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Freitag, 29. Januar 2021

Die "Höhlen-Hippies" von San Andrés de Tenerife

By On Januar 29, 2021

 

Santa Cruz de Tenerife 

Mittlerweile hat eine richtige Hitzewelle Teneriffa erreicht. Aus diesem Grund beschloss ich den gestrigen Tag vorwiegend am Strand zu verbringen. Es ging wieder zum Playa de Teresitas. Am späteren Nachmittag kam auch Sdravko nach, der zuvor noch einen botanischen Garten besucht hatte. Voller Freude präsentierte er mir seine Ausbeute - darunter Kokosnüsse und Baobab-Früchte (= Affenbrotbaum). 


Die alte Festung von San Andrés 

Am Abend schlug er vor ein paar alte Bunker in San Andrés zu erkundschaften. Das klang sehr nach Abenteuer und ich war natürlich sofort begeistert von der Idee. Es handelt sich um die Ruinen einer alten Festung, die früher die Küste von San Andrés vor Piratenangriffen geschützt hat. Scheinbar ist es möglich in ein paar dieser Bunker hineinzukommen. 


Die alte Festung von San Andrés


Dem war dann auch so. Zuerst mussten wir uns durch eine schmale Schießscharte hindurch robben. Dann ging es etwa fünf Meter über eine verrostete Leiter durch ein Fallrohr nach unten. Und dann nochmal etwa fünfzehn Meter durch ein weiteres Fallrohr senkrecht runter. 


Über diese verrostete Leiter kletterten wir mehrere Meter durch ein Fallrohr in die Tiefe.


Sdravko kletterte zuerst hinunter. Dort waren scheinbar zwei Räume, dahinter eine Sperrholzwand. Plötzlich meinte Sdravko er würde Menschenstimmen hören. Ich beruhigte ihn, das komme doch sicher von draußen und nicht aus den Bunkern. Doch nun konnte ich es plötzlich auch hören. Eine Frauenstimme und dann noch eine Männerstimme brüllten drohend unverständliche Worte auf Spanisch. Ich wurde etwas nervös. Da wohnen bestimmt irgendwelche Obdachlose. Inständig hoffte ich, dass sie nicht plötzlich mit einem Messer oder ähnlichem auf uns losgehen würden. So schnell wie möglich versuchten wir hier raus zu kommen. 


Ich war schon wieder draußen, während Sdravko sich noch mühsam durch die Schießscharte quetschte. Aus der Ferne sah ich zwei Personen im Dunkeln schnellen Schrittes auf uns zukommen. Ich machte mich bereits darauf gefasst, das sie uns nun verprügeln wollen. Es kam aber tatsächlich ganz anders. Zwei junge Hippies - etwa Anfang zwanzig - standen vor uns. Beide voller Piercings. Sie fragten uns freundlich, ob wir denn einen Schlafplatz suchen würden. In der Tat war es Sdravkos Plan diese Nacht hier irgendwo in den Ruinen zu verbringen. Sie erzählten uns, dass sie ursprünglich aus Madrid kommen, aber schon seit Jahren entweder hier in den Bunkern oder sonst irgendwo "auf der Straße" leben würden. Wir waren wirklich sehr erstaunt wie lieb die beiden waren. Sie zeigten uns sogar "ihre" Höhle, in der sie hier leben. Die Gastfreundschaft ging sogar so weit, dass sie uns am Ende unbedingt noch ein Stück Hasch schenken wollten *lach*. 



Wieder einmal neigte sich ein spannender Tag dem Ende zu. Ich fuhr zurück zu Silvana, während sich Sdravko ein Schlafplätzchen in den Ruinen suchte. 


Baobab-Smoothie

Aus den Baobab Früchten von Sdravko machte ich mir heute Morgen übrigens einen leckeren Superfood-Smoothie. Gemeinsam mit Silvana öffnete ich die Frucht, dann entfernten wir die zahlreichen Samen und Fasern. Am Ende mixten wir das Pulver der Frucht mit einer Banane und Milch. Äußerst lecker muss ich sagen! Und auch gesund: Baobab enthält achtmal soviel Vitamin C wie Organen. Daneben sind die Früchte reich an Anitoxidantien, B-Vitaminen, Kalium, Eisen, Aminosäuren und Kalzium. Baobab ist ein Affenbrotbaum, der aus den afrikanischen Savannen stammt. Die Afrikaner nutzen traditionell schon seit Jahrhunderten fast alle Teile des Superfoods zur Herstellung von Arzneimitteln.


Das sind die Baobab (Affenbrotbaum) Früchte


Hier versuchen wir das Pulver von den Samen und Fasern zu trennen.


Hasta luego!

Eure Michi :)





Donnerstag, 28. Januar 2021

Vier Nächte unter freiem Himmel im Anaga-Gebirge

By On Januar 28, 2021

 

Santa Cruz de Tenerife

Die letzten fünf Tage verliefen sehr abenteuerlich. Gemeinsam mit Sdravko wanderte ich entlang der Küste des Anaga-Nationalparks - vom Osten in Richtung Norden und dann in den Westen. Geschlafen haben wir an verschiedenen einsamen Stränden mit Schlafsack und Matte unter dem freien Sternenhimmel. 


1. Tag: Von El Bailadero zum Playa de Ijuana

Wir starteten mit einem Bus von Santa Cruz nach El Bailadero. Die ersten sieben Kilometer wanderten wir die Straße entlang am Gebirgskamm bis Las Bodegas. Ab hier begann der Wanderweg. Da wir nicht unnötig viel Wasser herumschleppen wollten, haben wir uns bereits im Voraus Wasserstellen herausgesucht. Eine davon sollte am Friedhof von Las Bodegas sein. Wir hatten Glück, es gab dort tatsächlich einen Wasserhahn. Leider hat hat Wasser auf den kanarischen Inseln nur selten Trinkwasserqualität. Wir probierten einen Schluck. Es kann ja Einbildung sein, aber irgendwie hatten wir das Gefühl, dass es einen komischen Beigeschmack (nach verwesten Leichen?) hat. Aber uns blieb sowieso nichts anderes übrig. Nur gut, dass ich Wasseraufbereitungstabletten dabei hatte. 

Der weitere Wegverlauf gestaltete sich um Einiges abenteuerlicher als erwartet. Der Ausdruck "Weg" klingt vielleicht sogar zu nobel. Großteils war nämlich gar keiner sichtbar. Zuerst mussten wir einen abschüssigen Gebirgsgrat entlangklettern, was mit unseren großen Rucksäcken gar nicht so einfach war. Die letzten 1,5 Kilometer ging es dann satte 800 Höhenmeter steil bergab. Naja, wenigstens konnten wir uns so sicher sein, dass nicht viele Leute an dem Strand sein werden. 

Genau so war es auch: Wir waren die einzigen am Playa de Ijuana. Da es bereits zu dämmern begann, mussten wir uns schleunen eine geeignete Schlafstelle zu finden. Auch das war schwieriger als erwartet. Der Strand war klein und wir sollten zudem Flut um Ebbe im Auge behalten, um nachts nicht plötzlich davongeschwemmt zu werden. Wir suchten uns eine Stelle möglichst weit weg vom Wasser im schwarzen Sand. Dort bereiteten wir unser Nachtlager vor. Plötzlich donnerten einige gar nicht so kleine Steine von den Klippen neben uns auf den Boden. Beim Blick nach oben, konnten wir ein paar Wildziegen entdecken, die uns wohl zu vertreiben versuchten. Wutentbrannt begann Sdravko die Biester zu verscheuchen. 

Als wir bereits in unseren Schlafsäcken lagen und schon im Halbschlaf waren, mussten wir plötzlich feststellen, dass das Meer gefährlich nahe kam. Unverzüglich packten wir unsere Sachen zusammen. Nun mussten wir im Dunkeln versuchen eine alternative Schlafstelle zu finden. Wir wanderten eine enge Schlucht zurück und ebneten uns dort eine kleine Stelle an. Hier waren wir wenigstens auch sicher vor den Ziegenattacken.
Am Weg zum Playa de Ijuana

Wir fanden leckere Wollmispeln. Es ist wirklich unglaublich: Immer wenn ich mit Sdravko unterwegs bin lerne ich neue essbare Früchte kennen!

2. Tag: Von Playa de Ijuana nach Roque Bermejo

Die Nacht verlief zum Glück ohne weitere Zwischenfälle. Der Sonnenaufgang am Strand war wunderschön. Was waren wir froh unsere Schlafstelle gewechselt zu haben, denn wir sahen nun, dass die Flut so gut wie den gesamten Sandstrand überflutet hatte. Das wäre kein schönes Erwachen gewesen, von einer Riesenwelle erwischt zu werden.

Der Sonnenaufgang am Playa de Ijuana war wunderschön.

Ein paar Minuten später sah der Himmel so aus.

Heute starteten wir in Richtung Roque Bermejo. Zuerst stand uns ein steiler und schwerer Aufstieg bevor - dieselbe Strecke, die wir gestern bergab mussten. Kurz nach Mittag kamen wir an dem kleinen, verträumten Bergdorf Chamorga vorbei. Es leben bloß 50 Personen dort. In einer kleinen Kneipe gönnten wir uns eine Portion Garbanzas (= Kanarischer Kichererbseneintopf mit Fleisch). 

Gut gestärkt ging es nun bergab zum Roque Bermejo, wo wir erstmals ein erfrischendes Bad im Meer nahmen. Hier scheint man tatsächlich am Ende der Welt angekommen zu sein. Es gibt ein paar Häuser, die aber nur zu Fuß oder mit dem Boot erreichbar sind. Wie viele Leute hier genau leben weiß ich nicht, aber mehr als vier recht betagte Personen konnten wir nicht erspähen. Da der Strand voll von Fischinnereien war, beschlossen wir in einer kleinen Schlucht etwas oberhalb zu schlafen. Auch heute statteten uns einige Wildziegen einen Besuch ab. Sie schienen aber etwas friedlicher zu sein, als die von gestern. 

Heute fanden wir jede Menge der "Kanarischen Ashwagandha/ Schlafbeere". Die kleine orangefarbene Frucht schmeckt bitter-süßlich. Die Ashwagandha gehört zu den am häufigsten genutzten Arzneimitteln in der ayurvedischen Medizin. 

Roque Bermejo

3. Tag Von Roque Bermejo nach Playa de Benijo 

Der Morgen startete etwas bewölkt. Wir beschlossen bei den paar Häusern hier um Kaffee zu fragen. Eine nette alte Dame bereitete uns schlussendlich ein leckeres Tässchen davon zu, während ihr Nachbar sich bereits den ersten Viertelliter Rotwein hinunterkippte. Sie gab uns noch ein paar Tipps für unsere weitere Wegstrecke und erklärte uns wo wir Wasser finden konnten.

Zuerst kamen wir am Faro de Anaga (=Leuchtturm) vorbei. Als wir die vermeintliche Wasserstelle erreichten, mussten wir feststellen, dass die Leitung wohl nicht mehr funktionierte. Nun hieß es gut haushalten mit dem letzten Bisschen, das wir hatten. 

Wir durchquerten das Örtchen El Draguillo - hier war ich bereits mit Pedro - und später Benijo. Benijo ist bekannt für seine leckeren Fischrestaurants. Da wir gerade erst zu Mittag gegessen hatten, fragten wir nach einer Portion zum Mitnehmen. Das klappte zum Glück auch. 

Diesmal fanden wir eine geniale Stelle am Stand mit super Aussicht. Der einzige Nachteil war, dass es recht windig war, was im Endeffekt aber auch nicht sonderlich schlimm war. Bei einem wunderschönen Sonnenuntergang verspeiste ich meinen gebratenen Tintenfisch. Das Leben kann so schön sein. 

Roques de Anaga

Die heutige Schlafstelle

Sonnenuntergang am Playa de Benijo

4. Tag: Von Roque Bermejo nach Playa de las Gaviotas

Heute starteten wir in Richtung Taganana, wo wir uns Kaffee und einen kleinen Imbiss gönnten. Da Sdravkos Knie nicht mehr mitmachen wollten, beschlossen wir heute einen gemütlicheren Tag einzulegen. Wir werden zurück nach San Andrés fahren und von dort dann an den Strand Playa de las Gaviotas weiterziehen. Die Busse fahren nur sehr selten, deshalb beschlossen wir es per Autostopp zu versuchen. Leider ohne Erfolg. Vielleicht sahen wir mittlerweile ja doch schon etwas zu verwahrlost aus nach einigen Tagen ohne Dusche und fernab der Zivilisation *lach*. Wir mussten also ein paar Stunden warten bis endlich der Bus ankam. Am Playa des Gaviotas fanden wir dann sogleich eine perfekte Schlafstelle am feinen Sandstrand. 

5. Tag: Von Playa de las Gavitotas zum Playa de las Teresitas

Diese Nacht konnte ich erstmals halbwegs gut schlafen. Der Tag startete wieder etwas bewölkt, aber schon am frühen Vormittag wurden wir mit strahlendem Sonnenschein belohnt. Wir wanderten zum nächsten Strand Playa de las Teresitas. Hier gönnten wir uns ein Frühstück und relaxten im Sonnenschein. Das 20 Grad warme Meerwasser war eine erfrischende Abkühlung zwischendurch. Somit beendeten wir auch vorerst unser Wander-Abenteuer im Anaga-Gebirge. 

Playa de las Teresitas: einer der schönsten Strände Teneriffas

Es war ein ganz besonderes Erlebnis jede Nacht unter dem sternenklaren Himmel zu schlafen - wir fühlten uns fast wie 20-jährige Hippies *lach*. Oder besser gesagt: "Nobel-Hippies", immerhin gönnten wir uns zwischendurch immer wieder ein bisschen Luxus in Form von Kaffee oder leckerem Essen. 

Die nächsten Tag werde ich bei Silvana in Santa Cruz verbringen und ihr bei ihrem Deutsch-Online-Kurs zur Hand gehen. 


Also dann, bis bald!

Eure, Michi :)



Freitag, 22. Januar 2021

Das Palmetum auf Teneriffa

By On Januar 22, 2021


Mittlerweile ist tatsächlich auch Sdravko auf Teneriffa angekommen. Wie ihr euch wahrscheinlich erinnern könnt ist er der Biologe, den ich auf Gran Canaria kennengelernt habe. Mit Sdravko war ich in der Zwischenzeit recht viel unterwegs - zumeist auf der Suche nach seltenen Früchten, welche seine absolute Passion sind. Nun hat er es hinbekommen Kontakt zum Chef des Palmetums herzustellen. Er heißt Carlo Morici, ist ebenfalls Biologe und kommt ursprünglich aus Sardinien. Seine Leidenschaft für exotische Pflanzen hat ihn nach Teneriffa gebracht. 



Das Palmetum in Santa Cruz ist ein weltweit einzigartiges Projekt, das eine Müllhalde in einen botanischen Gärten verwandelt hat. Hier wächst die größte Palmensammlung Europas und eine der besten der Welt. Carlo Morici hat das Projekt von Anfang an begleitet.


Heute hatte Sdravko ein Treffen mit ihm arrangiert und ich durfte mitkommen. So eine einmalige Gelegenheit konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Wir trafen Carlo vor dem Palmetum. Schon auf den ersten Blick konnten wir erkennen, dass der Typ ganz schön verrückt zu sein scheint - im positiven Sinn. Der temperamentvolle Italiener führte uns durch den botanischen Garten und präsentierte uns voller Stolz die seltenen Palmen- und Bananenarten, die er dort anbaut. Sdravko und er waren sogleich auf einer Wellenlänge und fachsimpelten ohne Ende. Davon verstand ich natürlich nicht besonders viel, was aber nicht weiter schlimm war. 


Carlo Morici ganz in seinem Element 


Bananenstaude mit roten Saft


Am Ende lud uns Carlo sogar noch ein seine Finca in San Andrés zu besichtigen. Da waren wir natürlich mit dabei. Leider ist im Moment nicht unbedingt die Saison für Obst, weshalb es nicht viel zum Probieren gab. Die ein oder andere seltene Frucht war dann aber doch dabei. Zudem ganz viele kleine süße Mangos. Für Sdravko war das natürlich ein sehr spannender Tag, aber auch für mich war es super interessant. Ich konnte wieder sehr viel Neues lernen.


Gin Berry

Ich liebe diese kleinen süßen Mangos, obwohl sie ziemlich viele Fasern haben, die gerne zwischen den Zähnen hängen bleiben. 


Die nächsten Tage ist wandern im Anagagebirge geplant. Geschlafen wird im Freien wenn das Wetter mitspielt. Meinen unnötigen Ballast kann ich bei Silvana zwischenlagern. Vielleicht erinnert ihr euch an sie: Ich war bei meinem ersten Teneriffa Aufenthalt bei ihr und wollte ihr bei ihren Deutsch-Online-Kurs zur Hand gehen. Leider kam dann der Corona Lockdown dazwischen. Nun wollen wir nächste Woche einen neuen Versuch starten. 






Mittwoch, 20. Januar 2021

Wieder auf Teneriffa

By On Januar 20, 2021

 

Mit der Fähre nach Teneriffa

Wir machten uns also am Dienstag, dem 12. Januar, auf zum Hafen von Las Palmas. Eigentlich würde die Fähre in Agaete starten, doch dort ist vor ein paar Tagen eine Fähre direkt am Hafen gesunken und konnte bis jetzt nicht weggebracht werden. 


Im Büro des Fährenunternehmens Fred Olsen fragten wir die etwas genervt scheinende Dame genauestens aus, ob wir denn nun wirklich nach Teneriffa einreisen dürfen. Immerhin heißt es laut den Corona Restriktionen, dass Ein- und Ausreise von der Insel im Moment nur in Ausnahmefällen gestattet sei. Scheinbar hatten wir Glück, denn Tourismus fällt unter einen solchen Ausnahmefall. Wir mussten bloß eine Bestätung vorweisen, dass wir auf Teneriffa ein Unterkunft gebucht hatten und noch ein Formular ausfüllen. Im Endeffekt interessierte sich dann aber niemand für diese Dokumente. 


Die Fähre war recht leer. Ein Mitarbeiter ging mit Desinfektionsmittel durch die Reihen und drückte jedem etwas davon auf die Hand. Natürlich mussten wir auch unsere Masken tragen, welche man aber beim Essen und Trinken abnehmen durfte. Alles ganz easy. Nicht ganz so toll war der raue Seegang. Ich hatte tatsächlich Angst, dass ich mich jeden Moment übergeben müsste. Zum Glück war dem nicht so. 


San José de los Llanos - das Ende der Welt

Etwa zwei Stunden später kamen wir am Hafen von Santa Cruz de Tenerife an. Da wir unsere Unterkunft im Südwesten der Insel gebucht hatten, stand uns noch eine lange Busfahrt bevor. Wir mussten feststellen, dass sich das Hostel in einem Kaff am Ende der Welt befindet. Bei der Buchung haben wir eigentlich nur darauf geachtet, dass es günstig und in der Nähe von Wandermöglichkeiten ist. Beide Kriterien wurden hier erfüllt. Unzählige Wanderwege starten direkt vom Dorf aus und wir bezahlten gerade mal 13 Euro pro Person inklusive Frühstück. Der einzige Nachteil war, dass es keine Busverbindung direkt in das Dörfchen gibt - es nennt sich übrigens "San José de los Llanos". Die letzte halbe Stunde mussten wir eine steile Straße bergauf wandern um dort anzukommen. Unsere Gastgeberin empfing uns freundlich. Unsere Frage, ob es denn hier irdendwo ein Lebensmittelgeschäft oder ein Restaurant gäbe, verneinte sie. Ohne ein Auto wäre dies sehr schwierig. Wir waren zudem die einzigen Gäste. Pedro und ich mussten schmunzeln. Immerhin ist es nicht das erste Mal, dass wir an so einem gottverlassenen Ort landen. Da unser Magen knurrte, beschlossen wir trotzdem den Versuch zu wagen hier irgendwo etwas zum Essen zu finden. 


Wir fanden eine Bar, die aber augenscheinlich geschlossen war. Davor standen zwei Männer, welche sich gerade angeregt unterhielten. Wir fragten sie, ob es denn irgendeine Möglichkeit gäbe hier in der Nähe twas Essbares zu bekommen. Wieder lautete die Antwort, dass es ohne Auto schwierig wäre. Es stellte sich heraus, dass einer der beiden der Barbesitzer war. Aufgrund der Corona Maßnahmen darf man auf Teneriffa derzeit in Restaurants nur im Außenbereich sitzen. Da San José de los Llanos auf etwa 1.000m Seehöhe liegt und die Temperatur nach Sonnenuntergang auf den Gefrierpunkt sinkt, will natürlich kein Mensch draußen verweilen. Deshalb braucht der Arme seinen Laden erst gar nicht aufzumachen. Er erklärte sich aber bereit uns eine Flasche Wein zu verkaufen. Der nette Herr bat uns in seine Bar und stellte uns zum "Probieren" erstmals jeweils einen Viertel Liter Rotwein vor die Nase. Und als wäre das nicht genug, stand schon sogleich die zweite "Probierportion" - wieder ein Viertel Liter Rotwein - vor uns. Danach folgte noch eine Probe seines selbstgemachten Likörs. Er schien eine riesige Freude zu haben, mit jemandem plaudern zu können und ließ uns nur schwer wieder gehen. Im Endeffekt gab er uns sogar noch kleine Leckereien wie Kekse, Chips und Schokolade mit. Was für eine schöne Begegnung! So etwas findet man nur in solch abgelegenen Ortschaften wie San José de los Llanos *lach*. Leicht angeheitert ging es zurück in unsere eisig kalte Unterkunft. Die Häuser hier sind grundsätzlich nicht beheizt. Wir machten uns über das überaus "gesunde" Abendessen her ;)


Wanderung in den imposanten Vulkanlandschaften um den Chinyero 

Die Nacht war eigentlich ganz okay, wir hatten zum Glück super warme Bettdecken bekommen. 

Morgenstimmung in San Jose de los Lanos: Blick auf den verschneiten El Teide (3.715m)

Unsere Gastgeberin gab uns den Rat zum Vulkan Chinyero zu wandern. Der Weg führte uns zuerst es durch neblige Pinienwälder. Später kamen wir zum Vulkan Montaña Negra, welcher seinem Namen alle Ehre macht: er besteht aus schwarzem Lavagestein. Ich war wirklich beeindruckt. Es fühlte sich an, als würden wir durch eine Mondlandschaft wandern. Später kamen wir zu dem schwarzen Vulkankegel Chinyero (1.561m), welcher seine letzte Eruption vor etwa 100 Jahren - im Jahr 1909 - hatte. Somit ist er der letzte Vulkan, der auf Teneriffa ausgebrochen ist.  


Der Vulkan Chinyero

Zurück in unser "Kaff" wollten wir eigentlich von Santiago del Teide mit dem Bus, welcher aber aus unerfindlichen Gründen nie ankam. Wir mussten also die letzten Kilometer noch zu Fuß zurücklegen. Insgesamt sind wir heute 25 Kilometer und 1000 Höhenmeter gewandert. Es war ein überaus gelungener Tag. 

Skywalk Los Gigantes - nichts für schwache Nerven

Für den heutigen Donnerstag stand Los Gigantes auf dem Plan. Es handelt sich um einen Ort an der Westküste von Teneriffa. Er ist bekannt durch seine spektakuläre Steilküste. Die Felsen fallen hier bis zu 450 Meter senkrecht ins Meer ab. 


Blick vom Örtchen Los Gigantes auf die spektakuläre Steilküste, welche wir an diesem Tag entlang wanderten. 


Unsere geplante Wanderung stellte sich als ein absolutes Abenteuer heraus. Eine Tour, die sicher nicht für jedermann geeignet ist: der Skywalk von Los Gigantes. Er führt zuerst einen sehr schmalen Steilklippenweg entlang. Höhenangst sollte man hier keinesfalls haben und Trittsicherheit ist Grundvoraussetzung. Wir machten sogar noch einen Abstecher entlang alter Wasserkanäle. Auf Teneriffa gibt es kaum eigenes Grundwasser und keine natürlichen Seen, deshalb ist Wasser hier ein kostbares Gut. Im 19. Jahrhundert wurden deshalb diese Trinkwasserkanäle und auch Trinkwasserstollen gebaut. Damit konnte Wasser über die ganze Insel verteilt werden.


Hier an dem roten Punkt stand ich, als ich das nächste Foto aufnahm: 

Entlang dieser alten Wasserkanäle wanderten Pedro und ich in schwindelnder Höhe.


Einige dieser Trinkwasserstollen können sogar noch begangen werden. Einen davon haben wir heute gefunden. Es handelt sich um einen ein Kilometer langen Tunnel. Es ist aber äußerste Vorsicht geboten, da sich hier bereits Menschen verirrt haben oder durch herabfallende Felsen verletzt wurden. 


Der Eingang zum Stollen, den wir durchquerten.


Als wir den Stollen durchquert hatten, wanderten wir die Schlucht Barranco Mancha de Los Díaz hinab bis zu dem einsamen Strand Playa de Barranco Seco. Die Schluchten hier sind einfach gigantisch. Es scheinen auch immer wieder Menschen an diesen verlassenen Stränden zu wohnen, wir fanden nämlich ein paar ganz nett eingerichtete Höhlen - vom Stil her würde ich auf Hippies tippen. 


Der Strand Playa de Barranco Seco


Über Las Américas nach San Andrés 

Am Freitag war dann unsere Zeit in San José de los Llanos leider schon wieder vorüber. Gestern ist noch eine ältere britische Dame dort angekommen. Sie hat uns mit ihren Stories wirklich imponiert. Die Frau ist seit 10 Jahren am Reisen und erzählte uns von ihren Abenteuern (sie schläft in Höhlen, ist fast nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs,...). Sie ist bestimmt schon über 60 Jahre alt. Bin mal gespannt, ob ich auch einmal so enden werde *lach*.


Heute sollte es nach San Andrés in den Nordosten der Insel gehen - ans andere Ende also. Dort werden wir die letzten Tage von Pedro's Besuch bei mir verbringen. Über AirBnB haben wir uns ein nettes kleines Appartment gebucht. Da die Busfahrt dorthin recht lange ist, machten wir in Las Américas eine kleine Mittagspause. Länger hätten wir es dort auch gar nicht ausgehalten, immerhin handelt es sich dabei um eine der touristischen Ecken Teneriffas. Hässliche Hotelanlagen reihen sich aneinander. Aber zumindest war aufgrund der Corona Pandemie nicht allzu viel los.


Das wunderschöne Anaga-Gebirge

Das Örtchen San Andrés liegt direkt am wunderschönen Sandstrand Las Teresitas - einer der schönsten auf ganz Teneriffa - und in den Vorläufern des Anaga-Gebirges. Das Anaga-Gebirge ist eine Gebirgskette, welche vor sieben bis neun Millionen Jahren durch vulkanische Aktivitäten geformt wurde. Wegen Nebel und Regen ist das Gebiet sehr feucht und für seine saftig grünen Lorbeerwälder bekannt. 


Wir verbrachten die letzten Tage mit eindrücklichen Wanderungen in dieser malerisch schönen Region. Sie führten uns zu einsamen Stränden und imposanten Aussichtspunkten. Wir begegneten nur sehr selten anderen Wanderern. Dafür entdeckten wir viele alte Ruinen und erkletterten den alten Leuchtturm in der Nähe von Igueste. Aber ich denke Bilder sagen mehr als tausend Worte ;)


Blick von La Atalaya hinunter nach Igueste


Barranco de Aguas de San Andres


Taganana 

Ich beim Erklettern des alten Leuchtturms Semaforo de Anaga

Blick in Richtung Roque de Antequera

Playa de Antequera


Mittlerweile hat Pedro mich wieder verlassen. Es ist immer ein eigenartiges Gefühl alleine weiterzureisen, wenn man so lange in Gesellschaft war. Immerhin waren es fünfzehn ganze Tage - fünfzehn unvergesslich schöne Tage! 


Nun freue ich mich aber auch schon wieder auf die Abenteuer des Alleinreisens. 

Hasta luego!


Eure Michi :)




=> Hier findest du alle meine Fotos und Videos von Teneriffa :) <=






Dienstag, 12. Januar 2021

Route Gran Canaria

By On Januar 12, 2021


Zeitraum:

17.12.2020 - 12.01.2021

Route: 

TENERIFFA - El Risco - Agaete - Tamadaba Nationalpark - Puerto de Mogán - Playa Taurito - Playa de Tiritaña - Maspalomas - Veneguera - Playa de Veneguera - Las Palmas - Artenara - Acusa Seca - Barranco del Chorillo - La Aldea - Playa de Tasarte - Playa Los Secos - Puerto de Mogán - Bahía Feliz - Las Palmas - TENERIFFA 

Zeitraum:

10.11.2020 - 12.12.2020

Route:

DEUTSCHLAND - Ingenio - Pico de las Nieves (1.949m) - Roque Nublo (1.813m) - Las Palmas - Playa de Tufia - Playa de Amadores - El Pagador - Playa San Felipe - Playa de Puertillo - Teror - Cruz de Tejeda - La Culata - Tunte - Maspalomas - Fataga - Presa de las Niñas - Los Azulejos - Puerto de Mogán - La Aldea de San Nicolás - El Hornillo - Playa de las Arenas - Barranco de Siberio - Pino Gordo - Mesa del Junquillo - Playa de Güi-Güi - Agaete - TENERIFFA 







Montag, 11. Januar 2021

Die letzten Tage auf Gran Canaria: Im Westen und Süden der Insel

By On Januar 11, 2021

 

Regen ohne Ende

Da der Wetterbericht sehr schlechtes Wetter für die Nacht von Freitag auf Samstag voraussagte, fragten Pedro und ich unsere Gastgeberin Rosella, ob wir noch eine weitere Nacht in ihrem Hostel in Playa de Tasarte bleiben könnten. Wir hatten Pech. Sie erwartete bereits neue Gäste. Also packten wir am Freitag Morgen unsere sieben Sachen. Vormittags schien sogar noch die Sonne. Guten Mutes wanderten wir von Tasarte in Richtung Berge - "Nationalpark Inagua". Da unsere Rucksäcke mit Zelt, Wasser, Essen, usw ziemlich schwer waren, beschlossen wir diese erstmals irgendwo zu verstecken. Dann können wir unbeschwert ein nettes Plätzchen suchen, wo wir später unser Nachtlager aufschlagen. Der Plan war es, das Zelt vielleicht ein paar Tage am selben Platz stehen zu lassen, falls wir etwas Perfektes finden würden. Was heißen soll: in Wassernähe und gut versteckt - immerhin ist das Wildcampen nicht gern gesehen auf den Kanaren. Somit könnten wir dann tagsüber Wanderungen mit weniger Gewicht am Rücken machen. 


Wir waren bloß eine Stunde unterwegs, als es fürchterlich zu regnen begann. Na hoffentlich wurden unsere Rucksäcke in dem Versteck nicht allzu nass. Wir hatten zwar die Regenschutzhülle drangemacht, aber die hält eben auch nicht alles ab. Im Endeffekt verbrachten wir mehrere Stunden mit erfolglosem Suchen. Als wir zurück bei unseren Rucksäcken ankamen, waren diese tatsächlich ziemlich durchnässt. Es scheint so, als hätte es dort noch mehr Niederschlag gegeben. Gran Canaria ist ja bekannt für seine Mikroklima. Am heutigen Tag konnten wir das hautnahe erfahren. Während es im Distrikt "La Aldea" den meisten Tag über in Strömen geregnet hatte, schien im Distrikt "Mogán" tatsächlich zumeist die Sonne. Die Grenze der zwei Distrikte ist durch eine kleine Mauer gekennzeichent. Geht man hier von einer Seite auf die andere, ist es so, also würde man eine andere Welt betreten: von Starkregen und Sturm in Sonnenschein. Leider waren unsere Rucksäcke auf der verregneten Seite. 


Der Tag neigte sich bereits dem Ende zu und wir mussten uns schleunen, um das Zelt noch bei Tageslicht aufstellen zu können. Im Endeffekt schlugen wir es dann irgendwo zwischen Tasarte und Veneguera auf - natürlich im Distrikt Mogán ;)


Barranco del Mulato 

Die Nacht im Zelt zog sich unendlich in die Länge. Wir hatten nur sehr wenig geschlafen. Es wehte ein fürchterlicher Wind und es regnete zwischendurch immer wieder in Strömen. Das einzig Gute war, dass der starke Wind das nasse Zelt recht schnell trocknete und somit die Nässe nicht bis zu uns durchdrang. 

Ein verregneter Morgen: Pedro beim Zusammenpacken unserer sieben Sachen

Nachdem wir alles zusammengepackt hatten, wanderten wir nach Veneguera und gönnten uns dort erstmals ein Frühstück. In dem kleinen Supermarkt deckten wir uns mit Lebensmitteln für die nächsten Tage ein. Wir wussten noch nicht genau wohin wir heute sollten, also wanderten wir planlos in Richtung Mogán los. Der Sturm der letzten Nacht hatte auf der ganzen Insel mehrere Erdrutsche verursacht. Zudem hat es in den Bergen scheinbar ordentlich geschneit. Da wir nicht wirklich winterfest unterwegs sind, beschlossen wir nicht allzu hoch zu wandern. 

Durch den Regen der letzten Tage kommen nun zahlreiche Wasserfälle die steilen Felswände herab

Als wir an der Straße nach Ayacata vorbeikamen sahen wir, dass diese aufgrund eines Erdrutsches gesperrt ist. Das war für natürlich perfekt für uns. Wir wanderten die nun autofreie, steile Bergstraße hinauf. Durch den Regen der letzten Tage waren die Flüsse gut mit Wasser gefüllt und wir gönnten uns ein erfrischendes Bad bei strahlendem Sonnenschein. Unsere letzte Dusche ist immerhin auch schon zwei Tage aus. 

Hier gönnten wir uns unser langersehntes Bad ;)

Bereits am frühen Nachmittag konnten wir einen perfekten Zeltplatz finden: Nicht allzu weit von der Straße entfernt und direkt am Fluss. Nachdem wir unser Nachtlager vorbereitet hatten, begannen wir dann ohne Gepäck eine abenteuerliche Schlucht bergauf zu klettern. 

Unser Nachtlager

Am Abend kochen wir uns leckere Instant-Nudelsuppe über dem Lagerfeuer ;) Als die Sonne weg war wurde es dann eisig kalt. 

Weiter in das sonnige Bahía Feliz

Die Nacht war nicht nur eisig kalt, sondern auch von starkem Dauerregen geprägt. Diesmal ohne Wind. Das hatte den Nachteil, dass es die Nässe irgendwann durch unser Zelt durchdrückte. Mit einem nassen Zelt weiter campen zu gehen, machte keinen Sinn. Zudem sollte es in den Bergen auch die nächsten Tage noch weiter regnen. 

Pedro und ich beschlossen eine Unterkunft im sonnigen Süden der Insel zu buchen - in Bahía Feliz. Wir wanderten nach Mogán und nahmen von dort aus einen Bus. Beim Umsteigen in Puerto de Mogán, beschlossen wir etwas zu Mittag zu essen. Wie es der Zufall so will, trafen wir dort tatsächlich Josh. Der Schotte war mit mir im selben Hostel, als ich vor einigen Tagen schon einmal hier war. Er begleitete uns zum Mittagessen und wir hatte noch ein paar ganz nette Gepräche. 

In Bahía Feliz angekommen, staunten Pedro und ich nicht schlecht - unsere Unterkunft war ganz schön nobel. Es ist eine wunderschöne Aparthotelanlage mit Pool. In nur fünf Gehminuten ist man auch schon am wunderschönen Strand. Das haben wir uns nach dem Trubel der letzten Tagen wirklich verdient! Aufgrund der Corona-Krise, waren wir fast die einzigen Gäste. 

Wohlverdient!

Spontan beschlossen wir noch eine weitere Nacht in der tollen Unterkunft zu bleiben. Am Montag spazierten wir die Küste entlang und gönnten uns leckere Meeresfrüchte zum Abendessen. 

Es gab leckeren Oktopus zum Abendessen


Sonnenuntergang am Strand von Bahía Feliz

Morgen wollen wir dann versuchen nach Teneriffa zu kommen. Es ist noch nicht ganz sicher, ob das Vorhaben gelingt. Immerhin sind die Corona-Zahlen dort um Einiges höher. Deswegen gibt es strengere Restriktionen. Es ist aber schwer eine vertrauenswürdige Quelle zu finden, ob man als Tourist nun einreisen darf oder nicht. Die einen sagen, es geht keinesfalls, die anderen meinen wieder es sollte möglich sein. Wir werden auf alle Fälle morgen zum Hafen in Las Palmas fahren und dann einfach bei der Fähre direkt nachfragen, ob sie uns mitnehmen oder nicht. 


Also dann, hasta luego!

Eure Michi :)



Donnerstag, 7. Januar 2021

Das Höhlendorf Acusa Seca und Playa de Tasarte

By On Januar 07, 2021

 

Nun ist es wieder einmal Zeit für ein kleines Update der letzten Tage. Wie ich euch bereits erzählt habe, ist am Sonntag Abend Pedro angekommen. Er wird mich für zwei Wochen auf Gran Canaria begleiten. Die erste Nacht verbrachten wir in einer Unterkunft in Las Palmas


Wanderung von Artenara nach Barranco del Corillo

Am Montag Vormittag starteten wir mit dem öffentlichen Bus in Richtung Artenara - ein kleines Bergdorf im Inselzentrum. Obwohl Gran Canaria nicht sonderlich groß ist, waren wir über zwei Stunden unterwegs - inklusve einmal umsteigen. 

In Artenara angekommen war es dann auch schon Mittag und unser Magen knurrte. In dem kleinen Restaurant dort bekamen wir eine überirdisch große Portion Fleisch vorgesetzt, woraufhin wir dann auch bis zum Abend mehr als satt waren. 

Mit jeweils etwa 18 kg am Rücken starteten wir die Wanderung. 

Wir starteten einen Wanderweg in Richtung Südwesten. Die Strecke bis zu dem Höhlendorf Acusa Seca war super schön. Der Weg führte durch Pinienwälder mit einer grandiosen Aussicht auf das umliegende schroffe Gebirge und die tiefen Schluchten. In Acusa Seca sind noch einige wenige Höhlenwohnungen bewohnt. Die meisten scheinen aber schon jahrelange - oder sogar jahrzehntelang - leer zu stehen. Es war spannend ein bisschen herumzuklettern und diese zu erkundschaften. 

Eine bewohnte Höhlenwohnung in Acusa Seca

Unser Ziel für morgen sollte der Mesa del Junquillo sein. Vielleicht kann sich der ein oder andere daran erinnern, dass ich dort schon einmal mit Sdravko hinwollte. Das ist der Berg auf dem Johannes vor vielen Jahren scheinbar menschliche Skelette gefunden hatte. Seitdem lässt mir das Ganze keine Ruhe mehr. So etwas wäre mal ein richtiges Abenteuer. 

Als wir an Acusa Seca vorbei waren, mussten wir eine Bergstraße entlang wandern. Das war halb so schlimm, weil diese fast nicht befahren ist. Es kamen vielleicht vier Autos in drei Stunden an uns vorbei. Gegen 16 Uhr begannen wir uns schön langsam nach einem Nachtlager umzusehen. Wir bogen in ein Seitental bzw eher eine Schlucht ab - Barranco del Chorrillo - wo wir dann auch recht schnell ein perfektes Plätzchen für unser Zelt finden konnten. Im ausgetrockneten Flussbett war es sogar möglich ein kleines Lagerfeuer machen. Was uns bloß ein wenig stresste war eine Unwetterwarnung, die Starkregen und Sturm voraussagte. Die Schluchten können sich hier bei starkem Regen schnell mit Wasser füllen, was gefährlich werden kann. Wir beschlossen das Zelt einige Meter oberhalb des Flussbettes aufzustellen. Zu unserem großen Glück war die Nacht bis auf einen anfänglichen starken Wind total ruhig und sternenklar. 

Unser Nachtlager



Weiter nach Playa de Tasarte

Der Dienstag Morgen startete bereits mit strahlendem Sonnenschein. Was für ein Glück! Leider sollte es laut Wetterbericht am späten Nachmittag/ Abend stark zu regnen beginnen. Wir waren uns sehr unsicher, ob das mit dem Mesa del Junquillo eine gute Idee sein würde. Die Besteigung ist nämlich eine ordentliche Kletterei und nur möglich wenn der Fels absolut trocken ist. Falls uns plötzlich Regen überrascht wäre das sehr, sehr schlecht und gefährlich. Da die nächsten Tage das regnerische Wetter überwiegen sollte, entschieden wir uns dann vernünftigerweise dagegen. Diese Besteigung des Mesa del Junquillo scheint einfach nicht klappen zu wollen. Aber wer weiß, vielleicht ist das auch aus irgendeinem Grund gut so. 

Der nächste Morgen startete mit strahlendem Sonnenschein. Hier: Presa del Parralillo

Unser Plan war es für die kommenden drei Nächte eine Unterkunft zu buchen und zu hoffen, dass das Wetter dann besser wird. Wir entschieden uns für ein kleines Dorf am Strand Playa de Tasarte. Um dorthin zu kommen mussten wir erstmals nach La Aldea wandern. Es ging durch das Barranco de Tejeda, welches wirklich eindrücklich ist. Einen Teil des Weges kannte ich schon von vorher als ich noch in La Aldea auf der Finca von Johannes war. 

Von La Aldea aus nahmen wir dann den Bus nach Tasarte. Nun standen uns immer noch knapp 10 Kilometer zu Fuß bevor bis zum Playa del Tasarte. Schön langsam machten sich unsere Beine und der Rücken bemerkbar. Immerhin schleppten wir beide einen etwa 18 Kilogramm schweren Rucksack durch die Gegend. Zum Glück ging es nur noch bergab. 
Zu allem Überfluss überraschte uns dann auch noch starker Regen. Die Adressangabe unserer Unterkunft schien zudem nicht zu stimmen. Wir waren echt schon der Verzweiflung nahe. Etwa 25 Kilometer hatten wir heute schon zurückgelegt. Was waren wir froh, als wir dann plötzlich ein kleines Fischrestaurant am Strand fanden. Dort stärkten wir uns erstmal ordentlich. Ich muss sagen, dass das wirklich das beste Fischgericht war, seit ich auf der Insel bin. 

Gegrillter Tintenfisch :)

Die Leute vor Ort halfen uns dann noch unsere Unterkunft zu finden. Wir wurden sogar mit dem Auto bis vor die Tür unseres Hostels gebracht. Schon bei der Ankunft mussten wir feststellen, dass es hier absolut familiär und herzlich zuging - in Kombination mit einer ordentlichen Prise Verrücktheit ;)

Playa de Los Secos

Das Wetter gestern startete bewölkt mit leichtem Nieselregen. Wir packten unseren kleinen Rucksack, nahmen Regenbekleidung mit und machten uns auf zu einer kleinen Erkundungstour. Zuerst zu Strand. Dann versuchten wir die Klippen in Richtung Süden zu erklimmen. Zu unserer Überraschung fanden wir sogar einen kleinen Weg. Er war etwas anspruchsvoll und man sollte keinesfalls Höhenangst haben, es geht nämlich die Klippen in Richtung Meer sehr steil hinab. Unten donnern riesige Wellen gegen die Felsen. 
Entlang dieser steilen Küste führte unser Weg



Da das Wetter stabiler wirkte konnten wir die Wanderung fortsetzen bis zu einem einsamen Strand. Es handelte sich um den Playa Los Secos. Er ist bedeckt von feinkörnigem, schwarzem Vulkansand. Niemand war hier außer uns. Trotz der Wolken, war es relativ warm, deshalb wagten wir uns auch sogar in die Fluten. 

Playa de los Secos

Sonnenuntergang am Playa de Tasarte

Zurück mussten wir demselben Weg folgen, welchen wir gekommen waren. Wir wollten unbedingt wieder in dem leckeren Fischrestaurant an unserem Strand essen. Leider haben wir vergessen, dass der 6. Januar Feiertag ist. An diesem Tag hat scheinbar so gut wie alles auf der Insel geschlossen. Im Endeffekt war das halb so schlimm, da uns Rosella - die Gastgeberin unserer Unterkunft - ein leckeres Abendessen zauberte. Für sechs Euro inklusive Getränk und Nachschlag war das gar nicht so schlecht. Auch das Frühstück für zwei bis drei Euro (je nachdem was man haben möchte) ist preislich absolut okay. Man bekommt auch immer soviel Nachschlag wie man möchte. 

Die nächsten Tage....

Was wir die nächsten machen werden ist noch nicht ganz klar. Eine Nacht bleiben wir auf alle Fälle noch hier, dann würden wir gerne wieder mit dem Zelt weiter ziehen. Hoffentlich macht uns das Wetter keinen Strich durch die Rechnung!



Hasta luego!

Eure Michi :)





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