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Sonntag, 26. Januar 2020

Munnar - Tee so weit das Auge reicht

By On Januar 26, 2020

Chaos am Busbahnhof von Alappuzha 

Vorgestern Vormittag ging es dann also endlich weiter - raus aus diesem Moskitonest. Ich packte meine sieben Sachen und machte mich auf zum Busbahnhof von Alappuzha. Um 10:30 Uhr sollte ein Direktbus nach Munnar abfahren. Es war ein wildes Chaos dort. Einen Fahrplan konnte ich nirgendwo finden, also fragte ich mich durch die Menge, wo und wann denn genau der Bus abfahren würde. Je mehr Leute ich befragte, desto mehr verschiedene Antworten bekam ich. Aber ich habe da schon meine Taktik: Ich befrage einfach so viele Menschen bis eine der Antworten eindeutig überwiegt und auf diese verlasse ich mich dann. Gegen elf Uhr saß ich endlich im richtigen Bus. Er war recht rustikal, ohne Fensterscheiben und ohne Türen. Das war aber wiederum ganz angenehm, da so der Fahrtwind ordentlich durch den ganzen Bus ziehen konnte, was bei der Hitze unendlich gut tat. Die Fahrt nach Munnar kostete 171 INR und dauerte etwa 5,5 Stunden. 

Munnar - ein idyllischer Ort inmitten von Teeplantagen

Ich war nun wirklich froh, der Hitze entflohen zu sein. In Munnar herrscht ein recht angenehmes Klima. Tagsüber hat es so um die 26 Grad und nachts frische 13 Grad - herrlich! Der Ort liegt auf 1500 m Seehöhe und ist bekannt für seine Teeplantagen. Ja, hier wächst tatsächlich Tee so weit das Auge reicht. Munnar ist zudem umgeben von saftig grünen Hügeln, Flüssen, Wasserfällen und vielen kleinen Bergdörfern - ein richtig idyllisches Fleckchen hier. Der Ort selber ist zwar nicht so schön, aber es gibt Unmengen an Unterkünften in den umliegenden Dörfern. Ich habe mich dazu entschlossen mir ein günstiges Hotel im Vorort Old Munnar zu nehmen, da ich kein eigenes Gefährt habe und somit recht zentral liege. 

Wandern in Munnar ohne Guide

Als ich in der Touristeninformation nach einer Wanderkarte fragte, erhielt ich zur Antwort, dass dies ohne geführte Tour nicht möglich sei - warum auch immer. Ich hatte keine Lust lange zu diskutieren und bedankte mich freundlich für die Info. Dann startete ich gestern Vormittag auf eigene Faust meine erste Wanderung. Es war alles völlig problemlos. Es gibt hier Wanderwege ohne Ende. Sie sind zwar nicht als solche ausgeschildert, aber mit einer guten Online-Landkarte ist das überhaupt kein Problem. Da die Teeplantagen in privatem Besitz sind, sollte man diese ohne Genehmigung jedoch nicht durchqueren - aber gut, solange sich niemand beschwert ist es bestimmt kein Problem. In meinem Fall begegnete ich bloß sehr freundlichen Einheimischen, die mich freundlich anlächelten und sofern sie ein paar Brocken Englisch konnten sofort Smalltalk mit mir begannen. 

Saftig grüne Teeplantagen soweit das Auge reicht in Munnar

& noch mehr Tee

Kinder in einem Bergdorf

Da ich es sehr genieße endlich wieder etwas aktiver sein zu können, startete ich nach dem gestrigen Wandertag heute gleich noch einen. Ich  fand diesmal einen recht schmalen Pfad, dem ich stundenlang folgte. Und das hat sich eindeutig ausgezahlt. Die Gegend war atemberaubend schön und die abgelegenen Bergdörfer einfach malerisch. Zudem faszinierte mich die farbenprächtige Vogelwelt. Leider bekam ich keinen vor die Linse, da ich bloß mit dem Handy, das keine gute Zoom-Funktion hat, fotografiere. Die Einheimischen schienen sich recht zu wundern, dass sich ein Tourist hierher verirrt. Sie waren mir aber alle äußerst freundlich gesinnt und winkten mir zu oder begannen mit mir zu sprechen - meist jedoch in ihrer Landessprache Malayalam. Interessanterweise fragten mich fast alle Männer, die ein paar Brocken Englisch konnten, immer gleich als erste oder zweite Frage ob ich Single wäre *lach*. Natürlich gab ich vor verheiratet zu sein. 


ein Tempel in einem Bergdorf


Fast wie zu Hause *lach*

"Autsch" - diese Klett-Stacheln haben sich in meiner Hose verfangen. War gar nicht so leicht das Zeugs wieder raus zu bekommen!

An diesem traumhaften Plätzchen legte ich eine kleine Mittagspause ein. 

Morgen geht es wieder in wärmere Gefielde. Ich habe einen Couchsurfing Gastgeber in der Nähe des Vogelschutzgebietes Thattekad - nicht unweit der Stadt Kothamangalam - gefunden. Er wohnt dort mitten in der Wildnis, was sich ganz spannend anhört. Die Busfahrt dahin sollte zum Glück nur 2-3 Stunden dauern. 

Namaste :)




=> Hier findest du mehr Fotos zu Munnar <=







Donnerstag, 23. Januar 2020

Bootstour auf den Backwaters

By On Januar 23, 2020

Wie schon befürchtet wurde es eine recht schlaflose Nacht: die Moskitos attackierten mich die halbe Nacht, es war schweißtreibend heiß und die Matratze bescherte mir fürchterliche Kreuzschmerzen. Letztendlich platzierte ich sie am Boden. Das machte die Situation ein wenig erträglicher, denn in dem halbkaputten Bettgestell war es eine Katastrophe. 

Der Plan für heute war es die Backwaters auf einem Boot zu erkunden. Ich hatte die Wahl zwischen einer geführten Touristentour auf einem Kanu mit etwa zwölf weiteren Personen oder einem lokalen Boot, das etwa Platz für fünfzig Leute hat und zu den einzelnen Dörfern an den Backwaters fährt. Wie ihr euch bestimmt vorstellen könnt, entschied ich mich für das lokale Boot. Ich bin ja überhaupt kein Fan von diesen Touristentouren. Zudem war die lokale Variante um einiges günstiger, ich bezahlte 120 INR (= 1,50 Euro) für über drei Stunden Bootsfahrt. Es war super entspannend und der leichte Fahrtwind machte die Hitze erträglicher. 

Hausboote auf den Backwaters


Viele kleine Dörfer sind an den Backwaters angesiedelt


Am Nachmittag besuchte ich den Strand von Alappuzha. Ich war jedoch etwas enttäuscht, als ich ihn sah. Er war menschenleer und das Wasser schien nicht besonders sauber. Die Hitze hier war zudem fast unerträglich. Am liebsten wäre ich trotz des ganzen Mülls einfach hineingesprungen, aber dann hätte ich dies wohl mitsamt meinen Klamotten machen müssen. Mit dem Bikini würde man hier in Indien zu viel unerwünschte Aufmerksamkeit erregen - zumindest in der Gegend, wo ich gerade bin. Ich entschied mich also dagegen und startete die fast aussichtslose Suche nach einem Café, in dem ich mir etwas Kühles zu trinken bestellen konnte. Letztendlich fand ich zum Glück noch ein ganz passabel aussehendes Strandrestaurant.

Am Abend meldete sich Jibu bei mir und fragte, ob wir gemeinsam zu Abend essen gehen. Ich hatte jedoch weiterhin das Gefühl, dass er über meine Absage zu seiner Massage noch nicht ganz hinweg war. Er zeigte sich äußerst wortkarg und verabschiedete sich nach dem Essen auch gleich wieder. Ich beschloss heute, dass es morgen für mich weiter nach Munnar gehen sollte. Das ist ein kleines Bergdorf inmitten von Teeplantagen, etwa 5-6 Fahrstunden von Alappuzha entfernt. Dort hat es dann auch wieder ein angenehmeres Klima. 


Mittwoch, 22. Januar 2020

Erste Zugfahrt in Indien: von Kochi nach Alappuzha

By On Januar 22, 2020

Nächtliche Streetfood Tour in Kochi

Da gestern mein letzter Abend bei Sidharth war, schlug er vor, dass wir etwas trinken gehen könnten. Das hörte sich gut an. Zu dritt - Sidharth, die holländische Couchsurferin und ich - zogen wir los. Mit dem Auto. Das hielt Sidharth aber keineswegs davon ab zu trinken - und das obwohl er Anwalt ist. Aber anscheinend ist das hier überhaupt kein Problem, betonte er. Ich muss aber anmerken, dass er "nur" zwei Bier getrunken hat. 
Wir verbrachten einen äußerst lustigen Abend in einer - für meinen Geschmack - ziemlich noblen Bar. Als wir Sidharth fragten, warum wir denn nicht ein "einfacheres" Lokal gehen, erklärte er uns, dass es dort für Touristinnen nicht sehr gemütlich sei, da man ununterbrochen angestarrt und angesprochen wird. Naja, dafür fühlten die Holländerin und ich uns hier in der Bar etwas fehl am Platz. Das Klientel erschien ziemlich aufgetackelt mit Anzug und schönen Kleidern. Und wir saßen da mit unseren Schlabberhosen.
Als wir dann Hunger bekamen, beschlossen wir nach Straßenständen zu suchen, die um diese Zeit noch offen hatten. Es wurde eine lustige Fahrt, quer durch die Stadt. Wir konnten noch so einiges finden. Ich probierte beispielsweise mein erstes Porotha, welches sofort eines meiner Lieblingsgerichte wurde. 

Meine erste Zugfahrt in Indien

Am späten Vormittag startete ich heute meine Weiterreise nach Alappuzha - auch Alleppey genannt. Es sollte mit dem Zug dorthin gehen. Das indische Bahnnetz ist das drittgrößte der Welt und es gibt etwa 7.000 Bahnhöfe. Die Bahn ist also eine ziemlich beliebte Fortbewegungsart. Für längere Zugfahrten muss man schon viele Tage im Voraus buchen, um noch ein Ticket zu ergattern. In meinem Fall reichte es aber einfach zum Bahnhof zu gehen und dort eins zu kaufen. Für eine 3-stündige Fahrt zahlte ich lächerliche 35 Rupies (= 44 Cent bzw 47 Schweizer Rappen). Wie ihr seht, ist der Zug hier unglaublich günstig - ganz im Gegensatz zu Daheim *lach*. Natürlich ist der Komfort auch ein anderer. Ich fand es aber ganz okay. Zum Glück waren nicht allzu viele Leute im Waggon, ich hatte also ausreichend Platz für mich. Die Fenster waren offen, aber vergittert. Somit wehte ein herrlich erfrischender Wind durch den Zug - es hatte immerhin 35 Grad Celsius. Auch die Zugtüren nach außen blieben offen. Teilweise fuhr der Zug so langsam, dass Leute während der Fahrt aus- und zusteigen konnten. 


In Alappuzha angekommen, wartete bereits mein Couchsurfing Gastgeber Jibu auf mich. Er brachte mich mit seinem Motorrad in meine Unterkunft für die nächsten Tage. Diese war zu meiner Verwunderung nicht bei ihm zu Hause. Er hatte eine eigene kleine Hütte für Couchsurfer. Das war doch auch mal ganz schön. Es gab aber auch ein paar Nachteile: Es schwirrten Unmengen von Moskitos dort herum und ich wurde nonstop gestochen. Mein Insektenschutz wirkte nur maximal eine Stunde, dann hatte ich wieder alles rausgeschwitzt. Es gibt zwar nicht allzu viel Malaria in dieser Gegend, dafür aber Dengue - was auch nicht besonders angenehm ist. Obendrein war gerade Stromausfall, was mein Schwitzen noch verstärkte. Die hohen Temperaturen machen mir tatsächlich ordentlich zu schaffen. Ach, und dann ist da noch das Bett - falls man es so nennen kann: ein rostiges, halb kaputtes Bettgestell mit einer dünnen Matratze, die dermaßen ausgebeult ist, dass ich mir unmöglich vorstellen kann, darin zu schlafen. Aber mal sehen. 

Die Backwaters von Allappuzha 

Am späteren Nachmittag lud mich Jibu auf eine Motorradfahrt zu den Backwaters ein. Es handelt sich hierbei um ein verzweigtes Wasserstraßennetz. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, die Gegend ist einfach wunderschön: Palmwälder, saftiges Grün, Reisfelder, farbenfrohe Vogelarten und atemberaubende Wasserlandschaften. 





Am Abend war ich mit Jibu in einem lokalen Straßenrestaurant etwas essen. Für unglaubliche 50 Rupies (=63 Cent) bekommt man hier ein ordentliches Hauptgericht, das noch dazu sehr lecker ist. 

Jibu begleitete mich zurück in meine Hütte. Dann bot er mir tatsächlich noch eine Ayurveda Massage an - er macht dies wohl auch beruflich. Da er mir vorher bereits recht prahlerisch berichtet hat, wie viele Couchsurferinnen er schon rumbekommen hatte, lehnte ich dankend ab. Sein männliches Ego schien nun etwas angekratzt, er verabschiedete sich bloß mit einem recht kalten "Gute Nacht". Man kann nicht abstreiten, dass es auf Couchsurfing immer wieder Männer und natürlich auch Frauen gibt, die diese Webseite hauptsächlich als Dating Plattform nutzen - leider! Nichtsdestotrotz gibt es aber auch genug Leute dort, die absolut nicht so sind. Wichtig ist seinen Gastgebern klare Grenzen aufzuzeigen - besonders hier in Indien, wo das ganze ja doch recht männerdominiert ist. Meine Erfahrungen waren aber wirklich durchwegs positiv. 

Nun hoffe ich, dass ich diese Nacht irgendwie schlafen kann. Zum Glück funktioniert wenigstens der Strom wieder, das heißt nämlich, dass auch der Ventilator wieder läuft. Bloß diese Matratze und die Moskitos geben mir zu bedenken. 



Dienstag, 21. Januar 2020

Ab in die Hitze - Willkommen in Kochi

By On Januar 21, 2020

Der gestrige Flug nach Kochi verlief ohne jegliche Zwischenfälle. Mein neuer Gastgeber Sidharth erklärte mir genauestens wie ich am besten vom Flughafen zu ihm nach Hause finde. Ich machte mich also auf die Suche nach der Metro (U-Bahn) Station. Dort wurde ich von der Dame am Ticketschalter gleich mit einem breiten Grinsen begrüßt. Ebenso freundlich war die junge Sicherheitsbeamtin, die meine Tasche kontrollierte. In Delhi hatte ich das Gefühl, dass die Leute eher kalt wirkten. Selten kam ein Lächeln über ihre Lippen. Also ich muss sagen, der Süden Indiens gefällt mir auf Anhieb. Bloß die schweißtreibenden Temperaturen machen mir sehr zu schaffen. Selbst am Abend um 20 Uhr hatte es noch Temperaturen von knapp 30 Grad Celsius. 

Sidharth holte mich von der Metrostation ab. Er ist Anwalt (scheinbar gibt es recht viele Anwälte auf Couchsurfing in Indien *lach*) und hat ein riesiges Haus für sich. Im Moment beherbergt er noch eine weitere Couchsurferin. Sie ist aus Holland. Ich habe den gesamten untersten Stock seines Hauses für mich alleine. Wow, was für ein Luxus. Wir saßen bei einer Tasse Tee zusammen und quatschten. Nachdem wir uns noch einen mittelprächtigen Horrorfilm reingezogen haben, ging es dann für mich aber ab in die Federn. 

Meine heutige Mission war es Fort Kochi zu erkundschaften. Das ist ein charmanter Stadtteil von Kochi, der auf einer Art Halbinsel liegt. Ich glaube die Fotos sprechen für sich ;)



Mit einer Vespa lässt sich die Halbinsel am besten erkundschaften. Vor allem der Gegenwind tut bei den schweißtreibenden Temperaturen äußerst gut. 

Der Strand von Fort Kochi. 

Frische Kokosnuss - Ich liebe es :)

Chinesisch Fischen

Sonnenuntergang in Fort Kochi















Montag, 20. Januar 2020

Goodbye Neu-Delhi

By On Januar 20, 2020

Heute ist es Zeit von Neu-Delhi Abschied zu nehmen. Es geht weiter nach Kochi, im Süden Indiens.

Die letzten zwei Nächte habe ich bei Prachi verbracht. Das ist die junge Inderin, die letztes Jahr in der Schweiz war. Diese taffe, junge Frau hat mich wirklich sehr imponiert. Es ist nämlich äußerst selten, dass Inderinnen alleine mit dem Rucksack reisen. Es ist sogar ziemlich verpönt hier so etwas zu machen. Umso mehr fasziniert mich ihr Mut und ihre Weltoffenheit. Wir hatten sehr spannende Gespräche und ich konnte wieder unheimlich viel über die Kultur und die Denkweisen der Menschen in Indien erfahren. 

Da Prachi gestern tagsüber beschäftigt war, traf ich mich nochmals mit Athan. Er war mein erster Couchsurfing Gastgeber in Delhi und ich muss sagen, dass wir ziemlich gute Freunde wurden. Athan hat wirklich ein Herz aus Gold und wir haben immer endlos viel zu lachen gemeinsam. Außerdem ist er ein top Fotograf und wir machten ein kleines Shooting mit einem wunderbar farbenfrohen Schal aus seiner Heimat dem Nagaland.

Danke an Athan für die tollen Bilder




Wir kochten auch noch ein letztes Mal gemeinsam. 

Athan und ich


Den Abend verbrachte ich mit Prachi und ihren WG-Kollegen.

Prachi und ich

Ich staunte nicht schlecht, als ich dann plötzlich eine Nachricht von Andrea auf meinem Telefon hatte. Das ist der junge Italiener mit dem ich drei Wochen lang durch das Everest Gebiet in Nepal wanderte. Er teilte mir mit, dass er nach Delhi kommen würde. Da ich ja heute schon meinen Flug nach Kochi habe, war die Zeit für ein Treffen recht begrenzt. Doch wir konnten es tatsächlich schaffen, uns heute Morgen noch für eine gute Stunde auf einen leckeren Masala-Tee zu treffen. Ich staune immer wieder wie klein die Welt doch ist. 

Nun bin ich gerade am Flughafen in Delhi. Bin schon äußerst gespannt auf den Süden Indiens. 

Namaste








Samstag, 18. Januar 2020

Neu-Delhi: Metro, Lodi Gärten & neue Bekanntschaften

By On Januar 18, 2020

Zu meinem Erstaunen, wurde der gestrige Tag noch ganz aufregend. Somit konnte ich  meinen Großstadt-Koller ein wenig überwinden. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass in Delhi etwa 20 Millionen Menschen leben. Das ist zweinhalb Mal Österreich oder auch die Schweiz. Und das alles in einer Stadt. Unglaublich! 

Jedenfalls machte ich mich gestern nach meinem Morgenkaffee auf in Richtung Lodi Gärten. Kaushik - der Mitbewohner von meinem Gastgeber Nik - meinte nämlich, dass es dort ganz schön und friedlich wäre. Ich nahm also die Metro (U-Bahn) dorthin. Das Metrosystem in Neu-Delhi ist wirklich gut ausgebaut. Man kommt rasch und günstig so gut wie überall hin. Ich habe mir eine Metrokarte gekauft. Diese kann man immer wieder aufladen und sie ist zudem sehr praktisch in der Handhabung. Was mich sehr verwundert hat ist, dass man bevor man das Metrosystem betritt einer Sicherheitskontrolle unterzogen wird. Wichtig: Männer und Frauen müssen sich in getrennten Reihen anstellen - das habe ich anfangs nicht ganz geschnallt und war plötzlich recht beunruhigt, als ich in einer Riesenmasse an Männern als einzige Frau stand. Im weiteren Verlauf muss man die Tasche auf ein Fließband legen - wie beim Flughafen - damit sie durchleuchtet wird. Man wird dann von einer Sicherheitsbeamtin von oben bis unten ausgegrabscht und dann darf man weiter. Selbiges Szenario spielt sich auch ab, wenn man beispielsweise in einen MC Donalds oder ins Starbucks-Cafe will. Ähnliches habe ich auch in Südafrika und in einigen Ländern in Lateinamerika erlebt. 

Die Lodi Gärten haben mich sehr beeindruckt: Eine sehr vielfältige Pflanzenwelt, antike Bauten aus dem 15. und 16. Jahrhundert und jede Menge Vögel. Zudem nur relativ wenige Menschen, die in Grüppchen zusammensaßen und picknickten oder einfach nur die Ruhe auf einer Parkbank genossen. 

Lodi Gärten in Neu-Delhi 



Ich traf mich dort mit Abhishek (natürlich von Couchsurfing, wie ihr euch wahrscheinlich schon vorstellen könnt). Der junge Mann erzählte mir voller Begeisterung viele spannende Fakten über Indien und Neu-Delhi. Dann drehten wir mit seinem Motorrad eine Runde. Wir hielten an einer der Garküchen am Straßenrand, um uns dort ein Mittagessen zu kaufen. Dieses wird dann einfach im Stehen am Straßenrand gegessen. Ich liebe solche Erfahrungen. Ja, ich liebe dieses einfache Leben. Obwohl Kaushik mich heute morgen noch extra gewarnt hat, dass ich nichts von der Straße essen sollte, da dieses oft recht unhygienisch zubereitet werden würde. Aber gut, er fällt auch in eine ganz andere Gesellschaftsklasse als Anwalt. Er ist stets fein gekleidet mit Anzug und hält sich wohl eher in vornehmen Restaurants mit Spitzenküche auf. Aber wie schon erwähnt, ich fühle mich viel wohler mit einfachen Menschen. Das Essen schmeckte vorzüglich und ich habe nicht die geringsten negativen Nachwirkungen davongetragen. 

Essen am Straßenrand :)

Nachdem wir uns die Bäuche vollgeschlagen haben, ging die Erkundungstour auf seinem Bike weiter. 

Ugrasen ki Baoli

Abhishek & ich

Einheimische, die mich um ein Foto fragten

Er zeigte mir dann noch die indische Eisenbahn und lud mich anschließend auf eine Tasse Tee zu ihm nach Hause ein. Seine Oma öffnete die Tür. Sie sprach kein Englisch, sah mich aber freudestrahlend an und begann mit mir auf Hindi zu sprechen. Ich genoss eine Tasse Masala Tee, welcher wunderbar würzig war. 





Als ich am Abend nach Hause kam, saß Kaushik mit einem Freund auf der Couch. Sie tranken Whiskey. Sein Freund schien ein äußerst feiner Herr zu sein mit frisch polierten Schuhen und einem sehr exquisiten Anzug. Bereits seine zweite Frage an mich war, was ich von Beruf war. Als ich "Krankenschwester" antwortete, verzog sich sein Gesicht und er musterte mich von oben bis unten. Aus seinem Mund ertönte ein recht freudloses "Nobel". Ja, der Beruf einer Krankenschwester ist in Indien nicht besonders angesehen, wie ich bereits vorher erfahren habe. Hier erwartet man von den Menschen der oberen Gesellschaftschicht, dass sie mindestens Ärzte oder Anwälte werden. Aber eine solch abwertende Reaktion hätte ich nicht erwartet. Ich wünschte gerade, dass mich der Erdboden verschlucken würde. Einmal tief durchatmen und gute Mine zu dem bösen Spiel machen. Ich setzte mich zu den beiden an den Tisch. Zum Glück schenkte mir der Schnösel nicht weiter Beachtung und verabschiedete sich bereits nach zehn Minuten. Mein Gastgeber Nik kam nicht nach Hause an diesem Abend. Kaushik fragte mich, ob ich Lust hätte mit ihm auszugehen. Ich gab vor schon unendlich müde zu sein, da ich wirklich keine Lust hatte mehr von diesen hochgestochenen Typen zu treffen. 

Heute Morgen überlegte ich mir dann ernsthaft, ob ich noch einmal meinen Gastgeber hier in Delhi wechseln sollte. Wie durch ein Wunder bekam ich plötzlich eine Nachricht von Prachi. Das ist eine junge Inderin, die letztes Jahr durch die Schweiz reiste. Sie schickte mir damals eine Nachricht, ob sie bei mir couchsurfen könnte. Aufgrund diverser Zwischenfälle klappte es dann aber nicht. Als ich nun vor einigen Tagen nach Neu-Delhi reiste, kontaktierte ich sie. Leider war sie gerade selber auf Reisen. Und genau heute schrieb sie mir, dass sie am Abend zurückkommen würde und ich doch bei ihr unterkommen sollte. Was für ein glücklicher Zufall. Ich hoffe nun wirklich, dass es auch klappt. Ich würde mich nämlich wahnsinnig freuen, endlich einmal bei einer weiblichen Person unterkommen zu können. Das ist nämlich hier in Indien gar nicht so einfach. 99,9% der Couchsurfing Gastgeber sind nämlich Männer, da es in dieser Kultur äußerst selten ist, dass Frauen alleine wohnen. Meistens bleiben sie bis zur Heirat im Elternhaus. Und diese sind natürlich meist nicht so erfreut, wenn andauernd fremde Leute ins Haus kommen. 

Namaste


Freitag, 17. Januar 2020

Neu-Delhi: Regenwetter & neuer Couchsurfing Gastgeber

By On Januar 17, 2020

Langsam aber sicher kann ich mich etwas an den Tagesrhythmus hier in Neu-Delhi gewöhnen. Das späte Abendessen und lange Wachbleiben war anfangs nicht einfach für mich. Ich wachte trotz wenig Schlaf immer schön frühmorgens auf und fühlte mich demzufolge aufgrund vom Schlafmangel ziemlich energielos. Mittlerweile schaffe ich es bis neun zu schlafen *lach*. 

Tee trinken bei Athan

Der gestrige Tag war geprägt von starkem Regen. Das bedeutete, dass man außer Haus nicht viel machen konnte. Die Straßen waren nicht sehr anschaulich: Das schmutzige und vermüllte Wasser überschwemmte die Straßen. Ich verbrachte also einen ganz entspannten Tag bei Athan Zuhause. Wir kochten gemeinsam - ich glaube ich habe es schon mindendestens einmal erwähnt, dass er ein absolut vorzüglicher Koch ist - und sahen uns Bollywood Filme an. Ich fühlte mich mittlerweile wie zu Zuhause in seiner gemütlichen kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung. Trotzdem beschloss ich noch einen anderen Teil der Stadt besser kennen zu lernen und deshalb meinen Couchsurfing Gastgeber heute zu wechseln. 


Diesmal ging es zu Nik und seinem WG-Kollegen Kaushik. Nik arbeitet mit Straßenkindern. Er lernt diesen Theater. Und Kaushik ist Anwalt. Bereits beim Betreten ihrer Wohnung musste ich feststellen, dass die beiden wohl ganz gut betucht sind. Sie empfingen mich sehr freundlich und teilten ihr Abendessen mit mir. Kaushik leerte ein Glas Whiskey nach dem nächsten. Anfangs war er recht wortkarg. Mit zunehmendem Alkoholspiegel war sein Rededrang dann aber gar nicht mehr zu stoppen. Wir tauschten lustige Couchsurfing Erlebnisse und Reisegeschichten aus. 

Ein Rumpeln in der Küche weckte mich heute Morgen. Es war das Dienstmädchen, das schon fest am Boden Schrubben des Bodens und Kochen war. Immerhin war es schon nach neun. Kaushik saß mit seinem Bademantel im Wohnzimmer und tippte auf seinem Laptop herum. Er gab mir noch jede Menge nützlicher Tipps, was ich heute machen könnte. 

Im Moment sitze ich gerade in einem Cafe und lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Es ist schwer in dieser hektischen Stadt ein ruhiges Plätzchen zu finden. Mehr denn je wurde mir in den letzten Tagen wieder bewusst, dass ich einfach kein Stadtmensch bin. Ich denke, dass drei Tage in Neu-Delhi auch mehr als gereicht hätten. Aber gut, am Montag geht es ja dann endlich weiter in die Hitze des Süden Indiens.

Dienstag, 14. Januar 2020

Angekommen in Neu-Delhi / Indien

By On Januar 14, 2020

Wie so oft wenn ich in ein neues Land komme, wurde mir auch mein Start in Indien nicht besonders leicht gemacht. Zuerst hatte mein Flug knappe zwei Stunden Verspätung und dann war der ganze Immigrationsprozess am Flughafen auch noch wahnsinnig nervenaufreibend.

Mein Couchsurfing Gastgeber Athan empfahl mir mittels Uber (=Online Vermittlubgsdienst für Taxis) zu ihm zu kommen, da die Flughafen Taxis wohl masslos überteuert und nicht vertrauenswürdig wären. Mit Uber könnte Athan zudem meine Fahrt mitverfolgen und das Autokennzeichen des Fahrers sehen. Das Problem war nur, dass ich außerhalb des Flughafens keine WLAN Verbindung mehr hatte. Der Flughafen ist zudem riesengroß und mich belagerten sofort zig Taxifahrer. Ich überlegte kurz, ob ich einen von denen nehmen sollte. Als ich jedoch bemerkte, dass mindestens einer von ihnen eine starke Alkoholfahne hatte, entschloss ich mich dagegen. Ich ging also zurück ins Flughäfengebäude, um mich mit dem Internet zu verbinden. Dann orderte ich ein Uber-Taxi. Diese haben hier am Flughafen wohl eine Abholstelle, zu der ich dann gehen sollte. Ich machte mich also auf die Suche. Doch es schien zwecklos. Das ganze Gelände war dermaßen groß und unübersichtlich, dass ich das wohl nie finden würde. Als es dann auch noch wie aus Eimern zu schütten begann war ich den Tränen nahe. Mein Fahrer war bestimmt auch schon wieder weg, und ich konnte ihn nicht einmal kontaktieren.

Wie durch ein Wunder sah ich plötzlich ein Schild: "Uber pick-up zone". Da ich aber bereits viel zu spät dran war, hatte ich alle Hoffnung verloren, dass ich unter diesen hunderten Taxis meinen bestellten Fahrer finden würde. Doch es geschah tatsächlich das nächste Wunder: Das zweite Autokennzeichen, das ich mir anschaute, war das richtige. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Der Fahrer war super lieb und half mir sogar meinen Gastgeber zu kontaktieren.

Athan holte mich an der vereinbarten Stelle ab. Er schien mir recht sympathisch. In seiner kleinen Wohnung durfte ich im Wohnzimmer auf der Couch schlafen. Doch vorher erzählte er mir noch ziemlich detailliert seine gesamte Lebensgeschichte. Diese ist ziemlich interessant. Athan berichtete mir von seiner Heimat im Nordosten Indiens, dem Nagaland. Er fühle sich nicht wirklich verbunden mit Indien, da die Kultur dort komplett anders sei. Zudem ist die vorherrschende Religion im Nagaland das Christentum. Auch die Sprache ist anders - es gibt unzählige Stammessprachen. Die Nagas leben außerdem ein noch recht traditionelles Leben. Durch seinen Job kommt Athan allerdings in der ganzen Welt herum.

Da die Erzählungen kein Ende  nehmen wollten und ich schon ziemlich müde war, versuchte ich ihm dies zu demonstrieren, in der Hoffnung, dass er vielleicht morgen weitererzählen würde. Doch dem war nicht so. Um kurz  nach 21 Uhr meinte er, dass wir etwas kochen könnten. Ich hatte tatsächlich Hunger. Athan hatte jede Menge leckerer Lebensmittel aus dem Nagaland in seiner Küche: Obst und Gemüse von seiner Farm dort, Speck, geräuchertes Rindfleisch usw. Das Kochen dauerte dann sage und schreibe bis Mitternacht, da der Gute vor lauter Reden immer wieder aufs Kochen vergaß. Aber ich konnte ihm einfach nicht böse sein. Er ist außerdem ein sehr guter Koch, das Essen schmeckte einfach vorzüglich.

Am nächsten Tag überraschte mich Athan mit einem leckeren Frühstück. Die Gastfreundschaft der Menschen hier ist wirklich unglaublich.

Frühstück 

Ausblick von Athans Wohnung 


Es war schon gegen Mittag, als ich dann meine Erkundungstour durch Neu-Delhi startete. Ich begann im Deer-Park, der gleich neben dem Haus liegt. Es ist ein wunderschöner großer Park mit einer sehr ruhigen Atmosphäre. Zudem laufen Pfaue herum und man sieht jede Menge Vögel. In einem Gehege werden zudem Rehe gehalten. Dass die Inder  nicht ganz zu ruhig und zurückhaltend wie die Nepalesen sind, konnte ich bereits nach kurzer Zeit feststellen. Man muss hier einfach lernen, dass man nicht mit jedem, der einen anspricht, ein Gespräch beginnt. Es ist nämlich unheimlich schwer diese wieder loszuwerden. Ja teilweise verfolgen sie einem sogar. Aber auf solche Situationen war ich bereits vorbereitet.

Deer Park

Das Highlight des Tag war, als mir plötzlich Apoorv schrieb. Das ist ein Inder, den ich im November in Prag kennengelernt habe. Er wohnt nämlich in Neu-Delhi und fragte mich, ob ich Lust hätte ihn zu treffen. Natürlich bejahte ich dies. Wie klein die Welt doch ist! Er holte mich mit seinem Auto ab und wir fuhren quer durch die Stadt.

Südindisches Mittagessen mit Apoorv

In Prag meinte Apoorv damals, dass er mich dazu bringen würde in Neu-Delhi Auto zu fahren. Ich fand die Idee ganz gut, aber mittlerweile bin ich mir da nicht mehr so sicher. Das Verkehrs-Chaos hier ist nämlich wüst. Dazu kommt, dass ich nun schon jahrelang nicht mehr Auto gefahren bin. Und nicht zu vergessen natürlich der Linksverkehr. Apoorv ließ aber nicht locker. Im Endeffekt willigte ich dann - wie ihr euch wahrscheinlich vorstellen könnt - doch ein. Er empfahl mich noch, ein Tuch um die Haare zu wickeln, damit die Polizei nicht sofort sehen konnte, dass ich eine Touristin sei. Diese seien nämlich immer gefundenes Fressen für und sie versuchen irgendetwas zu finden, wo sie dann kassieren können. Gute dreißig Minuten saß ich letztendlich hinter dem Steuer. Besonders entspannend war die Fahrt nicht, aber auf alle Fälle eine Erfahrung wert.

Ich beim Auto fahren in Neu-Delhi 

Am Abend schlenderte ich gemeinsam mit Athan durch die Straßen und wir besuchten einen einheimischen Markt. Er half mir zudem eine indische Simkarte zu erwerben. Das ist nämlich ein recht komplizierter Prozess - speziell für Ausländer. Ich war positiv überrascht wie günstig das Ganze ist: Für 750 INR (indische Rupies) - das sind gerade mal 9,50 Euro - bekam ich eine Airtel Simkarte mit einem inkludierten Datenpaket von 1,5 GB pro Tag, unbegrenzten Anrufen und 1.000 SMS. Und das für volle 3 Monate.

Natürlich wurde Zuhause dann noch gemeinsam gekocht. Ich liebe es wie Athan aus so einfachen Zutaten aus Eigenbau dermaßen leckere Gerichte zaubern kann. Während des Kochens hörten wir österreichische Schlager und tranken ein Glas Bier. What a wonderful world!

Athan und ich


Athan machte einen Schnappschuss von mir beim Telefonieren. Fotografie ist seine große Leidenschaft. 

Nun werde ich noch bis 20.1. in Neu Delhi bleiben. Dann geht es weiter nach Kochi im Süden Indiens.

















Montag, 13. Januar 2020

ROUTE NEPAL

By On Januar 13, 2020




Reisezeitraum:
04.11.2019 - 13.01.2020

Route:
TSCHECHIEN - Kathmandu - 3-Passes + Everest Base Camp Trekking - Kathmandu - Pokhara - Australian Camp - Dhampus - Pokhara - Kathmandu - Vipassana Center Kathmandu - Kathmandu - Pokhara - Mardi Himal Trek - Chitwan Nationalpark - Kathmandu - INDIEN




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