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Freitag, 12. Januar 2024

Von Riesenaalen bis hin zu Robbenkolonien: Ein Roadtrip von Taupo nach Wellington

By On Januar 12, 2024

 

Nachdem ich mich am Montag von Jacqui, Trev und den 300 Milchkühen verabschiedet hatte, ging es mit dem Bus nach Taupo. Dort traf ich mich wieder mit John, dem Possumjäger. Vielleicht erinnert ihr euch, wir waren vor kurzem wandern im Kaweka Forest. Diesmal planten wir einen 4-tägigen Roadtrip von Taupo nach Wellington. 


Campen im Ruapehu Forest

Nach einem erfrischenden Zwischenstopp am Taupo-See, inklusive Klippenspringen und Pflücken wilder Pflaumen am Straßenrand, erreichten wir den Ruapehu Forest, welcher sich am Fuße des schneebedeckten Mount Ruapehu befindet. Wir sind tatsächlich irgendwo im nirgendwo angekommen. Selten verirrt sich jemand hierher und wenn dann sind es wohl meist Jäger. Nach einer kurzen Wanderung quer durchs Dickicht schlugen wir unser Nachtlager neben einem Fluss auf einer Waldlichtung auf. Es war eine sternenklare Nacht mit einer unglaublichen Sicht auf die Milchstraße. 


Im Ruapehu Forest

Das Nachtlager


Aalkampf in Pahiatua

Den nächsten Morgen startete ich mit einem Bad im eiskalten Fluss, gespeist vom Schnee des Mount Ruepehu. Das war vermutlich auch der erste wirklich kalte Fluss, den ich in Neuseeland bis jetzt erlebt habe. Unser Trip ging weiter nach Pahiatua. Es handelt sich um einen kleinen, recht unpopulären Ort. Und genau solche Orte haben meist die größten Abenteuer parat. Unsere Unterkunft befand sich außerhalb des Zentrums an einem kleinen Bach. Ich konnte es kaum glauben was für gigantische Aale sich dort tummelten. Obwohl ich eigentlich noch eine Rechnung offen hatte mit diesen Ungetümen - ihr erinnert euch vielleicht an mein Mondscheinbad im Fluss, wo mich ein Aal in den Fuß gebissen hatte -  beschlossen wir sie mit etwas Fleisch zu füttern. Kurz darauf wurden wir Beobachter eines spektakulären Aal-Kampfes. Zwei dieser Tiere gerieten aneinander, als sie sich um ein Stück Wurst stritten - ein Spektakel sondergleichen!


Das hier ist Eli, der Sieger des Aal-Kampfes

Wir besuchten noch die TUI-Brauerei im Ort


Abendessen


Ein Früchteparadies in Featherstone

Das nächste Ziel sollte Featherstone sein. Wir übernachteten auf einer kleinen Farm, welche von Aprikosen-, Grapefruit- und Zitronenbäumen umgeben ist, von denen wir uns nach Belieben eindecken durften. Das Highlight war wieder einmal ein Fluss - glasklares Wasser und eine ziemlich angenehme Temperatur luden bei den sommerlichen Temperaturen natürlich zum Planschen ein. Diesmal sogar ohne Riesenaale. 



Cape Palliser - "Paua" Jagd und stinkende Robben

Am Freitag Vormittag ging es dann noch an den südlichsten Punkt der Nordinsel: Cape Palliser. John offenbarte mir dort die Kunst des Paua (auch Regenbogen-Abelone genannt) Sammelns. Es handelt sich dabei um eine Meeresschnecke, die ihren Namen von den Maori bekommen hat. Paua ist eine neuseeländische Delikatesse und kommt tatsächlich auch nur dort vor. Ihre Schale schillert im Inneren in Regenbogenfarben. Ausgestattet mit einem Messer und Schnorchelausrüstung machten wir uns auf die Jagd. Wir konnten stolze 13 Stück ergattern. Als dann ein aufdringlicher Krebs versuchte uns unser Mittagessen zu stehlen, landete dieser kurzerhand auch im Gaskocher. Somit hatten wir eine richtige Luxus-Mahlzeit: Paua gekocht im Meereswasser, dazu Krebs - ebenso in Meerwasser gegart und mit frischem Zitronensaft serviert. Trotz Johns zwiespältiger Meinung über die Paua Konsistenz fand ich unser Mittagsmenü köstlich. 


Neben dem Krebs versuchte übrigens auch noch dieser Seestern unser Mittagessen zu klauen

Hier sieht man die Paua mit ihrem schwarzen Fleisch

Die regenbogenfarbene Innenseite der Paua-Schale

Mittagessen Deluxe


Gut gestärkt ging es weiter zum Leuchtturm am Cape Palliser, wo ich endlich zum ersten Mal im Leben Robben in freier Wildbahn sehen konnte. Ihr ziemlich penetranter Geruch kündigte sie an bevor wir sie sehen konnten. Es tummeln sich ganze Robbenkolonien auf dem felsigen Strand. Es war ein herrliches Schauspiel den Tieren beim Herumtollen zuzusehen. Allerdings sollte man gebührendem Abstand einhalten, um einer möglichen Attacke zu entgehen. Kaum zu glauben, aber Robben können sich ziemlich schnell bewegen und gefährliche Bissverletzungen zufügen, wenn sie sich bedroht fühlen. 





Der Leuchtturm am Cape Palliser


Das war dann auch schon der letzte Stopp unseres gemeinsamen Roadtrips - natürlich mit einer Extraportion Alien-Geschichten während der langen Fahrten ;)

John setzte mich am Stadtrand von Wellington ab und machte sich wieder auf den Weg nach Hause, während ich für zwei Tage die Stadt erkunden werde, bevor es dann mit dem Flugzeug weiter nach Queenstown auf der Südinsel Neuseelands geht. 


Bis bald!


Eure Michi :)




=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos vom Roadtrip <=



=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos von Cape Palliser und den Robben <=






Sonntag, 7. Januar 2024

Kuhärsche, Kängurus und betrunkene Mitfahrgelegenheiten: Abenteuer auf einer Kiwi-Milchfarm

By On Januar 07, 2024



Die Duftsymphonie von Rotorua

Die Stadt Rotorua ist bekannt für seine geothermischen Erscheinungen. Die Gegend ist reich an heißen Quellen, Geysiren und kochenenden Schlammbecken. Diese kommen von der hohen vulkanischen Aktivität, welche auf die geologische Lage am sogenannten Pazifischen Feuerring zurückzuführen ist. Der markante Schwefelgeruch - man könnte es auch als Geruch nach faulen Eiern bezeichnen - empfing mich hier noch bevor ich die Stadt überhaupt sehen konnte. Abgesehen vom Geruch finde ich die Region aber mega spannend. Überall in der Stadt steigen Dämpfe auf, man muss tatsächlich aufpassen wo man hintritt denn diese sind teilweise kochend heiß und können zu ordentlichen Verbrennungen bis hin zum Tod führen. Die Einwohner kochen sogar ihre Mahlzeiten in den heißen Quellen in ihren Gärten - unglaublich!


Geothermische Aktivitäten in und rund um Rotorua

Ein kochender Schlammtümpel

Die Milchfarm

Meine Gastgeber Jacqui und Trevor entpuppten sich als super herzliches Kiwi-Pärchen mit einer beeindruckenden Fitness jenseits der 60. Ihr Haus steht auf einem kleinen Hügel - in sicherer Entfernung vom stinkenden Rotorua - mit einem traumhaften Ausblick. Jacqui zauberte täglich fantastisches Essen aus ihrem riesigen Obst- und Gemüsegarten. Vor dem Haus lädt dann noch ein Hot Pool zur Entspannung nach getaner Arbeit ein. Gleich am ersten Tag bereute ich es schon, dass ich nur eine Woche Zeit hatte hier. 


Aussicht vom Rainbow Mountain - Der Hausberg von Jacquis und Trevs Farm

Rainbow Mountain


Zweimal am Tag mussten die insgesamt 300 Kühe gemolken werden - einmal am Morgen und ein zweites Mal am Nachmittag. Tagwache war demzufolge um 5 Uhr morgens. Trevor ist ein ganz toller Lehrer und innerhalb kürzester Zeit wurde ich zur wahren Melkmeisterin. Zu zweit wurden die 300 Kühe in gut einer Stunde durchgemolken. Daraus resultieren stolze 8.000 Liter Milch am Tag. Es war schon ein etwas eigenartiges - fast angsteinflößendes - Gefühl für mich als ich zum ersten Mal zwischen diesen hunderten Kuhärschen und Zitzen stand. Zum Glück sind die Kühe recht wohlerzogen und schlagen recht wenig. Dafür haben sie aber allerhand andere Überraschungen parat: Es gab regelmäßige Duschen in Kuhpisse und -kacke. Aber man gewöhnt sich an alles. Und ich war zudem gut geschützt in einem Supersize-Stalloverall und Gummistiefeln. 


Trevor ist ein richtiger Motivationsguru und spornte mich ständig an neue Dinge auszuprobieren, wofür ich ihm mega dankbar bin. So konnte ich innerhalb kürzester Zeit mit seiner Motocross über die Feldwege düsen, eine Kreissäge bedienen und mit dem Quad + Anhänger herumfahren. Ich lernte wirklich viel Neues in der kurzen Zeit. 


Nachdem wir die 300 Kühe gemolken haben, gibt Trev mir noch schnell eine Nachhilfestunde im Motocross Fahren ;)


Die Tage auf der Milchfarm waren nicht nur von Melkarbeit geprägt. Jacqui und Trevor gingen sicher, dass ich auch genug von der Gegend rundherum sah. Eines Nachmittags nahm Travor mich mit zu einem aufregenden Jetski-Trip am Lake Tarawera und brachte damit meinen Adrenalinspiegel auf Hochtouren. Mit 100 km/h über den See zu rasen, war gleichzeitig atemberaubend wie auch von einer Todesangst begleitet. Immerhin saß ich noch nie zuvor auf so einem Ding, und wenn dann mit 100 Sachen über den See gebrettert wird muss man schon ordentlich schauen, sich da irgendwie festhalten zu können. Der ganze See ist umgeben von jeder Menge heißer Quellen. Trevor setzte mich am Hot Water Beach ab. Dort fließt ein heißer Thermalfluss in den See, demzufolge ist das Wasser am Strand super warm. 


Hot Water Beach - man muss hier ziemlich aufpassen, denn das Wasser ist kochend heiß


Vom Hot Water Beach wanderte ich dann den 15 Kilometer langen, wunderschönen Tarawera Trail zurück. Mein Highlight des Tages war, als ich am Weg zum ersten Mal in meinem Leben ein Wallaby (= eine kleine Kängruruart) in freier Wildbahn gesehen habe. Es ist eine Weile ganz gemütlich vor mir entlang gehoppelt. Unglaublich süß! Meine Gastgeber erklärten mir später aber, dass ich es besser killen hätte sollen, da diese Tiere auch von Australien eingeschleppt wurden und mittlerweile eine ziemliche Plage sind hier. 


Tarawera Trail




Die Rückkehr zur Farm erfolgte per Anhalter und führte zu einem weiteren unvergesslichen Kapitel meiner Reise. Vorerst muss gesagt werden, dass es super einfach ist per Autostopp in Neuseeland von A nach B zu kommen, da die Menschen alle extrem freundlich und hilfsbereit sind. Die erste Strecke nahm mich eine liebe Kiwi-Familie mit. Leider setzten sie mich an einer etwas unglücklichen Stelle direkt an der Schnellstraße ab. Zu meiner großen Freude blieb aber dann doch irgendwann ein Auto stehen. Ich setzte mich auf den Rücksitz des klapprigen, roten Autos. Eine ordentliche Bierfahne drang in meine Nase. Wie ich nun erkennen konnte, waren sowohl die Fahrerin als auch ihr Beifahrer fest am Bier trinken. Kurzzeitig dachte ich noch ans Aussteigen, doch da trat die Gute schon ordentlich ins Gas. Sie erklärten mir, dass sie gerade von der Schafschur kommen und das müsste gefeiert werden. Es wurde mir natürlich sofort ein Bier angeboten, welches ich dankend annahm. Der Fahrstil war schon recht abenteuerlich (keine Ahnung wieviel von dem heiligen Wasser sie schon intus hatten). Ich war heilfroh als sie mich eine halbe Stunde später sicher an einer Kreuzung absetzten. Sie gaben mir noch eine Flasche Bier als Wegzehrung mit ;)  


In meiner Freizeit zeigten mir Jacqui und Trevor jede Menge Gehemiplätze rund um Rotorua, wie beispielsweise heiße Flüsse, wo sonst keine Menschenseele zu finden ist. 


Ein abendliches Bad in einem heißen Fluss


Klingt nicht sonderlich einladend, aber meine Gastgeber versicherten mir, dass sowas so gut wie nie passiert


Zuguterletzt nahmen mich Jacqui und Trev sogar mit zu ihrem Ferienhäuschen am Strand in Pukehina. Dort war gerade eine regelrechte Familienfeier in vollem Gange. Es gab leckeres Essen, Getränke und gemütliches Beisammensein. Ich konnte also das richtige Kiwi-Großfamilienleben kennenlernen. Wir verbrachten dort eine Nacht. Geschlafen wurde in einem der unzähligen Schlafzimmern, in Campervans und in Zelten im Garten. Ich bin wirklich begeistert von der Gastfreundschaft und Unbeschwertheit dieser Leute. 


Die Okere Falls am Weg nach Pukehina


Eine Woche voller Gastfreundschaft, neuen Erfahrungen und jede Menge Adrenalinkick neigt sich leider schon wieder dem Ende zu.


Und nun steht bereits das nächste Kapitel meines Abenteuers in den Startlöchern: ein Roadtrip nach Wellington.


Bis bald!


Eure Michi :) 




=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos von Rotorua & Umgebung <=





Sonntag, 31. Dezember 2023

Zwischen Possums, Aal-Attacken und Alien-Theorien

By On Dezember 31, 2023

 

Einblick in eine Welt voller Kuriositäten

Am Dienstag Vormittag kam ich bei meinem Couchsurfing Gastgeber John in Whanganui an. Ein facettenreicher junger Mann mit ungewöhnlichen Weltansichten: Er erzählt mir von der flachen Erde, von Bergen, die Überreste antiker Riesenbäume sein sollten und Alien Begegnungen. Nebenbei jongliert er als ITler, Imker, Pilot, DJ und spielt in einer Band – ein echtes Multitalent. Wie man sich vorstellen kann, hatten wir in den kommenden Tagen viele tiefsinnige Gesprächsthemen, die zum Denken anregten. 


Wandervorbereitungen

John zeigte mir sein kleines Häuschen mit Garten, wo er allerhand Obst und Gemüse anbaut. Wir machten dort nur einen kurzen Halt, um unsere sieben Sachen für die geplante 4-tägige Wanderung im Kaweka Forest zu packen. Mit einem jeweils etwa 14kg schweren Rucksack sollte es losgehen. Man muss dazu sagen, dass dieses Gewicht auch Zelt und sämtliche Campingausrüstung inkludierte. Es folgte noch ein weiterer Stopp bei seinen Bienenstöcken, um zu sehen ob alles in Ordnung war. 


Zwischenstopp in der River Valley Lodge

Da der Weg bis zum Startpunkt der Wanderung recht lang war, machten wir eine Nacht Zwischenstopp in der abgelegenen River Valley Lodge in der Nähe von Taihape, welche am Ufer eines malerischen Flusses liegtein richtiges Paradies! Ein weiteres Highlight ist der Hot Pool, von dem aus man Ausblick auf einen Wasserfall hat. Als wir dort gerade den Tag gemütlich ausklingen lassen wollten, nahm das ganze eine unerwartete Wendung: Ein Possum erleichterte sich vom Baum herab direkt in unseren Pool. Die Biester sind wirklich überall. Sobald es dunkel wird kommen sie aus ihren Löchern hervor und treiben ihr Unwesen.


Ich beschloss dann noch - entgegen Johns Warnung - mich für ein nächtliches Bad in den Fluss zu wagen. Die idyllische Nachtstimmung nahm jedoch durch meinen eigenen Aufschrei ein jähes Ende. Es hatte mich tatsächlich ein Aal in den Zeh gebissen. Auch von diesen Untieren gibt es in den Flüssen hier mehr als genug. Hätte ich das im Vorhinein gewusst, dann hätte ich mir dieses nächtliche Abenteuer wahrscheinlich erspart. 


Die River Valley Lodge liegt an diesem malerischen Fluss


Abenteuer im Kaweka Forest

Am nächsten Morgen hatten wir eine weitere zweistündige Fahrt vor uns, bis wir schließlich den Kaweka Forest erreichten. Am Parkplatz trafen wir auf einen mysteriösen Wanderer, der uns vor dem gefährlichen Track warnte. Da er diesen dermaßen dramatisierte beschlossen wir kurzerhand unsere ursprünglich geplante Route etwas abzuändern. Zudem sah die Wettervorhersage für die nächsten Tage leider nicht so prickelnd aus. Wir starteten bei bewölktem Himmel, später setzte leichter Regen ein. Glücklicherweise erreichen wir unser Nachtlager, die Mackintosh Hutvor Einbruch der Dunkelheit. Wir hatten Glück, denn wir waren die einzigen Gäste in der Selbstversorgerhütte. Wir heizten die Feuerstelle an und kochten Tee und Abendessen. Zudem mussten unsere nassen Schuhe und Kleider getrocknet werden. 



Mackintosh Hut


Possum-Jagd

Ich habe mich schon lange gefragt, warum niemand die Possums in Neuseeland isst, wenn diese doch so eine schlimme Plage sein sollten. Da ich den Grund noch nicht herausgefunden hatte, erzählte ich John von meinem Traum einmal ein Possum erlegen und essen zu wollen. Normalerweise werden die Tiere nur zu Hundefutter verarbeitet. Es ist jedoch Vorsicht geboten, da etwa 2% der Tiere mit Tuberkulose infiziert sind. Wenn das Fleisch aber ausreichend erhitzt wird, dann werden auch sämtliche Bakterien getötet. Wir hatten also eine Possumfalle dabei, die wir vor der Hütte aufstellten. John warnte mich vor, dass es mitten in der Nacht sein könnte wenn ein Possum in die Falle tappt. Dann müssten wir natürlich aufstehen und es aufarbeiten. Bereits bei Einbruch der Dunkelheit sahen wir mindestens drei dieser Unruhestifter, jedoch waren sie alle schlau genug nicht in die Falle zu treten. Wir gingen also schlafen. Irgendwann mitten in der Nacht wurde ich durch einen unglaublichen Krach jäh aus dem Schlaf gerissen. Als ich aus dem Fenster schaute, sah ich wie John gerade wie ein Verrückter mit einem Holzstück auf ein Possum einschlug. Das Ganze hatte irgendwie etwas von einer Horrorfilm-Szene. Ich quälte mich aus dem Bett. Wie ich erfuhr hat das mit der Falle leider nicht geklappt, weshalb John kurzerhand beschlossen hatte, das Possum eigenhändig zu erlegen. Verwunderlicherweise ist ihm das tatsächlich gelungen. Die Aufarbeitung des Tieres dauerte seine Zeit. Wir zogen das Fell ab, schnitten die Innereien heraus und ließen es über Nacht aushängen. 


Die Possum-Falle.





Leider zwang uns das schlechte Wetter am nächsten Tag die Wanderung vorzeitig zu beenden. Somit wurden aus den geplanten vier Tagen nur zwei.



Sandfliegenattacke

Wir beschlossen die Nacht auf einem Campingplatz zu verbringen, da der Rückweg nach Whanganui ziemlich lange ist. Zum Abendessen stand heute das Possum am Plan. Es könnte sein, dass wir beim Aufarbeiten einen Fehler gemacht haben, denn das Tier roch.... nun ja, abenteuerlich! John musste sich beim Zubereiten sogar übergeben. Als das Fleisch fertig durchgebraten war, überzeugte uns der Geschmack immer noch nicht so richtig, weshalb wir es bei einer kleinen Kostprobe beließen. 

Auch diese Nacht war nicht von sonderlich viel Schlaf geprägt. Es fing nämlich an wie aus Eimern zu schütten. Das war aber noch das geringere Übel. Als John dann noch einer Sandfliegenattacke zum Opfer fiel, beschlossen wir gegen ein Uhr nachts zurück nach Whanganui zu fahren. Nach einer dreieinhalbstündigen Fahrt - begleitet von dem aromatischen Hauch des Possum-Fleischs - erreichten wir dann endlich Johns Haus. 


Entspannte Tage in Whanganui

Die nächsten Tage verliefen recht entspannt. Ich musste sowieso erst einmal etwas Schlaf nachholen. Ansonsten half ich John im Garten, wir bereiteten eingelegtes Gemüse aus seinem Garten zu, brauten Bier und sammelten Muscheln am Strand, welche zu leckeren Meeresfrüchte-Spaghetti verarbeitet wurden. Zuguterletzt standen noch Besuche bei seinen zwei Omis am Plan. 


Relaxen im Garten

Eingelegte Gurken

Eine typische Kiwi-Mahlzeit: Fisch & Chips, dazu selbstgebautes Bier


Abenteuerliche Tage in der Wildnis mit einigen tierischen Attacken und vielen spannenden Gesprächen neigen sich nun wieder dem Ende zu. 


Mit all diesen skurrilen Erlebnissen im Gepäck geht es für mich weiter auf eine Milchfarm in Rotorua, wo ich die nächste Woche mit Kühe melken und Traktor fahren verbringen werde. 


Praktische Infos:

  • Wenn man in den sogenannten DOC-Hütten übernachten möchte, muss man sich im Vorhinein Coupons besorgen, welche man dann in die Kassa der Hütten wirft. Ein Coupon kostet 10 NZD (= 5,70 €). In den Selbstversorgerhütten sind Matratzen vorhanden. Schlafsack muss mitgebracht werden. 


Ich wünsche ein frohes Neues Jahr!

Eure Michi :)



=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos von der River Valley Lodge <=




Montag, 25. Dezember 2023

Die skurrile Schweinefarm

By On Dezember 25, 2023

 

Kulinarische Höhen und hygienische Tiefen

Nach der einstündigen Busfahrt von New Plymouth nach Stratford erwartete mich dort nicht die versprochene Schweinebauern-Familie sondern nur Frieda (Name abgändert) - eine deutsche Frau Anfang sechzig, die schon seit vielen Jahren in Neuseeland lebt. Sie wohnt gemeinsam mit einem Hund, vier Schweinen und unzähligen Hühnern etwas außerhalb von Stratford in einem Minihaus. Als ich sie nach ihrer Familie fragte, meinte sie, dass es diese gar nicht gäbe. Sie hätte diese nur erfunden, damit niemand erfährt, dass hier ganz alleine wohnt. Zu ihrem eigenen Schutz also. Diese kleine Lüge gab mir von Anfang ein etwas komisches Gefühl. Irgendwie konnte ich ihr nicht ganz trauen. 


Eines von Friedas Haustieren. Dieses Schweinchen heißt Rose und ist ein Kunekune Schwein. Der Name kommt von den Maori und heißt so viel wie "fett und rund".


Kaum hatte ich ihr Haus betreten, wollte ich eigentlich nur rückwärts wieder raus. Die hygienischen Umstände waren alles andere als einladend: überall Ratten- und Mäusekot am Boden, schimmlige Lebensmittel in den Schränken und im Kühlschrank und Hundehaare soweit das Auge reichte. Als sie mir dann noch offenbarte, dass ich nicht wie in ihrem Profil angegeben ein eigenes Zimmer bekommen würde, sondern auf der schmutzigen Couch schlafen müsste, war mir dann klar, dass ich schnellstens von hier weg will. Unmöglich möchte ich - wie ursprünglich geplant - die ganzen Weihnachtsfeiertage hier verbringen. 


Eine Liebe, die Grenzen überschreitet

Während sie mir das Haus zeigte, sprang der Hund auf meinem Schlafgemach herum. Kurz zuvor spielte er noch im Schweinekot. Frieda liebt ihre Tiere über alles, weshalb diesen auch alles erlaubt ist. Ihre Tierliebe geht sogar so weit, dass sie täglich mehr Zeit und Kosten in die Mahlzeiten ihrer Schweine investiert als in ihr eigenes Essen. Sie macht ihnen Bananen-Milchshakes, Linseneintöpfe und noch vieles mehr. Die Enthüllung, dass sie gelegentlich sogar bei ihren Lieblingen im Schweinestall schläft und diese mit Sonnencreme einschmiert, verstärkte mein Gefühl, dass mit ihr irgendetwas nicht stimmt nur noch mehr. 



Friedas Minihaus


Als Frieda mir frische Bettwäsche für die Couch brachte, beschloss ich der Situation erstmal eine Chance zu geben. Immerhin konnte ich auf die Schnelle gar nicht weg von hier. Ich war mehr oder weniger darauf angewiesen, dass sie mich wohin fährt. Sie bereitete ein äußerst leckeres und gesundes Abendessen zu, was nach dem anfänglichen Schock ganz gut tat. Ich durfte einfach nicht näher über die Hygiene nachdenken. Es heißt ja so schön: "Was dich nicht umbringt macht dich stärker!". 


Ein Wechselbad der Stimmungen

Die Nacht am Sofa war nicht so prickelnd. Frieda werkte bis nach Mitternacht neben mir in der Küche herum, um das Essen für die Schweine für morgen vorzubereiten. Ab vier Uhr morgens schrien dann die Hähne wie am Spieß. Frieda musste am nächsten Tag arbeiten - sie ist selbständige Fensterputzerin. Mir gab sie in der Zwischenzeit eine Liste mit Aufgaben, die erledigt werden sollten. Unter anderem musste ich einen Drahtzaun aufstellen, was mir grundsätzlich viel Spaß machte. Das Ding ist nur, dass sie mir so viele Sachen aufgab, dass sie unmöglich an einem Tag zu schaffen waren. Ausgemacht waren vier Stunden Arbeit am Tag. Die Schränke, die ich putzen sollte, haben vermutlich in den letzten 20 Jahren nie einen Putzlappen gesehen. Sie waren zentimeterdick von Ratten- und Mäusekot bedeckt. Als Frieda sich dann am Abend darüber aufregte, dass ein paar Gegenstände nicht mehr exakt an derselben Stelle wie zuvor standen, brachte dies das Fass zum überlaufen. Dieser kleine Fehler wurde zum Dauerthema des Nachmittags. Eigentlich wollte ich ihr nun offenbaren, dass ich beschlossen habe, schon vorzeitig abzureisen. Doch irgendwie schaffte ich es nicht, da sie plötzlich wieder so unglaublich lieb war. Ihr ambivalenter Charakter war ein Wechselspiel aus übertriebener Freundlichkeit und unvorhersehbaren Stimmungsschwankungen.


Blick auf den Mount Taranaki von Friedas Farm

Zaun fertig aufgestellt


Mein Loch im Mund, aus dem der Zahn vor ein paar Tagen gezogen wurde, hat sich vermutlich etwas infiziert. Die Schmerzen werden nämlich leider immer mehr statt weniger. Frieda versorgte mich sogleich mit sämtlichen Hausmitteln und rief sogar den Zahnarzt für mich an. Dieser wird jedoch erst nach Weihnachten wieder öffnen. Ich sah das Ganze aber nun als triftige Begründung für meine vorzeitige Abreise. Also erzählte ich Frieda, dass ich mich einfach nicht sonderlich gut fühlte und gerne die nächsten Tage eine Unterkunft für mich haben würde, um ein wenig auszuruhen. Zum Glück reagierte sie ganz gelassen darauf und ich konnte schlussendlich am 23. Dezember ihre Farm ohne viel Drama verlassen. Frieda fuhr mich sogar nach Stratford, wo ich nun die Weihnachtsfeiertage auf einem Campingplatz verbracht habe. Ich mietete mir eine kleine Hütte mit Küchenzeile. Der Platz ist wirklich wunderschön gelegen neben einem Fluss und vielen Wanderwegen. Somit konnte ich hier ganz entspannte und friedliche Weihnachtsfeiertage verbringen. Ich kochte leckeres Essen und machte ausgedehnte Spaziergänge und Läufe entlang des idyllischen Flusses. 


Wunderschöne Flusswanderungen neben dem Campingplatz



Nun bin ich also wieder eine Erfahrung reicher, die mich im Nachhinein wahrscheinlich noch lange zum Lachen bringen wird. Gleich geht es mit dem Bus weiter nach Whanganui. Bin schon gespannt welche Abenteuer mich dort erwarten werden.


Eure Michi 



=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos von Stratford und der skurrilen Schweinefarm <=