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Donnerstag, 25. Oktober 2018

Zurück zum Anfang...

By On Oktober 25, 2018

... dahin wo alles begann. In das Land, wo vor etwa drei Jahren mein Reisefieber so richtig entfacht ist. In das Land, in dem ich mein Herz so richtig an Afrika verlor. Nach Uganda! 



... dahin wo alles begann. In das Land, wo vor etwa drei Jahren mein Reisefieber so richtig entfacht ist. In das Land, in dem ich mein Herz so richtig an Afrika verlor. Nach Uganda!
 ich mit der Schulklasse in Bugembe, die ich im Jahr 2015 in Englisch unterrichtete



Morgen früh geht es los. Diesmal leider nicht Open-End, sondern nur für zwei Wochen. Dafür begleiten mich zwei Freundinnen: Anki (sie besuchte mich damals ein ganzes Monat in Kolumbien) und ihre Schwester Jana.

Ich trete die Reise ehrlich gesagt mit ein wenig gemischten Gefühlen an. Zum einen, weil zwei Wochen einfach sehr kurz sind, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass ich eigentlich ein absoluter Befürworter des "langsamen Reisens" bin, da man sich so viel besser auf die Kultur eines Landes einlassen kann. Und zum anderen muss man bei zwei Wochen ja doch fast einen ungefähren Plan erstellen, wohin es gehen soll - und das  mach ich normalerweise auch nicht so gern. Aber trotzdem ist da auf der anderen Seite ohne Frage die unglaubliche Vorfreude und Aufregung. Wie wird es wohl sein, wieder das Land zu betreten, in das ich im September 2015 reiste, ohne nur ein Fünkchen Ahnung davon zu haben, was mich dort erwarten wird, geschweige denn, wie lange ich verreisen werde? Ich bin schon außerordentlich gespannt. Und natürlich freue ich mich auch unendlich, ein paar bekannte Gesichter dort wieder zu treffen. Immerhin habe ich in Uganda tatsächlich ein paar Freunde fürs Leben gefunden.

Ich werde also versuchen, euch wieder ein wenig auf dem Laufenden zu halten, über unsere Erlebnisse in diesem wunderbaren Land und selbstverständlich jede Menge Bilder posten.


Der ungefähre Plan
Starten werden wir die Reise in dem Städtchen Entebbe, dort kommen wir nämlich am Samstag um 3 Uhr morgens an. Ich habe uns eine Couchsurfing Gastgeberin ausfindig gemacht, bei der wir dann noch ein paar Stunden schlafen können.

... dahin wo alles begann. In das Land, wo vor etwa drei Jahren mein Reisefieber so richtig entfacht ist. In das Land, in dem ich mein Herz so richtig an Afrika verlor. Nach Uganda!
Busbahnhof in der Hauptstadt Kampala


Weiter wird es dann am Samstag Mittag in Richtung Kampala, der Hauptstadt Ugandas, gehen. Dort werden wir bei Ritah unterkommen. Sie war damals eine meiner Couchsurfing Gastgeberinnen und wird verstanden uns super. Der Kontakt zwischen uns ist nie richtig abgerissen. Wenn wir fit genug sind, werden wir uns dann noch in das Nachtleben von Kampala eintauchen, denn ich finde das sollten meine beiden Freundinnen unbedingt einmal miterlebt haben. Nirgends auf der Welt habe ich so tolle Parties und Festivals mit dermaßen genialer Stimmung erlebt wie dort.

... dahin wo alles begann. In das Land, wo vor etwa drei Jahren mein Reisefieber so richtig entfacht ist. In das Land, in dem ich mein Herz so richtig an Afrika verlor. Nach Uganda!
Yoshi, Nathy, ich und Ritah beim Ausgehen in Kampala


Danach möchten wir weiter nach  Bugembe zu Meddy. Wer meinen Blog von Anfang an mitverfolgt hat, kann sich vielleicht noch erinnern, dass ich damals bei ihm, seiner Mutter und den drei Waisenjungs einige Tage - ich glaube es waren sogar fast zwei Wochen - wohnte und nebenbei in einer kleinen Schule unterrichtete. Besonders gespannt bin ich, wie es den Waisenjungs geht, denn die drei haben mein Herz erobert.

Dann werden wir in Richtung Sipi weiterreisen. Die Gegend dort ist herrlich zum Wandern, unter anderem aufgrund der imposanten Wasserfälle und der vielen Chamäleons.

... dahin wo alles begann. In das Land, wo vor etwa drei Jahren mein Reisefieber so richtig entfacht ist. In das Land, in dem ich mein Herz so richtig an Afrika verlor. Nach Uganda!
Sipi


Von dort aus, sollte es dann weiter gehen in eine sehr abgeschiedene Gegend. Aber genau das macht sie für mich so spannend. Es sollte in die Karamoja Region gehen. Ich war selbst noch nie dort und habe auch im Internet nur sehr wenig Information gefunden - touristisch also so gut wie gar nicht erschlossen. Das hört sich auf alle Fälle nach einem Abenteuer, so wie ich es liebe, an. Ich hoffe nur, dass wir dort irgendwie mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder per Autostopp hinkommen können. Die Straßen sollten wohl sehr schlecht sein. Als Ziel hätte ich den Ort Nakapiripirit herausgesucht. Dort lebt der sogenannte "Karamoja Stamm", welcher sehr den wohl etwas bekannteren Massai ähnelt. Sie sind ein halbnomadisches Hirtenvolk, die im trockenen Nordosten von Uganda leben. Ich bin schon sehr gespannt, ob wir es bis dort hin schaffen und wie wohl die Lebensbedingungen dort sein werden, also ob Strom gibt usw.

Von Nakapiripirit aus, würden wir gerne den Mount Kadam besteigen. Mit seinen 3.063 m ist er einer der höchsten vulkanischen Berge in er Karamoja Region. Die Besteigung dauert etwa zwei Tage. Aber wie gesagt, konnte ich weder in Reiseführern noch im Internet viel Info finden, deshalb bin ich ausserordentlich gespannt, ob dieser Plan so aufgehen wird.


TIA - This is Africa

Und da ja bekanntlich in Ostafrika die Dinge nie so kommen wie geplant und schon gar nicht pünktlich, war´s das erstmals mit dem groben Programm. Vermutlich wird uns dieses ganze Vorhaben eh schon die kompletten zwei Wochen ausfüllen, aber ich werde euch natürlich auf dem Laufenden halten, wie dann wirklich alles kommt. Denn wie sagen die Afrikaner immer: "TIA - This is Africa", was heißen sollte, dass man sich nicht wundern sollte, wenn Dinge hier ganz anders laufen, also wie wir europäischen "Planungsfanatiker" es uns oft vorstellen ;)

Reisen werden wir - wie immer - im sehr abenteuerlichen Stil, das heißt: Couchsurfing, Trampen, öffentliche Verkehrsmittel, Campen und natürlich Low-Budget.


Jetzt werde ich kurz nochmal meinen Rucksack durchschauen, ob ich eh nix vergessen habe. Und morgen geht´s dann in aller Herrgottsfrüh los: Mit dem Zug zum Flughafen in Basel. Dann weiter nach Istanbul. Dort stoße ich dann - hoffentlich - auf Anki und Jana. Von dort aus geht´s dann mit dem selben Flugzeug nach Uganda. Ich kann es noch gar nicht glauben, meine Vorfreude ist einfach riesig!!



Also dann bis bald :)

Eure Michi



PS: @ Anki & Jana: Wir sehen uns morgen in Istanbul ;)







Samstag, 15. September 2018

Jungfrau Marathon 2018

By On September 15, 2018


Wahrscheinlich hat sich jeder schon mal darüber Gedanken gemacht, welche zehn oder vielleicht sogar 100 Dinge man im Leben einmal getan haben sollte. Bei mir stand auf dieser Liste auf alle Fälle ganz oben "einmal einen Marathon laufen". Das Laufen gehört ja schon seit Längerem neben dem Bergsteigen zu meinen Lieblingshobbies. Bereits in der Grundschule war ich bei den Laufwettkämpfen immer vorne dabei und hatte auch großen Spaß daran. Vor einigen Jahren war ich dann beim Salzburg Halbmarathon dabei und war sehr überrascht, dass ich ohne viel Training eine gar nicht so schlechte Zeit  lief. Und nun bin ich tatsächlich meinen allerersten richtigen Marathon gelaufen - und das gleich mit 1.800 Höhenmetern: den Jungfrau Marathon in der Schweiz. Ich glaube das Lauffieber hat mich nun richtig gepackt...




Wie es dazu kam...
Ich muss zugeben, dass ich nicht ganz freiwillig zu diesem Vergnügen kam. Mein ehrenwerter Papi hat mir schlicht und einfach zu meinem 30. Geburtstag einen Startplatz für den Jungfrau Marathon geschenkt *lach*. Aber er kennt mich ja gut genug und wusste, dass für mich so etwas eine absolut willkommene Herausforderung sein wird. Zudem war die Anmeldung zum Marathon bereits im Februar diesen Jahres - ich hatte also noch ausreichend Zeit zum Trainieren.


Mein Papi und ich kurz vor dem Start

Das Training
Ehrgeizig wie ich bin, begann ich auch gleich ordentlich zu trainieren. Das gestaltete sich anfangs nicht ganz komplikationslos. Immerhin ist es gar nicht so gut, gleich von null auf hundert voll durchzustarten. Das wurde mir dann durch ein wochenlang schmerzendes Knie-Seitenband und eine beleidigte Achillessehne ganz deutlich aufgezeigt. Aber ich ließ mich davon nicht lange abhalten. Nach einer fast ein-monatigen Laufpause, in der ich ein ganz tolles Marathon Buch zur Motivation gelesen hatte, startete ich dann langsam wieder mit dem Training und begann nun auch mehr Krafttraining und Stretching einzubauen.

Im Endeffekt war die Trainingszeit geprägt von sehr vielen Auf und Ab´s, aber ich denke das muss auch genau so sein. Im letzten Monat vor dem Marathon bekam ich dann so richtig Stress und begann meinen Laufumfang ordentlich zu steigern und auch auf meine Ernährung mehr zu achten. Nicht, dass ihr jetzt denkt, ich wollte da auf irgendeine neue Bestzeit hintrainieren. Mein einziges Ziel war es im vorgegeben Zeitrahmen das Ziel zu erreichen. Und das ist bei dieser Strecke und dem doch recht knappen Zeitrahmen schon eine ordentliche Herausforderung, vor allem wenn es sich um den ersten Marathon handelt.

Ich muss noch erwähnen, dass natürlich auch mein Papa beim Marathon angemeldet war. Zudem konnte ich noch meine Freundin Anki und meinen Kumpel Werner überreden mitzumachen. Und die drei waren auch ein riesengroßer Ansporn für mich. Werner hat eine eigene kleine Firma und Anki hat bereits eine Familie, von daher wusste ich, dass es für sie noch um einiges härter sein wird, Zeit zum Trainieren zu finden. Wir motivierten uns aber stets gegenseitig indem wir unsere Laufeinheiten auf Strava oder Runtastic teilten. Immer wenn ich sah, dass einer von ihnen einen langen Lauf hinlegte, motivierte mich das umso mehr, sie gleich wieder zu übertrumpfen *lach*. Und natürlich ermunterten wir uns gegenseitig in unseren Down-Phasen weiter zu machen.


Der Tag X
Nun war es soweit. Der sozusagene Tag X stand vor der Tür. Meine Familie und Freunde aus Österreich reisten am Vortag an. Wir waren alle ordentlich nervös. Die Nacht davor war ich von schrecklichen Kopfschmerzen geplagt. Keine Ahnung woher die plötzlich kamen, so etwas habe ich nämlich normalerweise nie - wahrscheinlich war es tatsächlich bloß die Aufregung. Besonders gut geschlafen habe ich auch nicht. Man muss auch dazu sagen, dass in der Nacht sieben Leute in meiner Ein-Zimmer-Wohnung schliefen.

Nach einem kurzen Frühstück (für mich gab es Kartoffeln mit Salz) begaben wir uns nach Interlaken. Dort war der Start. Unglaublich was da in dem kleinen Örtchen plötzlich los war. Über 4.000 Starter und noch viel mehr Zuschauer. Plötzlich wurde ich richtig nervös. Im Minutentakt musste ich auf die Toilette. Vor den Dixi Klos standen bereits ewig lange Menschenschlangen an. Mit ganz viel Glück konnten wir uns in ein schönes kleines Hotel schwindeln und verbrachten dann die Zeit bis zum Start dort. Immerhin hatten wir es da schön warm und konnten unserem ständigen Harndrang gut nachgehen ;)


Der Lauf
Dann ging es in letzter Minute zur Startaufstellung. Leute, ich sag´s euch, das Feeling war unglaublich. Immerhin drehte sich mein ganzes Jahr 2018 um genau diesen Tag und diesen Marathon, der nun in wenigen Sekunden starten sollte. Genau das wurde mir immer mehr bewusst. Mein Herz raste. Wir umarmten uns alle nochmals ganz fest und wünschten uns viel Glück.

Mein Papa, ich, Anki und Werner in der Startaufstellung


Nun ging es los. Plötzlich begann sich die Masse zu bewegen, und das auch noch ziemlich schnell. Ich bemerkte das anfangs gar nicht. Erst als Anki mir das aktuelle Tempo sagte, wurde mir klar, dass wir einen ordentlichen Speed hinlegten. Ich versuchte nicht zu schnell zu laufen. Aus irgendeinem Grund sind bei mir die ersten 5-10 km sowieso immer eher zäh. Wenn ich dann mal warm bin geht´s  meistens um Einiges besser.

Irgendwann waren Anki und Werner vorne, mein Papi und ich weiter hinten. Das störte mich aber nicht. Nachdem wir das Örtchen Bönigen passierten, musste ich schon wieder pinkeln. Ich machte keine große Sache draus und ging einfach schnell hinter einen Busch.

Ich war immer noch mega aufgeregt. Aber ich merkte, dass ich kontinuierlich Leute überholte. Irgendwann bei Lauterbrunnen, traf ich dann wieder auf Werner. Ich freute mich unglaublich, nach über 20 Kilometern ein bekanntes Gesicht zu sehen. Ich sprühte nun förmlich vor Energie. Nach einem kurzen Plausch überholte ich ihn. Kurz vor der steilsten Steigung des Laufes, also unter Wengen, traf ich dann auch noch auf Anki. Sie wirkte etwas gequält und klagte über Übelkeit. Wir liefen ein Stück gemeinsam. Ich war immer noch überraschend energiegeladen und überholte auch sie irgendwann.



Dann meldete sich plötzlich mein Knie-Aussenband. Kurzzeitig brach eine Welt für mich zusammen. Ja, ich glaube ich hätte fast zu heulen begonnen. Ich hatte so unendlich viel Energie und war so adrenalingeladen. Aber ich wusste, dass mir dieses blöde Seitenband alles zunichte machen konnte. Bei der nächsten Massage-Station ließ ich mich etwas massieren und bettelte die Physiotherapeutin an, mir ein Schmerzmittel zu geben. Sie weigerte sich. Wenn es weh tue sollte ich doch aufhören, das sei ein Zeichen des Körpers. Na gut, sie hatte nicht ganz unrecht, aber heute an diesem speziellen Tag würde ich niemals einfach so aufhören. Es ging weiter. Ich überholte immer noch fortwährend Leute. Das war teilweise gar nicht so einfach, da der Weg zu schmal war. Mein Außenband tat kontinuierlich weh, aber es wurde zum Glück nicht mehr.



Mein Papa hat mich schon vorgewarnt, dass ab etwa Kilometer 35 der "Mann mit dem Hammer" kommen wird, was heißen sollte, dass es dann richtig zäh wird und man sich  mit Aufgebens-Gedanken herumschlagen muss. Ich wartete auf diesen Mann vergeblich. Die Kilometer zogen nur so vorbei an mir. Ich fühlte mich fast wie Super-Woman. Überall waren Menschen, die anfeuerten. Es war einfach alles perfekt. Als dann der Single Trail begann, war ein Überholen schlichtweg unmöglich. Das nervte mich zwar kurz, aber die atemberaubende Gegend, die Eiger-Nordwand vor der Nase und das absolut perfekte Wetter machten alles wieder gut. Kurz vor Kilometer 41 kam der Mann mit dem Dudelsack. Von einigen Youtube Videos her wusste ich, dass es nach ihm nur noch bergab bis zur Kleinen Scheidegg ging. Außerdem wusste ich in dem Augenblick, dass ich es schaffen werde. Dass ich in einigen Minuten durch das Ziel laufen werde. Das war für mich in dem Moment alles so emotional berührend, dass ich mit den Tränen kämpfte. 

Nun ging es nur noch bergab. Ich war immer noch so energiegeladen, wie niemals zuvor in meinem Leben. Wenige Momente später lief ich nach 5 Stunden und 13 Minuten überglücklich durch das Ziel. Dort erwartete mich bereits meine Mama, mein Bruder und ein Kumpel. Es war bestimmt einer der schönsten und aufregendsten Augenblicke meines ganzen Lebens.

Überglücklich beim Zieleinlauf


Ich bin immer noch total geflasht von diesem Erlebnis! Und ich kann mich ziemlicher Sicherheit sagen, dass das bestimmt nicht mein letzter Marathon war.


Die stolzen Finisher des Jungfrau Marathon 2018: Werner, Anki & ich




Facts

✅ Start: Interlaken
✅ Ziel: Kleine Scheidegg
✅ Länge: 42,195 km
✅ 1.800 Höhenmeter
✅ Zeit: 5 Stunden und 13 Minuten




=> Mehr Fotos zum Jungfrau Marathon 2018 <=



Dienstag, 29. Mai 2018

Mein erster Ultramarathon

By On Mai 29, 2018



Ich kann es noch gar nicht richtig fassen, dass ich nun meinen allerersten Ultramarathon erfolgreich hinter mir habe. Den Traum einmal im Leben einen Marathon zu laufen, erfüllte ich mir bereits letztes Jahr beim Jungfraumarathon in der Schweiz. Dass mich das Lauffieber aber dermaßen packt, dachte ich damals noch nicht. Doch dieser Lauf erweckte ungeahnte Glücks- und vor allem auch Erfolgsgefühle in mir, dass ich mich kurz darauf - gemeinsam mit meinem Papa und einem Kumpel - zu meinem ersten Ultramarathon anmeldete, nämlich dem Schwarzach Ultra Trail in Österreich, der über 47 km, 2.600 Höhenmeter und vier Berggipfel führt. Falls du dich jetzt fragst was nun eigentlich der Unterschied zu einem normalen Marathon ist: Ein Ultramarathon übersteigt die normale Marathondistanz, das heißt er ist länger als 42,195 km.

Die Liebe zum Trailrunning gefunden ♥️

Faszination Ultramarathon
Okay, deine nächste Frage ist nun bestimmt: Warum tut man sich so etwas an? Darüber könnte ich nun wirklich Ewigkeiten schreiben, aber ich beschränke mich nun auf die wichtigsten Punkte. Zum einen finde ich es faszinierend zu was der menschliche Körper imstande ist. Nun bin ich letztes Jahr meinen ersten Marathon gelaufen und dieses Jahr schon einen Ultramarathon. Und das tatsächlich ohne außerirdisch viel Training. Die körperliche Fitness ist hierbei nur das eine, das andere ist die mentale Stärke, die zählt. Diese finde ich noch viel spannender.

Der nächste Punkt ist, dass es mich einfach unheimlich entspannt stundenlang durch die Natur zu rennen, abzuschalten und meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Ein Straßenmarathon wäre demzufolge nichts für mich. Ich liebe Trails. Am liebsten laufe ich allein und einfach drauf los. Dabei erkunde ich gerne neue Wege. Wenn es passt, laufe ich auch noch gern zu zweit. Außer natürlich bei einem Wettkampf, da stören mich die vielen Menschen nicht, da sie die Stimmung erst so richtig grandios machen.

Natürlich packt mich in der Vorbereitung auf so einen Wettkampf auch immer ein bisschen der Ehrgeiz. Das ist dann tatsächlich mit so etwas wie einem leichtem Druck verbunden, den ich mir setze. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass es ein Druck ist, der gut tut und sogar Spaß macht. Während der intensiveren Trainingszeit dachte ich mir zwar, dass ich wahnsinnig froh sein werde, wenn ich den Wettkampf hinter mir habe, aber nun vermisse ich das Ganze schon tatsächlich schon etwas. Es ist doch immer wieder schön auf etwas hinzufiebern und kleine Ziele im Leben zu haben und diese dann zu erreichen.

Ein weiterer Vorteil ist ganz klar der gesundheitliche Aspekt, denn man hält sich fit und vital durch das Laufen. Nun möchte ich aber nicht weiter ausholen und zum Schwarzach Trail 2019 kommen:

Die Vorbereitung
Seit dem Jungfraumarathon versuchte ich mehr oder weniger am Ball zu bleiben mit dem Laufen. Im Winter reduzierte ich den Umfang jedoch deutlich. So etwa drei Monate vor dem Schwarzach Trail begann ich wieder intensiver Trails zu laufen, sofern es die Schneelage zuließ. Ich erstellte mir auch einen groben Trainingsplan, einfach weil es mir Spaß machte, aber ich hielt ihn nur sehr bedingt ein. Für mich steht beim Joggen der Spaßfaktor im Vordergrund und ich mag das Ganze auch nicht allzu technisch. Also Pulsuhr und dergleichen gibt es bei mir keine. Das Einzige, was ich machte, war es jedes Mal die Strecke mittels Strava (das ist eine Handy-App) aufzuzeichnen, damit ich einen groben Anhaltspunkt habe, wie weit ich gelaufen bin. Die letzten Wochen und vor allem dann Tage vor dem Ultramarathon war ich dann schon ordentlich nervös. Mein einziges Ziel war es im vorgegebenen Zeitrahmen - 10 Stunden - ins Ziel zu kommen. Ansonsten versuchte ich mir nicht allzu viel Druck mit der Zeit zu machen. Zudem konnte ich das sowieso sehr schwer einschätzen, wie lange man für so viele Kilometer und Höhenmeter wohl braucht.

Der Tag X
Der langersehnte Tag des Wettkampfes kam schneller als erwartet. Am Vorabend ging es früh in die Federn. Erstaunlicherweise konnte ich trotz der Aufregung halbwegs gut schlafen. Zum Frühstück gab es Kartoffeln mit Salz - mein absoluter Wettkampfs-Frühstücks-Favorit. Da es ein eher kleines Event ist, hielten sich die Menschenmassen im Startbereich in Grenzen. Wir kamen leicht verspätet zum Briefing an, hatten aber letztendlich noch ausreichend Zeit.

Der Start
Ausgestattet mit einer Laufweste inklusive der notwendigen Pflichtausrüstung (ein Liter Wasser, Regenjacke, Regenhose, Erst Hilfe Sachen, etc.) stellten sich mein Papa, mein Kumpel Werner und ich in letzter Minute im Startbereich auf. Nun war es auch schon soweit: 5 - 4 - 3 - 2 - 1 - Los! Diesen Moment finde ich tatsächlich immer am Aufregendsten. Wenn sich die Masse schön langsam in Bewegung setzt. Mein Herz raste vor Aufregung. Was werden die nächsten Stunden wohl bringen?

Mein Papi und ich in den Startlöchern

Der Lauf
Die Sonne strahlte vom Himmel. Die ersten tausend Höhenmeter gingen steil bergauf. Die Hitze macht mir vor allem beim bergauf laufen immer recht zu schaffen. Ich schwitzte schon ordentlich. Werner und ich liefen die ersten Kilometer gemeinsam. Irgendwann verlor ich ihn aus den Augen. Mir ging es überraschend gut und ich schaffte es einen großen Teil trotz der Steigung und der Hitze zu joggen, obwohl die meisten um mich herum schon auf schnelles Gehen umgestiegen waren.

Die erste Verpflegungsstation kam schon bei Kilometer acht. Ich streckte zu allererst meinen völlig überhitzen Kopf in das Wasser des kalten Brunnens. Bereits recht durstig leerte ich einige Becher der Isogetränke und füllte meine Wasserflaschen wieder auf. Zu meiner großen Freude, stieß ich nun auch wieder auf Werner.

Gemeinsam machten wir uns auf den Weg. Wiederum verlor ich ihn schon nach Kurzem aus den Augen. Ich wäre aber auch nicht mehr fähig gewesen für Unterhaltungen. Bis zur nächsten Verpflegungsstelle bei Kilometer 16 ging es mir sehr gut. Ich fühlte mich äußerst energiegeladen.

... auch der Papa ist am Kämpfen 

Das letzte Stück bis zum zweiten Gipfel, dem Schneeberg, empfand ich als recht anstrengend. Ich bekam wahnsinnigen Hunger und bereute es, dass ich mir nicht mehr Energieriegel eingesteckt habe. Der Himmel war nun zum Glück leicht bedeckt. Schön langsam kam auch der Schnee. Insgesamt waren über sieben Kilometer der Strecke davon bedeckt. Ich hatte mir auch extra deswegen, auf Anraten mehrerer Leute, Stöcke mitgenommen, obwohl ich solche im Training noch nie benutzt hatte. Ich bemerkte, dass sich einige Mitstreiter ziemlich schwer taten beim Laufen in den steilen Schneehängen. Immer wieder rutschten sie ab. Mir fiel es auch nicht sonderlich leicht, aber es erging mir trotzdem besser als vielen anderen, somit konnte ich einige überholen. Die Stöcke auszupacken empfand ich als nicht wirklich notwendig.

Als der Schneeberg geschafft war, dachte ich, dass der schlimmste Teil vorbei sein sollte. Doch die Strecke zog sich noch ordentlich. Was mich am meisten störte war, dass ich sonderlich oft pinkeln musste. Es war gar nicht so einfach immer ein geeignetes Plätzchen dafür zu finden. Zudem verlor ich durch diese Aktionen natürlich auch recht viel Zeit, was mir aber zu dem Zeitpunkt noch recht egal war, da ich nicht im Traum daran gedacht habe, dass ich unter die ersten fünf in der Damen Wertung kommen werde.

Einen richtigen Einbruch hatte ich während des ganzen Laufs eigentlich nie, obwohl schon zwei, drei Momente dabei waren, in denen ich sehr gekämpft habe. Vor allem durch das Bergablaufen schmerzten meine Knie und Oberschenkel etwas. Die letzten Kilometer von der Verpflegungsstelle beim Böndlsee bis ins Ziel zogen sich noch ordentlich. Irgendwann begann es heftig zu regnen. Das empfand ich als richtige Wohltat.

Das Ziel naht
Auch die letzten paar Kilometer vor dem Ziel kamen mir noch ewig lange vor. Es ging immer wieder etwas bergauf, das zehrte an den Kräften. Doch ich kämpfte weiter. Überglücklich lief ich nach 7 Stunden und 8 Minuten durch das Ziel. Als ich meine Streckenaufzeichnung am Handy ausschaltete, hatte ich bereits eine Nachricht von einer Freundin bekommen: "Gratuliere zum 5. Platz!" Wie bitte? Ich konnte es gar nicht fassen, ich bin tatsächlich fünfte in der Damenwertung geworden. Also ich muss schon zugeben, dass ich ein kleines bisschen stolz auf mich war. Das war definitiv nicht mein letzter Ultramarathon.

beim Zieleinlauf

Wohlverdient!


Zwei stolze Finisher des Schwarzach Trails 2019 - mein Papi und ich


Siegerehrung


Facts
✅ Name: Schwarzach Trail
✅ Ort: Schwarzach im Pongau / Österreich
✅ Länge: 47 km
✅ 2.600 Höhenmeter
✅ Zeit: 7 Stunden und 8 Minuten





findest du noch mehr Fotos zum Schwarzach Trail 2019







Mittwoch, 25. April 2018

Die schönsten Wanderungen in und rund um Interlaken

By On April 25, 2018

Wie die Zeit vergeht. Nun bin ich doch tatsächlich schon einige Monate in der schönen Schweiz. Ich habe meine freie Zeit neben dem Arbeiten natürlich auch für ausgiebige Erkundungstouren genutzt. Dabei bin ich bereits auf jede Menge wundervoller Fleckchen gestoßen. Der Großteil davon ist zudem für das schlanke Budget gut erschwinglich. Hier meine Top Wanderungen rund um Interlaken und im Berner Oberland:



Beatushöhlen


1. Wanderung von Interlaken zu den Beatushöhlen

Mehr oder weniger zufällig stieß ich vor einigen Wochen auf diese wunderschöne Route bei einer morgendlichen Jogging-Einheit. Mittlerweile bin ich den Weg bereits mehrere Male gejoggt, wie auch gewandert. Man startet in Interlaken und geht dann die Aare entlang in Richtung Thuner See bis zum Naturschutzgebiet Weissenau. Man sollte hier einen kurzen Stopp einlegen, um die Burgruine dort zu erkundschaften. Sie ist zudem die größte und am besten erhaltene Burganlage im Berner Oberland. Weiter führt der Weg dem Seeufer entlang. Wenn die Sommersonne vom Himmel strahlt, dann gibt es hier jede Menge Möglichkeiten, um sich eine kurze Abkühlung im See zu genehmigen. Es geht nun vorbei an hohen Felsklippen. Sie erinnern mich ein bisschen an die kroatische Küste. Zu guter Letzt kommt man dann bei den Beatushöhlen an. Die Kulisse dort ist paradiesisch schön. Wer das nötige Kleingeld dabei hat, kann auch noch die Höhlen selbst begutachten. Hierzu kann ich aber leider keine Infos geben, da ich selbst noch nie drin war. Den Weg zurück nach Interlaken kann man dann mit dem Bus fahren oder wieder zu Fuß zurücklegen.
=> Fotos <=

Gehzeit: ca. 2,5 Stunden (von Interlaken zu den Beatushöhlen)

Weg zu den Beatushöhlen von Interlaken aus
auf dem Weg zu den Beatushöhlen

2. Wanderung auf den Harder Kulm

Den Aussichtspunkt "Harder Kulm" ist recht bekannt, da man ihn von Interlaken aus gut sehen kann. Er befindet sich sozusagen am Hausberg des Ortes. Die Wanderung kann man entweder von Interlaken oder Unterseen starten - es führen also zwei Routen dorthin. Meine Empfehlung wäre es natürlich auf der einen Seite hinaufzuwandern und und auf der anderen wieder hinunter. Für die nicht so Sportlichen unter euch, fährt tatsächlich auch eine Bergbahn auf den Harder. Ich persönlich bevorzuge die Wanderung im Frühjahr, wenn die Bahn noch geschlossen ist, denn dann kann man oben angekommen eine idyllische Ruhe genießen. Aber die Aussicht auf die traumhafte umliegende Bergkulisse und die beiden Seen entschädigt auch für die Horde Asiaten und Araber, die sich dort im Sommer tummeln, um unendlich viele Selfies zu schießen ;)
=> Fotos <=

Gehzeit: ca. 1,5-2 Stunden hinauf und 1,5-2 Stunden hinunter


am Harder Kulm


3. Wanderung auf den Schönbüel

Die traumhaft schöne Panoramawelt "Lungern-Schönbüel" liegt zwar nicht in unmittelbarer Nähe zu Interlaken, aber sie ist trotzdem einen Besuch wert - sowohl im Sommer wie auch im Winter. Von Interlaken ist man in etwa einer Stunde mit dem Zug in Lungern. Der Aussichtspunkt Schönbüel liegt auf 2008 m Seehöhe. Das hört sich nun aber schlimmer an als es ist, denn mit der Turrenbahn kann man von Lungern aus bereits bis auf 1.532 m fahren. Von dort ist es dann nur noch eine kurze Wanderung auf den Schönbüel. Für die Aktiveren gibt es aber noch unendlich viele Wandermöglichkeiten von der Bergstation der Turrenbahn aus. 
=> Fotos <=

Gehzeit: ca. 1,5 Stunden von der Turrenbahn Bergstation auf den Schönbüel

Lungern - Schönbüel

4. Wanderung von Interlaken nach Brienz

Die Wanderung startet man direkt in Interlaken - am besten am Bahnhof Interlaken Ost. Von dort aus geht man dann die Aare entlang bis zum Brienzer See. Für diese Route nehmen wir den Weg am rechten Seeufer (von uns aus gesehen), der über Iseltwald geht. Die Wanderung geht nun bis nach Brienz fast ausschließlich am direkten Seeufer entlang. Und sie ist einfach traumhaft schön - nicht zu unrecht auch bekannt als einer der schönsten Uferwege in der Schweiz. Es geht vorbei an felsigen Klippen, idyllischen kleinen Dörfern und imposanten Wasserfällen. Von Brienz aus, kann man dann mit dem Zug wieder zurück nach Interlaken fahren. 

Gehzeit: ca. 5 Stunden

von Interlaken nach Brienz über Iseltwald

5. Wanderung: Lauterbrunnen - Stechelberg - Gimmelwald - Mürren - Lauterbrunnen

Eine traumhaft schöne 1-Tages-Wanderung. Man nimmt den Zug von Interlaken nach Lauterbrunnen. Dort angekommen wandert man unter imposanten Felswänden in Richtung der schneebedeckten Berge. Besonders im Frühjahr donnern hier eindrückliche Wassermassen zu Tale. Grund dafür ist die Schneeschmelze. Am Ende des Tales in Stechelberg angekommen nimmt man die Bergbahn nach Gimmelwald (Kosten: 6,40 CHF Normalpreis; 3,20 CHF Halbtax). Die Fahrt mit der Gondel ist ein weiteres Highlight, denn es geht richtig steil, entlang der Felswände, nach oben. Von Gimmelwald ist es eine sehr idyllische Wanderung - mit dem absolut grandiosesten Ausblick auf die umliegenden 4.000er - nach Mürren. Mürren ist ein niedliches kleines Bergdorf, in dem es aber auch unzählige Hotels gibt -> kein Wunder bei der unvergleichlich schönen Aussicht. Von Mürren aus kann man dann wieder nach Lauterbrunnen hinabwandern, was etwa 2 Stunden dauert, oder die Bahn nehmen.

Gehzeit: ca. 1,5 Stunden von Lauterbrunnen nach Stechelberg; ca. 1 Stunde von Gimmelwald nach Mürren; ca. 2 Stunden von Mürren nach Lauterbrunnen

in Mürren / Schweiz
in Mürren



Montag, 8. Januar 2018

Wanderung auf den Schönbüel (Lungern)

By On Januar 08, 2018

Die traumhaft schöne Panoramawelt "Lungern - Schönbüel" liegt etwa auf halber Strecke zwischen Interlaken und Luzern. Die Wanderung auf den Schönbüel ist sowohl im Winter wie auch im Sommer ein außergewöhnlich schönes Erlebnis. Im Winter stellt die Gegend dort einen Geheimtipp für Tourenschi-Geher und Schneeschuhläufer dar, während es im Sommer unzählige Möglichkeiten für Wandertouren gibt. 

Zudem ist das Gebiet von Juni bis September für seine Vielfalt an Schmetterlingen bekannt - über 100 verschiedene Arten können dann bewundert werden. Es gibt sogar einen eigenen Schmetterlingspfad. Der Aussichtspunkt Schönbüel liegt auf ganzen 2008 m Seehöhe. Durch die Turrenbahn ist er aber auch für die nicht so Sportlichen unter den Wanderern und mit Kindern gut erreichbar.




Von Interlaken nach Lungern

Ein Bekannter aus Luzern fragte mich vor wenigen Tagen, ob ich Lust hätte mit ihm ein bisschen wandern zu gehen. Was für eine Frage - natürlich! Er schlug vor, mir den wunderschönen Schönbüel zu zeigen, da dieser so ziemlich genau auf halber Strecke zwischen seinem und meinem Zuhause liegt. Ich setzte mich heute morgen also in den Zug und machte mich von Interlaken West auf nach Lungern. Die Fahrt mit dem Zug dauerte eine Stunde und elf Minuten, was ich völlig okay finde. Und man muss noch anmerken, dass die Strecke wirklich wunderschön ist.

Mit der Turrenbahn ab in die Höhe

Angekommen in Lungern am Bahnhof traf ich mich mit meinem Bekannten. Von hier aus bis zur Turrenbahn sind es etwa 20 Gehminuten durch den idyllischen Ort. Angekommen an der Talstation der Bahn hatten wir ein Riesenglück, denn die Gondel fuhr auch schon sogleich los. Es waren eigentlich nur Einheimische mit uns in der Kabine. Die Aussicht auf Lungern und den Lungernersee war von hier aus richtig beeindruckend. Draußen wehte ein starker Wind, was uns eine recht aufregende und schaukelige Fahrt bescherte. Im Tal hatte es keinen Schnee, als wir aber an der Bergstation auf 1.532 m ausstiegen, hatte es dann aber reichlich davon. Viele waren mit den Schneeschuhen, Tourenschi oder gar mit dem Schlitten dort. Ich war bloß mit meinen Schneestiefeln da, aber das machte nichts, denn die Wege sind gut ausgetreten - also kein Tiefschnee.

Wanderung von der Bergstation der Turrenbahn zum Schönbüel

Wir starteten unsere Wanderung ganz gemütlich und genossen die imposante Bergkulisse, die uns umgab. Mitunter hatten wir auch einen guten Ausblick auf die bekannte Jungfrau, den Eiger und den Mönch ⟶ die wohl bekanntesten Berge hier in der Gegend. Unter uns erstreckte sich ein dichtes Wolkenmeer.



Der erste Teil des Weges verläuft nur mit geringer Steigung, am Ende wird es dann ein bisschen steiler. Vorbei an der fast komplett eingeschneiten "Alp" (= Almhütten auf schwitzerdüütsch) Breitenfeld, ging es das letzte Stück hoch zum Berghuis Schönbüel, das auf 2008 m über dem Meeresspiegel liegt. Wir kamen dort nach einer etwa eineinhalb-stündigen Wanderung in gemütlichem Tempo an.

Breitenfeld Alp
die ganz schön eingeschneite Alp Breitenfeld


Berghuis Schönbüel

In dem Restaurant dort gibt es lokale Köstlichkeiten und Fremdenzimmer. Wir gönnten uns eine leckere Würstelsuppe. Die Schweizer Preise schocken mich nach wie vor etwas -  ganze 17 CHF hat das Süppchen gekostet. Aber man gönnt sich ja sonst nichts. Von der Panoramaterrasse aus, konnten wir das Haslital, den Niesen und die Berner- und Innerschweizeralpen erblicken.

Von hier aus könnte man übrigens noch endlos viele Wanderungen unternehmen, wie beispielsweise auf das Brienzer Rothorn. Aber aufgrund der Schneelage und unserer fehlenden Ausrüstung ging es für uns nicht mehr weiter. Ich habe mir jedoch bereits fest vorgenommen im Sommer nochmals hierher zu kommen und ein paar Wanderrouten zu erkundschaften.

Wieder runter zur Bergstation der Bahn ging es recht schnell, da wir über die steilen Hänge mit viel Getöse - wie kleine Kinder - im Schnee runterrutschten. Das war ein Riesenspaß. Wir nahmen dann auch noch einen kleinen Berggipfel mit, der nicht allzu schwer vom Weg aus zu erreichen war. Hier wimmelt es nämlich nur so vor kleinen Hügeln, auf denen meist hölzerne Gipfelkreuze angebracht sind.





Fazit:

Eine traumhafte Wanderung, auch für die nicht so sportlichen und zudem perfekt für Familien. Sowohl im Sommer als auch im Winter möglich. Diejenigen, die gerne längere Touren gehen, haben vom Schönbüel aus noch zahlreiche Möglichkeiten für anspruchsvollere Wanderungen. Ich werde auf alle Fälle im Sommer zurückkommen. 


Zusammenfassung der Tour:

  • Ausgangspunkt: Bahnhof Lungern
  • Gehzeit: etwa 1,5 Stunden von der Bergstation Turren auf den Schönbüel. Alles in allem muss man etwa 4 Stunden für die Tour vom Bahnhof Lungern bis man wieder dort zurück ist (inkl. Pausen und Gondelfahrt) rechnen. 
  • Schwierigkeit: leicht
  • Ausrüstung: festes Schuhwerk (im Winter besser Winterstiefel oder Schneeschuhe), Sonnenschutz, ausreichend Flüssigkeit, etwas zu Essen oder das nötige Kleingeld für eine Jause im Berghuis Schönbüel

Turrenbahn:

Erreichbarkeit: in etwa 20 Gehminuten vom Bahnhof Lungern
Dauer: ca. 5 Minuten
Preis: 33 CHF für Hin- und Rückfahrt, 22 CHF für eine Fahrt; mit Halbtax-Abo: 16,50 für Hin- und Rückfahrt, 11 CHF für nur eine Fahrt (Stand 01/2018)
Für weitere Infos: => Webseite der Turrenbahn <=





Sonntag, 7. Januar 2018

Wanderung auf den Harder Kulm und den Wannichnubel

By On Januar 07, 2018

Mein neues Zuhause Interlaken ist - wie viele vielleicht wissen - touristisch recht überlaufen. Jeder der schon einmal hier war, weiß auch warum. Es ist ein kleines Örtchen, das zwischen zwei unglaublich schönen Seen liegt und von einer traumhaften Bergkulisse umgeben ist. Eines der bekanntesten Ausflugsziele ist unter anderem der "Harder Kulm". Dieser Aussichtspunkt liegt auf 1.322 m Seehöhe. Man wird dort mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt, zudem gibt es ein Panorama-Restaurant, das aussieht wie ein Schloss. 

am Harder Kulm

Nun wohne ich schon fast eine ganze Woche in meiner neuen Heimat in der Schweiz. Die meisten Formalitäten habe ich zum Glück schon hinter mich gebracht. Das war teilweise ganz schön nervenaufreibend. Zudem kamen gravierende Verständigungsschwierigkeiten hinzu. Nie hätte ich mir zuvor gedacht, dass schwitzerdüütsch sich so grundlegend von der normalen deutschen Sprache unterscheidet. Aber es geht von Tag zu Tag besser.

Heute Morgen war der erste Tag, der wirklich mit strahlendem Sonnenschein begann. Das wollte ich natürlich ausnutzen. Da ich aufgrund des regnerischen Wetters (ja richtig gehört, hier regnet es tatsächlich im Winter - damit hätte ich nicht gerechnet, da ich aus meiner Heimat Österreich massenhaft Schnee gewohnt bin) noch nicht viel zum Erkundschaften der Gegend gekommen bin, beschloss ich mit etwas Bekannterem zu starten: Dem Harder Kulm. Mir graute es zwar schon ein wenig vor den Menschenmassen, die sich dort wohl aufhalten würden, aber einmal gesehen haben muss man ihn ja doch.


Wanderung auf den Harder Kulm (1.322 m)

Ich schwang mich auf mein neu gekauftes Damenfahrrad und radelte damit zum Bahnhof Interlaken Ost. Hier stellte ich meinen Drahtesel ab und spazierte Richtung Harderbahn (ca. 5 Minuten Fußweg), denn von dort aus starten auch die Wanderwege. Dabei muss man einfach den Fluss (die Aare) bei der nächsten Brücke überqueren und schon ist man da. Bei der Bahn angekommen, konnte ich mein Glück kaum fassen: Es war ein Schild angebracht, dass die Harderbahn im Winter geschlossen sei. Was für eine Freude! Ihr wisst ja wie wenig mir Touristenmassen liegen. Vielleicht konnte ich die Aussicht dort nun doch ohne Menschengedränge genießen.

Die Gehzeit war mit 2 Std. 20 Min. angeschrieben. Ich machte mich ganz gemächlich auf den Weg - immerhin hatte ich alle Zeit der Welt. Zuerst ging es an einem kleinen Wildpark vorbei, dort konnte ich sogar ein paar Steinböcke im Gehege erspähen. Weiter ging es den anfangs noch komplett schneefreien aber sehr idyllischen Wanderweg. Es wirkte tatsächlich wie im Frühling hier. Der Weg ist gut ausgebaut, derzeit hat er sich jedoch an einigen Stellen in einen Fluss verwandelt.



Erst das letzte Viertel des Weges war dann schneebedeckt. Da ich nur meine Trekkingschuhe anhatte war ich froh über die Fußspuren im Schnee - es muss also heute schon jemand vor mir hier hinaufgewandert sein. Insgesamt kamen mir auch zwei Wanderer entgegen - beide waren Einheimische. Ich bin wirklich immer wieder überrascht über die freundlichen und redseligen Schweizer. Ganz selbstverständlich blieben sie kurz stehen um mit mir ein wenig zu plaudern. Vor ein paar Tagen verwickelte mich sogar die Supermarktverkäuferin in ein 15-minütiges Gespräch. Die Vorurteile, die ich vor meinem Umzug in die Schweiz zu hören bekam, dass die Schweizer sehr "reserviert" seien, haben sich bis jetzt noch nicht annähernd bewahrheitet.

mit der Zeit wurde der Weg immer schneebedeckter


Nach etwa 1 Std. 40 Min. kam ich beim Harder Kulm an. Bis auf ein Pärchen, das gerade ihr Picknick in Sonne genoss, war keine Menschenseele hier. Ich spazierte auf die Aussichtsterrasse zu und genoss einen atemberaubenden Ausblick auf die Bergwelt. Man sieht von hier aus die drei höchsten Berge der Umgebung sehr gut: Jungfrau (4.158m), Mönch (4.099m) und Eiger (3.970m). Außerdem kann man Interlaken und den Brienzer- und Thunersee aus der Vogelperspektive betrachten.

endlich konnte ich den Harder Kulm erspähen

Blick vom Harder Kulm auf den Thunersee und Interlaken


Weiter auf den Wannichnubel (1.585 m)

Eigentlich hatte ich nicht geplant noch weiter zu wandern, aber auf der Suche nach einem sonnigen Plätzchen für eine Pause, stieß ich auf ein paar Wegbeschilderungen. Ich folgte dem kleinen Wanderweg am Hardergrat entlang. Der Schnee wurde immer tiefer, und meine Schuhe waren schön langsam schneegefüllt. Es war auch hier wieder eine Spur zu sehen, aber das half auch nicht viel. Auf meiner Landkarte konnte ich sehen, dass der Wannichnubel nicht mehr weit entfernt liegt. Da wollte ich nun unbedingt hin. Mit der Zeit versank ich sogar bis über die Knie im Schnee. Es ging also nur sehr langsam voran.



Nach etwa 45 Minuten kam ich dann tatsächlich am absolut paradiesischem Gipfel des Wannichnubel an. Das Panorama hier würde ich als nochmals um einiges gewaltiger bezeichnen als das vom Harder Kulm aus.

Ausblick vom Wannichnubel auf den Brienzersee


Zu meinem Erstaunen, sonnte sich dort bereits ein Mann mittleren Alters auf der kleinen Holzbank. Nach einem kurzen Smalltalk fanden wir heraus, dass wir beide aus Österreich sind. Was für ein Zufall! Er war sichtlich verwundert mich hier anzutreffen - vor allem mit meinem Schuhwerk. Der Mann heißt übrigens Bert und wohnt schon seit vielen Jahren hier in der Gegend. Bert erzählte mir, dass hier im Winter normalerweise gar niemand außer ihm selbst hochkommt. Tja, da erkennt man die Österreich wieder mal *lach*. Wir plauderten noch ein Weilchen. Als Bert sich verabschiedete sonnte ich mich noch ein halbes Stündchen an diesem idyllischen Fleckchen weitab jeglichen Trubels.

Zurück ging es dann nicht mehr über den Harder Kulm, da schon vorher eine kleine Abzweigung in Richtung Interlaken Ost war. Den Abstieg bewältigte ich recht schnell, habe dabei aber nicht mehr auf die Uhr geschaut.

Fazit:

Die Wanderung auf den Harder Kulm kann ich jedem nur wärmstens empfehlen. Im Winter, wenn nicht allzu viel Schnee liegt ist es wahrscheinlich  noch schöner, da man die Ruhe ohne Touristenansammlungen genießen kann. Nichtsdestotrotz ist es bestimmt auch im Sommer schön hier. Wer noch genug Energie hat, sollte unbedingt auch den Wannichnubel mitnehmen.

Zusammenfassung der Tour:

  • Ausgangspunkt: Bahnhof Interlaken Ost
  • Gehzeit: ca. 1,5 - 2 Std. zum Harder Kulm; von da aus noch ca. 30 Min. zum Wannichnubel (im Winter bei viel Schnee verlängert sich die Gehzeit dementsprechend)
  • Schwierigkeit: leicht
  • Ausrüstung: festes Schuhwerk (im Winter besser Winterstiefel oder Schneeschuhe), Sonnenschutz, ausreichend Flüssigkeit, etwas zu Essen

Harderbahn:

Für die Bequemerem fährt eine Standseilbahn auf den Harder Kulm.
Dauer: ca. 10 Minuten
Preis: 32 CHF für Hin- und Rückfahrt (Stand 01/2018)
Betrieb: von April bis November
Frequenz: fährt ungefähr alle 30 Minuten
=> Mehr Infos zur Harderbahn <=