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Sonntag, 10. September 2023

Besteigung des höchsten Berges Ozeaniens: Mount Wilhelm 4.509m

By On September 10, 2023

 

Kurz zur Aufklärung: Der Mount Wilhelm mit seinen 4.509 m ist politisch gesehen der höchste Berg Ozeaniens, also des australischen Kontinents. Geografisch gesehen ist es der Puncak Jaya 4.884 m, welcher in West-Papua liegt. West-Papua gehört zu Indonesien und liegt geografisch in Ozeanien aber politisch in Asien. Etwas kompliziert ;)


Carolin und ich verbrachten die Nacht von Donnerstag auf Freitag in Kundiawa. Maryanne, die gute Seele, hat uns dort wieder einen Kontakt besorgt: Linda. Sie wohnt in Kundiawa und hat hier einen Friseursalon. Linda erwartete uns bereits an der Bushaltestelle im Ort. Wir werden also wirklich von einem zum anderen weitergereicht. Die Menschen scheinen sehr besorgt um unsere Sicherheit. Linda brachte uns in die Riverside Lodge. Wir zahlen hier für ein gemeinsames Zimmer 115 Kina (= 30 €) pro Person und das Abendessen schlug mit ganzen 45 Kina (= 12 €) zu Buche. Tatsächlich gar nicht so billig wie man glauben möchte. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass die hygienischen Zustände bei Weitem nicht so sind wie zu Hause und es natürlich auch kein WLAN oder Ähnliches gibt. Dafür sind die Menschen alle super gastfreundlich und besorgt um einen. Jeder bietet seine Hilfe an und ständig erhält man neue Nummern für den Fall der Fälle. 


Der erste richtige Nervenkitzel

Am Freitag Morgen organisierte unsere Unterkunft jemanden für die Fahrt zum Busbahnhof. Es soll nun endlich in die Berge gehen und zwar in das Dorf Kegesuglu, welches auf ganzen 2.800m Seehöhe liegt. Am Busbahnhof herrschte ein großes Wirrwarr. Es war augenscheinlich nicht einfach einen Transport in unsere Zieldestination zu finden. Der Fahrer wollte uns erst aussteigen lassen sobald wir in das nächste Fahrzeug einsteigen können. Nach einer Weile war dann ein PMV (= öffentliches Buschtaxi) gefunden. Wir stiegen ein. Der Fahrer drehte einige Runden im Ort, wobei wir den Sinn dahinter nicht ganz verstanden. Er meinte er würde weitere Passagiere suchen. Wenn die Ladefläche seines Landcruisers voll sei - also etwa 20 weitere Passagiere - dann ginge es los. Wir sind an diesem Morgen übrigens extra um 6:30 Uhr aufgestanden um früh los zu kommen. Nach einer Stunde war immer noch kein weiterer Fahrgast an Board. Nun hielten wir vor einem Haus. Der Fahrer stieg aus und verschwand. Ein paar Typen begannen einen Vorderreifen unseres Fahrzeuges abzumontieren. Nachdem wir knapp eine Stunde dort gestanden sind wurde es uns zu bunt. Als wir den Fahrer erblickten fragten wir wann es denn losgehen sollte. Es war mittlerweile 10 Uhr vormittags. Er wiederholte: "Sobald der Wagen voll mit Fahrgästen ist." "Und wann soll das sein?" Er glaube so gegen 14 Uhr. Wir konnten unseren Ohren kaum trauen. 14 Uhr? Bei diesen Zeitangaben muss man sowieso immer ein, zwei Stunden danzurechnen. Die Fahrt nach Kegesuglu dauert zudem weitere drei bis vier Stunden. Somit würden wir wahrscheinlich erst bei Einbruch der Dunkelheit ankommen. Und wir wollten eigentlich heute noch die Wanderung ins Basecamp des Mount Wilhelms starten, welche ca 3 Stunden dauert. Dazu braucht man außerdem einen Guide, welchen wir auch noch nicht organisiert haben. Wir fragten den Fahrer wie viel es denn kosten würde, wenn er uns alleine nach Kegesuglu fährt. Seinen ursprünglichen genannten Preis von 400 Kina (= 104 €) konnten wir auf 200 Kina herunterhandeln. Das war es uns jetzt wert. Wir hatten keine Lust den ganzen Tag in diesem Fahrzeug zu verbringen. Er musste uns aber versprechen sofort loszufahren. Gesagt getan.


Hinten auf der Ladefläche waren zwei weitere Männer. Ich saß neben dem Fahrer. Irgendwie war uns nicht ganz wohl. Nun sollten wir alleine mit diesen drei unbekannten Männern die nächsten Stunden irgendwo auf einsamen Bergstraßen herumfahren. Die Art des Fahrers wurde uns zunehmend unangenehmer. Er wurde irgendwie schmierig, teilweise fast anzüglich mit seinen Bemerkungen. Ich dachte an die "4-R-Regel" von Ken: Richtige Zeit, richtiger Ort, richtige Sache und richtige Personen. Waren wir nun wirklich mit den richtigen Personen unterwegs? Wenn nur ein "R" nicht simme, könnten Dinge passieren, die wir uns gar nicht vorzustellen wagen. Mir lief ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter während der Typ mit seinen rotgefärbten Zähnen schmierig zu mir herüber grinste. Wir waren bereits raus aus dem Ort auf einer kleinen, kurvenreichen Straße, die die Berge hochführte. Ich versuchte cool zu bleiben. Nur keine Unsicherheit anmerken lassen. Carolin neben mir war sichtlich nervös. Ich schickte ein Stoßgebet in den Himmel. Vielleicht hilft ja die Geschichte mit den Missionaren. In vielen Ländern haben die Menschen großen Respekt vor Missionaren und ihrer Arbeit. In einem kurzen Satz erklärte ich Carolin auf Deutsch, dass sie nun bitte mitspielen sollte. So ganz nebenbei begann ich dem unheimlichen Fahrer zu erzählen, dass wir eigentlich im Land sind um Missionsarbeit zu leisten. Zudem sind auch unsere Ehemänner in PNG. Und nicht zu vergessen: Wir kennen den Premierminister des Landes persönlich. Das war ja alles auch so halb wahr. Der Fahrer hörte gespannt zu. Plötzlich war er wie ausgewechselt. "Ach Missionare seid ihr also? Ich dachte Touristen!" Bei nächster Gelegenheit bat ich um eine kurze Klopause. Carolin nutzte die Zeit um das Kennzeichen des Autos zu fotografieren und an unsere Kontakte hier weiterzuleiten. Nun war ein ganzes Netzwerk an Leuten informiert. Innerhalb kurzer Zeit fanden Maryanne und Linda heraus wer der Fahrer war und teilten uns mit, dass wir uns keine Sorgen zu machen bräuchten. Er würde uns sicher ans Ziel bringen. Diese Kontakte sind wirklich Gold wert. Langsam fühlten wir uns wieder sicherer. Die Situation schien gerettet.


Das Bergdörfchen Kegesuglu

Wir kamen unversehrt im dem kleinen Bergdörfchen Kegesuglu an. Die Luft hier auf 2.800 m Seehöhe war angenehm frisch. Vereinzelt stehen Stroh- oder Holzhütten mit großen Gärten, in dem viel Gemüse angebaut wird. Beim Kegesuglu Guesthouse wurden wir rausgelassen, welches wir mittels Internetrecherchen ausfindig gemacht haben. Es war wunderschön da und der Besitzer Umba Arnold sehr sympathisch. Er besorgte uns kurzerhand zwei Guides - Noah und Robert - für den Mount Wilhelm. Eigentlich wäre einer genug, aber da Carolin noch ihr Kameraequiment mitnehmen wollte und wir eventuell eine unterschiedliche Geschwindigkeit haben, beschlossen wir zwei zu nehmen. Umba brachte uns noch eine Tasse Kaffee während die Jungs sich schnell parat machten. Es war kurz nach Mittag, wir hatten also noch reichlich Zeit für die Wanderung ins Basecamp. Ich staunte nicht schlecht als Noah und Robert zurückkamen: Beide nur mit einer kleinen Bilum (Stofftasche), wo sie ein paar wenige Kleidungsstücke drin hatten. Wir dagegen mit unseren großen Rucksäcken. Unsere Guides werden diesen tragen und sogar für uns kochen. Kostenpunkt: 150 Kina (39€) pro Guide für die zwei Tage. Carolin und ich waren jeweils mit einem kleinen Tagesrucksack ausgestattet worin wir eine Wasserflasche, einen Snack und eine Jacke trugen. 

Aufstieg zum Basecamp

In den nächsten Stunden durchwanderten wir verschiedene Klimazonen. Zuerst ging es durch einen tropischen Regenwald. Der Weg war matschig aber zum Glück regnete es im Moment nicht. Nach drei Stunden kamen wir am Piunde See an. Hier auf etwa 3700 m liegt auch das Basecamp, ausgestattet mit einem Schlaflager, einem Gaskocher und Geschirr. Für diese simple Selbstversorgerhütte zahlt man stolze 100 Kina pro Nacht und Person. 


Das Basecamp 

Unsere Guides: Noah und Robert

Es war nun schon später Nachmittag. Die Jungs bereiteten unser Abendessen zu und wir erkundeten die Umgebung ein wenig. Während wir dann später gemeinsam unsere Instant-Nudeln löffelten wurden spannende Stories ausgetauscht. So erfuhren wir beispielsweise, dass sich die Leute in den Dörfern nie die Zähne putzen. Das erklärt natürlich ihr dunkel gefärbtes, desolates Kauwerkzeug. Als sie dann noch anmerkten, dass sie manchmal einfach eine Drahtbürste benutzen würden um die gröbsten Verfärbungen loszuwerden mussten wir uns ein Schmunzeln verkneifen. Für uns unvorstellbar. Danach wurde das Thema mit den Menschenfressern angesprochen. Irgendwo im Hochland gäbe es tatsächlich einen Stamm, die würden ihre Toten über dem Feuer räuchern. Die Flüssigkeit, die dabei abtropft (?) nützen sie zum kochen. Weiters bestätigten sie die Geschichten, die wir in dem Dörfchen Kelam hörten: Am Sepik wird sehr viel Zauberei betrieben. 

Um 19 Uhr ging es schon ab ins Bett bzw auf unsere dünnen Matratzen im Schlaflager. Es wurde ziemlich frisch als die Nacht hereinbrach. Carolins Wecker wird um ein Uhr in der Nacht klingeln, meiner um zwei. Dann geht es an die Gipfelbesteigung. Da ich einen etwas schnelleren Schritt habe, beschlossen Robert und ich später zu starten. Leider konnte ich die ganze Nacht kein Auge zutun. 

Mein Nachtlager

Der plötzlich verschwundene Guide

Robert und ich tranken noch schnell eine Tasse Kaffee und aßen eine Scheibe Toastbrot. Er drängte, dass ich mich beeilen sollte. Wir müssten den Gipfel gegen sechs Uhr morgens erreichen, denn dann wäre die Sicht frei. Später würden die Wolken kommen. Um kurz vor halb drei war ich parat. Der Guide aber nicht. Er hatte einen riesigen Bund an Schlüsseln dabei, fand aber nicht mehr den richtigen für das Schloss, um die Hütte abzusperren. Völlig ohne System probierte er die Schlüssel durch, bis er nach gut zwanzig Minuten aufgab. Ich stand bereits völlig durchfroren neben ihm. Was war ich froh als wir endlich starteten. Nach weiteren 15 Minuten fiel seine Stirnlampe aus. Die Batterien waren leer. Nun machte sich schön langsam Ungeduld in mir breit. Er hatte zum Glück Reservebatterien dabei. Wieder dasselbe Spiel: Völlig ohne Struktur tauschte er eine der drei Batterien durch eine neue aus. Immer noch kein Licht. Er steckte anstatt der neuen wieder die alte hinein und tauschte eine andere aus. Das Spiel ging ewig. Am Ende wusste er selbst nicht mehr, welches die neuen und welches die alten Batterien waren. Durch einen glücklichen Zufall ging dann das Licht doch noch an. Es ging weiter. Aber nicht lange. Er bräuchte eine kurze Pause, er müsse pinkeln. Ich wartete an der nächsten Kurve. Es vergingen bestimmt zehn Minuten, bis ich beschloss ihn zu rufen. Keine Antwort. Das Licht seiner Stirnlampe war mittlerweile ziemlich weit von mir entfernt. Irgendwie schien es sich ständig auf und ab zu bewegen. Was machte der bloß? Nun begann ich ihn etwas energischer zu rufen. Als Antwort kam eine Art hecheln oder stöhnen. Ich konnte mir bei Gott nicht erklären, was da gerade passierte. War er etwa am Erbrechen? Vielleicht haben die zwei Guides die ganze Nacht gesoffen und nun ist ihm schlecht! Wahrscheinlich ist er gar nicht in der Lage den Gipfel heute zu besteigen. Nun war das Licht seiner Taschenlampe ganz erloschen. Immer wieder rief ich ihn. Das Rufen wurde mit der Zeit ein richtiges Schreien. Ich beschloss all den Weg zurück zu gehen um zu sehen was er macht. Endlich kam nun eine Antwort. Er würde kommen. Was war ich froh, als sein Licht sich auf mich zubewegte. Eine Kurve vor mir blieb er stehen. Jetzt reichte es aber! Er soll sich jetzt auf er Stelle hierher bewegen! Da kam der Gute mit seiner Hose halb hochgezogen und nur einem Schuh am Fuß völlig außer Atem an. Ich bat ihn inständig mir zu erklären was hier eigentlich abginge. "Ein Baumkänguru! Ich wollte das Baumkänguru fangen!" Jetzt schlug es aber dreizehn. Für wie blöd hielt er mich eigentlich? Und was ist mit dem Schuh? Ziemlich bestimmt sagte ich ihm er sollte unverzüglich seinen Schuh anziehen und nun einen Zahn zulegen bei der Gipfelbesteigung. Während er vor mir herlief musste ich noch einmal wegen diesem Baumkänguru nachfragen. Robert erzählte mir, dass er und seine Freunde oft nachts auf Baumkänguru-Jagd gehen. Sie hätten das beste Fleisch. Als er sich vorhin erleichtern wollte, sah er plötzlich eines am Baum. Er vergaß alles um sich herum, und wollte das Tier unbedingt fangen. Laut seine Worten vergaß er sogar, dass er gerade dabei war mit einer Touristin den Mount Wilhelm zu besteigen. Völlig losgelöst begann er dem Tier nachzujagen. Leider stolperte er über eine Wurzel und verlor dabei sein Stirnlampe. Das erklärte natürlich die Sache mit dem Licht. Aber was wollte er mit einem Baumkänguru, wenn wir doch gerade dabei sind einen hohen Berg zu besteigen? Es etwa mitnehmen? Robert klärte mich auf, dass diese Tiere sehr lange Schwänze hätten und man sie damit problemlos an einen Baum fesseln könnte. Beim Abstieg hätten wir es dann mitgnenommen. Aber eine Sache war noch unklar: Was war mit dem Schuh? Durch die Jagd wäre ihm so heiß geworden, dass er die lange Hose mit einer kurzen austauschen wollte. Jetzt musste ich herzhaft lachen. Ich konnte mich gar nicht mehr halten. Tatäschlich glaubte ich ihm nun jedes Wort. Das ist wohl eine der verrücktesten Geschichten, die ich jemals erlebt habe. Wahrscheinlich glaubt mir das Zuhause nicht einmal jemand. Auch Robert lachte jetzt lautstark mit. Immer wieder während der Wanderung musste einer von uns losprusten, weil uns die Situation in den Sinn kam. 


Die restliche Gipfelbesteigung war geprägt von starkem Wind und viel Nebel. Es wurde zunehmends felsiger. Irgendwann holten wir Carolin und Noah ein. Später noch sechs einheimische Bergsteiger. Wir kamen vorbei an einem Flugzeugwrack aus dem zweiten Weltkrieg. Die Luft wurde immer dünner und es wurde eiskalt. Ich erspähte plötzlich riesige Knochen am Wegesrand. "Das sind die Knochen eines Bergsteigers, der hier erfroren ist. Er war ohne Guide unterwegs", klärte mich Robert auf. 

Menschliche Gebeine am Weg zum Gipfel

Wir erreichten um 6:15 Uhr morgens den Gipfel des Mount Wilhelm. Leider ohne Fernsicht. Ich war stolz es geschafft zu haben. Trotzdem muss ich zugeben, dass dies eindeutig nicht der schönste Gipfel ist, den ich bestiegen habe. Überall liegen Kleidungsstücke herum, die ehemalige Wanderer als Andenken liegen ließen. 

Am Gipfel des Mount Wilhem

Der Abstieg 

Beim Abstieg hatten wir genauso schlechte Sicht wie beim Aufstieg. Der Fels war rutschig und meine Finger durchfroren. Mir wurde auch etwas schlecht und mein Kopf brummte. Ich spürte die Höhe also doch ein wenig. Irgendwann trafen wir auf Carolin und Noah. Sie hatte beschlossen umzudrehen. 


Wieder in Kegesuglu 


Kurz vor Mittag waren wir wieder im Basecamp. Nach einem kleinen Snack und einer Tasse Kaffee ging es weiter. Ziemlich fertig kamen wir in Kegesuglo an. Der Besitzer erwartete uns freudig und zeigte uns unser Zimmer. Es ist wirklich eine hübsche Unterkunft und der Besitzer ist ein Traum. Er betreibt sogar Bienenzucht und stellt Honig her. Außerdem hat er noch seinen eigenen Forellenteich. Zum Abendessen bekamen wir einen seiner Fische serviert - super lecker! Wir genoßen die Ruhe in dem idyllischen Bergdorf und gingen früh zu Bett.

Der Besitzer des Kegesuglu Guesthouses und sein Sohn

Heute Morgen wollten wir wieder hinab nach Kundiawa. Wir hatten immerhin einige unserer Sachen dort in der Riverside Lodge deponiert. Deshalb werden wir da auch noch eine Nacht verbringen. Diesmal wollten wir unbedingt mit einem normalen PMV - also mit anderen Passagieren zusammen - die Rückfahrt antreten. Wir haben aber nicht damit gerechnet, dass diese am Sonntag nur sehr reduziert fahren, immerhin sind alle Dorfbewohner in der Kirche. Wir hatten großes Glück, denn bei uns in der Unterkunft war noch ein einheimischer Gast, mit dem wir mitfahren konnten. 

Mittlerweile sitzen wir wieder in der Riverside Lodge und genießen unser erstes einheimisches Bier - wohlverdient! Außerdem ließen wir unsere Wäsche waschen, was kostenlos angeboten wird. Diese hängt nun im strömenden Regen. Na dann hoffen wir mal, dass das Zeug irgendwie trocken wird bis morgen. Dann treffen wir nämlich unseren Couchsurfing Gastgeber Cedric - ein Franzose, der hier eine einheimische Frau geheiratet hat. Mit ihm werden wir das Kundiawa Festival besuchen und dann ein paar Tage bei ihm unterkommen.

Unser erstes einheimisches Bier

Ein paar Infos zur Besteigung des Mount Wilhems

Dauer: 2 Tage von Kegesuglu aus
Kosten: Trekking-Gebühr: 10 Kina (2,60 €)
                Guide: 150 Kina (39 €)
                Basecamp: 100 Kina (26 €)
                = etwa 68 Euro
Equipment: 
Rucksack, Schlafsack, Stirnlampe, Essen für die zwei Tage (es ist auch Essen für den Guide mitzunehmen), Wasser (wir hatten jeweils 3 Liter dabei, es gibt aber bis zum Basecamp mehrere Quellen), Regenjacke, Regenhose, mehrere Schichten an warmen Kleidern, Mütze oder Strinband, Handschuhe empfehlenswert. 
Ablauf:
Tag 1: Dreistündiger Aufstieg von Kegesuglu. Es geht früh zu Bett
Tag 2: Tagwache zwischen ein und zwei Uhr morgens. Ankunft am Gipfel gegen 6 Uhr. Zürck im Basecamp kurz vor Mittag. Dann Abstieg nach Kegesuglu. Ankunft dort am Nachmittag. 
Sonstiges: 
Guides findet man überall in Kegesuglu. Jeder dort ist eigentlich einer. Am besten in einem Guesthouse nachfragen, da diese nur mit erfahrenen Guides zusammenarbeiten.




Eure Michi :)



=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos vom Mount Wilhelm <=





Donnerstag, 7. September 2023

Dorfleben in den Highlands: Land, Schweine und Frauen

By On September 07, 2023

Die letzten vier Tage waren geprägt von dermaßen rührender Gastfreundschaft, wie ich sie noch nie zuvor erlebt habe. Aber fangen wir von vorne an:

Carolin und ich flogen am Montag von Port Moresby nach Mount Hagen, im westlichen Hochland Papua Neuguineas. Dort wurden wir von Present und ihrem Bruder Nelson bereits erwartet. Die zwei wohnen in einem kleinen Dorf namens Kelam Village, das ein paar Kilometer außerhalb von Mount Hagen liegt. Scheinbar haben sie dort noch nie ausländische Gäste gehabt. Wir sind also die ersten. Dementsprechend aufgeregt waren die beiden. Den Kontakt zu ihnen bekam ich von Maryanne aus Goroka vermittelt. Maryanne ist Mitglied auf Couchsurfing und erzählte mir, dass ihre Freundin Present schon lange davon träumt ausländische Gäste zu beherbergen. In Zukunft möchte sie dann sogar vielleicht einmal Homestays für Touristen anbieten. 

Present und Nelson haben extra ein Auto organisiert um uns am Flughafen abzuholen. Sie fuhren uns noch eine Runde durch Mount Hagen. Keine schöne Stadt auf den ersten Blick. Viele Menschen, viel Dreck, Abgase und jede Menge zwielichtiger Gestalten treiben sich hier herum. Mount Hagen hat immerhin den Ruf neben Port Moresby eine der gefährlichsten Städte im Land zu sein. Wir hielten am Markt. Nelson blieb im Auto um auf unsere Sachen aufzupassen. Gemeinsam mit Present kauften wir ein paar Früchte ein. Man hat das Gefühl, dass die Leute alle grimmig dreinschauen. Sobald sie uns aber erblickten, verwandelte sich ihr Gesichtsausdruck in ein breites Grinsen. Sie zeigten ihre blutroten Lippen und die ebenso roten - und für unsere Verhältnisse ziemlich desolaten - Zähne. Zwischendurch spuckten sie eine intensiv rote Flüssigkeit in hohem Bogen auf den verdreckten Boden. Sehr befremdlich das alles. Die Marktfrauen winkten uns freudig zu. Langsam merkten wir, dass uns die meisten hier sehr wohlgesonnen schienen. Es kommt bestimmt nicht oft vor, daß sie weiße Touristen hier zu sehen bekommen.

In Kelam Village

Das beliebteste Hobby hier in PNG: Betelnuss kauen

Als wir wieder im Auto waren, war auch Nelson bereits fest am Kauen und Spucken. Nun überkam mich die Neugier. Zu gerne würde ich so eine Betelnuss ausprobieren. Nelson fand das super. Sofort besorgte er mir so ein Ding und zeigte mir voller Freude Schritt für Schritt wie ich dabei vorgehen muss. Zuerst wird die Nussschale mit dem Mund geöffnet. Die Nuss darin stopft man sich nun in die Wangentasche und beginnt zu kauen. Dazu erhält man ein kleines Säckchen Kalkpulver und einen Stick (welcher aus irgendeiner Pflanze besteht). Während man kaut taucht man den Stick immer wieder in den Kalk und beißt davon ab. Durch die Reaktion mit dem Kalk und der Betelnuss entsteht wohl die aufputschende Wirkung. Vom Geschmack her war es anfangs etwas bitter. Mit der Zeit schmeckte es fast so wie Zimt. Bei dieser ganzen Prozedur wird der Speichelfluss angeregt. Deshalb auch das ständige Spucken. Je länger man darauf herumkaut desto roter wird die Paste. Man sollte das Ganze wohl 10 - 30 Minuten im Mund behalten und nicht schlucken. Der Mund wurde mit der Zeit leicht taub. Und irgendwie fühlte ich mich  wacher und vielleicht ein bisschen vernebelt.

Rote Lippen, Zungen und Zähne vom Betelnuss kauen

Große Aufregung in Kelam Village

Über eine unasphaltierte Straße ging es hinein in eine saftig grüne Landschaft. Endlich weg von der Stadt. Vorbei an Bananenstauden und den ersten Strohhütten. Wir stoppten auf einer großen Wiese vor einer riesigen Rundhütte aus Stroh. Dort würden sich die Männer treffen und Dinge besprechen. Alles was dort gesagt wird darf nicht nach außen getragen werden. Das ist also das Dorfzentrum von Kelam Village. Langsam nähern sich Dorfbewohner aus allen Richtungen. Sie gehören übrigens dem Stamm der Jika Komapi an. Alle im Dorf wissen bescheid, dass wir kommen und sind schon seit Tagen aufgeregt. Nach der Reihe wollten sie nun unsere Hände schütteln und uns umarmen. Jeder mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Immer wieder hörten wir wie sehr sie sich geehrt fühlen, dass wir in ihr Dorf kommen. So viel Aufmerksamkeit waren wir nicht gewohnt. Große Kinderaugen starrten uns neugierig aber etwas ängstlich an. Einige versteckten sich hinter den Erwachsenen. Es war irrsinnig rührend zu sehen wie sie sich aus vollem Herzen zu freuen schienen. Besonders süß waren die älteren Frauen. Sie ließen jauchzende Freudeschreie von sich und wedelten mit den Händen als Zeichen ihrer Aufregung und Freude. 


Mit einem drei Monate altem Baby im Arm. Der Kleine hat noch nicht einmal einen Namen.

Wir fuhren noch ein kleines Stück mit dem Auto. Die letzten paar hundert Meter zu Presents Zuhause mussten wir zu Fuß zurücklegen. Present zeigte uns unsere Strohhütte. Sie war dekoriert mit Pflanzen und Blumen. Ihr Vater hat das extra für uns gemacht. Seit Tagen bereiten sie wohl schon alles für uns vor. Es wurden uns viele weitere Familienmitglieder vorgestellt. Darunter ganz viele Mamas, Papas und Brüder. Es war für uns nicht ganz eindeutig wie das Verwandtschaftsverhältnis nun genau war. Auch wenn man nach dem Alter fragte kamen meistens Antworten wie: "Ich glaube ich bin so ungefähr ... Jahre alt" oder sie sagten von Vornherein sie wüssten es nicht.

Auf dem Grundstück gibt es eine eigene Hütte, in der gekocht wird und eine kleine Hütte, die als Toilette dient - also einfach ein kleines Loch im Holzboden, das man bestenfalls treffen sollte. Sie haben sogar Strom, welcher im Moment jedoch ausgefallen ist. Fließendes Wasser aus der Leitung gibt es nicht. Zum Waschen folgt man einem kleinen Pfad zum Bach hinunter. Dort gibt es sogar frisches Quellwasser zum Trinken. 

Alfred zeigt uns stolz seine Strohhütte


Die Toilette ;)

Hier kreucht und fleucht so einiges. Present hat mir versichert das diese Spinne nicht beißt.


Dorfleben

Am nächsten Tag spazierten wir durch das Dorf und schüttelten Unmengen an Händen. Außerdem wollten alle Fotos mit uns. Oft hatten sie nicht einmal ein Handy, wir sollten mit unserem die Fotos machen und mussten versprechen ihnen diese irgendwann irgendwie zukommen zu lassen. Sie zeigten uns ihre riesigen Gemüse- und Obstgärten. Angepflanzt werden vor allem Kartoffeln, Süßkartoffeln, Brokkoli, Bananen, Taro und Kürbisse. Zudem sahen wir Passaionsfruchtbäume, Avocadobäume, Ingwer und Erdnüsse. Wir durften zudem beim Kartoffeln ernten helfen. Es sorgte für viel Staunen, dass wir als "Weiße" uns freiwillig die Hände schmutzig machten.

Bei der Kartoffelernte

Wir bekamen viel Gemüse geschenkt und immer wieder Betelnüsse angeboten. Am späteren Nachmittag wurde dann angefangen zu kochen: alles frisch geerntetes Gemüse aus Eigenanbau. Am meisten werden Süßkartoffeln gegessen. Das ist sozusagen das täglich Brot der Dorfbewohner. An einem Abend haben wir ein lebendiges Huhn geschlachtet und gemeinsam mit Süßkartoffeln auf eine besondere Art zubereitet, welche sich "Mumu" nennt. Dabei werden Steine im Lagerfeuer erhitzt und dann in ein Erdloch gegeben. Darüber legt man dann die von Bananenblättern und Farnen umwickelten Speisen. In unserem Fall die Süßkartoffeln und das Huhn. Zuletzt kommen noch einmal heiße Steine darüber. Etwa eine Stunde später ist die Mahlzeit fertig. Sehr lecker! 

"Mumu"

Trotzdem sind die hygienischen Umstände für uns teilweise noch gewöhnungbedürftig. So wird das Küchenmesser parallel zum Gemüse schneiden auch zur Fußpflege benutzt. Rose knetet stundenlang mit ihren Händen in einer blutroten Matsche herum: Red Pandanut. Als wir nach dem Abnagen der Hühnerkeule den Knochen aufs Teller legten, fragte Present erstaunt ob wir denn das Beste nicht essen würden. Kurzerhand nahm sie unseren abgenagten Knochen und kaute voller Freude den Knorpel ab. Sowieso wird von dem Tier wirklich alles gegessen: Der komplette Kopf, die Krallen und natürlich sämtliche Teile des Darms. 

Rose beim Zubereiten der Red Pandanut

Unser Abendessen wird gerupft

Die Sache mit den Schweinen und der Zauberei

Die Abende saßen wir gemeinsam in der verrauchten Küchenhütte rund um das Feuer beisammen und tauschten Geschichten aus. Wir haben sehr viel Interessantes erfahren wie beispielsweise, dass die meisten Stammeskriege aufgrund von Streit um Land, Schweine und/oder Frauen entstehen. Schweine haben sowieso einen sehr großen Wert. Man könne sogar umgebracht werden, wenn man das Schwein eines anderen berühre. 

Rose, eine überzeugte Single Dame in ihren vierzigern, möchte keinen Mann aus PNG, wie sie erzählt. Die Männer hier würden ihre Frauen schlecht behandeln, teilweise schlagen und wenn sie sie loswerden wollen sogar umbringen. Kaum vorzustellen, wenn man sich die freundlichen, teilweise sogar schüchternen Jungs im Dorf ansieht. Aber irgendwie glaube ich ihr das trotzdem. Nicht umsonst gibt es hier im Land eine der höchsten Vergewaltigungsraten weltweit. Männer dürfen zudem mehrere Frauen haben, was Rose auch nicht sonderlich toll findet. 

Obwohl sie immer wieder betonten, dass PNG ein sehr sicheres Land sei, kamen ebenso viele Warnungen. Besonders in Acht nehmen sollten wir uns in den Küstenregionen. Dort gäbe es sozusagene Hexer, die mit Zauberei arbeiten. Wir sollten dort niemals Geschenke oder Essen annehmen. Durch so einen Zauber könnten wir das Bewusstsein verlieren und uns am nächsten Tag verheiratet mit einem Einheimischen wiederfinden. Der Zauber könne Jahre andauern. Sie würden sogar eine weiße Frau kennen, die auf diese Weise mit einem Mann verheiratet wurde und erst nach Jahren flüchten konnte. Es ist schon interessant, wie die Menschen an der Küste uns vor den Leuten im Hochland warnten und nun genau umgekehrt die Hochländer uns vor den Küstenmenschen warnen. Das Unbekannte scheint halt doch immer mit Ängsten verbunden zu sein.

In der zweiten Nacht wurde ich gegen ein Uhr von meinem eigenen Aufschrei geweckt. Wahrscheinlich hatte ich einen Alptraum. Irgendwie wackelte mein ganzes Bett. Träumte ich immer noch? Als ich auf mein Handy schaute, schien tatsächlich schon eine Warnung auf. Es gäbe im Moment ein Erdbeben der Stärke 5,9 in meiner Region. Die Wackelei ging ziemlich lange und war schon ein bisschen furchteinflößend. Noch nie zuvor hatte ich ein Erdbeben erlebt. Am nächsten Tag amüsierten sich alle herrlich über meinen Aufschrei in der Nacht. Den hatten durch die dünnen Wände der Strohhütte natürlich alle gehört. Für sie schien ein Erdbeben nichts Ungewöhnliches zu sein, obwohl sie zugeben mussten, dass dieses besonders stark war.  

In der Küchenhütte

Kurz zusammengefasst kann ich sagen, dass ich noch nie zuvor so viele Hände geschüttelt habe wie in den letzten Tagen. Immer wieder wurden wir neuen Leuten vorgestellt. Es war tatsächlich teilweise ein bisschen anstrengend. Aber die unglaubliche Gastfreundschaft machte alles wieder gut. Sie schenkten uns sogar eine selbstgemachte traditionelle Bilum (= Handtasche), eine landestypische Bluse (obwohl es eher ein Kleid ist) und eine Halskette. 

Mit unserer Bilum und dem traditionellen Kleid

Das konträre Thema mit der Sicherheit

Heute, am Donnerstag, ging es für Carolin und mich weiter nach Kundiawa. Von hier aus wollen wir morgen den höchsten Berg des australischen Kontinents besteigen: den Mount Wilhelm mit seinen 4.509 m Höhe. Present sowie Maryanne halfen uns mit Kontakten in Kundiawa weiter. Ja, hier in PNG läuft alles über Kontakte. Wenn man einheimische Freunde hat ist man in sicheren Händen. Sonst könnte es wohl schnell gefährlich werden. Obwohl ich sagen muss, dass mir das Thema Sicherheit hier immer noch ein Rätsel ist. Auf der einen Seite meinte Present mehrmals, dass das Hochland gar nicht so gefährlich sei und man frei herumlaufen könne. Auf der anderen Seite ließ sie uns am Busbahnhof erst aus ihrem privaten Auto aussteigen, als der Bus zur Abfahrt bereit war. Sie redete lange mit dem Busfahrer und tauschte sogar Nummern mit ihm aus, um uns in sicheren Händen zu wissen. Zusätzlich gab sie uns Unmengen an Warnungen mit: Wir sollten das Fenster im Bus immer geschlossen halten. Niemals unser Handy aus der Tasche holen. Keinesfalls Geld zeigen. Es wurde sogar organisiert, dass wir gleich in Kundiawa wieder direkt an der Bushaltestelle abgeholt wurden. Ständig werden wir von Aufpassern begleitet. Gibt es da vielleicht etwas das sie uns verheimlichen oder nicht sagen wollen? Vor dem uns alle mit ihrer Überfürsorglichkeit schützen möchten? Ein dunkles Geheimnis? Uns kamen wieder die Worte des Österreichers am Flughafen in den Sinn: "Aufpassen, das Land ist sehr speziell!" 



Bis bald!

Eure Michi :)




=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos von Kelam Village und Mount Hagen <=






Sonntag, 3. September 2023

Angekommen in einer der gefährlichsten Städte weltweit: Port Moresby

By On September 03, 2023

 

Port Moresby, Papua Neuguinea

Die Anreise nach Papua Neuguinea

Am Sonntag Abend ging es also los zum Flughafen in Manila. Dort traf ich dann Carolin - mit ihr werde ich die nächste Zeit durch Papua Neuguinea (PNG) reisen. Leicht verspätet aufgrund des schlechten Wetters startete unser Flug. 


Ich konnte es kaum glauben, als wir am frühen Morgen über PNG flogen - das Land von dem ich schon seit Ewigkeiten geträumt habe. Der Immigrationsprozess zog sich ewig in die Länge, da alle Einreisenden genauestens unter die Lupe genommen wurden. Wir wurden gefragt was wir hier machen, wohin wir genau wollen, ob wir alleine reisen und es wurde sogar ein Ausreiseticket verlangt. Gut, dass wir darauf bereits vorbereitet waren. Da ich fast immer mit One-Way-Tickets unterwegs bin, buche ich mir über Bestonwardticket.com ein sozusagenes vorübergehendes Flugticket, welches nach 48 Stunden automatisch storniert wird. Das kostet 12 USD und ist super einfach. 


Während wir auf unser Gepäck warteten, sprach uns ein älterer Herr an. Ich konnte es kaum glauben, als er anfing in österreichischem Dialekt zu sprechen. Ein Landsmann - was für eine Freude! Er arbeitet hier in Port Moresby am Konsulat. Auch er wollte wissen ob wir alleine unterwegs sind. Er fragte zudem ob wir denn schon viel Reiseerfahrung haben. Dann betonte er mehrmals, dass wir in diesem Land wirklich sehr gut aufpassen sollten. Für alle Fälle gab er uns seine Nummer. Wer weiß, vielleicht wird uns diese ja wirklich noch einmal zu Nutze kommen. 


PNG ist ein von Touristen nicht sehr viel bereistes Land. Der Grund dafür ist unter anderem sein schlechter Ruf. Wenn Touristen kommen, dann normalerweise mit einer geführten Reisegruppe. Sehr selten verirrt sich ein Backpacker hierher. Die Hauptadt Port Moresby, in der wir uns nun befinden, ist sogar auf auf der Liste der fünf gefährlichsten Städte weltweit. Wir werden sehen, was da so dran ist. 


Nachdem wir unser Gepäck beisammen hatten, war da auch schon ein kleiner Shop, der lokale Simkarten verkauft. Sehr gut. Man braucht dafür den Reisepass und hat in nur wenigen Minuten schon funktionierenden Internetempfang. Wir entschieden uns für den Anbieter Digicel. Plötzlich stand ein Mann vor mir, der mich mit meinem Namen ansprach. Es war tatsächlich unser Couchsurfing Gastgeber Ken. Der Arme musste ein halbe Ewigkeit auf uns warten. Bevor wir abfuhren ging es noch schnell zum Bankomat. Somit waren wir erstmal gerüstet für die nächsten Tage. Als wir vom Flughafen auf die Straße traten, wurde mir zunächst etwas mulmig zumute. Das hier ist also die Stadt, in der man als Tourist eigentlich keinen Schritt alleine vor die Türe setzen sollte. Im Moment wirkte alles ganz friedlich.


Die "4-R-Regel"

Ken fährt ein ganz nobles Auto und brachte uns gleich in seine kleine Firma. Fragt mich aber bitte nicht was er genau macht, da bin nicht wirklich mitgekommen. Er ist Mathematiker und baut Häuser ;) Auf dem Weg in sein Büro erklärte er uns, dass die Medien PNG immer als so gefährlich darstellen und das völlig übertrieben sei. Im nächsten Satz meinte er aber, dass wir unbedingt immer die "4-R-Regel" beachten sollten: Right people, right time, right place & right thing. Also auf Deutsch: Wir sollten immer schauen, dass wir zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, mit den richtigen Leuten die richtige Sache machen. Dann würde uns nichts passieren. Die 4-R-Regel wiederholte er mehrere Male. Wenn wir sie nicht einhalten, dann könnten Dinge passieren, die wir uns nicht vorzustellen wagen. Carolin und ich waren dadurch natürlich noch verunsicherter als zuvor. Was würde uns hier in der Stadt und in generell dem Land erwarten? War es nun wirklich so gefährlich oder wird in den Medien maßlos übertrieben? Die Zeit wird alle Antworten bringen.


Angekommen im Büro von Ken gab er uns seinen "Jungs" (das waren seine Worte) ab. Es handelt sich dabei um zwei Angestellte von ihm. Sie setzten sich mit uns an einen Tisch und waren super lieb. Wir konnten ihnen sämtliche Fragen stellen, die wir haben über das Land hatten. Das Problem war, dass ich nach der schlaflosen Nacht so extrem müde war, dass ich es einfach nicht schaffte der Konversation zu folgen. Zum Glück schien Carolin noch etwas fitter gewesen zu sein. Sie unterhielt sich mit den beiden. Wir erhielten wirklich sehr viele interessante Informationen über Land und Leute. Zudem machten sie einen Plan, was sie uns die nächsten Tage alles zeigen möchten. Ende der Geschichte: Wir sahen die beiden nie wieder.


Danach fuhr Ken uns ins Stadtzentrum von Port Moresby und lud uns auf ein Mittagessen ein. Er selbst musste aber weiter, er würde uns in einer Stunde abholen. Das Restaurant sah relativ nobel aus. Es gab für uns eine sehr leckere Meeresfrüchte-Kokos-Curry Suppe. Carolin und ich mussten all die skurrilen Begegnungen nun erst etwas verdauen. Durch die Müdigkeit lief für mich alles ab wie in einem Film. 


Auf den Straßen sind jede Menge rote Flecken am Asphalt. Ich musste schmunzeln als Carolin fragte ob das denn Farbe oder gar Blut sei. Ken klärte uns auf, dass die Leute hier die Betelnuss kauen, welche diese rote Farbe erzeugt. Das sei in PNG sehr verbreitet. Die Betelnuss wirkt stimulierend and löst Euphorie aus. Scheinbar macht sie auch süchtig. Überall auf den Straßen sieht man in Port Moresby Menschen mit roten Zähnen, die ständig am Spucken sind, da zudem der Speichelfluss angeregt wird.


Nach dem Restaurant brachte uns Ken in eine Art Pension. Das sollte unsere Unterkunft für die nächsten sein. Eigentlich dachten wir, dass wir bei ihm im Haus schlafen werden. Immerhin heißt es ja "Couch"surfing. Er meinte, dass bei ihnen Zuhause im Moment viel los sei und er uns deshalb hier unterbringe. Das war uns natürlich etwas unangenehm, aber er bestand darauf. Er fügte noch hinzu, dass wir nun seine Gäste sind und keinen einzigen Kina ausgeben sollten während wir in Port Moresby sind. 


Erste Begegnung mit unserer Gastfamilie

Nachdem Carolin und ich einen kurzen Power-Nap gemacht haben, waren wir am Abend eingeladen zum Essen bei Ken und seiner Familie. Sie wohnen gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite. Trotzdem holte Ken uns mit dem Auto ab. Wir wurden sehr herzlich von allen empfangen. Es waren seine Frau Mona da und ihre vier Kids. Alle zwischen 6 Monaten und 5 Jahren alt. Zudem noch ein paar Kusinen (?). Ich war erstaunt als Mona uns erzählte, dass sie und ihre Kinder sich vegan ernähren würden. Nichtsdestotrotz hat sie für uns reichlich Fisch aufgedeckt. Dazu gab es viel leckeres Gemüse: Taro, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Kürbis, Grünzeug (ähnlich wie Spinat) und Früchte (Anannas, Papaya, Wassermelone). Endlich gesundes Essen! Während wir gemeinsam speisten konnten wir noch sehr viel über die Kultur von diesem Land erfahren. 


Mit Mona, ihren vier Kids und einer Kusine


"Expext the unexpected"

= Erwarte das Unerwartete. So wird das Land PNG sehr oft beschrieben. Wie sich herausstellte ist das wirklich sehr treffend. 

Am Samstag ist für Ken und seine Familie Kirchentag. Sie sind nämlich 7-Tage-Adventisten. Der Sabbat ist in dieser Religion der wichtigste Tag der Woche. Es darf nicht gearbeitet werden und man geht in die Kirche - den ganzen Tag. Wir durften mitkommen, blieben aber nur bis zur Mittagspause. Ken hat sich dort mit einigen Männern in vornehmen Anzügen unterhalten. Wie wir später erfahren haben war da der Premierminister von PNG dabei: James Marape. Unglaublich was man da für bekannte Persönlichkeiten trifft. Ansonsten waren wohl wir das Highlight dort. Wir wurden von den Leute freundlich begrüßt mit den Worten "Happy Sabbat" und vielen neugierigen Blicken. Trotzdem würde ich die Einheimischen als eher zurückhaltend beschreiben, vor allem im Vergleich zu den Ostafrikanern. Ansonsten erinnert mich aber doch recht viel an Afrika. Auch die Sache mit der Zeit. Man kann hier keine Pläne schmieden, so wie wir es von Zuhause gewohnt sind, denn es kommt alles immer ganz anders. 

Am Sabbat in der Kirche

Als wir um 14 Uhr die Kirche verließen brachte uns Ken zu einer Art Zoo, welcher den Namen "Adventure Park" trägt. Dort gibt es jede Menge Baumkängurus und bunte Vögel zu sehen. Er ließ uns da aber keineswegs alleine herumlaufen, sondern schickte gleich vier seiner Jungs mit zum Aufpassen. Mit der Zeit hat uns das dann schon ein wenig genervt, dass wir scheinbar nirgendwo alleine hingehen können/dürfen/sollten. Aber es ist auf alle Fälle nur gut gemeint und dient wahrscheinlich unserer Sicherheit. Wir waren ja schon froh als Ken uns am zweiten Tag erlaubte alleine die Straße zu überqueren, um von unserer Unterkunft zu seinem Haus zu gelangen. Sobald es dunkel wurde schickten sie uns aber immer ihren Wächter mit. Jedes Haus hier ist von großen Zäunen umgeben und hat einen Sicherheitsbeamten neben dem Tor sitzen. Auf Dauer wäre so ein ständig überwachtes Leben nichts für mich, aber für die paar Tage war es ein spannender Einblick. 


Sämtliche Mahlzeiten nehmen wir mit Ken's Familie in deren Haus ein. Ich liebe das super gesunde Essen, das die Frauen zubereiten. 

Die Märkte in Port Moresby

Heute am Sonntag fuhren wir nach dem Frühstück mit Mona und den Kids auf die lokalen Märkte. Wir besuchten zuerst den Fischmarkt und danach noch den Obst- und Gemüsemarkt. Spannend ist noch, dass Mona jedes Mal ein Gebet spricht bevor wir irgendwohin fahren. Generell ist die Familie sehr religiös und Gebet ist ein ständiger Begleiter in ihrem Alltag. 

Der Fischmarkt in Port Moresby 



Am Nachmittag hätten wir gerne noch mehr von der Stadt gesehen. Da wir ziemlich angewiesen sind darauf, dass uns jemand herumfährt, wurde daraus leider nichts. Alles was man hier macht, dauert nämlich im Endeffekt immer viel länger als erwartet. So auch der "kurze" Besuch im Shoppingcenter zu dem uns Mona am Nachmittag mitnahm. Taxis könnten wir in Port Moresby nicht nehmen, wurde uns erklärt. Es gibt weder Adressen noch Navigationssysteme. Man muss also dem Fahrer genau ansagen können wo man hin möchte. 

Interessant ist noch zu wissen, dass die Preise in Port Moresby überraschend hoch sind. So sind die Supermärkte teilweise teurer als in der Schweiz. Restaurants sind vielleicht etwas billiger als in Deutschland. Eine Wassermelone am Markt kostete beispielsweise umgerechnet 20 Euro. Außerhalb der Hauptstadt wird es dann aber günstiger, wurde uns gesagt. 

Ein Schild vor dem Shoppingcenter

Diese drei Tage waren jedenfalls ein wundervoller Einblick in eine einheimische Familie. Wir sind mehr als beeindruckt von der Gastfreundschaft. Alle Menschen mit denen wir Kontakt hatten behandelten so freundlich, wie ich es selten zuvor erlebt habe. Zudem kamen wir in keine auch nur annähernd gefährliche Situation. Aber gut, die Familie hat uns bestimmt so gut sie konnte davor abgeschirmt. 

Morgen Früh geht es schon weiter ins Hochland, nach Mount Hagen. Da es dorthin keine Straßen gibt müssen wir einen einstündigen Inlandsflug nehmen, der gar nicht so günstig ist - in diesem Fall ganze 170 Euro. Mona erzählte uns, dass es billiger sei von hier nach Australien zu fliegen als einen Inlandsflug zu buchen. Unglaublich! 

In Mount Hagen kommen wir wieder bei einer Gastfamilie über Couchsurfing unter. Wir sind gespannt! 


Also dann, ich werde wieder von mir hören lassen wenn ich mich in höheren Gefilden befinde.


Eure Michi :)



=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos von Port Moresby <=



Donnerstag, 31. August 2023

Route Philippinen

By On August 31, 2023

 

Reisezeitraum & Route: 

23.08.2023 - 31.08.2023

SCHWEIZ - Manila (Quezon City) - Baler (Aurora) - Manila (Mandaluyong) - PAPUA NEUGUINEA






Goodbye Phillippinen

By On August 31, 2023

 

Manila, Philippinen


Viel Unglück im Glück

Nachdem ich vor ein paar Tagen extra noch den Busbahnhof in Baler aufgesucht habe, um nachzufragen ob der aktuelle Busfahrplan stimmt, bestätigte mir dies die nette Dame dort am Schalter. Sie meinte nur, ich sollte mindestens eine Stunde vorher da sein. Ich machte mich also gestern gegen halb 9 am Morgen mit einem Tricycle auf zum Busbahnhof. Geplante Abfahrt des normalen Busses (es gibt auch einen etwas teureren Deluxe-Bus, der laut Plan aber erst am Nachmittag fährt) wäre um zehn. Kaum angekommen, ruft mir ein Mann zu: "Manila? Manila?" Er stand neben dem bereits gestarteten Deluxe-Bus und schien es ziemlich eilig zu haben. Wow, da hatte ich ja richtig Glück. Aber wie sich im Verlauf des Tages herausstellen sollte, folgte auf dieses Glück recht viel Unglück. 

Das Phänomen mit der Klimaanlage in gewissen "Dritte-Welt" Ländern

Der Deluxe-Bus hatte super bequeme Sitze und war auch nur zur Hälfte voll. Zudem sollte er eine Stunde schneller sein als der normale Bus, da er keine Pausen macht. Und des Beste: Es gibt eine Toilette an Board. Wir starteten auch sogleich. Ich staunte nicht schlecht als die Temperaturanzeige draußen 34 °C anzeigte und hier herinnen frostige 16 - 17 °C. Ich hatte mir zum Glück eine Fleecejacke eingepackt. Trotzdem fror ich mit meiner dünnen Hose und den nackten Füßen. Die anderen Fahrgäste waren schon gewappnet und hatten Winterjacken, dicke Socken und teilweise sogar Handschuhe dabei. Ich erinnerte mich zurück an die Busfahrten in Südamerika - z.B. in Kolumbien - dort handhaben sie das mit der Klimaanlage genau gleich. Es gibt scheinbar nur zwei Einstellungen: Kaputt oder Maximum. Kann mir vielleicht einmal irgendjemand erklären was es mit diesem Phänomen auf sich hat, dass ich gewissen "Dritte Welt" Ländern die Klimaanlage so stark aufgedreht wird? Vor allem sind diese Menschen hier eigentlich super heiße Temperaturen gewohnt. 

Kein Wasser, kein Strom, kein Obst & Gemüse

Nach gut sieben Stunden frostiger Busfahrt kam ich in Manila an. Ich bestellte mir ein Grab-Taxi zu meiner AirBnB Unterkunft. Das Verkehrschaos war wieder einmal eine ordentliche Geduldsprobe. Für nur wenige Kilometer brauchten wir eine ganze Stunde. Meine Unterkunft befand sich im 35. Stockwerk (von 50) eines Hochhauses. Die nächste Geduldsprobe war das Warten auf den Lift. Unmengen von Menschen standen an. Da braucht es schon mal 20 Minuten bis man von unten in die gewünschte Etage kommt. Eigentlich hätte ich liebend gerne eine Treppe genommen. Es gibt aber nur eine Notfall-Feuertreppe, die man nicht benutzen darf. Im Zimmer angekommen bemerkte ich, dass kein Wasser aus dem Wasserhahn kam. Ich schrieb meinem Gastgeber eine Nachricht. Er entschuldigte sich und versprach später vorbeizukommen. Als er eine halbe Stunde später da, war meinte er das Wasser sollte gleich wieder funktionieren. Ein paar Minuten später war zusätzlich noch der Strom weg. Wieder schrieb ich ihm. Er würde sich darum kümmern. Okay. Es verging eine schier endlose Zeit des Wartens. Plötzlich war der Strom wieder da. Wasser aber noch nicht. Wieder schrieb ich ihm. Er würde gleich schauen was da los ist. Ich beschloss in der Zwischenzeit was zum Essen zu suchen. Ich hatte riesen Lust auf Gemüse. Doch es scheint so als würden die Filipinos nur Fleisch und Fast Food essen. Nicht einmal im Supermarkt fand ich Gemüse. Es wurde also wieder einmal ein Nudel-Fertiggericht. Was haben wir doch zu Hause für einen Luxus eine so große Auswahl an gesunden Lebensmitteln zu haben. Zurück im Zimmer angekommen ging nun auch das Wasser wieder. Ich traf meinen Gastgeber noch einmal und er entschuldigte sich vielmals für die Unannehmlichkeiten. Später fiel dann das WLAN aus. Ich schrieb ihm noch einmal eine Nachricht. Er würde sich darum kümmern. Das Ende der Geschichte ist, dass das WLAN dann heute Morgen wieder kam, dafür aber das Wasser wieder weg war. Ganz ehrlich: Manila ist nicht meine Stadt! Das Essen, das Verkehrschaos, diese schrecklichen Hochhäuser... 


Der Ausblick aus meinem Zimmer

Ein nie endendes Disaster

Heute Nachmittag habe ich mir dann nach all dem Verdruss eine zweistündige Massage gegönnt. Es war ein Traum! Bezahlt habe ich dafür umgerechnet 16 Euro. Danach ging das Disaster aber weiter. Ich habe mit meinem Gastgeber abgemacht, dass ich ihm ein bisschen mehr bezahle und dafür bis am Abend das Zimmer nutzen darf. Er versprach mir bis dahin auch eine Lösung wegen des Wassers gefunden zu haben. Der Gute wartete schon vor meiner Tür. Er bot mir an zu helfen alle meine Sachen zu packen und in ein anderes Zimmer umzuziehen in dem das Wasser funktioniert. Das fand ich etwas kompliziert und fragte, ob ich nicht einfach im anderen Zimmer duschen könne und meine Sachen hier lasse. Gut, er möchte mir "kurz" das andere Zimmer zeigen. Womit ich nicht gerechnet habe ist, dass wir ja nun wieder den Aufzug benutzen müssen und das alles ewig dauert. Eine gute halbe Stunde verging. Mir platzte nun endgültig der Geduldsfanden. Ich müsse schon bald zum Flughafen, ich könne nicht Stunden damit verbringen mit dem Aufzug hier auf und ab zu fahen. Er solle mir doch bitte einfach einen Kübel Wasser ins Zimmer stellen, das würde mir reichen mich zu waschen. Er bemerkte wohl, dass meine Geduld am Ende war und versuchte mich mit ein paar beschwichtigenden Worten zu beruhigen. Er hole sofort Wasser. Gut. Es verging wieder recht viel Zeit bis es an der Tür klopfte. Mein Gastgeber stand mit einem breiten Grinsen vor mir und streckte mir ein Abschiedsgeschenk entgegen: Ein "I love Philippines" T-Stirt, einen Schlüsselhänger und eine kleine Holzfigur. Zusätzlich fügte er noch an, dass das Wasser in meinem Zimmer nun wieder gehe. Tatsächlich! Ich bedankte mich herzlich und entschuldigte mich für meine Ungeduld. Ich Nachhinein musste ich herzlich über mich selber lachen. Typisch unsere westliche Ungelduld und unser Perfektionismus. Tja, daran kann ich auf alle Fälle noch arbeiten ;)

Noch eine wichtige Anmerkung: Die Filipinos benutzen kein Toilettenpapier. Es gibt weder in den Unterkünften noch in den Restaurants WC-Papier. Wenn man also nicht mit Wasser bzw den Popoduschen zum Sauermachen zurecht kommt, sollte man unbedingt immer eine Klopapierrolle dabei haben. 

Ich freue mich nun schon wirklich auf meinen Abflug heute Abend nach Papua-Neuguinea (PNG). In etwa einer halben Stunde geht's schon ab zum Flughafen. Dort treffe ich dann Carolin. Um 23:30 Uhr ist Abflug. Ankunft in Port Moresby, der Hauptstadt von PNG: 7 Uhr morgens. Das wird also wieder eine schlaflose Nacht. 


Eure Michi :)







Dienstag, 29. August 2023

Entspannen in Baler

By On August 29, 2023

 

Baler, Philippinen

Meine entspannten Tage in Baler neigen sich schön langsam wieder dem Ende zu. Trotz der aktuellen Regenzeit hatte ich mit dem Wetter wirklich Glück. Es war großteils leicht bewölkt, gab zwischendurch immer wieder Sonnenschein und nur ein Tag war leicht verregnet. In all der Zeit habe ich keinen einzigen anderen Touristen hier im Ort gesehen - zumindest keinen, der mir als solcher aufgefallen wäre. In der Nebensaison verirrt sich scheinbar selten ein Ausländer hierher. 


Der Jetlag ist nach wie vor nicht ganz weg. Die ersten Tage konnte ich erst am frühen Morgen einschlafen und bin dann gegen Mittag aufgewacht. Mittlerweile schaffe ich es zum Glück vor Mitternacht in den Schlaf zu finden, muss mir aber nach wie vor einen Wecker stellen, um in der Früh wach zu werden. Bin dann immer noch völlig erschlagen und habe das Gefühl es sei mitten in der Nacht. 


Ich habe in meiner kleinen Bambushütte übrigens ein paar Mitbewohner, darunter mindestens zwei Geckos, jede Menge Mini-Ameisen und noch ein Prachtexamplar von einer Riesenkakerlake. Mit den Geckos und den Ameisen komme ich ganz gut aus, aber diese Riesenkakerlake ist mir nach wie vor etwas ungeheuerlich. Sämtliche Tötungsversuche sind fehlgeschlagen, da dieses Untier gar nicht so langsam ist. 


Der Aussichtspunkt "Ermita Hill"

Nachdem ich am Freitag angekommen bin, beschloss ich am Samstag eine kleine Wanderung zu unternehmen. Ziel war der Ermita Hill - ein Aussichtspunkt, der ein paar Kilometer außerhalb von Baler liegt. 

Diese baufällige Hängebrücke ist etwas für Abenteurer. Der aktuelle Taifun sorgte für zusätzlichen Nervenkitzel. Kein Wunder, dass sich außer mir niemand über die Brücke wagte. 

Am Ermita Hill 

Am Ermita Hill angekommen waren noch einige einheimische Touristen vor Ort. Von denen ist niemand zu Fuß hierhergekommen, sondern die meisten mit dem Auto oder einem Tricycle. Es waren insgesamt so um die 15 Kilometer, somit haben auch meine Flip-Flops ihren ersten Härtetest bestanden. Die Filipinos gehen generell nicht gerne zu Fuß, wie ich später von erfahren habe. Selbst kürzeste Strecken werden mit dem Motorbike oder dem Dreirad zurückgelegt. Umso amüsanter fanden sie es, als ich all den Weg zu dem Aussichtshügel zu Fuß zurücklegte. 

Grundsätzlich sind die Filipinos ein sehr angenehmes und freundliches Volk. Trotzdem darf man die kulturellen Unterschiede nicht unterschätzen. So gestehen sie sich beispielsweise Unwissen nicht gerne ein. Fragt man etwa nach dem Weg und sie wissen diesen nicht, werden sie einem eher den falschen Weg erklären als zuzugeben, dass sie es einfach nicht wissen. Am Ermita Hill gab es übrigens einen sehr leckeren "Iced Latte" (Eiskaffee) für nur 55 Pesos (= 0,89 Cent), noch dazu war die Portion wirklich ordentlich. Die nette Lady fragte mich, ob ich denn Jelly hinein möchte. Ich fragte sie, was das denn sei. Sie konnte es mir nicht ganz verständlich erklären - bzw wusste es einfach selber nicht - bis sie dann meinte,  ihr sei gerade eingefallen, dass sie heute gar kein Jelly mehr haben. Lustigerweise bekamen die Kunden hinter mir aber wieder Jelly (es handelt sich dabei wohl um kleine Gelantine-Kügelchen) in ihr Getränk. 

Am Rückweg gönnte ich mir frisches Kokosnusswasser für 30 Pesos (= 0,49 €). Die hier waren besonders groß, fast ein Liter befindet sich in einer Nuss.

Kulinarische Köstlichkeiten der Philippinen

Der Sonntag stand ganz im Sinne der Kulinarik. Nach einem ausgedehnten Strandspaziergang traf ich mich mit Anthony, er ist ein Couchsurfing-Gastgeber hier in Baler. Wir düsten mit seinem Motorbike herum und er zeigte mir den wunderschönen Diguisit Strand. Leider war es an dem Tag sehr windig - es wütete scheinbar ein Taifun der Stärke eins bis zwei - weshalb wir uns auch nicht sonderlich lange am Strand aufgehalten haben. 

Mit Anthony am Diguisit Strand


Anthony beschloss mir als Schlechtwetterprogramm die philippinische Kulinarik etwas näher zu bringen. Gestartet wurde gleich mit einer wahrlichen Mutprobe. 

Achtung: Nichts für schwache Nerven! 

Die Delikatesse heißt Balut. Es handelt sich dabei um ein angebrütetes, gekochtes Enten- oder Hühnerei. Im Schnitt sind die Eier etwa 19 Tage alt, wenn sie gegessen werden. Im Inneren steckt also ein Vogelembryo. An einem Straßenstand wurden wir fündig. Anthony führte mir genau vor, wie man das Ding essen sollte. Schon beim Zuschauen wurde mir leicht schlecht, obwohl ich in Sachen Essen wirklich sehr abgehärtet bin. Anthony verglich den Embryo mit einem Baby-Dinosaurier. Ja, das könnte vielleicht hinkommen. Nun war ich an der Reihe. Zuerst startet man mit dem gelben Teil, also dem Dotter, welcher auch ungefähr so schmeckt, nur bereits etwas härter ist. Dann kommt der Embryo. Gespannt und leicht schmunzelnd beobachteten die zwei Männer meinen Gesichtsausdruck. Das Ding sah tatsächlich schon aus wie ein kleines Küken. Man erkannte bereits deutlich den Kopf und den Schnabel. Es ließ sich aber erstaunlich leicht kauen, da selbst die Knochen noch weich sind. Im Nachhinein kann ich gar nicht viel zum Geschmack sagen, da man recht viel Essig darüber kippt, was dann der vorherrschende Geschmack ist (vielleicht auch besser so). Nach diesem kleinen Abenteuer beschloss ich, dass das eindeutig ein einmaliges Erlebnis gewesen ist. Aber Balut hat es auf alle Fälle auf die Liste der => Kulinarischen Abenteuer <= auf meinen Reisen geschafft.

"Balut" - eine philippinische Delikatesse

Das war aber noch nicht alles. Anthony wollte mir noch mehr von dem beliebten Streetfood zeigen. Weiter ging es mit Adobo, eines der philippinischen Spezialitäten. Es ist geschmortes Fleisch in Sojasauce und Essig mit viel schwarzem Pfeffer und Knoblauch. Dieses Gericht ist mein persönlicher Favorit des Tages.

Weiters probierten wird gestocktes Schweinblut und Hühnerdarm vom Grill. Es hätte auch noch gegrillte Hühnerkralle gegeben, aber für diesen Tag war meine Probierfreudigkeit dann wirlich aufgeschöpft. Außerdem hatte ich Bedenken, ob mein Magen das alles noch mitmachen würde. Das Schweinblut war nicht so mein Fall, der Hühnerdarm hat mich positiv überrascht.

Gestocktes Schweineblut, Hühnerdarm und Hühnerkrallen vom Grill

Ein Streetfood Stand

Eintauchen in die philippinische Kultur

Am Montag war Feiertag auf den Philippinen. Zur Feier des Tages meinte Anthony, dass er und seine Familie mich gerne zum Mittagessen einladen würden. Ein solches Angebot ließ ich mir auf keinen Fall entgehen. Es war immerhin die einmalige Möglichkeit Einblick in eine philippinische Familie zu bekommen. Anthony ließ es sich nicht nehmen mich mit dem Motorbike abzuholen. Zu Hause bei ihm erwarteten mich sein Vater, seine zwei Schwestern und noch ein Neffe von ihm. Die Frauen zeigten sich recht zurückhaltend, während der 78-jährige Vater mich mit Fragen nur so durchlöcherte und einen Witz nach dem anderen riss. Er ist übrigens Pastor und sieht viel jünger aus. Alle sehen hier viel jünger aus als sie sind. Sie behaupten, das liegt an der hohen Luftfeuchtigkeit in den Tropen und zudem daran, dass sie die Sonne wann immer es nur geht meiden. Damit haben sie bestimmt teilweise recht. Anthonys Mutter ist vor zwei Jahren gestorben. Sein Vater war vor allem erstaunt, wie ich denn bloß ganz alleine reisen könnte und wieso ich denn nicht verheiratet wäre. Die üblichen Fragen der älteren Generation also ;) Aufgetischt wurden viele verschiedene Schüsseln in der Tischmitte. Und tatsächlich alles Fleisch! Ja, die Filipinos lieben Fleisch. Es gab Huhn, Schwein und Fisch in allen möglichen Zubereitungsvarianten. Dazu eine Riesenschüssel Reis. Es schmeckte alles vorzüglich, trotzdem muss ich sagen, dass ich das Gemüse sehr vermisse. Die Familie amüsierte sich darüber, dass ich mit der Gabel aß. Scheinbar wird hier prinzipiell nur mit dem Löffel oder den Händen gegessen. Messer gibt es keine am Tisch. Etwas irriterend fand ich es anfangs zudem, dass ganz ungeniert am Tisch gerülpst wird.  

Am Nachmittag zeigte mir Anthony den Caunayan Wasserfall. Es war eine 30-minütige Motorbike Fahrt dorthin. Einige einheimische Familien planschten im Wasser herum oder waren am picknicken. 

Der Caunayan Wasserfall


Nach dem Wasserfall ging die Sightseeing-Tour weiter zu einem 600 Jahre alten Balete Baum, der sogenannte "Millenium Tree". Er sollte sogar der älteste seiner Art in ganz Asien sein. Die massiven Wurzel- und Astsysteme dieses Baumes umschlingen einen Gastbaum, bis der Baum der ihm zuerst als Wirt gedient hat, vollständig umwickelt ist. Der Wirt-Baum stirbt ab und an seiner Stellt wächst nun der Balete Baum bist zu 20 Meter in die Höhe. Die Einheimischen glauben, dass im Inneren des Baumes ein Geist lebt. Wichtig zu wissen ist noch, dass man bei sämtlichen Sehenswürdigkeiten hier Eintritt bezahlen muss. Es sind aber meistens nur so um die 25 Pesos ( = 0,40 €). 

Der "Millennium Tree" in der Nähe von Baler


Ich wagte mich auch in das Innere des Baumes, konnte aber keinen Geist dort finden.

Am Abend traf ich dann noch jemanden von Couchsurfing: Irene. Eine junge philippinische Frau, Anfang vierzig, die in der Nähe von Baler eine Farm besitzt. Sie hat mir sogar einen Sack frisch gepflückter Guaven mitgebracht. Auch diesmal musste ich wieder staunen, die Gute sieht aus wie Mitte zwanzig. Wir hatten einen super lustigen Abend in einem Restaurant am Strand. Bei Abendessen und Bier tauschten wir unsere verrücktesten Reise- und Couchsurfing Erlebnisse aus. 

Irene und ich

Unser Abendessen: Fisch in Kokosmilch und Lomi-Suppe (mega lecker!). 

Abendstimmung am Strand in Baler, inklusive Regenbogen

Heute ist nun schon Dienstag, mein letzter "Urlaubstag". Morgen steht wieder die lange Busfahrt nach Manila an, um dann übermorgen nach Papua-Neuguinea - in das Land der Menschenfresser - zu reisen. 


Bis bald!

Eure Michi :)