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Donnerstag, 26. Februar 2026


In dieser Sektion ging es wieder einmal an meine „Lieblingsbeschäftigung“: das Kämpfen durch dichtes Gebüsch. Mittlerweile fühle ich mich darin allerdings schon fast wie ein kleiner Profi und ließ mich davon im Vorhinein nicht abschrecken. Stellenweise wurde es dann aber doch ziemlich wild, aber zum Glück war der richtig schlimme Teil relativ kurz.


Dafür war die Besteigung des Vulkans Antillanca umso schöner und belohnte mich mit traumhaften Aussichten. Und bis auf eine Einlegesohle, die am Gipfel kurzerhand von einer Windböe davongetragen wurde, war diese Sektion am Ende ein voller Erfolg.



Montag, 23. Februar 2026 

Ich startete am Montagmorgen vom Campingplatz in Anticura. Zuerst musste ich den Nationalparkeingang des Puyehue-Nationalparks passieren. Die CONAF-Parkranger baten mich, meine Kontaktdaten und meine Route in ein Formular einzutragen. Bezahlen musste ich nichts.

Lustige Randbemerkung: Etwa zehn Tage später erhielt ich eine WhatsApp-Nachricht von einem der Parkranger, der mich fragte, ob ich gut an meinem Ziel angekommen sei und ob ich ihm noch ein paar Fotos von der Wanderung schicken könnte.


Ich startete also in den dichten Regenwald. Die ersten Kilometer war der Weg noch gut instand gehalten, doch mit der Zeit wurde er immer verwachsener und schließlich auch von umgefallenen Bäumen blockiert. Genau in diesem Abschnitt begann es dann zu regnen. Gebüsch und Regen in Kombination sind eindeutig nicht meine Leidenschaft. Es dauerte nicht lange, und ich war klatschnass.



Als ich den Regenwald hinter mir ließ und die Baumgrenze überschritten hatte, hörte zu meiner Erleichterung auch der Regen auf. Das Wetter wechselte zwischen Sonne und Wolken.


Irgendwann kam ich zu zwei kleinen Bergseen namens Pampa Frutilla (auf Deutsch: Erdbeer-Pampa). Sie machten ihrem Namen alle Ehre, denn rundherum wuchsen massenweise reife Erdbeeren. Ich kam schon gegen 16 Uhr am See an und beschloss die Nacht hier zu verbringen. Trotz der ziemlich kühlen Temperaturen wagte ich mich noch kurz ins Wasser - eine Wohltat!  Den Rest des Nachmittags verbrachte ich damit, mir den Bauch mit Erdbeeren vollzuschlagen.






Dienstag, 24. Februar 2026

Mein Zelt war heute Morgen eine richtige Tropfsteinhöhle. Da es nachts recht kalt war, ist das Ganze sogar noch gefroren. Also wartete ich erst einmal, bis die Sonne herauskam und mein Zelt trocknete.



Ich entschied mich für die Route mit der Besteigung des Vulkans Antillanca. Der Aufstieg war weglos und führte über steilen Vulkansand bergauf. Das bedeutete praktisch: ein Schritt nach vorne und zwei wieder zurück. Mit dem schweren Rucksack war das ziemlich anstrengend, aber die traumhafte Aussicht am Gipfel war jede Mühe wert.




Während ich meine Mittagspause am Gipfel machte und meine Schuhe zum Trocknen ausgezogen hatte, kam eine Windböe und wehte mir tatsächlich eine meiner Einlegesohlen davon. Und damit war sie auch futsch. Am Ende war ich froh, dass nichts Wichtigeres weggeflogen ist.


Der Abstieg war dann eine echte Freude: hinuntersliden im Sand. Das ging dann deutlich schneller voran.


Als ich in tieferen Lagen wieder in den Wald kam, ging die Sache mit dem Gebüsch wieder los. Irgendwann hat es hier scheinbar mal einen Trail gegeben, der inzwischen völlig von dornigen Pflanzen überwuchert ist.


Mitten im Gebüsch standen tatsächlich eine Kuh mit zwei Kälbern - keine Ahnung wie die dort hingekommen sind

Es wurde heute ziemlich spät, denn ich musste unbedingt noch an eine Wasserquelle kommen. Seit dem Erdbeersee gab es nämlich kein Wasser mehr.


Als ich irgendwann am Abend endlich an einem Fluss ankam, musste ich allerdings wieder ein Stück zurückgehen. Mitten in diesem dichten Dschungel war es nämlich unmöglich, einen halbwegs brauchbaren Zeltplatz zu finden.


Mittwoch, 25. Februar 2026

Heute wartete der härteste Teil der Etappe auf mich: stundenlanges, intensives Kämpfen durch dichtes Gebüsch. Aber ich war immerhin mental schon darauf vorbereitet. Ich beschloss diesmal Regenjacke, Regenhose und Gamaschen anzuziehen - eine kluge Entscheidung, wie sich herausstellte. So war ich wenigstens vor den Dornen geschützt. Gestern sah meine Haut nämlich trotz langer Kleidung ziemlich wild aus, denn diese Dornen verursachen eine Art allergischen Hautausschlag. Außerdem habe ich mir jede Menge blutige Kratzer eingefangen.


Zwar verwandelte sich mein Outfit schon bald in eine mobile Sauna und ich schwitzte wie verrückt, aber das war eindeutig das kleinere Übel.


Anfangs ließ sich unter dem Gestrüpp noch so etwas wie ein verwachsener Pfad erahnen. Doch irgendwann wurde es ein richtiges Massaker: massenweise umgefallene Bäume lagen durch einen Windwurf übereinander. Das Ganze erinnerte mich ein bisschen an Mikado. Weder oben drüber noch unten durch schien wirklich realistisch. Fast eine Stunde kämpfte ich mich voran, nur um am Ende festzustellen, dass ich mich im Kreis gedreht hatte. Das GPS kam unter den hohen Bäumen auch nur schlecht durch. Es war wirklich zum Verzweifeln.





Der richtig schlimme Abschnitt war vermutlich nur knapp einen Kilometer lang, aber ich brauchte fast zwei Stunden dafür. Danach bin ich auch noch mehrere Male von der Route abgekommen, konnte aber immer wieder zurückfinden.


Massenweise reife Brombeeren - was für eine Belohnung nach dem Buschkampf!

Umso erleichterter war ich, als ich schließlich in Las Gaviotas am Rupanco-See ankam. Am Ufer gibt es zwei kleine Campingplätze und ein Mini-Kiosk, dazu ein paar wenige Häuser von Siedlern, die hier wohnen. Die Campingplätze bieten jeweils nur fünf bis zehn Stellflächen, entsprechend ruhig ist es hier. Der günstigere war leider schon voll. Der andere verlangte satte 17.500 CLP, dafür waren allerdings nur zwei Familien da. Ich beschloss zu bleiben. 


Lago Rupanco



GPT19 - Technische Daten:
• Distanz: 55 km
• Höhenmeter: 2.322 m
• Dauer: 2,5 Tage

Insgesamt am Greater Patagonian Trail: 
• Distanz: 1.316 km
• Höhenmeter: 52.316 m





=> Hier findest du alle meine Fotos der 20. Sektion des GPT <=









Sonntag, 22. Februar 2026


Und wieder einmal war es eine absolut überwältigende Etappe. Es ging weiterhin durch vulkanische Landschaften. Ich kam an Geysiren vorbei, wo der Untergrund brodelte und dampfte - ein fast schon surreales Spektakel. Ein weiteres Highlight war der Vulkankrater mit Gletscher im Inneren sowie das "Skifahren" im Vulkansand. Irgendwo dazwischen tauchte immer wieder der Franzose mit dem riesigen Rucksack auf. 


Der Untergrund dampft und brodelt bei den Geysiren

Mittwoch, 18. Februar 2026

Der Minibus von Futrono nach Riñinahue - meinen Ausgangspunkt für die Sektion 19 - fuhr um 9:55 Uhr vor dem „Supermercado Big“ los. Das herauszufinden war allerdings fast schwieriger als die Etappe selbst. Es gibt keine Fahrpläne, keine Haltestelle und niemand schien so wirklich eine Ahnung über die Abfahrtszeiten zu haben.


Ein paar Dörfer weiter stieg ein junger Mann mit riesigem Trekkingrucksack zu. Vielleicht auch ein GPT-Wanderer? Es machte mich aber stutzig, dass er chilenische Marken trug. Ich weiß ja inzwischen, dass die Chilenen nicht unbedingt alleine in die Berge gehen.


Ab Riñinahue ging es für mich per Anhalter weiter. Während ich bei einem älteren Herrn im Auto saß, sah ich plötzlich diesen jungen Mann mit dem riesigen Rucksack am Straßenrand stehen und den Daumen rausstrecken. Mein Fahrer wollte ihn aber scheinbar nicht mitnehmen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass wir uns noch einmal begegnen würden.


Und tatsächlich: Als ich bei meiner letzten Mitfahrgelegenheit einstieg, saß er auf der Rückbank. Das war fast schon filmreif. Er heißt Jean, ist 28, kommt aus Frankreich und wandert ebenfalls den GPT, allerdings erst seit einer Woche.


Es brauchte insgesamt vier Mitfahrgelegenheiten, bis ich mit Jean am Ende der unbefestigten Bergstraße ankam. Ich hatte mir somit eine ziemlich monotone Strecke erspart. 


Nun ging es für ein paar Stunden durch einen dichten Wald. Dabei mussten wir durch das Privatgrundstück von Neri und Héctor. Zum Glück hatte ich bereits im Vorhinein die Telefonnummer von Señora Neri herausgefunden und sie somit kontaktieren können. Das ältere Ehepaar ließ uns Wasser auffüllen und verlangte 5.000 CLP für das Durchqueren ihres Grundstückes. Unsere Kontaktdaten mussten wir zur Sicherheit in ein Buch eintragen.



Wegen der wenigen Wasserquellen schleppte ich über vier Liter Wasser mit mir herum. Normalerweise hatte ich in letzter Zeit höchstens 1,5 Liter dabei, weil es meist genug Bäche und Flüsse gibt - immerhin zählt jedes Gramm. Diesmal war mein Rucksack also wieder ein echtes Schwergewicht.


Gegen 18 Uhr schlug ich mein Nachtlager auf. Jean wollte noch weiterziehen. Die Wahrscheinlichkeit ist aber groß, dass wir uns bald wieder über den Weg laufen werden.


Am Abend kamen zwei Arrieros mit einem Pferd an meinem Zelt vorbei. Etwas bedrückt erzählten sie mir, dass sie ein krankes Pferd oben am Berg zurücklassen mussten. Sie baten mich, am nächsten Tag nach dem Tier zu schauen. Sie würden dann auch wiederkommen und versuchen, es irgendwie ins Tal zu bringen. Vielleicht würde es sterben. Man konnte richtig spüren, wie stark die Bindung zu ihren Pferden ist.


Donnerstag, 19. Februar 2026 

Kaum war ich am Morgen aufgebrochen, stand ich auch schon bei Jeans Zeltplatz. Wir plauderten kurz, dann zog ich weiter. Bei den heißen Quellen würden wir uns wahrscheinlich wiedersehen. Das kranke Pferd konnte ich nirgends finden.


Dann begann eine der surrealsten Passagen dieser Reise. Bereits lange bevor ich die Geysirse sah, roch ich sie. Es lag ein intensiver Geruch nach faulen Eiern (Schwefel) in der Luft. 



Geysire sind relativ seltene Naturphänomene in vulkanisch aktiven Gebieten. Tief unter der Erde wird Wasser durch heißes Gestein so stark erhitzt, dass sich enormer Druck aufbaut. Dann schießt es als Fontäne in die Luft oder brodelt einfach vor sich hin.


Überall zischte und dampfte es aus dem Boden. Der Untergrund war ziemlich weich. Das durfte ich hautnah erfahren, als ich mit einem Fuß in der heißen, matschigen Masse einsank. Zum Glück ist nichts passiert. Die Vorstellung, von einem Geysir verschluckt und in die ewigen Jagdgründe befördert zu werden, finde ich nicht so prickelnd.



Bei den heißen Quellen traf ich Jean wieder. Leider war das Wasser viel zu heiß zum Baden. Mehr als kurz die Füße hineinzuhalten war also nicht drin. Trotzdem war der Umweg absolut lohnenswert. Das Tal wirkt wie aus dem Bilderbuch, durchzogen von vielen kleinen Flüssen.



Plötzlich landete tatsächlich ein Helikopter neben uns. Eine chilenische Familie machte einen Ausflug mit ihrer Privatmaschine hierher. Nach etwa 15 Minuten waren sie schon wieder weg, da auch für sie das Wasser viel zu heiß war. Sie boten uns noch ihre Telefonnummer an, falls wir am Berg in Schwierigkeiten geraten sollten. Wir lehnten dankend ab, schließlich haben wir Satellitentelefone dabei. 



Später trennten sich die Wege von Jean und mir erneut. Der Rest des Tages führte mich durch eine beeindruckende Vulkanlandschaft, vorbei an versteinerter Lava und durch eine regelrechte Vulkansand-Wüste.


Freitag, 20. Februar 2026

Morgenstimmung


Heute ging es weiterhin fast ausschließlich durch Vulkansand. Bergab macht das richtig Spaß, bergauf ist es sehr anstrengend - es geht einen Schritt vorwärts und man rutscht gefühlt zwei wieder retour.


Die Vulkansand-Wüste ist von schwarzer, versteinerter Lava durchzogen

Ich kam an einem weiteren kleinen Geysir vorbei. Die Wassersituation hier ist eher schwierig. Es gab nur ein kleines Rinnsal mit klarem Wasser von einem Schneefeld, der Rest war ausgetrocknet oder milchkaffeebraun mit extrem viel Sediment.


Das Highlight des Tages war die Besteigung des Puyehue-Vulkans. Ich versteckte meinen großen Rucksack und nahm nur Wasser und Snacks mit. Der Aufstieg war weglos, steil und kräftezehrend im losen Sand. Weiter oben kamen Schneefelder dazu, teilweise mit Sand bedeckt.


Der Aufstieg zum Krater des Puyehue-Vulkans. Unter dem Sand liegt Schnee.


Oben am Krater angekommen war die Aussicht ein Traum. 


Der riesige Krater ist im Inneren mit Gletscher gefüllt.


Der Abstieg machte richtig Spaß - es war quasi "Skifahren" im Sand.


Samstag, 21. Februar 2026

Der Morgen begann mit Blick hinunter auf ein Wolkenmeer. 



Vor mir lagen rund 1.400 Höhenmeter Abstieg. Sobald ich in die Wolken eintauchte, verschwand die Sonne für den Rest des Tages. Stattdessen fand ich mich in einem sattgrünen, nebelverhangenen Regenwald wieder.


Unten angekommen befand ich mich am Eingang des Nationalparks Puyehue. Er ist bekannt für seine Regenwälder, smaragdgrünen Seen, Vulkanlandschaften und Thermalquellen.


Obwohl Samstag war, war der Campingplatz dort fast leer. Die Parzellen liegen weit auseinander, es gibt Strom, teilweise Wasseranschluss und vor allem heiße Duschen. Genau das, was ich gerade brauchte. Mit 18.000 CLP (= 16 €) pro Nacht ist es allerdings kein Schnäppchen.



Natürlich traf ich hier wieder Jean und wir aßen zusammen zu Abend in dem Restaurant am Campingplatz.


Sonntag, 22. Februar 2026

Der Nachteil am Regenwald ist, dass absolut nichts trocknet. Gestern habe ich meine Wäsche in der Dusche gewaschen, heute ist sie immer noch genauso klatschnass. Da ich morgen früh los muss und ganz sicher nicht in eiskalte, nasse Wanderkleidung schlüpfen möchte, habe ich beschlossen jetzt am Nachmittag bei ebenso kühlen Temperaturen die feuchten Sachen anzuziehen. Somit kann sie vielleicht durch die Körperwärme trocknen - und es hat tatsächlich funktioniert. Not macht eben erfinderisch!


Eine chilenische Familie schenkte mir Lebensmittel, die sie nicht über die Grenze nach Argentinien mitnehmen durften: Käse, Eier, Butter und Wein. Meine Freude war natürlich groß. Es blieb mir aber trotzdem nicht aus in den nächsten Ort zu fahren, um noch ein paar Lebensmittel einzukaufen. Die Hinfahrt konnte ich mit einem Bus zurücklegen, retour blieb mir als einzige Möglichkeit es per Anhalter zu versuchen. Die Strecke ist ziemlich lang und wenig befahren, doch ich hatte unglaubliches Glück: kaum den Daumen rausgehalten nahmen mich auch schon drei junge Männer mit. 


Morgen starte ich in die Sektion 20. Die Zeit rennt. Voraussichtlich werde ich noch bis Anfang März unterwegs sein und dann den GPT für diese Saison beenden. 




GPT19 - Technische Daten:

• Distanz: 79 km

• Höhenmeter: 3.664 m

• Dauer: 3,5 Tage


Insgesamt am Greater Patagonian Trail: 

• Distanz: 1.261 km

• Höhenmeter: 49.994 m





=> Hier findest du alle meine Fotos der 19. Sektion des GPT <=








Dienstag, 17. Februar 2026


Diese Sektion gehörte für mich eher nicht zu den Lieblingsabschnitten. Das bescheidene Wetter hat einen erheblichen Teil dazu beigetragen, zudem musste ich feststellen, dass Dickicht und Gestrüpp einfach überhaupt nicht meine Welt sind. In höheren Lagen fühle ich mich deutlich wohler als irgendwo im nassen Urwald zu versinken.


Trotzdem gab es auch ein paar Highlights, wie zum Beispiel der traumhafte Zeltplatz am See, die ersten Sonnenstrahlen nach Stunden Dauerregen und am Ende noch ein Riesenglück beim Trampen. 


Diese Sektion war von viel Dickicht und Botanik geprägt


Donnerstag, 12. Februar 2026

Nachdem es die letzten Tage nonstop durchgeschüttet hat bei durchschnittlich etwa 5 °C, kam heute endlich wieder die Sonne raus.

Am Morgen spazierte ich zum Hafen von Puerto Fuy, um mir ein Fährenticket für 11 Uhr zu kaufen. Die eineinhalbstündige Fahrt ans andere Ende des Sees kostet als Fuss­passagier lediglich 1150 CLP, also ungefähr 1,13 €. Für Einheimische sogar nur die Hälfte.



Um 13:30 Uhr kam ich dann in Puerto Pirihueico an und gönnte mir am Hafen noch eine Cazuela.


Cazuela - der typisch chilenische Eintopf mit Fleisch, Kartoffeln und Gemüse 


Der heutige Wandertag war super kurz, denn ich wollte noch am Seeufer campen. Nach lediglich zwei Stunden Wandern fand ich den perfekten Spot. Ich verbrachte einen gemütlichen Nachmittag am See mit Baden und Relaxen. 



Freitag, 13. Februar 2026

Die Morgenstimmung und der Sonnenaufgang am See waren ein Traum. 




Die heutige Route ging gemächlich bergauf, insgesamt etwa tausend Höhenmeter, danach auf der anderen Seite wieder hinunter. Der „Weg“ wird augenscheinlich schon lange nicht mehr genutzt (es könnte eventuell sein, dass ich irgendwo ein "Betreten verboten!" Schild übersehen hatte). Eingestürzte Brücken und unzählige umgefallene Bäume verlangsamten das Vorankommen. Hohes nasses Gras machte aus meinen Schuhen schon bald eine Badewanne.




Da für die Nacht eine geringe Regenwahrscheinlichkeit angesagt war, bot sich eine verlassene Holzhütte als Schlafplatz an. Meiner Erfahrung nach ist das Wetter hier nämlich immer bedeutend schlechter als es vorausgesagt wird. 


Diese verlassene Hütte kommt wie gerufen

Ich beschloss mein Zelt in der Hütte aufzustellen, um vor Insekten und anderem Kleingetier geschützt zu sein

Samstag, 14. Februar 2026

Die Entscheidung, in der Holzhütte zu schlafen, stellte sich als sehr gut heraus. Noch bevor ich richtig wach war, trommelte der Regen aufs Blechdach. Ich startete langsam in den Tag, in der Hoffnung, dass der Regen irgendwann aufhören würde. Mein Handy zeigte interessanterweise eine andere Uhrzeit als mein GPS-Gerät an, was mich letztendlich aber nicht weiter störte, denn Zeit spielt für mich im Moment sowieso keine große Rolle.


Irgendwann hörte  der Regen auf. Ich startete also. Keine halbe Stunde später begann es wieder zu nieseln. Daraus wurde etwas später richtiger Regen und danach begann es wie aus Eimern zu schütten. Erschwerend kam hinzu, dass sich mittlerweile nicht einmal mehr ein Weg erahnen ließ. Ich befand mich mitten im Dickicht. Ohne GPS-Gerät hätte ich nicht mehr gewusst, wo oben oder unten ist. Dieses Gestrüpp bestand nicht nur einfach aus riesigen, dichten Pflanzen, sondern auch aus Dornen und Brombeerstauden.


Genauso sah mein "Weg" über Stunden hinweg aus

 

Und was ist schlimmer als dichtes, dorniges Gestrüpp? Dichtes dorniges nasses Gestrüpp! Es fühlt sich an, als würde man in einem Fluss schwimmen. Innerhalb kürzester Zeit war ich trotz Regenjacke und Regenhose bis auf die Unterwäsche klatschnass. Bei einer Außentemperatur von unter 10 Grad Celsius fühlte sich das Ganze eher bescheiden an. Und genau so ging es die nächsten Stunden weiter. Neben der körperlichen Herausforderung wird man in solchen Momenten auch mental hart auf die Probe gestellt. Ich fragte mich ernsthaft, warum ich das alles eigentlich mache. Tatsächlich habe ich mir in diesen Stunden des Leidens sogar geschworen, dass ich nach dieser Sektion den Greater Patagonian Trail vorzeitig beenden werde.


Dann stand auch noch eine Flussüberquerung an. Ich versuchte auf einem umgefallenen Baumstamm zu balancieren. Das ging natürlich ordentlich in die Hose, da dieser unglaublich rutschig war. Ich landete halb im Wasser. Da ich sowieso nicht mehr nasser als vorher werden konnte, war mir das nun auch schon egal. Die eigentliche Katastrophe war, dass ich in dem ganzen Chaos noch mein GPS-Gerät verloren hatte. Zum Glück fand ich es nach nicht allzu langer Suche wieder, was meine Laune ungefähr von „Total-Katastrophe“ auf „gerade noch tolerierbar“ anhob.



Nach Stunden wurde der Weg plötzlich wieder zu einer Art Weg - es gab Kuhspuren. Das hatte zwar den Nachteil, dass es ein einziger Sumpf und Matsch wurde, aber alles besser als dichtes Dornengestrüpp. Der Regen wurde etwas weniger und der Weg zunehmend besser. Ich war unglaublich erleichtert. Dann tauchten Bienenstöcke auf einer Wiese auf - ein perfekter Platz für die Nacht. 



Rund um die Bienenstöcke war ein Zaun. Als dann auch noch kurz die Sonne herauskam, hatte ich die glorreiche Idee, meine nassen Sachen auf eben diesem Zaun zum Trocknen aufzuhängen. Das Drama nahm seinen Lauf. Eine Biene schaffte es tatsächlich mich direkt unter dem linken Auge zu stechen. Innerhalb kurzer Zeit schwoll die komplette Gesichtshälfte überdimensional an. Ich sah original aus wie Quasimodo. Happy Valentinstag!


Schlussendlich fand ich eine andere Methode, um die Sachen zu trocknen ;)


Sonntag, 15. Februar 2026

Was für eine Freude, der Tag startete mit wolkenlosem Himmel. Leider erreichte die Sonne meinen Zeltplatz ewig nicht, weshalb ich mit noch immer nassen Sachen loslief. Meine Gesichtsschwellung ist über Nacht mehr geworden, sodass der Quasimodo-Look jetzt noch dramatischer wirkte. 


Heute ging es  dafür zügig voran - knapp 17 Kilometer auf guten und augenscheinlich auch benutzten Bergwegen. Als ich kurz nach Mittag an einer Landstraße ankam, wanderte ich noch etwa 20 Minuten, suchte mir eine geeignete Stelle und versuchte es per Anhalter. Ich hatte sofort Glück und eine nette chilenische Familie nahm mich mit bis an meinen Zielort - etwa eine Stunde Fahrt. Was für ein Glück!


... und sogleich waren alle Sorgen vergessen


Obwohl ich mir gestern noch vorgenommen hatte, den Trail vorzeitig zu beenden, sah die Welt nach einem leckeren Burger und einem riesigen Stück Kuchen schon wieder ganz anders aus. Ich bin tatsächlich wieder top motiviert.


In in dem Örtchen Futrono habe ich mir ein Einzelzimmer in dem Hostel "Hospedaje Futrono" (25.000 CLP/Nacht mit privatem Badezimmer) gebucht. 

Der Ausblick von meinem hübschen kleinen Zimmer in Futrono 

Ich werde meine Wanderung erst am Mittwoch fortsetzen, da heute am Dienstag wieder Regen angesagt ist. 


GPT18 - Technische Daten:

• Distanz: 72 km

• Höhenmeter: 2.515 m

• Dauer: 3 Tage


Insgesamt am Greater Patagonian Trail: 

• Distanz: 1.182 km

• Höhenmeter:  46.330 m





=> Hier findest du alle meine Fotos der 18. Sektion des GPT <=





Dienstag, 10. Februar 2026


Nach den Vulkanlandschaften wurde es plötzlich wieder richtig grün. Dichter Wald, Lagunen, Nebel und Regen bestimmten diese Sektion. Irgendwie hatte das alles seinen eigenen Reiz, fast ein bisschen mystisch.


Sonntag, 08. Februar 2026

Nachdem ich Sektion 16 im Dörfchen Liquiñe beendet hatte, ging es nach einer kurzen Frühstückspause direkt weiter in die Sektion 17. Gleich zu Beginn ging es knackige 700 Höhenmeter bergauf bis zur Laguna Corazón (zu deutsch: Herz-Lagune). Die herzförmige Lagune lag komplett in Nebelschwaden. 


Mystische Stimmung an der Laguna Corazon 

Mittags kam ich an eine weitere Lagune. Die Sonne zeigte sich für ein Weilchen. Das nutze ich sofort aus für eine Pause und breitete mein klatschnasses Zelt - vom Kondenswasser der letzten Nacht - zum Trocknen aus.


Danach ging es grau in grau weiter. Im dichten Wald war es ziemlich dunkel. Meine Puma-Paranoia meldete sich wieder, besonders wenn das Gebüsch links und rechts komplett undurchsichtig wurde. Einmal war ich mir ziemlich sicher, hinter einem Busch ein Fauchen gehört zu haben. 


Das könnte auf den ersten Blick tatsächlich auch ein Wald zu Hause sein (mit dem kleinen Unterschied, dass es bei uns keine gefährlichen Wildkatzen gibt)


Am Abend erreichte ich den See Lago Pirihueico und fand einen traumhaften Zeltplatz am Strand Pozo de Oro. Ein paar Leute waren mit einem Bootsausflug dort, verschwanden aber bald. Nun gehörte mir dieser schöne Ort ganz allein. Kaum habe ich mich am Abend ins Zelt verzogen begann es leicht zu regnen.


Pozo de Oro am Lago Pirihueico 


Montag, 09. Februar 2026

Es regnete tatsächlich die ganze Nacht nonstop. Da es nur noch ein kurzes Stück bis in den Ort Puerto Fuy war, blieb ich am Vormittag im Zelt, las ein bisschen und nähte meinen eingerissenen Schlafsack. Draußen prasselte es weiter.



Gegen 13 Uhr hörte der Regen auf, deshalb habe ich schnell das Zelt zum Trocknen ausgebreitet, alles gepackt und um bin dann um 14 Uhr los. Nach etwa einer halben Stunde begann es wieder wie aus Eimern zu schütten.



Nach rund 1,5 Stunden kam ich komplett nass in Puerto Fuy an. 


Ich hatte ein kleines Dorf erwartet. Klein war es auch, aber überraschend touristisch. Grund dafür ist die Ferienzeit in Chile und die wirklich schöne Lage des Ortes zwischen See und Bergen.


Ich checkte im Hostel Andalue ein (25.000 CLP pro Nacht). Die Besitzerin ließ mich ihre Waschmaschine benutzen und ich durfte über Nacht meine Sachen über dem Holzofen trocknen.


Da es die nächsten zwei Tage durchregnen soll, bleibe ich erst einmal hier und ziehe vermutlich am Donnerstag weiter.





GPT17 - Technische Daten:

• Distanz: 31 km

• Höhenmeter: 1.561 m

• Dauer: 1 Tag


Insgesamt am Greater Patagonian Trail: 

• Distanz: 1.110 km

• Höhenmeter: 44.179 m






=> Hier findest du alle meine Fotos der 17. Sektion des GPT <=












Sonntag, 8. Februar 2026


Sektion 16 war geprägt von schneebedeckten Vulkangipfeln, schwarzen Lavafeldern und einer stürmischen Nacht voller Action.

Meine Freunde - die Kühe & im Hintergrund der schneebedeckte Gipfel des Vulkans Villarrica 

Donnerstag, 05. Februar 2026

Heute Morgen ließ ich mich mit einem Uber-Taxi von meiner Unterkunft zum Parkplatz des Skilifts am Vulkan Villarrica (8.400 CLP) fahren. Dort liegt auch der Eingang des Nationalparks Villarrica. Der arme Fahrer kannte die Straße vorher nicht und wirkte ziemlich überfordert. Immer wieder schaute er panisch aufs GPS. Sein Auto war definitiv nicht für steile Schotter-Bergstraßen geeignet, aber am Ende haben wir es doch ans Ziel geschafft. Wir plauderten noch ein wenig, und er erzählte mir, dass er dieses Jahr in die Schweiz nach Luzern ziehen möchte. Für die Strapazen gab ich ihm noch etwas Trinkgeld.


Mein Eintrittsticket für den Nationalpark hatte ich bereits gestern online gekauft (11.000 CLP). Da wir aber bei den CONAF-Parkrangern nicht gestoppt haben, hat letztendlich nie jemand danach gefragt.


Im Mittelpunkt des Nationalparks steht der aktive Vulkan Villarrica, dessen schneebedeckte Kuppe deutlich aus der Landschaft hervorsticht. Rundherum liegen dunkle, bizarr geformte Lavafelder. Der Vulkan bricht regelmäßig aus, zuletzt 2015, und gilt als einer der aktivsten Chiles. Manchmal sieht man sogar glühende Lava - dieses Glück hatte ich allerdings nicht.


Der Wanderweg war heute ziemlich einfach und gut ausgebaut. Ich traf nur auf drei andere Wanderer. Die Ausblicke auf den Vulkan und seine Lavafelder waren super beeindruckend.




Am Ende des Tages fand ich einen wunderschönen Zeltplatz direkt neben einem Bach.


Freitag, 06. Februar 2026

Der Morgen begann traumhaft: Bereits um 7:15 Uhr stand die Sonne am Himmel und taute mein leicht gefrorenes Zelt auf.




Heute standen wieder einfache Trails an, dafür mit ziemlich vielen Höhenmetern und weiterhin tollen Ausblicken auf die umliegenden schneebedeckten Vulkane.



Gegen Mittag kam ich an einer Kontrollstelle der CONAF vorbei, wo ich mich registrieren musste. Ich schrieb meinen Namen, meine Reisepassnummer und mein Wanderziel in ein Notizbuch. Nach meinem Eintrittsticket fragte wieder niemand - schade, jetzt wo ich endlich einmal eines hätte.


Ich fand einen schönen Zeltplatz in der Nähe eines Wasserfalls und genoss einen traumhaften Sonnenuntergang. Zum Glück wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass mir eine schlaflose Nacht bevorstand.



Samstag, 07. Februar 2026

Mitten in der Nacht wurde ich von starken Windböen geweckt, die lautstark an meinem Zelt rüttelten und es mir fast komplett abbauten. Sogar die Heringe wurden herausgeschleudert. Ich machte mich also im Dunkeln an die Arbeit das Zelt wieder aufzubauen und die Heringe mit großen Steinhaufen zu beschweren. Die Windböen hielten bis zum Morgen an, ich musste das Zelt mehrmals wiederaufbauen - an Schlaf war demzufolge nicht mehr zu denken. Genau solche Nächte sind es aber wahrscheinlich, die das Ganze zu einem unvergesslichen Abenteuer machen.


Am Morgen ging es auf einen Bergpass mit unglaublicher Aussicht auf die Laguna Azul, die blaue Lagune. Kurz vor Mittag kam ich dort an und machte eine Badepause. Überraschenderweise war niemand sonst da, obwohl Samstag war. Scheinbar kommen manchmal Wochenendausflügler mit Pferden hierher. 




Der weitere Weg bestand aus einem langen Abstieg mit ein paar kleinen Anstiegen. Ich beobachtete viele interessante Vögel, darunter Greifvögel und Papageien. In den tieferen Lagen wurde es wieder richtig heiß.


Es dauerte eine ziemliche Weile, bis ich einen geeigneten Zeltplatz fand. Ich knackte wieder einmal die 30-km-Marke. Den Weg versüßt haben mir die ersten reifen Brombeeren. Schließlich konnte ich mein Zelt gut versteckt neben einer Schotterstraße aufstellen. Daneben war auch ein kleiner Bach. Zum Glück kamen in der Nacht keine Autos vorbei.


Sonntag, 08. Februar 2026

Am Morgen war mein Zelt vom Kondenswasser platschnass. Da es bewölkt war, machte es keinen Sinn zu warten, bis es trocknet, also startete ich meinen Wandertag. Nach wenigen Minuten kam ein Jeep vorbei, ich streckte den Daumen raus und hatte Glück. Ein einheimischer Jäger nahm mich mit bis ins nächste Dorf, was mir etwa zwei Stunden langweiliges Wandern auf Schotterstraßen ersparte. Der einzige Nachteil an der Sache war, dass er es tatsächlich schaffte meine längst verdrängte Puma-Paranoia zu reaktivieren. Er erzählte mir, dass es in dieser Gegend Unmengen von diesen Raubkatzen gibt und dass es durchaus vorkommen kann, dass sie Menschen angreifen. Als allein wandernde Frau sei es natürlich besonders gefährlich. 


Im Dorf Liquine konnte ich Brot und zur Feier des Tages ein Stück Kuchen kaufen (trotz Sonntag) - ich habe nämlich nun die 1.000 Kilometer (mit über 40.000 Höhenmetern) geknackt. 


Sieht vielleicht ein bisschen zerfleddert aus, schmeckte aber vorzüglich 


Nach einer kurzen Frühstückspause startete ich in die nächste Sektion. 



GPT16 - Technische Daten:

• Distanz: 85 km

• Höhenmeter: 3.574 m

• Dauer: 3 Tage


Insgesamt am Greater Patagonian Trail: 

• Distanz: 1.089 km

• Höhenmeter: 42.618 m





=> Hier findest du alle meine Fotos der 16. Sektion des GPT <=










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