischen Hautausschlag. Außerdem habe ich mir jede Menge blutige Kratzer eingefangen.
Zwar verwandelte sich mein Outfit schon bald in eine mobile Sauna und ich schwitzte wie verrückt, aber das war eindeutig das kleinere Übel.
Anfangs ließ sich unter dem Gestrüpp noch so etwas wie ein verwachsener Pfad erahnen. Doch irgendwann wurde es ein richtiges Massaker: massenweise umgefallene Bäume lagen durch einen Windwurf übereinander. Das Ganze erinnerte mich ein bisschen an Mikado. Weder oben drüber noch unten durch schien wirklich realistisch. Fast eine Stunde kämpfte ich mich voran, nur um am Ende festzustellen, dass ich mich im Kreis gedreht hatte. Das GPS kam unter den hohen Bäumen auch nur schlecht durch. Es war wirklich zum Verzweifeln.
Der richtig schlimme Abschnitt war vermutlich nur knapp einen Kilometer lang, aber ich brauchte fast zwei Stunden dafür. Danach bin ich auch noch mehrere Male von der Route abgekommen, konnte aber immer wieder zurückfinden.
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| Massenweise reife Brombeeren - was für eine Belohnung nach dem Buschkampf! |
Umso erleichterter war ich, als ich schließlich in Las Gaviotas am Rupanco-See ankam. Am Ufer gibt es zwei kleine Campingplätze und ein Mini-Kiosk, dazu ein paar wenige Häuser von Siedlern, die hier wohnen. Die Campingplätze bieten jeweils nur fünf bis zehn Stellflächen, entsprechend ruhig ist es hier. Der günstigere war leider schon voll. Der andere verlangte satte 17.500 CLP, dafür waren allerdings nur zwei Familien da. Ich beschloss zu bleiben.
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| Lago Rupanco |















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