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Sonntag, 16. Januar 2022

Mount Elgon Nationalpark

 

Planänderung

Am Freitag Morgen beratschlagten Jonas und ich beim Frühstück wie es nun weitergehen sollte. Der ursprüngliche Plan war es ja, den Mount Elgon für die nächsten drei bis vier Tage zu besteigen. Wir müssten dabei im Zelt schlafen, da es ihm Park nur kurz nach dem Eingang Unterkünfte gab. Da nun aber die Wettervorhersage schwere Regenfälle in den nächsten Tagen ankündigte und ich seit dem Vortag gesundheitlich etwas angeschlagen war, beschlossen wir eine Alternative zu finden. 


Wir stießen auf die Kapkuro Bandas, das sind kleine Holzhütten direkt im Nationalpark. Dort könnten wir je nachdem wie gut es uns dort gefällt eine oder zwei Nächte verbringen und kleine Tageswanderungen planen. Dann wäre auch der Regen nicht so das Problem. Gesagt getan. Mit einem Taxi (1.850 Ksh) fuhren wir zum Chorlim Gate des Mount Elgon Nationalparks


Die Kapkuro Bandas 

Der Eintritt beträgt für Einheimische 300 Ksh und für Ausländer 26 USD und ist jeweils für 24 Stunden gültig. Für die Hütte zahlt man 40 USD pro Nacht. Die ziemlich mürrischen Damen am Eingang wollten uns noch eine Guide andrehen für 3.000 Ksh/Tag, was wir aber dankend ablehnten, da wir sowieso nur kleinere Wanderungen vorhatten. Zudem kauften wir uns eine Wanderkarte. Daraufhin wurden sie noch viel unfreundlicher und meinten, das sei lebensgefährlich, da es jede Menge Elefanten und anderer gefährlicher Wildtiere im Park gäbe. Wir mussten im Endeffekt einen Zettel unterschreiben, dass wir den Park auf eigene Gefahr hin betreten. 


Vom Eingang bis zu den Kapkuro Bandas ist es etwa ein Kilometer. Wir kamen dabei schon etwas ins Schwitzen, da wir ziemlich viel zu schleppen hatten. Es war noch unklar ob wir morgen wieder abreisen oder noch eine Nacht länger bleiben, deshalb hatten wir ziemlich viel zu Essen dabei - im Endeffekt war es sogar viel zu viel. Bei den Hütten angekommen begrüßte uns David, der Wächter. Am Grundstück waren gerade Zebras und Antilopen seelenruhig am Grasen. Wir waren begeistert. Als David uns unsere Hütte von innen zeigte, war uns sofort klar: Hier bleiben wir auf alle Fälle zwei Nächte! Mit so viel Luxus hatten wir gar nicht gerechnet. Es gab einen Herd zum Kochen und sogar eine warme Dusche. So lässt es sich auf alle Fälle aushalten. Außer uns waren sonst keine Gäste da. Ein richtiges Paradies zum Entspannen. David konnte uns auch noch beruhigen, dass die Elefanten normalerweise keine Menschen attackieren und er gab uns ein paar Tipps, wie wir uns im Fall verhalten sollten.


Besonders scheu scheinen die Zebras hier nicht zu sein

Wasserbock

Schaulustige Antilopen ;)


Der Mount Elgon Nationalpark

Der Mount Elgon ist ein erloschener Vulkan an der Grenze von Uganda im Westen und Kenia im Osten. Der höchste Gipfel auf der kenianischen Seite ist der Koitobos, welcher auf 4.222m Seehöhe mit seinen 4.187m der zweithöchste Berg in Kenia. Er steht an der Grenze zu Uganda. Wie viele andere Berge in Ostafrika handelt es sich um einen alten Vulkan. Der Krater hat einen Durchmesser von rund acht Kilometern. 

Die Wunderpillen aus der Apotheke schienen tatsächlich geholfen zu haben, ich fühlte mich nämlich mittlerweile wieder recht fit. Der Hals schmerzte zwar noch, aber der Rest war wieder ganz gut. Jonas und ich beschlossen eine kleine Wanderung zu Wasserfällen zu machen. Dabei sahen wir verschiedene Antilopenarten, drei verschiedene Affenarten und jede Menge wunderschöner Vögel. Leider keine Elefanten. 



Als wir am nächsten Morgen gerade beim Frühstücken waren, staunten wir nicht schlecht, als plötzlich die Eingangstüre unserer Hütte mit einem lauten Knall aufgestoßen wurde. Es war ein riesiger Pavian, der gierig auf unser Essen hereinstarrte. Reflexartig sprang ich auf und knallte die Tür mit voller Wucht wieder zu. Jonas und ich mussten erstmal ordentlich lachen. Was für eine skurrile Situation! Zudem ging alles ziemlich schnell. Keine Ahnung wie ich es schaffte innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde die Situation einzuschätzen, aufzuspringen und die Türe zuzustoßen. Aber das war auch gut so, denn wenn man diese Biester erst einmal im Haus hat, dann gibt es ein riesiges Chaos. Und die Tiere können ziemlich aggressiv werden, vor allem wenn es um Essen geht. Als später in unseren Garten hinausschauten, waren zig Paviane dort am herumtollen. 



Der ganze Garten ist voller Paviane

Höhlen-Rundwanderung

Nach dem Frühstück starteten wir die heutig geplante Wanderung. Es sollte zu der Kitum-Höhle und der Makingeny-Höhle gehen. Sie werden auch auch als Elefantenhöhlen bezeichnet. Nachts kommen die Tiere dorthin um Salz von den Höhlenwänden zu lecken.  Ihre Stoßzähne kratzen dabei Furchen in die Wände. Es kommen aber auch andere Tiere wie z.B. Hyänen, Antilopen, usw wegen dem Salz dorthin. Die Kitum-Höhle ist vor allem deswegen bekannt, da sich 1980 zwei europäische Touristen dort mit dem Marburg-Virus (= ein tödlicher Virus, ähnlich wie Ebola) angesteckt haben sollen. Sie sind daraufhin gestorben. Aus diesem Anlass hat man dann mehrere Fledermäuse in der Höhle auf das Marburg-Virus untersucht, konnte es aber nicht nachweisen. 

Spuren der Elefanten-Stoßzähne an den Felsenwänden

Leider ging es Jonas heute nicht so gut. Entweder habe ich ihn angesteckt, oder er hat etwas Schlechtes gegessen. Seine Beschwerden bezogen sich nämlich eher auf den Magen und Darm. Er wollte es aber trotzdem versuchen. Wir gingen die Wanderung langsam an. Das Wetter spielte zu unserem Glück auch noch ganz gut mit. 

Die erste Höhle, die wir erreichten, war die Kitum-Höhle. Da wir unsere Stirnlampen dabei hatten, starteten wir gleich eine Erkundungstour. Hunderte wenn nicht sogar tausende Fledermäuse hingen an den Wänden. Als wir ihnen näher kamen begannen sie in Schwärmen loszufliegen. Wir waren von einem dichten Fledermausschwarm umgeben. Ich konnte den Wind auf meiner Haut spüren, wenn sie nah an mir vorbei flogen. Interessanterweise berührte mich aber nicht eine einzige von ihnen. 

Etwa eine halbe Stunde später kamen wir zur Makingeny-Höhle. Ein kleiner Wasserfall kommt am Höhleneingang herunter. Als ich die Höhle betrat, hörte ich ein seltsames, schrilles Kreischen. Wie sich herausstellte kam es von Fledermäusen. Es scheint sich aber um eine größere Art zu handeln. Selbst tief in der Höhle, wo kein Tageslicht mehr hinkommt, fanden wir Elefantenexkremente. Unglaublich, dass die Tiere so tief hinein kommen. Zudem ist der Weg recht anspruchsvoll, man muss teilweise über große Felsblöcke klettern. Wie wir später erfuhren, tasten die Elefanten den Weg mit ihrem Rüssel ab. Selbst Klettern ist kein großes Problem für sie. Je tiefer man in die Höhle kam, desto intensiver roch es nach den Fledermausexkrementen, die zentimeterdick den Boden bedecken. 

Vor dem Eingang der Makingeny-Höhle



Wir fanden sogar einen Elefantenschädel in der Höhle




Insgesamt sind wir an dem Tag über 20 km gewandert. Eigentlich wollten wir noch zur Elefantenplattform, aber da Jonas sich nach wie vor nicht gut fühlte, sparten wir uns das. 

Am Abend lud uns David, der Wächter, zu sich nach Hause auf einen Tee ein. Er erzählte uns viele spannende Geschichten über sein Leben hier im Nationalpark. Er hat ein sehr umfangreiches Wissen über die Tiere. Auch Kobras kommen öfters in die Nähe der Hütten. Er meinte aber, dass diese völlig ungefährlich wären und niemals grundlos einen Menschen attackieren würden. Wenn es zu einem Biss kommt, dann nur wenn weder der Mensch die Schlange, noch die Schlange den Mensch vorher gesehen hat, was recht unwahrscheinlich ist. Und auch dann würde sie nur zubeißen wenn man direkt drauf steigt.


Zurück in Kitale

Am nächsten Morgen ging es wieder zurück nach Kitale. Ich verabschiedete mich von Jonas, da er in Richtung Nakuru weiterreisen wird. Ich werde noch eine Nacht in Kitale bleiben, da ich meinen weiteren Reiseverlauf noch nicht wirklich geplant habe. 

Als ich am Nachmittag im Zentrum spazieren ging, stand plötzlich ein Straßenjunge bzw eher Jugendlicher mit zerrissenen Klamotten und ohne Schuhe vor mir. Seine Wangentasche war ausgebeult, er schien etwas zu kauen. Der junge Mann stellte sich als Patrick vor und fragte mich, ob ich ihn noch kennen würde. Ja, nun konnte ich mich errinnern. Patrick hatte mich vor über einer einer Woche, an meinem ersten Tag in Kitale, bevor ich nach Lodwar fuhr, ewig lange verfolgt. Das hat mich damals sehr gestresst. Als er nun aber so strahlend vor mir stand, konnte ich ihm nicht mehr böse sein. Ich fragte ihn, was er denn in der Wangentasche habe. "Kathblätter", war seine Antwort. Oh ja, diese Blätter kannte ich bereits aus Tansania. Sie haben eine leicht berauschende Wirkung und sind eine Art Alltagsdroge in vielen ostafrikanischen Ländern. Ich fragte ihn, warum er das mache. Er meinte, damit er den Hunger nicht so stark spüre und später in der Nacht schlafen könne. Als ich ihn fragte, wo er denn schlafe, zeigte er auf den Straßenrand. Plötzlich tat er mir unglaublich leid. Ich spazierte mit Patrick an meiner Seite zum Supermarkt. Da durfte er nicht hinein. In der Hoffnung, dass er auf mich warten würde, kaufte ich ihm zu Essen und zu Trinken. Als ich den Laden wieder verließ, war keine Spur mehr von ihm zu sehen. Die Situation stimmte mich noch lange danach ziemlich traurig. In Momenten wie diesen, geht mir die Armut vieler Leute hier wirklich sehr nahe. 


Nun werde ich noch ein bisschen tüfteln, wie meine weiteren Reisepläne aussehen werden. 


Also dann, bis bald!

Eure Michi :)
 


=> Hier findest du noch mehr Fotos und Videos vom Mount Elgon Nationalpark <=







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