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Samstag, 7. März 2020

Indische Mönche und spirituelle Lehrer


Ich genieße meine Tage hier in Rishikesh mit jeder Menge Yoga und ausgiebigen Spaziergängen durch die quirligen Straßen und entlang des Ganges. 

Internationales Yoga Festival in Rishikesh

Gestern Abend spazierte ich gemeinsam mit dem Engländer Dominik am Fluss entlang. Dabei stießen wir mehr oder weniger unabsichtlich auf eine Veranstaltung des internationalen Yoga Festivals. Ein ziemlicher Menschenauflauf, wie man sich vorstellen kann. Es gab eine Feuerzeremonie, bei der gesungen und getanzt wurde. Der Höhepunkt war das Eintreffen des Gurus Pujya Swamiji. Auf alle Fälle ein sehr eindrückliches Event.

Internationales Yoga Festival in Rishikesh

Guru Pujya Swamiji

In Hindu Tempeln sind Schuhe verboten


Sadhus - die indischen Mönche

Rund um den berühmten Parmarth Niketan Tempel tummeln sich jede Menge Sadhus (zu deutsch: Heiliger Mann). Sadhu ist im Hinduismus der Oberbegriff für jene, die sich einem religiösen, teilweise streng asketischem Leben verschrieben haben. 

Die Sadhus, die man hier sieht, sind großteils mit schmutzigen orangefarbenen Tüchern bekleidet und tragen meist keine Schuhe. Ihre langen Dreadlocks fallen ihnen ins Gesicht oder sind in einem Turban versteckt. So sitzen sie am Straßenrand und betteln. Sadhus haben so gut wie keinen Besitz und leben von dem, was sie an Spenden erhalten. Zu Ehren des Gottes Shiva kiffen sie den lieben langen Tag. Da es sich dabei um eine religiöse Praxis handelt, ist ihnen das auch erlaubt, wobei es allen anderen gesetzlich verboten ist. 

Sadhus auf den Straßen Rishikeshs hoffen auf Spenden


Der spirituelle Lehrer und Guru "Mooji"

Ich muss gestehen, dass ich von dem Guru Mooji noch nie zuvor etwas gehört habe - bis ich dann nach Rishikesh kam. Hier ist sein Name in aller Munde. Er ist ein weltbekannter spiritueller Lehrer aus Jamaica, der im Alter von 16 Jahren nach London zog. Mooji ist im Moment gerade hier in der Stadt und hält fast ein ganzes Monat lang in einem Ashram einen täglichen, morgendlichen Satsang. Damit ist das Zusammentreffen mit einem spirituellen Lehrer gemeint, der als "erleuchtet" gilt. Während des Satsangs können die Gäste Fragen stellen, auf die der Lehrer dann antwortet.

Werbeplakat für Mooji. Leider war das Fotografieren beim Satsang verboten, also konnte ich keine Fotos machen. 

Viele Leute, die ich hier kennengelernt habe, sind total begeistert von ihm. Der Eintritt zum Satsang ist frei und basiert lediglich auf Spendenbasis. Gemeinsam mit Dominik beschloss ich, dass wir uns das nicht entgehen lassen können. Wir spazierten knapp eineinhalb Stunden in Richtung Rishikesh Zentrum, bis wir den besagten Ashram erreichten. Eine große Menschenmenge war bereits versammelt. Freiwilligenarbeiter hielten Schilder in den Händen, auf denen Worte wie "Stille bitte" und "Handyverbot" geschrieben waren. Wir sollten also nicht sprechen und durften keine Fotos machen. Die Handys mussten ausgeschaltet sein. Danach erfolgte eine Taschenkontrolle. Ein ziemlicher Aufwand wegen eines solchen Gurus. Die Halle füllte sich mit hunderten Menschen. Viele davon bekleidet mit weißen Leinengewändern. Wir warteten gut eineinhalb Stunden bis Mooji endlich die Halle betrat. Die Reaktion der Leute fand ich etwas schauderlich. Sie behandelten ihn wie den Papst oder sogar einen Gott. Einige fielen vor ihm auf die Knie während andere in Tränen ausbrachen. Sie verbeugten sich vor ihm und versuchten ihn anzufassen. Es schien jeder mit Anzeichen von unauthentischer Euphorie und Freude zu lachen, während der Mooji versuchte, so auszusehen, als wäre er in unendlicher Glückseligkeit. Beim Satsang selbst konnte man ihm nun Fragen stellen - vorausgesetzt man hatte das Glück, an die Reihe zu kommen. Es waren zig Hände in der Höhe, die alle lebensverändernde Antworten erhofften. Viele der Gäste schafften es kaum ihre Fragen zu formulieren, da sie immer wieder in Tränen ausbrachen. Erschreckend wie sie diesen Mann vergöttern. Teilweise wirkte es als wären sie regelrecht einer Gehirnwäsche unterzogen worden. Ich muss natürlich auch sagen, dass einige der Antworten von Mooji tatsächlich sehr eindrücklich und von viel Weisheit geprägt waren. Andere wiederum waren für mich persönlich nicht zufriedenstellend, da er sich ständig wiederholte bzw die Fragen geschickt umging. Das war den Leuten, die ihn grenzenlos anhimmelten, natürlich völlig egal. Jedes Wort, das über seine Lippen kam war für sie pure Wahrheit. Schlussfolgerung gesagt erinnerte mich das ganze Event eher an eine sektenhafte Veranstaltung. Nichtsdestotrotz eine spannende Erfahrung!

Der heutige Sonnenuntergang am Ganges

Namaste




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