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Montag, 8. März 2021

Eine alte Fischfabrik und die Hippie-Höhlen auf La Gomera

By On März 08, 2021

 

Valle Gran Rey, La Gomera

Die letzten Tage verliefen wieder überaus abenteuerlich. Am Freitag machte ich mich gemeinsam mit Sdravko auf zu einem weiteren Insel-Erkundungsabenteuer mit Schlafsack und Isomatte im Gepäck. Die Sachen, die wir nicht brauchten durften wir abermals bei unserer Gastgeberin Flor in Valle Gran Rey lassen. 


Der Strand Playa la Cantera und die alte Fischfabrik

Standartmäßig machten wir uns per Anhalter auf den Weg. Das heutige Tagesziel sollte der abgelegene Strand La Calera sein. Dort befindet sich scheinbar eine alte (Thun-) Fischfabrik. Ich bin ja ein totaler Fan von solchen "Lost Places" und Ruinen. Finde es immer wieder super spannend so etwas zu erkundschaften. 

Wir mussten erstmals in den Ort Alajeró kommen. Von dort aus sollte es dann zu Fuß weiter gehen. Heute hatten wir ein riesiges Glück. Ein junger Franzose nahm uns mit seinem Campervan gleich direkt bis nach Alajeró mit. Gut gelaunt, dass alles so reibungslos gelaufen ist, suchten wir den einzigen Supermarkt im Ort auf. Nun kam aber leider die Ernüchterung: Er hatte gerade Mittagspause (Siesta) bis 16:30 Uhr. Jetzt war es aber erst 13:50 Uhr. Da wir weder zu essen noch zu trinken dabei hatten, blieb uns nichts anderes übrig, als zu warten. Um kurz vor 17 Uhr starteten wir dann endlich unsere Wanderung. Die ersten Kilometer ging es eine asphaltierte Straße entlang bis in das Dörfchen Quise. Hier beginnt dann der Wanderweg zum Strand, welcher in einem recht gutem Zustand ist und imposante Ausblicke bietet. 


Um kurz vor 19 Uhr kamen wir am Playa la Cantera an. Ich wollte natürlich sofort die Ruinen der verfallenen Fischfabrik erkunden. Sie ist scheinbar bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstanden. Die Arbeiter mussten denselben Wanderweg wie wir benutzen, um zur Fabrik zu gelangen. Jahrzehntelang produzierte diese einen Großteil des von La Gomera exportieren Thunfisches. 1974 wurde der Betrieb eingestellt. Die Überreste der Werksgebäude sowie die verrosteten Werkzeuge und Dampfmaschinen stehen aber nach wie vor als historische Zeitzeugen am Strand. 


Die Straße nach Quise

Einige Teile der alten Fabrik sind eingezäunt und mit "Nicht Betreten" Schildern versehen. Ich habe gehört, dass ein paar Aussteiger hier leben sollten. Sie haben es sich ganz nett hergerichtet in den Ruinen. Heute schienen wir aber die einzigen Menschen an diesem Strand zu sein. Wir suchten uns einen windgschützten Platz in der verfallenen Fabrik und schlugen dort unser Nachtlager auf. 

Erster Blick hinunter auf den Strand Playa la Cantera und die alte Fischfabrik


Verrostete Fischdosen

Eine tote Möwe


Playa la Cantera

Weiter zu den Höhlen-Hippies am Strand Playa de Chinguarime 

Am nächsten Tag starteten wir früh, um der ärgsten Mittagshitze zu entkommen. Immerhin mussten wir über 800 Höhenmeter zurücklegen, um wieder nach Alajeró zu kommen. Von dort aus ging es per Autostopp nach Santiago. Das Glück stand auf unserer Seite und ein nettes, recht nobel aussehendes französisches Pärchen nahm uns ihn ihrem Cabrio mit. 

In Santiago deckten wir uns erstmals mit Wasser und Lebensmitteln ein. Dann starteten wir den Weg zum Strand Playa de Chinguarime. Man kommt da nur zu Fuß hin. Sdravko nahm eine kleine Abkürzung während ich mich für die längere Route entschied. Als ich dann etwa eine Stunde nach ihm am Strand ankam, saß der Gute bereits mit den Hippies in einer ihrer Höhlen. Die Pointe dabei: Er hat mich zuvor gewarnt den Hippies zu nahe zu kommen, da sie alle Flöhe hätten *lach*. Sogar kleine Kinder leben hier, die barfüßig und mit zersausten Haaren am Strand herumdüsen. Die meisten der Einwohner dieses Hippie-Höhlendorfes tragen Dreadlocks oder zumindest längere Haare. Sie laufen mit Schlabberhosen, eingehüllt in Tücher oder nackt herum. An einer Felswand steht in großen Buchstaben: "Toilets: Shit in the water or dig it" - zu Deutsch: "Toiletten: Kack ins Wasser oder vergrab es". 

"Toilets: Shit in the water or dig it."

Eine weitere Regel lautet: "No soap please" = "Keine Seife bitte". Strom gibt es keinen. Schaulustige Touristen mögen sie nicht besonders gerne, deshalb erklärte Sdravko ihnen auch, dass wir eventuell länger hier bei ihnen bleiben möchten. 

Wir erkundeten den Kiesstrand und sahen uns ihre zum Teil recht gemülichen Höhlen an. Es herrscht eine ganz entspannte Atmosphäre und die Aussteiger und Hippies grüßen uns freundlich. Sie sitzen zusammen, sind am musizieren oder vegetieren unauffällig vor sich hin. Am Ende des Strandes gibt es natürliche, kleine Pools in den Felsen, wo wir dann auch ein bisschen planschten. Natürlich gingen wir vorher sicher, dass dort keine menschlichen Exkremente herumtreiben *lach*. 


Die Hippie-Höhlen am Playa de Chinguarime 



Später fanden wir eine leerstehende Höhle, die wir für unser Nachtlager auswählten. Sie ist zwar gefährlich nahe am Meer gelegen, aber Uwe - einer der Aussteiger - meinte, dass sie nur bei Sturm überschwemmt werden würde. Wir gingen das Risiko also ein. Am Abend hörten wir Musik aus den verschiedenen Höhlen und genossen das Rauschen des Meeres. 


Unsere Höhle

Ich habe erstaunlich gut geschlafen. Beim Blick aufs Meer hinaus, konnte ich einen langhaarigen Mann sehen, der gerade sein Geschäft ins Meer verrichtete *lach*. Aber zum Glück wurde das Ganze bereits mit der nächsten Welle fortgeschwemmt. 

Leider mussten wir aufgrund eines kleinen unverhergesehenen Geschehnisses heute schon wieder zurück nach Valle Gran Rey. Wir schenkten den Hippies noch ein paar Liter Trinkwasser, welches wir dabei hatten. Sie freuten sich riesig darüber. Auf alle Fälle war dieser Aufenthalt hier ein Einblick in eine ganze neue Welt für mich. Irgendwie könnte ich es mir tatsächlich vorstellen, mal einige Monate in so einem Hippie-Dörfchen eine kleine Auszeit einzulegen...

Zurück in Santiago versuchten wir per Anhalter voranzukommen. Insgesamt standen wir über drei Stunden an der Straße und bloß ein Auto hielt. Es konnte uns aber nur wenige Kilometer weiter bringen. Tja, Autostoppen ist hald immer ein Glücksspiel. Zum Glück kam irgendwann ein Guagua (= Bus) an, der uns zurück nach Valle Gran Rey brachte. Hier bezogen wir wieder unser Standart-Appartment bei Flor


Unterwegs per Anhalter

Die Zeit rennt nun. Bis 11.3. plane ich auf La Gomera zu bleiben. Dann noch für ein paar Tage Teneriffa und von dort aus wieder nach Hause. 



Hasta Luego!


Eure Michi :)





=> Hier findest du alle meine Fotos und Videos von La Gomera :) <=




Donnerstag, 4. März 2021

Valle Gran Rey: Unterwegs per Anhalter und in chaotischen Hostels

By On März 04, 2021

 

Nun sind schon wieder einige Tage vergangen seit meinem letzten Upadate. Die letzten Tage hat mein Kopf geraucht. Ich sollte mir nämlich schön langsam einen Rückflug nach Hause buchen, da ich im April wieder arbeiten muss. Vorher möchte ich aber gerne noch meine Familie in Österreich sehen. Nun habe ich mich mit sämtlichen Einreisebestimmungen und Quarantäne-Regeln für Deutschland, Österreich und die Schweiz herumschlagen müssen. Gar nicht so einfach, sag ich euch. Heute wurde nun aber endgültig ein Rückflug für den 16.3. gebucht. Hoffe, dass das nun alles  klappt wie geplant. 


Ansonsten bin ich nach wie vor im Valle Gran Rey auf La Gomera. Habe die letzten Tage ein paar schöne Wanderungen gemacht. Unter anderem auf den Aussichtsberg Risco de la Mérica



Ausblick von Risco de la Mérica hinunter nach Valle Gran Rey


Das liebevoll-chaotische Hostel

Am Samstag traf ich mich mit Josh, einem Schotten, den ich damals in einem Hostel auf Gran Canaria kennengelernt habe. Er kam nun nach La Gomera für ein verlängertes Wochenende. Wir beschlossen also uns am Abend auf einen Drink zu treffen. Irgendwann im Laufe des Abends erhielt ich tatsächlich eine WhatsApp Nachricht von Nathalie, der Besitzerin meines derzeitigen Hostels. Sie meinte, dass sie mein Zimmer unabsichtlich überbucht hätte und ich deshalb heute eine Nacht im Schulzimmer verbringen sollte. Zur Erklärung: Im Erdgeschoss des Hostels befindet sich eine Spanisch-Schule. Zudem habe ich ursprünglich nur eine Nacht bei Natahlie gebucht, dann aber gefragt, ob ich vielleicht ein paar Tage länger bleiben könnte. Nathalie meinte, das sei überhaupt kein Problem. Nun war aber scheinbar doch der Wurm drin. Wer  meinen letzten Blogbeitrag gelesen hat, kann sich vielleicht erinnern, dass sie bereits meine erste Buchung "übersehen" hatte und mich deshalb wo anders unterbringen musste *lach*. Aber man kann der Frau einfach nicht böse sein, da sie eine unheimlich liebe Art hat. Auf alle Fälle meinte sie nun, dass ich doch bitte demnächst zurückkommen sollte, um mein Zimmer zu räumen. Ich muss zugeben, dass ich nicht besonders erfreut von dieser Nachricht war, deshalb habe ich mich auch nicht sonderlich beeilt. Als ich dann zwei Stunden später im Hostel ankam, herrschte Riesenchaos. Neue Gäste standen mit Sack und Pack vor meinem Zimmer und warteten ungeduldig. Der Putzmann Domingo saß ganz verzeiweifelt auf der Dachterrasse und  wartete ebenso bis ich endlich zurückkam. Ich packte meine sieben Sachen so schnell es ging. Domingo zeigte mir die Unterkunft für die Nacht: Ein kleines Klassenzimmer in der Schule. Es wurde lediglich ein Bettgestell mit zwei Matratzen übereinander reingestellt. Bei dem Anblick musste ich tatsächlich etwas schmunzeln:


Mein Bett für diese Nacht im Klassenzimmer der Spanisch-Schule ;) Wenigstens musste ich hier nur 10€ (anstatt der 25€ für ein normales Zimmer) zahlen

Das war schönes mein Zimmer davor. Ausblick von meinem Bett aus.


Am Sonntag fuhr ich mit Josh in den Lorbeerwald. Nathalie hat zwar gemeint, ich sollte mein Zimmer wieder wechseln, immerhin findet dort morgen am Montag ja wieder Schule statt. Da ich sie nicht erreichen konnte, kümmerte ich mich erstmals nicht weiter um das Ganze. Die Überraschung erlebte ich dann, als ich gegen 22 Uhr zurück in "mein Klassenzimmer" kam: Von meinen Sachen war keine Spur mehr, dafür lag jemand anderes in dem Bett. Voller Schreck machte ich die Tür schnell wieder zu und kontaktiere Nathalie, was denn hier los sei. Sie meinte lediglich, dass sie mich wie versprochen wieder ein normales Zimmer umquartiert hatte. Ich konnte mir wieder einmal ein herzliches Lachen nicht verkneifen. So ein heilloses Durcheinander mit den Buchungen habe ich auch noch nie erlebt. Ich machte mich also auf die Suche nach meinem neuen Zimmer. An einer Türe steckte ein Schlüssel außen im Schloss. Na, ich hoffte mal, dass das nun das Richtige ist. Und siehe da, alle meine Sachen standen dort. Ich war recht glücklich, wieder ein "normales" Zimmer zu haben und hoffte inständig, dass ich dort nun auch bis zum Ende meines Aufenthaltes bleiben kann. 


Der Lorbeerwald auf La Gomera

Die uralten Lorbeerbäume


Als ich den anderen Gästen im Hostel am nächsten Tag meine Story erzählte, mussten sie schrecklich lachen. Sie meinten, dass so etwas tagtäglich hier vorkomme. Aber niemand kann Nathalie wirklich böse sein, da sie eine herzensgute - aber super chaotische - Frau ist. 

Die anderen Gäste sind auch alle super lieb. Wir sitzen oft gemeinsam auf der Dachterrasse und genießen gemeinsam den Sonnenuntergang. 


Am Dienstag meldete sich Sdravko zurück. Er war jetzt eine ganze Woche nur mit dem Schlafsack in der Wildnis unterwegs. Wir beschlossen wieder in das Appartment zurückzugehen, in dem wir bereits letzte Woche waren. Zu zweit ist es nämlich allemal günstiger als in einem Hostel. 


Das Künstlerviertel El Guro

Wir wanderten am selben Tag noch in das Künstlerviertl von Valle Gran Rey, nämlich El Guro. Viele Maler und Bildhauer haben sich hier in den vergangenen Jahren niedergelassen. 





Unterwegs per Anhalter

Gestern beschlossen Sdravko und ich den Norden von La Gomera zu erkunden. Da das Busnetz hier äußerst schlecht ist, machten wir uns per Anhalter auf den Weg. Als wir schon etwa 20 Minuten erfolglos an der Straße in Valle Gran Rey standen, erzählte ich Sdravko gerade von Richard, einem Schotten, den ich vor einigen Tagen mit Josh in einer Bar getroffen hatte. Und wie es der Zufall so will, hielt in dem Moment ein Auto an. Ratet mal wer darin saß! Genau, es war Richard. Der Gute fuhr mit uns dann quer über die Insel. Zuerst machten wir Stopp im Lorbeerwald und wanderten dort gemeinsam zu einem kleinen See.

Ein kleiner See oberhalb von Meriga


Danach brachte Richard uns noch nach Meriga. Wir bedankten uns herzlich bei ihm. Dann starteten wir eine kleinen, aussichtsreichen Wanderwege hinab in das Örtchen Agulo.


Blick hinunter nach Agulo


In Agulo angekommen, stärkten wir uns kurz in einem Restaurant. Da es schon später Nachmittag war, mussten wir uns schön langsam beeilen, um heute noch zurück nach Valle Gran Rey zu kommen. Sobald es dunkel wird, ist es f nämlich fast unmöglich per Autostopp wohin zu kommen. Wir stellten uns also an die Straße. Es war nun schon eine ganze Stunde vergangen und kein einziges Auto hat gehalten. Die Straße schien nicht sehr frequentiert zu sein. Gerade als wir überlegten wo wir die Nacht schlafen könnten, hielt doch glatt ein Auto an. Ein netter, junger Afrikaner nahm uns für einige Kilometer mit. Leider waren wir aber immer noch sehr weit von unserem Ziel entfernt. Wieder standen wir fast eine Stunde erfolglos an der Straße. Da kam ein einheimischer Mann aus einer Bar und fragte uns, wo wir denn hin müssten. Er nahm uns schlussendlich bis Vallerhermoso mit - ein wunderschöner Ort:


Vallehermoso


Er meinte, dass er hier ein paar Geschäfte beliefern müsste und nicht weiß, wie lange das Ganze dauern würde. Falls wir dann immer noch an der Straße ständen, könnte er uns noch ein Stück weiter mitnehmen, da er eh in unsere Richtung muss. Keine zehn Minuten später hupte ein Auto hinter uns. Es war wieder derselbe nette Herr. Er winkte uns zu sich ins Auto und schien sich sehr zu freuen, uns wiederzusehen. Diesmal nahm er uns bis zu einem alleinstehenden Restaurant irgendwo im Nirgendwo mit. Er müsste nun wieder ein paar Geschäfte im nächsten Ort beliefern. Wir sollten inzwischen in dem Restaurant auf ihn warten. Sdravko und ich beschlossen aber zu Fuß ein wenig die Straße entlangzuwandern, da wir sowieso keinen Hunger hatten. Auch hier kam nur alle drei heiligen Zeiten ein Auto vorbei. Zu unserem Glück hielt aber bereits recht bald ein junger Franzose für uns. Als Alleinreisender schien er sich sehr darüber zu freuen mit uns etwas quatschen zu können. Zu unserem Glück musste er auch ins Valle Gran Rey. Er hielt kurz am einem Gasthaus, um sich Essen zum Mitnehmen zu holen. Als er nach zehn Minuten wieder zu uns ins Auto stieg, entschuldigte er sich für die Wartezeit und meinte, wir hätten ein riesen Glück. Er hat nämlich vier Stück Kroketten bestellt. Da sein Spanisch nicht besonders gut ist, haben die ihn falsch verstanden und ihm vier ganze Portionen gegeben. Er schenkte uns zwei Portionen davon. Was für ein gelungener Tag! Es ist immer wieder schön, was für tolle und hilfsbereite Menschen man kennenlernt wenn man per Anhalter unterwegs ist. 


Nun bin ich etwas wehmütig, weil sich meine Reisezeit langsam aber sicher dem Ende zuneigt. Die nächsten Tage ist vermutlich wieder freiluftschlafen geplant, um noch ein paar weitere versteckte Ecken der Insel zu erkunden. 


In diesem Sinne: Hasta Luego!


Eure Michi :)




=> Hier findest du alle meine Fotos und Videos von La Gomera :) <=





Donnerstag, 25. Februar 2021

Unter dem freien Sternenhimmel von La Gomera

By On Februar 25, 2021

 

Die letzten drei Tage verliefen wieder etwas abenteuerlicher und rustikaler. Gemeinsam mit Sdravko startete ich eine Mehrtageswanderung, um die geheimen Ecken von La Gomera zu erkundschaften. Im Gepäck hatten wir unseren Schlafsack, eine Isomatte, warme Klamotten für die Nacht und natürlich viel Wasser. 


Tag 1: Von Valle Gran Rey zum Strand Playa de Iguala

Flor - die äußerst liebe Vermieterin unseres Appartements - erklärte sich bereit, das überschüssige Gepäck, welches wir während der Wanderung nicht brauchen, bei sich zu lagern. Wir starteten am späten Vormittag von Valle Gran Rey in Richtung La Dama. Im Endeffekt erreichten wir unser Tagesziel nicht ganz, aber wir haben ja wirklich keinen Stress. 



Irgendwann kamen wir an einer Hippie-Finca vorbei. Zuerst dachten wir sie wäre verlassen. Doch dann erspähten wir einen älteren Herrn mit Schlabberhose und Ziegenbart. Wir waren ziemlich froh darüber, da unsere Wasserreserven bereits dem Ende zugingen. Und Wasser ist auf den kanarischen Inseln Mangelware. Sdravko konnte sich bereits in dem Bergdörfchen Gerian etwas Wasser bei einer netten alten Omi erbetteln. Der Hippie erzählte uns, dass er bereits 13 Jahre hier leben würde. Er hätte die Ruinen dieser alten Finca etwas auf Vordermann gebracht und solange niemand das Grundstück kauft, ist es scheinbar geduldet, dass er hier lebt. Wenn das Corona nicht wäre, dann würde er hier regelmäßig psychodelische Festivals veranstalten. Im Moment sei dies aber nicht möglich. Er servierte uns eine Tasse Kaffee und füllte uns eine Wasserflasche auf. Mehr konnte er nicht entbehren, da er es selbst von weit her schleppen muss.


Die Hippie Finca


Da es schon später Nachmittag war, schauten wir uns schön langsam nach einem Schlafplatz um. Als wir den Strand Playa de Iguala erreichten, war uns sofort klar, dass dies der perfekte Platz ist. In der hübschen kleinen Bucht befindet sich eine Ruine in der wir sogar zwei alte Matratzen fanden. So komfortabel hätte ich mir das Ganze nicht einmal erträumen gewagt. Da die Sonne noch am Himmel stand, beschlossen wir uns erstmals eine Abkühlung im Meer zu gönnen. Es gab sogar eine Stelle mit schwarzem Lavasand. Die Strömungen hier sind jedoch ziemlich gefährlich, deshalb konnten wir nicht weiter hinaus schwimmen. Zu unserer Freude entdeckten wir in den Klippen natürlich geformte Schwimmbecken. Es fühlte sich an als würden wir in einem Jacuzzi sitzen, während die Sonne schön langsam unterging. Sdravko schaffte es sogar ein paar Krebse zu fangen, die er mir voller Stolz präsentierte *lach*.  Später kamen noch drei junge Hippie- Frauen an den Strand, die sich dort auch badeten - ganz so wie Gott sie schuf. In den Höhlen unter den Klippen entdeckten wir verlassene Hippie-Behausungen. Wahrscheinlich wohnt dort auch von Zeit zu Zeit jemand, im Moment waren sie aber leer. 


Playa de Iguala: In dieser Bucht verbrachten wir die Nacht

Sehr komfortabel: Wir fanden zwei alte Matratzen

Verlassene Hippie-Behausungen


Als wir es uns auf den Matratzen gemütlich machten, hatte überkam Sdravko plötzlich eine Paranoia vor Flöhen. Das ging dann soweit bis ich auch irgendwann das Gefühl hatte, dass es mich auf und auf juckt. Ich glaubte ja, dass es von den Matratzen käme, während Sdravko der Überzeugung war, dass wir sie uns beim Hippie geholt haben. Letztendlich glaube ich, dass wir uns beide getäuscht hatten, denn der weitere Verlauf der Nacht war völlig "juckfrei". 


Tag 2: Von Playa de Iguala über Chipude in die Schlucht Barranco de Arganga

Geschlafen habe ich trotz der Luxus Matratze nicht sonderlich viel. Grund dafür war ein Vogel - oder vielleicht war es auch ein anderes Viech - der die ganze Nacht grauenhaft geschrien hatte. Auf alle Fälle, war es ein super unheimliches Geräusch. 
Während Sdravko ein morgendliches Bad im Meer nahm, kletterte ich ein wenig an den Klippen herum. Danach machten wir uns auf den Weg in Richtung La Dama. Dabei handelt es sich um ein kleines Bergdörfchen, das großteils aus Bananenplantagen besteht. Es gibt eine kleine Bar in dem Örtchen, welche gleichzeitig den einzigen Shop darstellt. Zu unserem großen Glück hatte sie geöffnet. Wir gönnten uns eine Tasse Kaffee. Zum Essen gab es zwei Auswahlmöglichkeiten: entweder Sandwich oder Paella (= Reisgericht mit Meeresfrüchten). Ich entschied mich für die Paella, was eine sehr gute Entscheidung war. Zudem ein wahres Schnäppchen: gerade mal 4€ kostete ein großes Teller; der Kaffee war mit 1,50€ ein kanarischer Durchschnittspreis würde ich behaupten. Von La Dama aus versuchten wir es mit Autostoppen. Wir hatten Glück, ein äußerst freundlicher, älterer Herr aus Kanada nahm uns mit bis nach Chipude. Von hier wanderten wir auf den La Fortalza, ein 1 Quadratmeter großes Felsplateau. Wäre es nicht so neblig gewesen, dann hätten wir von hier aus eine traumhaft schöne Aussicht gehabt. 

Aussicht von La Fortaleza

An dieser Stelle trennten sich die Wege von Sdravko und mir für die nächsten Tage. Während er sich aufmachte zu den Hippies in Santiago, wanderte ich in Richtung Barranco de Arganga - eine malerisch schöne Schlucht, durchzogen von Palmen und einem halb ausgetrockneten Fluss. Ich fand ein super schönes Fleckchen für die Nacht. Bevor es ab in den Schlafsack ging, nahm ich noch ein Bad in einem der Tümpel im Fluss. 

Hier nahm ich ein Bad

Mein Schlafplätzchen :) 

Gute Nacht 

Tag 3: Vom Barranco de Argaga nach Valle Gran Rey

Die Nacht war eisig kalt. Kein Wunder, ich befand mich auch auf über 1.000 Meter Seehöhe. Besonders krass war der massive Abendtau. Mein kompletter Schlafsack wurde davon feucht und trocknete auch die ganze Nacht nicht mehr wirklich. Aufgrund dessen beschloss ich, dass es heute zurück nach Valle Gran Rey gehen sollte und ich mir dort ein Zimmer nehmen werde. 

Gleich nach dem Aufwachen wurde ich von einigen spanischen Männern überrascht. Oder besser gesagt: Sie waren äußerst überrascht mich hier alleine in meinem Schlafsack vorzufinden. Es stellte sich heraus, dass sie Jäger sind. Die Männer warnten mich vor, dass es nun etwas lauter werden könnte, weil sie schießen werden. Noch ziemlich müde, packte ich meine sieben Sachen zusammen und startete meine heutige Etappe. Im Örtchen El Cercado fand ich eine kleine Bar, wo ich mir einen Kaffee gönnte. Aber auch der konnte keine Wunder bewirken. Leider hat mich meine Online-Landkarte wieder einmal einen absolut lebensmüden Weg entlang geführt. Irgendwann musste ich dann umdrehen, da es viel zu gefährlich wurde. 

Als ich dann endlich in Valle Gran Rey bei der Unterkunft ankam, die ich mir kurz zuvor online gebucht hatte, ließ man mich erstmals eine Stunde warten. Ich wurde bereits etwas ungeduldig. Irgendwann kam dann die Besitzerin auf mich zu und meinte, dass es ihr schrecklich leid tue, aber es wären alle Zimmer besetzt. Sie hätte mir nun aber ein hübsches Appartement besorgt, in welchem ich zum selben Preis schlafen könnte. Morgen bekomme ich dann mein versprochenes Zimmer in ihrem Hostel. Gegen dieses gratis Upgrade hatte ich natürlich nichts.
Angekommen in meinem Appartement fiel ich schon bald in einen tiefen und erholsamen Schlaf. 

Wanderung zum Aussichtspunkt Tequergenche

Heute wechselte ich meine Unterkunft vom Appartement ins Hostel. Ich habe ein wunderschönes Einzelzimmer mit zwei Balkonen und einem traumhaften Ausblick aufs Meer bekommen. Hier lässt es sich eindeutig länger aushalten.

Mein heutiger Plan war es auf den Berg südlich von Valle Gran Rey zu wandern, den Tequergenche. Es ist eine recht anspruchsvolle Tour und man sollte keinesfalls Höhenangst haben. Die Aussicht von oben war traumhaft:

Traumhafte Aussicht vom Tequergenche






Buenas noches!

Eure Michi :)



Samstag, 20. Februar 2021

Valle Gran Rey: Abenteuer im Tal des großen Königs

By On Februar 20, 2021

 

Valle Gran Rey, La Gomera

Nun bin ich tatsächlich schon wieder ein ganzes Weilchen gemeinsam mit Sdravko in dem kleinen Hippie-Örtchen Valle Gran Rey auf der Kanareninsel La Gomera. Zuerst haben wir unser Appartement für vier Nächte gebucht, es dann jedoch auf sieben verlängert. Die Unterkunft liegt an einem Berghang im Ortsteil La Calera, mit einer wundervollen Aussicht auf den Ort und das Meer hinunter. Naja, oder sagen wir mal, die Aussicht wäre wundervoll, wenn wir nicht gerade starke Kalima (= Sandwind aus Afrika) hätten, die die Fernsicht enorm beeinträchtigt. 


Barranco de Arure

Ihr wisst ja, dass ich mir mein Knie bei meinem kleinen Absturz vor einigen Tagen ordentlich geprellt und aufgeschürft habe. Aufgrund dessen standen erstmals ganz gemütliche Spaziergänge/Wanderungen auf dem Plan - zur großen Freude von Sdrako, dem ich sonst nämlich meistens beim Wandern davonlaufe bzw ihn zu viel antreibe *lach*. 


Wir wanderten also am Dienstag ganz gemütlich die kleine Schlucht Barranco de Arure entlang. Start war direkt bei unserer Unterkunft. Es ging durch das Künstlerdorf El Guro und dann hinein ein idyllisches Seitental. Am Ende erwartete uns ein kleiner, hübscher Wasserfall. Das Highlight waren sicher die Wollmispelbäume am Weg, wovon wir einen gut gefüllten Sack der leckeren Früchte ernten konnten. 


Leckere Wollmispeln

Mein Knie ist langsam am Weg zur Besserung


Playa del Inglés 

Am Mittwoch spazierten wir mehr oder weniger planlos durch die Gegend, wobei Sdravko natürlich ein besonderes Augenmerk auf die Obstgärten und die dort angebauten seltenen Früchte legte. Wir wanderten einen Wasserkanal entlang, der uns jedoch irgendwann in das Privatgrundstück einer deutschen Dame führte, welche uns recht schnell wieder verjagte. Hier im Valle Gran Rey wimmelt es tatsächlich nur so von Deutschen. Man kann so gut wie jeden, der nicht nach einem Einheimischen aussieht, auf Deutsch ansprechen. 



Fincabesuch

Sdravko hat es mittlerweile geschafft Kontakt zu ein paar Finca-Besitzern hier in der Gegend herzustellen, die seltenes Obst anbauen. Eine davon besuchten wir am Donnerstag. Der äußert nette Besitzer Antonio zeigte uns ganz stolz die verschiedenen Obstbäume in seinem Garten. Ich muss zugeben, dass ich von den ganzen botanischen Fachbegriffen nicht besonders viel verstand, trotzdem war es eine ganz spannende Sache. 

Am Strand Charco del Conde habe ich heute das erste Mal in meinem Leben eine kleine Garnele fangen können :)
Natürlich wurde sie danach wieder in die Freiheit entlassen!


Ansonsten haben wir uns heute ein paar Datteln von den Palmen an der Strandpromenade gepflückt und diese auch gleich voller Freude verdrückt. Lustigerweise haben wir später in der Inselzeitung gelesen, dass die Palmen hier mit Gift besprüht werden, wegen dem ganzen Ungeziefer. Zum Glück scheinen wir keine gröberen Schäden davongetragen zu haben. 


Auf den Spuren der Hippies: Die Schweinebucht

Wie bereits in einem schon mal erwähnt, kamen in den 60er und 70er Jahren viele Hippies und Aussteiger hierher ins Valle Gran Rey. Sie lebten in Höhlen in der sogenannten "Schweinebucht" (Playa de las Arenas). Der Name kommt scheinbar von den Einzhemischen, da die Hippies ihre Fäkalien dort hinterließen. In den letzten Jahren wurde die Bucht aber regelmäßig von der Polizei geräumt. Sdravko meinte jedoch, dass er dort vor einigen Jahren noch ein paar von diesen Aussteigern gesehen hätte. Ich wollte unbedingt dorthin. Leider ist vor Kurzem (im November 2020) die Schotterstraße dorthin von einem massiven Felssturz verschüttet worden. Sie ist nun nach wie vor gesperrt und es ist streng verboten sie zu betreten. Die andere Möglichkeit die Schweinebucht zu erreichen ist über einen Berg. Ich sah mir die Route auf der Landkarte an und musste festellen, dass es eine ordentliche Tour werden würde - vor allem mit meinem verletzten Knie. Aber wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann möchte ich das auch durchziehen. Sdravko streikte, da er meinte die Wanderung wäre für ihn eindeutig zu weit. Er würde aber versuchen über die abgesperrte Straße dorthin zu kommen, dann könnten wir uns in der Schweinebucht treffen. Gesagt getan. Ich startete früh am Morgen. Zuerst ging es einen steilen, aber gut ausgebauten Bergweg nach oben. Mein Knie machte erstaunlich gut mit. Später durchquerte ich das idyllische Bergdörfchen Gerian


Blick hinunter ins Valle Gran Rey (deutsch: Tal des großen Königs)

Eine kleine Kirche etwas außerhalb von Gerian


Wir hatten abgemacht uns um 13 Uhr zu treffen. Ich war guter Dinge pünktlich dort anzukommen. Womit ich aber nicht gerechnet hatte war, dass der Abstieg fürchterlich wurde. Es gab keinen richtigen Weg bzw war es scheinbar der "alte" Weg, den schon seit Ewigkeiten niemand mehr geht. Zudem bestand er vorwiegend aus losen, kleinen Steinen. Da es steil nach unten ging, wurde das meinem armen Knie eindeutig zu viel. Ich kam nur noch langsam voran und überlegte immer wieder, ob ich nicht doch besser umdrehen sollte. 


Zuguterletzt kam ich aber mehr oder weniger wohlbehütet unten an. Und siehe da, Sdravko wartete schon auf mich. Er fragte mich warum zur Hölle ich mir eine solche lebensmüde Route aussuchen musste. Aber es war hald genau der Weg den mir meine "Maps.me" App angezeigt hatte. 

Wir kletterten die großen Steine am Strand entlang bis wir an der Schweinebucht ankamen. Sie war menschenleer, wir fanden bloß ein paar verlassene Hippiehöhlen. Nur neben dem verschütteten Schotterweg sieht man noch ein paar Camper, die den "modernen Hippie Lifestyle" leben. 


Hier kam es im November 2020 zu einem massiven Felsabsturz. Die Straße ist seitdem verschüttet und abgesperrt. Ein paar "Hippie-Camper" leben dort aber immer noch.

Immer wieder dieselben Probleme *lach*

Die Schweinebucht auf La Gomera. 

Verlassene Hippie-Höhlen



Nachdem wir am Strand ein wenig relaxt und gebadet hatten, machten wir uns auf den Rückweg. Mein Knie hatte sich gut erholt, also dachte ich, dass ich den Weg über den Berg wieder schaffen würde. Zudem hatte ich auch ein wenig Angst, dass wir Probleme mit der Polizei bekommen könnten, wenn wir die abgesperrte Straße entlang laufen würden. Diesmal ließ sich Sdravko sogar überreden mit mir mitzukommen. Wir nahmen aber eine andere Route - durch die wunderschöne Schlucht Barranco de Argaga. Dort fanden wir sogar ein paar Tümpel, in die wir kurz hineinspringen konnten. 



Insgesamt kam ich mit ganz schrecklichen Knieschmerzen zurück in der Unterkunft an. Es glühte wahrlich. Die 28 Kilometer und 1.600 Höhenmeter heute waren wohl eindeutig zu viel. Die nächsten Tage werden wieder etwas gemütlicher angegangen. 


Im Appartement erwartete uns eine weniger schöne Überraschung: Es ist scheinbar ein Vogel durch das offene Fenster reingekommen, denn sowohl im Bad als auch auf Sdravkos Bett befand sich relativ frische Vogelkacke *lach*. 


Lorbeerwald

Der "gemütliche" Plan für heute war es, zum Lorbeerwald hinaufzutrampen und dort ein wenig herumzuwandern. Wir hatten Glück mit dem Autostoppen, aber leider weniger Glück mit dem Wetter. Nachdem wir etwa eine Stunde durch den zauberhaften Nebelwald gewandert sind, zog es plötzlich zu. Wenig später begann es auch schon leicht zu regnen. Schade, ich wäre gerne noch länger durch diesen Märchenwald mit seinen knorrigen, von Moos und Flechten bewachsenen Baumstämmen spaziert. Es ist übrigens der größte zusammenhängende Lorbeerwald Europas. Aus diesem Grund wurde er auch von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. 


Der Lorbeerwald auf La Gomera


Morgen möchten wir den Sonntagsmarkt im Valle Gran Rey besuchen. Wenn das Wetter (und mein Knie) mitspielt werden wir dann ab Montag wieder etwas rustikaler weiterreisen: Geplant wäre es mit dem Schlafsack und der Matte einige Tage durch die Berge zu Schluchten auf La Gomera zu ziehen. 


Eure Michi :)