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Mittwoch, 20. Januar 2021

Wieder auf Teneriffa

 

Mit der Fähre nach Teneriffa

Wir machten uns also am Dienstag, dem 12. Januar, auf zum Hafen von Las Palmas. Eigentlich würde die Fähre in Agaete starten, doch dort ist vor ein paar Tagen eine Fähre direkt am Hafen gesunken und konnte bis jetzt nicht weggebracht werden. 


Im Büro des Fährenunternehmens Fred Olsen fragten wir die etwas genervt scheinende Dame genauestens aus, ob wir denn nun wirklich nach Teneriffa einreisen dürfen. Immerhin heißt es laut den Corona Restriktionen, dass Ein- und Ausreise von der Insel im Moment nur in Ausnahmefällen gestattet sei. Scheinbar hatten wir Glück, denn Tourismus fällt unter einen solchen Ausnahmefall. Wir mussten bloß eine Bestätung vorweisen, dass wir auf Teneriffa ein Unterkunft gebucht hatten und noch ein Formular ausfüllen. Im Endeffekt interessierte sich dann aber niemand für diese Dokumente. 


Die Fähre war recht leer. Ein Mitarbeiter ging mit Desinfektionsmittel durch die Reihen und drückte jedem etwas davon auf die Hand. Natürlich mussten wir auch unsere Masken tragen, welche man aber beim Essen und Trinken abnehmen durfte. Alles ganz easy. Nicht ganz so toll war der raue Seegang. Ich hatte tatsächlich Angst, dass ich mich jeden Moment übergeben müsste. Zum Glück war dem nicht so. 


San José de los Llanos - das Ende der Welt

Etwa zwei Stunden später kamen wir am Hafen von Santa Cruz de Tenerife an. Da wir unsere Unterkunft im Südwesten der Insel gebucht hatten, stand uns noch eine lange Busfahrt bevor. Wir mussten feststellen, dass sich das Hostel in einem Kaff am Ende der Welt befindet. Bei der Buchung haben wir eigentlich nur darauf geachtet, dass es günstig und in der Nähe von Wandermöglichkeiten ist. Beide Kriterien wurden hier erfüllt. Unzählige Wanderwege starten direkt vom Dorf aus und wir bezahlten gerade mal 13 Euro pro Person inklusive Frühstück. Der einzige Nachteil war, dass es keine Busverbindung direkt in das Dörfchen gibt - es nennt sich übrigens "San José de los Llanos". Die letzte halbe Stunde mussten wir eine steile Straße bergauf wandern um dort anzukommen. Unsere Gastgeberin empfing uns freundlich. Unsere Frage, ob es denn hier irdendwo ein Lebensmittelgeschäft oder ein Restaurant gäbe, verneinte sie. Ohne ein Auto wäre dies sehr schwierig. Wir waren zudem die einzigen Gäste. Pedro und ich mussten schmunzeln. Immerhin ist es nicht das erste Mal, dass wir an so einem gottverlassenen Ort landen. Da unser Magen knurrte, beschlossen wir trotzdem den Versuch zu wagen hier irgendwo etwas zum Essen zu finden. 


Wir fanden eine Bar, die aber augenscheinlich geschlossen war. Davor standen zwei Männer, welche sich gerade angeregt unterhielten. Wir fragten sie, ob es denn irgendeine Möglichkeit gäbe hier in der Nähe twas Essbares zu bekommen. Wieder lautete die Antwort, dass es ohne Auto schwierig wäre. Es stellte sich heraus, dass einer der beiden der Barbesitzer war. Aufgrund der Corona Maßnahmen darf man auf Teneriffa derzeit in Restaurants nur im Außenbereich sitzen. Da San José de los Llanos auf etwa 1.000m Seehöhe liegt und die Temperatur nach Sonnenuntergang auf den Gefrierpunkt sinkt, will natürlich kein Mensch draußen verweilen. Deshalb braucht der Arme seinen Laden erst gar nicht aufzumachen. Er erklärte sich aber bereit uns eine Flasche Wein zu verkaufen. Der nette Herr bat uns in seine Bar und stellte uns zum "Probieren" erstmals jeweils einen Viertel Liter Rotwein vor die Nase. Und als wäre das nicht genug, stand schon sogleich die zweite "Probierportion" - wieder ein Viertel Liter Rotwein - vor uns. Danach folgte noch eine Probe seines selbstgemachten Likörs. Er schien eine riesige Freude zu haben, mit jemandem plaudern zu können und ließ uns nur schwer wieder gehen. Im Endeffekt gab er uns sogar noch kleine Leckereien wie Kekse, Chips und Schokolade mit. Was für eine schöne Begegnung! So etwas findet man nur in solch abgelegenen Ortschaften wie San José de los Llanos *lach*. Leicht angeheitert ging es zurück in unsere eisig kalte Unterkunft. Die Häuser hier sind grundsätzlich nicht beheizt. Wir machten uns über das überaus "gesunde" Abendessen her ;)


Wanderung in den imposanten Vulkanlandschaften um den Chinyero 

Die Nacht war eigentlich ganz okay, wir hatten zum Glück super warme Bettdecken bekommen. 

Morgenstimmung in San Jose de los Lanos: Blick auf den verschneiten El Teide (3.715m)

Unsere Gastgeberin gab uns den Rat zum Vulkan Chinyero zu wandern. Der Weg führte uns zuerst es durch neblige Pinienwälder. Später kamen wir zum Vulkan Montaña Negra, welcher seinem Namen alle Ehre macht: er besteht aus schwarzem Lavagestein. Ich war wirklich beeindruckt. Es fühlte sich an, als würden wir durch eine Mondlandschaft wandern. Später kamen wir zu dem schwarzen Vulkankegel Chinyero (1.561m), welcher seine letzte Eruption vor etwa 100 Jahren - im Jahr 1909 - hatte. Somit ist er der letzte Vulkan, der auf Teneriffa ausgebrochen ist.  


Der Vulkan Chinyero

Zurück in unser "Kaff" wollten wir eigentlich von Santiago del Teide mit dem Bus, welcher aber aus unerfindlichen Gründen nie ankam. Wir mussten also die letzten Kilometer noch zu Fuß zurücklegen. Insgesamt sind wir heute 25 Kilometer und 1000 Höhenmeter gewandert. Es war ein überaus gelungener Tag. 

Skywalk Los Gigantes - nichts für schwache Nerven

Für den heutigen Donnerstag stand Los Gigantes auf dem Plan. Es handelt sich um einen Ort an der Westküste von Teneriffa. Er ist bekannt durch seine spektakuläre Steilküste. Die Felsen fallen hier bis zu 450 Meter senkrecht ins Meer ab. 


Blick vom Örtchen Los Gigantes auf die spektakuläre Steilküste, welche wir an diesem Tag entlang wanderten. 


Unsere geplante Wanderung stellte sich als ein absolutes Abenteuer heraus. Eine Tour, die sicher nicht für jedermann geeignet ist: der Skywalk von Los Gigantes. Er führt zuerst einen sehr schmalen Steilklippenweg entlang. Höhenangst sollte man hier keinesfalls haben und Trittsicherheit ist Grundvoraussetzung. Wir machten sogar noch einen Abstecher entlang alter Wasserkanäle. Auf Teneriffa gibt es kaum eigenes Grundwasser und keine natürlichen Seen, deshalb ist Wasser hier ein kostbares Gut. Im 19. Jahrhundert wurden deshalb diese Trinkwasserkanäle und auch Trinkwasserstollen gebaut. Damit konnte Wasser über die ganze Insel verteilt werden.


Hier an dem roten Punkt stand ich, als ich das nächste Foto aufnahm: 

Entlang dieser alten Wasserkanäle wanderten Pedro und ich in schwindelnder Höhe.


Einige dieser Trinkwasserstollen können sogar noch begangen werden. Einen davon haben wir heute gefunden. Es handelt sich um einen ein Kilometer langen Tunnel. Es ist aber äußerste Vorsicht geboten, da sich hier bereits Menschen verirrt haben oder durch herabfallende Felsen verletzt wurden. 


Der Eingang zum Stollen, den wir durchquerten.


Als wir den Stollen durchquert hatten, wanderten wir die Schlucht Barranco Mancha de Los Díaz hinab bis zu dem einsamen Strand Playa de Barranco Seco. Die Schluchten hier sind einfach gigantisch. Es scheinen auch immer wieder Menschen an diesen verlassenen Stränden zu wohnen, wir fanden nämlich ein paar ganz nett eingerichtete Höhlen - vom Stil her würde ich auf Hippies tippen. 


Der Strand Playa de Barranco Seco


Über Las Américas nach San Andrés 

Am Freitag war dann unsere Zeit in San José de los Llanos leider schon wieder vorüber. Gestern ist noch eine ältere britische Dame dort angekommen. Sie hat uns mit ihren Stories wirklich imponiert. Die Frau ist seit 10 Jahren am Reisen und erzählte uns von ihren Abenteuern (sie schläft in Höhlen, ist fast nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs,...). Sie ist bestimmt schon über 60 Jahre alt. Bin mal gespannt, ob ich auch einmal so enden werde *lach*.


Heute sollte es nach San Andrés in den Nordosten der Insel gehen - ans andere Ende also. Dort werden wir die letzten Tage von Pedro's Besuch bei mir verbringen. Über AirBnB haben wir uns ein nettes kleines Appartment gebucht. Da die Busfahrt dorthin recht lange ist, machten wir in Las Américas eine kleine Mittagspause. Länger hätten wir es dort auch gar nicht ausgehalten, immerhin handelt es sich dabei um eine der touristischen Ecken Teneriffas. Hässliche Hotelanlagen reihen sich aneinander. Aber zumindest war aufgrund der Corona Pandemie nicht allzu viel los.


Das wunderschöne Anaga-Gebirge

Das Örtchen San Andrés liegt direkt am wunderschönen Sandstrand Las Teresitas - einer der schönsten auf ganz Teneriffa - und in den Vorläufern des Anaga-Gebirges. Das Anaga-Gebirge ist eine Gebirgskette, welche vor sieben bis neun Millionen Jahren durch vulkanische Aktivitäten geformt wurde. Wegen Nebel und Regen ist das Gebiet sehr feucht und für seine saftig grünen Lorbeerwälder bekannt. 


Wir verbrachten die letzten Tage mit eindrücklichen Wanderungen in dieser malerisch schönen Region. Sie führten uns zu einsamen Stränden und imposanten Aussichtspunkten. Wir begegneten nur sehr selten anderen Wanderern. Dafür entdeckten wir viele alte Ruinen und erkletterten den alten Leuchtturm in der Nähe von Igueste. Aber ich denke Bilder sagen mehr als tausend Worte ;)


Blick von La Atalaya hinunter nach Igueste


Barranco de Aguas de San Andres


Taganana 

Ich beim Erklettern des alten Leuchtturms Semaforo de Anaga

Blick in Richtung Roque de Antequera

Playa de Antequera


Mittlerweile hat Pedro mich wieder verlassen. Es ist immer ein eigenartiges Gefühl alleine weiterzureisen, wenn man so lange in Gesellschaft war. Immerhin waren es fünfzehn ganze Tage - fünfzehn unvergesslich schöne Tage! 


Nun freue ich mich aber auch schon wieder auf die Abenteuer des Alleinreisens. 

Hasta luego!


Eure Michi :)




=> Hier findest du alle meine Fotos und Videos von Teneriffa :) <=






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