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Mittwoch, 20. Dezember 2023

New Plymouth und der beeindruckende Mount Taranaki

By On Dezember 20, 2023

 

Autsch!

Mein Zwischenstopp in Auckland erwies sich als äußerst nützlich. Die Stadt an sich ist ja eigentlich nicht mein Ding, aber wenn man samstags einen Zahnarzt braucht, dann hat so eine Großstadt schon so seine Vorteile. Nachdem mir mein bereits mehrfach wurzelbhandelter Backenzahn schon seit Tagen Schmerzen bereitete, beschloss ich am Samstag Morgen, dass sich das besser ein Spezialist ansehen sollte. Nach langem Herumtelefonieren fand ich eine Zahnarzt, der offen hatte und mir spontan einen Termin anbieten konnte. Nach einer kurzen Untersuchung klärte er mich auf, dass der Zahn wohl seine besten Tage hinter sich hat und er mit einer weiteren Wurzelbehandlung von einer maximalen Erfolgsquote von 40% ausgehen würde. Mein Geldbeutel und meine Geduld waren von dem Zahn nun genug strapaziert und ich beschloss ihn mir ziehen zu lassen. Da er sich ziemlich wehrte musste ich eine über einstündige Folter über mich ergehen lassen bis sämtliche Teile des Zahns heraußen waren (das hoffe ich zumindest). Nun ist erstmal einige Tage Breikost angesagt. Zudem wurde ich mit einer ordentlichen Ladung Schmerzmittel eingedeckt, um die ich aber letztendlich ganz froh war.


New Plymouth - eine Küstenstadt am Füße des Mount Taranaki

Am Sonntag Morgen ging es mit leicht geschwollener Backe weiter nach New Plymouth. Bereits die Busfahrt war beeindruckend: saftig grüne Hügel, Flüsse und Schafe ohne Ende. Die Stadt selbst war mir gleich von von Anfang an sympathisch. Sie liegt am Fuße des imposanten Mount Taranaki mit seinem schneebedeckten Gipfel. Es handelt sich hierbei um einen aktiven Vulkan mit einer sehr symmetrischen Form. Er stellt das markante Wahrzeichen von New Plymouth dar. Weiters ist die Region hier ein Paradies für Surfer aufgrund der fantastischen Wellen und einer lebendigen Surfkultur. 

Mount Taranaki - ein aktiver Vulkan

Ich wurde von dem Kiwi-Pärchen Esther und Alister - meinen Couchsurfing Gastgebern - herzlich in ihrem Zuhause empfangen. Mein Schlafzimmer dort macht jedem 5-Sterne-Hotel Konkurrenz: es ist vermutlich das gemütlichste Bett, in dem ich jemals geschlafen habe. Ein riesiges Queensize Bett mit etlichen Daunenkissen. Und alles frisch gewaschen und duftend. So etwas erlebe ich auf meinen Reisen tatsächlich selten. In manchen Haushalten wird Bettwäsche nämlich einfach gar nie gewaschen (zumindest lässt der Geruch das vermuten). Genauso flauschig und wohlriechend wie das Bett ist ihr kleiner kuschelbedürfiger Hund "Malo". Und als wäre das nicht genug wurde ich jeden Abend mit einem super leckerem Abendessen überrascht. Alister hat am ersten Abend sogar extra wegen meiner Zahngeschichte eine Gemüsecremesuppe gemacht.

Der Coastal Walk

Nach einer erholsamen Nacht startete ich am Dienstag Morgen den Coastal Walk in New Plymouth - eine eine Wanderung entlang der spektakulären Küste. 



Zudem besuchte ich noch das kostenlose Museum der Stadt, welches auf alle Fälle empfehlenswert ist. 

Ich hatte das Glück das "Festival of Lights" in New Plymouth erleben zu können, welches erst vor ein paar Tagen gestartet hat. Es findet jedes Jahr während der Sommermonate im Pukekura Park statt. Gemeinsam mit Esther und Allister ging es am Dienstag Abend bei Einbruch der Dunkelheit dorthin. Wir konnten super beeindruckende Licht- und Soundeffekte von verschiedenen Künstlern bestaunen. 

"Festival of Lights" in New Plymouth

Pouakai Crossing - Mount Egmont Nationalpark

Am Dienstag wurde ich frühmorgens von einem Shuttle abgeholt. Das Ziel sollte der Egmont Nationalpark sein, wo das Pouakai Crossing - eine Tageswanderung mit super schönen Aussichten - am Plan stand. Das Shuttleservice ist ziemlich praktisch wenn man kein Fahrzeug hat. Busse fahren leider keine dorthin und es per Anhalter zu versuchen war mir etwas zu riskant, da die Wanderung scheinbar den ganzen Tag dauern sollte. Ich staunte nicht schlecht, als die drei weiteren Fahrgäste ebenso deutschsprachig waren: zwei 18-jährige Jungs, die gerade ihre Ausbildung beendet hatten und Jasmin - eine junge Frau in meinem Alter, die sich erstmals in die große weite Welt wagt. Kurzerhand beschlossen wir gemeinsam loszuwandern. 

Wir hatten den ganzen Tag ungetrübten Sonnenschein, wodurch sich spektakuläre Aussichten auf den schneebedekten Mount Taranaki boten. 

Blick auf den schneebedeckten Gipfel des Mount Taranaki 


Entlang der Wanderwege sind alle 50-100m Fallen aufgestellt. Hier mit einer toten Ratte. In anderen befanden sich Possums (zumindest hätte ich sie als solche identifiziert). Als Köder dient ein Ei. Man macht dies zum Schutz der einheimischen Vögel.  

Holly Hut - eine Selbstversorgerhütte. Im Hintergrund der Mount Taranaki

Die Wanderung war um einiges einfacher als ich dachte. Die Wege sind in einem top Zustand und es geht abwechselnd leicht bergauf und bergab. Ich hätte meinen Internetrecherchen nach eine super anstrengende, fast schon hochalpine Tour erwartet. Aufgrund meiner überschüssigen Energie beschloss ich einen kleinen Abstecher zu den Bells Wasserfällen zu machen. Meine drei deutschen Freunde konnte ich die Idee aber nicht wirklich schmackhaft machen, also machte ich mich alleine auf den Weg. Das war dann auch der schwierigste Teil der Wanderung. Scheinbar wird dieser Trail nicht so oft begangen, weshalb er etwas zugewachsen war. Zudem war es ziemlich matschig. Der Wasserfall selbst war wunderschön, man konnte aber leider nicht ganz nah ran. Also natürlich könnte man, aber das wäre eine wilde Flusswanderung geworden und ich war mir nicht sicher, ob die Zeit das noch zugelassen hätte.

Bells Falls

Ahukawakawa Swamp - eine Sumpflandschaft durch die der Wanderweg auf Holzstegen führt.

Als ich später meine neuen deutschen Freunde wiedertraf musste ich feststellen, dass ich wohl das absolute Highlight übersehen hatte: einen kleinen See, in dem sich der Mount Taranaki ziemlich spektakulär spiegelt. Er ist für viele Foto-Fanatiker der einzige Grund warum sie die ganze Wanderung überhaupt machen. Ich musste schmunzeln. Ähnliche Versäumnisse solcher Sehenswürdigkeiten sind mir tatsächlich schon öfter passiert, was wahrscheinlich an meiner bedürftigen Recherche liegen könnte. Nichtsdestotrotz störte es mich nicht sonderlich, da es an solchen Orten meist nur so wimmelt von Menschenmassen, was für mich die Stimmung dann sowieso zerstört. 

Goodbye New Plymouth

Nachdem ich mich heute Morgen von Esther und Alister verabschiedet hatte, verbrachte ich den Tag noch in New Plymouth. Meinen großen Rucksack durfte ich in der Zwischenzeit im Stadtmuseum lagern. Scheinbar muss man normalerweise 5 NZ$ bezahlen, der nette Mitarbeiter dort meinte aber das sei schon in Ordnung so. Da ich vorgestern nur einen Teil der Küstenwanderung geschafft habe, wollte ich nun den Rest davon erwandern. 

In der Ferne sieht man bereits mein nächstes Ziel: der Paritutu Rock

Der heutige Höhepunkt - im wahrsten Sinne des Wortes - war der Paritutu Rock. Es handelt sich dabei um einen beeindruckenden Felsen, der einen spektakulären Rundumblick auf die Küstenlandschaft und die Stadt New Plymouth bietet. Das Ganze gestaltete sich als kleine Kletterherausforderung, vor allem da ich in Flip-Flops unterwegs war. Letztendlich beschloss ich den Fels barfuß zu erklimmen. 

Ausblick vom Paritutu Rock. Auf diesen kleinen Inseln im Meer leben scheinbar Robbenkolonien

Eine kleine Kraxelei


Nun warte ich auf meinen Bus in Richtung Stratford. Die Fahrt dorthin dauert nur eine Stunde. Dort werde ich über Weihnachten auf einer kleinen Schweine- und Hühnerfarm arbeiten. 


Praktische Infos:

  • Shuttleservice von New Plymouth zum Egmont Nationalpark kann man HIER buchen. Man wird morgens in New Plymouth direkt von der Unterkunft abgeholt und zum Startpunkt für die Wanderung gebracht. Nachmittags um 16 Uhr wird man vom Endpunkt der Wanderung wieder abgeholt. 
  • Pouakai Crossing: ca 19 km und 900 Höhenmeter. Inklusive Bells Falls: 22km und 1000 Höhenmeter.  




=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos von New Plymouth <=



=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos vom Egmont Nationalpark und dem Mt Taranaki <=







Donnerstag, 14. Dezember 2023

Possumjagd & Segeltrip im hohen Norden Neuseelands

By On Dezember 14, 2023

 

Possumfelle und Anitquitäten

Mit Gummistiefeln und Latzhose stand mein neuer Couchsurfing Gastgeber Michael vor mir. Er passte wieder genau in mein Bild der verrückten Kiwis im hohen Norden Neuseelands. Es stellte sich heraus, dass er tatsächlich ein ziemlich schräger Vogel ist, jedoch mit einem großen Herz. Er holte mich von Mangonui ab, da er gerade zufällig dort war. Michael ist nämlich Bienenexperte und musste nach den erkrankten Bienen eines Imkers dort schauen. In seinem mit Possumfellen dekorierten Pick-up ging es nun in Richtung Russell. Es wurde mir sogleich klar, dass der Aufenthalt bei ihm ziemlich außergewöhnlich werden würde. Er zeigte mir auf der Fahrt noch ein paar schöne Ecken von Bay of Islands. Zudem stoppten wir an einem Feld mit grasenden Pferden. Michael liebt nämlich Pferde. Also eigentlich liebt er generell Tiere. 


Michael's abgelegenes Zuhause ist ein bescheidenes kleines Häuschen mit traumhafter Aussicht direkt aufs Meer. Ich hatte das Privileg in einem alten Vintage-Campervan neben seinem Haus zu schlafen. Es lassen sich allerhand interessante Antiquitäten finden bei ihm. Darunter beispielsweise ein Spinnrad. Mit Anfang vierzig ist er wohl der einzige Mann auf dieser Erde, der noch die Kunst des Spinnens beherrscht, denn er benutzt dieses Ding tatsächlich noch. Vor dem Haus steht noch ein riesiger Regenwassertank - seine Wasserversorgung. 


In diesem Vintage-Campervan durfte ich schlafen. Eingebettet in jede Menge Kissen und Decken war es richtig gemütlich da drin.


Das Spinnrad


Possumjagd

Mit einem Gewehr in der Hand fragte mich Michael ob ich denn schießen könnte. Ich verneinte. Er bot mir an es zu lernen und später mit ihm auf Possumjagd zu gehen. Ich glaube ich habe es schon einmal erwähnt, dass diese Tiere in Neuseeland eine ziemliche Plage sind, da sie von Australien eingeschleppt wurden und hier recht viel zerstören. Auf alle Fälle war ich natürlich sofort begeistert von seiner Idee. Die Schießübungen liefen gar nicht so schlecht. Als wir uns dann nachts in den Busch wagten, war ich leider nicht mehr so erfolgreich. Wir haben zwar zwei von den ulkigen Tierchen gesehen, aber eins ist uns auf einen hohen Baum entwischt und das andere ins Gebüsch. Trotz allem war es ein riesiges Abenteuer. Zudem war es eine sternenklare Nacht. Von hier aus scheint die Milchstraße so unglaublich nah. 



Russell Erkundungstour

Ich habe super gut geschlafen in dem alten Campervan. Nachts hörte man sogar die Kiwis, gesehen habe ich aber leider immer noch keinen. Michael musste arbeiten und lud mich in Russell ab - ein hübsches kleines Küstendorf mit einer entspannten Atmosphäre. Es hat eine historische Bedeutung, da es die erste Hauptstadt Neuseelands war und zudem ein wichtiger Hafen für den Handel im 19. Jahrhundert. 

In der Umgebung von Russell gibt es einige Wanderwege mit beeindruckenden Aussichten, welche ich an diesem Tag ausreichend erkundschaftet habe. Darunter zum Beispiel der Flagstaff Hill. Auf dem Gipfel dieses Hügels steht ein Flaggenmast, der in den 1840er Jahren errichtet wurde. 



Ausblick vom Flagstaff Hill hinunter nach Russell

Der Hafen von Russell

Segelabenteuer in der Bay of Islands

Als Michael mich am Nachmittag wieder einsammelte fragte er mich, ob ich Lust hätte mit ihm auf einen kurzen Segeltrip zu kommen. Er müsste nämlich vor Weihnachten noch unbedingt zu seinem zweiten Ankerplatz hinaussegeln, um nach dem Rechten zu sehen. Tatsächlich finde ich alle seine Ideen absolut genial. Natürlich wollte ich mitkommen! So eine Gelegenheit bietet sich immerhin nicht alle Tage. Wir packten ausreichend Verpflegung und warme Kleider ein - mit dem Wind kann es nämlich ziemlich kühl werden - und dann ging es auch schon los. Wir wurden bereits von hohen Wellen begrüßt, als wir mit dem Dingi - das kleine Beiboot - zum Selgeboot ruderten. Das sollte heißen, dass wir inklusive all unser Zeug klatschnass dort ankamen. 


Das Dingi fertig bepackt


Michael erklärte mir die Grundlagen des Segelns und ließ mich dann auch schon gleich das Segelboot steuern. Der Höhepunkt des Tages waren neben dem traumhaften Sonnenuntergang die selbstgefangenen Fische (Schnapper), die zu einem leckeren Abendessen verarbeitet wurden. 


Zum ersten Mal im Leben steuere ich ein Segelboot

Abendessen


Die Nacht an Bord verlief erfreulicherweise sehr gut. Es war richtig angenehm im leichten Schaukeln des Bootes zu schlafen. Am nächsten Morgen begrüßte uns strahlender Sonnenschein. Zum Frühstück erwartete mich ein weiteres kulinarisches Abenteuer: selbstgebackener Bananenkuchen von Michael. Er hat mich schon vorgewarnt, dass er nicht der beste Koch sei. Optisch war das Ding tatsächlich katastrophal, es ist nämlich in einen einzigen Bröselhaufen zerfallen. Geschmacklich war es überraschenderweise ein Gedicht. Gegessen wurde es sozusagen als Fingerfood ;)


Michael's vorzüglicher selbstgebackener Bananenkuchen ;)


Wir segelten weiter auf die Insel Moturua. Dort machten wir einen Stopp und wanderten einmal um die kleine Insel, was nur etwa eine gute Stunde dauerte. Und natürlich ging es zur Abkühlung auch ab ins Meer. Die neuseelanländische Sonne ist ultra stark. Ich bin normalerweise nicht sonderlich konsequent mit Sonnencreme, aber hier bekomme ich sogar mit LSF 50+ einen Sonnenbrand. 


Moturua Island

Michael's Selgeboot heißt übrigens "Timeless"

Auf dem Rückweg nach Russell haben wir es tatsächlich geschafft das kleine Dingi zu verlieren. Michaels Begeisterung hielt sich in Grenzen. Es war immerhin nicht einfach so ein kleines Boot im großen weiten Ozean wiederzufinden. Die starke Strömung lässt es nämlich ziemlich schnell irgendwo im Nirgendwo verschwinden. Ich habe bestimmt schon einmal erwähnt wie freundlich und hilfsbereit die Neuseeländer sind, trotzdem muss ich es noch einmal hervorheben. Ein liebenswertes Pärchen mit Motorboot half uns kurzerhand bei der Suche. Und siehe da, sie konnten es tatsächlich finden und brachten es uns zurück. Was für ein Glück!



Wieder zurück Zuhause bei Michael war ich völlig platt und konnte mich kaum noch vom Sofa bewegen (ich machte "Couchsurfing" also alle Ehre *lach*). Ich war am ganzen Körper krebsrot und fühlte mich als hätte ich einen leichten Sonnenstich. Ja, so ein 2-tägiger Segeltrip an der prallen Sonne ist nicht zu unterschätzen. 


Es weihnachtet sehr bei Michael zu Hause ;)


Meine Zeit hier in Russell bei Michael - einem ebenso schrägen wie liebenswerten Gesellen - geht nun wieder zu Ende. Die Possumjagd, das Segelabenteuer und der legendäre Bananenkuchen - das alles machte dieses Couchsurfing-Abenteuer im hohen Norden von Neuseeland zu einem absolut unvergesslichen Erlebnis. 


Michael brachte mich heute Morgen zur Fähre von Russell nach Paihia (Dauer 10 min, Preis 10 NZ$). Von da aus geht es nun gleich mit dem Intercity Bus wieder nach Auckland, zu einem kurzen Zwischenstopp. Mein nächstes Ziel wird New Plymouth sein. 





=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos von Russell 

& Bay of Islands <=






Dienstag, 12. Dezember 2023

Abenteuer im Honeymoon Valley - Zwischen Kiwis, Hippies und Kürbiskernöl

By On Dezember 12, 2023


Angekommen im ungezwungenen hohen Norden

Nach einer recht kurzweiligen Busfahrt durch die malerischen Landschaften des Hohen Nordens von Neuseeland erreichte ich letzten Mittwoch das Örtchen Taipa. Dort erwartete mich Gerlinde bereits, bei der ich die nächste Woche auf ihrer kleinen Livestock-Farm in Haus und Garten aushelfen werde. Erst jetzt eröffnete sie mir, dass sie ebenso wie ich Österreicherin ist aber schon seit etwa dreißig Jahren in Neuseeland lebt. Was für ein Zufall! Sie ist Lehrerin an der Grundschule hier im Ort und musste noch eine Stunde unterrichten. Sie setzte mich währenddessen am Strand von Taipa ab, so hatte ich etwas Zeit die idyllische Gegend zu erkunden. Ich habe mittlerweile schon öfter gehört, dass die Neuseeländer ein ziemlich lässiges Volk sind, aber dass sie sogar ihre Kinder barfuß von der Schule abholten, erstaunte mich trotzdem. Hier geht es absolut unbeschwert und entspannt zu, zudem sind alle überaus freundlich. An den starken Akzent muss ich mich noch ein bisschen gewöhnen, teilweise tue ich mir wirklich schwer die Kiwis zu verstehen. 


Das malerische Honeymoon Valley

Es ging eine unsaphaltierte Straße entlang hinein den Busch. Fasziniert schaute ich aus dem Fenster. Was für ein schöner Kontrast zu Auckland! Endlich lerne ich das richtige Neuseeland kennen. Gerlinde erklärte mir, dass es hier in den Wäldern ziemlich viele Kiwis - gemeint ist diesmal der Vogel - gäbe, man diese aber nur äußerst selten zu sehen bekomme. Viele Neuseeländer haben ihren Nationalvogel wahrscheinlich noch nie in freier Wildbahn gesehen. Angekommen bei Gerlindes Erdhaus staunte ich nicht schlecht: Es handelte sich um ein wahrliches Gartenparadies. Neben Kräutern, Gemüse und Obstbäumen hat sie auch noch ein paar Hühner, die uns täglich mit frischen Eiern beglückten. 


Honeymoon Valley im hohen Norden Neuseelands

Gerlindes Erdhaus


Ein Hauch von Österreich

Gerlinde zauberte leckere Mahlzeiten aus dem frischen Gartengemüse, verfeinert mit allerlei Kräutern. Zu meinem Erstaunen servierte sie zum Salat ein echtes Steirisches Kürbiskernöl. Zudem wurde ich an meinem Ankunftstag mit Gefüllten Paprika überrascht. Ich fühlte mich sofort wie Zuhause :) 


Außer mir und Gerlinde ist noch eine 23-jährige Schottin namens Skye hier. Während Gerlinde tagsüber in der Schule unterrichtet gibt sie uns ein paar Arbeiten im Garten und im Haus auf. Mein grüner Daumen entwickelte sich recht schnell und das entspannte Unkraut jäten machte mir tatsächlich immer mehr Spaß. Nach getaner Arbeit kletterte ich täglich zu dem Fluss in der Nähe von Gerlindes Haus hinunter, um dort ein paar Runden zu schwimmen. Er ist stellenweise richtig tief und fließt nur sehr langsam, was das Ganze zu einem richtigen Vergnügen macht. Rundherum flattern die buntesten Vögel und unterhalten mich mit ihren ziemlich beeindruckenden Gesängen. Da kann das Federvieh, das wir von zu Hause kennen, nicht ganz mithalten. Einen Kiwi habe ich aber leider nicht zu Gesicht bekommen. Ich schaffte es sogar mich zu morgendlichen Jogging-Einheiten aufzuraffen, was in der idyllischen Umgebung gar nicht so schwer war. 


Der neuseeländische Weihnachtsbaum. Er blüht nur zur Weihnachtszeit :)

Ein totes Possum. Von diesen Tieren gibt es hier mehr als genug. Scheinbar sind sie eine richtige Plage und wurden von Australien eingeschleppt. Viele Einheimische jagen sie deshalb. Dieses hier kam aber vermutlich unters Auto. 

Der Fluss neben Gerlindes Haus wurde zu meiner alltäglichen Abkühlung


Wilde Hippie-Vibes

Gerlindes Nachbar Wayne, ein ziemlich bunter Vogel, nahm Skye und mich am Sonntag Nachmittag mit zu einem Live-Konzert in einer alten Scheune. Dort angekommen waren wir ziemlich überrascht. Das Ganze erinnerte mich an eine richtige Hippie-Party: barfuß und in bunten Kleidern wurde ausgelassen getanzt. In der Scheune waren Bierbänke und alte Sofas aufgestellt. Von kleinen Kindern bis hin zu älteren Semestern war alles vertreten. Sogar Hunde spazierten gemütlich über die Bühne. Es lag der süße Duft von dem verbotenen Grünzeug in der Luft und die Stimmung war super entspannt und freundlich. Wayne stellte uns ein paar seiner Freunde vor und es dauerte nicht lange bis wir uns unter das Hippie-Volk gemischt hatten. Skye und ich waren die einzigen Ausländer, der Rest bestand aus waschechten Kiwis. Darunter ein paar richtig schräge Gestalten. Eine davon blieb mir in besonderer Erinnerung. Sie erzählte uns, dass ihr Sohn heute seinen 32. Geburtstag hätte. Dieser stand bloß mit einem breiten Grinsen neben ihr, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Als wäre es die normalste Sache auf der Welt erklärte sie uns daraufhin: "I microdosed him on mushrooms for his birthday." Ich glaube die junge Skye war daraufhin - verständlicherweise - fast ein bisschen traumatisiert. Neben dieser etwas skurrilen Anekdote gab es natürlich auch ein paar "normalere" Begegnungen, immerhin waren etwa 200 Menschen vor Ort. Ich war bloß froh, dass das Vergnügen bereits am Nachmittag startete und wir somit gegen 21 Uhr den Rückweg antraten. Trinken und Autofahren sei hier überhaupt kein Problem, klärte uns Wayne auf. Zum Glück kamen wir alle wieder heil zu Hause an. Was für ein verrückter Tag - ein wildes Live-Konzert in einer alten Scheune und eine mikrodosierte Geburtstagsfeier. Der hohe Norden von Neuseeland steckt wirklich voller Überraschungen. 


Eine wilde Hippie Party ;)


Mittlerweile ist meine Zeit im Honeymoon Valley auch schon wieder vorüber. Skye und ich fuhren am Morgen mit Gerlinde nach Taipa, da diese arbeiten musste. Wir machten währenddessen eine Wanderung der Küste entlang bis nach Mangonui, was wirklich sehr beeindruckend war. Gerlinde kam nach Dienstschluss zu uns nach Mangonui und wir genehmigten uns noch einen Abschiedsdrink in dem Pub dort. Für mich geht die Reise wieder weiter. Ich werde noch ein paar Tage im verrückten hohen Norden des Landes verweilen. Es geht nämlich gleich nach Russell, wo ich drei Nächte bei einem Couchsurfing Gastgeber verbringen werde. Bin schon gespannt, ob das auch so ein schräger Vogel ist, wie die anderen Kiwis, die ich hier kennengelernt habe. Aber ich mag schräg irgendwie ;) 


Auf unserer Wanderung von Taipa nach Mangonui

Auch hier wieder der neuseeländische Weihnachtsbaum

Mittagspause am Strand 



=> Hier findest du noch mehr Fotos vom Honeymoon Valley <=


=> Hier findest du noch mehr Fotos von Taipa & Umgebung <=







Dienstag, 5. Dezember 2023

Willkommen im Land der Kiwis

By On Dezember 05, 2023

 

Mit dem Begriff Kiwi meint man hier in Neuseeland dreierlei Sachen. Zum einen ist da die wohl jedem bekannte Kiwi-Frucht. Dann gibt es noch den vom Aussterben bedrohten Nationalvogel und zuguterletzt bezeichnen sich die Einwohner Neuseelands selbst auch als Kiwis. 


Meine Anreise lief überraschenderweise sehr komplikationslos. Nicolas fuhr mich in Nouméa zur Bushaltestelle Richtung Flughafen (die ich ohne ihn tatsächlich nicht gefunden hätte).  Beim Check-in wurde mein Weiterreiseticket verlangt, was ich diesmal sogar bis nach Hause vorweisen konnte, um mir ein nervenaufreibendes Theater wie am Flughafen in Fiji ersparen zu können. Bekanntlich sind die Einreisebestimmungen in Neuseeland ziemlich streng, vor allem wenn es darum geht tierische oder pflanzliche Produkte einzuführen. Man muss sogar Wanderschuhe und Campingausrüstung deklarieren. Diese müssen nämlich fein säuberlich geputzt sein, um möglichst keinen Dreck oder gar Samen von anderen Ländern einzuführen. Ich deklarierte also meine Wanderschuhe. Letztendlich wurden diese gar nicht kontrolliert - das passiert wohl eher stichprobenmäßig. Die nette Dame bei der Einreisekontrolle vertraute meiner Aussage, dass ich sie gründlichst geputzt habe. Ich muss sagen, dass dies wohl der schnellste und unkomplizierteste Immigrationsprozess war, den ich jemals erlebt habe. Und ich war äußerst erleichtert, dass sie meinen Krokodilknochenschmuck aus Papua-Neuguinea nicht gefunden haben. 


Ich besorgte mir noch eine SIM-Karte im Duty-Free Bereich, da man sie dort günstiger bekommt, weil die Steuer wegfällt. Vor dem Flughäfengebäude fand ich sogleich den Skydrive Bus, der direkt ins Zentrum von Auckland fährt. 


Angekommen in Auckland


Ein paar Fakten über Neuseeland

Neuseeland gilt als das jüngste Land der Erde, da es erst im 16. Jahrhundert von europäischen Seefahrern besiedelt wurde. Die Landschaft ist grün und bergig. Zudem hat das Land mit seinen gut vier Millionen Einwohnern eine sehr geringe Bevölkerungsdichte. Dreiviertel davon leben auf der Nordinsel und ein Viertel auf der Südinsel. Die Neuseeländer gelten als äußerst ruhige und entspannte Menschen. 


Verregnete Tage in Auckland

Das Land empfing mich gleich mit drei Regentagen. Das war natürlich erstmal eine willkommene Abwechslung zu der Hitze auf den südpazifischen Inseln. Ich kam in einer Airbnb Unterkunft unter. Man hat mich im Vorhinein schon gewarnt, dass Neuseeland sehr teuer sei. Nach Neukaledonien kann mich aber nichts mehr so schnell schockieren. Bei meinem ersten Supermarktbesuch war ich sogar eher positiv überrascht über die Preise. Ich würde sie etwa mit der Schweiz vergleichen. Im Gegensatz zu den kleinen Südpazifik Inseln hat man hier eine unwahrscheinliche Auswahl und vor allem auch qualitativ hochwertigere Produkte. Somit artete mein erster Supermarktbesuch fast in einen Kaufrausch aus. Vor allem lechzte mein Körper nach Obst und Gemüse. 


Insgesamt verbrachte ich nun drei volle Tage in Auckland. Ich schlenderte durch die Queenstreet - die bekannteste Einkaufsstraße der Stadt - und ließ es mir auch kulinarisch wieder einmal richtig gut gehen. Mir kam zufällig eine Reisebekanntschaft aus einem Hostel in Fidschi wieder in den Sinn: Jakub - ein polnischer Arzt mit Oktoberfesthut, der seit einigen Jahren in Auckland wohnt. Vermutlich blieb er mir vor allem wegen dem Oktoberfesthut in Erinnerung, da es mich schon ziemlich verwunderte einen solchen auf Fidschi zu sehen zu bekommen. Kurzerhand kontaktierte ich Jakub und er schlug mir auch gleich ein Treffen vor. Nachdem wir gemeinsam einen Kaffee im 29. Stockwerk seiner Wohnung genossen haben, fuhren wir in Richtung Küste für eine kleine Wanderung. Genauer gesagt zur Mercer Bay


Mercer Bay

Die Gegend war wunderschön und die Pflanzenwelt sehr eindrücklich. Einiges davon wie zB die Margeriten erinnerte mich sehr an Zuhause. Lediglich der Regen trübte das Vergnügen ein kleines bisschen. Aber so kam wenigstens meine Regenjacke wieder einmal zu Einsatz. Ich glaube tatsächlich ich habe sie auf dieser Reise erst einmal - bei der Besteigung des höchsten Berges von Papua Neuguinea - gebraucht. Interessant fand ich es, dass man vor und nach dem Betreten des Wanderweges seine Schuhe in speziell dafür vorgesehenen Anlagen reinigen und desinfizieren musste. Damit versucht die Regierung das Artensterben des Kauri-Baums einzudämmen. 





Beim Reinigen und Desinfizieren meiner Schuhe ;)


Mein erster Eindruck von Neuseeland - bzw wohl eher Auckland - ist ganz positiv. Mal abgesehen davon, dass ich kein Fan von solchen großen Städten bin. Aber es ist auch mal ganz angenehm wieder richtig in der Zivilisation zu sein. Es wurde mir jedoch bereits gesagt, dass die Stadt Auckland nicht sehr repräsentativ für das Land ist. Überall sonst sei es viel schöner. Preislich bin ich wie gesagt bis jetzt noch nicht mega geschockt, aber vielleicht kommt das ja noch. Die Kiwis scheinen absolut bodenständige und freundliche Menschen zu sein. Es ist überall sehr sauber und öffentliche Toiletten sind fast immer kostenlos. Auffällig fand ich die unzähligen Vape-Shops. Gefühlt gibt es die an jeder Ecke. Wie ich erfahren habe, lieben es die Neuseeländer zu vapen - also E-Zigaretten zu konsumieren. 


Wie geht's weiter?

Ich habe mittlerweile eine Leidenschaft für Workaway/Helpx - oder wie die diversen Plattformen alle heißen - entwickelt. Also wenige Stunden am Tag arbeiten und im Gegenzug Kost und Logis erhalten. Dafür gibt es in Neuseeland unzählige Möglichkeiten. Somit wird es Morgen ganz in den Norden der Nordinsel gehen. Dort werde ich bei einer netten Dame rund ums Haus und im Garten mithelfen. Es handelt sich um ein Erdhaus, das irgendwo mitten im Busch im Honeymoon Valley liegt. Ich freue mich schon riesig darauf, da ich nun auch schon wieder genug habe vom Stadtleben. Zudem soll das Wetter endlich besser werden. Morgen früh starte ich also zum Intercity-Busbahnhof und habe dann eine etwa 6-stündige Busfahrt vor mir. 


Praktische Infos:

  • Um in Neuseeland einreisen zu dürfen muss man spätestens 72 Std vorher eine elektronische Einreisegenehmigung ausfüllen. Sehr praktisch dafür ist die NZeTA-App. Kosten für die Einreisegenehmigung: 30 Euro.  
  • Wenn man sich die SIM-Karte am Flughafen noch im Duty-Free Bereich kauft, spart man sich die Steuer. Am empfehlenswertesten sind One NZ (ehemals Vodafone) und Spark. Ich entschied mich für Spark. 
  • Vom Flughafen ins Zentrum vom Auckland würde ich den Skydrive Bus empfehlen. Er fährt etwa alle 30 Minuten ab und kostet 18 NZ$ (= 10 €).
  • Für Langstrecken-Busfahrten innerhalb Neuseelands ist der Intercity empfehlenswert. Man kann die Bustickets online auf der entsprechenden Webseite kaufen. 


=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos von Auckland & Umgebung <=






Samstag, 2. Dezember 2023

Route Neukaledonien

By On Dezember 02, 2023

 

Reisezeitraum & Route: 

04.11.2023 - 02.12.2023

VANUATU - Nouméa - Boulouparis - Nouméa - Ile des Pins - Nouméa - NEUSEELAND







=> Hier findest du alle meine Fotoalben von Neukaledonien <=






Freitag, 1. Dezember 2023

Campen auf der Kieferninsel in der Südsee

By On Dezember 01, 2023

 

Es trieb mich also wieder nach Nouméa, die Hauptstadt  Neukaledoniens, um von dort aus zu planen wo es als nächstes hingeht. Mittlerweile bin ich schon über drei Monate unterwegs und mein Reisetempo wird zunehmends langsamer. Das eigentlich immer so bei mir wenn ich auf einer längeren Reise bin. Neben dem ständigen Ein- und Auspacken des Rucksacks wird auch das Planen und Recherchieren mit der Zeit etwas mühsam. 


Ich fand einen mega lieben Couchsurfing Gastgeber in Nouméa: Nicolas. Er hat eine sehr spannende Vergangenheit. Einen großen Teil seiner Kindheit lebte er mit seinen Eltern und Geschwistern auf einem Segelboot. Dementsprechend "speziell" ist auch sein Lebensstil. Er hat sich ein hübsches Häuschen mit Garten und Jacuzzi gekauft, arbeitet als Sofware-Ingeneur und führt ein äußerst entspanntes Leben - was bestimmt auch durch seinen ziemlich beträchtlichen Graskonsum bedingt ist ;) Aber das Zeug scheint mir hier im Lande sowieso recht beliebt zu sein. Vielleicht erklärt das die gemütliche Lebensweise der Neukaledonier?


Auf alle Fälle habe ich ein super gemütliches Zimmer bei ihm im Haus und er hat mir sogar seine Haustürschlüssel anvertraut. Ich fühlte ich also von Anfang an wie zu Hause und machte natürlich auch von dem kleinen Pool reichlich Gebrauch. Man muss aber dazu sagen, dass ich ihm als Gegenleistung das Haus einmal ordentlich durchgeputzt habe - was auch dringend nötig war. Am Wochenende machten wir gemeinsam einen Roadtrip ganz in den Süden der Insel zu seinem Lieblingsplatz an einem wunderschönen Fluss. Es war keine Menschenseele weit und breit. Wir spazierten die Wanderwege entlang, picknickten am Flussufer und schmissen uns zwischendurch natürlich in das kühle Nass. 


Nächster Stopp: Ile des Pins

Nachdem ich vier Nächte bei Nicolas verbracht hatte, war es an der Zeit weiterzuziehen. Nachdem es mir bereits von mehreren Einheimischen nahegelegt wurde, sollte es nun endlich auf die Ile des Pins - zu Deutsch: Kieferninsel - gehen. Es handelt sich scheinbar um ein wahres Paradies. Unterkunftsmäßig gibt es dort vereinzelt ein paar völlig überteuerte Hotels und jede Menge Campingplätze, die im Schnitt 8 - 10 € pro Person und Nacht verlangen. Ich entschied mich also zu campen. Man muss aber im Vorhinein reservieren, vor allem wenn man ein Zelt mieten möchte. Das war gar nicht so einfach, da auch dort kein Mensch Englisch spricht. Reservierungen funktionieren prinzipiell nur telefonisch, da E-Mails nicht beantwortet werden. Da mein Französisch noch nicht ausreicht für ein Telefonat, war ich echt froh, dass Nicolas das dann für mich erledigt hat. Er fuhr mich dann am Samstag Morgen sogar zum Hafen. Von dort aus ging es 2,5 Stunden lang mit der Fähre weiter. Die Überfahrt verlief zum Glück sehr ruhig. Ich bin ja etwas vorgeschädigt von dieser schrecklichen 18-stündigen Bootsfahrt in Papua Neuguinea


Ein tropisches Paradies mit Kiefernwäldern

... so würde ich die Insel in wenigen Worten beschreiben. Sie verdankt ihren Namen übrigens James Cook, der sie im Jahr 1774 auf seinem Weg nach Neuseeland entdeckte.


Als wir im Hafen auf der Ile des Pins ankamen und ich die ersten Schritte auf diese wirklich paradiesische Insel setzte konnte ich mein Glück kaum fassen. Es handelt sich wohl um eine der schönsten Inseln - wenn nicht sogar "die schönste Insel" - auf der ich jemals war. Das Wasser ist türkisblau und glasklar, die Sonne strahlte vom wolkenlosen Himmel, die Kiefernwälder sind wunderschön und ein Traumstrand folgt dem nächsten. 


Angekommen auf der Ile des Pins in Neukaledonien


Ich musste erst einmal eine halbe Stunde zu Fuß zurücklegen bis ich am Campingplatz "Chez Loulou" ankam. Er wird von einer super lieben Kanakenfamilie geführt. Die Verständigung war wieder abenteuerlich, da weder die Besitzer noch einer der Gäste Englisch zu sprechen schienen. Und da es keine Internetverbindung gab war auch der Google-Translator keine Hilfe. Aber schlussendlich ging es dann mit Händen und Füßen. Ich bekam ein ziemlich geräumiges Zelt zugewiesen. Direkt vor meinem Zelteingang war das Meer - ein Traum! Die ganze Nacht konnte ich dem beruhigenden Rauschen der Wellen lauschen. 


Die Aussicht aus meinem neuen Zuhause :)


Der Campingplatz ist ziemlich klein und neben mir waren nur ein paar wenige einheimische Touristen da. Es gibt eine kleine Küche mit Wasserkocher und Toaster, somit konnte ich mir wenigstens jeden Abend meine Instant-Nudeln und am Morgen meinen Instant-Kaffee zubereiten. Zwischendurch gab's Nüsse, Dosenthunfisch und Toastbrot. Ja ich weiß, gesund ist etwas anderes, aber aufgrund der begrenzten Möglichkeiten war nicht viel anderes möglich. Das Essen, das am Campingplatz angeboten wurde, war für mein Reisebudget leider einen Tick zu teuer (etwa 30 € für ein Abendessen). Ich machte mich in den nächsten Tagen auf die Suche nach einem Supermarkt, war aber nur mäßig erfolgreich. Am Sonntag hat sowieso alles ausnahmslos geschlossen und an den Wochentagen machen die wenigen Shops wohl auch eher nach Lust und Laune auf. Der nächste Nachteil ist neben dem begrenzten Angebot das absolut überirdische Preisnivau z.B. eine Packung Toastbrot 8€, Thunfischdose 6€. Viel mehr gibt es dann eh schon nicht mehr. Obst und Gemüse - Fehlanzeige. Das gesündeste was ich fand war ein Roter-Rüben-Salat aus der Dose ;) Ich nahm also am Montag all den Weg zum lokalen Farmermarkt in Vao auf mich, nur um dann festzustellen, dass selbst dort bloß Brot und Kuchen verkauft wurde. Aber gut, neben der Schwierigkeit mit dem Essen war alles andere wirklich absolut traumhaft schön!


Die Insel ist nicht sonderlich groß, aber auch nicht so klein, dass man sie zu Fuß an einem Tag überqueren könnte. Ich mietete an zwei Tagen ein Fahrrad (für 2.500 CHF/Tag = ca 21 €) und fuhr so ziemlich alle Wege und Straßen ab, die die Insel zu bieten hat. Ich denke Bilder sagen mehr also Worte, wenn es darum geht was meine Highlights waren.


Oro Natural Pool in der Nähe der Oro Bay


Oro Bay


Nach dem ganzen Fahrrad fahren tat mir mein Hinterteil mehrere Tage lang ordentlich weh und ich spürte Muskeln, von denen ich gar nicht gewusst hatte, dass sie überhaupt existieren. Ich legte zwar im Schnitt "nur" 50km pro Tag zurück, aber mein Körper ist irgendwie nicht für Fahrräder geschaffen. Zudem war es in der Mittagshitze wirklich unangenehm heiß. Generell wird es hier in Neukaledonien fast täglich spürbar wärmer. Der Sommer steht quasi vor der Türe. Trotz allem denke ich, dass ein Fahrrrad für diese Insel das beste Fortbewegungsmittel ist. Ansonsten müsste man sich tatsächlich ein Auto mieten um herumzukommen, da öffentliche Verkehrsmittel nur sehr begrenzt bis gar nicht vorhanden sind. Selbst per Anhalter kommt man nicht wirklich gut voran, da die Straßen großteils komplett leer sind. 


Neben den zwei Tagen am Fahrrad verbrachte ich die anderen zwei Tage wandernd. Dabei bestieg ich den höchsten Punkt der Insel: Pic N´ga, der eine atemberaubende Aussicht über die ganze Insel bietet. Die Wanderung dauert gerade mal eine Stunde pro Strecke. 


Am Pic N´ga

Aussicht vom Pic N´ga

Das hier sind die typischen Schnecken auf Ile des Pins. Sie sind scheinbar nur hier zu finden und ein Delikatesse. 


Ich entdeckte zudem die Ruinen eines ehemaligen Gefängnisses "Vestiges du Bagne", welche jedoch bereits in der Vegetation zu verschwinden drohen. Im Jahr 1871 wurden bis zu 3.000 Häftlinge in dieses Gefängnis verbannt. Es war scheinbar bis ins Jahr 1909 in Betrieb. Ich fand es unglaublich spannend mich durch das Dickicht zu kämpfen und immer wieder Überreste dieser Ruinen zu finden, welche recht weit verstreut liegen. 


Vestiges du Bagne - die Überreste eines Gefängnisses

Vestiges du Bagne: Die Ruinen verschwinden langsam aber sicher in der Vegetation


Neben den Ruinen entdeckte ich noch ein Grotte mitten im Urwald. Diese ist öffentlich zugänglich, aber außer mir war wieder einmal keine Menschenseele dort. Man müsste wohl auch 300 CHF Eintritt zahlen, aber ich hätte niemanden gesehen, der das einkassiert (wirklich!). 


Grotte Ko Gnwëë Meureu


Neben meinen Aktivitäten verbrachte ich natürlich auch ausreichend Zeit auf den Traumstränden der Insel. Mein Favorit ist der Kanumera Strand.


Der Kanumera Strand


Nach vier Tagen auf der Ile des Pins ging es wieder zurück zu Nicolas nach Nouméa.  Er willigte ein mich noch einmal ein paar Tage zu adoptieren. Ich hatte außerdem einiges an Gepäck bei ihm deponiert. Den Rückweg legte ich übrigens mit dem Flugzeug zurück, da die Fähre nur dreimal pro Woche fährt. Die liebenswürdigen Besitzer meines Campingplatzes fuhren mich dorthin, da sie sowieso auch gerade in diese Richtung mussten. 


Ein typisch französisches Frühstück bei Nicolas im Garten


Die weiteren Reisepläne....

Ich hatte noch drei ganz relaxte Tage in Nouméa, in denen ich meinen weiteren Reiseverlauf ein wenig plante. Mein nächster - und vermutlich auch letzter Stopp auf dieser Reise - ist nämlich Neuseeland. Dort werde ich wahrscheinlich die kommenden drei Monate verbringen, immerhin hat das Land mehr als genug zu bieten - vor allem für Outdoor- und Trekking-Liebhaber. Der einzige Nachteil ist, dass auch dieses Land nicht unbedingt günstig zu bereisen sein wird. Deshalb ist meine Devise: "Langsam reisen" - das spart nämlich sehr viel an Kosten. Ich werde wieder auf einigen Farms gegen Kost und Logis arbeiten und die Campingplätze nutzen. 


Da mein Flug nach Neuseeland bereits morgen ist, werde ich mich dann von dort aus wieder melden :)


An meinen letzten Tagen in Nouméa besuchte ich noch das Aquarium der Stadt, welches sehr eindrucksvoll ist. Hier sieht man den ziemlich giftigen Nattern-Plattschwanz, der in den Gewässern im Südpazifik recht häufig vertreten ist. 



Praktische Infos:

  • Die Fähre nach Ile des Pins kann man online buchen auf betico.nc . Sie fährt lt derzeitigem Stand 3x/Woche und kostet ca 50€. Es darf maximal 15kg Gepäck mitgenommen werden, welches bei mir aber nicht kontrolliert wurde. 
  • Der Flug auf die Ile des Pins kostet je nach Tag zwischen 50 und 90 € und dauert bloß eine halbe Stunde. Hier sind nur 12 kg Gepäck erlaubt, welches auch überprüft wurde. 
  • Mein Campingplatz auf Ile des Pins hieß Chez Loulou. Sehr empfehlenswert! Camping mit eigenem Zelt kostet 1.300 CHF pro Person/Nacht und mit gemietetem Zelt 1.500 CHF pro Person und Nacht. 
  • Fahrräder kann man z.B. am Campingplatz Nataiwatch mieten. Kosten: 2.500 CHF für einen Tag, 1.500 CHF für einen halben Tag. 





=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos von der Ile des Pins <=