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Freitag, 16. Juni 2017

Von Oruro nach Potosí


Ein Tag in Oruro

Gestern war ein religiöser Feiertag hier in Bolivien: Corpus Cristi. Nachdem ich mit meinem Hostel recht zufrieden war, beschloss ich noch einen weiteren Tag in Oruro zu verbringen. Ich traf mich mit Pablo, einem Einheimischen von Couchsurfing, zum Mittagessen. Er weiß außerordentlich viel über die Brauchtümer und die Geschichte der Gegend hier. Er erzählte mir, dass die vorherrschende Religion katholisch ist, jedoch vermischt mit den uralten Naturreligionen. So gehört beispielsweise das Opfern von Tieren an die Pachamama (= Mutter Erde) immer noch zu den ganz alltäglichen Ritualen. In manchen kleinen Dörfern würden wohl sogar Menschenopfer gebracht bzw. das erstgeborene Baby geopfert. Das hört sich wirklich unglaublich grausam an.

Später konnten wir noch einige traditionelle Tänze zu Ehren des Feiertages sehen. Die traditionelle Kleidung der Frauen erinnert mich fast etwas an unsere Tracht zu Hause.

Die Feier des "Corpus Christi" in Oruro


Von Oruro nach Potosí

Heute Morgen machte ich mich ganz gemütlich auf zum Busbahnhof in Oruro. Es sollte weitergehen nach Potosí. Busse dorthin fahren tagsüber halbstündlich ab. Kosten: 25 Bolivianos (= 3,26 Euro), Dauer: 5 Stunden. Im Bus saß eine Dame mittleren Alters neben mir, sie heißt Olimpia. Ganz neugierig fragte sie mich über alles Mögliche aus. Zuerst natürlich die Standartfrage, warum ich denn mit 29 Jahren noch nicht verheiratet sei und keine Kinder habe. Danach kam ganz ungeniert die Frage wieviel Geld ich denn auf meiner Reise in Bolivien ausgeben würde. Solche teilweise doch recht persönlichen Fragen kann man sich bei uns zu Hause nur schlecht vorstellen. Danach regte sich Olimpia noch ordentlich über den Jungen auf, der im Bus Kaugummis zu verkaufen versuchte - maßlos überteuert meinte sie. Ansonsten war die Dame aber ganz lieb, ich musste bloß irgendwann ihren unaufhörlichen Redezwang unterbinden, indem ich mir meine Kopfhörer in die Ohren steckte.  Die Busfahrt ging hoch hinaus, wir kamen bis auf eine Höhe von 4.300 m - die Gegend wirkt karg, dafür aber hügelig und mit Unmengen an Lamaherden.

Potosí - die Stadt der Silberminen

Potosí liegt inmitten einer kargen Bergwelt auf guten 4.000 m und ist somit eine der höchstgelegenen Städte der Welt. Die Stadt wurde 1545 gegründet, kurz nachdem Erz entdeckt wurde. Schon bald finanzierte das hier geförderte Silber das gesamte spanische Reich. Potosí wurde zur reichsten und größten Stadt des amerikanischen Kontinents. Als das Silber langsam versiegte, fiel die Stadt in Verfall und ihre Bewohner versanken in Armut. Bis heute wir hier Metall unter ziemlich schlechten Bedingungen von Bergarbeitern gefördert. Anscheinend sind bereits über 8 Millionen Menschen in den Minen ums Leben gekommen. Heute gibt es knapp 11.000 Minenarbeiter, knapp tausend davon sind Kinder. Die Arbeitsbedingungen haben sich leider im Laufe der Jahre so gut wie gar nicht verbessert. 

In Potosi angekommen - Hostal Compania de Jesus

Der Busbahnhof von Potosí liegt etwas außerhalb des Ortskernes, aber es fahren regelmäßig Kleinbusse ins Zentrum. Ich fand ganz in der Nähe der Kathedrale eine günstige Unterkunft in einem ehemaligen Kloster: Hostal Compania de Jesus

Zimmerpreise
  • 80 Bolivianos (= 10,45 Euro) für ein Zimmer mit eigenem Bad
  • 60 Bolivianos (= 7,80 Euro) für ein Privatzimmer mit Gemeinschaftsbad

Auf Nachfrage ob sie denn nichts Billigeres haben, zeigte mir die Dame eine klitzekleines Räumchen und meinte, das könnte ich für 30 (= 3,90 Euro) haben. Doch diese Kammer war mir dann doch etwas beengend. Ich konnte den Preis für das Zimmer mit Gemeinschaftsbad auf 50 (= 6,50 Euro) herunterhandeln. Inkludiert ist Frühstück, WLAN und eine Küche zum selber kochen - was will man mehr. Ich spazierte noch gemütlich durch Potosí und werde jetzt einen netten Fernsehabend machen - so was hatte ich nämlich schon ewig nicht mehr ;)

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