Enter your keyword

Freitag, 5. Februar 2021

Abenteuer in Los Gigantes

By On Februar 05, 2021

 

Los Gigantes, Teneriffa

Eigentlich überlegten Sdravko und ich, ob wir die nächsten Nächte wieder irgendwo draußen schlafen sollten. Der Wetterbericht schien aber dermaßen schlecht, dass wir uns einen Plan B überlegten. Es sollte bis auf 1.500m herunterschneien und es sind heftige Regenstürme angekündigt.


Unser Plan B war Los Gigantes. Es ist der westlichste Ort Teneriffas. Das einst verträumte Fischerdorf entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem beliebten Touristenzentrum. Seine imposante Steilküste fällt bis zu 450m senkrecht in den Atlantik hinein. Der Ort erinnert mich tatsächlich ein bisschen an Puerto de Mogán auf Gran Canaria. 


Bevor wir uns mit dem Bus auf dem Weg nach Los Gigantes machten, spazierten wir noch ein wenig an der Küste von Puerto de la Cruz entlang - in der Hoffnung ein paar Früchte zu finden. Da leider gerade nicht Saison ist, fanden wir bis auf ein paar Ashwagandha Beeren nicht viel Essbares. Sehr beeindruckend fand ich aber die Blüten der Passionsfrüchte:


Die wunderschöne Blüte der Passionsfrucht


Unsere Unterkunft in Los Gigantes versetzte uns in Staunen. Wir buchten ein Appartment für 18 Euro pro Person und Nacht. Unsere Erwartungen waren also nicht besonders hoch. Das Ganze in einem Apparthotel. Bereits beim Betreten des Hotels erschien es uns recht nobel. Es gibt sogar zwei beheizte Pools. Unser Appartment ist riesig groß (70m²) mit Küche, Waschmaschine, Wohnzimmer, riesiger Terrasse und für jeden ein eigenes Schlafzimmer und als Draufgabe sogar noch zwei Badezimmer. Nicht schlecht! Vor allem wenn man bedenkt, dass ich auf Gran Canaria oft schon 20 Euro für ein Bett im Schlafsaal bezahlt habe. Wegen dem Corona ist das Hotel fast leer - unser Glück ;)


Los Gigantes: Skywalk und Durchquerung zweier Wassertunnel

Ihr könnt euch vielleicht daran erinnern, dass ich Mitte Januar bereits mit Pedro hier in Los Gigantes war und wir eine abenteuerliche Wanderung entlang der Steilküste und der alten Wasserkanäle starteten. Ich fand das damals so beeindruckend, dass ich etwas ähnliches unbedingt noch einmal machen wollte. Auch Sdravko fand die Idee gut. 

Wir starteten denselben Steilkippenweg (auch "Skywalk" genannt), den ich bereits kannte. Am Ende des Weges mussten wir durch einen ein Kilometer langen Wassertunnel, hier auch als "Galeria" bekannt. Wie ich bereits in einem vorherigen Post beschrieben hatte, wurden diese Stollen zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtet, um die Wasserversorgung der Bevölkerung sicher zu stellen. Wasser wird auf Teneriffa in Kanälen und Rohren über die ganze Insel verteilt. Teilweise ist es möglich solche Wasserstollen zu begehen. Nachdem wir also die erste Galeria durchquert hatten, mussten wir erstmals eine steile Schlucht - Barranco Mancha de Los Díaz - bergauf wandern. Es folgten uns fünf ältere Herren aus Frankreich. Sie waren so begeistert von unserem Abenteuer durch die Galerias zu wandern, dass sie es uns gleich tun wollten. Im Endeffekt bekam der eine aber Probleme mit seinen Beinen und so blieben vier von ihnen zurück. Der scheinbar älteste von ihnen wollte aber nicht so schnell aufgeben und schloss sich uns wagemutig an. 

Schon bald kamen wir zum Eingang eines weiteren Wasserstollens. Es scheint so, als wäre dieser mit einem Gitter verschlossen gewesen. Das Gitter lag aber nun zig Meter unter dem Stolleneingang. Glück gehabt. Laut meiner Landkarte sollte dieser Tunnel fast 3km lang sein - er wird auch "El Largo" (= der Lange) genannt. Nun konnten wir nur hoffen, dass auch das Gitter am anderen Ende entfernt wurde, sonst müssen wir den ganzen Weg zurück. Im Stollen war es recht warm. Der arme fast zwei Meter große Sdravko hatte große Mühen, weil die Tunnelhöhe recht niedrig ist und er sich somit die ganz Zeit bücken musste. 

Der Eingang zum zweiten Wasserstollen, der ganze drei Kilometer lang ist. 

Wir hatten großes Glück und kamen alle wohlauf am anderen Ende wieder heraus. Durch ein kleines Tal ging es wieder zurück nach Los Gigantes. Am Rückweg wanderten wir an einigen Obstplantagen vorbei und konnten sogar ein paar reife Orangen ergattern. 



Regenschauer....

Heute Morgen hat uns nun auch hier die Schlechtwetterfront erreicht. Es hat über Nacht ordentlich abgekühlt und es ziehen immer wieder heftige Regenstürme vorbei. Wie gut, dass wir hier so eine große und schöne Unterkunft haben. Und weil es uns so gut gefällt, haben wir erstmals bis zum 9. Februar verlängert. 

Vulkanische Gesteinsformationen am "Charco del Diablo"






In diesem Sinne: Hasta Luego!

Eure Michi :)




Dienstag, 2. Februar 2021

Puerto de la Cruz und der Teide Nationalpark

By On Februar 02, 2021

 

Puerto de la Cruz, Teneriffa

Die Videos für Silvanas Deutsch-Online-Kurs zu drehen machte super viel Spaß. Es handelt sich dabei um kurze Videosequenzen mit jeweils einem grammatikalischen Schwerpunkt. Das Ganze mit einer großen Portion Humor.


Der Videodreh mit Silvana machte super viel Spaß. Hier bin ich beispielsweise am Villacher Kirchtag ;)

... und hier beim Segeln am Wörthersee *lach*


Letzten Samstag war ich gemeinsam mit Silvana und Sdravko am Strand von Las Teresitas - hier ließ sich die momentane Hitzewelle besser aushalten. Silvana zeigte sich begeistert, als Sdravko uns mit einem großen Palmenblatt verschiende Dattelarten von den Palmen am Strand herunterholte. Auch von den anderen Menschen am Strand ernteten wir erstaunte Blicke. 


Weiter nach Puerto de la Cruz

Am Sonntag Vormittag war es Zeit von Silvana Abschied zu nehmen. Gemeinsam mit Sdravko machte ich mich auf den Weg nach Puerto de la Cruz an der Nordküste Teneriffas. Es handelt sich dabei um eine der größten Städte auf der Insel. Sie ist bekannt für ihre Strände aus dunklem Vulkansand und einem recht angenehmen Klima. 

Zudem kann man hier halbwegs günstige Unterkünfte finden. Wir quartierten uns in einer Pension im Stadtzentrum ein. Gleich am ersten Tag besuchten wir den Botanischen Garten. Er gilt als einer der schönsten der Welt. Für Sdravko waren natürlich wieder die Früchte interessant. Leider ist im Januar und Februar nicht unbedingt die Saison zum Obst ernten. Trotzdem konnten wir ein paar Dinge finden wie diverse Nüsse, Sternfrüchte, Canistel, falsche Oliven, usw. Von den Macadamianüssen lag sogar so viel am Boden, dass wir drei ganze Tüten damit füllen konnten. Eine Macadamianuss zu knacken ist gar nicht so einfach, da sie eine sehr harte Schale hat. Wir mussten dazu an den Strand gehen und große, harte Steine suchen. Der leckere buttrig, süße Geschmack der Nuss entschädigt jedoch für sämtliche Mühen. 


Eine Macadamianuss knacken: Zuerst entfernt man die äußerste Schicht, welche bei Frischen Nüssen grün ist. Für die harte Nussschale braucht man dann einen harten Stein.


Von Aguamansa zum Montaña de las Cuevas

Am Montag wollte ich dann unbedingt hoch hinaus um endlich den Schnee zu sehen. Immerhin ist der El Teide mit seinen 3.715m ordentlich eingeschneit worden in den letzten Wochen. Leider fährt aber nur einmal die Woche ein Bus die steilen Bergstraßen hinauf, und das war erst wieder am Samstag. Ich suchte mir also eine andere Route heraus. Mit dem Bus ging es bis nach Aguamansa auf etwa 1.000m Seehöhe. Von hier aus wanderte ich zum Gipfel des Montaña de las Cuevas auf 2.061m. Der Weg dorthin führte mich zuerst durch die dichten Kiefernwälder des oberen Orotava-Tals. Es herrscht eine mystische Stimmung hier - meterlange Bärte (Flechten) hängen an den Ästen herunter und Nebel schleicht durch die Bäume. 


Blick auf den verschneiten El Teide vom Kiefernwald aus.


Später ging es einen felsigen, nur schwer erkennbaren Pfad steil nach oben. Ich musste feststellen, dass meine Schuhsohlen schon ordentlich abgenutzt sind und ich deshalb leider nicht mehr den besten Halt habe. Das kommt von dem schroffen Vulkangestein hier auf den Kanaren. Diese verkürzen die Lebenszeit von Schuhen beträchtlich. Endlich kam ich auch an die ersten Schneefelder. Unglaublich, dass diese sich hier halten können, denn die Temperaturen sind in den letzten Tagen stetig angestiegen. Selbst ich war nur mit einer kurzen Hose und einem kurzen Shirt unterwegs. Fast die ganze Wanderung über hatte ich einen traumhaften Ausblick auf den Teide


Endlich Schnee!

Blick auf den El Teide


Von Aguamansa nach El Portillo

Sdravko wollte ja gestern nicht mitkommen, weil er dachte es wäre viel zu kalt dort oben in den Bergen. Nachdem ich ihm aber erzählt hatte, wie warm es gestern war, zeigte er plötzlich nicht mehr so abgeneigt von der Idee irgendwo ihn den höheren Lagen wandern zu gehen. Wie gesagt fährt leider nur am Samstag ein Bus hoch hinauf, also beschlossen wir es per Autostopp zu versuchen. 


Zuerst nahmen wir wieder den Bus nach Aguamansa. Von hier versuchten wir dann unser Glück. Scheinbar war heute Feiertag, denn es war ordentlich was los auf der Bergstraße. Das Problem war leider nur, dass einem die Leute in diesem Fall nicht so leicht mitnehmen. Wir wanderten bereits einige Kilometer zu Fuß die Straße entlang, bis endlich jemand anhielt. Es war netter einheimischer Mann, der mit seinem Pick-up in den Wald fuhr um Kiefernnadeln einzusammeln. Leider fuhr er nicht ganz nach El Portillo. Wieder gingen wir einige Kilometer zu Fuß, bis ein junges Touristenpärchen aus Frankreich für uns hielt. Die zwei brachten uns ganz hoch bis nach El Portillo auf 2.078m. Wir befanden uns nun im Teide Nationalpark, der größte Nationalpark der Kanaren. Ich bestaunte die einzigartige Kraterlandschaft mit ihren unzähligen Vulkankegeln und erstarrten Lavaströmen.


Zu unserer Freude war es nicht einmal kalt hier. Auch vom Schnee war nicht mehr viel übrig. Da es nun schon nach Mittag war, konnten wir nur noch eine kleinere Wanderung machen. Die Gegend wirkt wie eine karge Wüste mit einigen trockenen Büschen. Zudem kann man tolle vulkanische Gesteinsformationen bewundern, die aus erkalteter Lava entstanden sind. Der größte aller Vulkane auf dieser Insel - der El Teide - wirkte von hier aus so unglaublich nah. An seinen Nordhängen lag noch viel Schnee, die Südhänge wirkten aber schon fast aper. Der El Teide ist zudem der höchste Punkt Spaniens.

 

Wandern mit kurzer Hose und kurzem Shirt im Teide Nationalpark auf etwa 2.300m Seehöhe.


Gegen 16:00 Uhr beschlossen wir schön langsam den Rückweg anzutreten, bevor es allzu kalt wird in dieser Höhe. Außerdem wussten wir nicht, wie viel Glück wir nun mit dem Autostoppen haben werden. Doch siehe da, wir standen keine 10 Minuten an der Straße, da hielt auch schon ein unglaublich liebes, älteres Ehepaar für uns an. Sie erzählten uns, dass sie aus Orotava kommen. Am Ende ließen sie es sich aber nicht nehmen, uns bis nach Puerto de la Cruz vor die Haustüre unserer Unterkunft zurückzubringen. Sie heißen Domingo und Luzia. 


Insgesamt waren das sehr schöne Eindrücke heute, sowohl die Natur wie auch die liebenswürdigen Menschen, die wir kennenlernen durften. 



Wohin es morgen gehen wird, werden wir spontan entscheiden.

Hasta luego!

Eure Michi :)





Freitag, 29. Januar 2021

Die "Höhlen-Hippies" von San Andrés de Tenerife

By On Januar 29, 2021

 

Santa Cruz de Tenerife 

Mittlerweile hat eine richtige Hitzewelle Teneriffa erreicht. Aus diesem Grund beschloss ich den gestrigen Tag vorwiegend am Strand zu verbringen. Es ging wieder zum Playa de Teresitas. Am späteren Nachmittag kam auch Sdravko nach, der zuvor noch einen botanischen Garten besucht hatte. Voller Freude präsentierte er mir seine Ausbeute - darunter Kokosnüsse und Baobab-Früchte (= Affenbrotbaum). 


Die alte Festung von San Andrés 

Am Abend schlug er vor ein paar alte Bunker in San Andrés zu erkundschaften. Das klang sehr nach Abenteuer und ich war natürlich sofort begeistert von der Idee. Es handelt sich um die Ruinen einer alten Festung, die früher die Küste von San Andrés vor Piratenangriffen geschützt hat. Scheinbar ist es möglich in ein paar dieser Bunker hineinzukommen. 


Die alte Festung von San Andrés


Dem war dann auch so. Zuerst mussten wir uns durch eine schmale Schießscharte hindurch robben. Dann ging es etwa fünf Meter über eine verrostete Leiter durch ein Fallrohr nach unten. Und dann nochmal etwa fünfzehn Meter durch ein weiteres Fallrohr senkrecht runter. 


Über diese verrostete Leiter kletterten wir mehrere Meter durch ein Fallrohr in die Tiefe.


Sdravko kletterte zuerst hinunter. Dort waren scheinbar zwei Räume, dahinter eine Sperrholzwand. Plötzlich meinte Sdravko er würde Menschenstimmen hören. Ich beruhigte ihn, das komme doch sicher von draußen und nicht aus den Bunkern. Doch nun konnte ich es plötzlich auch hören. Eine Frauenstimme und dann noch eine Männerstimme brüllten drohend unverständliche Worte auf Spanisch. Ich wurde etwas nervös. Da wohnen bestimmt irgendwelche Obdachlose. Inständig hoffte ich, dass sie nicht plötzlich mit einem Messer oder ähnlichem auf uns losgehen würden. So schnell wie möglich versuchten wir hier raus zu kommen. 


Ich war schon wieder draußen, während Sdravko sich noch mühsam durch die Schießscharte quetschte. Aus der Ferne sah ich zwei Personen im Dunkeln schnellen Schrittes auf uns zukommen. Ich machte mich bereits darauf gefasst, das sie uns nun verprügeln wollen. Es kam aber tatsächlich ganz anders. Zwei junge Hippies - etwa Anfang zwanzig - standen vor uns. Beide voller Piercings. Sie fragten uns freundlich, ob wir denn einen Schlafplatz suchen würden. In der Tat war es Sdravkos Plan diese Nacht hier irgendwo in den Ruinen zu verbringen. Sie erzählten uns, dass sie ursprünglich aus Madrid kommen, aber schon seit Jahren entweder hier in den Bunkern oder sonst irgendwo "auf der Straße" leben würden. Wir waren wirklich sehr erstaunt wie lieb die beiden waren. Sie zeigten uns sogar "ihre" Höhle, in der sie hier leben. Die Gastfreundschaft ging sogar so weit, dass sie uns am Ende unbedingt noch ein Stück Hasch schenken wollten *lach*. 



Wieder einmal neigte sich ein spannender Tag dem Ende zu. Ich fuhr zurück zu Silvana, während sich Sdravko ein Schlafplätzchen in den Ruinen suchte. 


Baobab-Smoothie

Aus den Baobab Früchten von Sdravko machte ich mir heute Morgen übrigens einen leckeren Superfood-Smoothie. Gemeinsam mit Silvana öffnete ich die Frucht, dann entfernten wir die zahlreichen Samen und Fasern. Am Ende mixten wir das Pulver der Frucht mit einer Banane und Milch. Äußerst lecker muss ich sagen! Und auch gesund: Baobab enthält achtmal soviel Vitamin C wie Organen. Daneben sind die Früchte reich an Anitoxidantien, B-Vitaminen, Kalium, Eisen, Aminosäuren und Kalzium. Baobab ist ein Affenbrotbaum, der aus den afrikanischen Savannen stammt. Die Afrikaner nutzen traditionell schon seit Jahrhunderten fast alle Teile des Superfoods zur Herstellung von Arzneimitteln.


Das sind die Baobab (Affenbrotbaum) Früchte


Hier versuchen wir das Pulver von den Samen und Fasern zu trennen.


Hasta luego!

Eure Michi :)





Donnerstag, 28. Januar 2021

Vier Nächte unter freiem Himmel im Anaga-Gebirge

By On Januar 28, 2021

 

Santa Cruz de Tenerife

Die letzten fünf Tage verliefen sehr abenteuerlich. Gemeinsam mit Sdravko wanderte ich entlang der Küste des Anaga-Nationalparks - vom Osten in Richtung Norden und dann in den Westen. Geschlafen haben wir an verschiedenen einsamen Stränden mit Schlafsack und Matte unter dem freien Sternenhimmel. 


1. Tag: Von El Bailadero zum Playa de Ijuana

Wir starteten mit einem Bus von Santa Cruz nach El Bailadero. Die ersten sieben Kilometer wanderten wir die Straße entlang am Gebirgskamm bis Las Bodegas. Ab hier begann der Wanderweg. Da wir nicht unnötig viel Wasser herumschleppen wollten, haben wir uns bereits im Voraus Wasserstellen herausgesucht. Eine davon sollte am Friedhof von Las Bodegas sein. Wir hatten Glück, es gab dort tatsächlich einen Wasserhahn. Leider hat hat Wasser auf den kanarischen Inseln nur selten Trinkwasserqualität. Wir probierten einen Schluck. Es kann ja Einbildung sein, aber irgendwie hatten wir das Gefühl, dass es einen komischen Beigeschmack (nach verwesten Leichen?) hat. Aber uns blieb sowieso nichts anderes übrig. Nur gut, dass ich Wasseraufbereitungstabletten dabei hatte. 

Der weitere Wegverlauf gestaltete sich um Einiges abenteuerlicher als erwartet. Der Ausdruck "Weg" klingt vielleicht sogar zu nobel. Großteils war nämlich gar keiner sichtbar. Zuerst mussten wir einen abschüssigen Gebirgsgrat entlangklettern, was mit unseren großen Rucksäcken gar nicht so einfach war. Die letzten 1,5 Kilometer ging es dann satte 800 Höhenmeter steil bergab. Naja, wenigstens konnten wir uns so sicher sein, dass nicht viele Leute an dem Strand sein werden. 

Genau so war es auch: Wir waren die einzigen am Playa de Ijuana. Da es bereits zu dämmern begann, mussten wir uns schleunen eine geeignete Schlafstelle zu finden. Auch das war schwieriger als erwartet. Der Strand war klein und wir sollten zudem Flut um Ebbe im Auge behalten, um nachts nicht plötzlich davongeschwemmt zu werden. Wir suchten uns eine Stelle möglichst weit weg vom Wasser im schwarzen Sand. Dort bereiteten wir unser Nachtlager vor. Plötzlich donnerten einige gar nicht so kleine Steine von den Klippen neben uns auf den Boden. Beim Blick nach oben, konnten wir ein paar Wildziegen entdecken, die uns wohl zu vertreiben versuchten. Wutentbrannt begann Sdravko die Biester zu verscheuchen. 

Als wir bereits in unseren Schlafsäcken lagen und schon im Halbschlaf waren, mussten wir plötzlich feststellen, dass das Meer gefährlich nahe kam. Unverzüglich packten wir unsere Sachen zusammen. Nun mussten wir im Dunkeln versuchen eine alternative Schlafstelle zu finden. Wir wanderten eine enge Schlucht zurück und ebneten uns dort eine kleine Stelle an. Hier waren wir wenigstens auch sicher vor den Ziegenattacken.
Am Weg zum Playa de Ijuana

Wir fanden leckere Wollmispeln. Es ist wirklich unglaublich: Immer wenn ich mit Sdravko unterwegs bin lerne ich neue essbare Früchte kennen!

2. Tag: Von Playa de Ijuana nach Roque Bermejo

Die Nacht verlief zum Glück ohne weitere Zwischenfälle. Der Sonnenaufgang am Strand war wunderschön. Was waren wir froh unsere Schlafstelle gewechselt zu haben, denn wir sahen nun, dass die Flut so gut wie den gesamten Sandstrand überflutet hatte. Das wäre kein schönes Erwachen gewesen, von einer Riesenwelle erwischt zu werden.

Der Sonnenaufgang am Playa de Ijuana war wunderschön.

Ein paar Minuten später sah der Himmel so aus.

Heute starteten wir in Richtung Roque Bermejo. Zuerst stand uns ein steiler und schwerer Aufstieg bevor - dieselbe Strecke, die wir gestern bergab mussten. Kurz nach Mittag kamen wir an dem kleinen, verträumten Bergdorf Chamorga vorbei. Es leben bloß 50 Personen dort. In einer kleinen Kneipe gönnten wir uns eine Portion Garbanzas (= Kanarischer Kichererbseneintopf mit Fleisch). 

Gut gestärkt ging es nun bergab zum Roque Bermejo, wo wir erstmals ein erfrischendes Bad im Meer nahmen. Hier scheint man tatsächlich am Ende der Welt angekommen zu sein. Es gibt ein paar Häuser, die aber nur zu Fuß oder mit dem Boot erreichbar sind. Wie viele Leute hier genau leben weiß ich nicht, aber mehr als vier recht betagte Personen konnten wir nicht erspähen. Da der Strand voll von Fischinnereien war, beschlossen wir in einer kleinen Schlucht etwas oberhalb zu schlafen. Auch heute statteten uns einige Wildziegen einen Besuch ab. Sie schienen aber etwas friedlicher zu sein, als die von gestern. 

Heute fanden wir jede Menge der "Kanarischen Ashwagandha/ Schlafbeere". Die kleine orangefarbene Frucht schmeckt bitter-süßlich. Die Ashwagandha gehört zu den am häufigsten genutzten Arzneimitteln in der ayurvedischen Medizin. 

Roque Bermejo

3. Tag Von Roque Bermejo nach Playa de Benijo 

Der Morgen startete etwas bewölkt. Wir beschlossen bei den paar Häusern hier um Kaffee zu fragen. Eine nette alte Dame bereitete uns schlussendlich ein leckeres Tässchen davon zu, während ihr Nachbar sich bereits den ersten Viertelliter Rotwein hinunterkippte. Sie gab uns noch ein paar Tipps für unsere weitere Wegstrecke und erklärte uns wo wir Wasser finden konnten.

Zuerst kamen wir am Faro de Anaga (=Leuchtturm) vorbei. Als wir die vermeintliche Wasserstelle erreichten, mussten wir feststellen, dass die Leitung wohl nicht mehr funktionierte. Nun hieß es gut haushalten mit dem letzten Bisschen, das wir hatten. 

Wir durchquerten das Örtchen El Draguillo - hier war ich bereits mit Pedro - und später Benijo. Benijo ist bekannt für seine leckeren Fischrestaurants. Da wir gerade erst zu Mittag gegessen hatten, fragten wir nach einer Portion zum Mitnehmen. Das klappte zum Glück auch. 

Diesmal fanden wir eine geniale Stelle am Stand mit super Aussicht. Der einzige Nachteil war, dass es recht windig war, was im Endeffekt aber auch nicht sonderlich schlimm war. Bei einem wunderschönen Sonnenuntergang verspeiste ich meinen gebratenen Tintenfisch. Das Leben kann so schön sein. 

Roques de Anaga

Die heutige Schlafstelle

Sonnenuntergang am Playa de Benijo

4. Tag: Von Roque Bermejo nach Playa de las Gaviotas

Heute starteten wir in Richtung Taganana, wo wir uns Kaffee und einen kleinen Imbiss gönnten. Da Sdravkos Knie nicht mehr mitmachen wollten, beschlossen wir heute einen gemütlicheren Tag einzulegen. Wir werden zurück nach San Andrés fahren und von dort dann an den Strand Playa de las Gaviotas weiterziehen. Die Busse fahren nur sehr selten, deshalb beschlossen wir es per Autostopp zu versuchen. Leider ohne Erfolg. Vielleicht sahen wir mittlerweile ja doch schon etwas zu verwahrlost aus nach einigen Tagen ohne Dusche und fernab der Zivilisation *lach*. Wir mussten also ein paar Stunden warten bis endlich der Bus ankam. Am Playa des Gaviotas fanden wir dann sogleich eine perfekte Schlafstelle am feinen Sandstrand. 

5. Tag: Von Playa de las Gavitotas zum Playa de las Teresitas

Diese Nacht konnte ich erstmals halbwegs gut schlafen. Der Tag startete wieder etwas bewölkt, aber schon am frühen Vormittag wurden wir mit strahlendem Sonnenschein belohnt. Wir wanderten zum nächsten Strand Playa de las Teresitas. Hier gönnten wir uns ein Frühstück und relaxten im Sonnenschein. Das 20 Grad warme Meerwasser war eine erfrischende Abkühlung zwischendurch. Somit beendeten wir auch vorerst unser Wander-Abenteuer im Anaga-Gebirge. 

Playa de las Teresitas: einer der schönsten Strände Teneriffas

Es war ein ganz besonderes Erlebnis jede Nacht unter dem sternenklaren Himmel zu schlafen - wir fühlten uns fast wie 20-jährige Hippies *lach*. Oder besser gesagt: "Nobel-Hippies", immerhin gönnten wir uns zwischendurch immer wieder ein bisschen Luxus in Form von Kaffee oder leckerem Essen. 

Die nächsten Tag werde ich bei Silvana in Santa Cruz verbringen und ihr bei ihrem Deutsch-Online-Kurs zur Hand gehen. 


Also dann, bis bald!

Eure, Michi :)



Freitag, 22. Januar 2021

Das Palmetum auf Teneriffa

By On Januar 22, 2021


Mittlerweile ist tatsächlich auch Sdravko auf Teneriffa angekommen. Wie ihr euch wahrscheinlich erinnern könnt ist er der Biologe, den ich auf Gran Canaria kennengelernt habe. Mit Sdravko war ich in der Zwischenzeit recht viel unterwegs - zumeist auf der Suche nach seltenen Früchten, welche seine absolute Passion sind. Nun hat er es hinbekommen Kontakt zum Chef des Palmetums herzustellen. Er heißt Carlo Morici, ist ebenfalls Biologe und kommt ursprünglich aus Sardinien. Seine Leidenschaft für exotische Pflanzen hat ihn nach Teneriffa gebracht. 



Das Palmetum in Santa Cruz ist ein weltweit einzigartiges Projekt, das eine Müllhalde in einen botanischen Gärten verwandelt hat. Hier wächst die größte Palmensammlung Europas und eine der besten der Welt. Carlo Morici hat das Projekt von Anfang an begleitet.


Heute hatte Sdravko ein Treffen mit ihm arrangiert und ich durfte mitkommen. So eine einmalige Gelegenheit konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Wir trafen Carlo vor dem Palmetum. Schon auf den ersten Blick konnten wir erkennen, dass der Typ ganz schön verrückt zu sein scheint - im positiven Sinn. Der temperamentvolle Italiener führte uns durch den botanischen Garten und präsentierte uns voller Stolz die seltenen Palmen- und Bananenarten, die er dort anbaut. Sdravko und er waren sogleich auf einer Wellenlänge und fachsimpelten ohne Ende. Davon verstand ich natürlich nicht besonders viel, was aber nicht weiter schlimm war. 


Carlo Morici ganz in seinem Element 


Bananenstaude mit roten Saft


Am Ende lud uns Carlo sogar noch ein seine Finca in San Andrés zu besichtigen. Da waren wir natürlich mit dabei. Leider ist im Moment nicht unbedingt die Saison für Obst, weshalb es nicht viel zum Probieren gab. Die ein oder andere seltene Frucht war dann aber doch dabei. Zudem ganz viele kleine süße Mangos. Für Sdravko war das natürlich ein sehr spannender Tag, aber auch für mich war es super interessant. Ich konnte wieder sehr viel Neues lernen.


Gin Berry

Ich liebe diese kleinen süßen Mangos, obwohl sie ziemlich viele Fasern haben, die gerne zwischen den Zähnen hängen bleiben. 


Die nächsten Tage ist wandern im Anagagebirge geplant. Geschlafen wird im Freien wenn das Wetter mitspielt. Meinen unnötigen Ballast kann ich bei Silvana zwischenlagern. Vielleicht erinnert ihr euch an sie: Ich war bei meinem ersten Teneriffa Aufenthalt bei ihr und wollte ihr bei ihren Deutsch-Online-Kurs zur Hand gehen. Leider kam dann der Corona Lockdown dazwischen. Nun wollen wir nächste Woche einen neuen Versuch starten. 






Mittwoch, 20. Januar 2021

Wieder auf Teneriffa

By On Januar 20, 2021

 

Mit der Fähre nach Teneriffa

Wir machten uns also am Dienstag, dem 12. Januar, auf zum Hafen von Las Palmas. Eigentlich würde die Fähre in Agaete starten, doch dort ist vor ein paar Tagen eine Fähre direkt am Hafen gesunken und konnte bis jetzt nicht weggebracht werden. 


Im Büro des Fährenunternehmens Fred Olsen fragten wir die etwas genervt scheinende Dame genauestens aus, ob wir denn nun wirklich nach Teneriffa einreisen dürfen. Immerhin heißt es laut den Corona Restriktionen, dass Ein- und Ausreise von der Insel im Moment nur in Ausnahmefällen gestattet sei. Scheinbar hatten wir Glück, denn Tourismus fällt unter einen solchen Ausnahmefall. Wir mussten bloß eine Bestätung vorweisen, dass wir auf Teneriffa ein Unterkunft gebucht hatten und noch ein Formular ausfüllen. Im Endeffekt interessierte sich dann aber niemand für diese Dokumente. 


Die Fähre war recht leer. Ein Mitarbeiter ging mit Desinfektionsmittel durch die Reihen und drückte jedem etwas davon auf die Hand. Natürlich mussten wir auch unsere Masken tragen, welche man aber beim Essen und Trinken abnehmen durfte. Alles ganz easy. Nicht ganz so toll war der raue Seegang. Ich hatte tatsächlich Angst, dass ich mich jeden Moment übergeben müsste. Zum Glück war dem nicht so. 


San José de los Llanos - das Ende der Welt

Etwa zwei Stunden später kamen wir am Hafen von Santa Cruz de Tenerife an. Da wir unsere Unterkunft im Südwesten der Insel gebucht hatten, stand uns noch eine lange Busfahrt bevor. Wir mussten feststellen, dass sich das Hostel in einem Kaff am Ende der Welt befindet. Bei der Buchung haben wir eigentlich nur darauf geachtet, dass es günstig und in der Nähe von Wandermöglichkeiten ist. Beide Kriterien wurden hier erfüllt. Unzählige Wanderwege starten direkt vom Dorf aus und wir bezahlten gerade mal 13 Euro pro Person inklusive Frühstück. Der einzige Nachteil war, dass es keine Busverbindung direkt in das Dörfchen gibt - es nennt sich übrigens "San José de los Llanos". Die letzte halbe Stunde mussten wir eine steile Straße bergauf wandern um dort anzukommen. Unsere Gastgeberin empfing uns freundlich. Unsere Frage, ob es denn hier irdendwo ein Lebensmittelgeschäft oder ein Restaurant gäbe, verneinte sie. Ohne ein Auto wäre dies sehr schwierig. Wir waren zudem die einzigen Gäste. Pedro und ich mussten schmunzeln. Immerhin ist es nicht das erste Mal, dass wir an so einem gottverlassenen Ort landen. Da unser Magen knurrte, beschlossen wir trotzdem den Versuch zu wagen hier irgendwo etwas zum Essen zu finden. 


Wir fanden eine Bar, die aber augenscheinlich geschlossen war. Davor standen zwei Männer, welche sich gerade angeregt unterhielten. Wir fragten sie, ob es denn irgendeine Möglichkeit gäbe hier in der Nähe twas Essbares zu bekommen. Wieder lautete die Antwort, dass es ohne Auto schwierig wäre. Es stellte sich heraus, dass einer der beiden der Barbesitzer war. Aufgrund der Corona Maßnahmen darf man auf Teneriffa derzeit in Restaurants nur im Außenbereich sitzen. Da San José de los Llanos auf etwa 1.000m Seehöhe liegt und die Temperatur nach Sonnenuntergang auf den Gefrierpunkt sinkt, will natürlich kein Mensch draußen verweilen. Deshalb braucht der Arme seinen Laden erst gar nicht aufzumachen. Er erklärte sich aber bereit uns eine Flasche Wein zu verkaufen. Der nette Herr bat uns in seine Bar und stellte uns zum "Probieren" erstmals jeweils einen Viertel Liter Rotwein vor die Nase. Und als wäre das nicht genug, stand schon sogleich die zweite "Probierportion" - wieder ein Viertel Liter Rotwein - vor uns. Danach folgte noch eine Probe seines selbstgemachten Likörs. Er schien eine riesige Freude zu haben, mit jemandem plaudern zu können und ließ uns nur schwer wieder gehen. Im Endeffekt gab er uns sogar noch kleine Leckereien wie Kekse, Chips und Schokolade mit. Was für eine schöne Begegnung! So etwas findet man nur in solch abgelegenen Ortschaften wie San José de los Llanos *lach*. Leicht angeheitert ging es zurück in unsere eisig kalte Unterkunft. Die Häuser hier sind grundsätzlich nicht beheizt. Wir machten uns über das überaus "gesunde" Abendessen her ;)


Wanderung in den imposanten Vulkanlandschaften um den Chinyero 

Die Nacht war eigentlich ganz okay, wir hatten zum Glück super warme Bettdecken bekommen. 

Morgenstimmung in San Jose de los Lanos: Blick auf den verschneiten El Teide (3.715m)

Unsere Gastgeberin gab uns den Rat zum Vulkan Chinyero zu wandern. Der Weg führte uns zuerst es durch neblige Pinienwälder. Später kamen wir zum Vulkan Montaña Negra, welcher seinem Namen alle Ehre macht: er besteht aus schwarzem Lavagestein. Ich war wirklich beeindruckt. Es fühlte sich an, als würden wir durch eine Mondlandschaft wandern. Später kamen wir zu dem schwarzen Vulkankegel Chinyero (1.561m), welcher seine letzte Eruption vor etwa 100 Jahren - im Jahr 1909 - hatte. Somit ist er der letzte Vulkan, der auf Teneriffa ausgebrochen ist.  


Der Vulkan Chinyero

Zurück in unser "Kaff" wollten wir eigentlich von Santiago del Teide mit dem Bus, welcher aber aus unerfindlichen Gründen nie ankam. Wir mussten also die letzten Kilometer noch zu Fuß zurücklegen. Insgesamt sind wir heute 25 Kilometer und 1000 Höhenmeter gewandert. Es war ein überaus gelungener Tag. 

Skywalk Los Gigantes - nichts für schwache Nerven

Für den heutigen Donnerstag stand Los Gigantes auf dem Plan. Es handelt sich um einen Ort an der Westküste von Teneriffa. Er ist bekannt durch seine spektakuläre Steilküste. Die Felsen fallen hier bis zu 450 Meter senkrecht ins Meer ab. 


Blick vom Örtchen Los Gigantes auf die spektakuläre Steilküste, welche wir an diesem Tag entlang wanderten. 


Unsere geplante Wanderung stellte sich als ein absolutes Abenteuer heraus. Eine Tour, die sicher nicht für jedermann geeignet ist: der Skywalk von Los Gigantes. Er führt zuerst einen sehr schmalen Steilklippenweg entlang. Höhenangst sollte man hier keinesfalls haben und Trittsicherheit ist Grundvoraussetzung. Wir machten sogar noch einen Abstecher entlang alter Wasserkanäle. Auf Teneriffa gibt es kaum eigenes Grundwasser und keine natürlichen Seen, deshalb ist Wasser hier ein kostbares Gut. Im 19. Jahrhundert wurden deshalb diese Trinkwasserkanäle und auch Trinkwasserstollen gebaut. Damit konnte Wasser über die ganze Insel verteilt werden.


Hier an dem roten Punkt stand ich, als ich das nächste Foto aufnahm: 

Entlang dieser alten Wasserkanäle wanderten Pedro und ich in schwindelnder Höhe.


Einige dieser Trinkwasserstollen können sogar noch begangen werden. Einen davon haben wir heute gefunden. Es handelt sich um einen ein Kilometer langen Tunnel. Es ist aber äußerste Vorsicht geboten, da sich hier bereits Menschen verirrt haben oder durch herabfallende Felsen verletzt wurden. 


Der Eingang zum Stollen, den wir durchquerten.


Als wir den Stollen durchquert hatten, wanderten wir die Schlucht Barranco Mancha de Los Díaz hinab bis zu dem einsamen Strand Playa de Barranco Seco. Die Schluchten hier sind einfach gigantisch. Es scheinen auch immer wieder Menschen an diesen verlassenen Stränden zu wohnen, wir fanden nämlich ein paar ganz nett eingerichtete Höhlen - vom Stil her würde ich auf Hippies tippen. 


Der Strand Playa de Barranco Seco


Über Las Américas nach San Andrés 

Am Freitag war dann unsere Zeit in San José de los Llanos leider schon wieder vorüber. Gestern ist noch eine ältere britische Dame dort angekommen. Sie hat uns mit ihren Stories wirklich imponiert. Die Frau ist seit 10 Jahren am Reisen und erzählte uns von ihren Abenteuern (sie schläft in Höhlen, ist fast nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs,...). Sie ist bestimmt schon über 60 Jahre alt. Bin mal gespannt, ob ich auch einmal so enden werde *lach*.


Heute sollte es nach San Andrés in den Nordosten der Insel gehen - ans andere Ende also. Dort werden wir die letzten Tage von Pedro's Besuch bei mir verbringen. Über AirBnB haben wir uns ein nettes kleines Appartment gebucht. Da die Busfahrt dorthin recht lange ist, machten wir in Las Américas eine kleine Mittagspause. Länger hätten wir es dort auch gar nicht ausgehalten, immerhin handelt es sich dabei um eine der touristischen Ecken Teneriffas. Hässliche Hotelanlagen reihen sich aneinander. Aber zumindest war aufgrund der Corona Pandemie nicht allzu viel los.


Das wunderschöne Anaga-Gebirge

Das Örtchen San Andrés liegt direkt am wunderschönen Sandstrand Las Teresitas - einer der schönsten auf ganz Teneriffa - und in den Vorläufern des Anaga-Gebirges. Das Anaga-Gebirge ist eine Gebirgskette, welche vor sieben bis neun Millionen Jahren durch vulkanische Aktivitäten geformt wurde. Wegen Nebel und Regen ist das Gebiet sehr feucht und für seine saftig grünen Lorbeerwälder bekannt. 


Wir verbrachten die letzten Tage mit eindrücklichen Wanderungen in dieser malerisch schönen Region. Sie führten uns zu einsamen Stränden und imposanten Aussichtspunkten. Wir begegneten nur sehr selten anderen Wanderern. Dafür entdeckten wir viele alte Ruinen und erkletterten den alten Leuchtturm in der Nähe von Igueste. Aber ich denke Bilder sagen mehr als tausend Worte ;)


Blick von La Atalaya hinunter nach Igueste


Barranco de Aguas de San Andres


Taganana 

Ich beim Erklettern des alten Leuchtturms Semaforo de Anaga

Blick in Richtung Roque de Antequera

Playa de Antequera


Mittlerweile hat Pedro mich wieder verlassen. Es ist immer ein eigenartiges Gefühl alleine weiterzureisen, wenn man so lange in Gesellschaft war. Immerhin waren es fünfzehn ganze Tage - fünfzehn unvergesslich schöne Tage! 


Nun freue ich mich aber auch schon wieder auf die Abenteuer des Alleinreisens. 

Hasta luego!


Eure Michi :)




=> Hier findest du alle meine Fotos und Videos von Teneriffa :) <=